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Doppelgelenkbusse in Wiesbaden getestet
geschrieben von Jules 
In Wiesbaden wurden Doppelgelenkbusse getestet. Zufällig bin ich auf diesen You-tube Film vom 18.7.2023 gestoßen:
"Immer länger ... Doppelgelenkbusse für Wiesbaden?"
[www.youtube.com]
Was wurde eigentlich daraus?
Bis vor ein paar Jahren waren in Hamburg Doppelgelenkbusse im Einsatz. Siehe im Bild links!
Inzwischen fahren da aber auf den sogenannten Metro-Linien diese Gelenkbusse mit nur einem Gelenk, aber mit Doppel-Hinterachse. Siehe im Bild rechts!
Die kommen aber in dem verlinkten Film gar nicht vor.
Wurden die in Wiesbaden auch schon mal getestet?


Zum Jahreswechsel hatte ich in Wiesbaden an einer Haltestelle mit einer Passantin gesprochen, die zumindest mitbekommen hatte, dass in Wiesbaden ein Doppelgelenkbus getestet wurde. Dazu dieser Bericht aus Urban Transport Magazine vom 9.6.23:
Nach dem Scheitern des Tramprojekts: ESWE Wiesbaden testet einen Doppel-Gelenkbus von HESS
[www.urban-transport-magazine.com]
"Der Hess Doppelgelenkbus wird jetzt zwei Wochen in Wiesbaden getestet. Anschließend werden die Testergebnisse ausgewertet. Eventuell werden auch noch Doppelgelenkbusse anderer Hersteller getestet werden. Eine Ausschreibung über derartige Busse wird es frühestens in zwei Jahren geben, dementsprechend werden Doppelgelenkbusse frühestens in drei Jahren bei den ESWE in Betrieb gehen. Der Verfasser zur kaufmännischen Geschäftsführerin: „Würden Sie jetzt ausschreiben, könnten Sie ja auch nur drei Angebote bekommen: von Hess, Solaris und Van Hool. Sonst baut ja niemand solche Busse.“ Ihre Antwort: „Der Doppelgelenkbus ist im Kommen. Bis wir die Wagen ausschreiben, wird es weitere Hersteller geben, die sich freuen, wenn sie uns solche Busse anbieten können.“ "
Zweieinhalb Jahre sind seitdem vergangen. Aber gab es ein positives Testergebnis?
Und kommt es tatsächlich zu Ausschreibungen?
Oder wird ein erneuter Versuch gestartet, die City-Bahn auf's Gleis zu bringen?
In diesem Artikel aus dem Wiesbadener Kurier vom 21.6.2023 wird berichtet, dass der Test-Betrieb eines Doppelgelenkbusses ein voller Erfolg war:
Eswe-Bilanz: Megabus schafft auch enge Wiesbadener Straßen
[www.wiesbadener-kurier.de]
Derselbe Artikel auf archive.today: [archive.ph]

Darin heißt es: "„Nach den zwei Wochen mit dem Testfahrzeug können wir sagen: In Wiesbaden könnten problemlos Doppel-Gelenkbusse eingesetzt werden“, sagt Micha Spannaus, Pressesprecher von Eswe Verkehr auf Anfrage."

Allerdings wird in dem Artikel auch auf vorbereitende Arbeiten und chronische Probleme im Wiesbadener Stadtbusbetrieb hingewiesen.
Haltestellenbereiche müssen verlängert werden. Das wird begleitet sein von Parkplatzrückbau im öffentlichen Straßenraum. Von der Wiesbadener Autolobby wurde bereits dieses Argument missbraucht, um Stimmung zu machen gegen die Pläne für eine City-Bahn. Leider ist zu befürchten, dass auch der mögliche Einsatz von Doppelgelenkbussen daran scheitert, dass von der Autolobby und ihren Helfern aus allen Rohren dagegen geschossen wird, mehr Platz für den ÖPNV zu schaffen.

Dazu muss geklärt werden, wo zusätzlicher Haltestellenplatz geschaffen werden kann, um ein Nachladen der batterieelektrischen Busse im Fahrbetrieb zu ermöglichen. Auf dem Foto ganz unten ist die Aufladestation an der Endhaltestelle August-Holweg-Platz in Hannover-Ricklingen zu sehen. Eine der ersten E-Bus-Aufladestationen in Hannover.

In Wiesbaden fährt derselbe Mercedes-E-Bus-Typ, wie in Hannover als Solobus. Elektrische Gelenkbusse von Mercedes, wie sie in Hannover fahren, habe ich in Wiesbaden noch nicht gesehen. Bei einem Gespräch mit einem Busfahrer hatte ich den Eindruck gewonnen, dass die Batteriekapazität der E-Busse in Wiesbaden die Einsatzmöglichkeiten begrenzt, weil kein Nachladen auf der Strecke möglich ist. Die Erkenntnis, dass ein Nachladen "auf Strecke" ermöglicht werden muss, ist vermutlich nicht nur eine Erkenntnis aus dem Testbetrieb mit Doppelgelenkbussen. In dem verlinkten Artikel heißt es: "Nötig seien ausgebaute barrierefreie Haltestellen mit ausreichender Länge und entsprechender Bodenbeschaffenheit. Auch ein Ladekonzept müsse erarbeitet werden. Dabei werde es darum gehen, ob ein kurzes Nachladen an zentralen Haltestellen oder an Endstellen möglich ist."


Zitat
Jules
Bei einem Gespräch mit einem Busfahrer hatte ich den Eindruck gewonnen, dass die Batteriekapazität der E-Busse in Wiesbaden die Einsatzmöglichkeiten begrenzt, weil kein Nachladen auf der Strecke möglich ist. Die Erkenntnis, dass ein Nachladen "auf Strecke" ermöglicht werden muss, ist vermutlich nicht nur eine Erkenntnis aus dem Testbetrieb mit Doppelgelenkbussen. In dem verlinkten Artikel heißt es: "Nötig seien ausgebaute barrierefreie Haltestellen mit ausreichender Länge und entsprechender Bodenbeschaffenheit. Auch ein Ladekonzept müsse erarbeitet werden. Dabei werde es darum gehen, ob ein kurzes Nachladen an zentralen Haltestellen oder an Endstellen möglich ist."

Für einen Testbetrieb von Elektrobussen ohne entsprechende Infrastruktur in der Stadt sind grundsätzlich noch keine sinnvollen Aussagen zur Reichweite möglich, da ja vorher erstmal die Systementscheidung getroffen werden muss, ob der jeweilige Verkehrsbetrieb auf Depot- oder Streckenlader setzt. Grundsätzlich gibt es inzwischen Busse, die einen ganzen Tag im Stadtverkehr unterwegs sein können, dann kann man auf Ladeinfrastruktur auf der Strecke verzichten. Da Batterien mit entsprechender Kapazität aber bisher schwer und teuer sind, kann es sich rechnen, kleinere Batterien und Nachlademöglichkeiten zu nutzen. Im Testbetrieb fährt man dann wohl stattdessen lieber 1x mehr zum Betriebshof oder setzt die Busse halt nicht den ganzen Tag über durchgehend ein. Natürlich ist das eine Mehrbelastung für das Personal, aber im Testbetrieb ggf. nicht zu vermeiden. Schlüsse auf den Dauerbetrieb mit einer angepassten Infrastruktur kann man auf dieser Basis natürlich nicht ziehen.
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