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Re: Bahn hat Angst vor zu vielen Fahrgästen - deshalb kein Regionalbahnhof in Köpenick
geschrieben von Arnd Hellinger 
Weia, die ziehen die Sichtschutzwände tatsächlich entlang der gesamten Frankfurter Bahn durch. Der Blick aus dem Zug in die Stadtlandschaft wird kilometerweit verhindert. Das Bedürfnis der Fahrgäste nach Orientierung bewusst ignoriert.

Willkommen in einer Bahnwelt, in der das technische Maximum über allem steht. Den Verantwortlichen scheint jede Vorstellungskraft abhanden zu kommen, dass es auch etwas abseits der Funktion gibt. Ästhetik, Einzigartigkeit, überhaupt das Reisen als Erlebnis zu begreifen... Stattdessen kilometerweiter Sichtschutz (der zufällig auch Schall isoliert), die Farbe Grau als Einheitsfarbgebung und null architektonischer Bezug zur örtlichen Umgebung. Statt Vielfalt Einheit, statt Abwechslung Reizarmut. Der Reisende soll von A nach B kommen. Nicht das A rot wahrnehmen, das B grün und dazwischen seinen Verwandten erzählen wie toll der Farbwechsel war. Oder dass die Bahn früher einmal das Symbol der Ferne war und dementsprechend eine repräsentative Außenwirkung inne hatte.
Am besten schließt man die verantwortlichen Ingenieure eine Woche in die Architekturbibliothek ein und dort sollen sie die architektonischen Errungenschaften aus der Anfangszeit der Eisenbahn herausarbeiten. Oder gern auch in alten Reiseberichten blättern.

Soll so unser zukünftiger Bewegungsraum aussehen?

Frustrierte Grüße
Florian Schulz

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Es wird vor allem vollkommen vergessen, dass Bahnreisen ja auch verkauft werden wollen. Aber wir wollen ja entschleunigen und gar nicht reisen. Mobilität ist in Verruf geraten. Heile Welt.

Heidekraut zum Hauptbahnhof
Naja, das Ding ist halt, für Lärm gibt es Grenzwerte. Für Ästhetik gibt es nichtmal eine Skala. Daher kann man die Hässlichkeit einer Lärmschutzwand auch nicht mit den Lärmgrenzwerte abwägen. Vielleicht mal ein Ansatz für eine Arbeit eines jungen interdiszipläneren Ingenieurkandidaten.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Na ja...

es wurde ja schon mal hier im Forum die Schweizer Lösung präsentiert... kleine, aber dicht am Lichtraumprofil-liegende Schallschutzwände... weil je näher der Schutz an der Quelle, desto weniger muss man in die Höhe gehen um den Schall wieder "einzufangen"...

Es wurde aber auch bei der Vorstellung hier schon darauf hingewiesen, dass hier die deutschen Gesetze auf der Seite wieder Probleme bereiten...


MfG
Ro
Zitat
RobertM
Na ja...

es wurde ja schon mal hier im Forum die Schweizer Lösung präsentiert... kleine, aber dicht am Lichtraumprofil-liegende Schallschutzwände... weil je näher der Schutz an der Quelle, desto weniger muss man in die Höhe gehen um den Schall wieder "einzufangen"...

Es wurde aber auch bei der Vorstellung hier schon darauf hingewiesen, dass hier die deutschen Gesetze auf der Seite wieder Probleme bereiten...

Es wurde weiterhin darauf hingewiesen, dass man sich jederzeit an die/den Bundestagsabgeordnete/n des heimischen oder eines von Bahn-Lärmschutzmaßnahmen betroffenen Wahlkreises mit der Bitte wenden könne, die Änderung der entsprechenden Regelwerke zu bewirken. Alternativ kann man auch selbst eine direkte Petition an den Bundestag sowie Anregungen an Eisenbahn- bzw. Umwelt-Bundesamt und die DB Netz AG formulieren.

Diese Vorschriften und ihre technischen Ausführungsstandards sind nicht plötzlich vom Himmel gefallen und ändern sich auch nicht von selbst wieder...

Viele Grüße
Arnd
Da hast Du natürlich Recht, ich wollte nur verhindern, dass ein pseudo-unlösbares Problem wieder Seitenlang durchgekaut wird. ;)

Vielleicht würde es ja eher helfen, wenn man den Ansprechpartnern die Schweizer Lösung in der Diskussion anreißen würde. So als Alternative zum Status Quo.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 31.08.2017 02:01 von RobertM.
Zitat
RobertM
Da hast Du natürlich Recht, ich wollte nur verhindern, dass ein pseudo-unlösbares Problem wieder Seitenlang durchgekaut wird. ;)

Vielleicht würde es ja eher helfen, wenn man den Ansprechpartnern die Schweizer Lösung in der Diskussion anreißen würde. So als Alternative zum Status Quo.

Genau dazu bieten übrigens auch Planfeststellungsverfahren eine - wenn nicht die - passende Gelegenheit. Dann müssen sich DB Netz und EBA nämlich von Gesetzes wegen damit befassen... :-)

Viele Grüße
Arnd
Zitat
Arnd Hellinger
Zitat
RobertM
(...) Vielleicht würde es ja eher helfen, wenn man den Ansprechpartnern die Schweizer Lösung in der Diskussion anreißen würde. So als Alternative zum Status Quo.

Genau dazu bieten übrigens auch Planfeststellungsverfahren eine - wenn nicht die - passende Gelegenheit. Dann müssen sich DB Netz und EBA nämlich von Gesetzes wegen damit befassen... :-)

Klasse. Vielleicht erreicht man damit in der aktuellen Planfeststellung nicht gleich den "großen Durchbruch" (die gesetzlichen Grundlagen bleiben ja zunächst unverändert) - aber mittelfristig sorgt man für "Bewegung in den Köpfen".
Zitat
Heidekraut
Es wird vor allem vollkommen vergessen, dass Bahnreisen ja auch verkauft werden wollen. Aber wir wollen ja entschleunigen und gar nicht reisen. Mobilität ist in Verruf geraten. Heile Welt.

Ja, eben. Sie wollen verkauft werden. Und dabei ist Geschwindigkeit natürlich ein, aber nicht das einzige Kriterium. Oder wieso sieht man in Werbespots für Pkws dann nicht einfach das zu bewerbende Auto, das möglichst schnell zwischen Lärmschutzwänden von A nach B fährt?

Weil Reisen eben doch mehr ist. Leider ist die gesamte ÖPNV-Branche - vom Infrastrukturbetreiber bis zu den Verkehrsunternehmen - noch ziemlich schlecht darin, die Bedürfnisse von Menschen und auch einzelnen Nutzergruppen einzubeziehen. Sonst fände man geschicktere Lärmschutzlösungen als kilometerlange, gigantische Betonwände, die sicher auch in Germania nicht groß gestört hätten, sonst würde man nicht Abteilwagen weitgehend abschaffen, in Bussen und Bahnen die Fenster zukleben usw.

Apropos "zugeklebte Fenster": man beobachte einmal, wie in einem Fahrzeug, in dem einige Fenster mit Werbung zugemüllt sind und andere nicht, die Sitzplätze belegt werden. Fast ausnahmslos werden die Fenster am Werbemüll als letztes belegt. Ein Unternehmen, das kundenorientiert arbeiten würde (und seine Fahrzeuge als Mittel für eine Dienstleistung und nicht als rollendes Werbeplakat sähe), hätte daraus längst seine Schlüsse gezogen und auf Werbung über den Fenstern vollständig verzichtet. Die BVG klebt ihre Fenster sogar mit Eigenwerbung zu, so dass noch nicht mal das Argument "Werbeeinnahmen" gilt - es ist einfach völlig ignorant.

Zugleich zeigt das Beispiel, dass es den meisten Menschen eben nicht egal ist, ob sie einen Blick nach draußen haben. Und wieso sollten sie ihre Meinung ändern, nur weil sie mal nicht von Rosenthal nach Pankow, sondern von Berlin in eines der Frankfurts fahren?

Das Problem ist: die Idee, die Bedürfnisse der Kunden und potentiellen Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, muss aus der Branche selbst kommen. Wenn noch nicht mal in der Branche diese Einigkeit besteht, ist die bestens vernetzte Autoindustrie weiterhin im Vorteil.
Zitat
Arnd Hellinger
Genau dazu bieten übrigens auch Planfeststellungsverfahren eine - wenn nicht die - passende Gelegenheit. Dann müssen sich DB Netz und EBA nämlich von Gesetzes wegen damit befassen... :-)

Was heißt "befassen" konkret? Dass man wie in einem Bebauungsplanverfahren in einem Absatz abhandeln kann, wieso das nicht weiter interessiert - oder dass man tatsächlich verschiedene Alternativen untersuchen muss?
Zitat
Florian Schulz
Weia, die ziehen die Sichtschutzwände tatsächlich entlang der gesamten Frankfurter Bahn durch. []
Florian Schulz

Woraus ist das zu entnehmen?
Zitat
def
Oder wieso sieht man in Werbespots für Pkws dann nicht einfach das zu bewerbende Auto, das möglichst schnell zwischen Lärmschutzwänden von A nach B fährt? Weil Reisen eben doch mehr ist.

Die Lärmschutzwände sind ja auch in der Werbung der Bahn völlig unterrepräsentiert. Und nicht wenige Autobahnen sind ja ähnlich eingehaust, wie so manche Bahnstrecke. Ich für meinen Teil meide solche Strecken, so gut es geht und fahre allenfalls in der Finsternis dort entlang oder wenn ich es eilig habe, was aber so gut wie nie vorkommt, da ich das Tempo nicht vertragen kann. Für gewöhnlich suche ich mir landschaftlich reizvolle Strecken heraus.

Zitat
def
sonst würde man nicht Abteilwagen weitgehend abschaffen,

Ja, das Reisen mit der Bahn wird immer schwieriger. Nicht nur, daß man bei der Reiseplanung auf die Strecke achten muß, sondern auch noch auf die Züge. Bestes Beispiel ist der ICE 2, wo man, vor allem bei Finsternis, die ganze Fahrt über gleißendes, weißes Licht ertragen muß.
Zitat
Alter Köpenicker
Die Lärmschutzwände sind ja auch in der Werbung der Bahn völlig unterrepräsentiert. Und nicht wenige Autobahnen sind ja ähnlich eingehaust, wie so manche Bahnstrecke.

Dabei kann sich die Bahn von den Autobahnsichtschutzwänden sogar einiges abschauen. Die gestalterische Varianz ist dort deutlich höher. Klar wird auch an den Autobahnen viel eingehaust, aber immerhin arbeitet man hier mehr mit Formen, Farben, Materialien und auch vegetativen Elementen. Seitens der Bahn werden solche futuristischen Ideen gern mit pseudowissenschaftlichen Argumenten abgelehnt. Ich erinnere mich an die Ablehnung eines Bürgervorschlags, die Betonstützwand an der Kynaststraße mit hängenden Ranken zu verschönern. Die Begründung lautete, dass es keine Hängepfanzen gibt und außerdem das Wurzelwerk auf lange Sicht die Betonfläche spröde werden ließe. Komisch, dass das bei Autobahnsichtschutzwänden kein Problem zu sein scheint.

Viele Grüße
Florian Schulz

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Zitat
Alter Köpenicker
Nicht nur, daß man bei der Reiseplanung auf die Strecke achten muß, sondern auch noch auf die Züge. Bestes Beispiel ist der ICE 2, wo man, vor allem bei Finsternis, die ganze Fahrt über gleißendes, weißes Licht ertragen muß.

Beleuchtung ist auch ein so ein Thema, bei dem sich die hiesigen Verkehrsbetriebe wenig mit den Bedürfnissen der Kundschaft auseinandersetzen. Wer sagt denn, dass alle Fahrgäste Stadionbeleuchtung wollen? Auch das kann man im Alltag ganz gut beobachten, und zwar bei spätabendlichen oder nächtlichen Busfahrten (wenn es draußen dunkel ist und man relativ freie Auswahl bei den Sitzplätzen hat): nicht wenige setzen sich freiwillig in den ersten, dunkleren Bereich des Busses. Also scheint sie das Dämmerlicht zumindest nicht zu stören, wenn sie es nicht sogar begrüßen (ich selbst begrüße es z.B.). Wieso also in einem Fahrzeug nicht mehrere "Beleuchtungszonen" für verschiedene Ansprüche schaffen? Das wäre auch relativ kostengünstig, wenn es bei Neufahrzeugen berücksichtigt wird.

Aber wie gesagt: dazu muss in den richtigen Köpfen noch einiges geschehen - und man die Fahrzeuge nicht nur als bloße Transportgefäße und Werbeflächen betrachten.
Ich glaube das hat eher etwas mit dem Sicherheitsgefühl durch die Nähe zum Busfahrer zu tun...
Zitat
RobertM
Ich glaube das hat eher etwas mit dem Sicherheitsgefühl durch die Nähe zum Busfahrer zu tun...

Bei einigen schon, bei anderen nicht. Man könnte es ja einfach mal untersuchen. Gibt aber keine schönen Fotos, deshalb ist es für die BVG sicher nicht interessant. (Wenn sich Menschen in kalter Stadionbeleuchtung so wohl fühlen, müssten doch eigentlich Cafés so ausgeleuchtet sein?)



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 31.08.2017 11:12 von def.
Zitat
Heidekraut
Es wird vor allem vollkommen vergessen, dass Bahnreisen ja auch verkauft werden wollen. Aber wir wollen ja entschleunigen und gar nicht reisen. Mobilität ist in Verruf geraten. Heile Welt.

Andersrum wird eher ein Schuh daraus: Die ganze Einhausung der Bahnstrecken hat genau etwas mit maximaler Beschleunigung, maximaler Separierung vom öffentlichen Raum zu tu. Planungsmaxime ist technisch optimiert möglischst schnell die Züge von A nach B zu bringen. Alles andere wird ausgeblendet und der Technik untergeordnet.

Ansonsten empfehle ich mal, sich mit dem Begriff "Mobilität" auseinanderzusetzen - und seine Abgrenzung zum Begriff "Verkehr". Die Beschleunigung einer Verkehrsachse oder eines bestimmten Verkehrssystems bdeutet noch lange nicht, dass sich die Mobilität erhöht - auch wenn der Verkehr zunimmt.

Ingolf
Zitat
Florian Schulz
Weia, die ziehen die Sichtschutzwände tatsächlich entlang der gesamten Frankfurter Bahn durch. Der Blick aus dem Zug in die Stadtlandschaft wird kilometerweit verhindert. Das Bedürfnis der Fahrgäste nach Orientierung bewusst ignoriert.

Willkommen in einer Bahnwelt, in der das technische Maximum über allem steht. (...)
Soll so unser zukünftiger Bewegungsraum aussehen?

Ich bin immer wieder überrascht, wie stark unsere Bauplanung von einer rein technischen Optimierung des Systems unter Ausblendung alles anderer Faktoren bestimmt wird. Ich erlebe bis heute sogar oft, wie viele bauplanende Ingenieure regelrecht einen Hass gegen eine gesamtheitliche Betrachtung - auch unter ästhetsichen Gesichtspunkten - entwickelt haben. Kommen diese Themen bei diveresen Planungen auf die Tagesordnung, wird oft mit völliger Brüskiertheit das Thema als überflüssig und absolut irrelevant abgetan. Allein die technische Optimierung gilt als Lösung - und alles, was dem im Wege steht, gehört beseitigt.

Ingolf



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 31.08.2017 11:10 von Ingolf.
Wenn man gleiche Bauweise bei der Dresdner Bahn in Lichtenrade anwedet und noch ein Dach spendiert, hat man den Tunnel den einige dort haben wollen :-)
In Lichtenrade wird jetzt weitergeklagt.
Die Bürger haben keine Worte für diesen Wahnsinn. Ein ganzes Dorf wird in der Mitte durchgeschnitten mit riesigen Wänden - kilometerlang!
Das Bundesverfassungsgericht sollte zum Schluss kommen, dass es technisch und landschaftlich wesentlich bessere Lösungen gibt, um dem §41 des BImSchG zu genügen. Hier wird nirgends eine Lärmschutzwand vorgeschrieben. Es wird lediglich ausgeführt, dass Lärm, der technisch vermeidbar ist, auch vermieden werden soll.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 31.08.2017 12:07 von Ostkreuzi.
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