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Immer noch unbekannte Bahnstrecken
geschrieben von Daniel Vielberth 
Ich gehe jetzt mal nicht unbedingt Chronologisch vor, sondern springe in der Zeit gelegendlich. Während oben die Reichsbahn noch kein Problem im Kopfmachen in Nürnberg sah, bekann die Eisenbahn später doch ein Interesse daran, es anders zu machen - letztlich ist die heutige Schnellfahrstrecke über Allersberg und Kinding auch ein Resultat davon. Der Raum um Kornburg war aber auch mit anderen Bahnplanungen dacht worden, hier wieder Abschriften aus dem Stadtarchiv:

Zitat
Stadtarchiv Nürnberg (Signatur leider nicht notiert, wird nachgereicht)
Vertraulich
Anlage
zur Tagesordnung für Stadtratssitzung am 15. Dez. 1971
- nichtöffentlich -
die
Betreff: Führung einer S-Bahnlinie in das Entwicklungsgebiet Kornburg - Worzeldorf hier: Kreuzungsbauwerk mit dem Rhein-Main-Donau-Kanal
I. a) Sachverhalt

Das jetzt erreichte Stadium der Gebietsreform zeigt deutlich, daß von den nach Nürnberg einzugemeindenden Gebieten nur der Raum der Gemeinden Worzeldorf und Kornburg für eine großzügige Stadterweiterung geeignet ist. Hier ergibt sich die Möglichkeit, planmäßig einen neuen Stadtteil in der Größenordnung von Langwasser mit 50 000 - 60 000 Einwohnern zu entwickeln, auch wenn aufgrund der bisherigen Siedlungstätigkeit anzunehmen ist, daß der Anteil der Eigenheimbebauung größer als in Langwasser sein wird. Ein künftiger Stadtteil dieser Größe muß nach der generellen verkehrspolitischen Konzeption der Stadt Nürnberg unbedingt an das geplante Schnellbahnnetz angeschlossen werden. Dafür bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
1. Anschluß an das geplante U-Bahnnetz
2. Anschluß an das geplante S-Bahnnetz
Zu 1.: Für einen Anschluß an das U-Bahnnetz kommt eine Abzweigung von der U-Bahnlinie 3 in Betracht, die im Zuge der Gibitzenhofstraße und über die Gartenstadt in Richtung Worzeldorf geführt werden könnte. Gegen diesen Planungsgedanken sprechen folgende Gesichtspunkte:

1. Die U-Bahnlinie 3 wird entsprechend den bisherigen Dispositionen nach Fertigstellung der U-Bahnlinie 2 gebaut werden, also voraussichtlich erst in etwa 30 Jahren betriebsbereit sein, während die Bebauung bis dahin mit Sicherheit nicht aufgehalten werden kann.
2. Die beschriebene U-Bahnlinie würde weitgehend durch heute noch bestehende und für die Naherholung wichtige Waldgebiete führen, deren Umwandlung in Bauland dann nicht mehr aufzuhalten wäre.


Zu 2.: Für einen Anschluß an das S-Bahnnetz steht die bestehende Bahnlinie nach Schwabach, die in eine S-Bahnlinie umgewandelt werden soll, bereits jetzt zur Verfügung. Die neue Strecke würde von der Hauptlinie zwischen den Bahnhöfen Eibach und Reichelsdorf abzweigen, das Hafenindustriegebiet Süd auf der Südseite umgehen und zwischen Königshof und Weiherhaus das Entwicklungsgebiet Worzeldorf/Kornburg erreichen. Für diesen Planungsgedanken sprechen folgende Gesichtspunkte:
1. Die Bahnlinie nach Schwabach steht für den S-Bahnbetrieb zur Verfügung, sobald die neue Fernstrecke Fischbach - Roth in Betrieb genommen ist. Die abzweigende Strecke kann also etwa gleichzeitig mit dem Aufbau des Entwicklungsgebietes angelegt und in Betrieb genommen werden.
2. Die abzweigende Strecke lehnt sich an die ohnehin erforderliche Gleiserschließungstrasse für das Hafenindustriegebiet Süd an und durchquert dann nur einen schmalen Waldstreifen, so daß eine zusätzliche Beeinträchtigung von Waldflächen nicht zu befürchten ist.
3. Die künftige S-Bahnlinie Nürnberg - Schwabach -Roth wird, gemessen an ihrer Leistungsfähigkeit, durch das Verkehrsaufkommen der vorhandenen Siedlungsgebiete noch nicht voll ausgenützt werden, so daß eine Abzweigung zur Erschließung eines Entwicklungsraumes eine wünschenswerte Verbesserung der Auslastung ergeben würde.
4. Infolge des größeren Bahnhofabstandes auf der S-Bahnlinie Nürnberg - Schwabach Roth ist mit einer kürzeren Reisezeit vom Entwicklungsraum zur Stadtmitte zu rechnen als bei einer U-Bahnlinie.
Die aufgeführten Gesichtspunkte sprechen dafür, den Entwicklungsraum Worzeldorf/Kornburg über eine Abzweigung von der geplanten S-Bahn Nürnberg -Schwabach zu erschließen. Die Bundesbahndirektion Nürnberg steht auch auf dem Standpunkt, daß Veranlassung besteht, "auf weite Zukunft gesehen die Möglichkeit eines schienengebundenen Nahverkehrs-mittels offen zu halten". Daß diese Möglichkeit nicht verbaut wird, muß von der Stadt Nürnberg in ihrem eigenen Interesse vertreten werden.

Die Planung einer S-Bahnlinie in das Entwicklungs-gebiet Worzeldorf/Kornhurg ist jetzt in ein akutes Stadium getreten, da die in Betracht gezogene Trasse vom geplanten Europakanal gekreuzt wird, für dessen Bau z. Zt. ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird. In diesem Planfeststellungsverfahren wurde seitens der Verwaltung vor-sorglich auf die Notwendigkeit der Einplanung des Kreuzungsbauwerkes hingewiesen. Um diesen Planungsgedanken weiter vertreten zu können, bedarf es eines Beschlusses des Stadtrates. Für die weitere Verfolgung des Planungsgedankens sind folgende Schritte erforderlich:
1. Generelle Festlegung der künftigen Siedlungs-kapazität des Raumes Worzeldorf/Kornburg
2. Generelles Vorprojekt für eine S-Bahn-Abzweigung Eibach - Worzeldorf
3. Entwurf eines Kreuzungsbauwerkes durch das Wasser-und Schiffahrtsamt
4. Klärung der Vorfinanzierung des nach dem Kreuzungsgesetz nicht von der RMD zu tragenden Anteils an den Baukosten.
Sobald detaillierte Ergebnisse der vorgesehenen Bearbeitungsschritte vorliegen, wird dem Stadtrat erneut berichtet werden.
b) Beschlußvorschlag
Der Stadtrat beschließt, daß das Gebiet der Gemeinden Worzeldorf und Kornburg als Entwicklungsraum zu betrachten ist. Um diesen Entwicklungsraum an das für Nürnberg geplante Schnellbahnsystem anzuschließen, ist eine Abzweigung von der künftigen S-Bahnlinie Nürnberg - Schwabach erforderlich. Bei dem z. Zt. laufenden Planfeststellungsverfahren für den Europakanal, Haltung Nürnberg Süd ist daher die Möglichkeit eines Bauwerkes für die Kreuzung mit einer S-Bahnlinie Eibach - Worzeldorf zu sichern.
Zur Ermittlung der planerischen und finanziellen Auswirkungen wird die Verwaltung beauftragt, umgehend ein Vorprojekt für eine S-Bahn-Abzweigung Eibach - Worzeldorf ausarbeiten zu lassen.
[...]

Zum einen finden wir selbst hier immer noch die Idee, von der Neumarkter Strecke südlich um Nürnberg zur Treuchtlinger Strecke zu fahren siehe der Verweis auf "Fernstrecke Fischbach - Roth". Auch immer noch aktuell, vgl die ganz alte Lage des ICE-Werks bei Fischbach ist, was unter 1.2 gesagt wird: "[...] würde weitgehend durch heute noch bestehende und für die Naherholung wichtige Waldgebiete führen, deren Umwandlung in Bauland dann nicht mehr aufzuhalten wäre." In als geheim klassifizierten Schreiben gab man solche Punkte zu, interessant...

Jetzt entsteht wahrscheinlich die Frage: Ja wo denn genau, und was ist jeder Südhafen? Hier ist nun die Schwierigkeit, das abfotographierte Pläne aus dem Archiv nicht verwendet werden dürfen, ich werde also den Streckenentwurf incl der geplanten Hafengleise (Südbereich - nie gebaut) und Haltestellen erst in eine openmaps Karte übertragen müssen, das dauert noch etwas, aber bis dahin kann ja jeder mal im Kopf überlegen, wie die Strecke wohl ausgesehen hätte - ich gehe davon aus, das diese Planung den meisten hier noch unbekant sein düfte.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Alles ist wie immer, nur schlimmer... (Bernd das Brot)



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.01.2026 20:12 von Daniel Vielberth.
So Karte ist fertig, ich habe versucht, so exakt wie möglich, die Strecke zu übertragen, aber bitte zu bedenken, damals wäre die Strecke weit außerhalb Pillenreuths verlaufen, heute direkt an den Häusern:



Da man zuhehörige Straßenbahnplanung mit benötigt, habe ich diese größtenteils mit eingezeichnet. Jetzt bin ich gespannt, ob ihr diese Planungen schon kanntet, oder was ihr davon haltet? Ich persönlich finde es schade, ich hätte dieser S-Bahn echt etwas abgewinnen können, auch wenn ich nicht da lebe. Ein wenig verblüfft die stark abseitige Lage der S-Bahnhöfe zwischen Worzeldorf und Kornburg. Nochmal zur Erinnerung, ich habe es neulich schon erwähnt: Dies wäre Nürnberg erste rein innerstädtische S-Bahn geworden. Und mit dieser Strecke, wäre die S3 vielleicht besser gebaut worden - ohen die Eingleisgkeiten zwischen HBF und Eibach, die uns heute so in vielerei anderer Hinsicht immer noch stören.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
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1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.01.2026 21:28 von Daniel Vielberth.
Also doch eine S-Bahn-Planung die man mit "zweite innerstädtische Schnellbahn" umschreiben könnte. Aber in Zeiten in Nürnberg damals insgesamt abnehmender Bevölkerung "auf der grünen Wiese" eine halbe Großstadt neu hin stellen zu wollen zeugt halt auch vom Geist der 1970er. Das wäre heute vermutlich so nicht mehr denkbar... Und deswegen erübrigt sich glaube ich auch die Frage ob so etwas heute baubar wäre – für die derzeitige Bevölkerung ist es kaum zu rechtfertigen und Nachverdichtung wird wohl eher im Zentrum gefördert als in äußeren Randbezirken – trotz der Bebauung des "tiefen Feldes" im Zuge der U3-Verlängerung...

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Selbstverständlich sollten wir mehr Schienen bauen!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.01.2026 22:37 von Nukebro.
an Nukebro

aber etwas ganz anderes, als dein Beitrag mit dem S-Bahntunnel neulich. Die Frage, ob das heute so im Moment noch baubar wäre, habe ich auch bewusst nicht gestellt, weil das Thema ist unter den gegenwärtigen Politischen Verhältnissen durch. Wie sehr das Thema durch ist, sieht man daran, das hier: [www.nuernberg.de] die Strecke über Finkenbrunn - wir erinnern ins, 1971 noch als Alternative zur S-Bahn für die U-Bahn gehandelt (!) - noch nichtmal mehr für die Straßenbahn ausreichen würde, dort favoritisiert man die mir persönlich weniger zusagende Variante über Saarbrückener Straße. Wobei das natürlich immer nur gilt, wenn alles so bleibt wie es ist. Unser Staat ist jetzt in einem weitestgehenden Zustand der Handlungsunfähigkeit, wo er sogut wie kein Projekt mehr gegen die Bürger durchbekommt. Aber daraus folgt nicht, dass das in 50 Jahren immer noch so sein muss. Unter heutigen Verhältnissen ja, da wird man weder die Großsiedlung Wetzendorf noch die Worzeldorf/ Kornburg hochziehen. Aber Zeiten können sich ändern, Staaten auch.

Allerdings sollte dieses Thema kein Thema werden, was man davon heute noch umsetzen könnte, sondern überhaupt erstmal die Leute von diesen Planungen in Kenntnis setzen. Ich selbst habe davon vor weniger als einem Jahr zum ersten mal erfahren über das Stadtarchiv und habe den Eindruck, das diese Planungen kaum jemanden bekannt sind - vielleicht täusche ich mich, und jeder andere wusste davon und bloß ich nicht, aber das werde ich ja sehen, und in diese Richtung hätte ich die Diskussion lieber weiter geführt.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
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Zitat
Manfred Erlg
Und den US Army Map Service kann ich auch schlecht fragen.
So weit ich weiß gilt im US Copyright dass was Angestellte der US Bundesregierung in ihrer Eigenschaft als solche erschaffen immer gemeinfrei ist. Zum Beispiel gilt das für die Aufnahmen der Hymnen bei Staatsempfängen welche ja eine Band der US Streitkräfte spielt...

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Hi Daniel,

auf jedenfall mega interessant, was da im Jahr 1971 geplant war.
Danke dass du uns hier darüber informiert hast!

Natürlich war das eine andere Zeit als heute, 55(!) Jahre später.
@Daniel wenn es sonst noch ehemalige S-Bahn Planungen gegeben hat würde mich das auf jeden Fall interessieren! Ich glaube nämlich schon, dass in den 1970er Jahren mehr in Nürnberg und unmittelbar angrenzend als S-Bahn geplant war als heute vorhanden. Dafür wäre man wahrscheinlich über Strecken wie die nach Crailsheim in ihrer heutigen Länge etwas überrascht...

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an Mezzo

Gerne, wie gesagt, ich fand es ja selbst mega spannend, aber ich wollte den passenden zeitpunkt abwarten, wann ich die Infos teile.

an Nukebro

Keine Sorge, wenn mir weitere Strecken unterkommen werde ich davon berichten. Wobei meist findet man solche Sachen als Zufallstreffer, wenn man eigentlich was ganz anderes sucht. Tatsächlich ist dies aber nach meinem Stand die einzige Neubaustrecke, die rein als S-Bahn geplant war, Pläne für andere Strecken gab es reichlich, z.B. eine Bahnstrecke vom Bf Großmarkt über Doos auf die zu reaktivierende Strecke der Ludwigs Südnordbahn nach Großgründlach, ich habe auch schon Pläne für Empfangsgebaude für Reisende entlang der Nördlichen Ringbahn u.ä gefunden, nicht zu vergessen 37 Gleisige Abstellbahnhöfe in Großmarkt (der in Nürnberg Westbahnhof umbenannt werden solte) oder 32 Gleise für Eibach, allerdings datieren die alle vor die S-Bahn. Ja es gab da noch diese Schnellbahnplanungen der dritten Reichs, wo nicht genau klar ist, ob wir es mit einer S-Bahn im Berliner Sinne oder einer U-Bahn zu tun haben, davon war in einer Ausgabe der Straßaboh mal zu lesen, aber da ist die Datenlage echt dünn.

Für die eigentliche S-Bahn im heutigen Sinne gilt im wesentlichen, das die meisten stadtnahen Nebenbahnen schon mal damit beplant wurden, also z.B Rangaubahn, Langenzenner Strecke sogar die Bibertbahn zumindest noch bis Großhabersdorf ist in frühen Entwürfen des VGN-Netzes (speziell in den Abstimmungsentwürfen zur Zonengestaltung zwischen städtischen Verkehrsbetrieb und DB) von beiden (!) Unternehmen als Verbundlinie (wobei das nicht zwischnd eine S-Bahn sein muss) eingezeichnet worden, so als ob noch keiner gewusst hätte, das man die vorher noch schnell sterben lassen wird.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
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Interessant, was du da alles ausgräbst.
Zitat
Daniel Vielberth
Zum einen finden wir selbst hier immer noch die Idee, von der Neumarkter Strecke südlich um Nürnberg zur Treuchtlinger Strecke zu fahren siehe der Verweis auf "Fernstrecke Fischbach - Roth". Auch immer noch aktuell, vgl die ganz alte Lage des ICE-Werks bei Fischbach ist, was unter 1.2 gesagt wird: "[...] würde weitgehend durch heute noch bestehende und für die Naherholung wichtige Waldgebiete führen, deren Umwandlung in Bauland dann nicht mehr aufzuhalten wäre." In als geheim klassifizierten Schreiben gab man solche Punkte zu, interessant...
Geheim ist übertrieben, es war halt eine nicht öffentliche Sitzung. Bei Stadtentwicklung dieses Umfangs sehr sinnvoll, damit sich nicht jemand ein paar Hektar Flächen für einen Apfel und ein Ei unter den Nagel reisst, bevor die Stadt ein Vorkaufsrecht eingetragen hat. Das ist ja öfter passiert, dass ein Schwager vom Stadtrat/Gemeinderat "plötzlich" in landwirtschaftliche Grundstücke weit abseits des eigenen Hofs investiert hat...
an frankentux

Naja übertrieben nicht, oben auf der Sitzungsverlage prangt der Stempel geheim, zumindest zum Zeitpunkt der Sitzung wollte man noch nicht, das was an die Öffentlichkeit dringt.

Gruß D. Vielberth
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verschoben



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 04.01.2026 13:30 von LaurenzBo.
>> Nein. Die drei auf dem Stadtplan eingezeichneten Lager liegen nördlich der heutigen Liegnitzer bzw. Löwenberger Straße, wie man unschwer an der Lage des Bahnhofs Fischbach und der Anschlussstelle an der Regensburger Straße erkennen kann.

Genau. Nördlich der Liegnitzer.
Nett finde ich auf der alten Karte die Nachbarschaft der Julius-Streicher-Siedlung zur Gemarkung Teufelsbackofen. Meine Eltern haben nach Kriegsende seine Schwester kennengelernt, die über ihn urteilte: "Er war ein Schwein". Wohl wahr, der ehemalige Volksschullehrer war so korrupt und übergriffig, dass ihn sogar die Reichsparteiführung 1940 aus den Parteiämtern entfernte und auf den Pleikershof zwischen Weinzierlein und Cadolzburg verbannte. Durch Intervention des GröFaz (Größter Führer aller Zeiten) durfte er den Titel Gauleiter Franken aber weiter tragen.
Bemerkenswert ist, dass er bereits vor dem 9. November 1938 den Abriß der Nürnberger Synagoge am Heilig-Geist-Spital erzwang, und schon davor systematisch Immobilien aus jüdischem Besitz auf seinen Gau Franken durch Erpressung für ein Zehntel des Realwerts erzwang - eine grob widerrechtliche Praxis, die die Grundbuchbehörden trotz eindeutiger Rechtswidrigkeit (der Gau Franken war keine rechtsfähige juristische Person) auch in Kenntnis der Umstände absegneten. Soviel zu deutscher Behördentradition.
Wer Englisch kann, dem seien die Podcast-Folgen von "behind the bastards" über Streicher empfohlen...

Behind the Bastards: Part One: Julius Streicher: The Other Hitler

Webseite der Episode: [omny.fm]

Mediendatei: [podtrac.com]

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