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Potsdam: Straßenbahn zum Jungfernsee
geschrieben von schallundrausch 
Gerade wurde die Verlängerung der 96 über Viereckremise hinaus in einem Nebensatz in der Frankfurt/Oder-Diskussion erwähnt. An mir ist das total vorbeigegangen! Damit das nicht noch anderen so geht, und weil das Thema uns wahrscheinlich noch über ein Jahr begleiten wird, mach ich mal einen extra-Thread auf, damit nicht wieder die Kurzmeldungen geflutet werden.

Die Eckdaten:

  • Verlängerung der 96 zum Plattner-Campus am Jungfernsee
  • 1125 m neue Strecke, davon 300 m eingleisig
  • bisherige Wendeschleife Viereckremise wird abgebaut, neue entsteht am Campus Jungfernsee
  • neben der neuen Endhaltestelle noch ein weiterer Zwischenhalt
  • Baukosten werden auf 7,5 Mio Euro geschätzt (Schnäppchen, wenn Ihr mich fragt...)
  • Weiterbau nach Krampnitz über Neu Fahrland ist geplant

Erster Spatenstich war am Montag, die MAZ berichtete:
http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Potsdamer-Strassenbahnnetz-bald-deutlich-laenger
Vielen Dank für die Initiative. Interessant, dass hier ein eingleisiger Abschnitt neu errichtet wird. Auch in Bremen gab es soetwas vor ein paar Jahren. Es ist also auch weiterhin möglich soetwas genehmigt zu bekommen, obwohl die BOStrab ja eigentlich Zweigleisigkeit verlangt.

Spannand wird die Frage, wie sich die Strecke betrieblich auswirken wird. Geplant ist ja die Kappung mehrerer Buslinien am neuen Endpunkt und die Einrichtung eines P+R-Platzes. Dafür braucht man allerdings mehr als einen 20er-Takt und es stellt sich die Frage, ob man die Buslinie Bf Spandau - Potsdam Hbf kappen oder bestehen lassen sollte.

Ob sich jemand hier im Forum findet, der den Bau dokumentiert?

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Danke, genau die Frage hatte ich mir auch gestellt. So positiv es natürlich ist, dass die Straßenbahn hier im Norden Potsdam Teil der Stadtentwicklungsstrategie zu sein scheint (die frühere Kaserne Krampnitz soll ja auch entwickelt werden) - so ganz überzeugt bin ich noch nicht. Im Bereich Am Pfingstberg umfährt die Straßenbahn ja dann regelrecht die dichteste Bebauung. Und ob die Zick-Zack-Linienführung wirklich zu einer guten Fahrzeit beträgt?

Wenn man die Linien 609 und 697 von Am Schragen zum Campus Jungfernsee zurückziehen möchte, sollte ja bei der Straßenbahn mindestens ein 10-min-Takt angeboten werden. Sonst würden die Busse nördlich der Wendeschleife künftig Heck an Heck fahren, um Anschluss von und zur Straßenbahn herzustellen.

Edit: vielleicht verlängert man ja auch den 698er zur neuen Wendeschleife und ermöglicht so den Nedlitzern wieder eine kurze Fahrt in die Stadt, ohne Umweg über Bornim. Aus welchem Grund wurde eigentlich die eine Zeit lang durchgehende Linie (ich weiß nicht mehr, welche es war) am Weißen See gekappt? Die Verlängerung setzt allerdings dann wirklich einen 10-min-Takt bei der Straßenbahn voraus, weil man sich sonst zwischen den Anschlüssen am Jungfernsee und der Kirschallee entscheiden müsste.

Die durchgehende Verbindung von Potsdam nach Spandau bleibt doch hoffentlich erhalten. Sie wird ja auch bisher - anders als die Stadtlinien - nicht Am Schragen gebrochen. Vielleicht könnte man sie sogar durch eine geradlinige Führung über die B2 sogar beschleunigen, den Schlenker durch Groß Glienicke könnte die bis zum Jungfernsee verlängerte Linie 639 übernehmen. (Dem stünden eventuell starke Verkehrsströme aus Groß Glienicke Richtung Spandau gegenüber - kennt sich jemand aus, ob die existieren?)



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 27.10.2016 20:46 von def.
Die werden ja wohl keine neue Strecke bauen, um die 96 dann weiter nur bis 20 Uhr fahren zu lassen?
Wer weiß? Die Strecke zur Viereckremise ist ja auch noch nicht allzu alt... allerdings dürfte sie mit der Verlängerung dann auch zu lang für eine Bedienung per Stichfahrt sein.

Zitat
ich
Im Bereich Am Pfingstberg umfährt die Straßenbahn ja dann regelrecht die dichteste Bebauung.

Bei näherer Betrachtung der in den letzten 20 Jahren neugebauten Straßenbahnstrecken im Potsdamer Norden fällt mir auf, dass man dieses Prinzip hier perfektioniert hat. Man ist ziemlich gut darin gewesen, die Straßenbahnstrecken über absurde Schlenker zugleich möglichst weit von der Wohnbebauung fernzuhalten und die Fahrzeit zu verlängern. Das Neubaugebiet Bornstedter Feld wird z.B. von der Straßenbahn nur gestreift, anderen ÖPNV gibt es nicht.

Es stellt sich mir schon die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, erstmal entlang dieser und anderer Straßenbahnstrecken nachzuverdichten statt irgendwo neue Wohngebiete zu errichten, wo eine Infrastruktur erst neu geschaffen werden muss.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 27.10.2016 22:22 von def.
Zitat
Jay
Vielen Dank für die Initiative. Interessant, dass hier ein eingleisiger Abschnitt neu errichtet wird. Auch in Bremen gab es soetwas vor ein paar Jahren. Es ist also auch weiterhin möglich soetwas genehmigt zu bekommen, obwohl die BOStrab ja eigentlich Zweigleisigkeit verlangt.

Ohne irgendwelche Planungsunterlagen gesehen zu haben: könnten die 300m eingleisige Strecke vielleicht die Wendeschleife sein, 1x rund um den P+R-Platz samt Bushaltestellen?
Zitat
Jumbo
Zitat
Jay
Vielen Dank für die Initiative. Interessant, dass hier ein eingleisiger Abschnitt neu errichtet wird. Auch in Bremen gab es soetwas vor ein paar Jahren. Es ist also auch weiterhin möglich soetwas genehmigt zu bekommen, obwohl die BOStrab ja eigentlich Zweigleisigkeit verlangt.

Ohne irgendwelche Planungsunterlagen gesehen zu haben: könnten die 300m eingleisige Strecke vielleicht die Wendeschleife sein, 1x rund um den P+R-Platz samt Bushaltestellen?

Kurz und knapp: Nein. Es ist eine "echte" eingleisige Strecke vorgesehen, die bis zur Wendeschleife reicht und nebenbei eine Gleiskreuzung ersetzt, da die Wendeschleife "linksrum" befahren wird.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Zitat
def
Es stellt sich mir schon die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, erstmal entlang dieser und anderer Straßenbahnstrecken nachzuverdichten statt irgendwo neue Wohngebiete zu errichten, wo eine Infrastruktur erst neu geschaffen werden muss.

Inzwischen wurde und wird ja ganz schön verdichtet entlang der 92. Zwischen Campus Fachhochschule und Hannes-Meyer-Straße war südlich der Bahntrasse bei meinem letzten Besuch eine Baustelle neben der anderen (nördlich ist ja der Volkspark). Und zwischen Hannes-Meyer-Straße und Johan-Bouman-Platz auf beiden Seiten der Trasse.
Zitat
Jumbo
Zitat
Jay
Vielen Dank für die Initiative. Interessant, dass hier ein eingleisiger Abschnitt neu errichtet wird. Auch in Bremen gab es soetwas vor ein paar Jahren. Es ist also auch weiterhin möglich soetwas genehmigt zu bekommen, obwohl die BOStrab ja eigentlich Zweigleisigkeit verlangt.

Ohne irgendwelche Planungsunterlagen gesehen zu haben: könnten die 300m eingleisige Strecke vielleicht die Wendeschleife sein, 1x rund um den P+R-Platz samt Bushaltestellen?

Nein, das betrifft ein Stück in der Nedlitzer Straße, wie auf dieser Abbildung und auf diesem Plan zu erkennen ist.
Zitat
Jumbo
Zitat
def
Es stellt sich mir schon die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, erstmal entlang dieser und anderer Straßenbahnstrecken nachzuverdichten statt irgendwo neue Wohngebiete zu errichten, wo eine Infrastruktur erst neu geschaffen werden muss.

Inzwischen wurde und wird ja ganz schön verdichtet entlang der 92. Zwischen Campus Fachhochschule und Hannes-Meyer-Straße war südlich der Bahntrasse bei meinem letzten Besuch eine Baustelle neben der anderen (nördlich ist ja der Volkspark). Und zwischen Hannes-Meyer-Straße und Johan-Bouman-Platz auf beiden Seiten der Trasse.

Gut, ich war länger nicht dort. Das ist ja schonmal positiv.

Eine etwas ketzerische Frage möchte ich aber in den Raum werfen (ich lasse mich auch gern begründet widerlegen): Braucht es an dieser Stelle eigentlich einen Volkspark? Die unmittelbaren Anwohner haben zu einem nicht unerheblichen Teil einen eigenen Garten, und ansonsten ist Potsdam ja wahrlich nicht schlecht ausgestattet mit Grün- und Erholungsflächen. Nehmen da wirklich Leute aus anderen Stadtteilen den Weg ins Bornstedter Feld auf sich, um ausgerechnet in diesen Park zu gehen?

Kurz: Wird der Volkspark überhaupt als solcher angenommen - oder wäre vielleicht im Sinne einer kompakten Stadt eine (zumindest teilweise) Bebauung sogar sinnvoller?

Interessant ist auch, wie sich das Liniennetz weiterentwickelt, wenn irgendwann vielleicht sogar 92 und 96 jeweils alle 10 min fahren sollten. Entweder der Takt wird im Süden der Stadt verdichtet - oder andere Äste müssen leiden.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 27.10.2016 23:10 von def.
Zitat
Jay
Kurz und knapp: Nein. Es ist eine "echte" eingleisige Strecke vorgesehen, die bis zur Wendeschleife reicht und nebenbei eine Gleiskreuzung ersetzt, da die Wendeschleife "linksrum" befahren wird.

Sicher? In den Berliner Verkehrsblättern war für die eingleisige Strecke die Rede vom Abschnitt gleich nördlich der heutigen Haltestelle Am Golfplatz.

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
So ein Schwachsinn.
300 m eingleisig!!!
Die 2 Weichen kosten über die Zeit bestimmt mehr als 300 m zweites Gleis.
Zitat
Ostkreuzi
So ein Schwachsinn.
300 m eingleisig!!!
Die 2 Weichen kosten über die Zeit bestimmt mehr als 300 m zweites Gleis.

Blöd nur wenn kein Platz für ein zweites Gleis ist ...
Eben. Ohne entsprechende Notwendigkeit würde man den Mehraufwand nicht genehmigen.

so long

Mario
Zitat
Jay
Vielen Dank für die Initiative. Interessant, dass hier ein eingleisiger Abschnitt neu errichtet wird. Auch in Bremen gab es soetwas vor ein paar Jahren. Es ist also auch weiterhin möglich soetwas genehmigt zu bekommen, obwohl die BOStrab ja eigentlich Zweigleisigkeit verlangt.

Spannand wird die Frage, wie sich die Strecke betrieblich auswirken wird. Geplant ist ja die Kappung mehrerer Buslinien am neuen Endpunkt und die Einrichtung eines P+R-Platzes. Dafür braucht man allerdings mehr als einen 20er-Takt und es stellt sich die Frage, ob man die Buslinie Bf Spandau - Potsdam Hbf kappen oder bestehen lassen sollte.

Ob sich jemand hier im Forum findet, der den Bau dokumentiert?

Die Eingleisigkeit she ich unproblematisch. Die gewählte Lösung ist unter allen möglichen die beste, bietet sie doch in beiden Richtungen einen eigenen Gleiskörper. Mischverkehr mit dem MIV wird konsequent vermieden. Und von mehr als einem 10er-Takt dürfen wir eh nicht träumen, da ist bei der Kürze der Strecke die betriebliche Einschränkung eher zu vernachlässigen. (Wie lang ist der Abschnitt über die Bösebrücke? Ist nicht toll, klappt aber auch.)

In dem Artikel, den ich verlinkt habe, war von vier Weichen die Rede: 2x Eingleisigkeit, 2x für das 85 m-Aufstellgleis in der Schleife.

Zur Kappung? ... Nö! Durchbinden! Mit der Verlängerung nach Krampnitz liegt ja die Weiterführung nach Sacrow/Kladow auf der Hand. Womit dann Spandau kein Inselnetz mehr hätte ;P
Zitat
def
Zitat
Jumbo
Zitat
def
Es stellt sich mir schon die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, erstmal entlang dieser und anderer Straßenbahnstrecken nachzuverdichten statt irgendwo neue Wohngebiete zu errichten, wo eine Infrastruktur erst neu geschaffen werden muss.

Inzwischen wurde und wird ja ganz schön verdichtet entlang der 92. Zwischen Campus Fachhochschule und Hannes-Meyer-Straße war südlich der Bahntrasse bei meinem letzten Besuch eine Baustelle neben der anderen (nördlich ist ja der Volkspark). Und zwischen Hannes-Meyer-Straße und Johan-Bouman-Platz auf beiden Seiten der Trasse.

Gut, ich war länger nicht dort. Das ist ja schonmal positiv.

Eine etwas ketzerische Frage möchte ich aber in den Raum werfen (ich lasse mich auch gern begründet widerlegen): Braucht es an dieser Stelle eigentlich einen Volkspark? Die unmittelbaren Anwohner haben zu einem nicht unerheblichen Teil einen eigenen Garten, und ansonsten ist Potsdam ja wahrlich nicht schlecht ausgestattet mit Grün- und Erholungsflächen. Nehmen da wirklich Leute aus anderen Stadtteilen den Weg ins Bornstedter Feld auf sich, um ausgerechnet in diesen Park zu gehen?

Kurz: Wird der Volkspark überhaupt als solcher angenommen - oder wäre vielleicht im Sinne einer kompakten Stadt eine (zumindest teilweise) Bebauung sogar sinnvoller?

Ja, er wird definitiv als Volkspark verstanden und angenommen. Er ist meines Wissens nach der einzige Park Potsdams, in dem es nicht nur nicht verboten ist, die Grünflächen zu betreten. Es ist sogar explizit gestattet. Davon wird rege Gebrauch gemacht.
Zitat
Wutzkman
Ja, er wird definitiv als Volkspark verstanden und angenommen. Er ist meines Wissens nach der einzige Park Potsdams, in dem es nicht nur nicht verboten ist, die Grünflächen zu betreten. Es ist sogar explizit gestattet. Davon wird rege Gebrauch gemacht.

Das ist ein Argument. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil. :)
Zitat
schallundrausch
Mit der Verlängerung nach Krampnitz liegt ja die Weiterführung nach Sacrow/Kladow auf der Hand. Womit dann Spandau kein Inselnetz mehr hätte ;P
Da hast Du (hoffentlich darf ich "dutzen" ;) ) mir die Wörter aus dem Mund genommen, ich habe in diesem Forum schon seit etwa 2-3 Wochen still mitgelesen, jedoch erst heute ein Konto erstellt. Als ich das Thema erstmals mitbekam, dachte ich mir ähnliches.

Von Krampnitz bis zur Spandauer Grenze sind es etwa 5-6 Kilometer, wäre also nicht so abwegig, die Strecke sozusagen als Überlandstraßenbahn fortzuführen. Notfalls könnte man auf dem Abschnitt auch eingleisige Abschnitte mit Ausweichen an den Haltestellen bauen, um Kosten zu sparen.

Allerdings sehe ich hier zwei Möglichkeiten zum Streckenverlauf: entweder über Groß-Glienicke oder über Sacrow. Im besten Fall wäre der Endpunkt Alt-Kladow gewesen, sodass dort hervorragene Umsteigmöglichkeiten zu den Spandauer Buslinien 134, 135, X34 bestünden.

Vermutlich wäre die Verbindung 134/135 + 96 weitaus schneller, um vom Rathaus Spandau zum Potsdamer Hbf zu kommen, als mit dem 638er.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.11.2016 19:55 von J. aus Hakenfelde.
Warum denn nicht auch gleich bis Falkensee und Dallgow-Döberitz! Die beschweren sich auch, dass sie nicht schnell genug in Potsdam sind!

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Man kann ja auch übertreiben. Ich sprach ja nur von Stadtgrenze Spandau oder höchstens Alt-Kladow, aber sicherlich nicht weiter. Den rest übernimmt dann die BVG ;-)
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