Man sieht, dass für die neue Brückenrampe Richtung Altona auch einige Hinterhofgebäude abgerissen werden mussten, ansonsten stand für die Arbeiten kaum mehr als das Bahngelände bei vollem Zugbetrieb zur Verfügung! Erkennbar ist auch, dass zunächst auf der Nordseite die neue Überführung Richtung Altona in Betrieb gehen musste, um mit Abtragung des provisorischen Umfahrungsgleises dieser Richtung Baufreiheit für die neue zweigleisige Trasse Richtung Richtung Diebsteich zu schaffen.
Erkennbar ist auch, dass für die Durchfahrt Richtung Diebsteich zwischen den beiden Häuserblöcken beide Gleise dicht beieinander liegen und möglichst weit nach Süden ausholen müssen, um im Bereich der Häuser (und auch der Stresemannstraße) einen ausreichenden Abzweigwinkel zu erreichen. Ein Rechtsabzweig nach Diebsteich vom Altonaer Gleis hätte sicherlich den Abriss des östlichen Häuserblocks sowie mehr aufwändige Höhenunterschiede benachbarter Gleise erfordert. Ich meine, dass man damals eine auch vom Aufwand her gute Lösung gefunden hat.
An eine City-S-Bahn hat damals wohl noch niemand gedacht, diese war später eine unabdingbare Forderung der Bundesbahn für einen Beitritt zum geplanten Hamburger Verkehrsverbund, die dann auch vertraglich fest vereinbart und realisiert wurde, auf die Planung des Diebsteich-Abzweigs der S-Bahn dürfte das keinen Einfluss gehabt haben und es war eher Zufall, dass mit der Einführung des Linksverkehrs ab Altona an der Holstenstraße einige hundert Meter S-Bahn Gleis eingespart werden konnten.
Erstaunlich, dass der gesamte Bau nur etwa 3 Jahre dauerte und das bei nur minimalen Einschränkungen des Zugverkehrs, SEV war damals noch so gut wie unbekannt. Und heute S4 Hasselbrook???
Anzumerken wäre noch, dass die Bilder datiert mit 22.2.1962 am Eröffnungstag der S-Bahn bis Langenfelde entstanden, die stillschweigend ohne jegliche Feierlichkeiten stattfand, nachdem 5 Tage zuvor am 17.2.1962 eine schwere Sturmflut weite Teile des südlichen Hamburgs überschwemmte und über 300 Todesopfer forderte. Einige Zeit lang war damals die Lauenburger Elbbrücke in der damaligen Bundesrepublik die einzige verfügbare Landverbindung über die Elbe.
Ich frage mich, wie ist denn eigentlich der Zustand der S-Bahn Brücken über die Stresemannstraße Richtung Diebsteich, die aus dem gleichen Bauvorhaben wie die abzureißende Überführung Richtung Altona stammen?
Als letzte Anmerkung: Die auf mehreren der Bilder sichtbaren Zwillingsschornsteine im Westen gehören zum Kohle-Bahnkraftwerk, das von 1906 bis 1955 den 6300V 25Hz Bahnstrom für die "Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn" erzeugte.