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Stadtbahn Kiel
geschrieben von jwn 
vierachser,

Alle beteiligten mussten nicht unbedingt am Anfang zustimmen. Ich sehe nicht wie die eine Strecke nach Eckernförde essentiell für eine Kieler Stadtbahn sein kann. Entweder sie war es nicht, dann hat der OB völlig unnötig die Notbremse gezogen. Oder sie war es in der Planung (z.B. in der Nutzen-Kosten-Analyse), dann hat die Stadt eine kolossale Fehlplanung hingelegt.

In jedem Fall war was es meiner Meinung nach die Unfähigkeit der handelden Personen, die für das Ende gesorgt haben, und nicht irgendwelche prinzipiellen Probleme mit dem Projekt. (Was sich schon daran zeigt das die jetzige Planung ja überwiegend die alte zu sein scheint. Und ein Grünen-Abgeordneter in RD war der Auslöser des Ende, nicht die Ursache.)

Und Du sagt ja selbst, jetzt wird extra lange/gründlich geplant, 'um alle demokratischen Parteien im Kieler Rat davon zu überzeugen'. Ich finde extra Zeit und Geld zu verschwenden nur um die Leute die dagegen sind zu überzeugen, verhöhnt die eigenen Wähler die dafür sind. Und man kann auch nicht sagen dass es ganz gut geklappt hat, den bisher hat es nur zu Verzögerungen geführt ohne dass konkrete Entscheidungen getroffen wurden.

Ich ja auch der Meinung das spät besser ist als gar nicht, aber das bedeutet doch nicht dass es nicht ein Skandal ist dass Millionen durch fehlenden Entscheidungswillen verpulvert wurden. Vielleicht sehe ich dass ganze ja durch Hamburger Augen, wo die gleiche Inkomptetenz die Stadtbahn scheinbar total beerdigt hat. Aber auch in Kiel ist es noch gar nicht klar ob es 'letztendlich dann doch zum Ziel führt' oder ob die selben Fehler wieder zum selben Ergebnis führen...


Christian
Re: Stadtbahn Kiel
03.09.2020 17:28
Zitat
christian schmidt
vierachser,

(...)

Und Du sagt ja selbst, jetzt wird extra lange/gründlich geplant, 'um alle demokratischen Parteien im Kieler Rat davon zu überzeugen'. Ich finde extra Zeit und Geld zu verschwenden nur um die Leute die dagegen sind zu überzeugen, verhöhnt die eigenen Wähler die dafür sind. Und man kann auch nicht sagen dass es ganz gut geklappt hat, den bisher hat es nur zu Verzögerungen geführt ohne dass konkrete Entscheidungen getroffen wurden.

Ich ja auch der Meinung das spät besser ist als gar nicht, aber das bedeutet doch nicht dass es nicht ein Skandal ist dass Millionen durch fehlenden Entscheidungswillen verpulvert wurden. Vielleicht sehe ich dass ganze ja durch Hamburger Augen, wo die gleiche Inkomptetenz die Stadtbahn scheinbar total beerdigt hat. Aber auch in Kiel ist es noch gar nicht klar ob es 'letztendlich dann doch zum Ziel führt' oder ob die selben Fehler wieder zum selben Ergebnis führen...


Christian


Ich verstehe Deinen Unmut, aber: Die Wiederaufnahme eines Straßenbahnbetriebs (oder meinetwegen Stadtbahnbetriebs) ist alles andere als ein kleiner (politischer) Spaziergang. Bei den heutigen Planungszeiten halte ich breite Mehrheiten für fast unverzichtbar, weil ansonsten eine einzige Kommunalwahl reichen kann, um so einem Projekt den politischen Garaus zu machen. Andererseits glaube ich auch sowieso nicht an eine "Planungsbeschleunigung durch Ausgrenzung" schwankender Fraktionen.

In dem konkreten "Fall Kiel" halte ich es für richtig und notwendig, zu versuchen, die CDU "ins Schienenlager" zu holen, um die "Stadtbahnmehrheit" auch nach "rechts" abzusichern. Im stets anzustrebendem Ideallfall gelänge es, unabhängig von irgendwelchen (veränderlichen) Stadtratsmehrheiten, um das Jahr 2030 die Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs in Kiel zu erreichen.

Eines noch: Es muß überall Leute geben, die sich vor Ort für die Schiene engagieren. Wenn große Teile des "Stadtvolks" eine Straßenbahn/Stadtbahn befürworten, bliebe dies nach allen Erfahrungen nicht ohne Wirkung auf die Volksvertretung,

meint Marienfelde.
Marienfelde,

"halte ich breite Mehrheiten für fast unverzichtbar, weil ansonsten eine einzige Kommunalwahl reichen kann, um so einem Projekt den politischen Garaus zu machen"

Genau das halte ich politische Blödsinn. Die CDU mag zwar jetzt wo sie in der Minderheit ist durchaus mit einer Stadtbahn abfinden/anfreunden. Aber das wird sie doch nicht daran hindern im ersten Moment wo sie eine Chance hat dem Projekt den Garaus zu machen (und wenn es nur aus Opportunität ist, weil z.B. ein FDP-Koalitionspartner das will).

Schau dir mal die Hamburger CDU an: (1) In der 90ern hat sie mehrfach Anträgen zur Stadtbahn (mit) zugestimmt. Nach der Wahl 2001 wurden die Planungen (die kurz vor dem Planfeststellungsbeschluss standen) sofort beerdigt. (2) 2008-2011 plante der schwarz-grüne Senat eine Stadtbahn. Das allererste was die CDU nach dem Ende der Koalition machte war die Stadtbahnplanungen zu zu beenden. (3) 2020 stand im CDU-Wahlprogram dass man sich eine Stadtbahn im Westen durchaus vorstellen kann. Nach der Wahl polterte der neue CDU-Chef dann gegen eine mögliche Hintertür zur Stadtbahn im Koalitionsvertrag. Ist die Kieler CDU da wirklich so viel anders? Ich finde das jedenfalls die Idee die CDU ins Schienenlager zu holen um eine Stadtbahn nach rechts abzusichern reichlich naiv.

"Eines noch: Es muß überall Leute geben, die sich vor Ort für die Schiene engagieren. Wenn große Teile des "Stadtvolks" eine Straßenbahn/Stadtbahn befürworten, bliebe dies nach allen Erfahrungen nicht ohne Wirkung auf die Volksvertretung,"

Dem stimme ich 100% zu!

Christian
Re: Stadtbahn Kiel
04.09.2020 21:11
@ christian schmidt:

1. Wenn es überhaupt so etwas wie eine "Garantie" für die Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs in Kiel gibt, dann ist es eine "Trammehrheit" in der dortigen Bevölkerung, da sind wir uns wohl einig.

2. Ich zitiere mich einmal selbst: "Hamburg hatte zweimal die historische Chance, den Fehler der Gesamteinstellung von 1978 zu korrigieren. Sowohl 2001 als auch 2010/11 wurden diese Chancen von verkehrspolitischen Dummköpfen zunichte gemacht." (Deutsche Großstädte ohne städtischen Schienenverkehr (2. Aktualisierung, Stand 31.12.19)

Die Hamburger CDU ist in der "Straßenbahnfrage" aber zum Beispiel von der Berliner CDU sehr deutlich zu unterscheiden. Die Trampolitik der Berliner CDU seit 1990 würde ich mit den Wörtern Bestandspflege, Modernisierung und punktuelle Netzerweiterungen kennzeichnen.

Sicherlich ist weder die Mitgliedschaft noch die Wählerschaft der CDU besonders "ÖV-affin" (die der SPD übrigens auch nicht). Dennoch findet man natürlich auch in so einer Partei Leute, die in dieser Richtung offener sind.

3. Die elende - ja wohl von der Kieler CDU mit angestoßene - Debatte um eine "gleislose" (BRT-) Lösung stimmt unsereinen natürlich nicht allzu optimistisch.

Trotzdem muß man schon aus taktischen Gründen unter allen Umständen auch und gerade im "bürgerlicheren Lager" für die Tram werben.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Ein BRT-System wäre sicher ein Fortschritt - aber so ein System wird nach meiner Überzeugung spätestens an der "Nichtförderfähigkeit" scheitern. Der wirklich entscheidende Grund, weshalb ich selbst eine "Tramlösung" für besser halte, ist aber die größere Kapazität der Straßenbahn im Vergleich zu einem BRT-System.

4. Personen sind in der Politik sehr wichtig - ein einziger kompetenter Stadtbahnbefürworter in der Stadtratsfraktion der Kieler CDU kann den Unterschied ausmachen.

5. Wenn es möglichst in allen Parteien größere "Tramfraktionen" gibt, stabilisiert sich das "Tramlager" gegenseitig. Ich selbst bin durch die frühere langjährige Mitgliedschaft in der (West-) Berliner SPD sehr mitgeprägt. Es gab Zeiten, in denen unsereiner das Wort "Straßenbahn" in der Partei nicht einmal in den Mund genommen hat.

Die (hoffentlich nicht nur fixe) Idee, Verbündete für die Tram im "bürgerlicheren Lager" zu finden, basiert durchaus auch auf einem "gesunden Mißtrauen" gegenüber dem "eigenen", ach so "ÖV-affinen", "linkem Lager".

Allseits eine angenehme Bettruhe wünscht Euch
Marienfelde
Re: Stadtbahn Kiel
01.02.2021 09:35
Moin in die Runde,

zum Thema Stadtbahn gab es im Schleswig-Holstein-Magazin am vergangenen Freitag einen Beitrag.
Wer den verpasst hat, hier der Link zum Anschauen:

[www.ndr.de]

Gruß vom vierachser
Re: Stadtbahn Kiel
18.02.2021 23:57
Hallo zusammen,

auf der Seite der Landeshauptstadt Kiel [www.kiel.de] wurde jetzt auf den neuen Blog hingewiesen:

„Bis 2027 wird eine Menge passieren. Und damit Sie nichts davon verpassen, gibt es den Blog „kielmobil“.
Hier bleiben wir mit Ihnen im Dialog, hier machen wir den Wandel nachvollziehbar und hier wird es eine
Abenteuerreise in unser mobiles Kiel der Zukunft geben. Hier finden Sie alle Infos, die Sie benötigen,
um über unsere Mobilitätswende in Kiel mitreden und mitentscheiden zu können...“

Hier gehts zum Blog: [kielmobil.blog]

Der Anfang ist schon mal vielversprechend. Man möchte ein Desaster wie in Wiesbaden unbedingt vermeiden.

Gruß vom vierachser
Re: Stadtbahn Kiel
29.03.2021 11:10
"S Bahn für Kiel"

Hallo Leute,

heute gab es einen neuen Artikel in der KN in der von einer "Art" S Bahn in Kiel die Rede ist. Zweigleisiger Nutzung Richtung Hassee. Mir sowieso ein Rätsel wieso die Strecke nur einseitig genutzt wird. Zweigleisiger Ausbau auch zwischen Hauptbahnhof und Kronsburg, Schwentinental, sowie Neuwittenbek bzw. Gettorf. Außerdem werden erneute neue Haltepunkte aufgegriffen. Man darf gespannt sein...

Schönen Montag!
Re: Stadtbahn Kiel
29.03.2021 12:30
Zitat
Ostufer
Mir sowieso ein Rätsel wieso die Strecke nur einseitig genutzt wird.
Moin,

da fehlt halt eine Weichenverbindung vom südlichen Gleis Richtung HBf. Aus Ri. Hassee kommst du auf dem südlichen Gleis nur nach Meimersdorf.

Gruß, Wolfgang
Moin aus Neumünster,

den Artikel in der KN hatte ich sehr aufmerksam gelesen und mir dabei gedacht :"Träumen darf man ja".

Der Streckenabschnitt zwischen Kiel Hauptbahnhof und Kiel Hassee war bis vor ca. 40 Jahren 2-gleisig. Zwischen der Unterführung Westring und Hamburger Chaussee gab es die Abzweigstelle "Hg", dort zweigte das Gleis nach Meimersdorf ab.

A-K03-Kiel-1978-01-001 by D-Zug-Schaffner, auf Flickr

Hier ein Bild aus dem Jahr 1978, links die 2-gleisige Strecke nach Kiel Hassee.

Bei Kronsburg wurde ich etwas stutzig. Im Kleingartengelände ein Haltepunkt ? Gab es schon einmal, bis 1982 an der Strecke nach Schönberg.

A-K12-Kiel-Abzw-SS-1987-01-03-004 by D-Zug-Schaffner, auf Flickr

Wenn man jetzt die Güterzugstrecke nach Wellsee, die sehr, sehr selten genutzt wird, für den Personenverkehr reaktiviert, wäre es eventuell eine Alternative.

Die Strecke von Kiel Hauptbahnhof nach Lübeck ist als eingleisige Hauptbahn ausgebaut. Es gab ca. 1911 Überlegungen, zwischen Kiel und Malente die Strecke 2-gleisig auszubauen. Dann kam der 1. WK und das Projekt verschwand in der Schublade und wurde nie wieder verfolgt.

Die neue Brücke über den NOK wird auch nur eingleisig gebaut.

Wer soll die Geldmittel aufbringen, für den Zukauf von Grundstücken. Ein Großteil der Bahnhöfe wurde in den 80er Jahren zurückgebaut - Beispiel Melsdorf:

A-M05-Melsdorf-1987-05-001 by D-Zug-Schaffner, auf Flickr

G-M05-Melsdorf-2007-04-06-002 by D-Zug-Schaffner, auf Flickr

Neuwittenbek als Haltepunkt macht Sinn. Aber je mehr Haltepunkte, je länger die Fahrzeit. Und da überlege ich mir dann schon, ob ich mit dem Zug, der an jeder Milchkanne hält, oder lieber mit meinem Stinke-Diesel-SUV durch die Gegend fahre.

Mich wundert der Artikel sowieso - in Kiel will man doch lieber mit dem Fahrrad fahren. Dafür wurde sogar auf der ehemaligen Bahntrasse nach Kiel West ein Fahrradweg gebaut. Oder ist das Radfahren den Kielern jetzt doch zu anstrengend ?

Gruss aus Neumünster vom

D-Zug-Schaffner

[www.flickr.com]
Zitat
d-zug-schaffner
Wer soll die Geldmittel aufbringen, für den Zukauf von Grundstücken. Ein Großteil der Bahnhöfe wurde in den 80er Jahren zurückgebaut - Beispiel Melsdorf:

Kostet auch nicht mehr als eine Umgehungstraße - wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wobei zugegeben die Tendenz in Deutschland eher in die andere Richtung geht, bei jedem Projekt gibt es endlose Verzögerungen bei der Planung weil die Finanzierung nicht steht, und auch endlose Verzögerungen bei der Finanzierung gibt weil die Planung nicht steht...

Zitat
d-zug-schaffner
Neuwittenbek als Haltepunkt macht Sinn. Aber je mehr Haltepunkte, je länger die Fahrzeit. Und da überlege ich mir dann schon, ob ich mit dem Zug, der an jeder Milchkanne hält, oder lieber mit meinem Stinke-Diesel-SUV durch die Gegend fahre.

Da gibt es eine einfache Lösung... (duck weg)
Re: Stadtbahn Kiel
20.04.2021 10:04
Moin zusammen,

heute gibt es online einen (hoffentlich) spannenden Vortrag: Ich zitiere hier mal aus der Homepage des Vereines Tram für Kiel:

Zitat
Tram für Kiel
Am 20.04.2021 beginnen wir um 18:30 mit einem Vortrag von Yo Kaminagai mit dem TItel “Die Tram als zentrales Element von Stadtgestaltung“. Damit holen wir den im November ausgefallen Vortrag nach.

Die Teilnahme ist über den Browser oder den Client von Microsoft Teams unter dieser Adresse möglich.

Yo Kaminagai ist federführend für Stadtgestaltung und Design des Pariser Stadt- und Regionalverkehrs (u.a. Produktdesign, Informationsdesign, Architektur) und in diesem Bereich ein europaweit gefragter Experte. Nach Abschluss seines Studiums an der École Nationale des Ponts et Chaussées war er in den 80er- und 90er-Jahren zunächst im Bereich Marketing und dann im Bereich Fahrgastinformation für die RATP tätig, bevor er die Design-Abteilung des Staatsunternehmens mit aufbaute, welche die verschiedenen gestalterischen Elemente des Paris ÖPNV interdisziplinär bearbeitet.

Im Anschluss an den Vortrag können Fragen beantwortet werden. Dafür haben wir hier einen Chat eingerichtet. Dort können auch andere Fragen zur Veranstaltung beantwortet werden

Gruß vom vierachser
Re: Stadtbahn Kiel
08.06.2021 09:15
Hallo,

am Freitag, dem 04.06.2021 gab es online ein Update auf die z.Zt. laufende Trassenstudie.
Man hat gerade von ca. 200 km zu untersuchende Trassen auf 50 km heruntergebrochen.
Als letzter Schritt kommen jetzt noch weitere Untersuchungen, um dann Final bei ca. 34km zu landen.

Hier der Folienvortrag: [kielmobil.blog]

Gruß vom vierachser
Am schönsten ist Seite 9 - die klar zeigt das eine Region-Tram das beste System ist!
Re: Stadtbahn Kiel
08.06.2021 11:37
Zitat
christian schmidt
Am schönsten ist Seite 9 - die klar zeigt das eine Region-Tram das beste System ist!

Hallo Christian,
ja, das ist aber schon länger bekannt. Die Tabelle stammt aus der Grundlagenstudie, aufgrund dessen die Stadt jetzt ja die Trassenstudie
beauftragt hat. Und bevor man jetzt fragt, warum schon wieder eine Studie?
Auf der Seite 17 wird klar, das bereits in dieser Studie auch Vorarbeiten zu den Betriebs-, Förder- und Finanzierungskonzepten
stattfinden. Es ist also keine reine Studie, sondern es sind Vorplanungen im großen Ausmaß.

Gruß vom vierachser
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