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Sammelthread: Verkehrspolitik in Berlin
geschrieben von Arnd Hellinger 
Jetzt nicht baden gehen Heidekraut ;-)
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Bovist66
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Slighter
Ich frage mich ehrlich gesagt, wie realistisch da konkrete Schritte sind und wie sich die Lage vor Ort eigentlich in den letzten 10-15 Jahren verändert hat. Boomt die Gegend genauso wie z.B. Adlershof, sodass da ein höheres Tempo geboten wäre?

Handlungsbedarf für eine Straßenbahnstrecke von Schöneweide nach Berlin-Buckow besteht für meine Begriffe definitiv. Allerdings wäre zu untersuchen, ob nicht eine Anknüpfung an die U7 am U-Bf Johannisthaler Chaussee sinnvoller bzw. zusätzlich zu einer Anbindung an den U-Bf Zwickauer Damm geboten wäre. Nicht nur die U7, sondern auch das Einkaufszentrum ist in der Region ein wichtiges Ziel. Zudem halte ich den Weiterbau der Elektrischen zunächst bis zum S-Bf Buckwoer Chaussee für unerlässlich. Leider allerdings scheint die Bezirkspolitik eher die - für meine Begriffe nachrangige und eher unrealistische - Verlängerung der U7 zum BER zu favorisieren, obwohl mit dem von Dir angesprochenen Ausbau des Straßenbahnnetzes im Süden des Bezirks sowie natürlich mit der Verlängerung der Straßenbahn zum Hermannplatz wesentlich mehr zu holen sein dürfte. Hier kann man nur auf einen Generationswechsel im Bezirksamt Neukölln hoffen.

Der Bezirk hat das Thema Straßenbahn doch eh so gut wie garnicht auf dem Schirm, wie man beim Herrmannplatz sehen kann. Insofern wäre ich schon überrascht, wenn sich da in nächster Zeit was reelles tut.

Davon ab: Was wären denn das für Verkehrsströme, die eine solche Linie benutzen würden? Menschen, die vom Bereich Schöneweide zur Johannisthaler Chausee wollen? Odereher die Gegenrichtung? Gerade die Gegend um das (ehemalige?) Kraftwerk mach für mich als Ortsfremden einen ziemlich verlassenen Eindruck. Andererseits kenn ich aber auch nicht die Auslastung der dortigen Busse.
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Slighter

Davon ab: Was wären denn das für Verkehrsströme, die eine solche Linie benutzen würden? Menschen, die vom Bereich Schöneweide zur Johannisthaler Chausee wollen? Odereher die Gegenrichtung? Gerade die Gegend um das (ehemalige?) Kraftwerk mach für mich als Ortsfremden einen ziemlich verlassenen Eindruck. Andererseits kenn ich aber auch nicht die Auslastung der dortigen Busse.

Nachdem ich 18 Jahre lang in Berlin-Buckow gewohnt habe, kann ich zu den Verkehrsströmen einiges sagen: Der Bereich Fritz-Erler-Allee / Lipschitzallee / Neuköllner Straße ist teilweise recht dicht mit Hochhäusern bebaut, in der Stubenrauchstraße hingegen dominieren Einfamilienhäuser bzw. Gewerbe-Ansiedlungen, zum Bf Schöneweide hin wird die Bebauung wieder kompakter. Nachfrage für eine Straßenbahnstrecke besteht hier für meine Begriffe allemal, zumal sie auch praktisch nicht in Konkurrenz zur U7 stehen würde. Im Gegenteil wäre die Straßenbahn hier ein wichtiger Zubringer zur U-Bahn. In Schöneweide selbst wird die Straßenbahn Richtung Adlershof hinzukommen - wo sich u.a. wissenschaftliche Einrichtungen und wiederum Gewerbestandorte befinden. Entlang des Groß-Berliner Damms ist mit erheblicher Bebauung zu rechnen, woraus Verkehrsbeziehungen nicht nur nach Schöneweide, sondern auch nach Neukölln (-Süd) resultieren werden. Übrigens soll in dieser Gegend auch ein neuer Betriebshof für die Straßenbahn entstehen.

Auch wenn die Stubenrauchstraße selbst vergleichsweise dünn besiedelt ist: Eine Straßenbahn würde sehr wichtige Verbindungen zwischen den Ortsteilen Adlershof und Schöneweide Richtung Gropiusstadt schaffen und auch Voraussetzung der Straßenbahn-Südtangente mindestens bis zum S-Bf Buckower Ch sein, besser noch natürlich bis zur Siedlung Tirschenreuther Ring, inklusive Erschließung des Bundesamts für Risikobewertung und anderer Einrichtungen am Nahmitzer Damm.

Insgesamt könnte die Straßenbahn in diesen Relationen außerordentliche Potentiale erschließen, so dass es mich immer wieder wundert, weshalb der Berliner Senat und die betroffenen Bezirke hier nicht aktiver werden. Zum regelrechten Ärgernis wird das Ganze, wenn in einigen Medien immer wieder alte Kamellen wie die Verlängerung der U2 nach Spandau diskutiert werden, aber Projekte mit wirklichem Potential, wie hier im Berliner Süden, nahezu totgeschwiegen werden.
Wer will denn heute noch freiwillig von Schöneweide in dieses hässliche Neukölln?
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Ostkreuzi
Wer will denn heute noch freiwillig von Schöneweide in dieses hässliche Neukölln?

Die Fahrgäste vom M/X11. Und das sind immerhin 9 Fahrten pro Stunde.
Allerdings: Wer will heute schon nach Schweineöde... ;-)
Gibt es denn diesen Verkehr auf der ganzen Relation? Oder fahren die Schöneweider nicht einfach ein paar Meter weiter, steigen aus wo wenig später derweil dann die Leute aus der Stubenrauchstraße ein paar Häuser weiter oder zum nächsten U-Bahnhof fahren?

Der massive Boom in Adlershof klingt zumindest plausibel. Aber dann wäre die Frage, ob die Bewohner der Gropiusstadt und von Rudow und Rudow dann später mal in großer Zahl dort arbeiten würden.
Am plausibelsten klingt mir da tatsächlich eine Neuköllner Querverbindung Von der Buckower Chaussee über Marienfelder Chaussee, Johannisthaler Chaussee, Fritz-Erler-Allee zum Zwickauer Damm. Die Verbindung nach Schöneweide wäre dann sozusagen der nötige Lückenschluss.

Wäre es dann Sinnvoll, eine Linie nach Neukölln vom Groß-Berliner Damm und den Segelfliegerdamm zur Stubenrauchstraße zu führen, oder doch über den Sterndamm?
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Slighter
Gibt es denn diesen Verkehr auf der ganzen Relation?

Klar gibt es den, sonst wäre das Angebot kaum so dicht. M11 und M17 erschließen wichtige Tangentialverbindungen. Derzeit erfolgt die Brechnung in Schöneweide, wodurch Oberschöneweide und die HTW vom M11 nicht direkt erreicht werden können. Andersrum besteht eben der Umsteigezwang in Richtung Gropiusstadt. Mit Verlängerung der Straßenbahn würde der Punkt dann von Schöneweide zum Zwickauer Damm (oder zur Johannisthaler Chaussee) verlagert.

Auch die M17 hat mehrere Bereiche, in denen sie auf dem Weg nach Hohenschönhausen Gebiete mit geringerer Nachfrage bedient - z.B. zwischen Oberschöneweide und Karlshorst oder nördlich des S-Bahnhofs Friedrichsfelde Ost.

Mit der BER-Eröffnung soll(te) der X11 zum Flughafen umgeklappt werden. Dann wäre diese Strecke sogar Teil der Flughafenanbindung (mit Umstieg in den X11). Schon heute bietet der M11 den Anschluss der Gropiusstadt an die S-Bahn in Schöneweide. Wer Richtung Pankow oder Blankenburg will, ist so oft schneller unterwegs, als mit der U7 und spart sich einen Umstieg - Richtung Grünau oder KW gibt es sowieso keine sinnvolle Alternative. Dasselbe gilt eine Tangente weiter mit dem 162 zwischen Adlershof und Rudow. Beim 260er darf man sogar mit AB-Ticket die beiden Schönefelder C-Halte durchfahren, um Altglienicke zu erreichen. Somit ist das Planetenviertel durch den Bus sowohl an die S-Bahn als auch die U7 angebunden.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
So gesehen müsste man die Straßenbahn bis zum U-Bf. Rudow verlängern. Dann können sich die Gestalten vom Vorplatz in Schöneweide und der Rudower Spinne gegenseitig besuchen. ^^
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schallundrausch
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Marienfelde
3. Eine Wiedereinführung der Mietpreisbindung für unsere Stadt wird zur Zeit nicht einmal diskutiert, von der politischen (und auch rechtlichen) Durchsetzbarkeit einmal abgesehen. Soziale Verdrängungsprozesse finden daher ohnehin statt, und sie werden sich leider b.a.w. fortsetzen. Bewohnerparkgebühren in Höhe von Wohnungsmieten wären Sprengstoff für die soziale Entwicklung der Stadt.

Ich weiß nicht genau, was Du mit dem Verweis auf die Mietpreisbremse meinst (die wurde doch erst kürzlich eingeführt) - jedenfalls artikuliert die aktuelle Koalition sehr stark den Willen, künftigen Mietanstieg zu begrenzen (dazu der Tagesspiegel: In Berlin regiert jetzt die linke Baubrigade ) Ok, aber das führt jetzt vom Thema weg.

Alles hängt mit allem zusammen. Gelingt es nicht, die Entwicklung der Mieten in den Griff zu bekommen, kann dies zu Abwanderungen einkommensschwächerer Teile der Bevölkerung an die Stadtränder oder ins Umland führen. Dies wäre verbunden mit einer Zunahme des Verkehrs - wobei ein überproportionaler PKW-Anteil am Mehrverkehr wahrscheinlich ist.

Die in bester Absicht eingeführte Mietpreisbremse halte ich für nicht ausreichend, daher der Rückbezug auf das Reichsmietengesetz vom 24. März 1922, mit dem im Deutschen Reich für Mieter die Möglichkeit eröffnet wurde, die "frei" vereinbarte Miete durch einseitige Erklärung auf die sogenannte gesetzliche Miete zu senken.

Wegen des dann folgenden Abzugs privaten Kapitals wäre ein viel stärkeres Engagement der öffentlichen Hand im Wohnungsbau erforderlich. "Wohnraum darf doch keine Ware sein!", meinte ein guter Genosse um das Jahr 1980. Das hat mir immer eingeleuchtet.

Näheres zur Mietpreisbindung sh. hier: [de.wikipedia.org]

Allseits einen schönen Abend wünscht Euch
Marienfelde
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