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Frage an die Experten der alten Straßenbahn
geschrieben von Nils 
Kirk und Fredrik haben den Weg schon aufgezeigt = Veröffentlichungen in den HNN.

Manche Dinge klären sich erst zufällig, wenn von irgendwem Material dann doch in die Archive gelangt, statt irgenwo verstreut, verscherbelt oder vernichtet zu werden. Zu danken ist da z.B. Rainer Dodt vom VVM-Archiv, der in den letzten Jahren in den HHN einige schöne Artikel zu Planungen und Gleisen schrieb (z.T. mit Graphiken von mir). Trotzdem werden manche Sachen der Vergessenheit anheim fallen, fass sich nicht jemand der Sache annimmt. Eine Geschichte von Gleisen und Weichen der Hamburger Straßenbahn könnte natürlich noch jemand schreiben -- aber mal realistisch gesehen: Wer sollte auch dieses Buch dann drucken, von dem schätzungweise höchstens 1000 verkauft werden könnten, wenn überhaupt noch.

Den Wunsch des Alten Wedelers nach konkreten und lückenlosen Details kann man schon verstehen, aber nicht alles ist dokumentiert oder (wenn doch) bekannt, wo die Dokumentation jetzt lagert. Letztlich bringt dann außer Büchern, Webseiten oder Zeitschriften nur Eigenrecherche weiter.

Freundliche Grüße
Horst Buchholz - histor
Als die [14] und [19] bis zum Schluss von der Strecke über die Kuhmühle zur Strecke über die Bürgerweide und den Bf Landwehr verschwenkt wurden, wurde da die Strecke in der Bürgerweide wieder neu gebaut? Oder bestand sie vorher schon betriebsbereit (wieder nach dem Krieg betriebstauglich gemacht als Betriebsstrecke) ?

"Vor dem Krieg" war die Bürgerweide ja nicht diese Rennbahn zur Autobahn, weil das Stück der Sievekingsallee zwischen Landwehr/Burgstraße und Hammer Steindamm zwar schon Vorkriegsplanung war als Zubringer zur "Reichsautobahn", dieses Stück aber erst nach dem Krieg gebaut wurde. Woher denn nun wirklich die Schienen der neuen Strecke kamen - aus der alten Trassse über Bürgerweide für die Linie 17 oder von irgendwo anders - wer weiß?

Freundliche Grüße
Horst Buchholz - histor



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.2026 13:48 von histor.
Zitat
Kirk
Zitat
Alter_Wedler
Ich hab da nochmal ein paar Fragen an die "alten Haudegen" der Straßenbahn:

ich empfehle dir die (vor?) letzten Ausgaben der HN vom VVM. Dort ging es es um die Betriebsstrecken der Hamburger Straßenbahn. Vor Gründung des HVV und dananch. Sehr lesenswert. Leider wird die Seite mit dem Verkauf des Magazins nicht mehr gepflegt. Somit gibt es dort nur das Heft bis 2023. Aber schreib den Jungs doch mal
[www.vvm-museumsbahn.de]

Super Tipp! Danke!
Zitat
histor
Kirk und Fredrik haben den Weg schon aufgezeigt = Veröffentlichungen in den HNN.

Manche Dinge klären sich erst zufällig, wenn von irgendwem Material dann doch in die Archive gelangt, statt irgenwo verstreut, verscherbelt oder vernichtet zu werden. Zu danken ist da z.B. Rainer Dodt vom VVM-Archiv, der in den letzten Jahren in den HHN einige schöne Artikel zu Planungen und Gleisen schrieb (z.T. mit Graphiken von mir). Trotzdem werden manche Sachen der Vergessenheit anheim fallen, fass sich nicht jemand der Sache annimmt. Eine Geschichte von Gleisen und Weichen der Hamburger Straßenbahn könnte natürlich noch jemand schreiben -- aber mal realistisch gesehen: Wer sollte auch dieses Buch dann drucken, von dem schätzungweise höchstens 1000 verkauft werden könnten, wenn überhaupt noch.

Den Wunsch des Alten Wedelers nach konkreten und lückenlosen Details kann man schon verstehen, aber nicht alles ist dokumentiert oder (wenn doch) bekannt, wo die Dokumentation jetzt lagert. Letztlich bringt dann außer Büchern, Webseiten oder Zeitschriften nur Eigenrecherche weiter.

Ich "wühle" mich durch und komme weiter. Und ich bin sehr dankbar für alle Infos, die mir auf dem "Silbertablett" präsentiert werden (können). Und das ist viel, bei der vielen Arbeit, die sich viele (auch viele von euch hier) über Jahre schon gemacht haben.

Super Tipps hier von Euch allen! Besten Dank! Der VVM ist angeschrieben und die Hefte sind so gut wie bestellt.

Gruß
Alter_Wedler
Zitat
Fredrik
Ich habe mir die Titel der mich besonders interessierenden HN-Artikel in Mitteilungsblatt „HN” Hamburger Nahverkehrs-Nachrichten
Historisch interessante Artikel über den Hamburger Nahverkehr
gemerkt.

Sehr gut! Und hilft auch mir! Danke!
Die Stadtparkstrecke war ja zum Beispiel bekanntlich zwar linienmäßig stillgelegt, aber bis zur Stilllegung aller "Barmbeker Strecken" (oder zumindest noch bis Anfang der 60er) betriebsbereit.

Diese Strecke war das Fotoatelier der Hochbahn. Alles Neue wurde dorthin gefahren und abgelichtet. Waren oft kleine Veranstaltungen dabei, wo es ein paar Häppchen gab. Mein Vater hat mich dort immer mit hin genommen.


Und in Ottensen/Othmarschen, war da die Stichstrecke nach Övelgönne (zuletzt 1942 planmäßig [7], [4r]) abzweigend von der Hochrad-Strecke (zuletzt [7]), obwohl nach dem Krieg nicht mehr linienmäßig befahren, noch betriebsbereit? Auch hier gibt es in Nachkriegs-Gleisplänen noch die Weichenverbindungen. Die abzweigende Strecke im Philosophenweg muss ja auch noch betriebsbereit gewesen sein (zuletzt 1953 zeitweilig die [27]).

Das weiß ich leider nicht mehr so genau. Zu meiner Kinderzeit fuhr (auch) die Linie 6 dorthin. Diese Linie, die am anderen Ende bis Ohlsdorf fuhr, wurde noch mit Zweiachsern betrieben. Tagsüber wurden auf dem Abzweig manchmal Beiwagen abgestellt, sodass nur der Triebwagen mit einem Beiwagen fuhr.


Als die [14] und [19] bis zum Schluss von der Strecke über die Kuhmühle zur Strecke über die Bürgerweide und den Bf Landwehr verschwenkt wurden, wurde da die Strecke in der Bürgerweide wieder neu gebaut? Oder bestand sie vorher schon betriebsbereit (wieder nach dem Krieg betriebstauglich gemacht als Betriebsstrecke)?

Die Kuhmühle kenne ich wie meine Westentasche, weil ich ganz in der Nähe meine Kindheit verbracht habe. Als unsere Wohnung hoch über der Schwanenbucht bezugsfertig war, gab es von der Barcastraße noch einen Abzweig in den Graumannsweg, der an der Kuhmühle in die Strecke Mundsburg – Lübecker Straße mündete und für Ein- und Aussetzfahrten vom Depot Angerstraße genutzt wurde. Mit der Modernisierung der (Renn-)Strecke Lohmühlenstraße – Barmbek wurde dieser Abzweig an der Barcastraße aufgegeben. Einige Jahre danach wurde dann auch die Strecke Mundsburg – Lübecker Straße eingestellt.

Ich habe dazu eine lustige Geschichte. Ich ging in der Angerstraße in die Volksschule mit 73 (!) Schülern in einer Klasse, genau gegenüber dem alten Straßenbahndepot. Nach Schulschluss ging ich immer erst einmal ins Depot zum Straßenbahn-Gucken. Die Leute dort kannten mich und haben mir alles gezeigt, was man sich als Kind nur so wünschen kann. Und oft haben mich Fahrer bei Einsetzfahrten bis zur Kuhmühle mitgenommen. Das habe ich mal vor vielleicht 20 Jahren einem Bekannten Günter Dolezal erzählt, der auch wie Du Ahnenforschung über die Straßenbahngleise betrieben hat.

Der sagte mir, dass dies mit den Einsetzfahrten zur Kuhmühle gar nicht sein kann, weil es nach seinem Gleisplan von der Angerstraße gar keine Gleisverbindung zur Kuhmühle gab. Ich beharrte darauf, dass dann der Plan falsch sein müsste. Günter fragte dann einen Straßenbahnfahrer von früher, der ihm sagte, dass er manchmal "einen Knirps" zur Kuhmühle mitgenommen hat. Wir haben uns dann einmal zu Dritt getroffen, es war ein herrlicher Abend. Leider sind beide schon vor einigen Jahren gestorben. @ Host B.: Weißt Du, wo Günters Pläne geblieben sind?


Weiß jemand noch etwas drüber, welche linienmäßig stillgelegten Strecken 11.1955 noch betriebsbereit waren?

Ich kenne ein paar Abschnitte: Sengelmannstraße – Ohlsdorf, die Blockumfahrung Dehnhaide, wo der PCC-Wagen enden musste, weil er wegen seines zu langen Drehzapfenabstandes nur die Neubaustrecke zur Trabrennbahn befahren konnte, Wandsbek-Gartenstadt – Wandsbek Markt und eine Linie in Harburg, die auf Obus umgestellt wurden. Könnte die Linie 42 gewesen sein, bin ich mir aber nicht sicher. Da weiß Horst sicherlich mehr.


Hellkamp, Hermannstraße, Steinstraße, Alsterdorfer Str., Budapester Straße, Eppendorfer Weg [15] zur {14], Stadtparkstrecke, Stellinger Stadionstrecke sind schonmal sonnenklar, dass sie 11.1955 noch betriebsbereit waren!

Im Westen kenne ich mich nicht ganz so gut aus, doch die Stadionstrecke wurde meiner Erinnerung nach sogar noch um 1960 mit der Linie 12 befahren. Ich bin mit der immer zum HSV gefahren.
Zitat
NVB
Die Kuhmühle kenne ich wie meine Westentasche, weil ich ganz in der Nähe meine Kindheit verbracht habe. Als unsere Wohnung hoch über der Schwanenbucht bezugsfertig war...

Ich habe dazu eine lustige Geschichte...

Lieber Dieter, mir geht das Herz auf, wenn ich Dich so schreiben "höre". Es ist, als wäre ich mitgenommen in Deine Kindheitserlebnisse und Deine Liebe, auch für die Straßenbahn.

Und das mit der Gleisverbindung von Angerstraße Richtung Kuhmühle ist auch für so einen "Verkehrsahnen-Forscher", wie mich, interessant. Und tatsächlich taucht diese Gleisverbindung nicht im vom VVM heraus gegebenen Plan auf, den ich bekommen habe. Aber dem Plan nach war fehlt ja sogar die Gleisverbindung Osterstraße - Bismarckstraße auf dem Linienweg, den die 14 die meiste Zeit über Sternschanze und Eppendorfer Weg gefahren ist. So viel also zu Gleisplänen, die sich verbreiten.
Und dennoch ein herzlicher Dank an den VVM und alle "Mütter und Väter" des Planes. Ich bin der Letzte, der Fehlerfreiheit für sich beantspruchen darf.

Zitat
NVB
Im Westen kenne ich mich nicht ganz so gut aus, doch die Stadionstrecke wurde meiner Erinnerung nach sogar noch um 1960 mit der Linie 12 befahren. Ich bin mit der immer zum HSV gefahren.

Ich meine die Straßenbahnstrecke in Stellingen Richtung Stadion über Langenfelde. Auf der Homepage von Horst [www.horstbu.de] und in seinem Buch ist ja eine ganze Menge darüber geschrieben. Auf der 12 war ja normaler Linienbetrieb in den Volkspark, der bei Fußballspielen sogar teilweise eingestellt wurde, wohl wegen der Menschenmassen manchmal.

Zitat
histor
Kirk und Fredrik haben den Weg schon aufgezeigt = Veröffentlichungen in den HNN.

Manche Dinge klären sich erst zufällig, wenn von irgendwem Material dann doch in die Archive gelangt, statt irgenwo verstreut, verscherbelt oder vernichtet zu werden. Zu danken ist da z.B. Rainer Dodt vom VVM-Archiv, der in den letzten Jahren in den HHN einige schöne Artikel zu Planungen und Gleisen schrieb (z.T. mit Graphiken von mir). Trotzdem werden manche Sachen der Vergessenheit anheim fallen, fass sich nicht jemand der Sache annimmt. Eine Geschichte von Gleisen und Weichen der Hamburger Straßenbahn könnte natürlich noch jemand schreiben -- aber mal realistisch gesehen: Wer sollte auch dieses Buch dann drucken, von dem schätzungweise höchstens 1000 verkauft werden könnten, wenn überhaupt noch.

Den Wunsch des Alten Wedelers nach konkreten und lückenlosen Details kann man schon verstehen, aber nicht alles ist dokumentiert oder (wenn doch) bekannt, wo die Dokumentation jetzt lagert. Letztlich bringt dann außer Büchern, Webseiten oder Zeitschriften nur Eigenrecherche weiter.

@Histor: Es ist mir ein Herzenswunsch nochmal ganz klar zu stellen, dass

Zitat
ich selbst
In vielen Auflistungen (so auch in Histors Buch Seite 297) zu den still gelegten Strecken fehlt mir die Unterscheidung zwischen "betriebsunfähig stillgelegt" und "betriebsfähig (bis), aber nie mehr linienmäßig befahren".

auf keinen Fall eine Kritik am Buch darstellen sollte. Wenn ich ein ganz besonderes seltenes Bedürfnis habe, das mir Dein Buch nicht befriedigt, dann ist das Buch immer noch grandios und sehr, sehr wertvoll. Es hat mir erst das Tor zu meinen haarspalterischen "Wissenlücken" und dem "Durst", genauer wissen zu wollen, geöffnet.

Lieber Gruß Holger
(Alter_Wedler)
Letztes Jahr war ich in Lissabon und habe zum ersten Mal Rollenstromabnehmer im Alltagseinsatz, abseits von Museen, gesehen. Das war sehr interessant und ich habe mir vorgestellt, dass es so ähnlich damals in Hamburg gewesen sein muss. Ich habe sogar eine Rollenentgleisung von außen mitbekommen.
Mir war aufgefallen, dass in Lissabon nur Luftweichen im Einsatz sind. Auf den regulär mit Pantograph befahrenen Strecken zusätzlich mit entsprechenden Leitdrähten daneben.
Daher die Frage an euch, wie sah es in Hamburg mit aktiven Oberleitungsweichen aus? Gab es diese nur vereinzelt auf freier Strecke, wo schneller gefahren wurde? Oder waren die weiter verbreitet?
Offenbar keiner der Technik-Experten hier momentan. Vielleicht - wenn das Wetter wieder besser ist - ein Ausflug zum VVM am Schönberger Strand bei Kiel, wohin die Hamburger Museums-Straßenbahnen ausweichen mussten und da mal die Spezialisten ansprechen? In den HN der letzten Jahre habe ich über den Fahrdraht leider nichts gefunden.

Letztlich - wo sollten schnell zu befahrende Weichen auf freier Strecke sein? Liniengabelungen waren ja normalerweise mit Haltestellen verbunden.

Hingen nicht auf der eingleisigen Strecke mit Ausweichen z.B. nach Hochrad nicht zwei Fahrtdrähte, um sich die Weichen für die Rolle zu sparen?

Freundliche Grüße
Horst Buchholz - histor



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 20.02.2026 20:19 von histor.
Zitat
histor
... Letztlich - wo sollten schnell zu befahrende Weichen auf freier Strecke sein? Liniengabelungen waren ja normalerweise mit Haltestellen verbunden.

Hingen nicht auf der eingleisigen Strecke mit Ausweichen z.B. nach Hochrad nicht zwei Fahrtdrähte, um sich die Weichen für die Rolle zu sparen?


Hochrad weiß ich nicht sicher, doch auf der Bramfelder Strecke hingen auf dem eingleisigen Abschnitt zwei Fahrdähte. Weiß ich deshalb, weil bei der hier üblichen Raserei mit dem Tacho am "Anschlag" mal die Rolle entgleist ist und der Schaffner diese aus Versehen in die Gegenrichtung eingehängt hat. Beim Beginn des zweigleisigen Abschnittes ist die Rolle dann zwangsläufig zum zweiten Mal rausgesprungen und der Schaffner war am Fluchen. ;-)

Luftweichen gab es einige: Mundsburger Brücke, nördlich von Barmbek, wo sich die Linie 6 und 9 trennten, Winterhuder Marktplatz bin ich mir nicht ganz sicher, Eppendorfer Marktplatz, wo sich 14/15 von der 18 nach Groß Borstel trennten (hier übrigens auch zwei Fahrdrähte auf dem eingleisigen Abschnitt) und auch in der Grindelallee, wo 14 und 15 in die 2 ein- und wieder ausfädelte. An Wendedreiecken wie Berzeliusstraße und Rönneburg gab es übrigens keine Luftweichen, da musste der Schaffner an der Strippe den Rollenstromabnehmer etwas in die richtige Richtung ziehen oder die Rolle gleich umhängen.
noch zur Oberleitung = In Heft 2/1985 ist ein längerer Artikel von Ingo Mecker in den HNN auch in Bezug auf Weichen. Da Urheberecht bei Ingo Mecker bzw. dem VVM kann ich so einfach keine Kopie schicken. Das muss dann mit dem VVM und Herrn Mecker geklärt sein.

Freundliche Grüße
Horst Buchholz - histor
Ich danke euch für die Antworten. Das Argument leuchtet ein, dass Abzweigungen meistens bei Kreuzungen waren und dort sowieso langsam gefahren wurde. Wobei ich eigentlich dachte, dass die Möglichkeit geschaffen wäre mit elektrischen Oberleitungsweichen geradeaus schneller fahren zu können. So musste doch auch geradeaus abgebremst werden, damit die Rolle nicht raus springt.
Dass bei eingleisigen Abschnitten sowie Gleisverschlingungen zwei Fahrdrähte hängen, ist mir in Lissabon auch aufgefallen.

Gleisverschlingungen gab es in Hamburg nicht, oder?
Zitat
BÜ Liliencronstraße
... Gleisverschlingungen gab es in Hamburg nicht, oder?


Also in Bramfeld und Groß Borstel waren Rückfall-Weichen zu und von den eingleisigen Streckenabschnitten. Es könnte sein, dass es in Harburg bei der Linie 42 eine Gleisverschlingung gab, bin mir aber unsicher. Ziemlich sicher weiß ich, dass es in Betriebshöfen Gleisverschlingungen gab. Aber nicht im herkömmlichen Sinne, sondern zum besseren Ausfahren in engen Gleisbögen. Findet man vermutlich in den alten Gleisplänen. Es gab doch auch in Harburg das eingleisige Streckenstück mit der DB-Fahrdrahtkreuzung. War das keine Gleisverschlingung?
NVB Es gab doch auch in Harburg das eingleisige Streckenstück mit der DB-Fahrdrahtkreuzung. War das keine Gleisverschlingung?

Das war die technisch aufwendige Fahrdrahtkreuzung Eisenbahn / Straßenbahn. Logischerweise durfte am Kreuzungspunkt immer nur die eine Art der Elektrizität stromführend sein. Aber die Gleise kreuzten sich da so ziemlich rechtwinklig. So weit ich weiß hatte Hamburg auf der Strecke keine Gleisverschlingung, bin mir aber nicht völlig sicher.

Letztlich ist das mit Gleisverschlingung oder stattdessen zwei Weichen eine Frage der Finanzen und der Länge der eingleisigen Strecke. Wenn die Eingleisig kurz ist lohnt die Gleisverschlingung - sonst nicht.

NVB Also in Bramfeld und Groß Borstel waren Rückfall-Weichen zu und von den eingleisigen Streckenabschnitten.
War man nicht auch bestrebt, Ausweichen im geraden Strang zu befahren, wenn man von der spitzen Seite der Weiche kommt? War in der Literatur beschrieben als "Hamburger Weiche" - bedingt aber jeweiligen Versatz der Strecke oder viel Kurverei.

Freundliche Grüße
Horst Buchholz - histor
Nach meiner Erinnerung ab ca. 1952 und auch Bildern oder Unterlagen ergibt sich ohne Gewährleistung der Korrektheit seitdem:

Gleisverschlingungen, also beengte Streckenteile, die nicht eingleisig ausgeführt wurden, sondern sich nur die innenliegenden Schienen über Herzstücke kreuzten und der Gleisabstand (Abstand der Längs-Gleismitten) damit unter Verzicht auf Gegenverkehr minimal wurde, gab es in Hamburg nicht.

Fahrleitungen auf eingleisigen Streckenabschnitten: Auf planmäßig im Linienbetrieb befahrenen Strecken nur enge Parallelführung beider Fahrdrähte.

Luftweichen: Hier scheint es in den Beiträgen unterschiedliche Deutungen des Begriffs zu geben. Im Prinzip handelt es sich lediglich um eine Verzweigung des Fahrdrahts über einer Weiche in die beiden Abzweigrichtungen. Irgendwelche mechanisch verstellbaren Komponenten gab es - zumindest in Hamburg - offenbar nicht. Die Luftweichen mussten also so angeordnet werden, dass die Rollenstromabnehmer aller Fahrzeuge beim Befahren unter einer Kraftkomponente standen, die die Stromabnehmerrolle in die richtige Richtung lenkten. Die Oberleitungsanlage im Museum Schönberger Strand wurde meines Wissens mit großzügiger Unterstützung der Firma Siemens so konstruiert und realisiert, dass Hamburger Rollenstromabnehmer auf den 1435 mm Gleisanlagen und Schleifbügel aller Art zudem auch auf 1100 mm und Dreischienengleis einsetzbar sind. Ob dabei - Außer Masten - auch historische Hamburger Komponenten verwendet werden konnten, weiß ich nicht - wahrscheinlich eher nicht. Auch gibt es dort keine durch Oberleitungskontakte stellbaren Weichen oder Signale.

Luftweichen - Rückwärtsfahrt Rollenstromabnehmer: Hier gab es zwei Problemfälle, Rückwärtsfahrt von Einrichtungsfahrzeugen in Betriebshöfen und in Gleisdreiecken zum Fahrtrichtungswechsel. Auf den Betriebshöfen benutzten die Rangierer die herausgezogene Trolleyfängerleine, um die Rolle in die richtige Richtung zu dirigieren. Wenn das nicht klappte, Nothalt-Signal an den Fahrer, damit die Stromabnehmerstange nicht zu weit oberhalb der Fahrdrahtaufhängung geriet. Wenn das doch geschehen war, konnte die Rolle nicht mehr "eingegleist" werden, es musste also wieder vorwärts gefahren werden, aber woher den Strom nehmen? Dazu war das oberste Drittel der Stromabnehmerstange nicht isoliert, und der Rangierer musste diese irgendwie am Fahrdraht "scheuern" lassen...

An den Wendedreiecken waren die Luftweichen so angebracht, dass die Rolle normalerweise allein den richtigen Weg finden sollte. Bei der Rückwärtsfahrt sollte der Schaffner wohl zusätzlich die Trolleyfängerleine führen. Im Einmannbetrieb gab es den Rangierfahrschalter am hinteren Wagenende und in Rönneburg ging die Rückwärtsfahrt leicht bergab...

Rückfallweichen: Waren bei eingleisigen Streckenabschnitten der Normalfall. Gab es möglicherweise auch feste unstellbare Konstruktionen, bei denen der Spurkranz "spitz" befahren in der Rille geradeaus in das rechte Gleis führte? Auch bei den Herzstücken gab es ja keine Radlenker und die Radsätze fuhren auf den Spurkränzen?

DB-Kreuzung Harburg: Die eingleisige Strecke mit 2 Fahrdrähten führte von der Schlossstraße über die DB-Gleise bis zum Sand. Daran hat auch die teure Fahrdrahtkreuzung nichts geändert.

Abzweigungen: Lagen nicht immer an Haltestellen. Auch wenn Ingo Mecker in seinem HN 85/2 Artikel Höchstgeschwindigkeit 15 km/h angibt, wurde das wohl nicht immer so praktiziert. Ich erinnere noch den Abzweig des Betriebsgleises Wiben-Peter Straße vom Lokstedter Steindamm, der durchaus schneller befahren wurde. Vielleicht waren die Weichen wegen der kaum noch erfolgenden Nutzung im Normalzustand bereits verkeilt. Auch die Einfahrt in der ausgebauten Kollaustraße stadtauswärts in den Betriebshof "P" vor der Haltestelle wurde meist "rasant" passiert. Nicht lange vor der Einstellung erinnere ich noch, dass V6E 3604 unbeabsichtigt abbog, mit ca. 45° entgleiste, 2 Fahrstreifen passierte, Kantstein und Rad-/Fußweg querte und erst in der anschließenden Grünanlage zum Halten kam. Das waren sicherlich mehr als 15 km/h.
Laut Hermann Hoyer, Wagenpark 3. Teil, Seite 83 wurde der V6E 3604 per 12/1972 als Abgang ausgebucht.

Herr Klaus Britsche führt in seiner Unfallsammlung auf:
Zitat

9.2.72 In der Kollaustr. entgleiste ein Zug der L.4 und landete in einer Grünanlage beim Btrh. Lokstedt



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.2026 10:51 von Fredrik.
Zitat
Fredrik
Laut Hermann Hoyer, Wagenpark 3. Teil, Seite 83 wurde der V6E 3604 per 12/1972 als Abgang ausgebucht.

Herr Klaus Britsche führt in seiner Unfallsammlung auf:
Zitat

9.2.72 In der Kollaustr. entgleiste ein Zug der L.4 und landete in einer Grünanlage beim Btrh. Lokstedt


Dann gehe ich mal nach Egon Ihde seiner Auflistung.

Laut seinen Angaben hat der V6E 3604 in 02.1972 noch seine elektrische Kupplung verloren, die bei vielen zu der Zeit ausgebaut wurden.
Er ist am 21.05.1972 (dahinter das Kürzel "WIM") abgestellt worden, wo er noch auf Krohnskamp beheimatet war und 09.1972 nach Lokstedt ging und 12.1972 endgültig ausgemustert wurde.

Laufweg.
3066 01.02.1951
3004 13.02.1958
3604 08.05.1967 V6E


Betriebshöfe:

02.51 Wendemuthstraße
10.60 Langenfelde
01.61 Krohnskamp
05.65 Angerstraße
01.67 Krohnskamp
05.67 Horn
09.68 Krohnskamp
09.72 Lokstedt (abgestellter Zustand)



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.2026 11:58 von Heiko T..
Erwähnung der "Hamburger Weiche" in der Literatur bei Boshart, "Straßenbahnen" - Seite 28 - Nachdruck der Ausgabe von 1911 der Sammlung Göschen



Freundliche Grüße
Horst Buchholz - histor
Nachdem wir über Weichen, Geschwindigkeiten auf Weichen zur Entgleisung des V6E 3604 gekommen sind und Daten zur Entgleisung und zum Wagen hinzukamen, nun noch 2 Bilder von der Entgleisung, die ich vorübergehend in meiner Cloud bis Anfang April 2026 freigegeben habe.

Link zum Bild des entgleisten 3604
Link zum Bild der Unfallstelle

Auf dem 2. Bild sieht man deutlich den Fahrdraht der Nordeinfahrt des Gleisdreiecks zum Betriebshof, die Entgleisungsweiche der Südeinfahrt liegt also weit rechts außerhalb des Bildes. Vmtl. fand die Entgleisung auf dem Herzstück mit nur einseitiger Spurkranzführung statt, dann ging es in flachem Winkel über die Fahrbahn und hinter dem Kantstein wurde der Wagen vorne stark gebremst, so dass sich der Wagen im Uhrzeigersinn drehte.
@wgr22453 Vielen Dank für die ausführlichen Beschreibungen und die Bilder. Bei der Entgleisung bin ich nicht sicher, ob ich das richtig nachvollzogen habe. Die Bahn fuhr zu schnell, die Weiche stand fälschlicherweise auf Abzweig, und dann ist die Bahn aber völlig abseits der Gleise zum Stehen gekommen? Ist auf Bild 6583 im Hintergrund der Abzweig zu erkennen?

Dass es gar keine elektrischen Oberleitungsweichen gab, hätte ich nicht gedacht. Aber wenn 15 km/h die Geschwindigkeit auf allen Weichen war, wurden echt keine benötigt.

Zumindest die Harburger O-Busse müssen aber doch welche gehabt haben?

An die Herausforderung von den Wendedreiecken mit Rolle habe ich noch gar nicht gedacht, das hat sicherlich im Einmannbetrieb viel Fingerspitzengefühl erfordert.
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