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Bad Oldesloe: Industriestammgleis nach Blumendorf wird stillgelegt
geschrieben von Railjet 
Das letzte Reststück der ehemaligen EBOE-Strecke zwischen Bad Oldesloe und Blumendorf wird am 1.1.2017 stillgelegt und anschließend abgebaut.

Der Stadt Bad Oldesloe entstehen als EIU jährliche Kosten von 56.000 € für den Unterhalt der Infrastrukturanlagen, während der einzige Kunde, der Stahlhandel ArcelorMittal, nur 2880 € Trassennutzungsgebühren pro Jahr bezahlt - für 1 Zustellungsfahrt pro Woche.

Das kurz vor Blumendorf abzweigende Anschlussgleis in das Gewerbegebiet Sandkamp (1999/2000 errichtet) wurde mangels Interessenten nie genutzt. Mittlerweile hat sich dort ein Unternehmen angesiedelt, das keine Waren per Schiene bezieht oder versendet.

Tatort: [www.google.de]

[www.abendblatt.de] bzw. [www.google.de]
Moin aus Kiel,

da kann ich gleich Bildmaterial beisteuern.



17.03.2013 - Bahnhof Blumendorf



08.03.2014 - Bahnhof Blumendorf



08.03.2014 - Anschlussgleis zum Stahlhandel an der B 75.

09.06.1907 - Eröffnung der Strecke Barmstedt - Ulzburg - Bad Oldesloe. Der Bahnhof Blumendorf lag bei km 48,4.
29.09.1973 - Einstellung Personenverkehr Barmstedt - Bad Oldesloe.
22.12.1973 - Einstellung Güterverkehr Barmstedt - Blumendorf.
1981 - Übernahme des Streckenstücks Bad Oldesloe - Blumendorf durch die Stadt Bad Oldesloe.

Gruss aus Kiel vom

D-Zug-Schaffner

[www.eisenbahn-sh.de]
Guten Abend zusammen,

schade, dass wieder ein Stück Eisenbahn verschwinden soll, und dann noch der östliche Rest der EBOE. Jetzt aber die Frage: welchen Status das Gleis von Bad Oldesloe nach Blumendorf? Muss nicht erst ausgeschrieben werden?

Gruß Martin
EIU des Industriestammgleises (ISG) ist die Stadt Bad Oldesloe.

Alles darüber (Infrastrukturskizze, örtliche Richtlinien, NBS-AT, NBS-BT, Entgeltliste) findet man (noch) hier: [www.badoldesloe.de]

Ich denke mal, dass der Bahnverkehr auf dem ISG nach der Verordnung über den Bau und Betrieb von Anschlussbahnen (BOA), also als nichtöffentliche Eisenbahn, betrieben wird.

Details zur BOA -Ausgabe Schleswig-Holstein- gibt es hier: [www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de]

Dort konnte ich nach Schnelldurchsicht allerdings nichts zu Stilllegungsmodalitäten finden. Aber ich vermute mal, dass es bei offensichtlich zu geringer Nachfrage (Kosten übersteigen Einnahmen) keiner Ausschreibung zur Übernahme bedarf, da es eben eine nichtöffentliche Eisenbahn ist. Wer sollte sich da jetzt auch melden, der das ISG rentabel betreiben könnte. Der einzige verbliebene regelmäßige Nutzer, der Stahlhandel ArcelorMittal, ist jedenfalls nicht bereit, neben den festgelegten Nutzungsentgelten zusätzliche Kosten für die Instandhaltung der Infrastruktur zu übernehmen.

Der Betriebsablauf auf dem ISG Anfang August 2016 mit einer Voith Gravita (261 099-6 der DB Cargo): Foto-Link | Video-Link



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.09.2016 19:11 von Railjet.
Mal davon abgesehen - der einzige Kunde ist nicht bereit mehr Geld für die Bedienung per Bahn auszugeben und stellt zum 1. Januar auf Anlieferung per LKW um - insofern wird sich niemand dafür interessieren und die Untersuchung der Landesregierung Ende der neunziger hat auch bei einem untersuchten Wiederaufbau der östlichen EBO keinen wirtschaftlichen Nutzen ergeben - also wird das Gleis leider sterben und verschwinden - traurig aber leider Realität!
Guten Morgen zusammen,

ich habe es befürchtet: da wird intakte Infrastruktur abgebaut und der einzige (wieso eigentlich, hat da die Werbung nicht funktioniert??) Verlader ist nicht bereit etwas mehr Geld auf den Tisch zu legen. Da wird lieber der Straßenverkehr noch mehr belastet, Kfz-Steuer und Maut sind da wohl doch noch zu günstig. Dann lieber im Stau stehen oder mit einer geballten Ladung Stahl und einem übermüdeten LKW-Fahrer ungebremst anderer Leute Unglück verursachen.
Findet sich denn kein anderer Betreiber oder neuer Eigentümer???
Hauptsache keine Verantwortung (das gilt für alle Beteiligten und Verursacher) und maximaler Profit........

Gruß
Martin.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 19.09.2016 11:47 von martin kayser.
Naja, sind halt stinknormale betriebswirtschaftliche Überlegungen.
Sicher nicht schön, aber wenn ich die Fotos (1 Lok, 1 Waggon) so sehe wundert micht das nicht wirklich.
Ja, natuerlich waere es schon sinnvoll wenn erstmal die gesamtwirtschaftlichen Kosten (einschliesslich Umwelkosten und sozialen Kosten wie Krankheit durch zusaetzlichen Laerm) ausgerechnet warden, und dann geschaut wird ob es sich fuer die oeffentliche Hand lohnt die Strecke trotz hoger Kosten und geringen Einnahmen vorzuhalten. (Und Strassen kosten ja auch was und generieren keener Einnahmen.) Aber in diesem Fall waere ich skeptisch ob sich sie Kosten fuer so ein Gutachten lohnen wuerden...
Ist es eigentlich noch zeitgemäß "einem untersuchten Wiederaufbau ... keinen wirtschaftlichen Nutzen ergeben" zu lassen? Hier muss man eben Maßnahmen ergreifen, damit dieser sich ergibt. Notfalls mit Sanktionen bei nicht hinreichender Nutzung drohen. (HVV oder SH-Tarif-Zwangsabo!) So etwas geht doch bei Hartz IV auch. Das Prinzip des "Fördens und Forderns" könnte hier voll zur Anwendung kommen. (Fördern = Eisnbahnstrecke bauen, Fordern = Geld vom Steuerzahler bzw. Nutzungspflicht).

"traurig aber leider Realität!" ist kein hinreichender Protest, sondern stützt den falschen Kurs der Sparwahnregierungen.

Der Verkehr soll u.a. aus ökologischen Gründen von der Straße auf die Schiene verlegt werden. Das betrifft sowohl den Güterverkehr (also in diesem Falle die Industriebahn nur bis Blumendorf) als auch den Personenverkehr (Gesamtstrecke). Ich habe doch vor kurzem (war es nicht hier in diesem Forum?) gelesen, dass die AKN die Strecke wieder aufbauen möchte, und ein Gutachten Ende der 90er Jahre ist ja schon etwas alt...

Letzten Endes wäre alleine schon deshalb der Wiederausfbau erforderlich, damit langfristig die Nordbahn einen Fahrzeugumlauf Neumünster - Bad Oldesloe - Elmshorn planen kann. Ansonsten stellt sich die Frage, was langfristig aus der A3 werden soll, wenn die S-Bahn bis Kaltenkirchen ( später irgendwann mal bis Neumünster) fahren wird und die A2 in der U1 aufgeht. Ein Pendelverkehr Elmshorn - Ulzburg (Süd) bringt da wenig. Alleine schon: Welche Züge sollen da von wem eingesetzt werden (AKN wird langfristig wohl reines EIU) und wo sollen sie gewartet werden? Eine Verlängerung der A3 über Elmshorn hinaus bis Hamburg (somit Bedienung durch Flirts) halte ich schon deshalb für schwierig, weil man ja angeblich auf der Verbindungsbahn keine freien Trassen hat.
Zitat
Computerfreak
Ist es eigentlich noch zeitgemäß "einem untersuchten Wiederaufbau ... keinen wirtschaftlichen Nutzen ergeben" zu lassen?
Hier ja.
Zitat
Computerfreak
...Ich habe doch vor kurzem (war es nicht hier in diesem Forum?) gelesen, dass die AKN die Strecke wieder aufbauen möchte.
Sicher nicht. Wakendorf a. d. Alster, Nahe und Sülfeld rechtfertigen keinen
Eisenbahnbau, der an anderer Stelle auch nicht teurer wird - um so weniger,
als die Strecke für den alles überragenden Hamburgverkehr beknackt liegt.
Zitat
Computerfreak
Letzten Endes wäre alleine schon deshalb der Wiederausfbau erforderlich, damit langfristig die Nordbahn einen Fahrzeugumlauf Neumünster - Bad Oldesloe - Elmshorn planen kann. Ansonsten stellt sich die Frage, was langfristig aus der A3 werden soll, wenn die S-Bahn bis ... Neumünster fahren wird und die A2 in der U1 aufgeht.
Dann könnte man den Flirt von Altona nach Barmstedt durchbinden, denn
die Elektrifizierung der A3 fällt dann unter ,,Peanuts''. Alveslohe und Langeln
werden ja nur angefahren, weil die Strecke aus betrieblichen Gründen
instandgehalten werden muß.

Fuel Wasting Time war in der Glühbirnenzeit Daylight Saving Time.
Guten Morgen zusammen,
ein Wiederaufbau zwischen Ulzburg und Blumendorf geht nicht, da erhebliche Kosten aufgebracht werden müssen, die Trasse überbaut ist und der Verkehr keinen Sinn macht.
Mir ging es um die Reststrecke Blumendorf - Bad Oldesloe: hier sind optimale Voraussetzungen, nur: (k)einer nutzt sie. Da ist es schon verständlich, wenn die Stadt Bad Oldesloe das Industriegleis loswerden möchte, aber warum Abbau? Verkaufen, verpachten usw. ginge auch und bei entsprechender Werbung sollte sich etwas machen lassen.
Auch ein Abbau der Strecke mit anschließender Zuführung in den Wertstoffkreislauf ist vermutlich auch nicht so günstig.
Personenverkehr wird nicht mehr stattfinden und eine Touristenbahn als Zubringer für den anschließenden Fahrradweg wäre möglich, muss aber genauso beworben werden wie die Industriebahn selbst. Das ist nur etwas als Ergänzung. Wie man es dreht und wendet, zum Jahresende wissen wir mehr und es werden wieder mehr LKW auf der Straße sein.

Gruß Martin
ich führte oben nur aus, dass die Möglichkeit einer Reaktivierung geprüft wurde und wegen des geringen Kosten-/Nutzenverhältnis verworfen wurde - das ist zwar auch schon mehr als 20 Jahre her aber wird sich nichts dran geändert haben. Ausser in Wakendorf II dürfte die Trasse aber überall noch vorhanden sein. Trotzdem wird die Strecke - auch die Reststrecke - sterben. Wenn die Unterhaltungskosten nicht mal ansatzweise reinkriegt - warum sollte die Stadt Oldesloe das Gleis weiter vorhalten. Die Werbetrommel hatte Oldesloe schon massiv gerührt - das Industriegebiet, dass neu hochgezogen wird extra schon mit Gleisen versorgt undundund - sollten ursprünglich auch nur Unternehmen dahin mit Anlieferung per Bahn aber das geht halt auch nicht so auf.
Zitat
StephanHL
Ausser in Wakendorf II dürfte die Trasse aber überall noch vorhanden sein.

Naja, im Großen und Ganzen ist die Trasse bisher noch erhalten geblieben, bis auf ein paar unliebsame Ausnahmen, z.B. in Nahe:

Nahe im September 2005 - ein idyllisch-verträumtes ehemaliges Empfangsgebäude lässt Eisenbahnromantikerherzen höher schlagen:


Nahe im Juli 2012 - ein zweckmäßiger Discounter lädt preisbewusste Konsumenten zum Einkaufen ein:



Es gibt da 2 Möglichkeiten: Lidl mal eben wieder abreißen oder die neuen Gleise einfach drumherum bauen ??? So denn...
Zitat
StephanHL
Ausser in Wakendorf II dürfte die Trasse aber überall noch vorhanden sein.

Naja, in Ulzburg fehlt aber nun die Anschlussmoeglichkeit an die (dort ja tiefergelegte) AKN...
Moin aus Kiel,

hier ein Bild aus Sülfeld, Oktober 1978, der Güterverkehr wurde 1981 eingestellt.



Gruss aus Kiel vom

D-Zug-Schaffner

[www.eisenbahn-sh.de]
So schön es auch ist, eine Bahnstrecke zu erhalten... aber oben wurde ausführlich dargelegt, warum sich ein Weiterbetrieb des Stammgleises oder gar ein Wiederaufbau bis Henstedt-Ulzburg nicht lohnt. Es gibt im Güterverkehr gerade mal einen Kunden, der sage und schreibe 5 Prozent der jährlichen Betriebskosten des Gleises einbringt. Wieviel mehr soll der eine Kunde denn zahlen, damit sich das Gleis auch nur halbwegs rechnet?!
Und: Es ist ja nicht immer nur eine Frage der "Bewerbung" eines Gleises, um Kunden auf die Schiene zu bringen. Nun kenne ich die Struktur des umgebenden Industriegebietes nicht genau, aber viele Firmen produzieren bzw. benötigen gar keine Massengüter, für die sich ein Schienentransport lohnt.

Und wenn ich oben etwas von "Zwangs-Abo für den HVV" lese, nur um eine Bahnstrecke auszulasten... Ich hoffe, das war nur eine lustig gemeinte Schnapsidee...
Moin,

Ich finde es auch sehr bedauerlich, dass der Betrieb eingestellt wird und die Strecke abgebaut wird.

Zum Thema Wiederaufbau des östlichen Abschnitts der EBO möchte ich anmerken, dass die Auslastung östlich von Barmstedt derzeit nur minimal ist. Gerade am letzten Wochenende waren wir fast allein im VTA nach Ulzburg. Das würde sicher östlich von Ulzburg nicht besser sein.
Aber wie hier bereits angemerkt wurde, muss die Strecke nach dem Abriss der Werkstatt in Barmstedt für Überführungsfahrten und zum Tanken instand gehalten werden.

Viele Grüße

Jens
Die Strecke sah vom Füllungsgrad zumindestens nach der Wiederinbetriebnahme eigentlich nie anders aus - liegt sicher auch daran, dass da eigentlich nur Alvesloe nennenswert Potential hätte - Langeln ist da schon zu klein und zu dünn besiedelt. Würde einen natürlich freuen, wenn es mal anders würde aber wohl eher schwierig.
Nochmal zum Procedere der Stilllegung von Eisenbahninfrastrukturanlagen gemäß § 11 AEG:

Die Stadt Bad Oldesloe hat ihr Vorhaben am 05.09.2016 im Bundesanzeiger veröffentlicht.

[www.bundesanzeiger.de]

Wer will, kann sich demnach innerhalb einer 3-Monats-Frist (also bis 05.12.) zwecks Übernahme der Infrastrukturanlagen auf dem Schriftwege erkenntlich zeigen.
Die Stadt Bad Oldesloe schickt dann gerne ein Angebot zu...
Nicht nur hier im Norden geht der Rückbau von Industriegleisen weiter. Auch in Baden-Württemberg wird eine große Anzahl Gleisanschlüsse geschlossen. Darunter die
Anlagen in denen Schotter produziert wird. In den Begründungen heißt es: ES LOHNT NICHT. Künftig wird der Schotter nur mittels LKW abgefahren und das über riesige
Entfernungen. Den Dieseldreck, der von unzähligen LKWs erzeugt wird, nimmt eine bestimmte Klientel nicht zur Kenntnis.
Hiergegen ist die tragische Einäscherung des relativ kurzen Industriestammgleises in Bad Oldesloe genauso ein Schildbürgerstreich wie das künftige Unterfangen
in Baden-Württemberg.
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