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H - KEINE VERBINDUNG ZUM MHH-NEUBAU? Land lehnt Stadtbahnanschluss ab
geschrieben von laufer 
Alle diese Informationen stammen aus dem Verkehrsausschuss vom 13.05.2025. Das PDF-Dokument mit allen Maßnahmen findet sich hier:
https://ris.hannit.de/public/to010?4--anlagenHeaderPanel-attachmentsList-5-attachment-link&SILFDNR=2002661&refresh=true
"Als Alternative zur Stadtbahn schlägt die MHH einen Shuttlebus vor, der Mitarbeitende und Besuchende über das Gelände fährt. Ihn zu organisieren lehnt der Verkehrsdezernent kategorisch ab. Das heißt: Die MHH müsste den Service auf eigene Kosten koordinieren." HAZ vom 19.8.2025
[www.haz.de]
[archive.ph]
Das hört sich jetzt sehr kategorisch an, aber beim derzeitigen Stand der Technik ist ein Shuttlebusbetrieb vermutlich nicht einmal die zweitbeste Lösung, sondern eine sehr unbefriedigende Lösung.
Dazu ein Blick auf den Fahrplan für den Shuttlebusbetrieb der Charité Berlin:
"Bitte haben Sie Verständnis,
dass wir bei großem Andrang
zunächst Patient:innen
befördern, dann Mitarbeitende,
dann Studierende.

Bei normalen Verkehrsbedingungen
benötigt der Shuttle 15-20 Minuten
von Standort zu Standort.

Bitte Fahrschein (für Patient:innen)
oder Mitarbeitenden- bzw.
Studierendenausweis bereithalten.

Von montags bis freitags.
Nicht an gesetzlichen Feiertagen.
Stand: Januar 2024"


Die erste Fahrt beginnt um 7:30 Uhr, die letzte um 16:20 Uhr, davor, danach und sonntags und feiertags ruht der Shuttlebus-Verkehr.
Die Quelle ist von 2024, vielleicht gibt es weitere Fahrpläne?

[cfm-charite.de]

Das Kapazitätsproblem wird in dem angegebenen Zitat mehr als deutlich! Man könnte es zugespitzt so zusammenfassen: "Wer sich noch irgendwie, und sei es humpelnd, fortbewegen kann, der hat im Shuttlebus nichts verloren."😒

Ein anderes Problem wird in diesem Youtube-Film über einen Shuttlebus-Probebetrieb in Karlsruhe deutlich:
In Minute 0:30 von 2:36 schnallt sich die Passagierin an. Das kostet Zeit, ist für körperlich Beeinträchtigte oft nur mit Hilfe möglich und es bedeutet, dass in dem Shuttlebus keine Stehplätze zur Verfügung stehen.
[youtu.be]

Fazit: Der Shuttlebusbetrieb ist keine Alternative zu einem richtigen ÖPNV-Anschluss mit der Stadtbahn! Als Ergänzung ist er möglicherweise sinnvoll.
Dass der Verkehrsdezernent der Region Hannover, Ulf-Birger Franz, den Shuttlebus als Alternative zu einem Stadtbahnanschluss ablehnt, ist richtig!



5 mal bearbeitet. Zuletzt am 21.08.2025 23:18 von Jules.
Auf einem Firmengelände wie der MHH, kann den Shuttlebus auch nicht als klassischen ÖPNV sehen. Der Shuttleverkehr dient mehr der Anbindung des weitläufigen Geländes, damit Patienten und andere Gruppen die beeinträchtigt sind von den einzelnen Gebäuden zum Haupteingang (dort in der Regel Übergang zum städtischen ÖPNV) kommen.

Eine ähnlichen Shuttle gibt es auch im Hamburger UKE.

Mfg

Sascha Behn
Zur Frage der Verkehrsanbindung heißt es in dem Artikel, dass das zuständige Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen und die MHH weiterhin den Shuttlebusverkehr als Option sieht: "Und erneut führen Sie die Argumente ins Feld, die Stadtbahn störe empfindliche Geräte und behindere die Ein- und Ausfahrt von Rettungsfahrzeugen. Sie wollen umständlich einen Shuttlebusverkehr zu den heutigen Haltestellen organisieren. Überzeugend ist das alles nicht."

Ist das komplette Realitätsverweigerung? Selbst bei einem sehr großzügigen Shuttlebusverkehr und selbst wenn der kostengünstig durch autonom fahrende Fahrzeuge organisiert werden könnte, es liegt doch auf der Hand, dass für Mitarbeiter*innen, Patienten*innen und Besucher*innen der MHH, die mit den Öffis anreisen, ein Shuttlebusverkehr bedeuten würde, dass sie auf jeden Fall erst mal umsteigen müssten. Das Argument, der angebliche Vorteil, dass bestimmte Instrumente dann störungsfreier arbeiten könnten, wenn kein Stadtbahnanschluss, den MHH-Betrieb "stört", vermittelt das Bild einer elitären "Mediziner-Kaste", die lieber unter sich bleiben möchte im hohen Elfenbeinturm der Wissenschaft.
In einer Stellungnahme vom 16.6.25 verteidigt die MHH ihre Kritik an dem von der Region geplanten Trassenentwurf für einen Stadtbahnanschluss der MHH:

[www.mhh.de]

Es wird allerdings nur sehr allgemein von möglichen anderen Trassen gesprochen, wie die aussehen und wo die lang gehen sollen, bleibt unerwähnt:
"Die Region Hannover wirft der MHH eine Blockadehaltung sowie Rückwärtsgewandtheit im Zusammenhang mit dem geplanten Stadtbahnanschluss für den MHH-Neubau vor. Dem widerspricht das MHH-Präsidium ganz entschieden – und fordert seinerseits die Region auf, endlich Alternativen zu einer Trassenführung über den Stadtfelddamm ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Denn der von der Region angestrebte Ringschluss ist auch über einen anderen Trassenverlauf möglich."

Der Pendelverkehr mit einem Shuttle-Bus wird als "Übergangslösung" beschrieben. Wie lange diese Übergangslösung andauern soll, wird nicht erwähnt. Mein Eindruck an dieser Stelle der Stellungnahme ist: Die MHH will ihre Vorstellungen 150-prozentig umsetzen, und nimmt dafür in Kauf, dass es am Ende keinen vernünftigen ÖPNV-Anschluss geben wird.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 16.09.2025 06:55 von Jules.
Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Rat der Stadt Hannover hat am 29.6.25 auf die MHH-Stellungnahme so reagiert:
"Wir gestalten Infrastrukturpolitik nicht nach Bauchgefühl, sondern nach Fakten und Zukunftsperspektive. Die Stadtbahnführung über den Stadtfelddamm ist kein „Nice to have“, sondern sie ist zwingend notwendig.

Der Bedarf ist offensichtlich: Tausende Beschäftigte, Patient*innen, Studierende und Besucher*innen der neuen MHH brauchen eine leistungsfähige, klimafreundliche und barrierefreie Anbindung. Das Gleiche gilt für die ansässigen Unternehmen, die geplanten Wohnquartiere und die zukünftigen gewerblichen Entwicklungen im Umfeld. Wer hier weiter auf Shuttlebusse setzt, produziert Stau statt Lösungen."

[gruene-hannover.de]

Die MHH-Position ist zu Recht zu kritisieren. Wie so oft wird in Sonntags-Predigten nahe gelegt, die Verkehrswende voranzutreiben und einen guten ÖPNV zu installieren. Wenn es aber konkret wird, dann muss dazu auch von den Betrieben mehr kommen als ein Zurücklehnen und die anderen machen lassen. Vertraut die MHH darauf, dass die Leute halt andernfalls mit dem Auto kommen? Der Platzbedarf wäre immens, denn die vielen Autos würden irgendwo abgestellt werden müssen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 16.09.2025 06:56 von Jules.
Die HAZ berichtet vom 16.09.25 über neue Berechnungen zur ÖPNV-Nachfrage sowohl mit als auch ohne den von der Region favorisierten Anschluss über den Stadtfelddamm zur neuen MHH:

Ohne neue Stadtbahn: Tausende zusätzliche Autofahrten täglich zur MHH

Laut neuen Berechnungen der Region Hannover zum MHH-Neubau würden fast 5000 Fahrgäste weniger täglich den ÖPNV nutzen, wenn dort kein Stadtbahn-Anschluss gebaut würde. Verkehrsdezernent Franz warnt vor Tausenden zusätzlichen Autofahrten. Die Klinik verteidigt ihr Shuttlebuskonzept.

https://www.haz.de/lokales/hannover/mhh-neubau-in-hannover-ohne-stadtbahn-anschluss-tausende-zusaetzliche-autos-pro-tag-VJMSU6T7EVAWJKJACSV73V7TGQ.html
(mögliche Bezahlschranke)
Heute (07.11.2025) in der HAZ:

Bahn frei für die MHH-Stadtbahn: Hannovers Politik reserviert Trasse zum Neubau

> Nach der Regionspolitik hat auch die Politik in Hannovers Rat ein wichtiges Zeichen für den Bau von Stadtbahn-Gleisen entlang des geplanten Neubaus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gesetzt. In einer Sondersitzung hat der Bauausschuss einstimmig die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für das Gelände auf den Weg gebracht, der eine ausreichend breite Trasse über den Stadtfelddamm sichern soll.

> ...

Hoffentlich wird's was.
[aktion.haz.de]
Mehr als 80 % der Befragten befürworteten in einer aktuellen HAZ/NP-Umfrage den Stadtbahnanschluss für den MHH-Neubau.
Nur 13 % halten Busse für ausreichend und knapp 4 % war sich nicht sicher.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.11.2025 06:46 von Jules.
Die HAZ macht auf die erfolgreiche Anbindung der MHH ans Stadtbahnnetz aufmerksam: bedauerlicherweise (noch) nicht in Hannover, aber in Ulm:
[www.haz.de]
[archive.ph]
In dem Artikel heißt es:
"Seit 2018 steuert eine Straßenbahn das Universitätsklinikum in Ulm an. Sie umrundet große Teile des Campus, umschließt diesen fast von drei Seiten. Das ist deshalb von Bedeutung für Hannover, weil hier erbittert um einen Stadtbahnanschluss zum MHH-Neubau am Stadtfelddamm gestritten wird. Das Land und die MHH-Führung lehnen diesen vehement ab, weil dadurch empfindliche Geräte gestört würden. Warum funktioniert in Ulm, was in Hannover nicht gehen soll?"
Der Artikel zählt so viele Argumente dafür auf, dass die empfindlichen Instrumente und Labore einer MHH nicht durch den Stadtbahnbetrieb gestört werden, dass man sich fragen muss: Warum lehnt die MHH den Stadtbahnanschluss trotzdem ab. Mit Argumenten, die auf dem Hintergrund der Erfahrungen im Ulm, gegenstandslos sind.
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