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Lollapalooza in Hoppegarten
geschrieben von Latschenkiefer 
Zitat
Jay
Nun wurde bekannt gegeben, dass es nächstes Jahr im Olympiapark rund um das Olympiastadion stattfinden soll. [Hier in Berlin, nicht in München ;-)]. Zumindest für die ÖPNV-Anbindung ist das natürlich positiv, denn mit dem Sonderbahnhof der S-Bahn und der U2 stehen gleich zwei leistungsfähige Verbindungen zur Verfügung. 6.000 Parkplätze wird man dort allerdings nicht unterbekommen, insofern wird es natürlich trotzdem spannend, wenn dann auch die Anzahl der verkauften Tickets noch mal steigt.

Naja, also der Stundentakt bei der S-Bahn war ja nicht durch Kapazitätsengpässe motiviert. Wenn sich dann 50.000 Leute nach Ende des Festivals in die Stadt ergießen, dann können sie sich wenigstens nach mehr oder weniger kurzem Fußmarsch auf viele Linien verteilen. Chaotisch würde es aber trotzdem werden.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Nemo
Chaotisch würde es aber trotzdem werden.

Ich denke nicht, dass es dort chaotischer wird als bei einem ausverkauften Fussballspiel. Die Besucherzahl ist nur geringfügig über der heutigen Kapazität des Stadions bei Fussballspielen. Diese haben aber ein noch eindeutigeres zeitliches Ende als ein Festival mit mehreren Bühnen, das zumindest theoretisch die Möglichkeit hat, die Besucherströme besser zu entzerren. Wenn allerdings schon wieder aus Lärmschutzgründen um 22 Uhr Schluss sein muss, könnte diese zeitliche Entzerrung auch entfallen.

Auch was die Parkplätze angeht: bei einer gut integrierten Lage wie dem Olympiapark werden sicherlich auch viele auf die Anreise per PKW verzichten, die dem Verkehrskonzept in Hoppegarten zu Recht misstraut haben und selbst gefahren sind. Wenn man das auch noch halbwegs gut kommuniziert und mit einer ordentlichen Parkraumüberwachung kombiniert, die man auch gut kommuniziert, sollte das kein Problem sein.

Auch wenn dies im konkreten Fall auch nichts gebracht hätte, da die Veranstaltung in Brandenburg war, sollte man überlegen, die Organisation und Finanzierung von Veranstaltungsverkehren in das in der Aufstellung befindliche Mobilitätsgesetz zu integrieren.

Wenn man genauer liest, wie sich für das Chaos am Samstagabend gegenseitig die Schuld zugeschoben wird (S-Bahn: "wurde nichts bestellt", Veranstalter: "wurde viel drüber geredet"), könnte ich mir vorstellen, dass der Veranstalter gezögert hat, Verträge und/oder Bestellungen zu unterschreiben, weil es bis kurz vor der Veranstaltung noch keine Rechtssicherheit zu Lärmschutz- und Baurechtsfragen gab. Zu Risikominimierung wird dann eben jede Unterschrift, die Geld kosten könnte, solange herausgezögert wie möglich. Somit kam die Unterschrift dann eben gar nicht oder so spät, dass es nicht mehr ausreichte, Veranstaltungsverkehre angemessen zu planen.

Vermeidbar wäre so etwas z.B. mit einer Pflicht, Veranstaltungsverkehre innerhalb des bestehenden ÖPNV-Systems zu beauftragen, kombiniert mit einem Veranstaltungsticket sowie einem Preissystem für solche Sonderleistungen, das die Zusatzkosten für zu kurzfristige Planungen auf die Veranstalter umlegt. Es wäre ja insgesamt sicherlich kein Problem gewesen, einen angemessenen Sonderverkehr auf die Beine zu stellen. Der Kartenvorverkauf hatte vor knapp einem Jahr begonnen, im Februar wurde der Veranstaltungsort Hoppegarten bekannt gegeben. Damit hätte man erheblich mehr Planungsvorlauf haben können als es bei den meisten Fussballspielen im Olympiastadion der Fall ist.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.09.2017 15:09 von Lopi2000.
Zitat
Periculator
Außerdem sollen die Shuttlebusse bei der Abreise nicht zum Elsterwerdaer Platz, sondern zum S-Bahnhof Friedrichshagen gefahren sein, wo dann der 30-Minuten-Takt mit Halbzügen ebenfalls Schwierigkeiten bereitete.
Eben das war von den Planern so vorgesehen worden. Abends/nachts gab an beiden Tagen es die Shuttle nach Friedrichshagen. Allerdings nicht tagsüber von dort zu Lollapalooza, was für weiteren Unmut sorgte (vor allem am Sonntag).

Mehr S-Bahnen waren in keinem Konzept der Veranstalter bzw. deren Beauftragten genannt.

Nur in der Nacht Sonntag/Montag wurden zudem zwei Abfahrten ab Hoppegarten bis (fast) zum Alexanderplatz geplant. Allerdings wurde auf dem Festival schon am Samstag gesagt, dass es diese an dem Abend schon gäbe...
Zitat
HS-DPIN
Mehr S-Bahnen waren in keinem Konzept der Veranstalter bzw. deren Beauftragten genannt.

Und der 10-Minuten-Takt bis 0:39 Uhr kam dann genau woher?

Der Weg nach Friedrichshagen ist mit etwa 5,4 km übrigens fast genauso lang, wie die 6 km zum Elsterwerdaer Platz. Shuttlebusse wurden auch nach Mahlsdorf und zum Alex gefahren. Leider war die Auskunft darüber auf der Homepage mehr als dürftig. Zusätzlich verwirrend war der Hinweis, dass die Busse ausgebucht seien. Offenbar wurde da die Unterscheidung zwischen "Lollabus" (buchungspflichtig) und Shuttle zum Elsterwerdaer Platz nicht ausreichend hervorgehoben.

Nachdem man am Sonntag aus den Fehlern des Vortages gelernt hatte, lief die Abreise dann anscheinend deutlich entspannter und die Busse kamen auch besser weg (standen somit auch schneller wieder für die nächste Fahrt zur Verfügung).

Schön war auch zu lesen, dass die BVG (unter heftigen Beschwerden der Pressestelle) ihrem Verkehrsvertrag gefolgt ist und zwei zusätzliche Fahrten auf der U5 eingelegt hat, um die Fahrgäste abzufahren, die die Shuttlebusse am Elsterwerdaer Platz abgeliefert haben. Ebenso ist es eigentlich selbstverständlich, dass auf die Schwächung der Züge verzichtet wurde.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Zitat
Jay
Der Weg nach Friedrichshagen ist mit etwa 5,4 km übrigens fast genauso lang, wie die 6 km zum Elsterwerdaer Platz. Shuttlebusse wurden auch nach Mahlsdorf und zum Alex gefahren. Leider war die Auskunft darüber auf der Homepage mehr als dürftig. Zusätzlich verwirrend war der Hinweis, dass die Busse ausgebucht seien. Offenbar wurde da die Unterscheidung zwischen "Lollabus" (buchungspflichtig) und Shuttle zum Elsterwerdaer Platz nicht ausreichend hervorgehoben.

Ich finde es durchaus sinnvoll, dass man bei der Abreise den Verkehr besser verteilen wollte als bei der Anreise, da es zu dieser Phase auch eine stärkere zeitliche Konzentration gab. Da am frühen Nachmittag eher unbekannte Bands spielen, füllt sich so ein Festivalgelände meist ein paar Stunden lang. Dadurch, dass man aber aus Lärmschutzgründen relativ früh am Abend Schluss machen musste, konnte man dies zum Ende hin nicht auch so machen, was bei vielen Festivals eigentlich Standard ist. Also wollten dann alle halbwegs gleichzeitig wieder weg. Hätte man auch nachmittags schon alle drei Bahnhöfe mit Shuttlebussen angebunden, wären da möglicherweise unattraktive Takte rausgekommen.

Verwirrend sind dagegen die Angaben auf der Website zur An- und Abreise. Neben der schlechten Differenzierung zwischen dem kostenpflichtigen "Lollabus" und den kostenlosen Shuttlebussen findet sich recht prominent auf der Infoseite zur Anreise [www.lollapaloozade.com] folgender Hinweis: "Anfahrt = Abfahrt, Eingang = Ausgang: Bitte nutzt den gleichen Weg für die Abreise wie für die Anreise. Das gilt auch für Euren Ein- und Ausgang. So können wir Wartezeiten minimieren und gemeinsam eine friedliche An- und Abreise ermöglichen. Ihr kommt mit dem öffentlichen Nahverkehr? Dann nutzt diesen bitte auch für den Heimweg. Ihr kommt mit unserem offiziellen Shuttle? Dann nutzt diesen auch für den Heimweg. Ausnahme: Bucht Ihr ausschließlich für die Rückfahrt einen Platz im Lolla Bus, nutzt Ihr den Eingang/Ausgang D." Angesichts des frühen Betriebsschluss bzw. der Taktausdünnung bei der S-Bahn wäre es hier wohl sinnvoller gewesen, einen stärkeren Fokus auf den Shuttlebus für die Abreise zu legen.

Desweiteren wird auf der Anreiseseite deutlich, dass man die Besucher nahezu anbettelt, lieber die Route U5/Shuttlebus als die S-Bahn zu nehmen. Dies hätte man sicher deutlich unterstreichen können, wenn man darauf hingewiesen hätte, dass diese Möglichkeit für Inhaber von Berlin AB-Tickets kostenlos ist, während bei der Anreise mit der S-Bahn wenigstens ein Anschlussfahrschein fällig wird.

Ich war zwar nicht da, aber vom Querlesen der Anreiseseite hatte ich den Eindruck, ich hätte als AB-Zeitkarteninhaber nur die Wahl zwischen einem kostenpflichtigen "Lollabus" für 5 Euro pro Strecke oder der S-Bahn für 1,60 Euro pro Strecke für den Anschlussfahrschein.
Wie wurde die An-/Abreise früher an Renntagen organisiert?

Berlins Straßen sind zu eng, um sie nur dem MIV zu opfern!
Stimmt es eigentlich, dass in Hoppegarten wegen Bauarbeiten auch nur ein(!) Gleis zur Verfügung stand?
Das wäre dann ja wohl eh der Super GAU
Ja, das ist schon ziemlich lange so.
Zitat
Joe
Stimmt es eigentlich, dass in Hoppegarten wegen Bauarbeiten auch nur ein(!) Gleis zur Verfügung stand?
Das wäre dann ja wohl eh der Super GAU

Ja, im zweiten Gleis klafft eine größere Lücke über der Straße. Wie in Schöneweide werden die Brücken für jedes Gleis einzeln getauscht und die Widerlager erneuert. Daher steht dem durchgehenden Verkehr nur ein Gleis zur Verfügung. Das zweite Gleis ist nur von und nach Strausberg nutzbar. Da die Weiche aber direkt hinter der Brücke liegt, ist trotzdem ein 10er-Takt möglich. Bei Verspätungen wird es allerdings noch etwas holpriger, als es mit der Eingleisigkeit dahinter sowieso schon ist.

@Loopi: Ich hab doch gar nichts gegen die Verteilerbusse gesagt. Im Gegenteil, ich finde das durchaus sinnvoll. Der Vergleich sollte nur zeigen, wie weit das gefült naheliegende Friedrichshagen eigentlich ist. Dort gibt es auch keine Wendemöglichkeit für Busse.

Was die Abreise betrifft: Wer zwingt den Veranstalter dazu bis zum Ende "bekannte" Bands auf die Bühne zu schicken? Er könnte für die letzten 30-60 Minuten ja durchaus auch noch mal auf unbekanntere Formate setzen, um die Abreise ebenfalls zu entzerren.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.09.2017 23:47 von Jay.
Oh mein Gott, Zustände sind das... Am Ende schiebt man es noch den feierwütigen jungen Menschen (drei ganz liederliche Eigenschaften in Kombination) in die Schuhe, dass sie so gern glitzern und damit unsere heißgeliebte Infrastruktur an den Rand des Kollaps bringen. Ist das eigentlich nur Unwillig- oder schon Unfähighkeit der betreffenden Verkehrskombinate, den Ansturm so lange zu ignorieren, wie nicht der korrekte Atrag auf Formblatt A-/II vorliegt?

Ich war mal vor ein paar Jahren in Budapest auf dem Sziget - natürlich gab's da mal längere Warteschlangen... besonders wenn man zwischen 10 und Mittag duschen wollte. Der An-/Abtransport erfolgte mit grünem gruseligst betagtem Rollmaterial - Ausstattungsniveau wie Stadtbahner, nur ohne den Charme - und war ansonsten unspektakulär. Da waren ca. 400.000 Leute dort. Budapest:1, Berlin:0.

Oder beim Donauinselfest. 3 Mio. Zuschauer in an drei Tagen. Gut, das ist eine kaiserliche Veranstaltung der Wiener Erbmonarchie, da wird schon a bissl drauf achtgegeben, aber ich hatte nie das Gefühl, dass der örtlich Personenverschub mit dem Zu- und Wegtransport der Bierleichen größere Probleme gehabt hätte. Herrje, ich fang schon wieder an, Wien zu glorifizieren, das wollte ich mir doch abgewöhnen... *seufz*
Zitat
schallundrausch
so lange zu ignorieren, wie nicht der korrekte Atrag auf Formblatt A-/II vorliegt?
Und für den Einlass Passierschein A38? ;-)

Zitat

Ich war mal vor ein paar Jahren in Budapest auf dem Sziget - natürlich gab's da mal längere Warteschlangen... besonders wenn man zwischen 10 und Mittag duschen wollte. Der An-/Abtransport erfolgte mit grünem gruseligst betagtem Rollmaterial - Ausstattungsniveau wie Stadtbahner, nur ohne den Charme - und war ansonsten unspektakulär. Da waren ca. 400.000 Leute dort. Budapest:1, Berlin:0.

Ich frag mich auch immer, wie man Przystanek Woodstock in Kostrzyn mit mehreren hunderttausend Besuchern bei der katastrophalen Bahnanbindungen dort hinbekommt - aber da kann man ja (kostenlos) im eigenen Zelt/Wohnwagen übernachten, so dass da nur einmalig An- und Abfahrten notwendig sind.
Zitat
schallundrausch
Oh mein Gott, Zustände sind das... Am Ende schiebt man es noch den feierwütigen jungen Menschen (drei ganz liederliche Eigenschaften in Kombination) in die Schuhe, dass sie so gern glitzern und damit unsere heißgeliebte Infrastruktur an den Rand des Kollaps bringen.

Den Besuchern wirft das sicher niemand vor - aber dem Veranstalter, der damit jede Menge Geld scheffelt und daher gefälligst auch für die Kosten des An- und Abtransports aufzukommen hat. (Das ist übrigens auch der entscheidende Unterschied zu den kostenlosen Festivals in Kostrzyn und auf der Donauinsel.) Der Veranstalter musste ja aber sogar gerichtlich gezwungen werden, die Hotelaufenthalte für die Anwohner zu bezahlen.

Den Besuchern kann man allenfalls eine gewisse Naivität und zuweilen Double Standards vorwerfen. Wir reden hier von dem Milieu, das ganz gerne halbstündige moralinsaure Vorträge hält, wenn jemand mal den billigen Kaffee statt Fair-Trade-Bio-Kaffee kauft. Verantwortung für das eigene Tun und den eigenen Konsum gelten halt nur für andere. (Und das sage ich, obwohl ich auch so halb zu diesem Milieu gehöre.)

Zitat
schallundrausch
Ist das eigentlich nur Unwillig- oder schon Unfähighkeit der betreffenden Verkehrskombinate, den Ansturm so lange zu ignorieren, wie nicht der korrekte Atrag auf Formblatt A-/II vorliegt?

Weder noch. Es war Unwillig- und Unfähigkeit des Veranstalters. Und zum Teil der Behörden - Großveranstaltungen ohne schlüssiges An- und Abreisekonzept sollten nicht genehmigt werden. Duisburg ist noch keine zehn Jahre her, scheint aber in deutschen Amtsstuben schon wieder vergessen.

Zitat
schallundrausch
Ich war mal vor ein paar Jahren in Budapest auf dem Sziget - natürlich gab's da mal längere Warteschlangen... besonders wenn man zwischen 10 und Mittag duschen wollte. Der An-/Abtransport erfolgte mit grünem gruseligst betagtem Rollmaterial - Ausstattungsniveau wie Stadtbahner, nur ohne den Charme - und war ansonsten unspektakulär. Da waren ca. 400.000 Leute dort. Budapest:1, Berlin:0.

Das klappt in Berlin auch ständig - an Silvester, beim Karneval der Kulturen, beim Marathon undundund. Die finden aber nicht am A**** der Welt statt.

Zitat
schallundrausch
Oder beim Donauinselfest. 3 Mio. Zuschauer in an drei Tagen. Gut, das ist eine kaiserliche Veranstaltung der Wiener Erbmonarchie, da wird schon a bissl drauf achtgegeben, aber ich hatte nie das Gefühl, dass der örtlich Personenverschub mit dem Zu- und Wegtransport der Bierleichen größere Probleme gehabt hätte. Herrje, ich fang schon wieder an, Wien zu glorifizieren, das wollte ich mir doch abgewöhnen... *seufz*

Im direkten Umfeld des Donauinselfests verkehren zwei U-Bahn-Linien, die S-Bahn-Stammstrecke, die S45 und eine Straßenbahnlinie. Viele weitere Straßenbahn- und Buslinien sowie die U2 sind fußläufig erreichbar. Die Massen verteilen sich räumlich deshalb mehr - und zeitlich auch, da es ja ein mehrtägiges Festival ist.

Wenn nun ein - ich wiederhole mich - privater Veranstalter mit Gewinnabsicht an den A**** der Welt zieht, muss er eben damit leben, dass die S-Bahn infrastrukturbedingt nur alle 10 min verkehren kann - und daraus entsprechende Schlüsse ziehen. (Ich missgönne dem Veranstalter übrigens gar nicht seinen Gewinn - aber doch bitte nicht auf Kosten der Allgemeinheit.)



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.09.2017 08:08 von def.
Zitat
def
Zitat
schallundrausch
Ist das eigentlich nur Unwillig- oder schon Unfähighkeit der betreffenden Verkehrskombinate, den Ansturm so lange zu ignorieren, wie nicht der korrekte Atrag auf Formblatt A-/II vorliegt?

Weder noch. Es war Unwillig- und Unfähigkeit des Veranstalters. Und zum Teil der Behörden - Großveranstaltungen ohne schlüssiges An- und Abreisekonzept sollten nicht genehmigt werden. Duisburg ist noch keine zehn Jahre her, scheint aber in deutschen Amtsstuben schon wieder vergessen.
[...]

Das ist jetzt doch ein wenig einfach. Die "Schuld" sollte man schon gleichmäßig auf die Akteure aufteilen, denn sie alle tragen ihren Anteil. Der verstärkende 10er-Takt war offenbar bis 0:39 Uhr vorgesehen - also bis eine Stunde nach dem Ende um 23:30 Uhr. Die S-Bahn konnte/wollte nicht mehr leisten, wenn man den Presseberichten mit dem Zitat "eines Bahnsprechers" folgt. Gründe sind auch glasklar: Personalmangel - zusätzlich zum Fahrzeugmangel, der zu einem 3/4-Zug auf der Strecke führte.

Dass der 10er-Takt der S-Bahn nicht ausreicht, haben alle erkannt. Daher gab es einen großen Feldparkplatz mit 6.000 Stellplätzen, der erst am zweiten Tag komplett ausgelastet war. Für die ÖPNV-Anreise wurde außerdem ein kostenfreier Busshuttle zum U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz organisiert. Für die Abendabreise standen nach Angaben des Veranstalters 200 Busse zur Verfügung, um verschiedene Punkte anzufahren.

Bis auf das Ende des S5-10er-Taktes bereits um 0:39 Uhr erscheint mir das ein durchaus schlüssiges Verkehrskonzept.

Die Frage muss also (für die Auswertung) eher lauten, was genau nicht funktioniert hat. Und da kommen mehrere verschiedene Ursachen mit unterschiedlichen Akteuren zusammen, als da (u.a.) wären:
- schlechte/missverständliche Informationslage zur An-/ Abreise vor und während des Festivals (geht klar an den Veranstalter)
- Abfertigung der Busse & Zuführung zum S-Bahnhof unzureichend gesichert (wurde am Sonntag nachgebessert und funktionierte dann)
- Oktoberfest in Neuenhagen sorgte für schon volle S-Bahnen (schlechte Abstimmung innerhalb des Landkreises)

Hinzu kamen:
- Straßensperrung der B1 in Alt-Biesdorf, wodurch die Shuttlebusse im Stau standen (Polizei/VLB)
- gleich mehrere Polizei- und Notarzteinsätze auf der Stadtbahn, die den S-Bahnverkehr durcheinander wirbelten (Leitstellen S-Bahn)
- zu spätes Erkennen einer Fehlentwicklung zur Abreise durch den Lenkungskreis (Selbstkritik von Hoppegartens Bürgermeister)

Der Sonntag zeigte dann, dass das Verkehrskonzept durchaus funktioniert hat, auch wenn die S-Bahn erst nach dem Druck von Samstag zusätzliche Züge nach 0:39 Uhr fahren ließ.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Zitat
def
Zitat
schallundrausch
Ist das eigentlich nur Unwillig- oder schon Unfähighkeit der betreffenden Verkehrskombinate, den Ansturm so lange zu ignorieren, wie nicht der korrekte Atrag auf Formblatt A-/II vorliegt?

Weder noch. Es war Unwillig- und Unfähigkeit des Veranstalters. Und zum Teil der Behörden - Großveranstaltungen ohne schlüssiges An- und Abreisekonzept sollten nicht genehmigt werden. Duisburg ist noch keine zehn Jahre her, scheint aber in deutschen Amtsstuben schon wieder vergessen.

Wie nehmen jetzt eine beliebige Großveranstaltung her, bei der es katastrophal lief und Tote gab, um irgendeinen Vergleich zu haben? Frei nach dem Motto "Denkt doch mal an die Kinder"?

In Duisburg waren nicht ausreichend dimensionierte Zu- und Abgangswege der Flaschenhals. In Hoppegarten hat man die Leute so wie ich die Berichte verstehe zurückgehalten, damit der Bahnhof nicht überfüllt.

Auch Abreisewege mit 5 km Fußweg sind jetzt nicht unbedingt beliebt, aber keine Seltenheit bei solchen Veranstaltungen. Wie schon besprochen ist die Herausforderung die zweimalige An- und Abreise und das konzentrierte Ende der Veranstaltung an beiden Tagen.
Zitat
Jay
Das ist jetzt doch ein wenig einfach. Die "Schuld" sollte man schon gleichmäßig auf die Akteure aufteilen, denn sie alle tragen ihren Anteil. Der verstärkende 10er-Takt war offenbar bis 0:39 Uhr vorgesehen - also bis eine Stunde nach dem Ende um 23:30 Uhr. Die S-Bahn konnte/wollte nicht mehr leisten, wenn man den Presseberichten mit dem Zitat "eines Bahnsprechers" folgt. Gründe sind auch glasklar: Personalmangel - zusätzlich zum Fahrzeugmangel, der zu einem 3/4-Zug auf der Strecke führte.

Aber die Probleme der S-Bahn sind ja seit Jahr und Tag bekannt und wurden - der Berichterstattung zufolge - auch im Vorfeld gegenüber dem Veranstalter kommuniziert. Umso dringender wäre es doch gewesen, ein Ersatzkonzept zu organisieren. Und das hätten ja auch Busse sein können, die möglichst nah an den S-Bahnhof ranfahren, um die dort Wartenden abzuholen.
Zitat
Arec
Wie nehmen jetzt eine beliebige Großveranstaltung her, bei der es katastrophal lief und Tote gab, um irgendeinen Vergleich zu haben? Frei nach dem Motto "Denkt doch mal an die Kinder"?

Nun waren die "Voraussetzungen" für eine Katastrophe in Duisburg ohne Zweifel andere. Was aber nicht bedeutet, dass das das einzige Szenario ist, bei dem eine solche Massenpanik geschehen kann.
Zitat
def
Zitat
Arec
Wir nehmen jetzt eine beliebige Großveranstaltung her, bei der es katastrophal lief und Tote gab, um irgendeinen Vergleich zu haben? Frei nach dem Motto "Denkt doch mal an die Kinder"?

Nun waren die "Voraussetzungen" für eine Katastrophe in Duisburg ohne Zweifel andere. Was aber nicht bedeutet, dass das das einzige Szenario ist, bei dem eine solche Massenpanik geschehen kann.

Das Risiko einer Massenpanik besteht immer bei größeren Menschenmengen. Problematisch sind dann enge oder zu wenig Ausgänge, ob die Busse und Bahnen vor den Toren alle 5 oder alle 20 Minuten fahren, ist dafür reichlich irrelevant. Ich gehe auch davon aus, dass man ausreichende Evakuierungsflächen und Fluchtwege vorgehalten hat. Jeder, der schon mal an der Planung einer größeren Veranstaltung beteiligt war, weiß, dass es dafür Planungsparameter gibt, die eingehalten werden müssen.

Enttäuschend ist das ganze allemal, aber Sicherheitsbedenken habe ich jetzt nicht dabei, wenn jemand in Hoppegarten strandet. Bewerten müssen dass die Kunden des Veranstalters, ob für sie dann der Fußmarsch nach Berlin zusammen mit dem Ticketpreis ausreichend durch die dargebotene Veranstaltung entschädigt wird, aber der Bogen zu Massenpanik und zu den Ereignissen aus Duisburg ist hier völlig falsch gewählt. Hier geht es um Komfortargumente, und nichts anderes.
Na dann ist ja alles halb so schlimm, wenn man aus Komforgründen in einer Masse von Tausenden Menschen vor einem Bahnhof für die Abreise kollabiert. Ist dann ja quasi gleichzustellen mit dem Fall, wo im ICE die Klimaanlage ausgefallen war, wo ebenfalls viele Menschen am Ende von Rettungskräften versorgt werden mussten, da sie ebenfalls kollabiert (?) sind.
Schön, wie man sowas kleinreden kann. Das hätte da sicher noch schlimmer ausgehen können in Hoppegarten!
Stell dir mal vor, es gibt einen Knall und es gibt ein Fluchtpotenzial. Wie das wohl geendet hätte, will ich mir nicht vorstellen.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.09.2017 11:18 von Nahverkehrsplan.
Und wenn die S-Bahn nun alle 2 Minuten fährt, geraten die Menschen nicht bei einem "Knall" in Panik?

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Zitat
Nahverkehrsplan
Na dann ist ja alles halb so schlimm, wenn man aus Komforgründen in einer Masse von Tausenden Menschen vor einem Bahnhof für die Abreise kollabiert. Ist dann ja quasi gleichzustellen mit dem Fall, wo im ICE die Klimaanlage ausgefallen war, wo ebenfalls viele Menschen am Ende von Rettungskräften versorgt werden mussten, da sie ebenfalls kollabiert (?) sind.
Schön, wie man sowas kleinreden kann. Das hätte da sicher noch schlimmer ausgehen können in Hoppegarten!
Stell dir mal vor, es gibt einen Knall und es gibt ein Fluchtpotenzial. Wie das wohl geendet hätte, will ich mir nicht vorstellen.

Genau deshalb hat man den Zufluss zum S-Bahnhof ja reguliert und die Besucher auf andere Ausgänge verwiesen, um Konfliktsituationen zu entschärfen. Ein großer Knall und Rauchentwicklung im verwinkelten U-Bahnhof Alexanderplatz würde im Berufsverkehr vermutlich auch schwerwiegend sein, und an den engen und durch Verkaufsbuden zugestellten Bahnhöfen wie beispielsweise Friedrichstraße wäre das nach 15 Minuten Betriebsstörung auf der Stadtbahn vermutlich auch nicht vorher eindeutig berechenbar.

Die Gefahr liegt wie gesagt an großen Menschenansammlungen auf engem Raum an sich, man wird wohl kaum Busse vorhalten zu können, um mehrere zehntausend Besucher in wenigen Minuten mit Bussen Abfahren zu können, die Leistungsfähigkeit einer Haltestelle ist bei Abfahrten im Zwei-Minuten-Takt auch auf etwa 6.000 Personen in einer Stunde begrenzt, dazu braucht man schon 30 Busse. Bei Minutentakt sind es dann 12.000 Personen und 60 Busse pro Haltestelle.

Auch bei Veranstaltungen am Olympiastadion wird man nicht alle Besucher gleichzeitig abfahren können und müsste den Zustrom zu den Stationen begrenzen.

Selbst wenn die S-Bahn 32 Viertelzüge zusammen bekommt und alle acht Gleise am Olympiastadion besetzt, kann man dort nur 8.000 Personen "vorpuffern", und auch die nur im 2-Minuten-Takt abfahren. Spätestens am Westkreuz hat man dann Fahrgastmassen durch Umsteiger, die den Bahnhof wieder stark beanspruchen würden. Im schlimmsten Fall muss man dann das Abfahren von Sonderzügen von Olympiastadion begrenzen (und damit wiederum auch den Zustrom an Rückreisenden von der Veranstaltung), damit der Bahnhof Westkreuz nicht überlastet.

Auch die Abreise über den Bahnhof Olympia-Stadion an der U2 hat ähnliche Probleme: Die U2 verkehrt aufgrund der Auslastung im Innenstadtabschnitt bereits im 5-Minuten-Takt. Wenn man von vier zusätzlich realisierbaren Abfahrten in 10 Minuten ausgeht, und man im Kleinprofil dafür illusorische 16 Acht-Wagen-Züge vorhalten kann, bekommt man damit in 40 Minuten auch höchstens 16.000 Leute weg. Also müsste man auch dort den Zufluss wieder dosieren.

Wenn man die Regelzüge der U2 ebenfalls voll für die Abreise der Festivalbesucher einsetzt, können von die beschrieben Situationen (Panik bei Knall und Rauch) auch auf den engen Bahnhöfen der U2 entstehen, wo sich die Fahrgäste stauen, die regelmäßig fahren wollen, aber auch nach mehreren Zügen keine Chance hatten, vom Bahnhof weg zu kommen.

Der Standort am Olympiastadion mag verkehrstechnisch besser sein, aber das einfach alle gleichzeitig ihre Jacke zuknöpfen und nach Hause gehen ist auch dort nicht bei seriöser Betrachtung der Kapazitäten möglich.
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