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Gleislose Elektromobilität auf dem Vormarsch
geschrieben von Karl Lauterbach 
Zitat
Sasukefan86
Das interessante in der Abendschau, kam gerade ein Bericht der Karls, schöne Idee, komplett in der aktuellen politischen Realität zum Thema E-Mobilität versenkt.

Danke für den Hinweis, ich verlinke mal den Beitrag:
https://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20171028_1930/e-car-mobility.html

Das ist echt bitter.
Aber man muss da schon differenzieren: Karls These ist ja, dass das Hochkapazitäts-Systeme Stadt-und Straßenbahnen vollständig durch individuelle, autonome Elektromobile ersetzt werden kann und soll. Das ist natürlich weder möglich noch sinnvoll, da müssen wir nicht darüber diskutieren.

Das Ziel von automobiler Elektromobilität (bei gedankenloser Gleichsetzung von E-Mobility mit Autoverkehr krieg ich jedesmal Zustände) kann und sollte sein, die MIV-Flotte in absehbarer Zeit vollständig zu verstromen. In diesem Prozess sollte gleichzeitig ein Trend weg vom individuell besessenen Fahrzeug hin zu Sharing-Modellen gesetzt werden. Damit bekommt man zumindest mittelfristig die Emissionsfrage und das Parkplatzproblem in den Griff.
Was das überhaupt nicht löst, ist die Verstopfung, der Stau, und das Unfallpotenzial, das von Autos immer ausgeht. Auch Automation oder Autonomie werden da keine Verbesserung in Größenordnungen bringen. Bezüglich der Sicherheit vielleicht, in Bezug auf den Flächenverbrauch und gegenseitige Selbstblockade auf jeden Fall nicht.

Wenn jetzt die Citroën seine Tochter Multicity aus der Hauptstadt abzieht, dann ist das ein herber Rückschlag. Denn hier waren wenigstens zwei Kriterien für den stadtverträglichen Individualverkehr, elektrischer Antrieb und geteilte Nutzung, erfüllt. Das hat natürlich starke Symbolkraft und beschädigt das Image des selbsternannten Schaufensters. Aber hier ist endlich und vor allem auch der Bund gefragt, der unbedingt verbindliche Regeln zu Luftreinhaltung erlassen, und Fördermechanismen für Ladeinfrastruktur bereitstellen muss. Und bitte unter Beteiligung der Fahrzeughersteller und der Energieversorger. Es kann doch nicht Aufgabe des Landes und der Kommune sein, ein flächendeckendes Ladesäulennetz hinzustellen und das aus dem eigenen Haushalt zu finanzieren.

Ich war vor zwei Monaten in Oslo, und die Erfahrung war richtig deprimierend. Gefühlt waren dort 2 von 3 Autos elektrisch angetrieben. Die realen Zahlen mögen noch darunter liegen, es ist aber kein Zweifel daran, dass dort die Flottenumstellung längst im Gange und schon kurz vor dem Abschluss ist, während man hier immer noch auf dem Beginn wartet. Interessanterweise waren dort nicht nur die üblichen Verdächtigen (Tesla, Leaf, Honda EV) unterwegs, sondern auch viele Modelle deutscher Hersteller, von denen man hierzulande gar nicht weiß, dass es eine erfolgreiche elektrische Variante gibt.
Das Erfolgsrezept: staatliche Förderprämie und flächendeckende Ladeinfrastruktur. Für beides muss sich der Bund endlich mal bewegen und nicht ewig nur die Dieselmafia in Schutz nehmen.
Zitat
schallundrausch
Vollkommen richtig. Da es seit einigen Jahren auch drei große etablierte Hersteller am Markt gibt, die komplette Turnkey-Lösungen 'out of the box' anbieten, ist die Scheu von Auftraggebern und Kommunen deutlich gesunken, sich so ein ehemals noch als exotisch betrachtetes System zuzulegen. Gerade China hat da einen ungeheuer großen Bedarf und ist - leider mal wieder - auch der führende Innovationstreiber.

Wir haben halt das "Problem", dass unsere Städte im Prinzip bereits eine Vollausstattung hinsichtlich des Verkehrssystems haben. In Asien gibt es ja Millionenstädte, die eigentlich für Fahrräder gebaut worden sind und nun nur Autos und Busse haben und daher im Stau ersticken. Unser Stau ist bei denen sowas wie Sonntagsvormittagsverkehr. Da hat man dann natürlich den Druck, sich über alternative Verkehrssysteme Gedanken zu machen und nach Lösungen zu suchen, die ähnlich wie U-Bahnen wirken, jedoch schneller und günstiger zu realisieren sind.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 28.10.2017 21:26 von Nemo.
Zitat
Nemo
Vorallem kommt die Zukunft anders! Die Alwegbahn war als Schnellverkehrsmittel zwischen den Städten gedacht und kommt nun als billiger U-Bahnersatz, weil sie leiser ist und daher oberirdisch geführt werden kann. Innerhalb einer Stadt ist ja auch die Kompatibilität zu anderen Verkehrssystemen nicht relevant und oberirdische Systeme sind immer günstiger als unterirdische. Die Balken sind auch nicht ganz so dominant wie ein Hochbahnbauwerk. Von daher ist es durchaus sinnvoll, wenn sich Städte, die noch kein innerstädtisches Schienensystem haben für ein derartiges System entscheiden.

Woher diese Legendenbildung?
Im Vergleich zum Neubau von U-/S-Bahnen höchster Kapazität, aber auch Straßenbahnen sind Einschienenbahnen weiterhin ein Nischenprodukt.

Es gibt im Vergleich nur wenige neue Systeme. Oft übrigens gefördert von der JICA - Japan International Cooperation Agency.
Was nicht weiter überraschend ist: Schließlich ist Japan das einzige Land, wo solche Systeme in der Vergangenheit eine etwas größere Verbreitung gefunden haben und jetzt die entsprechende Industrie gefördert werden soll.
Man kann sich fast sicher sein, dass bei einer von der JICA finanzierten Studie für ein ÖPNV-System in einer der Metropolen dieser Welt als Lösung irgendeine Art Monorail auftaucht...

Ingolf
Naja, der Erfolg derartiger Systeme ist im Gegensatz zur konventionellen Eisenbahn (hier auch Straßenbahnen) dann doch eher bescheiden. Letztendlich hätte ich es so formulieren müssen, dass eine Entscheidung für ein anderes Bahnsystem eben nur dann sinnvoll sein, kann, wenn noch kein ähnliches System vor Ort ist oder man eben mit einem Inselsystem leben kann.

Wenn man sich auch etwas mit Spurführung und Weichen beschäftigt, dann stellt man auch schnell fest, dass die Eisenbahn in dieser Hinsicht lediglich alt ist, aber keineswegs veraltet.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Ingolf
Zitat
Nemo
Vorallem kommt die Zukunft anders! Die Alwegbahn war als Schnellverkehrsmittel zwischen den Städten gedacht und kommt nun als billiger U-Bahnersatz, weil sie leiser ist und daher oberirdisch geführt werden kann. Innerhalb einer Stadt ist ja auch die Kompatibilität zu anderen Verkehrssystemen nicht relevant und oberirdische Systeme sind immer günstiger als unterirdische. Die Balken sind auch nicht ganz so dominant wie ein Hochbahnbauwerk. Von daher ist es durchaus sinnvoll, wenn sich Städte, die noch kein innerstädtisches Schienensystem haben für ein derartiges System entscheiden.

Woher diese Legendenbildung?
Im Vergleich zum Neubau von U-/S-Bahnen höchster Kapazität, aber auch Straßenbahnen sind Einschienenbahnen weiterhin ein Nischenprodukt.

Es gibt im Vergleich nur wenige neue Systeme. Oft übrigens gefördert von der JICA - Japan International Cooperation Agency.
Was nicht weiter überraschend ist: Schließlich ist Japan das einzige Land, wo solche Systeme in der Vergangenheit eine etwas größere Verbreitung gefunden haben und jetzt die entsprechende Industrie gefördert werden soll.
Man kann sich fast sicher sein, dass bei einer von der JICA finanzierten Studie für ein ÖPNV-System in einer der Metropolen dieser Welt als Lösung irgendeine Art Monorail auftaucht...

Ingolf

Das würde ich so nicht unterschreiben. Nischenprodukt - ja, aber eines mit starken Wachstumsaussichten. Gerade in den letzten Jahren hat eine Trendwende stattgefunden. Bis vor wenigen Jahren waren Einschienenbahnen außerhalb Japans auf Vergnügungs- und Shuttleverkehre beschränkt. So hat man sie auch in Planungen wahrgenommen und behandelt: eher als Spielzeug. Das ist jetzt anders.
Wie @Nemo richtig schrieb, gab es vor allen in Schwellenländern einen regelrechten Hype.
Zu dem Kapazitätsargument: Chongqing befördert auf nur zwei Linien täglich im Schnitt knapp unter einer Million Fahrgäste. Wenn die zweite Ausbaustufe in Sao Paulo nächsten Frühling endlich an den Start geht, bietet die Linie 15 eine Kapazität von 42.000 pphpd (50.000 lt. Sicherungssystem möglich). Das sind beides Werte die von den meisten 'richtig schweren' S-/U-Bahnen auf der Welt kaum erreicht werden. Beides Alweg-Systeme.

Viel interessanter wird es aber in der Zukunft: Brasilien hat noch ein weiteres System im Bau und mindestens drei weitere geplant. Indien hat die Alweg-Bahn also kostengünstige Alternative entdeckt und in einiger Begeisterung viele Projekte angeschoben. Aktuell ist die Technologie in Ungnade gefallen, weil das erste Projekt von einer Katastrophe in die nächste steuert. Hier war aber vor allem mangelhaft Bauausführung, überfordertes Management und ein komplett unfähiger Zulieferer für die Züge verantwortlich, weniger der Systementscheid. Das wird man beobachten müssen.
In China hat sich gerade BYD als der neue Big Player im Monorailmarkt positioniert. Genau die, die eben noch in Berlin mit ihrem Batteriebus unterwegs sind. Ihr Design ist zwar schamlos vom Bombardier-Entwurf abgekupfert, aber dem Batteriehersteller, der innerhalb weniger Jahre zum größten Elektroautohersteller der Welt aufgestieg, ist viel zuzutrauen. Von der Vorstellung von Prototyp und Teststrecke bis zur ersten Serieninstallation in unter einem Jahr: Respekt. Laut eigenen Angaben sehen sie Potenzial für 600 km Strecke in China in den nächsten 10 Jahren. Das ist natürlich größenwahnsinnig, aber was ist das nicht in China? Außerdem hat BYD schon zwei Städte in den Philippinen unter Vertrag.
Panama City und Bangkok haben beide Linien bestellt (Bangkok gleich zwei) und finanziert. Beides multi-Milliarden-Dollar-Projekte, kein Kleckerkram.
Bombardier ist mit Chinas staatlicher Eisenbahnschmiede CRRC ein Joint Venture eingegangen. Wahrscheinlich weise, um von dem großen Kuchen in China überhaupt was abzubekommen, und nicht in ganz Asien komplett von billiger Plagiatskonkurrenz plattgemacht zu werden. Anscheinend erfolgreich, gemeinsam baut man knapp 300 Wagen für das Bangkok-Projekt.
China hat überhaupt das größte Potenzial: Mittlerweile sind alle Mega-Metropolen mit leistungsfähigen Metrosystemen ausgerüstet. Jetzt ist die 'zweite Reihe' dran - 'Mittelstädte' mit 1 bis 10 Mio. Einwohnern. Davon gibt es eine unüberschaubare Menge. Die alle mit konventionellen Voll-Metrosystemen auszustatten, ist unleistbar. Deswegen haben die Alweg-Bahnen aus dem Baukasten dort gute Chancen.

Eine Marktanalyse bemisst den Markt für Einschienenbahnen aktuell (2016) auf 4,7 Milliarden USD und prognostiziert ein Wachstum um 3% p.a. auf 5.6 Milliarden in 2021. Ganz schön große Nische ;)

Ach, und last but not least - auch so 'tote' und gescheiterte Technologien wie die H-Bahn feiern auf einmal ein Revival: als Pendlerexpress in einer Investorenstadt vor Moskau und als 'Pandabahn' in Chengdu.
Es gibt noch eine Variante, Staus zu verhindern. Unterhalb der Erdoberflaeche ist praktisch unendlich Platz. Elon Musk (ja der mit TESLA, Hyperloop etc.) hat die Idee, ein Netzwerk von Tunnels zu graben, in denen dann Autos/Busse fahren koennen (natuerlich elektrisch). Er behauptet, das waere nicht exorbitant teuer. Fuer Berlin sehe ich da ein klitzekleines Problem: Wegen des hohen Grundwasserspiegels muss man wahrscheinlich auf Mini-U-Boote zurueckgreifen ;-).
Hier seine Idee:
Tunnel
Ach ja, und die Hyperloop wird auch so ihre Probleme haben:
Hyperloop problems
Ich haette jedenfalls klaustrophobische Anfaelle in Hyperloop und Tunnel....
Regards
Henner
Zum Thema Elektromobilität ne "Expertenrunde", aber die von ihnen geforderten Stadtstrukturmaßnahmen sind ein schöner Traum und wird nie funktionieren. Man kann die freie Mobilität einer Gesellschaft nicht erfolgreich einschränken. Werder, indem man ihr das Fahrrad verordnet, noch, dass der Arbeitsplatz nicht weiter als 10 m von der Wohntür entfernt sein darf. ;-)

Elektromobilität

Heidekraut zum Hauptbahnhof
Abgesehen davon, dass Elektroautos ungeeignet sind, die Verkehrsprobleme in der Innenstadt zu loesen, haben die "Experten" einige ziemlich kuehne Aussagen gemacht, die von der Wirklichkeit widerlegt werden:
1. Schwere E-Autos brauchen mehr Energie: Nur die Rollreibung geht in den gewichtsbezogenen Energieverlust ein und er ist recht gering. Die hoehere erforderliche Energie beim Beschleunigen/Bergauffahren wird ja beim Bremsen/Bergabfahren wieder zurueckgewonnen. Tatsaechliche Verbrauchswerte zeigen sowohl beim TESLA-S als auch beim leichteren LEAF einen Energieverbrauch von etwa 300Wh/Meile. Die Feinstaubentwicklung beim Bremsen ist sowieso geringer, da elektrisch gebremst wird. Jedenfalls sind meine LEAF Bremsbelaege nach ca. 6 Jahren noch so gut wie neu.
2. Wo die Herren die Weisheit her haben, dass "hohe Beschleunigung viel Energie" kostet, ist mir schleierhaft. Die Energie, ein Fahrzeug von Geschwindigkeit x nach Geschwindigkeit y zu bringen, haengt nicht von der Beschleunigung ab. Man kann hoechstens argumentieren, dass die Endgeschwindigkeit frueher erreicht wird und damit der Luftwiderstand etwas staerker in die Bilanz eingeht.
Wenn schon diese fundamentalen Tatsachen nicht richtig verstanden sind, bin ich mit dem Rest der Studie etwas kritisch.
Henner
Zitat
md95129
Es gibt noch eine Variante, Staus zu verhindern. Unterhalb der Erdoberflaeche ist praktisch unendlich Platz. Elon Musk (ja der mit TESLA, Hyperloop etc.) hat die Idee, ein Netzwerk von Tunnels zu graben, in denen dann Autos/Busse fahren koennen (natuerlich elektrisch). Er behauptet, das waere nicht exorbitant teuer. Fuer Berlin sehe ich da ein klitzekleines Problem: Wegen des hohen Grundwasserspiegels muss man wahrscheinlich auf Mini-U-Boote zurueckgreifen ;-).
Hier seine Idee:
Tunnel
Ach ja, und die Hyperloop wird auch so ihre Probleme haben:
Hyperloop problems
Ich haette jedenfalls klaustrophobische Anfaelle in Hyperloop und Tunnel....
Regards
Henner

Ah, herrlich. Danke Henner für den Input!

Der Herr Musk hat mit vielen seiner Businessideen ins Schwarze getroffen, aber hier guckt er - um mal einen platten Wortwitz anzubringen - voll in die Röhre.
Zum Tunnelvideo: Schöne Animation. Nur leider entlarvend: Was er da anpreist ist ja nichts anderes als Huckepackverkehr - RollonRolloff. Implizit stütz er damit genau die These : Innenstadtverkehr mit Individualfahrzeugen führt zu Verstopfung, mit kollektiven (öffentlichen) Fahrzeugen wird das beherrschbar. So revolutionär das aussieht, eigentlich sagt er nur: Leute, fahrt mehr U-Bahn.

Dieser ganze Hyperloophype ist mir höchst suspekt. Realistisch betrachtet ist eine Marsmission wesentlich realistischer - denn die dafür nötige Technologie besitzen wir schon. Mal abgesehen von den ganzen ingenieurtechnischen Problemen, die der Artikel sehr schön auflistet -

Zitat
interestingengineering
Engineers have been trying to perfect the systems for nearly a century, and the technologies are still not advanced enough for real world implementation. That being said, the idea should not be abandoned. The idea needs significantly more refining before it reaches a level deemed to be safe for public transportation. It will require time. However, that time is not now.

- der Menschentransport per Rohrpost hat einfach null Charme. Die alte Eisenbahn ist schlicht der Inbegriff des mondänen Reisens (Tipp: nächste Woche läuft die Neuverfilmung vom Mord im Orient-Express an!), der moderne Hochgeschwindigkeitsverkehr hinter Lärmschutzwänden hat da einiges eingebüßt, rettet aber je nach Speisewagenfirma immer noch ein wenig vom alten Stilbonus, Fliegen nervt vor allem interkontinental, hat aber immer noch diese 'über den Wolken-Aura' und der Transrapid verursacht selbst bei erklärten Technologiefeinden feuchte Augen, wenn sie doch einmal mitgefahren sind.

Aber sich in einer luftdichten Kapsel einsiegeln zu lassen und danach als Projektil durch eine vakuumierte Pipeline geschossen zu werden... Das geht mir meinem Traum vom Reisen nicht kongruent.
Zitat
Heidekraut
Zum Thema Elektromobilität ne "Expertenrunde", aber die von ihnen geforderten Stadtstrukturmaßnahmen sind ein schöner Traum und wird nie funktionieren.
Aha. Mal ganz blöd gefragt - warum nicht?

Zitat

Man kann die freie Mobilität einer Gesellschaft nicht erfolgreich einschränken.
Wenn Du (großgeschrieben) unter 'frei' = 'automobil' setzt: Doch. Kann man. Soll man. Wird man.

Zitat

Werder, indem man ihr das Fahrrad verordnet, noch, dass der Arbeitsplatz nicht weiter als 10 m von der Wohntür entfernt sein darf. ;-)

Nun wird ja nichts zwangsverordnet. Sondern eine gesunde Gleichberechtigung geschaffen. (So zumindest das Ziel). Und wenn du (kleingeschrieben) dich dann aus freien Stücken für das Fahrrad als optimales Fortbewegungsmittel entscheidest, dann suchst du dir ganz automatisch deine täglichen Ziele im näheren Umkreis. Übrigens hast Du (großgeschrieben) da ein 'k' vergessen. Es muss '10 km' heißen ;)
Zitat
schallundrausch

- der Menschentransport per Rohrpost hat einfach null Charme. Die alte Eisenbahn ist schlicht der Inbegriff des mondänen Reisens (Tipp: nächste Woche läuft die Neuverfilmung vom Mord im Orient-Express an!), der moderne Hochgeschwindigkeitsverkehr hinter Lärmschutzwänden hat da einiges eingebüßt, rettet aber je nach Speisewagenfirma immer noch ein wenig vom alten Stilbonus, Fliegen nervt vor allem interkontinental, hat aber immer noch diese 'über den Wolken-Aura' und der Transrapid verursacht selbst bei erklärten Technologiefeinden feuchte Augen, wenn sie doch einmal mitgefahren sind.

Aber sich in einer luftdichten Kapsel einsiegeln zu lassen und danach als Projektil durch eine vakuumierte Pipeline geschossen zu werden... Das geht mir meinem Traum vom Reisen nicht kongruent.

Der Billigflieger hat uns gelehrt, dass der Mensch durchaus gerne bereit ist, für 9,95 jede Art von Reisekultur aufzugeben, von daher ist das kein Argument.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 04.11.2017 19:11 von Nemo.
Ich hab das nicht aufs auto beschränkt, sondern zielt auf Stadtstruktur. Ich halte es für eine Illusion, dass man das konsequent durchsetzen kann. es wird immer nötig und möglich sein zum arbeiten ans andere Ende der Stadt zu fahren, oder eben Speckgürtel, oder sogar in die nächste Stadt. Das mit der Entschleunigung und dem Verzicht, bleibt eine Illusion.

Heidekraut zum Hauptbahnhof
Welche Utopie lässt sich schon 1:1 umsetzen? Der Autofahrer erwartet die absolute Mobilität, die grüne Welle und den immer bereiten kostenlosen Parkplatz, dort wo er hin will. Ist das wirklich realistischer?

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Vielleicht mal ein Ausflug in die unwegsamen Niederungen der Prignitz: Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sollen ab Oktober 2018 fahrerlose Kleinbusse unterwegs sein. Die (Elektro-) Fahrzeuge sollen eine Zubringerfunktion haben. Auch ein Stadtbus sei vorstellbar. Der Landkreis hat 200.000 € für die Beschaffung zur Verfügung gestellt.

Dies ergibt sich aus einem Artikel mit der Überschrift "Der Geisterbus von Kyritz" in der gestrigen Berliner Zeitung (S. 20). Hier noch ein Link zur Online-Fassung des Artikels: [www.berliner-zeitung.de]

Noch einen schönen Sonntag wünscht Euch
Marienfelde
Da interessiert mich als Techniker so einiges dran..

Das Ding muß ja so getrimmt sein, das es bei Erkennung von Hindernissen/Gefahren etc anhalten muß.
Otto Normalbusfahrer kann drum herum lenken usw.- Wird der Bonsaibus dann aus der Zentrale "resettet" bzw ferngesteuert??
Was passiert wenn sich einige Spinner einen Jux machen das Ding immer wieder auszubremsen etc..?
Was ist wenn die Karre in der Pampa verreckt-kommt dann, und wann bzw. von wo ein Entstörfahrzeug??
Da reicht ja die berühmte Spinne vor dem Sensor, die ja schon für Verwirrung an Wechselzeichenanlagen gesorgt hat.
Die Haftungs bzw Hergangsfrage bei einem Unfall allein dürfte Heerscharen von Juristen beschäftigen.
Denn wie sagt so ein Bus aus- permanentes Filmen ohne Anlaß ist in D verboten-Stichwort Dashcams.

Immerhin ließe sich so am WE zumindestens eine bis jetzt fehlende Verbindung zwischen Pollo bei veranstaltungen und RE6 realisieren..

T6JP
Zitat
T6Jagdpilot
Denn wie sagt so ein Bus aus- permanentes Filmen ohne Anlaß ist in D verboten-Stichwort Dashcams.

Dann wird's eben zu einem Anlass, in solchen Fragen klären zu können - fertig.

Die Fragen müssen gestellt werden - und sie müssen beantwortet werden. Wenn aber hier wieder der beliebte Weg - für jede Lösung ein Problem - gegangen wird, bleibt langfristig eben doch nur die Entvölkerung des ländlichen Raums.

~ Es nützt nichts dass du schlau bist wenn du du doof bist. Hagen Rether ~
Zitat
T6Jagdpilot
Immerhin ließe sich so am WE zumindestens eine bis jetzt fehlende Verbindung zwischen Pollo bei veranstaltungen und RE6 realisieren..

T6JP

Es ist schon etwas besser geworden:

Fahrplan bei prignitzbus
Zitat
T6Jagdpilot
Denn wie sagt so ein Bus aus- permanentes Filmen ohne Anlaß ist in D verboten-Stichwort Dashcams.

Filmen macht doch die BVG schon heute, oder? Nur aufzeichnen darf man soweit ich weiß nicht ohne Anlass...
Zitat
T6Jagdpilot
Da interessiert mich als Techniker so einiges dran..

Das Ding muß ja so getrimmt sein, das es bei Erkennung von Hindernissen/Gefahren etc anhalten muß.
Otto Normalbusfahrer kann drum herum lenken usw.- Wird der Bonsaibus dann aus der Zentrale "resettet" bzw ferngesteuert??
Was passiert wenn sich einige Spinner einen Jux machen das Ding immer wieder auszubremsen etc..?
Was ist wenn die Karre in der Pampa verreckt-kommt dann, und wann bzw. von wo ein Entstörfahrzeug??
Da reicht ja die berühmte Spinne vor dem Sensor, die ja schon für Verwirrung an Wechselzeichenanlagen gesorgt hat.
Die Haftungs bzw Hergangsfrage bei einem Unfall allein dürfte Heerscharen von Juristen beschäftigen.
Denn wie sagt so ein Bus aus- permanentes Filmen ohne Anlaß ist in D verboten-Stichwort Dashcams.

Immerhin ließe sich so am WE zumindestens eine bis jetzt fehlende Verbindung zwischen Pollo bei veranstaltungen und RE6 realisieren..

T6JP

Volle Zustimmung. Zumal man es gerade im ländlichen Raum auch oft mit einer Kundschaft zu tun hat, für die Fahrpersonal wichtige Hilfestellungen liefern kann. Für viele ältere Menschen mit Rollator dürfte ein vollautomatisches Fahrzeug weniger vorteilhaft sein. Und wie sollen Rollstuhlfahrer*innen befördert werden? Wird die Rampe dann automatisch ausfahren? Und was wird passieren, wenn eben diese bei Frost-, Eis- oder umgekehrt Hitzebildung im Bodenbereich festsitzt? Muss der Rollifahrer dann zurückbleiben? Wer lädt ggf. Gepäck ein? Wer beaufsichtigt minderjährige Kinder? Wer entsorgt in dem Fahrzeug den Müll, der natürlich umso mehr hinterlassen wird, je weniger soziale Kontrolle es gibt?
Und wem wird es Spaß machen, auf Tuchfühlung zusammen mit einer Gruppe angetrunkener Jugendlicher allein weitere Strecken in einem solchen Fahrzeug zurückzulegen? Werden automatische Fahrzeuge auch die Anschlüsse an Knotenpunkten einhalten können? Wer setzt Notrufe ab, wenn jemand in einem automatischen Fahrzeug kollabiert? Wie sieht es mit Fahrradmitnahmen aus (legal, illegal, wie auch immer) ???

Alles praktische Fragen, auf die mir noch niemand wirklich überzeugende Antworten geben konnte. Vor allem nicht dahingehend, was der ganze Spaß kosten dürfte, wenn man genau diese Punkte berücksichtigt ... Andererseits: Eine Chance sollte man dem Ding schon geben, trotz aller Skepsis, meine ich.
Zitat
schallundrausch
Zitat
Heidekraut
Zum Thema Elektromobilität ne "Expertenrunde", aber die von ihnen geforderten Stadtstrukturmaßnahmen sind ein schöner Traum und wird nie funktionieren.
Aha. Mal ganz blöd gefragt - warum nicht?


Zitat

Man kann die freie Mobilität einer Gesellschaft nicht erfolgreich einschränken.
Wenn Du (großgeschrieben) unter 'frei' = 'automobil' setzt: Doch. Kann man. Soll man. Wird man.

Zitat

Werder, indem man ihr das Fahrrad verordnet, noch, dass der Arbeitsplatz nicht weiter als 10 m von der Wohntür entfernt sein darf. ;-)

Nun wird ja nichts zwangsverordnet. ...
Eben doch - Abgasgrenzwerte erfinden und verordnen, die mit der heutigen Motorentechnik nicht oder nur mit Einschränkungen machbar sind, ist doch genau das.

Elektromobiltät ist gut, aber nicht wenn sie der kleine Mann bezahlen muss. Statt mit Zwang zu agieren, müssen die Alternativen attraktiver gemacht werden, so dass man freiweillig den Verbrennungsmotor stehen lässt oder ganz abschafft.

Die Folgen dieser (Deiner) volksfremden Verordnungspolitik der Obrigkeit kannst Du u.a. am Wahlergebnis der AFD erkennen.
Fahre mal morgens durch die A10 Baustelle zwischen Dreieck Potsdam und Nuthetal, dann wirst Du die wirklichen Probleme sehen. Milliarden ausländischer 40-Tonner fahren die von unseren Steuergeldern gebauten Straßen kaputt, führen zum Verkehrskollaps und kommen nicht mal ansatzweise für die von ihnen verursachten volkswirtschaftlichen Schäden auf. Aber Du willst ja lieber dem kleinen Mann seinen 150 PS Diesel mit 1200 km Reichweite verbieten. Dann braucht ihr euch aber auch nicht mehr über die Wahlergebnisse aufregen ...
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