Hallo zusammen! Nachdem ich Ende des Jahres für vermutlich zwei Jahre nach Koblenz ziehen werde und als noch-Nürnberger aus dem NVF Franken rege Teilnahme gewohnt bin wollte ich mich einmal erkundigen ob sich hier des Öfteren noch andere Nahverkehrsinteressierte aus Koblenz und Umgebung einfinden, und da evtl. etwas ins Rollen bringen.

Ich verbringe seit 2 Jahren regelmäßig Zeit in Koblenz, da meine Partnerin bereits länger dort wohnt, habe also zumindest schon einen gewissen Einblick in die dortigen Strukturen. Insgesamt ist mein Fazit, dass in Koblenz in der Verkehrsplanung wohl über Jahrzehnte sehr viel schiefgelaufen ist, wenn man sich die zahllosen riesigen Straßenzüge anschaut, die die Stadt zerschneiden. Trotzdem macht Autofahren auf Grund der teilweise chaotischen Verhältnisse dort nicht wirklich viel Spaß, was ich am eigenen Leibe erfahren habe, als ich noch ein Auto besessen habe. Die Straßenbahn wurde Ende der 1960er abgeschafft, das Bussystem ist zwar akzeptabel, aber krankt auch an dem vielen Verkehr, durch den es sich quälen muss, und an teilweise seltsamen Linienführungen und Einschränkungen.

Eine Frage, die sich mir seit einiger Zeit stellt, ist nicht zuletzt, warum die Buslinie 3 ab 20.15 Uhr die Goldgrube nicht mehr anfährt, obwohl dort doch zahlreiche Menschen wohnen, und der Fußweg zum Hbf, von dem aus die 3 in den Abend-/Nachtstunden verkehrt, unter Umständen ganz schön weit sein kann. Gibt es dafür eine sinnvolle Erklärung, die man als länger ortsansäßiger kennt?

Außerdem würde mich einmal interessieren, wie bisher so der neue DB-Haltepunkt Koblenz-Stadtmitte so angenommen wird. Gibt es dort regelmäßig viele Zu- und Aussteiger, oder ist das eher eine Geldverschwendung gewesen (der HP war ja glaube ich am Ende doppelt so teuer wie anfänglich gedacht, 18 Mio. oder so)?

Bin gespannt, ob sich hier noch andere Kowelenzer finden, mit denen man eventuell diskutieren kann!
Zitat
Gugelhupf
Außerdem würde mich einmal interessieren, wie bisher so der neue DB-Haltepunkt Koblenz-Stadtmitte so angenommen wird. Gibt es dort regelmäßig viele Zu- und Aussteiger, oder ist das eher eine Geldverschwendung gewesen (der HP war ja glaube ich am Ende doppelt so teuer wie anfänglich gedacht, 18 Mio. oder so)?

Bin zwar keiner von deinen Gesuchten, da Berliner, aber zu KO-Stadtmitte gab es vom Zweckverband SPNV Nord erst kürzlich
eine Pressemitteilung: [www.spnv-nord.de]

Gruß
PEG 650.08
Na gut, bei dem interessanten Link verzeih ich dir sogar, dass du kein Koblenzer bist... ;)
Ich finde jetzt 3000 Fahrgäste am Tag gar nicht so spektakulär, wie es in dem Artikel klingt. Aber gut, ich bin aus Nürnberg & Fürth mit rund 6-mal sovielen Einwohnern natürlich auch andere Dimensionen gewohnt (von Berlin mal gar nicht zu reden :P)...
In der letzten Stadtratssitzung wurde ein Antrag der CDU-Fraktion behandelt, der sich mit einer möglichen Reaktivierung der Bahnstrecke KO-Lützel - Ochtendung auseinandersetzt. Im Ergebnis wurde festgehalten, dass die Stadt dieses Vorhaben unterstützt und an den Zweckverband SPNV-Nord weitergibt, damit dieser ein vertiefendes Gutachten anfertigt. Die Strecke könnte allerdings wohl nur bis zum HP Bassenheim geführt werden (über die HPs KO-Metternich und KO-Rübenach), da zwischen Bassenheim und Ochtendung vom Lkr. MYK bereits ein Radweg vorgesehen ist. Angedacht ist eine Weiterführung des vectus, der momentan zwischen KO-Hbf und Limburg verkehrt, und der mit einer Verlängerung nach Bassenheim zusätzlich den neuen HP KO-Stadtmitte bedienen würde - was natürlich sowohl die Attraktivität der Zuglinie als auch die des neuen HPs erheblich erhöhen würde.
Insbesondere im Kontext der fälligen Brückensanierungen und dem damit anfallenden Verkehrschaos erscheint diese Reaktivierung der Stadt als sehr sinnvoll. Schauen wir mal, was dabei rauskommt...
Zumindest meine Frage mit der nächtlichen Führung der Buslinie 3 zum Hbf an Stelle der Goldgrube hat sich mittlerweile erledigt - wohl seit dem letzten Fahrplanwechsel im Dezember fährt die Linie 3 der KEVAG (Güls - Löhr-Center - Goldgrube) auch in den Abendstunden bis zur Goldgrube. Lediglich der letzte Bus fährt über den Hbf und dann vermutlich weiter ins Depot in der Schützenstraße.

Auf der Regionalbahnlinie nach Trier sieht man auch mittlerweile öfter die neuen Talent2-Züge, die ja auch bei der S-Bahn-Nürnberg in zunehmenden Zahlen mit Verspätung eines guten Jahres in den Fahrgastbetrieb gehen.
Dein Eindruck ist richtig. Seit Jahren wird der motorisierte Individualverkehr perfektioniert, B9 zum Teil in der Stadt 8-spurig, Triererstraße 4spurig, Wohngebiete für den ÖPNV an ungünstigen Stellen geplant, z.B. Wolken oder Asterstein und man wundert sich, dass der Stau bleibt. Weiteres Beispiel: Gondorf ist gut mit der R-Bahn angeschlossen, das Neubaugebiet ist in Dieblich auf dem Berg, auf der anderen Moselseite.

Die FDP fordert ein Radweg auf der Bahnstrecke Koblenz - Ochtendung. Diese Bahnstrecke tangiert 6 Industriegebiete (Industriegebiete Rheinhafen, Dienstleistungszentrum B9, Gewerbegebiet I und II Metternich, Güterverkehrszentrum A61 und Zweckverband A61 und mehrere Wohngebiete (Metternich, Rübenach, Bassenheim, Ochtendung) - aber ein Radweg ist innovativ. Der Radweg geht weiter bis nach Mayen, noch ist er als Bahnstrecke gewidmet, aber eine Entwidmung ist im Bundesanzeiger veröffentlicht. Polch hat ein großes Industriegebiet und liegt direkt an der Bahnstrecke. Das ganze wird auf der Grundlage eines Gutachten von ca. 1996 diskutiert. Dieses Gutachten wird diskreditiert als zu positiv, dabei hat man die Industriegebiete die jetzt erst entstehen nicht berücksichtigt. Man kennt keine Zahlen über Pendlerbewegung, Schülerzahlen (IGS Metternich und viele Schulen in der Nähe vom HP-Mitte) man ist sich aber sicher die Umgehungstraße in Metternich/Bubenheim ist die Lösung aller Probleme. Der mögliche Güterverkehr wird kleingeredet, da man Anlieger wie Propangas einfach den Anschuß genommen hat.

Wir haben einen tollen ÖSPNV ins Lahn-, Rhein- und Moseltal. Neuwied-Koblenz ist genial verbunden. Der Haltepunkt Koblenz-Mitte ist für die Schüler von den Rheindörfer ideal. Es fehlt der Anschluß in die Koblenzer Industriegebiete und ins Maifeld.

Die Interessen werden vertreten durch die Bahninitiative-Koblenz-Ochtendung e.V. (BiKo e.V.). Aber der politische Konsens aller Parteien ist: die Bahnstrecke ist ein verbranntes Thema.
Ja, die Autostadt Koblenz ist legendär. Das stellt auch jeder fest, der mich besuchen kommt seit ich hier wohne. Die Verkehrsverhältnisse für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV sind leider ziemlich katastrophal, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Faszinierenderweise ist es trotz all der vielen Spuren und dem vielen Asphalt wirklich kein Vergnügen, in Koblenz Auto zu fahren. Tagsüber stockt es trotz der riesigen Straßen, Brücken, Über- und Unterführungen, und nachts wirkt es alles wie eine verlassene Metropole, weil auf dem ganzen Asphalt gefühlte drei Autos pro Stunde unterwegs sind. Das war dann wohl mal echt verkorkste Verkehrsplanung...

Deine Zusammenfassung der Ochtendung-Bahnstrecken-Problematik trifft es auf den Punkt. Der Anschluss der Industrie- und Gewerbegebiete ist katastrophal, obwohl die Bahnstrecken großenteils mitten durch fahren. Aber auch der Busanschluss ist da in vielen Fällen eher mangelhaft. Wie überhaupt der Busverkehr auch innerhalb der Stadt äußerst unzuverlässig ist. Als Stammnutzer der Linien 2 aus Neuendorf fällt mir immer wieder auf, dass der Fahrplan stadteinwärts regelrecht Makulatur ist. Bei der Linie 3 sieht es aber noch schlimmer aus. Oft kommt sie am Löhr-Center schon mit Minimum fünf Minuten Verspätung an, dann dauert der Fahrgastwechsel rund 4 Minuten, weil sich Massen an Studenten plus die normale Bevölkerung in den Solobus quetschen, und zur Krönung steht der Bus dann beim Linksabbiegen aus der Hohenfelder Straße in Richtung Saarplatz oft drei Ampelphasen, weil pro Phase oft nur ein Auto durchkommt. Wer sich so eine Verkehrsplanung überlegt muss irgendwas übersehen. Das mindeste wäre dort eine eigene Busspur mit Ampelvorrangschaltung - das würde dann auch den Linien Richtung Moselweiß, Rübenach, Burgen zu Gute kommen. In der Ankunftszeit an der Uni hat die Linie 3 dann regelmäßig 10 Minuten Verspätung. Das macht die eigentlich fahrplanmässig schnellste Verbindung zur Uni (ab Löh-Center angeblich 8 Minuten) natürlich äußerst unzuverlässig und den ÖPNV auf dieser Relation insgesamt deutlich unattraktiver.
Für alle, die interessiert was so im Koblenzer ÖPNV los ist, wollte ich meinen Blog mit dem Titel "Der alltägliche Wahnsinn - ÖPNV in Koblenz" hier einmal verlinken. Auf Grund der geringen Resonanz in diesem Thread werde ich natürlich nicht alles hier reinschreiben, was ich in dem Blog teilweise ausführlicher bespreche. Vorbeischauen und reinlesen lohnt sich also! Zuletzt schrieb ich übrigens über den Schrägaufzug Ehrenbreitstein und den Skandal, dass dessen Eingliederung in den VRM-Tarif in keinster Weise öffentlichkeitswirksam kundgetan wurde - ja im Gegenteil sogar die Information darüber, dass man mit VRM-Tickets den Aufzug kostenfrei nutzen kann, für Nutzer dieses Verkehrsmittels scheinbar bewusst erschwert wird.

[naermberchergedanken.wordpress.com] & [wahnsinninkoblenz.wordpress.com]
Seit dem 1. Juli gilt in Koblenz auch bei den Stadtbussen der KEVAG, was bei den Rhein-Mosel-Bussen der Bahn schon allgegenwärtig ist: Einstieg, auch tagsüber, nur noch vorne. Zunächst soll es dafür einen dreimonatigen Testbetrieb geben, nach dessen Ergebnissen die Wirksamkeit (Einfluss auf Betriebsqualität durch längeren Einsteigevorgang, Reduzierung der Schwarzfahrerquote) der Maßnahme überprüft und sie gegenbenfalls dauerhaft eingeführt werden soll. Der Fahrgastbeirat hatte diesen Schritt unterstützt, wie es von Seiten der KEVAG heißt.

[naermberchergedanken.wordpress.com] & [wahnsinninkoblenz.wordpress.com]
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