Was mich erstaunt ist, dass die Exekutive eine derart weitreichende Entscheidung wie die Stilllegung einer Bahnstrecke entscheiden darf oder es zumindest tut und nicht die Legislative, also die gewählten Politiker.
Na ja - entscheiden tut es die Exekutive indem sie halt keinen Verkehr dort bestellt - ausser wenn es durch ein Gesetz beschlossen wird gilt ansonsten das normale Eisenbahnrecht und jemand könnte dann die Strecke kaufen. Ob man dann eine Anbindung verwehren könnte wage ich zu bezweifeln. Trotzdem - wer soll die Strecke denn bei prognostizierten 0 Euro Einnahmen denn kaufen wollen?
Zitat
Ulzburg-Süd
Zitat
Neu Wulmstorf

Und solange die Strecke nicht atillgelegt wurde, kann eine folgende Landesregierung es sich immer noch anders überlegen.
Auch wenn es hier einige vermutlich nicht hören wollen, aber den Grundstein legten SPD, Grüne und SSW.

S-H bleibt eben Autoland.
Was ja gar nicht an der Politik liegt, sondern an den Menschen, die in SH wohnen. Straßen und Autobahnen sind gut, Eisenbahnstrecken sind böse.
Wir müssen mit dem Mythos aufhören, dass Bürger noch mitentscheiden könnten, ob man eine Bahnstrecke will, wenn das Planfeststellungsverfahren läuft. Dieses Mitentscheiden über das Ob ist keinesfalls ein Ziel davon.
Für jede kleine Baumaßnahme wird ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren erfordert. Für eine Stilllegung reicht eine einfache politische Entscheidung.

Das muss sich ändern. Eine Stilllegung sollte schwer sein, und genauso langjährige Planungen, Diskussionen und Studien erfordern.
Die Stillegung wird durch die Abbestellungen der Nahverkehrsleistungen erfolgen - danach kann dann sofort ein Antrag auf Stillegung beim EBA gestellt werden - wenn sich dann keiner Meldet ist das Ding dann durch - wer soll sich da melden? AKN? Lach - die haben im Moment mehr mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen - dann wirds anschließend auch sehr dünne. Wenn kein INteresse besteht wird die Strecke sterben auch wenn das formelle Verfahren anders aussieht wie wir in Wiehl ja schon richterlich geklärt bekommen haben.
Zitat
StephanHL
Die Stillegung wird durch die Abbestellungen der Nahverkehrsleistungen erfolgen - danach kann dann sofort ein Antrag auf Stillegung beim EBA gestellt werden - wenn sich dann keiner Meldet ist das Ding dann durch - wer soll sich da melden? AKN? Lach - die haben im Moment mehr mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen - dann wirds anschließend auch sehr dünne. Wenn kein INteresse besteht wird die Strecke sterben auch wenn das formelle Verfahren anders aussieht wie wir in Wiehl ja schon richterlich geklärt bekommen haben.

Je nach vorgesehenen Trassenpreisen auf der Neubaustrecke könnte es sich durchaus lohnen, die Strecke weiter zu betreiben und mit günstigeren Preisen preissensiblere Kunden anzulocken. Nachdem es sogar Strecken der DRE gibt, die vor allem von Umleitungsverkehr bei Bauarbeiten leben, wird man damit zwar wohl nicht reich, aber dass allein durch die Abbestellung des Regionalverkehrs zwangsläufig zur Stillegung führt, ist auch nicht der Fall.
Moin,

Zitat
Lopi2000
...
Je nach vorgesehenen Trassenpreisen auf der Neubaustrecke könnte es sich durchaus lohnen, die Strecke weiter zu betreiben und mit günstigeren Preisen preissensiblere Kunden anzulocken. Nachdem es sogar Strecken der DRE gibt, die vor allem von Umleitungsverkehr bei Bauarbeiten leben, wird man damit zwar wohl nicht reich, aber dass allein durch die Abbestellung des Regionalverkehrs zwangsläufig zur Stillegung führt, ist auch nicht der Fall.

und genau das ist wieder das Ausgangsproblem des Dilemmas:
Preissensibel ist ein Wirtschaftsunternehmen, das sich im internationalen Transportgewebe tummelt, allemal mehr als ein touristisches oder (inter)national reisendes Publikum.
Die Konsequenz aus deinem Vorschlag wäre, dass der (inter)nationale Reiseverkehr auf die NBS verlagert wird, der touristische Reiseverkehr und der preissensible Güterverkehr auf der Bäderbahn bleiben / zurückkommen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 18.09.2023 17:00 von Sonnabend.
Man sollte vielleicht klar stellen das 'Stilllegung" drei verschieden Sachen bezeichnen kann:

1) Abbestellung der Leistung - dann fährt da gewöhnlich kein Nahverkehrs-Personenzug mehr, da die praktisch alle vom Land bestellt sind. Das ist eine rein politische Entscheidung. Die Leistung kann aber wieder bestellt werden, oder auch private Anbieter können auf eigene Rechnung fahren. Beides kommt selten vor. Je nach Strecke können da auch weiterhin Güterzüge fahren.

2) Streckensperrung. Dann kann da technisch kein Zug mehr fahren. Dass kann (und muss) der Streckeneigentümer machen wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Eine interessante Frage ist ob man irgendjemand den Eigentümer dann verdonnern kann die Strecke zu reparieren. Eigentlich sollte das rechtlich schon möglich sein, aber ich mir nicht sicher ob sowas schon mal gemacht wurde.

3) Entwidmung. Dann wird die Strecke ganz offiziell stillgelegt, und ist auch rechtlich keine Eisenbahnstrecke mehr. Da gibt es schon ein ziemlich aufwändiges Verwaltungsverfahren, und da kann man auch Einspruch erheben. Weshalb so manche de-facto stillgelegte Eisenbahnstrecke offiziell immer noch eine ist...

PS In Großbritannien ist auch keine einfache Einstellung des Zugverkehrs ohne Stilllegungsverfahren möglich. Das Ergebnis sind so einige Strecken mit Alibizug. So hat z.B. Reddish South eine Abfahrt. Pro Woche. In nur eine Richtung.
Moin,

Zitat
Neu Wulmstorf
Was mich erstaunt ist, dass die Exekutive eine derart weitreichende Entscheidung wie die Stilllegung einer Bahnstrecke entscheiden darf oder es zumindest tut und nicht die Legislative, also die gewählten Politiker.

hab' ich jetzt erst gesehen.

Sowas von dir als (Kommunal)politiker?

Also, die Exekutive (Regierung / Verwaltung) trifft nur dann derartig "weitreichende Entscheidungen", wenn die Spielleitung "Politik" als Gesetzgeber (Parlament / Legislative) in den "Bedienungsanleitungen Staat" ("Gesetze"!) einen derartig weitreichenden Entscheidungsrahmen zulässt / einräumt / fordert.

Wäre dieser Entscheidungsrahmen nicht eingeräumt handelte es sich um Ermessensüberschreitung und jedes kleine Verwaltungsrichterlein (um auch noch die dritte Staatsgewalt ins Spiel zu bringen) hätte seine helle Freude daran, die Entscheidung in der Luft zu zerreißen.
Genau darüber wundere ich mich ja, dass ein derart weiter Ermessensspielraum vorliegt oder vorzuliegen scheint.

Ich fände es gut, wenn auf welche Weise auch immer eine Abstimmung im Parlament erzwungen wird. Dann können sich die Grünen nämlich nicht nehr wegducken.
§ 11 AEG.
Nach Absatz 4 hat die zuständige Behörde kein Ermessen, muss den Antrag also ablehnen, sofern das EIU keine Verhandlungen über den Verkauf/die Verpachtung geführt hat.
Nach Absatz 2 hat die zuständige Behörde ein Ermessen; sie muss "unter Berücksichtigung verkehrlicher und wirtschaftlicher Interessen" entscheiden - kann dies jedoch nur für ein Jahr. Und das EIU bekommt die Erhaltungskosten erstattet.

Da das ganze DB Netz Territorium ist, ist das EBA zuständig "im Benehmen mit der Landesbehörde". Wie dieses Benehmen aussieht, weiß ich nicht, aber das sieht mir nicht aus, als hätten die da groß was zu melden. Wenn aber die Landesbehörde die Stilllegung ablehnt, muss auch das Land die Kosten tragen. Wenn das Land die Kosten tragen muss, dann kann es auch einfach selbst die Strecke übernehmen, wenn ihm was daran liegt.

Meine These für die Bäderbahn:
Gibt es keinen größeren Aufschrei und keine Erleuchtung in den Köpfen der Politik, wird sie stillgelegt.
Andernfalls bleibt sie erhalten oder die AKN übernimmt als landeseigenes EIU die Bäderbahn. Das Land will die AKN sowieso zu einem eigenen EIU ausbauen. Auf diese Weise wird sie immerhin noch ein wenig finanziell daran beteiligt und kann selbst entscheiden, was damit passiert.

Ich fänd es super schwierig und schade, wenn ein so guter Standort für die Bahnhöfe der einzelnen Orte verloren ginge. Die neue Strecke ist zu weit weg und damit nicht besonders attraktiv, weder für den Ferien- noch für den Pendlerverkehr. Die Haltepunkte an der NBS kann man sich damit auch sparen. Der Betrieb wird stabilisiert und hat mehr Kapazitäten für den Güterverkehr: der Hauptgrund für die NBS.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 21.09.2023 15:10 von Olifant.
Zitat
Olifant
Ich fänd es super schwierig und schade, wenn ein so guter Standort für die Bahnhöfe der einzelnen Orte verloren ginge. Die neue Strecke ist zu weit weg und damit nicht besonders attraktiv, weder für den Ferien- noch für den Pendlerverkehr. Die Haltepunkte an der NBS kann man sich damit auch sparen. Der Betrieb wird stabilisiert und hat mehr Kapazitäten für den Güterverkehr: der Hauptgrund für die NBS.

Naja, so wirklich gut sind die derzeitigen Bahnhöfe auch nicht gelegen. Da läuft man locker nochmal 20 min bis zum Strand. Dem Land liegen ja schon verschiedene Vorschläge zu Alternativen vor: 2 davon sehen einen teilweisen Ersatz durch eine Straßenbahn vor, andere ioki-Shuttle und Flugtaxis.
Zitat
Lopi2000
Dem Land liegen ja schon verschiedene Vorschläge zu Alternativen vor: 2 davon sehen einen teilweisen Ersatz durch eine Straßenbahn vor, andere ioki-Shuttle und Flugtaxis.

Da kann ich jetzt leider keinen geeigneten Vorschlag erkennen.

Eine Straßenbahn zu bauen dürfte deutlich teurer sein, als die vorhandene Bahntrasse in Betrieb zu lassen und an die NBS anzubinden.

Autonome(?) Shuttle und Flugtaxis sind keine Massenverkehrsmittel, die eine Eisenbahn ersetzen können.

Gegenüber Flugtaxis haben normale Taxis übrigens diverse Vorteile. Wer schlägt denn bitte ernsthaft in dieser Region für diese kurzen Entfernungen Flugtaxis vor?

Es wird also darauf hinaus laufen, dass die verbleibenden Bahnkunden nach Scharbeutz und Timmendorfer Strand mit Bussen fahren müssen.
Zitat
bahnnutzer
Eine Straßenbahn zu bauen dürfte deutlich teurer sein, als die vorhandene Bahntrasse in Betrieb zu lassen und an die NBS anzubinden.

Ja, aber dann bestünde eben die Möglichkeit, auch mit Güterverkehr über die Strecke zu fahren, was man auf jeden Fall verhindern will.

Außerdem bestünde bei einer Straßenbahn die Möglichkeit, die heutigen Bahnstrecken mitzunutzen und nur in den Bäderorten selbst eine Neubaustrecke zu bauen, die den Charme hätte, damit dichter an den Strand zu kommen.

Zitat
bahnnutzer
Autonome(?) Shuttle und Flugtaxis sind keine Massenverkehrsmittel, die eine Eisenbahn ersetzen können.

Gegenüber Flugtaxis haben normale Taxis übrigens diverse Vorteile. Wer schlägt denn bitte ernsthaft in dieser Region für diese kurzen Entfernungen Flugtaxis vor?

Es wird also darauf hinaus laufen, dass die verbleibenden Bahnkunden nach Scharbeutz und Timmendorfer Strand mit Bussen fahren müssen.

Das fand ich auch eher kurios, insbesondere, da es der Vorschlag einer Tochterfirma der DB AG war.
Die Idee mit den Flugtaxis ist eher ein Scherz und zeigt die Unernsthaftigkeit der verantwortlichen Politiker.

Die Bahn benötigt 13 Minuten für die Fahrt vom Lübecker Hauptbahnhof zur Station Timmendorfer Strand. Welches Verkehrsmittel will da gegenan kommen?
Zitat
Neu Wulmstorf
Die Idee mit den Flugtaxis ist eher ein Scherz und zeigt die Unernsthaftigkeit der verantwortlichen Politiker.

Die Bahn benötigt 13 Minuten für die Fahrt vom Lübecker Hauptbahnhof zur Station Timmendorfer Strand. Welches Verkehrsmittel will da gegenan kommen?

Heißluftballons. Wenn die mit den Reden des für die Flugtaxi-Idee verantwortlichen Politiker gefüllt werden sollte das doch klappen?
Zitat
Neu Wulmstorf
Die Bahn benötigt 13 Minuten für die Fahrt vom Lübecker Hauptbahnhof zur Station Timmendorfer Strand. Welches Verkehrsmittel will da gegenan kommen?

Zum einen würde vermutlich ein Flugtaxi tatsächlich schneller sein, aber ernst nehmen kann ich diesen Vorschlag tatsächlich auch nicht. Sowohl die Flugtaxis als auch Angebote wie der ioki shuttle haben vermutlich auch ihre Nischen, in denen sie ein sinnvolles Angebot sein können. Unabhängig davon, wie man diese Frage beantwortet, ist aber klar: das Massenverkehrsmittel, das man braucht, um den Saisonverkehr an den Strand abzuwickeln, sind sie mit Sicherheit nicht. Dennoch war sie tatsächlich ernst gemeint und wurde von Fachleuten in einer Fachveranstaltung so vorgestellt - zusammen mit einem ausführlichen Vortrag über die technischen Hintergrundsysteme.

Eine Straßenbahn wäre vom Lübecker Hauptbahnhof bis zum Bahnhof Timmendorfer Strand ähnlich oder gleich schnell wie die heutigen Regionalzüge, sie könnten aber helfen, den halbstündigen Fußmarsch, der bisher etwa zwei Drittel der Zeit für den Weg von Lübeck Hbf bis zum Strand in Timmendorf, erheblich zu reduzieren, so dass die gesamte Wegekette weniger Zeit benötigen würde.
Zitat
Lopi2000
Außerdem bestünde bei einer Straßenbahn die Möglichkeit, die heutigen Bahnstrecken mitzunutzen und nur in den Bäderorten selbst eine Neubaustrecke zu bauen, die den Charme hätte, damit dichter an den Strand zu kommen.

Quasi die Ostholsteinische Kusttram, hätte was.

Paddy
Für Bahnhöfe dichter am Strand sehe ich keine Möglichkeiten, da ist doch alles zugebaut.

Und wir reden hier von einer Streckenstilllegung, da sind irgendwelche Neubaupläne meiner Meinung nach völlig illusorisch.

Das Ziel muss schlicht sein die Strecke zu erhalten.
Zitat
Pommes Schranke
Für Bahnhöfe dichter am Strand sehe ich keine Möglichkeiten, da ist doch alles zugebaut.

Ebendrum gibt es ja auch die Ansätze einer Straßenbahn. Diese benötigt keine Bahnhöfe sondern hat Haltestellen im öffentlichen Straßenraum, kann aber auch über Bahngleise Bahnhöfe anfahren, wie es z.B. in Karlsruhe, Kassel oder Chemnitz der Fall ist.

Abgesehen davon ist "zugebaut" sehr relativ - sowohl in Timmendorfer Strand als auch in Scharbeutz und Haffkrug gibt es Großparkplätze in unmittelbarer Strandnähe. Selbst ohne Stellplatzreduzierung könnte man deren Flächen reduzieren, in dem man sie zu Parkdecks oder Parkhäusern übereinanderstapelt.

Zitat
Pommes Schranke
Und wir reden hier von einer Streckenstilllegung, da sind irgendwelche Neubaupläne meiner Meinung nach völlig illusorisch.

Es geht aber ja nicht um eine Streckenstilllegung aus Kostengründen, sondern der Hauptanlass war/ist die Sorge, dass der wachsende Güterverkehr nahe an den Badeorten entlang fahren könnte, da man die bestehende Strecke nicht einfach für bestimmte Verkehrsarten sperren kann.

Dennoch ist die Finanzierung natürlich auch ein Problem, aber vor allem, weil eine Straßenbahn als ÖPNV dann Kreisaufgabe wäre, während die bisherige Bahnanbindung durch das Land finanziert wird. Aber auch dafür ließen sich Lösungen finden.
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