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ALLE Schutzstreifen und Radfahrstreifen rot markieren?
geschrieben von Jules 
In diesen Tagen, in denen anscheinend alles Mögliche (und Unmögliche) versprochen wird, um das Damoklesschwert Diesel-Fahrverbote abzuwenden, fällt es schwer, den Überblick zu behalten, was denn nur leere Worthülsen sind und bei welchen Vorschlägen es sich um ernst gemeinte Vorhaben handelt.
Und selbst dann, wenn es ernst gemeinte Vorhaben sind, so ist damit noch lange nicht geklärt, ob es auch Vorhaben sind, die einen echten Beitrag leisten hin zu einer Verkehswende. Zumal da auch wieder unterschiedliche Zielvorstellungen darüber bestehen, wie Mobilität in Zukunft gestaltet wwerden sollte.
Ein Beitrag sticht dabei nach meiner Beobachtung heraus, und der durchaus ernst gemeinte Vorschlag der hannoverschen Stadtverwaltung und Ratspolitik betrifft den Radverkehr in Hannover:
"Alle Radfahrstreifen auf der Straße sollen rot markiert werden, insbesondere auf Kreuzungen werden die Wege für Radler auf diese Weise besser ersichtlich." HAZ vom 27.2.2018: "Kommt jetzt das Ein-Euro-Ticket für Busse und Bahnen?" [www.haz.de]
Da stellt sich doch gleich die Frage: sind mit den Radfahrstreifen auch Schutzstreifen gemeint. Es gibt da ja deutliche Unterschiede, so dürfen Radfahrstreifen beispielsweise nicht vom Autoverkehr benutzt werden, während Schutzstreifen, die nur mit einer schmalen Strichlinie markiert sind, im Bedarfsfall und nur dann wenn dabei eine Behinderung oder Gefährdung von Radfahrern ausgeschlossen ist, vom Autoverkehr mitgenutzt werden können. Zum Beispiel wenn sich ein Omnibus und ein Auto begegnen.
Das Radfahrstreifen und auch Schutzstreifen rot markiert werden, ist keine Neuheit. In vielen Kreuzungsbereichen wurden bisher auch schon diese Radverkehrsanlagen rot markiert. Neu ist, dass entsprechend der oben zitierten Ankündigung ALLE Radfahrstreifen rot markiert werden sollen.
Aber bringt das den Radverkehr wirklich voran? Über Beiträge zum Thema gerne auch aus anderen Städten, würde ich mich sehr freuen. Besonders wenn jemand aus einer Stadt berichten kann, in der diese Maßnahme (Rotmarkierung) bereits auf alle Radfahrstreifen (und auch auf die Schutzstreifen) angewendet wurde.
Mehr Infos zu den Unterschieden von Radfahrstreifen und Schutzstreifen gibt es beim ADFC Hamburg:
[www.hamburg.de]
Bild 1 zeigt einen Radfahrstreifen in der Egestorffstraße in Höhe der Stadtbahnhaltestelle Lindener Marktplatz. Rechtlich relevant und vorgeschrieben ist die breite weiße Linie. Die Rotmarkierung ist optional. In manchen Städten wird stattdessen auch mit grüner oder blauer Farbe gearbeitet.
Bild 2 zeigt einen Radfahrstreifen im Goethekreisel. An den Stellen, an denen wie hier wegen der Einfahrt in den Kreisel Autofahrer den Radfahrstreifen kreuzen dürfen, ist der Radfahrstreifen mit einer breiten weißen Strichlinie mit sehr kurzen Abständen zwischen den Strichen gekennzeichnet. Auch hier gilt, die rote Farbe ist optional. An beiden Stellen gibt es die Rotmarkierung der Radfahrstreifen schon seit vielen Jahren. Besonders Bild 2 zeigt übrigens sehr gut, dass es mit einer einmaligen Markierungsaktion nicht getan ist. Die Rotmarkierung muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden, besonders an den Stellen, an denen Autofahrer die Radfahrstreifen überfahren dürfen, wie es auf Bild 2 zu sehen ist.


Im Prinzip ist farbliche Makierung richtig (und uebrigens auch fuer Busspuren). Rot ist allerdings besser fuer (allgemeine) Verbotsflaechen / Verbotszeichen. Fuer Radfahrstreifen (und Busspuren) wuerde ich gruen waehlen.

Edinburgh hat das uebrigens schon vor ueber 10 Jahren gemacht. Das Ergebnis war sehr interessant, die illegal Mitnutzung durch Autos war viel geringer als das normalerweise der Fall ist.
Berlin ist in diesem Themenfeld derzeit (getrieben durch einen drohenden Bürgerentscheid) sehr aktiv und hat für solche Themen im November neue Standards beschlossen: [www.berlin.de]

Diese sehen vor:
Breite: mindestens 2 Meter
Sperrfläche: 1 Meter Breite zwischen Rad- und Autoverkehr
Poller (0,9 m hoch) verhindern ein Befahren der Radstreifen
Eine grüne, flächendeckende Färbung wird die Radstreifen auch optisch von der Fahrbahn trennen.

Ob nun rot oder grün ist wohl eher Geschmackssache, aber solange man nicht alle bestehenden Radfahranlagen ohne sonstige Änderungen von rot auf grün ändert, kann man das schon machen.

Neue Mindeststandards zu definieren finde ich schon sinnvoll, wobei die Gesamtbreite von 3 Metern halt auch bedeutet, dass eine Spur der Straße entfällt. Dies kann allerdings auch die Parkspur sein.
Zitat
christian schmidt
Im Prinzip ist farbliche Makierung richtig (und uebrigens auch fuer Busspuren). Rot ist allerdings besser fuer (allgemeine) Verbotsflaechen / Verbotszeichen. Fuer Radfahrstreifen (und Busspuren) wuerde ich gruen waehlen.

Edinburgh hat das uebrigens schon vor ueber 10 Jahren gemacht. Das Ergebnis war sehr interessant, die illegal Mitnutzung durch Autos war viel geringer als das normalerweise der Fall ist.

Wenn Rot die Signalfarbe für Verbotsflächen ist, dann ist diese Farbgebung für Radwege doch sehr geeignet, schließlich ist es verboten dort mit dem Auto zu parken.

Ich habe hier mal so ein typisches Radwegzuparken-Bild aus Hannover. Und im Vergleich dazu habe ich den Radweg mal rot markiert. Ich denke im zweiten Fall steigt die Hemmung eines Autofahrers, den Fahrradstreifen zuzuparken (Oberes Bildpaar!)
Wenn dann noch das übliche Fahrradsymbol dazukommt, dann wird meines Erachtens schon klar, dass es sich bei der Rotfläche um eine Sperrfläche handelt, die für den Autoverkehr gesperrt ist und für Radfahrer erlaubt! (Unteres Bildpaar!)
Das falsch parkende Auto wird jedenfalls auf der Rotmarkierung sehr viel deutlicher als Störfaktor wahrgenommen als auf dem Radweg ohne Markierung. (Jeweils das rechte Bild!)



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 07.03.2018 11:12 von Jules.


Ich glaube nicht, dass sich Falschparker durch rote oder grüne Farbe abhalten lassen. Denn wer das glaubt, der glaubt halt einfach an das Gute im Autofahrer, also daran, dass kein Autofahrer jemals wissentlich eine Regel brechen würde. Gerade beim Falschparken ist es jedoch so offensichtlich, dass der geneigte Autofahrer hier ihm bekannten Regeln ignoriert. Die Alternativen wie Parkhäuser oder auch mal 200m laufen werden hier natürlich ignoriert, wenn es vor Ort kein Ordnungsamt, keine Stadtpolizei (oder wie der jeweilige Verein heißt) tätig ist.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 07.03.2018 11:47 von Nemo.
Zitat
Nemo
Ich glaube nicht, dass sich Falschparker durch rote oder grüne Farbe abhalten lassen.

Ich denke auch, dass es nicht erforderlich ist, etwas deutlicher zu markieren - zumindest nicht im Fall des Beispiels oben. Wenn ein Autofahrer nicht in der Lage ist, eine 10-20 cm breite Linie richtig zu erkennen und zu interpretieren, dann sollte man eher grundsätzlich an seiner Fahrtüchtigkeit zweifeln als zu überlegen, wie man es ihm deutlicher machen kann.

In der Regel liegt hier ein Vorsatz vor, weil der Fahrer meint, es würden besondere Gründe vorliegen, die es legitimieren, dieses Verbot zu ignorieren. Geringer Kontrolldruck wie auch geringe Strafen bestätigen solche Menschen in ihrem Verhalten.
Zitat
Jules
Wenn Rot die Signalfarbe für Verbotsflächen ist, dann ist diese Farbgebung für Radwege doch sehr geeignet, schließlich ist es verboten dort mit dem Auto zu parken.

Aber halt nicht fuer Radfahrer. Wenn Radwege (und Busspuren) rot sind gewoehnen sich Radfahrer (und Busfahrer) daran ueber rot zu fahren, was die Wirksamkeit anderer roter Markierungen vermindert. Und gruen passt doch eigentlich fuer umweltfreundliche Verkehrsmittel ganz gut...

Zitat
Nemo
Ich glaube nicht, dass sich Falschparker durch rote oder grüne Farbe abhalten lassen.

Ich denke dass es sehr wahrscheinlich ist, dass auch in Deutschland farbige Markierungen gegen Falschparker helfen. Auch hier gibt es guten Anschauungsunterricht aus Grossbritannien. Da werden die meisten Parkverbote durch gelbe Linien auf der Strasse markiert. Als Glasgow mal auf ein paar Strassen auf die gelben Linien verzichtete nahm die Anzahl der Falschparker zu (trotz vieler Schilder).
Zitat
christian schmidt
Ich denke dass es sehr wahrscheinlich ist, dass auch in Deutschland farbige Markierungen gegen Falschparker helfen. Auch hier gibt es guten Anschauungsunterricht aus Grossbritannien. Da werden die meisten Parkverbote durch gelbe Linien auf der Strasse markiert.

Was veranlasst Dich zu diesem Optimismus. Ich denke, dieser Effekt liegt eher daran, was man jeweils gewöhnt ist. In Großbritannien werden Parkverbote schon lange auf diese Weise markiert und man ist eben diese Markierung gewöhnt und Schilder dagegen nicht so sehr.

Die wenigsten Falschparker dürften aus Unwissenheit falsch parken, sondern aus mangelnder Akzeptanz des Verbots.
Viele Leute halten sich oft an Verbote die sie falsch finden, aber nicht immer. Und Anzahl der Übertretungen ist schon abhängig von der Einschätzung wie ernst das gemeint ist / dem Verfolgungsdruck / was andere Leute denken.

Eine farbliche Markierung ändert ja nichts Status des Parkverbotes, sieht aber doch viel intensiver aus. Und würde deshalb meiner Meinung nach schon helfen.
Zitat
christian schmidt
Eine farbliche Markierung ändert ja nichts Status des Parkverbotes, sieht aber doch viel intensiver aus. Und würde deshalb meiner Meinung nach schon helfen.

Eine Abpollerung wäre aber z.B. noch deutlich sichtbarer und würde die Radfahrenden deutlicher schützen und den Autofahrenden dabei helfen, das Verbot noch besser zu verstehen. Dazu ist sie auch noch bei Schnee sichtbarer.
Lopi - stimmt. Allerdings koennen Poller auch ein Unfallrisiko sein - ausserdem um einiges teurer und nicht unbedingt schoen. Ich finde gruene Streifen sind jedenfalls besser als normale. Und wenn sie sichtbar sein sollen, kann man ja immer mehr gruen verwenden.
Zitat
christian schmidt
Lopi - stimmt. Allerdings koennen Poller auch ein Unfallrisiko sein - ausserdem um einiges teurer und nicht unbedingt schoen.
Ist das ein Foto aus England oder ist es spiegelverkehrt abgelichtet? Es wird sich ja wohl kaum um einen Zwei-Richtungen-Radweg halten?
Nein dass ist kein Foto aus England sondern aus Wales.
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