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Nulltarif im ÖPNV schön widerlegt
geschrieben von Daniel Vielberth 
Hallo allseits,

es ist zwar schon verlinkt, allerdings finde ich es durchaus mal diskussionswürdig, dort zwischen den Zeilen zu lesen. Diese Rede ist von dem Schrieb bezüglich der kostenlosen Cityzone: [ratsinfo.erlangen.de]

> In Kombination mit dem Parkraumkonzept Innenstadt wird u.a. das Ziel verfolgt, die Innenstadt vom Kfz-Verkehr zu entlasten, die Aufenthaltsqualität zu
> erhöhen und die Durchlässigkeit der Innenstadt zu verbessern, indem das Parken in den Parkierungsanlagen gebündelt und ein Umstieg auf den ÖPNV
> gefördert wird.

Hierzu schreibt man vorsichthalber gar nichts, offenbar ist vom Ziel, weniger Verkehr zu haben, nichts erreicht worden. Heißt, das die Ausgangsthese, den Nahverkehr geschenkt zu kriegen würde die die Leute aus den Autos holen, offenbar immer noch nicht stimmt. Das finde ich bemerkenswert insbesondere im Hinblick darauf, das ja auch anderswo der ÖPNV Angebotseitig in Vorleistung gehen soll, um dann die Nachfrage zu erzeugen, die das Angebot rechtfertigt. Ist hier scheinbar krachend gescheitert.

> Es konnte festgestellt werden, dass nur ein geringer Anteil der Fahrgäste tatsächlich die kostenlose Beförderung nutzt. [...] Der tatsächliche
> Nutzungsanteil des kostenlosen Innenstadtbereichs liegt bei 6 %. Die Ergebnisse der zweiten Befragungsiteration vom Juli 2025 bestätigen diese
> Ergebnisse.

Einerseits zum Glück, damit hat sich der Einnahmeausfall des ÖPNV in Grenzen gehalten, bzw die VU durch die Ausgleichszahlungen die ja vermutlich sich an angenommenen größeren Zahlen orientiert haben, mal eher zuviel als zuwenig Ausgleichzahlung bekommen. Andererseits, diese 6% müssen noch nichtmal echte Neukunden gewesen sein, sondern ggf auch die Leute, die vorher eben zu Fuß gingen, oder mit dem Bus bis Hst x fuhren, und dann liefen, jetzt aber den Umstieg innerhalb der Cityzone in Kauf nahmen, da die Weiterfahrt eh keine weiteren Kosten verursacht. In Kombination mit dem Satz

> Zu differenzieren ist die CityLinie (Linie 299), die von den Fahrgästen sehr gut angenommen wird

ergibt sich das Bild, das die Nutzer der Citylinie offenbar überwiegend Umsteiger sind, die sowieso ein Ticket hatten, und die Linie zwar ihre Fahrgäste aber eben auch keine Neukunden oder höchsten die besagten 6% Neukunden hat. Die vorhandenen Fahrgäste haben sich neu zwischen den Linien verteilt, aber es sind kaum neue Fahrgäste darunter.

Daraus würde ich mal eindeutig folgern, das jegliches Konzept Nahverkehr zum Nulltarif exakt zu den gleichen Ergebnissen führen würde, die Autofahrer bleiben im Auto und nur die Bestandkunden werden animiert, mehr und längerere Strecken im ÖPNV zurück zu legen und ggf öfters umzusteigen. Damit steht nicht mehr die Entlastung der Verbraucher im Vordergrund sondern eher das erzeugen einer künstlichen Mehrverkehrblase im ÖPNV größtenteils unnötiger Fahrten - ein so auch schon vom 9 Euroticket und vom Deutschlandticket bekannter Effekt. Fahrten zum Selbstzweck - in einer Zeit, in der Ressourcen geschohnt und eigentlich nur verbraucht werden sollte, was unbedingt verbraucht werden muss setzt man damit genau den falschen Anreiz. Es klingt ein wenig nach "Zuviel war nicht genug". Erlangen macht diesen Fehler jetzt rückgängig. Andere Städte fallen jetzt auf solche Heilsversprechen hoffenlich nicht mehr herein. Trotzdem sollte es nochmal klar benannt werden. Eben auch, weil gewisse Politische Kräfte immer noch ÖPNV zum Nulltarif fordern. Erlangen zeigt, was das bringt: nix erstrebenswertes.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Alles ist wie immer, nur schlimmer... (Bernd das Brot)
Naja als man die kostenlose Innenstadtzone geplant hat gab es das Deutschlandticket noch nicht. Aber generell kann man sagen: Verbesserung des Angebots ist eine bessere Investition als kostenlose Tickets...

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Selbstverständlich sollten wir mehr Schienen bauen!
Die kostenlose Cityzone in Erlangen war aus meiner Sicht zu klein, beziehungsweise Erlangen ist dafür zu klein und die passenden Parkhäuser/Parkplätze ungünstig gelegen. Vom Großparkplatz, den Arcaden und dem Parkhaus am Neuen Markt sind alle Ziele fußläufig erreichbar, dort brauche ich den Nahverkehr nicht. Wenn ich von Osten oder Süden in die Stadt fahre, fahre ich trotzdem durch die Stadt zum Parkhaus.

Das Problem mit den falsch gelegenen Parkplätzen wird erst die StUB ein Stück weit lösen durch die P&R-Parkhäuser/Parkplätze in Reutles, Häusling und am Europakanal. Wobei in dem System auch noch zwei Parkhäuser an der Freyeslebenstraße und am Ostast (Uttenreuth, östliches Ortsende) fehlen.

Zitat
Aus der Beschlussvorlage
Ein wesentlicher Faktor, der bei der Planung des
kostenlosen Innenstadtbereichs noch nicht absehbar war, ist die Umsetzung des Deutschlandtickets.
Letztere hat die Maßnahme stark unterlaufen, da in der ersten Befragungsiteration ca. 81 % der Fahrgäste eine Zeitkarte für mindestens einen Monat und ca. 64 % der Fahrgäste im Besitz eines Deutschlandtickets waren. Der tatsächliche Nutzungsanteil des kostenlosen Innenstadtbereichs liegt bei 6 %. Die Ergebnisse der zweiten Befragungsiteration vom Juli 2025 bestätigen diese Ergebnisse

Der springende Punkt dürfte das Deutschlandticket und andere Zeitfahrkarten sein. Viele haben welche, weil sie es eh zum Pendeln brauchen, als Schüler oder Studenten bekommen oder so wie ich aus "Faulheit", weil man damit ohne nachzudenken und die 25. App den Nahverkehr in anderen Städten/Regionen nutzen kann. Die Fahrgäste, die von außerhalb mit dem ÖPNV in die Stadt fahren, haben entweder bereits eine Fahrkarte (Tageskarte) oder fahren direkt zu einem Parkhaus ihrer Wahl in der Innenstadt.
an Axel25

> Der springende Punkt dürfte das Deutschlandticket und andere Zeitfahrkarten sein. Viele haben welche, weil sie es eh zum Pendeln brauchen, als Schüler
> oder Studenten bekommen oder so wie ich aus "Faulheit", weil man damit ohne nachzudenken und die 25. App den Nahverkehr in anderen Städten/
> Regionen nutzen kann.

Aber das heißt doch dann folgerichtig, das man über das Potential für man mit den D Ticket aktiviert hat hinaus dann keine Umsteiger mehr aktivieren kann*. Um beim D-Ticket könnte man strenggenommen die, die vorher Einzelkarten kauften, sich jetzt aber auf Monatskarten umstiegen auch noch rausrechnen, neben denen, deren Abo umgestellt wurde, die Abokunden waren und Abokunden blieben. Hierzu Zitat aus der Bilanz des VGN zum Deutschlandticket 2024: [www.vgn.de]

Zitat

ie Zuwächse im ÖPNV sind zum großen
Teil auf das Deutschlandticket zurück-
zuführen. Es konnten damit Neukunden
gewonnen werden, bislang jedoch weni-
ger als erwartet.
Vor allem nutzen Fahr-
gäste mit dem Ticket Busse und Bahnen
häufiger als zuvor, insbesondere in Ge-
bieten mit gutem Verkehrsangebot und
entsprechend nutzbaren Freizeitmög-
lichkeiten.

(Hervorhebungen durch mich)

Auch dort stellt man das konjunkurelle Strohfeuer fest, das die Leute zwar häufiger fahren, aber es immer die selben Leute wie zuvor sind, und kaum neue. Sowohl den bericht Erlangens aus auch den Bericht zum Deutschlandticket kann man in dieser Leseart verstehen. Und dann ist es ein starkes Signal, das kostenloser ÖPNV eben nicht der Problemlöser ist.

> Das Problem mit den falsch gelegenen Parkplätzen wird erst die StUB ein Stück weit lösen durch die P&R-Parkhäuser/Parkplätze in Reutles, Häusling und
> am Europakanal. Wobei in dem System auch noch zwei Parkhäuser an der Freyeslebenstraße und am Ostast (Uttenreuth, östliches Ortsende) fehlen.

Solche Anlagen finde ich generell begrüßenswert und den Punkt, die Autos weit vor der Stadt ab zu fangen, auch durchaus richtig. Dennoch muss man ja dann den Autofahrer nicht mit Nulltarif locken, wenn jeder andere Langstreckenfahrgast auch zahlen muss. Nulltarif selbst holt keinen aus dem Fahrzeug

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* Zumindest bei unveränderten Verkehrssystem. Die StuB wird vermutlich, fall sie denn kommt die 15% Fahrgastzuwach des Schienenbonus schon noch erreichen

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Alles ist wie immer, nur schlimmer... (Bernd das Brot)



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.04.2026 12:50 von Daniel Vielberth.
Ich denke auch, dass der kostenlose Bereich einfach zu klein ist, da brauche ich keinen Bus. Die Ringline kenne ich nur fast leer, da bin ich nur mal aus Neugierde mitgefahren oder wenn mich der Regen überrascht.
Allgemein:
1. wenn ich wirklich was zum transportieren habe,wofür ich meine das Auto zu benötigen, dann fahre ich auch damit bis zum Ziel
2. sonst reise ich persönlich gleich mit dem ÖPNV an, dann habe ich Zone 400 schon bezahlt
3. wer öfter in Erlangen und körperlich fit ist, hat ein Fahrrad, das ist in weiten Bereichen das schnellste Verkehrsmittel

P+R-Nutzer könnte man imo am ehesten damit anlocken, dass der Parkschein auch als Fahrkarte gilt. Quersubventioniert dürfte es sowieso werden.
Zitat
Daniel Vielberth
Aber das heißt doch dann folgerichtig, das man über das Potential für man mit den D Ticket aktiviert hat hinaus dann keine Umsteiger mehr aktivieren kann*.

* Zumindest bei unveränderten Verkehrssystem. Die StuB wird vermutlich, fall sie denn kommt die 15% Fahrgastzuwach des Schienenbonus schon noch erreichen

Ja, das schlussfolgere ich auch daraus. Aus meiner Sicht zeigt das Deutschlandticket eher den Bedarf nach einer einheitlichen Tarifstruktur als nach einem besonders günstigen ÖPNV-Ticket.
In den Metropolregionen war der ÖPNV vor Corona auch ohne Deutschlandticket stark ausgelastet und auf manchen Verbindungen nicht mehr fähig, Mehrverkehr aufzunehmen. Das D-Ticket und vor allem Corona haben aber zumindest dazu geführt, dass manche ÖPNV-Verbindungen gleichmäßiger ausgelastet sind, weil sich die Nutzung des SPNV bequemer und die privaten Grenzkosten für den Umstieg MIV->SPNV gesunken sind. Das trifft nach meiner Beobachtung aber vor allem die RE/ME-Verbindungen in den Metropolen und weniger den innerstädtischen Verkehr.

Zusätzlichen Verkehr auf den ÖPNV zu verlagern scheitert in Erlangen wohl an mehreren wesentlichen Punkten:
  • der innerstädtische Busverkehr ist nicht besonders attraktiv für Gelegenheitsnutzer, da die Linien ziemlich mäandern und trotz wesentlicher Linienüberschneidungen von unterschiedlichen Haltestellen abfahren (290 und 20 nach Tennenlohe ist so ein Fall).
  • der Busverkehr ist zur HVZ ausgelastet.
  • aus Osten und Nordwesten gibt es keine Möglichkeit, an der Stadtgrenze "einfach" in den ÖPNV umzusteigen.

Aus meiner Sicht müsste man entlang der Regionalbuslinien P&R-Parkplätze einrichten, z.B. in Höchstadt und Gremsdorf für 203/203E und in Uttenreuth, Kleinsendelbach und Brand für den 209.
Nicht in erster Linie der Preis, sondern das Angebot bestimmen darüber wie gut oder schlecht das ÖPNV Angebot angenommen wird. Das kann man aktuell sehr gut auf der S4 beobachten. Das es wegen dem Weichenumbau derzeit nur bis Schweinau geht ist dabei wohl sogar das kleinere übel als nun auch noch der Stundentakt wegen Bauarbeiten noch bis Juli.

Ich habe morgen z.b. um 7:05 Uhr am Rbf Dienstbeginn. Um pünktlich zu sein müsste ich bereits die S-Bahn um 5:12 ab Heilsbronn nehmen! Zum Bahnhof muss ich ja auch noch, also mit Reserve hieße das spätestens 4:50, ehr 4:45 los. Also 2:20h für eine Strecke Luftlinie von 26km. Wenn ich das Auto ganz stehen lassen möchte und von Zuhause aus fahren will, dann müsste ich sogar schon um 4:30 los. Und wenn es dumm läuft zum Feierabend dann nochmal eine Stunde warten. Da passt einfach derzeit für viele das Angebot nicht und das merkt man auch an der Auslastung der S-Bahnen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.04.2026 19:10 von marco2206.
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