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Rollbahnbrücke in Lauf an der Pegnitz
geschrieben von laufer 
Hallo zusammen,

Ich hatte vor einiger Zeit mal die Rollbahnbrücke der Firma Bankel in Lauf angesprochen. Eine Internetsuche brachte nichts, aber in der Stadtbücherei wurde ich fündig:

Ein verlorenes Denkmal der industriellen Entwicklung: Die Rollbahnbrücke

Heute erinnert nichts mehr an die aufwändige Anlage der Rollbahnbrücke, die noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts das Pegnitztal östlich der Altstadt beherrschte und eindrucksvoll von der Industrialisierung der Stadt kündete. Sie war nie als öffentlicher Personenübergang gedacht, sondern diente ausschließlich privaten, gewerblichen Zwecken. Würde sie heute noch bestehen, sie wäre sicherlich ein schützenswertes Industriedenkmal.

Der Hafnermeister Georg Bankel hatte 1889 östlich der späteren Meißenbachstraße eine Kachelofen- und Wandplattenfabrik gegründet, die sich sehr schnell zum ersten leistungsfähigen Industriebetrieb der Stadt entwickeln sollte. Zu diesem Werk gehörte auch ein Lagerplatz jenseits des Flusses, zwischen Weigmann- und Eichenhainstraße in der Nähe der Bahnlagen der Station links der Pegnitz. Zwischen Werk und Lager entstand 1895 eine bescheidene „Privatbrücke" aus Holz als Verbindung über die Pegnitz. Ein Jahr später beantragte Bankel einen Gleisanschluss zum Lager, um Waren ohne große Transportschwierigkeiten über den Schienenweg der Ostbahn beziehen und verschicken zu können. Doch seine Idee ging noch weiter: Im gleichen Jahr äußerte er in einer Eingabe an den Stadtmagistrat die Absicht, seine Fabrik auf der rechten Uferseite durch eine Rollbahnbrücke mit dem Lagerplatz und damit auch mit dem Gleisanschluss am Bahnhof links der Pegnitz zu verknüpfen. 1897 erteilten die Stadt und das Bezirksamt Hersbruck die Baugenehmigung, allerdings mit der Auflage, dass die Heuabfuhr der Wiesenbesitzer in diesem Bereich, der Verkehr auf dem Weg nach Ottensoos, der Viehtrieb im Eichenhain und der Abfluss im Falle eines Hochwassers nicht beeinträchtigt werden dürften.



Detail der Brückenkonstraktion im Bereich der Flussüberquerung. Aufriss und Grundriss aus dem Konstruktionsplan von 1901 (Stadtarchiv Lauf)



Die Gestaltung der Rollbahn in Form eines aufgeschütteten Dammes war damit ausgeschlossen, vielmehr wurde der bereits bestehende Steg erhöht und mit Auffahrrampen versehen. Planung und Ausführung lag in Händen der Laufer Baufirma Schätz.

Die Rollbahn führte östlich der Meißenbachstraße auf Holzpfeilern über das Flusstal und mündete südlich der Pegnitz in den Lagerplatz ein. Die Brücke hatte eine Länge von 194,6 m und eine Breite von 3 m. Die Spurweite des Rollbahngleises betrug 0,80 m. Auf der Anlage, die weit und breit einzigartig war, wurden Wagen mit 40 bis 50 Liter Fassungsvermögen mit der Zugkraft von Ochsen oder Pferden bewegt. Das Gefälle vom rechten zum linken Betriebsgelände betrug 1,4 %. Anfänglich war der Rollbahnverkehr vorwiegend für den Transport von Rundholz, Säge- und Holzprodukten vorgesehen, da zum Bankelschen Fabrikgelände auch ein Sägewerk gehörte.



Bereits fünf Jahre später ließ die Firma auch diese zweite Brücke wieder abbrechen und durch eine neue, weitaus stattlichere ersetzen. Das Gefälle des alten Steges hatte sich als zu gefährlich erwiesen. So entstand nun auf 61 bis zu 9 m hohen Holzstützen mehrere Meter westlich der bisherigen Strecke eine 420 m lange zweigleisige Anlage ohne nennenswertes Gefälle. Vier Gleisanschlüsse führten aus den Werksgebäuden und vereinigten sich zur doppelgleisigen Rollbahnüberfahrt mit einer Spurweite von je 0,65 m. Die neuen Rollwagen erlaubten ein Ladegewicht bis zu 1200 kg für Kohlen- und Warentransport. Die Brückenüberfahrt führte ohne Kurve in Südostrichtung über den Talgrund und war so angelegt, dass sämtliche Stützen mit ihren Steinfundamenten auf Grundstücken errichtet werden konnten, die sich im Eigenbesitz der Firma Bankel befanden. Das Brückenbauwerk überquerte sowohl die Kreuzgasse wie die Eichenhainstraße und schloss nun ebenerdig an den Lagerplatz links der Pegnitz an. Hier hatte Georg Bankel 1904 einen zweiten Betrieb für die Wandplatten¬fabrikation errichten lassen. Die Rollbahngleise endeten in zwei Hallen, die das Aus- und Umladen der Loren auf Güterwagen ermöglichten. Eine werkseigene Dampflokomotive schob die Wagen auf eine Drehscheibe, die den Werksanschluss zur Ostbahn herstellte.



Im Bereich des Bahnhofs links der Pegnitz konnten die Waggons den Güterzügen beigestellt werden. Das geniale und weithin einzigartige Projekt der Rollbahn verknüpfte somit drei Bereiche: Die Ofenfabrik rechts der Pegnitz, die Wandplattenfabrik auf dem linken Flussufer und den Bahnanschluss links der Pegnitz. Der aufblühende Betrieb, der damals 500 Arbeiter beschäftigte und als größte Ofenfabrik Süddeutschlands galt, besaß in der „Bankel's-Brücke" ein vielbeachtetes Symbol seiner Modernität und Leistungsfähigkeit. An Sonn- und Feiertagen, wenn der Betrieb ruhte, bemächtigten sich die abenteuerlustigen Buben aus den nahen Arbeiterwohnhäusern - natürlich unerlaubt - der Rollwagen und fuhren auf der Brücke umher, bis es der Aufseher bemerkte und sie schleunigst Reißaus nehmen mussten. Als besonders wagemutig galt dabei der Abstieg über das hölzerne Brückengeländer und die Stützstreben hinunter in den Wiesengrund. Im Weltkrieg brachte Georg Bankel, ein begeisterter Anhänger des Schießsports und Ehrenschützenmeister der Privilegierten Schützengesellschaft Lauf, seine Böllerkanone auf der Brücke in Stellung und verkündete der ganzen Stadt „in patriotischer Gesinnung" die von der Front eingehenden Siegesmeldungen.

1921 wurde der damals größte Laufer Industriebetrieb unter den Söhnen Georg Bankeis in zwei selbständige Unternehmen aufgeteilt: Georg der Jüngere übernahm das ältere Werk I und widmete sich dort der Fabrikation von Wandplatten, Christof leitete das Werk II links der Pegnitz mit dem Schwerpunkt Heiz-und Kochanlagen. Nach anfänglichem Erfolg wurden die beiden Schwesterbetriebe von den Folgen der Weltwirtschaftskrise ereilt. Während die Firma Georg Bankel mit wechselndem Glück bis 1991 am traditionsreichen Standort in Lauf fortbestand, musste Christof Bankel 1931 Konkurs anmelden. Er verließ Lauf.

1934 erwarb die benachbarte Holzwarenfabrik Christof Döring das ehemalige Werksgelände auf dem linken Pegnitzufer. Die Rollbahnbrücke als Bindeglied zwischen den beiden Bankel-Betrieben hatte damit ihre Bedeutung verloren, sie wurde 1935 vollständig abgetragen.

Quelle: Stadt und Fluss: Lauf und die Pegnitz



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 05.01.2026 19:33 von laufer.
Hallo Laufer,

Sehr interessant, Danke für diesen Bericht

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Alles ist wie immer, nur schlimmer... (Bernd das Brot)
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