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"Freie Fahrt für Jugendliche" contra "Freie Fahrt für alle" Der Kommunalwahlkampf in Hannover entdeckt den ÖPNV als Thema
geschrieben von Jules 
Dass ausgerechnet die CDU, die doch sonst eher als Hort der Autofahrerinteressen in Erscheinung tritt, sich für günstige ÖPNV-Tickets stark macht, hat mich (angenehm) überrascht. Dieses Plakat habe ich in Stadthagen (=Kreisstadt des Landkreises Schaumburg, der direkt neben der Region Hannover liegt) fotografiert.

Die Hintergründe für die Forderung der CDU nach einem Beitritt Stadthagens zum GVH, bzw. die Gründe, warum Stadthagen nicht schon längst zum GVH-Gebiet zählt, sind mir leider nicht bekannt. Wer weiß mehr?

Haste und Bad Nenndorf hingegen, beide ebenfalls im Landkreis Schaumburg liegend, gehören bereits zum GVH-Gebiet. (GVH=Großraum-Verkehr Hannover GmbH) hier geht es zur Internetseite: [www.gvh.de]
Ein Taxifahrer aus Stadthagen berichtete mir darüber, dass die Stadthagener Geschäftsleute einem Beitritt Stadthagens zum GVH entschieden ablehnend gegenüberstünden, weil sie befürchten, dann Kunden nach Hannover zu verlieren.

Tatsächlich kostet eine Hin- und Rückfahrt Stadthagen-Hannover mit der S-Bahn oder der Westfalenbahn derzeit 19,20 Euro. Dazu kämen die Kosten für weitere Tickets in Stadthagen, um mit dem Bus der Schaumburger Verkehrsgesellschaft zum Bahnhof zu gelangen und in Hannover, um mit der Üstra im Stadtgebiet fahren zu können.
Die derzeit höchste Ticket-Preisstufe im GVH beträgt für ein Tageseinzelticket: 8,20 Euro!

Das ist weniger als der halbe Preis und die Fahrten im Stadtgebiet Hannover sind bereits inklusive.

Die Stadthagener Geschäftsleute könnten jedoch auch auf Kunden aus Hannover spekulieren. Dann müsste allerdings auch der Fahrpreis vom Bahnhof Stadthagen in die Innenstadt im Ticketpreis enthalten sein. Auf jeden Fall würden bei den deutlich günstigeren Ticketpreis manche Autofahrer auf den ÖPNV umsteigen, egal ob sie von Stadthagen nach Hannover oder von Hannover nach Stadthagen zum Einkaufen fahren.

Das CDU-Wahlplakat in Stadthagen hat also höchste Bedeutung auch im Sinn einer ökologischen Umstellung weg vom Auto, hin zu mehr ÖPNV!


Zitat
Jules
Ein Taxifahrer aus Stadthagen berichtete mir darüber, dass die Stadthagener Geschäftsleute einem Beitritt Stadthagens zum GVH entschieden ablehnend gegenüberstünden, weil sie befürchten, dann Kunden nach Hannover zu verlieren.
Wem die Fahrt nach Hannover zu teuer ist, der bestellt online.

Kommen die Kamele an die Macht, muß Wasser gespart werden.
Nach den Kommunalwahlen zeichnet sich in der Region Hannover eine große Koaltion ("GroKo") in der Regionsversammlung ab. Es ist jetzt wichtig am Ball zu bleiben und auf die gewählten Abgeordneten zuzugehen, um den von der SPD vor der Wahl angekündigten kostenlosen Schülerinnen- und Schüler-ÖPNV voranzubringen. Und die Chancen dafür stehen auch im Falle einer großen Koalition nicht schlecht, wie die HAZ vom 19.9.2016 berichtete:
"Bus und Bahn für Schüler bald umsonst?
Schüler in der Region Hannover können demnächst möglicherweise umsonst mit Bus und Bahn fahren. Die Idee, mit der SPD und Grüne in den Wahlkampf gegangen waren, ist auch im Falle einer möglichen rot-schwarzen Koalition noch nicht vom Tisch. Man lehne sie nicht „in Bausch und Bogen ab“, sagt ein führendes CDU-Mitglied."
[www.haz.de]



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 29.09.2016 23:39 von Jules.
Ich finde, sie sollten auch jedem einen Schlafsack und eine Isomatte spendieren, damit derjenige, wenn er den letzten Bus in sein Dorf verpasst hat, an der Haltestelle nicht erfriert.
Für mich war auch eine nette Erfahrung, dass man Sonntag den ersten Bus so verschob, dass ich nicht mehr pünktlich zum Gottesdienst fahren konnte.
Aber, man braucht ja kein Auto, man kann ja zu Hause bleiben oder 60 km mit dem Fahrrad fahren...

Mit besten Grüßen
Wuhletal
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Säh Dohrs will oupänn onnsä läft zeit.
"Größter Brocken für die Koalitionsgespräche und ambitioniertestes Ziel für die Wahlperiode dürfte der Wunsch der SPD sein, für alle Kinder und Jugendlichen ein kostenloses Ticket für Busse und Bahnen zu finanzieren. Scheitern werden die Verhandlungen daran nicht, denn auch die CDU hat bereits Entgegenkommen signalisiert. Wie zu hören ist, haben die einzelnen Arbeitsgruppen ihre Arbeit erfolgreich abgeschlossen. In der kommenden Woche tagen die Chefs der Parteien und Fraktionen, am Ende der Woche sollen die beiden Parteivorstände über die Koalition entscheiden." Das hört sich so an, als sollte bei der Ankündigung der SPD im Wahlkampf "Freie Fahrt für Jugendliche im ÖPNV", doch mehr drin sein als reine Wahlkampfrhethorik und gänzlich leere Versprechungen. Wenn selbst die CDU Zustimmung signalisiert, dann kann das auch was werden! ("Diese Bündnisse versuchen zu regieren", HAZ vom 27.10.2016, [www.haz.de] )
Schon im Wahlkampf war es augenfällig, dass die CDU dieser Forderung der SPD nach freier Fahrt für Jugendliche im ÖPNV nicht deutlich widersprochen hatte. Mal schauen, wie das weitergeht.
"Günstiges Schülerticket für Bus und Bahn kommt
Schüler aus der Region können voraussichtlich ab dem Jahr 2018 stark verbilligt im ganzen Regionsgebiet Busse und Bahnen nutzen. Möglich machen soll das nach den Vorstellungen der SPD und deren Jugendorganisation Jusos eine sogenannte Netzkarte für 15 Euro im Monat. Sie soll für Schüler und Auszubildende erhältlich sein."

HAZ vom 2.11.2016, aktualisiert am 5.11.2016
[www.haz.de]
Mit ihrer Forderung nach freier Fahrt für Jugendliche im ÖPNV konnte sich die SPD schließlich doch nicht durchsetzen in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU.

ABER:

Ab 2018 soll es nach dem erklärten Willen der neuen Koaltionspartner in der Regionsversammlung eine stark vergünstigte Schülerinnen und Schüler-Monatskarte für 15 Euro geben. (s. o.) Die SPD hatte sich sehr deutlich im Wahlkampf für den kostenfreien Schülerinnen und Schüler-Transport im ÖPNV ausgesprochen. Die CDU hatte - allerdings nur sehr leise - die Finanzierbarkeit angezweifelt. Mit dem gefundenen Kompromiss dürften beide Parteien zufrieden sein. Zumal sich auch unter den CDU-Wählern zahlreiche Eltern von Schülerinnen und Schülern befinden, die von dem gefundenen Kompromiss direkt profitieren werden.
Vielleicht bringt es auch manche Eltern dahingehend zum Nachdenken, dass sie ihren Nachwuchs nicht länger mit dem sogenannten "Elterntaxi" zur Schule kutschieren werden, sondern den Nachwuchs lieber mit einer Monatskarte ausstatten werden.

So gesehen ist damit auch ein Stück Entspannung bei der Autoverkehrssituation zu erwarten. Schließlich wurde wiederholt darüber berichtet, dass sogenannte "Elterntaxis" besonders morgens im ohnehin dichten Berufsverkehr die Straßen rund im die Schulen verstopfen.

Hier noch mal neben dem SPD-Plakat zur Kommunalwahl die Plakate der Parteien "Die Piraten", "Die Grünen" und der Partei "Die Linken". Zumindest von diesen Opposittionsparteien dürfte das Vorhaben der neuen Regierungskoalition in der Region Hannover, die Fahrpreise für Schülerinnen und Schüler ab 2018 deutlich zu senken, nicht beanstandet werden!


Und die Grünen, SPD und Linke unterstellen anderen Parteien Populismus?

Mit besten Grüßen
Wuhletal
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Säh Dohrs will oupänn onnsä läft zeit.
@wuhletal
Man muss da schon differenzieren, deshalb hab' ich bei den Parteien im Wahlkampf mal nachgefragt:

Die SPD begründet ihre Forderung nach freier Fahrt für Schülerinnen und Schüler mit dem Argument, dass diese Maßnahme zu mehr Bildungsgerechtigkeit beiträgt.

Die Piraten argumentieren damit, dass der kostenlose ÖPNV sich dadurch rechnet, dass entsprechend viel Geld bei Erhalt und Ausbau der MIV-Infrastruktur eingespart werde. Dort könnten Einsparungen vorgenommen werden, weil aufgrund des kostenlosen ÖPNV-Angebotes sehr viele Autofahrer vom MIV zum ÖPNV wechseln.

Die Linken sehen in niedrigeren ÖPNV-Fahrpreisen vor allem einen Beitrag zur Umverteilung von oben nach unten. Der ÖPNV wird aus Sicht der Linken überproportional häufig von Menschen mit niedrigem Einkommen genutzt. Die profitieren von niedrigeren Fahrpreisen, die durch höhere Steuereinnahmen bei Besserverdienern gegenfinanziert werden sollen.

Die Grünen haben auf ihrem Plakat gar nichts zu Fahrpreissenkungen geschrieben. In der Berichterstattung heißt es (und auf Nachfrage bestätigt), die Grünen streben einen umlagefinanzierten ÖPNV an.

Populismus kann ich an keine der Positionen erkennen.
Bei den anderen Parteien spielte das Thema ÖPNV oder günstigere Bus- und Bahntickets im Kommunal-Wahlkampf in Hannover übrigens keine Rolle. Mit Ausnahme des CDU-Plakats aus Stadthagen s. o. mit dem Titel "Mehr günstige Tickets und Verbindungen".
Unter dem Titel, "Jugendliche fahren künftig für 15 Euro im Monat" berichtet die HAZ vom 10.10.2017:
"Zum nächsten Fahrplanwechsel im öffentlichen Nahverkehr am Jahresende soll ein stark rabattiertes Angebot für junge Menschen auf den Markt kommen, die sogenannte Jugend-NetzCard. Sie kostet 15 Euro im Monat und berechtigt zur Fahrt in Bussen und Bahnen innerhalb des Großraum Verkehr Hannover." Noch ist es ein "HAZ-Bezahl-Artikel", auf die Details darf man gespannt sein.
[www.haz.de]

Schade dass in der Regionsversammlung die von der SPD angekündigte "Kostenfreie Fahrt für Jugendliche" vermutlich auf Einspruch des Koalitionspartners CDU verwässert wurde zur 15,- Euro-Lösung.

Im Vergleich zum jetzigen Schülertarif ist das jedoch auch sehr günstig. Zur Zeit zahlen Schüler 28,90 €, 31,90 €, 41,70 € bzw. 51,40 € (je nach Anzahl der Zonen) Aber werden auch jugendliche Auszubildende davon profitieren???

Der günstige Schülertarif ist jedenfalls langfristig ein enormes Gewinngeschäft für die Region Hannover!

Jugendliche, die (weil günstig) heute Bus und Bahn benutzen, werden das auch morgen als Erwachsene tun (auch wenn es dann etwas mehr kostet), und so mancher wird darauf verzichten sich ein Auto anzuschaffen. Und jeder Nicht-Autofahrer ist volkswirtschaftlich ein enormer Gewinn für alle, denn der MIV wird in einem viel höheren Maße als der ÖPNV gesellschaftlich subventioniert als allgemein angenommen wird.

Bild: Haltestelle Leinaustraße



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.02.2017 14:52 von Jules.


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