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Lüneburger Bus-Missstand: Breiter Einstieg verbaut!
geschrieben von Jules 
Bin heute in Lüneburg Omnibus gefahren und konnte mir absolut nicht erklären, warum dort Busse fahren, bei denen der breite Einstieg vorne mit einer grünen Stange verbaut ist. Mehrere Busfahrer, die ich danach fragte, konnten es mir ebenfalls nicht erklären.

Im Einzelnen: In Lüneburg werden u. a. Omnibusse vom Typ Citaro eingesetzt, bei denen die vorderen Sitze nicht zwei Sitzplätze breit sind, sondern nur eineinhalb Sitzplätze breit, so dass man bequem weit ins Innere des Busses gehen kann (oder besser könnte), und zwar auch dann, wenn man z. B. mit einem Rollator unterwegs ist. Der vordere Eingang hat eine zweiflügelige Tür und einen entsprechend breiten Durchgang.

Mittig im Durchgang jedoch steht ein massiver grüner Bügel, der den breiten Eingang in zwei schmale Eingänge (bzw. einen Eingang und einen Ausgang) teilt. Mit dem Rollator kommt man da nicht durch. Wie widersprüchlich ist das denn?

Die Eineinhalbsitze im vorderen Wagenteil führen zwar zu Sitzplatzverlust, aber eröffnen einen deutlich breiteren Durchgang. In den neuen Solarisbussen in Hannover gibt es eine ebensolche Bestuhlung. In Hannover steht allerdings anders als in Lüneburg kein Teilelement mitten im Eingangsbereich, so dass man auch vorne beim Busfahrer mit einem Rollator, sogar mit einem Rollstuhl einsteigen kann und dann weit ins Innere des Busses durchgehen kann. In Lüneburg ginge das auch, wenn man das grünlackierte Gestaänge entfernte.

Herzliche Einladung an die Lüneburger: Kommt mal nach Hannover und schaut euch das an!
Zitat
Jules
Mittig im Durchgang jedoch steht ein massiver grüner Bügel, der den breiten Eingang in zwei schmale Eingänge (bzw. einen Eingang und einen Ausgang) teilt. Mit dem Rollator kommt man da nicht durch. Wie widersprüchlich ist das denn?

Das ist die Standard-Ausstattung bei sämtlichen Busherstellern. In Deutschland gilt sowieso größtenteils "vorne einsteigen", sodass es hier eben nur den Einstieg gibt. Dieser wird bei vielen Betrieben in der "Zweispurabfertigung" bestellt: Linke Spur ist für "Sichtkarten", die rechte Spur ist die "Kasse" [und neuerdings immer öfter auch Entwerter]. Es gibt dann natürlich wiederum solche Fahrer, die äußerst gerne nur die halbe Tür öffnen (also nur die rechte Spur) und schauen sich jede Karte einzeln genauestens an.

Zitat
Jules
In Lüneburg werden u. a. Omnibusse vom Typ Citaro eingesetzt, bei denen die vorderen Sitze nicht zwei Sitzplätze breit sind, sondern nur eineinhalb Sitzplätze breit, so dass man bequem weit ins Innere des Busses gehen kann (oder besser könnte), und zwar auch dann, wenn man z. B. mit einem Rollator unterwegs ist. Der vordere Eingang hat eine zweiflügelige Tür und einen entsprechend breiten Durchgang.
Fahrgäste mit Krankenfahrstuhl, Rollstuhl, Rollator und Sonstige Gehhilfen und Kinderwagen sollen grundsätzlich die zweite Tür zum Ein- und Aussteigen benutzen.
Ein Durchgang ist nur dann breit genug, wenn er konsequent von der ersten bis zur zweiten Tür konsequent in 2+1 Bestuhlung angeboten wird. Dies bietet die Hochbahn in den neuesten Bussen an.

Zitat
Jules
Die Eineinhalbsitze im vorderen Wagenteil führen zwar zu Sitzplatzverlust, aber eröffnen einen deutlich breiteren Durchgang. In den neuen Solarisbussen in Hannover gibt es eine ebensolche Bestuhlung. In Hannover steht allerdings anders als in Lüneburg kein Teilelement mitten im Eingangsbereich, so dass man auch vorne beim Busfahrer mit einem Rollator, sogar mit einem Rollstuhl einsteigen kann und dann weit ins Innere des Busses durchgehen kann. In Lüneburg ginge das auch, wenn man das grünlackierte Gestaänge entfernte.
Nun, Hannover (bzw. die Üstra) ist sowieso recht "eigen" für deutsche Busunternehmen. Elektrische Rollstuhlrampen und zusätzlich auch noch die Notfallrampe beim Fahrer (wegen der Rampe ist der Einbau der Stange in der Mitte auch nicht möglich) sind da doch die Ausnahme.

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Deniz90
Zitat
Jules
Mittig im Durchgang jedoch steht ein massiver grüner Bügel, der den breiten Eingang in zwei schmale Eingänge (bzw. einen Eingang und einen Ausgang) teilt. Mit dem Rollator kommt man da nicht durch. Wie widersprüchlich ist das denn?

Das ist die Standard-Ausstattung bei sämtlichen Busherstellern. In Deutschland gilt sowieso größtenteils "vorne einsteigen", sodass es hier eben nur den Einstieg gibt. Dieser wird bei vielen Betrieben in der "Zweispurabfertigung" bestellt: Linke Spur ist für "Sichtkarten", die rechte Spur ist die "Kasse" [und neuerdings immer öfter auch Entwerter]. Es gibt dann natürlich wiederum solche Fahrer, die äußerst gerne nur die halbe Tür öffnen (also nur die rechte Spur) und schauen sich jede Karte einzeln genauestens an.

Bei manchen Fahrern frage ich mich tatsächlich, warum sie nicht darauf drängen, dass die Kartenkontrolle ganz unabhängig vom Fahrer durch Fahrscheinprüfteams durch geführt wird. Ich schreibe bei "manchen Fahrern", weil es welche gibt, die scheinbar großen Spaß daran haben, die genaueste Kartenkontrolle durchzuführen und sich dafür viel Zeit lassen, während sie bei anderen Gelegenheiten betonen, dass sie zum Beispiel keine Zeit hätten, den Omnibus abzusenken, wenn sie an der Haltestelle halten.

Eine Zweispur-Einstiegtechnik konnte ich so nicht beobachten in Lüneburg. Allerdings war ich dort auch nicht sehr viel unterwegs mit dem Bus. Ich halte es für vergebliche "Liebesmüh", den Mittelgang von vorne bis zur Mitteltür dadurch zu erweitern, dass man auf Zweier-Sitzbänke verzichtet und stattdessen nur eineinhalbbreite Sitzbänke einbaut, dann aber durch den Einbau einer Mittelstange das Einsteigen von Rollatorennutzern unterbindet. Was ist denn, wenn ein Rollatornutzer oder jemand mit Einkaufstrolly hinten einsteigt und noch keine Fahrkarte hat? Dann muss er sich im Bus nach vorne durchkämpfen. Oder geht man davon aus, wer einen Rollator hat, der hat ohnehin einen Schwerbehindertenausweis mit Wertmarke?
Zitat
Jules
Ich halte es für vergebliche "Liebesmüh", den Mittelgang von vorne bis zur Mitteltür dadurch zu erweitern, dass man auf Zweier-Sitzbänke verzichtet und stattdessen nur eineinhalbbreite Sitzbänke einbaut, dann aber durch den Einbau einer Mittelstange das Einsteigen von Rollatorennutzern unterbindet. Was ist denn, wenn ein Rollatornutzer oder jemand mit Einkaufstrolly hinten einsteigt und noch keine Fahrkarte hat? Dann muss er sich im Bus nach vorne durchkämpfen. Oder geht man davon aus, wer einen Rollator hat, der hat ohnehin einen Schwerbehindertenausweis mit Wertmarke?

Genau das ist der Nachteil des gezwungenen vorne einsteigens, den ich immer betone. Fahrgäste mit Einkaufstroley sollen und dürfen ohnehin nur vorne einsteigen und dürfen sich dann nach hinten quetschen. Wer einen Rollator hat aber keine Fahrkarte hat die Wahl: Entweder erst hinten einsteigen und nach vorne gehen und später wieder zurück, oder aber Rollator zusammenfalten, vorne einsteigen und nach hinten gehen. Mit Komfort hat das Ganze natürlich gar nichts mehr am Hut.

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Das erzwungene Vorne-Einsteigen ist nicht das Hauptproblem in diesem Fall. Denn auch wenn das Vorne-Einsteigen nicht vorgeschrieben ist, so sollte es doch möglich sein, dass ein Rollator-Benutzer mit seinem Hilfsmittel vorne einsteigen kann, um zum Beispiel eine Fahrkarte beim Busfahrer kaufen zu können. Der Rollatorbenutzer benutzt doch sein Hilfsmittel deshalb, weil er ohne nicht so gut oder fast gar nicht gehen kann. Deshalb ist es gut, wenn der vordere Eingang des Busses und auch der Durchgang bis zur Mitteltür so breit ist, dass ein Rollatorbenutzer ihn benutzen kann, ohne dass er sein Geh-Hilfsmittel zusammenklappen und unter den Arm klemmen muss.

Und das wäre bei den Lüneburger Bussen auch alles gewährleistet (breiter Durchgang durch Eineinhalb-Sitze im vorderen Wagenteil statt Doppelsitze im vorderen Wagenteil). Nur die Mittelstange, die den breiten Vordereingang in zwei schmale Eingänge teilt ist im Wege. Also weg damit!!!

Technisch ist es kein Problem und im Falle der Lüneburger Busse ganz schnell zu bewerkstelligen, dass Rollatorbenutzer vorne einsteigen.

Es käme doch auch keiner auf die Idee, Brillenbenutzern vorzuschreiben, dass sie ihre Brille im Bus absetzen müssen, wenn ein Brillenträger eine Fahrkarte kaufen will. Rollator-Benutzern, die eine Fahrkarte kaufen wollen, jedoch wird durch die in Lüneburg eingebaute störende Mittelstange quasi baulich bedingt vorgeschrieben, auf den Rollator zu verzichten.
Zitat
Deniz90

Nun, Hannover (bzw. die Üstra) ist sowieso recht "eigen" für deutsche Busunternehmen. Elektrische Rollstuhlrampen und zusätzlich auch noch die Notfallrampe beim Fahrer (wegen der Rampe ist der Einbau der Stange in der Mitte auch nicht möglich) sind da doch die Ausnahme.

Die automatischen Rampen sind eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits sind sie gut, weil Rollifahrern dadurch ein selbständiges Ein- und Aussteigen ermöglicht wird, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Andererseits wäre es sehr viel besser, wenn alle Haltestellenborde so hoch wären, dass das Absenken des Busses mit der Kneelingtechnik ausreicht, um einen ebenerdigen Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Technisch ist das gar kein Problem, aber die Investitionen in vernünftig ausgebaute Bushaltestellen werden gescheut. Hier wird am falschen Ende gespart!

Und zu allem Überdruss kommt hinzu, dass bei Bushaltestellen mit einem halbwegs hohen Bord (16-18 cm) der Busfahrer den Bus nicht absenken kann, weil sich sonst die automatische Rampe nicht mehr ausfahren lässt. Dadurch weist die automatische Rampe eine deutlich höhere Steigung auf, als eine manuell bedienbare Klapprampe. Die lässt sich nämlich auch bei abgesenktem Buss aufklappen. Auch dann, wenn der Haltestellenbord 16-18 cm hoch ist.

Wenn man aus der ganzen Gemengelage eine Entwicklung herauslesen will, dann kann das m. E. nur diese sein:
Automatische Rampen werden in Zukunft nicht mehr nötig sein, weil alle Haltestellenborde so hoch ausgebaut sein werden, dass das Absenken des Omnibusses genügt, um einen ebenerdigen Einstieg zu ermöglichen.

Es ist gut, dass es die automatischen Rampen an den Üstra-Bussen gibt, weil sie in die richtige Richtung weisen. Schlecht jedoch ist, dass die Üstra diese Rampen als die gelungene Lösung für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste preist und nicht bereit ist noch weiter nach vorn in die Zukunft zu schauen. Die Üstra-Verantwortlichen wähnen sich mit ihren automatischen Rampen quasi schon an der Spitze der Zukunftsentwicklung.

Ganz anders verhält sich die Üstra in Bezug auf ihre Stadtbahnfahrzeuge. Der neue TW 3000 hat keine Klapptrittstufen mehr und der weitere Ausbau aller Haltestellen mit Hochbahnsteigen, auch auf den Linien die heute noch nicht vom TW 3000 befahren werden können, weil es noch an Hochbahnsteigen fehlt, wird konsequent vorangetrieben.

Es braucht jedoch für ein komfortables ÖPNV-Angebot nicht nur einen ebenerdigen Einstieg in die Stadtbahn sondern auch einen ebenerdigen Einstieg in die Omnibusse!



4 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.07.2015 22:07 von Jules.
Zitat
Jules
Automatische Rampen werden in Zukunft nicht mehr nötig sein, weil alle Haltestellenborde so hoch ausgebaut sein werden, dass das Absenken des Omnibusses genügt, um einen ebenerdigen Einstieg zu ermöglichen.

Da ein Bus ein wenig störanfälliger ist als eine Bahn, bleibt dieses nur dein persönliches Wunschdenken. Es wird immer Situationen geben, an denen der Bus NICHT an deine tollen Haltestellenborde heranfahren könnte. Daher wird das Kneeling und die Rampe weiterhin zum Pflichtprogramm gehören müssen.

Und zum Abschluss des Absurden Themas: Es ist in Deutschland und überhaupt grundsätzlich NICHT vorgesehen, dass Rollatornutzer vorne einsteigen. Sie sollen in der Mitte einsteigen, weil sie dort ihre Rollatoren direkt abstellen können und sich im Umkreis Sitzplätze aus ebenerdigem Boden befinden. Es ist keine Seltenheit, dass Busse überfüllt sind. Sollen Rollatornutzer dann wegen des zugestellten Durchganges etwa vorne stehen bleiben!?

*Es nützt nichts, sich darüber aufzuregen*

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Zitat
Deniz90
Zitat
Jules
Automatische Rampen werden in Zukunft nicht mehr nötig sein, weil alle Haltestellenborde so hoch ausgebaut sein werden, dass das Absenken des Omnibusses genügt, um einen ebenerdigen Einstieg zu ermöglichen.

Da ein Bus ein wenig störanfälliger ist als eine Bahn, bleibt dieses nur dein persönliches Wunschdenken. Es wird immer Situationen geben, an denen der Bus NICHT an deine tollen Haltestellenborde heranfahren könnte. Daher wird das Kneeling und die Rampe weiterhin zum Pflichtprogramm gehören müssen.

Gegen das Kneeling ist nichts einzuwenden. Die Kneelingfunktion ermöglicht einerseits eine niedrige Einstiegshöhe, während der Bus an der Haltestelle hält. Andererseits ist genügend Bodenfreiheit im Fahrmodus gewährleistet.

Die Rampe dagegen stellt das Problem da. Einerseits kann sie als Klapprampe nur mit fremder Hilfe bedient werden und entspricht damit nicht mehr dem Anspruch von Barrierefreiheit in dem Sinne, dass ein selbständiges Einsteigen möglich ist. Andererseits ist die automatische Rampe tendenziell unzuverlässig - besonders im Winter. Und die automatische Rampe kann an einem hohen Bord nur benutzt werden, wenn der Bus nicht abgesenkt wird, sonst droht sie aufzusitzen und vorne hochzugehen. Außerdem braucht es seine Zeit, bis die Rampe ausgefahren ist. Das heißt den anderen Fahrgästen wird Komfort genommen.

Das alles hat nichts mit Wunschdenken zu tun sondern basiert auf ganz und gar rationalen Erwägungen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 03.07.2015 15:14 von Jules.
Zitat
Jules
Es braucht jedoch für ein komfortables ÖPNV-Angebot nicht nur einen ebenerdigen Einstieg in die Stadtbahn sondern auch einen ebenerdigen Einstieg in die Omnibusse!

Wie ich schon hier schrieb: es muß finanziert werden -- und das nicht ausschließlich vom Steuerzahler.

Gruß Ingo
Zitat
INW
Zitat
Jules
Es braucht jedoch für ein komfortables ÖPNV-Angebot nicht nur einen ebenerdigen Einstieg in die Stadtbahn sondern auch einen ebenerdigen Einstieg in die Omnibusse!

Wie ich schon hier schrieb: es muß finanziert werden -- und das nicht ausschließlich vom Steuerzahler.

Ich würde nicht sagen, es muss finanziert werden, sondern es muss investiert werden! Denn eine Investition bedeutet, dass es sich lohnt dafür Geld auszugeben. Und m. E. lohnt es sich in mehrfacher Hinsicht, Haltestellen auch Bushaltestellen, barrierefrei zu bauen!
1. Einsparungen für Behindertentransporte
2. Attraktivitätssteigerung auch für junge Menschen (wenn ich mal mit Kinderwagen unterwegs sein werden, wenn ich mal mit einem Gipsbein unterwegs sein werde, wenn ich mal mit einem Rollatror unterwegs sein werde ... mit dem ÖPONV werde ich immer mobil sein!) Habe übrigens neulich ein Paar in Hochzeitskleidung mit Hochzeitsgästen in der Stadtbahn auf dem Weg zum Standesamt gertroffen!
3. Und natürlich Attraktivitätssteigerung für Menschen mit Behinderung und viele ältere Menschen. Für Behinderte mit Ausweis, entspr. Behinderungsgrad und Wertmarke zahlt der Staat schließlich einen Ausgleich an die Verkehrsunternehmen! Deshalb finden zumindest in Hannover auch oft entsprechende Zählungen statt!
4. Und so lohnt sich das auch für die Verkehrsunternehmen selbt!
Finanzieren tut übrigens immer auch der Fahrgast mit seinem Ticket, bzw. mit dem Kauf der Wertmarke für den Behindertenausweis.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.09.2015 21:59 von Jules.
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