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Pegnitztalbahn (ABS Nürnberg – Marktredwitz – Hof/Schirnding) + Elektrifizierung Nordostbayern
geschrieben von Manfred Erlg 
Aktueller Stand der Projekte im Bahnausbau NO-Bayern [gemäß Website]:

[bahnausbau-nordbayern.deutschebahn.com]

- Hof – Marktredwitz: Entwurfs- und Genehmigungsplanung (Lph 3, 4) bis vsl. 2025; danach PF-Verfahren*
- Marktredwitz – Regensburg: Vorplanung (Lph 2) bis 2024; aktuell Entscheidung des Bundes erwartet
- Regensburg – Obertraubling: Vorplanung bis vsl. 2025; danach Entscheidung des Bundes

- Nürnberg – Schwandorf - Furth im Wald: Grundlagenermittlung (Lph 1) bis 2025; Vorplanung Start Ende 2025

- Nürnberg – Marktredwitz – Schirnding: Vorplanung 2021 abgeschlossen; Planungen 2022 vom Bund angehalten
- Schnabelwaid – Bayreuth: derzeit Grundlagenermittlung, danach Vorplanung im Auftrag des Freistaats
- S-Bahn ins Pegnitz- und Schnaittachtal: derzeit Vorplanung im Auftrag des Freistaats**

* Für den ersten von zwei Planfeststellungsabschnitten ist das PF-Verfahren bereits im Mai 2024 eingeleitet worden.

** Es geht hier um ergänzende Maßnahmen für die S-Bahn.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 22.11.2025 13:25 von Manfred Erlg.
In der Bayerischen Landesvertretung in Berlin hat es eine Diskussionsrunde zur Zukunft der Franken-Sachsen-Magistrale gegeben. Dazu die Pressemitteilung des Bayerischen Verkehrsministers:

Zitat

Diskussionsrunde zur Zukunft der Franken-Sachsen-Magistrale
Berlin/München, 16.10.2025

Franken-Sachsen-Magistrale: Aktuelle Situation als Chance sehen

> Geld aus Sondervermögen Infrastruktur sinnvoll nutzen
> Brückensanierung und Elektrifizierung in einem Aufwasch machen
> Keine Grenzen für moderne Schienenverbindungen in Europa


Sie verbindet Bayern, Sachsen und die Tschechische Republik und ist für den gesamteuropäischen Schienenverkehr von großer Bedeutung: die Franken-Sachsen-Magistrale. Allerdings kann die Bahnstrecke bislang nur mit Dieselzügen befahren werden, ihre Elektrifizierung kommt trotz wirtschaftlicher Vorteile nicht voran. Seit Mitte September sind zudem marode Pegnitzbrücken gesperrt und die Strecke ist nicht mehr durchgehend befahrbar – ein erheblicher Einschnitt für die Anrainerregionen und tausende Pendlerinnen und Pendler in der Metropolregion Nürnberg. In einer Diskussionsrunde in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin haben unter anderem Christian Bernreiter, Bayerischer Verkehrsminister und Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, der stellvertretende Bundesvorsitzende des Fahrgastverbands PRO BAHN Prof. Lukas Iffländer sowie Prof. Arnd Stephan von der Technischen Universität Dresden darüber diskutiert, wie die aktuelle Situation als Chance genutzt werden kann, die Franken-Sachsen-Magistrale endlich voranzubringen.

Sie verbindet Bayern, Sachsen und die Tschechische Republik und ist für den gesamteuropäischen Schienenverkehr von großer Bedeutung: die Franken-Sachsen-Magistrale. Allerdings kann die Bahnstrecke bislang nur mit Dieselzügen befahren werden, ihre Elektrifizierung kommt trotz wirtschaftlicher Vorteile nicht voran. Seit Mitte September sind zudem marode Pegnitzbrücken gesperrt und die Strecke ist nicht mehr durchgehend befahrbar – ein erheblicher Einschnitt für die Anrainerregionen und tausende Pendlerinnen und Pendler in der Metropolregion Nürnberg. In einer Diskussionsrunde in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin haben unter anderem Christian Bernreiter, Bayerischer Verkehrsminister und Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, der stellvertretende Bundesvorsitzende des Fahrgastverbands PRO BAHN Prof. Lukas Iffländer sowie Prof. Arnd Stephan von der Technischen Universität Dresden darüber diskutiert, wie die aktuelle Situation als Chance genutzt werden kann, die Franken-Sachsen-Magistrale endlich voranzubringen.

Verkehrsminister Bernreiter appellierte einmal mehr an Bund und Bahn, anlässlich der anstehenden Brückensanierung auch die längst überfällige Elektrifizierung der Strecke zu anzugehen: „Bund und Bahn könnten auf der Franken-Sachsen-Magistrale zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Da auf der Strecke wegen der unvermeidlichen Brückensanierungen ohnehin größere Bauarbeiten anstehen, wäre es ein Schildbürgerstreich, nicht auch die dringend notwendige Elektrifizierung umzusetzen. Es gibt meiner Ansicht nach kaum ein Projekt, das so gut zum Titel des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität passt, wie die Elektrifizierung dieser Magistrale. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme wurde bestätigt, Geld sollte durch das Sondervermögen auch da sein, es gibt also für den Bund keine Ausrede. Auf tschechischer Seite ist die Strecke fast bis zur Grenze elektrifiziert. Deutschland muss endlich nachziehen! Jeder Tag, den der Bund den Ausbau verzögert, ist ein verlorener Tag für Mobilität, Klima und das Zusammenwachsen von Tschechien, Sachsen und Bayern. Wir haben zahlreichen Abgeordneten mit unseren Experten heute vorgerechnet, dass eine Elektrifizierung auch wirtschaftlich sinnvoll ist und sich schnell amortisiert.“

Prof. Lukas Iffländer: „Seit 1992 ist der Ausbau zwischen Hof und Nürnberg Teil des Bundesverkehrswegeplans. Auch 33 Jahre später leiden die Fahrgäste an lauten und nicht barrierefreien Dieseltriebzügen. Die jetzige Sperrung bringt das Fass endgültig zum Überlaufen. Wenn nach der jetzigen Notinstandsetzung Anfang der 30er die Brücken richtig erneuert werden, muss das Leiden der Fahrgäste ein Ende finden. Nur die Elektrifizierung bringt öftere, bequemere, leisere und barrierefreie Verbindungen. Für das Pegnitztal muss gelten, was für das Ahrtal gilt: Bei unerwarteten Katastrophen, muss man langwierige Verfahren aussetzen und die Chance in der Krise nutzen."

Prof. Arnd Stephan: „Die moderne Eisenbahn des 21. Jahrhunderts zeichnet sich durch zwei Attribute aus: ,viel‘ und ,schnell‘. Die Bahn ist ein Massenverkehrsmittel, das kann sie besser als alle anderen Verkehrsträger. Und deshalb fährt die moderne Bahn weltweit elektrisch. Weil es technisch vergleichsweise einfach geht und weil es über den Lebenszyklus wirtschaftlicher ist als alle anderen Optionen. Wenn die Bahn im Wettbewerb der Verkehrsträger wirklich punkten will, dann muss sie ihren wesentlichen Systemvorteil der durchgängigen Elektrifizierung voll ausspielen. Oberleitungen lohnen sich immer, wenn genug los ist. Und dabei sind nicht nur die Hauptachsen, sondern auch potenzielle Zulauf- und Umleiterstrecken einzubeziehen. Die Franken-Sachsen-Magistrale ist ein solcher Korridor für regionale und überregionale Personen- und Güterverkehre auf der Schiene, den wir im deutschen Streckennetz dringend brauchen. Kritisch ist, dass die Umsetzung dringend gebotener Elektrifizierungen in Deutschland viel zu lange dauert. Ursächlich dafür sind komplizierte und nicht mehr zeitgemäße Planungs-, Finanzierungs- und Genehmigungs-Verfahren. Aber das sind hausgemachte Probleme, die sich ändern lassen. Das Argument der teuren Elektrifizierung ist viel zu kurz gesprungen. Langfristig lohnt sie sich immer, denn mehr Elektrifizierung sichert die Zukunft der Bahn.“

Florian Wiedemann, Landrat des Landkreises Bayreuth: „Selbst die DB InfraGO als Netzbetreiberin hat erkannt, dass die Elektrifizierung notwendig ist und zugleich mit der Brückensanierung erfolgen sollte – so wie im Ahrtal, so wie bei den Generalsanierungen. Projekte müssen zusammengedacht werden. Es wäre den Bürgerinnen und Bürgern schlichtweg nicht mehr vermittelbar, wenn sie Streckensperrungen und Schienenersatzverkehre hinnehmen müssten, nur um den Status quo zu erhalten. Jetzt ist die Zeit zu handeln – also handeln wir!“

Die Sachsen-Franken-Magistrale erstreckt sich über rund 288 Kilometer und verbindet mit den Streckenabschnitten Nürnberg – Marktredwitz – Hof, Dresden – Hof und Leipzig – Werdau Bayern und Sachsen sowie mit dem Streckenast Marktredwitz – Eger/Cheb die Tschechische Republik. Die Trasse ist im Bundesschienenwegeausbaugesetz verankert und auf sächsischer Seite vollendet respektive im Bau. Ihr Ausbau ist ein wichtiges Projekt für bessere nationale und internationale Bahnverbindungen.

Plan der 23 Brücken im Pegnitztal, Stand 2019; die fünf blauen sind inzwischen neu gebaut [Quelle: Bahnausbau Nordbayern]:



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 18.10.2025 09:40 von Manfred Erlg.


Hallo zusammen,

hier noch zwei Artikel über die Sitzung der Bayerischen Landesvertretung in Berlin.


Bayreuth.de Eine Frage des Vertrauens in den Staat (17.10.2025)
In dem Artikel ist auch ein Bild von der Runde der Politiker zu sehen.
Da gab’s Weißwürste und Brezeln, aber keine gute Stimmung:
Wenn man sich die Gesichter auf dem Foto anschaut, schaut da keiner wirklich optimistisch.
Passt irgendwie zum Thema – viel Appell, wenig Aussicht, dass in Berlin wirklich was passiert.
-> Foto


bayreuther-tagblatt
Bahnlinie Ultimatum nach Sperrung der Bahnstrecke nach Nürnberg (Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2025 | 11:37)




Offene Punkte

- Noch keine Entscheidung in Berlin: Es gibt nur politische Forderungen und erste „positive Signale“.
- Die Planungsmittel sind noch nicht zugesagt – sie müssen erst im Bundeshaushalt 2026 verankert werden.
- Auch der Baubeginn 2030 ist eine Zielmarke, kein fix beschlossener Termin.


Finanzierungsmöglichkeiten:

Mehrere Fördertöpfe seien vorhanden, aber bisher ungenutzt – darunter:

- der Klima- und Transformationsfonds,
- Mittel aus dem Verteidigungshaushalt (wegen militärischer Relevanz der Strecke),
- EU-Fördergelder für grenzüberschreitende Infrastruktur.


Fazit:
Das Brücken + Elektrifizierungsproblem im Pegnitztal wird nur dann gelöst, wenn der Bund 2026 Planungsmittel freigibt und DB InfraGO anschließend beide Projekte – Brückensanierung und Elektrifizierung – gebündelt ab 2030 umsetzt. Entscheidend ist nun der politische Wille in Berlin. Ohne diese Entscheidung drohen Stillstand, steigende Kosten und ein massiver Vertrauensverlust in die Infrastrukturpolitik.
Noch einmal zu dem obigen Plan der Brücken:

Von den 23 eingezeichneten Brücken standen zwei nicht unter Denkmalschutz, da sie keine alten Flussbrücken, sondern einfache Brücken über Ortsstraßen waren. Beide sind inzwischen neu gebaut worden. Von den 21 Flussbrücken sind drei als Denkmäler abgegangen und ebenfalls neu errichtet worden.

In der Wikipedia findet man die 21 Brücken, also auch die abgegangenen Denkmäler, in den Artikeln "Liste der Baudenkmäler in ..." mit Beschreibung und Fotos. Ich habe die Brücken entsprechend der Streckenkilometer von Süd nach Nord numeriert:

Pommelsbrunn (Brücke Nr. 1): [de.wikipedia.org]

Vorra (Brücken Nr. 2, 4, 5 / 3 kein Denkmal): [de.wikipedia.org]

Hartenstein (Brücken Nr. 6, 8 - 13, 15, 16 / 7 kein Denkmal): [de.wikipedia.org])

Stadt Velden: (Brücke Nr. 14): [de.wikipedia.org])

Markt Neuhaus: (Brücken Nr. 17 - 19, 21 - 23): [de.wikipedia.org]

Stadt Auerbach (Brücke Nr. 20): [de.wikipedia.org]

Von den vier Brücken bei Michelfeld, einem Ortsteil der Stadt Auerbach, liegt tatsächlich nur eine im Gebiet der Stadt, die anderen drei auf dem zum Markt Neuhaus gehörigen Geländestreifen entlang des Flusses (Trinkwassergewinnung der Stadt Nürnberg).

Hier sind beispielhaft einige Fotos aus den obigen Listen bzw. den dort verlinkten weiteren Fotos aus der Wikimedia:

Zuerst zwei geschützte Brücken bei Velden, die nach obigem Plan erhalten werden sollen, Nr. 14 bei km 47,349 (Velden), eine Eisenträgerbrücke mit genietetem, hängenden Fischbauchträgerfachwerk, Widerlager aus Granitmauerwerk, 1877, 1899, Umbau 1928 sowie Nr. 15 bei km 47,644 (Neuensorg) in gleicher Bauart:



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.11.2025 11:07 von Manfred Erlg.


Die abgegangenen Denkmäler stehen am Ende der jeweiligen Liste; hier findet man auch Fotos der Neubaubrücken, als Beispiel sind hier Nr. 13 bei km 46,665 (Güntersthal) und Nr. 22 bei km 60,119 (Neuhaus, auch mit "Michelfeld" bezeichnet) abgebildet.

Ebenfalls neu errichtet ist die Flußbrücke (ohne Straße) Nr. 9 bei km 43,489 nördlich Enzendorf; auf die Flussbrücke folgt unmittelbar die Straßenbrücke, die nicht saniert werden muss, und dann geht es direkt in den Tunnel Platte am Steinbruch.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.11.2025 16:34 von Manfred Erlg.


Neue aktuelle Meldungen von der Website des Baunausbau Nordbayern:

14. Oktober: Vermessungsarbeiten auf der Strecke Schnabelwaid – Bayreuth

[bahnausbau-nordbayern.deutschebahn.com]

Zitat

Es geht voran! Seit Mai 2025 finden auf der Bahnstrecke zwischen Schnabelwaid und Bayreuth Vermessungsarbeiten statt. Sie dauern voraussichtlich bis Ende des Jahres an. Ziel ist es, eine präzise Datengrundlage für die weitere Planung zu schaffen.


29. Oktober: Koordinierungsrat Metropolenbahn tagt in Nürnberg [Strecke Nürnberg - Schwandorf - Furth im Wald]

[bahnausbau-nordbayern.deutschebahn.com]

Zitat

Im Oktober 2025 kam der Koordinierungsrat Metropolenbahn zum dritten Mal zusammen. Die Sitzung fand dieses Jahr im DB-Museum in Nürnberg statt und brachte erneut Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Initiativen und Verbänden an einen Tisch. Der Koordinierungsrat begleitet das grenzüberschreitende Vorhaben zwischen Bayern und Pilsen seit Beginn und trägt dazu bei, die verschiedenen Perspektiven frühzeitig in die Planung einzubringen. Ziel ist es, den Ausbau der Schieneninfrastruktur mit der Region abzustimmen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Norman Wilk, Leiter der nordostbayerischen Ausbauprojekte, und Marc Nöker, Projektleiter der Metropolenbahn, stellten den aktuellen Planungsstand vor und diskutierten mit den Mitgliedern die nächsten Schritte. Fokus lag dabei auf dem Blick in die Ausschreibung der anstehenden Leistungsphase Vorplanung. Planungen konkretisieren sich wie beispielsweise, dass an den Stationen Röthenbach an der Pegnitz, Lauf links der Pegnitz, Kothmaißling und Weiding, nach aktuellem Stand Eingriffe vorgesehen sind.

Auch die Bahnstromversorgung in Nordostbayern und die abgeschlossene Raumverträglichkeitsprüfung waren Thema. Der grobe Zeitplan der folgenden Arbeitspakete wurde diskutiert und wie die Energieinfrastruktur den wachsenden Anforderungen des Bahnausbaus gerecht werden kann.

Ein Highlight war der Beitrag von Pavel Čížek, Regionalpräsident Pilsen (CZ) für den Bereich Verkehr, der Einblicke in die Fortschritte auf der tschechischen Seite des Projekts gab. Der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke zwischen Pilsen und Domažlice, nahe der deutschen Grenze, ist in drei Bauabschnitte aufgeteilt - dort soll Anfang der 2030er Jahre gebaut werden. [...]

Das Protokoll sowie die Präsentationen der Veranstaltung sind in unserer Mediathek verfügbar.
Guten Morgen zusammen,

bezüglich der Art und Weise, wie der Denkmalschutz im Falle der historischen Brücken und Tunnel an der Pegnitzstrecke offenbar bisher gehandhabt wurde und ggf. auch weiterhin gehandhabt werden soll / könnte, grummelt es etwas stärker in mir. Und zwar deshalb, weil genau diese Art und Weise sowie das wahrscheinlich dahinterstehende Verständnis von Denkmalschutz hier bereits seit Längerem zum Hemmnis eines zeitgemäßen und zukunftsweisenden Ausbaus und sogar schon der anforderungsgerechten Erhaltung der Strecke geworden sind. Und dies auch weiterhin bleiben könnten. Andere Teilnehmer haben das ja auch schon hier im Forum geäußert.

Was ich jedoch nicht verstehe:

Beim Denkmalschutz für Brücken und Tunnel (wie auch bei anderen Bauwerken) geht es doch wohl darum, repräsentative Beispiele für die charakteristischen Konstruktionsarten sowie Bauweisen und Materialien in ihrem zeitlichen Kontext dauerhaft zu sichern. Diese sollen (allerweitestgehend) originalgetreu erhalten und sichtbar dargestellt werden.

Nun haben wir gerade an der Pegnitzstrecke aber eine vielfache und identische Wiederholung genau dieser Kriterien bei vielen Brücken und einigen Tunneln.

--> Warum müssen dann all diese Brücken (einmal sind es die hier sehr typischen Fachwerkbrücken, zum Anderen auch die denkmalgeschützten Steinviadukte) und Tunnel als Denkmale erhalten bleiben und "dürfen nur 1:1 repariert" werden?

--> Es würde doch im Prinzip genügen, mindestens eine dieser als Typbauten errichteten Fachwerkbrücken sowie min. einen der Tunnel originalgetreu zu erhalten. Und dies möglichst an Plätzen, wo es sich der Denkmalschutz und der zukunftsfähige Ausbau der Strecke am wenigsten gegenseitig schwer machen!? (Spätestens bei den Tunneln vs. Elektrifizierung & größerem Gleisabstand wird dieser Ansatz sicher torpediert, doch ich möchte das an der Stelle hier erstmal noch ausklammern und die voranstehende Frage nur ganz grundsätzlich stellen.)

--> Die Pegnitzstrecke ist ja kein langgestrecktes Flächendenkmal, so dass man sie in Gänze originalgetreu erhalten müsste. Also Neu- und Ausbau wäre in weiten Teilen möglich, wenn man dazu übergehen würde, nur sehr wenige, aber repräsentative Beispiele an Brücken und Tunneln im Original zu erhalten.

--> Es kann doch sicher auch bei good will ein Einvernehmen mit den Denkmalschutzbehörden dahingehend erzeugt werden, dass bei einer dann dauerhaft als Denkmal verbleibenden Fachwerkbrücke die Mittenabstände der einzelnen Überbauten zueinander ausbaugerecht vergrößert werden. Dies bedingt natürlich die Verbreiterung der Wiederlager und Auflagerbänke sowie ein Versetzen der Lagerpunkte weg von der Brückenmittenachse. Doch auch dabei lässt sich die historische Bauweise inkl. der zu verwendenden Materialien fast vollständig wieder anwenden.

--> Wie auch andere schon schrieben, sind Schönheit und historischer oder historisierender Anblick der Bauten im Pegnitztal als solche kein Maßstab für die Anwendung von Denkmalschutz. Insofern besteht kein Anspruch auf den originalen Erhalt von Brücken und Tunneln. Dass die Bahn dann am Ende in dieser wirklich tollen und sensiblen Umgebung auch schön bauen soll oder muss, sollte zur Bedingung für die Planung und Umsetzung des Streckenausbaus gemacht werden. Das muss verbindlich vereinbart werden als Gegenleistung der Bahn dafür, dass diverse Brücken und Tunnel aus dem Denkmalschutz entlassen werden.

Soweit meine Gedanken zum 'Dilemma' an der Pegnitztalbahn. Es geht mir insbesondere um ein paar Ansätze, wie sich in einer offenen und nicht ideologisierten Debatte zur Thematik diverse Gordische Knoten zerschlagen ließen. Sofern ich nicht daneben liege oder wichtige Punkte übersehen habe. Bin gespannt auf eure Gedanken hierzu.

Edit: Die Baugrundproblematik durch Karstgestein ist mir natürlich bekannt. Doch bin ich an dieser Stelle noch bei den ganz grundsätzlichen Fragen der möglichen Vereinbarkeit von Streckenausbau und Denkmalschutz. Die Betrachtung bautechnischer Themen inkl. von Schwierigkeiten gehört explizit zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dazu.

Gruß
Die Ferkeltaxe



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.11.2025 10:06 von Ferkeltaxe.
Ich sehe das weitgehend genauso. Es gibt das Problem, dass jedes Bundesland eigene Gesetze zum Denkmalschutz hat, die möglicherweise im Konflikt zu Bundesgesetzen stehen.

Die Ampelkoalition hatte zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren noch das Moderne-Schiene-Gesetz geplant, das eine Reihe von Gesetzen, die Verkehrsbauten betreffen, geändert hätte. Am Freitag erschien auf der Website des TAGESSPIEGEL ein Exklusiv-Artikel (natürlich verschlüsselt), nach dem der Verkehrsminister der neuen Koalition eine Gesetzesvorlage zur Abstimmung im Kabinett vorgelegt hat, jetzt umfassender als “Infrastruktur-Zukunftsgesetz” bezeichnet. Eine Zusammenfassung findet sich beim Newsdienst Bahnblogstelle:

Zitat

Mehr Tempo bei Verkehrsprojekten: Ministerium legt Reformpläne vor
7. November 2025, 23:41

Bis neue Brücken oder Bahnstrecken fertig sind, dauert es oft viele Jahre. Die Bundesregierung will das ändern. Das Verkehrsministerium hat einen Gesetzentwurf erarbeitet.

Noch ein Ausschnitt:

Zitat

Umwelt- und Naturschutzpflichten sollen weiterhin verbindlich sein – sollen aber im Rahmen der Abwägung künftig in ein “angemessenes Verhältnis” gesetzt werden, wie es aus den Regierungskreisen hieß. Natur- und Artenschutz sollten weiterhin wirksam gewährleistet, aber bundesweit einheitlicher, rechtssicherer und praxistauglicher ausgestaltet werden. Unterschiedliche Länderstandards, die heute zu Verzögerungen führten, sollten harmonisiert werden.

Die Klagerechte anerkannter Umweltvereinigungen sollen laut Regierungskreisen unangetastet bleiben. Zugleich aber sollen die Voraussetzungen für deren Anerkennung überprüft und künftig befristet werden.

Weiter hieß es, gerichtliche Klagen sollten weiterhin möglich sein – aber zielgerichteter und in einem klar definierten Rahmen erfolgen, ohne wiederholt bereits entschiedene Fragen neu aufzurollen. Das zielt auf immer neue Klagen etwa gegen den Bau von Autobahnen, obwohl Gerichte bereits grünes Licht gegeben haben. Künftig solle klargestellt werden, dass eine rechtskräftig bestätigte Genehmigungsentscheidung nicht erneut beklagt werden könne, wie es aus den Regierungskreisen hieß.

[bahnblogstelle.com]

Bleibt zu hoffen, dass es da auch zu Beschränkungen beim Denkmalschutz kommt, indem entsprechende Regeln für die Abwägungen im Planfeststellungsverfahren aufgestellt werden.

Edit: Letzten Satz erweitert.

Nachtrag: Auch die Brücke Nr. 3 bei km 40,910 über die Ortsstraße in Vorra-Artelshofen sollte unter Denkmalschutz gestellt werden. Warum dies gescheitert ist, kann man im Planfeststellungsbeschluss des EBA vom 04.05.2018 nachlesen:

[www.eba.bund.de] (Stichwort bei der Suche: Artelshofen)



5 mal bearbeitet. Zuletzt am 22.11.2025 13:53 von Manfred Erlg.
Zitat
Manfred Erlg

...

Bleibt zu hoffen, dass es da auch zu Beschränkungen beim Denkmalschutz kommt.

Als Beschränkung darf soetwas aber nicht ankommen oder empfunden werden. Geht es doch im Kern um Vernunft und ausreichend Augenmaß beim Erhalt von Historischem in einer sich rasant weiterentwickelnden Welt. :-)
Danke @Ferkeltaxe für Deine sachlichen fundierten Ausführungen.

Zu den Brücken: Denkmalschutz ist gerade da sehr teuer. Da gibt es Stimmen, die behaupten, die Bahn hätte sie bewusst verrotten lassen. Um dann statt einer Sanierung und eines Umbaus gleich einen Abriss und Neubau für alle Brücken durchsetzen zu können.
Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber falls ja, hätten die Einwände des Denkmalschutzes durchaus Berechtigung.

Aber sehr richtig hast Du bemerkt, dass es ausreichen könnte, wenn mindestens eine der Brücken soweit als möglich erhalten bliebe. Das ist aber eine Abwägung, die erst im Rahmen der Planfeststellung getroffen wird. Dazu wird man einen Kompromiss finden.

Was an den Tunneln selbst schützenswert sein soll, erschließt sich mir aus den Unterlagen nicht. Die Portale sollen erhalten werden. Aber auch die ganze Röhre? Wohl kaum! Aber auch die Portale alleine könnten problematisch sein, wenn deren Erhalt die Aufweitung verhindert. Und da kann man nicht für einen einzelnen Tunnel eine Ausnahme machen. Das wird sicher eine Abwägung. Vielleicht gibt es woanders einen Tunnel mit ähnlich schützenswerten Portalen. Oder der Denkmalschutz muss tatsächlich mal zurückstecken. Das muss er immer, wenn es keine wirtschaftlich tragbare Lösung gibt.

Auf jeden Fall ist niemand auf die Idee gekommen, die ganze Strecke unter Ensembleschutz zu stellen. Wie es hier zum Teil suggeriert wurde. Bei den Brücken ist das Fachwerk zunächst geschützt. Aber nicht der Untergrund unter den Brückenköpfen.

Ein Rundumschlag gegen Denkmalschutz und auch gegen Artenschutz ist jedenfalls unangemessen. Und die Story mit dem Feldhamsterverleih ist keine Satire, sondern billige Polemik. Die auch noch Manche für bare Münze halten.
Zitat
HansL
Ein Rundumschlag gegen Denkmalschutz und auch gegen Artenschutz ist jedenfalls unangemessen. Und die Story mit dem Feldhamsterverleih ist keine Satire, sondern billige Polemik. Die auch noch Manche für bare Münze halten.

Die Story war von Daniel extra als solche gekennzeichnet worden. Und es gab wohl leider tatsächlich Fälle, in denen Umweltschützer so vorgegangen sind.

Ich selber halte eine Einschränkung des Denkmalschutzes für grundsätzlich gerechtfertigt. Es darf nicht sein, dass ein x-beliebiger Mitarbeiter einer kommunalen Verwaltung dadurch ein Projekt, dass eine ganze Region betrifft (oder mehr), stört oder aufhält. Und hier geht es noch nicht mal um Neubau, sondern um kurzfristige Sicherung der Strecke für ihren eigentlichen Zweck: Bahnverkehr.
an Ferkeltaxe

Prinzipiell hast du mit deinen Überlegungen recht, allerdings ich denke, es gibt ein Problem, das du tatsächlich übersehen hast:

Mein Sachstand ist, das man beim Ausbau möglichst nicht die Firste der Tunnel anfassen will, sondern die Tunnelsohle tiefer legen wollte, weil das die schnellere und sicherere Baumethode ist. Die bedingt dann eine tiefere Gleislage gegenüber heute. Diese tiefere Gleislage bedingt ein "Tieferlegen" der Brücken. Nun liegt aber unter den Brücken meist auch die Straße, und deren Höhenbeschränkung darf nicht moch weiter reduziert werden. Also müssen die neuen Brücken dünner werden. Dies geht mit Betonbauten, soll aber mit Stahlfachwerk angeblich nicht oder nicht ausreichend machbar sein. Ich selbst bin kein Ingenieur, ob dünneres Stahlfachwerk mit ausreichender Tragfähigkeiten möglich wäre und den urspünglichen Brücken noch ähnlich genug wäre, das es auch dem Denkmalschutz gerecht wird, kann ich nicht abschließend beurteilen.

Umgekehrt könnte man natürlich sagen, dann müssen die Tunnel eben nach oben erweitert werden ggf unter Inkaufnahme deutlich längerer Bauzeit. In letzterem Falle wäre dein Ansatz denke ich möglich, zumindest fiele mir dann nicht direkt etwas ein, was dagegen spräche.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Alles ist wie immer, nur schlimmer... (Bernd das Brot)
Zitat
Daniel Vielberth
an Ferkeltaxe

Prinzipiell hast du mit deinen Überlegungen recht, allerdings ich denke, es gibt ein Problem, das du tatsächlich übersehen hast:

Mein Sachstand ist, das man beim Ausbau möglichst nicht die Firste der Tunnel anfassen will, sondern die Tunnelsohle tiefer legen wollte, weil das die schnellere und sicherere Baumethode ist. Die bedingt dann eine tiefere Gleislage gegenüber heute. Diese tiefere Gleislage bedingt ein "Tieferlegen" der Brücken. ...

Danke Daniel für diese Info, denn die hatte ich bisher nicht. Das wäre natürlich eine Prämisse mit sehr großer Nachwirkung!

Aber bleiben wir mal bei der von mir zuvor geschilderten Lösung hinsichtlich Gewährleistung des Denkmalschutzes.

- Dann ginge es ggf. nur noch um einen denkmalgerecht zu erhaltenden Tunnel. Wenn der an einer Stelle mit dem geringsten Kompromissschmerz für den Ausbau der Bahn läge, könnte man eben genau diesen einen Tunnel nach unten erweitern. Die nächstgelegenen Brücken sind dann entweder aus dem Denkmalschutz entlassen und können so konstruiert werden, dass z. B. das tragende Fachwerk etc. über der Gleisebene liegt oder aber sie sind weit genug vom Tunnel entfernt, um die Gradienten der Trasse von einer Brücke auf den Tunnel hin anpassen zu können, ohne eine super Berg- und Talbahn zu bauen.
- Alle weiteren Tunnel könnten dann mehr oder weniger frei an die Fahrleitung - ggf. Deckenschiene - und an den vergrößerten Gleismittenabstand angepasst werden.

Das sind freilich erstmal nur Gedankenspiele, ohne dass ich die näheren technischen Gegebenheiten der Brücken, Tunnel sowie der Trasse kenne. Das müssen tatsächlich die Experten bewerten. Aber es ging mir ja oben primär darum, was eine konstruktive Veränderung in den Denkmalschutzabsichten an dieser Strecke in puncto Flexibilisierung bringen könnte.

Gruß
Die Ferkeltaxe
Zitat
HansL
...

Zu den Brücken: Denkmalschutz ist gerade da sehr teuer. Da gibt es Stimmen, die behaupten, die Bahn hätte sie bewusst verrotten lassen. Um dann statt einer Sanierung und eines Umbaus gleich einen Abriss und Neubau für alle Brücken durchsetzen zu können.
Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber falls ja, hätten die Einwände des Denkmalschutzes durchaus Berechtigung.


Ich denke, hier haben wir wiedermal die Katze, die sich in den Schwanz beißt. Für mich sieht es so aus, dass die Bahn Entscheidungen und Veränderungen bzgl. des Denkmalstatusses der Ingenieurbauten an der Strecke - viel zu lange - erhofft und erwartet hat. Denn ohne Planungssicherheit geht man in keine Bauprojekte. Man bekäme diese auch nicht querfinanziert. Doch solche Entscheidungen blieb insbesondere die Politik bislang schuldig, doch die muss sie treffen bzw. zumindest initiieren. Aber wer fasst solche heißen Eisen noch an? Das könnte Stimmen kosten... Außerdem ist Verdrängen oder Aussitzen vielleicht der bequemere Weg? (Nur eine Vermututng...) Und nun sind keine neuen Brücken gebaut oder wenigstens die wichtigsten durchsaniert und die alten sind 'durch'. In der öffentlichen Wahrnehmung hat wieder die Bahn gepatzt. Natürlich kann es auch sein, die Bahn hat am Verrotten der Brücken einen eigenen Anteil, der Absicht heißt. Du schreibst es oben. Aber würde Bahn auch darauf hinarbeiten, dass eine wichtige Strecke unter Betrieb quasi 'über Nacht' aus Gründen der Sicherheit komplett stillgelegt werden muss? Die meiste Arbeit dadurch hat doch die Bahn selbst: Umleitungen und SEV organisieren, Ausfälle kommunizieren, Einnahmeeinbußen hinnehmen usw. Ich weiß nicht recht...

Aber sehr richtig hast Du bemerkt, dass es ausreichen könnte, wenn mindestens eine der Brücken soweit als möglich erhalten bliebe. Das ist aber eine Abwägung, die erst im Rahmen der Planfeststellung getroffen wird. Dazu wird man einen Kompromiss finden.

Diese Abwägungen und Entscheidungen müssen aber mit der Vorplanung getroffen werden und bereits mit in die Entwurfsplanung einfließen. Denn in der anschließenden Genehmigungsplanung, die zur Planfeststellung beim EBA eingereicht wird, sind sie bereits fix und fixiert. Während der Planfeststellung kämen sie absolut zu spät.

...

Ein Rundumschlag gegen Denkmalschutz und auch gegen Artenschutz ist jedenfalls unangemessen. ...

Das sehe ich genauso! Es würde auch komplett nach hinten losgehen. Zu Recht.

Gruß
Die Ferkeltaxe
an Ferkeltaxe

Prizipiell wäre wohl die beste Methode, wenn da wo man eine Brücke mit alter Tiefe (Bauhöhe) erhalten kann, auch die Tunnel nach oben erweitert werden, weil dann würde der Gesamteindruck dieser Stelle erhalten bleiben. Axel25 hat neulich in einer PM mal erwähnt, das wohl schon mal Änderungen an denkmalgeschützten Tunneln erlaubt wurden, bei denen die Portale quasi masstäblich vergrößert wurden um Oberleitungen zu erlauben. Wenn man das auch beim bayrischen Denkmalschutz durchbekäme, dann wäre ggf ein Ensemble Tunnel - Brücke - Tunnel in Originaleindruck erhaltbar, während man den Rest einfacher und kostengünstieger anpasst.

Vorteilhaft wäre natürlich, wenn es sich dabei um zwei besonders kurze Tunnel, und eine Brücke ohne Straße drunter handeln würde, aber ich muss tatsächlich gestehen, dass ich jetzt auswendig nicht sagen könnte, wo dafür ggf eine geeigente Stelle sein könnte, ich kann aber ggf die Tage mal schauen, welche Brücke und welche Tunnel dafür vielleicht in Frage kämen.

Die Frage ist aber halt, wie kompromisbereit man ist. Zumindest bezüglich der Brückenbauverhinderungsinitiative soll man wohl sehr stur gewesen sein, es soll wohl von der Bahn Kompromissvorschläge gegeben haben, die Neubaubrücken im historisierenden Stil verkleidet hätten und rundweg abgelehnt worden sein sollen. Nun sollte man allerings bei der Brückenverhinderungsinitiative auch nicht ahnnehmen, dass die ein Interesse an der Durchführung von Bahnbetrieb haben, wie gesagt, hier ist meine intensive Hoffnung, dass das EBA da eine andere für die Kunden bessere Interessenslage hat, weil sonst ist letzlich alles für die Katz. Und zumindest mit der Zeitungsmeldung von neulich hat sich der Denkmalschutz ja auch nicht mit Rum bekleckert, wenn der Denkmalschutz mal so eben rausposaunt, das ihm die Benutzbarkeit der Eisenbahn erstmal egal ist, hauptsache seine Belange sind berücksichtigt. Da wirkt der Denkmalschutz ebenso stur wie das, was ich über die Brückenverhinderungsinitiative gehört habe.

Wahrscheinlich wird es da auch ein gewisses Intervenieren des Ministerpräsidenten brauchen, Denkmalschutz ist ja Ländersache, und da könnte Söder mal zeigen, das die Verkehrswende in Bayern nicht nur Lippenbekenntnis ist, sondern wirklich auch gelebt werden soll, dann könnte ich mir ein Einlenken des Denkmalschutzes zugunsten einer Lösung wie von dir skiziert schon vorstellen. Letzlich bleibt es eine schwierige Gemengelage zumal ja als finales Damoklesschwert dann immer noch die Baubarkeit steht. Wenn der Fels zu mürbe ist, um die Widerlager zu erneueren oder Tunnel mit größeren Durchmesser aufzufahren, dann kippt auch die Minimaldenkmalschutzlösung (so nenne ich die jetzt einfach mal) immer noch.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Alles ist wie immer, nur schlimmer... (Bernd das Brot)
Zitat
Daniel Vielberth
...

... Prizipiell wäre wohl die beste Methode, wenn da wo man eine Brücke mit alter Tiefe (Bauhöhe) erhalten kann, auch die Tunnel nach oben erweitert werden, weil dann würde der Gesamteindruck dieser Stelle erhalten bleiben.

Natürlich. Das wäre bestens. Sofern es eben an wenigstens einer Stelle im Streckenverlauf machbar ist.

Axel25 hat neulich in einer PM mal erwähnt, das wohl schon mal Änderungen an denkmalgeschützten Tunneln erlaubt wurden, bei denen die Portale quasi masstäblich vergrößert wurden um Oberleitungen zu erlauben. Wenn man das auch beim bayrischen Denkmalschutz durchbekäme, dann wäre ggf ein Ensemble Tunnel - Brücke - Tunnel in Originaleindruck erhaltbar, während man den Rest einfacher und kostengünstieger anpasst.

Aufgrund der Topografie und der Struktur der Strecke wird es jedoch viel eher um das umgekehrte Verhälnis gehen: Brücke - Tunnel - Brücke. Muss man sehen, wenn die Abwägungen getroffen und Grobkonzepte behandelt werden.

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Wahrscheinlich wird es da auch ein gewisses Intervenieren des Ministerpräsidenten brauchen, Denkmalschutz ist ja Ländersache, und da könnte Söder mal zeigen, das die Verkehrswende in Bayern nicht nur Lippenbekenntnis ist, sondern wirklich auch gelebt werden soll, dann könnte ich mir ein Einlenken des Denkmalschutzes zugunsten einer Lösung wie von dir skiziert schon vorstellen. ...

Genau das ist es, was seit Langem viel zu wenig zu verspüren ist oder gar komplett fehlt: klare Ansagen oder auch verbindliche Richtungsvorgaben seitens der Politik. (Woraus wiederum auch Klärungen und belastbare Festlegungen zur jeweiligen Finanzierung folgen müssen.) Solange es die nicht gibt, legt jede Beteiligte möglichst ihre - rechtmäßigen - Prämissen erstmal auf das Maximale aus. Wenn die Politik dann keine Farbe bekennt, wohin es tatsächlich gehen soll, bleibt ein ewiges Hüh und Hot. Und ich gehe stark davon aus, dass wir mit dem aktuellen Zustand und der Sperrung der Strecke die Quittung auch dafür bekommen haben.

Übrigens sehe ich neben Hr. Söder durchaus auch den BVM, Herrn Schnieder, hier in der Pflicht. Stichwort TEN und europäische Dimension. Dazu muss man aber sicher speziell den BVM auch richtig in die Pflicht nehmen, ihn an den Ball bringen. Wie weit das bisher geschehen sein könnte, weiß ich allerdings leider nicht...

Gruß
Die Ferkeltaxe
Zitat
Ferkeltaxe

Übrigens sehe ich neben Hr. Söder durchaus auch den BVM, Herrn Schnieder, hier in der Pflicht. Stichwort TEN und europäische Dimension. Dazu muss man aber sicher speziell den BVM auch richtig in die Pflicht nehmen, ihn an den Ball bringen. Wie weit das bisher geschehen sein könnte, weiß ich allerdings leider nicht...

Eine TEN-Verbindung Nürnberg - Prag wäre im Oberen Pegnitztal eher seltsam.
Prag liegt im Osten, die Strecke führt nach Norden.
Zitat
Ferkeltaxe

Wahrscheinlich wird es da auch ein gewisses Intervenieren des Ministerpräsidenten brauchen, Denkmalschutz ist ja Ländersache, und da könnte Söder mal zeigen, das die Verkehrswende in Bayern nicht nur Lippenbekenntnis ist, sondern wirklich auch gelebt werden soll, dann könnte ich mir ein Einlenken des Denkmalschutzes zugunsten einer Lösung wie von dir skiziert schon vorstellen.
Genau das ist es, was seit Langem viel zu wenig zu verspüren ist oder gar komplett fehlt: klare Ansagen oder auch verbindliche Richtungsvorgaben seitens der Politik. (Woraus wiederum auch Klärungen und belastbare Festlegungen zur jeweiligen Finanzierung folgen müssen.) Solange es die nicht gibt, legt jede Beteiligte möglichst ihre - rechtmäßigen - Prämissen erstmal auf das Maximale aus. Wenn die Politik dann keine Farbe bekennt, wohin es tatsächlich gehen soll, bleibt ein ewiges Hüh und Hot. Und ich gehe stark davon aus, dass wir mit dem aktuellen Zustand und der Sperrung der Strecke die Quittung auch dafür bekommen haben.

Übrigens sehe ich neben Hr. Söder durchaus auch den BVM, Herrn Schnieder, hier in der Pflicht. Stichwort TEN und europäische Dimension. Dazu muss man aber sicher speziell den BVM auch richtig in die Pflicht nehmen, ihn an den Ball bringen. Wie weit das bisher geschehen sein könnte, weiß ich allerdings leider nicht...

Genau darum geht es: Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen, um an dieser komplizierten Problemstelle im Netz zu einer guten Lösung zu kommen. Der Denkmalschutz hat völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass es schützenswerte Teile der Strecke gibt. Aber das heißt nicht, dass da nichts verändert werden dürfte. Drei der schützenswerten Stahlbrücken wurden ja auch bereits ersetzt. Und wenn es zum Ausbau kommt, hat sicher der Denkmalschutz bei den Planungsschritten ein Wörtchen mitzureden, und dann wird man bei der Planfeststellung einen tragbaren Kompromiss finden.

Das alles ist nicht das tatsächliche Problem. Das Problem ist, dass man bisher noch nicht mal das Geld für eine vertiefte Planung zur Verfügung gestellt hat. Im Gegenteil: Planungsstopp. Da braucht es jetzt klare Entscheidungen: Man will diese Strecke ertüchtigen. Es ist klar, die Zeit drängt.

Mit den aktuellen Problemen hat das alles aber nur wenig zu tun. Die Probleme mit möglichen Hohlräumen unter der Trasse und vor allem unter den Brückenköpfen hat man wohl tatsächlich erst in letzter Zeit erkannt. Und es hat offensichtlich gedauert, bis diesen Wissen nach oben gedrungen ist. Jetzt muss erst mal gründlich untersucht werden, was tatsächlich Sache ist und vorsorglich sind Lösungsalternativen zu entwickeln.

Die Diskussion hier bewegt sich durchaus in die richtige Richtung. Nicht hilfreich waren zu Beginn mehrfach derartigeForderungen, die zum Teil noch viel weiter gingen:

Zitat
Daniel Vielberth
Eigentlich wäre es ja zweckmäßig, wenn die Bahn den Denkmalschutz der Brücken generell anfechtet, hat man das bislang schon, gibt es ein laufendes Verfahren dazu, oder hat man das bislang versäumt?

Und das auch noch garniert mit einem Beitrag, wo man nicht weiß, ob das ein blöder Witz sein soll oder ernst gemeint ist:
Zitat
Daniel Vielberth
Wenn ich die frühere Seite Feldhamsterverleih.de richtig in Erinnerung habe, braucht man dafür doch gar keine echten Tiere mehr, sondern nur Tonbahnaufnahmen mit dem passendes Geräusch des Bauverhinderungstiers... ;-)

Dass so etwas ernst gemeint sein könnte:

Zitat
Axel25
Zitat
HansL
Ein Rundumschlag gegen Denkmalschutz und auch gegen Artenschutz ist jedenfalls unangemessen. Und die Story mit dem Feldhamsterverleih ist keine Satire, sondern billige Polemik. Die auch noch Manche für bare Münze halten.

Die Story war von Daniel extra als solche gekennzeichnet worden. Und es gab wohl leider tatsächlich Fälle, in denen Umweltschützer so vorgegangen sind.

Ich selber halte eine Einschränkung des Denkmalschutzes für grundsätzlich gerechtfertigt. Es darf nicht sein, dass ein x-beliebiger Mitarbeiter einer kommunalen Verwaltung dadurch ein Projekt, dass eine ganze Region betrifft (oder mehr), stört oder aufhält. Und hier geht es noch nicht mal um Neubau, sondern um kurzfristige Sicherung der Strecke für ihren eigentlichen Zweck: Bahnverkehr.

Da wird aus einem blöden Witz tatsächlich ein Fake gemacht. Oder gibt es Belege, dass es auch nur einen Fall gegeben hätte, wo anerkannte Umweltschützer so agiert hätten? Und vielleicht nicht nur irgendwelche Spinner, die nur Stimmung machen können, aber ansonsten keinen Einfluss haben auf das Verfahren und keinerlei Möglichkeit, eine Klage einzureichen. Wo bleibt da der Faktencheck?
Was da über Mitarbeiter irgendwelcher Verwaltungen behauptet wird, ist ehrenrührig. So sollte man nicht diskutieren.
Und wer so diskutiert, muss sich schon Kontra gefallen lassen und braucht nicht beleidigt zu reagieren, wenn er merkt, das er sich selbst der Lächerlichkeit preisgibt.

Aber schön, mittlerweile werden die Fragen hier ja doch wieder mit angemessenem Ernst diskutiert.
Zitat
StefanK
Zitat
Ferkeltaxe

Übrigens sehe ich neben Hr. Söder durchaus auch den BVM, Herrn Schnieder, hier in der Pflicht. Stichwort TEN und europäische Dimension. Dazu muss man aber sicher speziell den BVM auch richtig in die Pflicht nehmen, ihn an den Ball bringen. Wie weit das bisher geschehen sein könnte, weiß ich allerdings leider nicht...

Eine TEN-Verbindung Nürnberg - Prag wäre im Oberen Pegnitztal eher seltsam.
Prag liegt im Osten, die Strecke führt nach Norden.

Mag ja sein, dass es bessere Lösungen geben könnte. Aber so wurde es festgelegt und mit internationalen Verträgen vereinbart. Genau da ist das BVM gefragt: Will man die Verträge einhalten oder etwas ändern? Bisher kommt da überhaupt nichts.
an StefanK

Naja momentan ist Cheb aber der Hauptgrenzübergang Bayern Tschechien. Der Güterverkehr geht komplett da drüber (Furth im Wald kriegt nur Sonderzüge, m. W.) die Elektrifizierung in Cz reicht bis Cheb, man hat mit der Egeltalline eine bedeutende Güterstrecke mit zahlreichen Großanliegern/ Güterkunden, und hat von Cheb mehrere Fahrwege nach Prag: Kopf machen in Cheb dann über Plzen (bietet sich wegen Lokwechsel eh an), Verbindungskurven oder Kopf machen bei Usti, mit Diesel ggf auch schon bei Chomotov raus über Žatec, im Notfall ging es selbst über das Kleigefuddel der Nebenbahnen bei Karlsbad hinten rum noch nach Prag über Bečov - Rakovník - Beroun (Kopf machen) - kurz: Cheb als Anschluss- und Übergabepunkt internationaler Züge hat schon seine Berechtigung, und die direkteste Zufahrt zu Cheb ist nunmal die Pegnitztalstrecke. Von daher hat die als (künftiger) TEN Korridor schon ihre Berechtigung.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Alles ist wie immer, nur schlimmer... (Bernd das Brot)
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