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Impressionen aus Hannover [m8B]
geschrieben von Boris 
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Boris
Hallo Jules,

Zitat
Jules
Das ist ja so als würde man die Mineralölsteuer erhöhen und den Autofahrern sagen, ihr könnt ja Werbeeinnahmen dadurch generieren, indem ihr eure Autos mit Werbung zukleben lasst, um so die Erhöhung der Mineralölsteuererhöhung auszugleichen.

Ich glaube, es ist schon gleich gut herübergekommen, dass Du Autowerbung auf öffentlichen Verkehrsmitteln kategorisch ablehnst. Das ist Dein gutes Recht und vielleicht kannst Du Politiker und die Presse vor Ort von Deinem Vorhaben überzeugen, ähnlich gelagerte Fälle, die erfolgreich waren, gab es bereits.

Du wirst aber verstehen, dass ich es für schwer nachvollziehbar halte, dass auf weitere Einnahmen für den ÖPNV verzichtet werden soll, wo die finanzielle Zukunft des ÖPNVs so ungewiss ist, wie derzeit. Die Werbungen spülen sicher keine immensen Beträge in die Kassen, trotzdem tragen sie ihren Teil zur Minderung der Kosten bei und nützen mir als ÖPNV-Kunden.

Grüße
Boris

Ich sehe schon, man müsste das Thema eigentlich trennen:
A) Einmal die Frage, ist Autowerbung auf ÖPNV-Fahrzeugen und an Haltestellen nicht kontraproduktiv, wo doch mit dem ÖPNV die Möglichkeit besteht Mobilität für alle zu ermöglichen, und dabei die Umweltbelastung deutlich niedriger zu halten als beim Autoverkehr. Und wo doch die finanziellen Belastungen für die Gemeinschaft durch die Infrastruktur ebenfalls deutlich niedriger sind als beim MIV. Und es muss ja keinen Einnahme-Ausfall bedeuten, wenn auf Autoreklame bei den Öffis verzichtet wird. Es gibt ja auch noch genug Firmen in Deutschland, die nicht mit Autos Geld verdienen.

B) Und das zweite Thema müsste lauten: Wie viel Werbung an Bussen und Haltestellen ist wünschenswert. Dabei müsste dann noch in zwei Richtungen unterschieden werden:
1. Zum einen wie hoch sind die erzielten Einnahmen und wie viel Zumutungen (Z.B. zugeklebte Scheiben lasse ich mir dafür gefallen).
2. Werbung kann Verkehrsmittel und Haltestellen ja auch aufwerten und wenn für unverfängliche Produkte geworben wird, und die Werbung ansprechend gestaltet ist, dann kann sie ja auch die üblicherweise in Serie produzierten Fahrzeuge und Haltestellen beleben oder gar zum Hingucker machen.

Mal schauen, ob ich dafür Beispiele finde, neulich fuhr eine entsprechende Stadtbahn mit Reklame für Indien als Reiseland auf der Linie 10. Hatte leider nicht schnell genug den Foto zur Hand.

Der von Ihnen fotografierte Omnibus mit der Emeukal-Hustenbonbon für Kinder Reklame ist meines Erachtens ein positives Beispiel für Werbung auf Omnibussen. Der Anteil zugeklebter Scheiben ist allerdings schon so ziemlich das Maximum von dem was ich gerade noch für vertretbar halte.

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Boris
Wagen 7438 mit einer auch in Hamburg nicht unbekannten Pop-Werbung.

Also das ist bestimmt schon mal eine sehr begrüßenswerte Werbung, nämlich für das Straßenbahnmuseum in Sehnde-Wehmingen bei Hannover.
Hier geht es zur Internetseite des Straßenbahnmuseums: [www.tram-museum.de]
Und hier das Foto mit dem TW6000 mit der Werbung für das Museum:



6 mal bearbeitet. Zuletzt am 03.03.2015 12:06 von Jules.


Zitat
Deniz90
Hier mal Busse, mit echter VOLLwerbung!
[www.wupper-sieg-bus.de]

[www.transportmediaaward.at]

[www.pic-upload.de]

Die Vereinbarung des VDV, die Boris erwähnte, scheint bei diesen Nahverkehrsbetrieben nicht angekommen zu sein. So eine Werbung ist ja voll ätzend für die betroffenen Fahrgäste. Geht Ihnen das nicht über die Hutschnur, Deniz? Ein Nahverkehrsunternehmen, das seine Fahrgäste mit solchen Rundum-Reklamen pestet, wie Ihre Beispiele es zeigen, verhält sich meines Erachtens geschäftsschädigend gegenüber dem eigenen Betrieb. Mögen die Werbeeinnahmen auch noch so hoch sein, so was schreckt Kunden ab. Und es vermittelt den Eindruck, der ÖPNV sei nur für die unterste Gesellschaftsschicht eine Art Almosen. So nach dem Motto: Die "armen Schlucker" können doch froh sein, dass sie überhaupt Omnibus fahren können, die sollen sich mal bloß nicht so anstellen wegen dem bisschen Reklame.

Trotzdem Danke für Ihre Links, Deniz. Auch wenn es fürchterlich ist, was darauf zu sehen ist.

Ganz so schlimm ist es in Hannover zum Glück nicht, aber schlimm genug. Die Linie 100/200 beispielsweise wird von der Üstra gerne als die Sightseeing-Linie oder Erlebnislinie beworben, weil sie einen Rundkurs durch viele Stadtteile und Teile der Innenstadt fährt. [www.uestra.de]
Hier ein Bild von einem Bus der Linie 100/200, das zeigt, dass die Aussicht aus dem Busfenster doch ziemlich eingeschränkt sein muss. Immerhin, das wird Sie freuen Deniz, kann man das Kippfenster noch öffnen, auch wenn die Reklame darunter leidet.
Das zweite und dritte Bild zeigen die Wirkung der Rasterfolie vom Fahrgast aus gesehen. Alles wird dunkler draußen und innen. Dass es sich dabei auch noch um Flugzeugreklame handelt, finde ich fast so schlimm, als wäre es Autoreklame. Aber zumindest steht das Flugzeug nicht ganz so stark als Mobilitätssystem in alltäglicher Konkurrenz zum ÖPNV wie der MIV.



5 mal bearbeitet. Zuletzt am 04.03.2015 22:44 von Jules.


Genau da haben wir das Problem: Werbung mit wenigen Teilstücken auf den Fenstern nerven viel mehr, als durchgehende unauffällige Rasterfolie.

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Deniz90
Genau da haben wir das Problem: Werbung mit wenigen Teilstücken auf den Fenstern nerven viel mehr, als durchgehende unauffällige Rasterfolie.

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass dieser Beitrag ironisch gemeint war! Oder sind Sie möglicherweise nie in einem voll gerasterten ÖPNV Transportmittel gefahren?
Leider hatte ich damals nicht dran gedacht, ein Foto von innen nach außen zu machen. Aber voll "verrastert" fahren ist ätzend. Besonders dann, wenn es sich dabei auch noch um Autoreklame handelt. Das durfte ich in Saarbrücken in/an der Straßenbahn "erleben". Wozu machen sich die Straßenbahn-Designer überhaupt Gedanken über die Größe der Fenster? Ich finde große Fenster schön, weil man viel durch sehen kann. Und dann werden die großen Fenster mit Autoreklame zu kleinen Schlitzen verklebt. Geht's noch? So viel Werbeeinnahmen können damit gar nicht generiert werden, wie man mit solchen Reklame-Aktionen Menschen davon abschreckt, den ÖPNV zu nutzen.

Und noch ein besonders schizophrenes Beispiel aus Hannover. Ein "Seh-Fest" ist es für die Fahrgäste der von der Üstra so genannten Erlebnislinie 100/200 [www.uestra.de] ganz sicher nicht, wenn sie durch die Rasterfolie was "erleben" dürfen. Hier auf der Fahrt durch die Nordstadt mit den üblichen Solaris-Solobussen an der U-Bahn-Haltestelle Kopernikusstraße. (Aber immerhin: Auch hier ist wenigstens das Klappfenster noch zu öffnen. Das "Sehfest" ist übrigens ein Open-Air-Kino-Spektakel am Maschsee. Das Einzige, was man noch als Entschuldigung vorbringen könnte: Das "Sehfest" ist eine temporäre Veranstaltung und mit der Linie 100/200 kann man sehr gut dahin gelangen.)



9 mal bearbeitet. Zuletzt am 04.03.2015 22:54 von Jules.


Die Werbung auf der Straßenbahn ist in der Tat hässlich.

Die Werbung hätte lieber so sein sollen, wie in diesem Bus. Für die schlechte Qualität des Bildes bitte ich um nachsehen, hier setzte aber schon die Dämmerung ein.

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Dazu noch ein sehr schöner Bus mit echter Vollwerbung.


Oder wie wäre es damit?

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1 mal bearbeitet. Zuletzt am 06.03.2015 13:24 von Deniz90.
Zitat
Deniz90
Oder wie wäre es damit?

So was ist in Polen erlaubt?
Wo der Fahrer beim Abbiegen nicht mal kontrollieren kann, ob von rechts ein Kind über die Straße gehen will?

Gruß Ingo
Der Bus soll angeblich so in Tschechien fahren.

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Rasterfolie nervt: Hier ein Beispiel aus Hannover:


Am besten waere eine Rasterfolie die man an- und ausschalten kann: Bei schoenen Wetter in schoenen Gegenden waere freie Sicht, bei Regen durchs Industriegebiet ist auch egal!
Zitat
Jules
Rasterfolie nervt:
Ja, und "vorne einsteigen" ab 20 Uhr auch..

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Zitat
christian schmidt
Am besten waere eine Rasterfolie die man an- und ausschalten kann: Bei schoenen Wetter in schoenen Gegenden waere freie Sicht, bei Regen durchs Industriegebiet ist auch egal!

Bloß würden dann die Auftraggeber für die Werbung nicht den selben Preis bezahlen. Womit die Frage angeschnitten ist: Wie viel bringt eigentlich Werbung auf Omnibussen an Einnahmen?

Dazu folgende These:
Werbung auf Omnibussen und anderen Öffis bringt keinen finanziellen Gewinn, wenn dadurch die Sicht der ÖPNV-Nutzer eingeschränkt wird. Es ist derzeit sehr populär anzunehmen, dass ÖPNV-Nutzer ohnehin die meiste Zeit in ihr Handy, Smartphpone, Tablet etc. so sehr vertieft seien, dass es ihnen "Wurst" ist, ob ihnen aussichtsmäßig was entgeht. Das mag aktuell bei vielen so sein, aber ich bin mir sicher, dass das eine bald vorübergehende Erscheinung ist. Es ist m. E. sehr kurzsichtig, die Fenster zuzukleben, in der Annahme, dass ohnehin keinen interessiert, was draußen so los ist.
Taxis zum Beispiel, die ja auch häufig mit Werbung geschmückt sind, sind nach meiner Beobachtung niemals "total verklebt". Das ist ein Anhaltspunkt dafür, dass man ÖPNV-Kunden als "dumpfe Abfertigungsmasse" betrachtet, der man mit Reklame zugeklebte Fenster zumutet. Und dass schreckt Menschen davon ab, den ÖPNV zu benutzen, zumindest solche Menschen, die sich nicht gerne als "dumpfe Abfertigungsmasse" behandeln lassen. Deshalb bringt Werbung keinen finanziellen Gewinn, denn nur wenn neue Kundengruppen für den ÖPNV gewonnen werden können, wird dieser letztlich preiswerter. Wenn dagegen an den vorhandenen Kunden gespart wird und sei es auch nur in der Form von Reklame-verklebten Fenstern, dann verteuert das den ÖPNV auf lange Sicht gesehen, weil er unattraktiv wird.

Das soll jetzt jedoch keineswegs heißen, ich sei ein "Werbepurist", jemand der fundamental Werbung an ÖPNV-Fahrzeugen ablehnt. Aber es muss deutlich feinfühliger von den zuständigen Werbung-Treibenden vorgegangen werden, als das derzeit der Fall ist. Gut gemachte Werbung kann auch Menschen gefallen, selbst dann, wenn ihnen nicht das umworbene Produkt gefällt oder erstrebenswert erscheint. Wenn den ÖPNV-Nutzern die Werbung gut gefällt, dann darf auch mal ein kleines bisschen die Scheibe verklebt sein. Aber eben kein komplettes "Zutapezieren".

Hier ein meines Erachtens gelungenes Beispiel für Werbung auf einer hannoverschen Stadtbahn der Linie 9. Auf der Linie 9 fahren aktuell und voraussichtlich auch noch in den nächsten Jahren ausschließlich die alten TW 6000-Fahrzeuge. Das Foto wurde vor dem Lindener Rathaus aufgenommen, das im Hintergrund zu sehen ist. Geworben wird für Indien als Reiseland, aber auch als ein Land, das im Bereich Naturwissenschaft und Technik Großes leistet. Es handelt sich um eine groß angelegte Werbekampagne, in die auch Haltestellen, Plakatwände und Omnibusse als Werbeträger einbezogen sind.

Leider ist bei der Werbung für Indien auf Omnibussen weniger feinfühlig verfahren worden, wie das zweite Bild zeigt. Zwei große Scheiben sind komplett zugeklebt. Das halte ich für inakzeptabel. (Beziehungsweise, dass müsste schon ein ganz besonderer Anlass sein, wenn in der Form geworben wird. Und es muss die absolute Ausnahme sein.) Auch das zweite Bild wurde vor dem Lindener Rathaus aufgenommen, allerdings mit Blick auf die Ostseite des Gebäudes. Das Fahrzeug ist ein Gelenkbus von MAN, der auf der Linie 120 verkehrt.



4 mal bearbeitet. Zuletzt am 29.03.2015 01:51 von Jules.


Zitat
Jules
denn nur wenn neue Kundengruppen für den ÖPNV gewonnen werden können, wird dieser letztlich preiswerter.

Zwei große Scheiben sind komplett zugeklebt. Das halte ich für inakzeptabel.

Schon der erste Satz ist falsch. Je mehr Kunden mitfahren, desto mehr Fahrzeuge und Personal müssen eingesetzt werden. Dies führt zu Zusatzkosten. Zumindest wurde dies als Ausrede für erneute Fahrpreisanpassungen im HVV begründet.

Man kann es aber auch übertreiben. Zwar hätte der Werbe-TB weiter nach hinten verschoben werden müssen (damit die Rückwärtsfahrer hinter dem 1. Radkasten einwandfreie Sicht haben) aber Grundsätzlich sind in diesem Bereich ohnehin keine Sitzplätze, sondern die Stehfläche (Rollstuhlplätze).

Inakzeptabel finde ich auch die überdimensionalen grünen "Notausstiegs-Aufkleber". Die nehmen auch viel Sicht weg. Warum hat man nicht die Originalen weißen Aufkleber von MAN gewählt?

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Zitat
Deniz90
Zitat
Jules
denn nur wenn neue Kundengruppen für den ÖPNV gewonnen werden können, wird dieser letztlich preiswerter.

Zwei große Scheiben sind komplett zugeklebt. Das halte ich für inakzeptabel.

Schon der erste Satz ist falsch. Je mehr Kunden mitfahren, desto mehr Fahrzeuge und Personal müssen eingesetzt werden. Dies führt zu Zusatzkosten. Zumindest wurde dies als Ausrede für erneute Fahrpreisanpassungen im HVV begründet.

Eine häufig strapazierte Legende, die durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird, aber stets auf eine begeisterte Zuhörerschaft trifft. Der ÖPNV verbrät das Geld der fleißigen Steuerzahler und noch mehr ÖPNV kostet den Steuerzahler noch mehr Geld. Aber Sie schreiben ja selbst: "Eine Ausrede". Aktuelles Beispiel, heute in der HAZ zu lesen:
"Thema des Tages
Ein teures Geschäft
Für den Bus- und Bahnverkehr muss die Region Hannover künftig wohl noch mehr Geld ausgeben."

Wenn die HAZ dagegen über marode Schnellwegbrücken berichtet, die aufwendig erneuert werden müssen, und zahlreiche andere kostspielige MIV-Infrastrukturmaßnahmen, sucht man nach solchen Sätzen wie "ein teures Geschäft" vergebens. Tatsächlich zahlt jeder Steuerzahler einen erheblichen Beitrag zum Bau, Erhalt und Betrieb von MIV-Infrastruktur dazu, denn die KFZ- und Mineralölsteuer decken diese Kosten bei weitem nicht. Bei einem gut ausgelasteten ÖPNV dagegen besteht durchaus die Chance, dass dieser kostendeckend funktioniert. Und dort wo er es nicht tut, trägt der ÖPNV zumindest dazu bei, dass nicht noch mehr Geld ausgegeben werden muss, für die sehr viel teurere MIV-Infrastruktur, so dass die Schlagzeile, der ÖPNV sei "ein teures Geschäft", völlig irreführend ist.

Der MIV - ein teures Geschäft.

Wer so einen Laternenmasten umfährt, der hat vermutlich keine Möglichkeit mehr, sich aus dem Staub zu machen, bevor es einer merkt. (So läuft es häufig bei umgefahrenen Pollern, die zum Beispiel Rad- und Fußwege davor bewahren zugeparkt zu werden.) Aber zahlt er auch für die Tage, an denen die Straßenbeleuchtung an dieser Stelle ausfällt? Wird der Strom zum Betrieb der vielen Straßen-Lampen aus der KFZ-Steuer finanziert? Und wer zahlt das regelmäßige Auswechseln der großen Leuchten, die an dieser Stelle nicht nur den Fuß- und Radweg sondern auch drei KFZ-Spuren ausleuchten müssen?

Foto aufgenommen am Friedrichswall, vor dem Neuen Rathaus in Hannover mit Blick auf das Kestner-Museum.



5 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.03.2015 20:54 von Jules.


Zitat
Deniz90
Zitat
Jules
denn nur wenn neue Kundengruppen für den ÖPNV gewonnen werden können, wird dieser letztlich preiswerter.

Zwei große Scheiben sind komplett zugeklebt. Das halte ich für inakzeptabel.
Man kann es aber auch übertreiben. Zwar hätte der Werbe-TB weiter nach hinten verschoben werden müssen (damit die Rückwärtsfahrer hinter dem 1. Radkasten einwandfreie Sicht haben) aber Grundsätzlich sind in diesem Bereich ohnehin keine Sitzplätze, sondern die Stehfläche (Rollstuhlplätze).

Inakzeptabel finde ich auch die überdimensionalen grünen "Notausstiegs-Aufkleber". Die nehmen auch viel Sicht weg. Warum hat man nicht die Originalen weißen Aufkleber von MAN gewählt?

Habe ich Sie da richtig verstanden? Der Notstiegsaufkleber nimmt die Sicht weg. Und für Rollstuhlfahrer und Fahrgäste auf einem Stehplatz ist ein von Werbung ungetrübter Ausblick nicht so wichtig?
Es ist nicht nur 1 Aufkleber. In einem Bus hängen ganze 14 Stück! Das geht gar nicht! Und dann auch noch ganze 4 riesige Aufkleber mit dem Hinweis "Ab 20 Uhr vorne einsteigen". Oder die stark getönten Scheiben. Ein Unding! Das ist ja grauenhaft!

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Deniz90
Es ist nicht nur 1 Aufkleber. In einem Bus hängen ganze 14 Stück! Das geht gar nicht! Und dann auch noch ganze 4 riesige Aufkleber mit dem Hinweis "Ab 20 Uhr vorne einsteigen". Oder die stark getönten Scheiben. Ein Unding! Das ist ja grauenhaft!

Wie notwendig diese Notausstiegsaufkleber an genau dieser Stelle sind, kann ich aus dem Stegreif nicht beantworten. Im Gegensatz zu den mit Rasterfolie zugeklebten Fenstern sind mir die Notausstiegs-Aufkleber bislang noch nicht so negativ aufgefallen. Aber grundsätzlich stimme ich Ihnen zu: Auch Notausstiegsaufkleber können nerven. Möglicherweise vermitteln sie sogar das unangenehme Gefühl in einem besonders unsicheren Verkehrsmittel zu reisen, in dem es notwendig ist, besonders auffällig mittig auf den Panoramascheiben darauf hinzuweisen, dass diese Notausgänge sind. Vielleicht sind die Scheiben aber auch so beschaffen, dass es wichtig ist, im Bedarfsfall mit dem Notfall-Hammer genau dort die Scheibe einzuschlagen, wo sich der Aufkleber befindet? Dann hat es eine gewisse Berechtigung die Aufkleber auch dort anzubringen.

Die "Ab 20:00 h vorne einsteigen"-Aufkleber könnte man auch auf die Karosserie kleben, die müssen nicht auf die Scheiben. Ohnehin halte ich diese Regel für nicht besonders gelungen. Sie wurde nach meiner Erinnerung eingeführt, um besonders das subjektive Gefühl von Sicherheit bei den Fahrgästen zu verbessern, die sich so besser geschützt fühlen sollen, vor Fahrgästen, die dem Busfahrer beim Einsteigen negativ auffallen könnten, und die er deshalb besonders im Auge behält, oder die vom Busfahrer gleich abgewiesen werden, weil sie z. B. stark alkoholisiert sind oder keine Fahrkarte haben. Ob die Regelung "Ab 20:00 h vorne einsteigen" wirklich viel bringt, weiß ich nicht. Aber auch wenn es nur das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste ist, das verbessert wird, dann hat sie eine gewisse Berechtigung. Zumal nach 20:00 h der Fahrgastandrang i. d. R. nicht mehr so groß ist, dass es das Einsteigen stark verzögern würde. Das erlebe ich eher bei den Regiobussen, wo man auch tagsüber nur vorne einsteigen darf.
Andererseits ist auch bei der "Ab 20:00 h vorne Einsteigen"-Regel das Problem, dass bei manchen erst durch diese Aufkleber ein Gefühl von Unsicherheit aufkommt.

Auch an dieser Stelle (Notausstiegsaufkleber und "Ab 20:00 vorne einsteigen"-Aufkleber) wage ich die These: Wenn neue Kundenkreise für den ÖPNV gewonnen werden sollen, dann ist es wichtig, dass in den ÖPNV-Transportmitteln, an den Haltestellen und ganz allgemein in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck erweckt wird, mit einem unkomfortablen oder gar unsicheren Verkehrsmittel zu fahren. Freilich wenn von manchen Entscheidungsträgern der ÖPNV ohnehin nur als ein Zuschussgeschäft dargestellt wird, weil diese Politiker um die Wählerstimmen der Autofahrer buhlen, dann ist das kontraproduktiv für ein Nahverkehrsunternehmen, dass sich um neue Kundenkreise bemüht.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.04.2015 10:18 von Jules.


Das kann ich Ihnen sagen, es ist überhaupt nicht notwendig, diese Aufkleber dort anzubringen. Bei den Iris-/Ivecobussen sind sie direkt neben dem Fensterholm, bei Solaris normalerweise auch. Bei MAN sind sie zwar auch mittig, aber sehr dezent. Warum die Üstra unbedingt überdimensionale Aufkleber wollte, weiß ich nicht.
Wiederum stellt sich mir jetzt die Frage, warum gibt es diese denn nur im Bus und nicht auch bei der Ü-Bahn, wie sie hier manchmal gern genannt wird? Normalerweise sollte es doch auch in "Straßenbahnen" Notausstiege in Form von "Scheibe einschlagen" geben.
Ich finde es daher unnötig, in dieser übertriebenen Form auf den Notausstieg zu informieren. Bei Busscheiben ist es nämlich egal, wo die Spitze des Hammers die Scheibe trifft. Die Scheibe splittert dann in unzählige Körner und fällt auseinander.

Diese Regelung erweckt erst Recht das subjektive Gefühl der Unsicherheit. Es gibt Fahrgäste, die grundsätzlich nur vorne sitzen mögen. Sie sind der Ansicht, dass sie dort ihre Ruhe haben, denn die anderen werden sicher hinten einsteigen und dort ihr Unwesen verbreiten. Mit dieser Einstiegsregelung verschlechtert man nur den Komfort aller Fahrgäste. Nun ist auch vorne mit besonders viel Unruhe zu rechnen, weil hier ALLE durch müssen. Wer nun vorne an einem der Gangplätze sitzt, muss sich ständig zur Fensterseite lehnen, damit sie nicht "aus versehen" angerempelt werden oder eine Tasche ins Gesicht fällt.

Viel eher wird ein Gefühl der Sicherheit erweckt, wenn regelmäßig Fahrkartenprüfer den Bus betreten. Die sorgt nicht nur für mehr Sicherheit und Komfort, sondern auch für eine gerechte Strafe für diejenigen, die meinen, für die sei der ÖPNV kostenlos.

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Es gab mal Zeiten, da genügte es, die Werbung so umzusetzen


Ist zwar Berlin, aber zeigt doch recht gut, dass man auch werben kann, ohne Voll-Verkleisterung.
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