"Unser ÖPNV-Angebot sollte verständlicher, einheitlicher und damit kundenfreundlicher werden."

Ich habe 30 Jahre alte VDV-Drucksachen die sich damit beschäftigen. Die Probleme ist eigentlich unverändert - die Tarife sind wie sie sind, und jede große Änderung wird entweder sehr viel Geld kosten (insbesondere wenn es deutschlandweit gelten soll!) oder würde halt viele Verlierer produzieren wenn es Aufkommen-Neutral sein sollte.

Man muss auch sagen das ein deutschlandweiter Tarif auch entweder sehr billig sein muss damit alle zufrieden sind, oder viele Ungerechtigkeiten enthalten wird - weil die geografischen Gegebenheiten halt unterschiedlich sind. So machen Ringe z.B. in Hamburg oder München viel Sinn, aber im Ruhrgebiet sind Waben viel sinnvoller. Gerade der VBB-Tarif zeigt sehr gut wie Städte und ländliche Gebiete in einem Verbund vereint
Zitat
Nemo


[deutschlandtarifverbund.de]

Der gilt sogar schon seit Anfang des Jahres. Da müssten nun halt nur noch die Verkehrsverbünde beitreten.

Nein, da müssten nicht "halt nur noch" die Verkehrsverbünde beitreten, sondern auch noch sämtliche Linienbusbetriebe außerhalb der Verkehrsverbünde, sollte dieser Deutschlandtarifverbund die Lösung der Probleme sein.

Ob FDP-Idee oder nicht, und das sage ich als jemand, der ganz gewiss kein Freund von FDP-Ansichten ist, nehme ich doch sehr wohlwollend zur Kenntnis, dass wir endlich nach vielen Jahrzehnten mal einen Bundesverkehrsminister haben, der sich tatsächlich für die Interessen von ÖPNV-Kunden auch außerhalb von Bahn-Prestige-Projekten einsetzt.

Da die FDP für Entbürokratisierung steht, kann es sich aus Sicht der Fahrgäste hinsichtlich der Tarifdschungel noch als Glücksfall erweisen, dass das Verkehrsministerium an die FDP gegangen ist, vorausgesetzt, Volker Wissing startet nicht als ein Tiger, der als Bettvorleger endet.

Zitat
christian schmidt
So machen Ringe z.B. in Hamburg oder München viel Sinn, aber im Ruhrgebiet sind Waben viel sinnvoller. Gerade der VBB-Tarif zeigt sehr gut wie Städte und ländliche Gebiete in einem Verbund vereint

Ich bin kein Freund von Waben, weil dadurch die Flexibilität verloren geht, sein Ziel auf unterschiedlichen Wegen erreichen zu können bzw. weil ich aufwendig anhand von irgendwelchen Plänen von Gegenden, die ich nicht kenne, prüfen muss, ob ein anderer Weg, der mir von der Fahrplanauskunft für die Rückfahrt vorgeschlagen wird, nicht durch andere Waben führt.

Ich unterstütze das Zitat "Menschen leben nicht in Tarifzonen" von Volker Wissing und plädiere für eine Abschaffung von Zonen, Ringen und Waben. Jede gekaufte Einzel- und Tageskarte sollte für jede Fahrt innerhalb eines bestimmten Radius vom Startpunkt aus gesehen Gültigkeit haben. Ich gebe also in der App, am Automaten oder beim Busfahrer meine Zielhaltestelle an, das System erkennt, wieviel km Luftlinie das Ziel entfernt ist und errechnet so den Fahrpreis.

Zeitkarten sollten wie das 9-Euro-Ticket deutschlandweit gelten und monatlich zwischen 50 und 100 Euro kosten (mir wäre eine solche Fahrkarte 100 Euro im Monat wert), für Schüler, AZUBIs, Studenten und Rentner und Hartz-4-Empfänger 20 Euro. Gleichzeitig muss das Netz ausgebaut werden, so dass zu volle Züge wie zu Pfingsten langfristig nicht mehr vorkommen. Insgesamt muss der öffentliche Verkehr stärker steuerfinanziert werden.

Ich hatte mal in Schleswig-Holstein ein "tolles" Erlebnis. Ich machte mit meinem Kind von Hamburg aus einen Ausflug zum Freizeitpark Talk-Schau. Diesen Park erreicht man mit einer Buslinie, die sonntags nur im 2-Stunden-Takt verkehrt und die Bahnhöfe Schleswig und Süderbrarup verbindet, die auf unterschiedlichen Bahnstrecken liegen. Nun musste ich mich beim Kauf der nicht gerade billigen Tageskarte nach dem Schleswig-Holstein-Tarif für eine Route entscheiden. Für die Hinfahrt habe ich eine Verbindung über Schleswig herausgesucht, die Rückfahrt konnte ich erst planen, wenn wir uns im Freizeitpark ausgiebig vergnügt und die "Nase voll" hatten und nach Hause wollten. Da nun die Wartezeit auf dem Bus Richtung Süderbrarup aufgrund der Fahrplangestaltung zu diesem Zeitpunkt und damit auch die Gesamtreisezeit nach Hamburg deutlich kürzer war habe ich mich über diese fahrgastfeindlichen "Fesseln" sehr geärgert.

Jeder andere würde beim nächsten Besuch das Auto nehmen bzw. gemeinsam mit Freunden fahren, die ein Auto haben.



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.06.2022 01:30 von Wolf Tiefenseegang.
Zitat
Wolf Tiefenseegang
Ich unterstütze das Zitat "Menschen leben nicht in Tarifzonen" von Volker Wissing und plädiere für eine Abschaffung von Zonen, Ringen und Waben. Jede gekaufte Einzel- und Tageskarte sollte für jede Fahrt innerhalb eines bestimmten Radius vom Startpunkt aus gesehen Gültigkeit haben. Ich gebe also in der App, am Automaten oder beim Busfahrer meine Zielhaltestelle an, das System erkennt, wieviel km Luftlinie das Ziel entfernt ist und errechnet so den Fahrpreis.
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Zeitkarten sollten wie das 9-Euro-Ticket deutschlandweit gelten und monatlich zwischen 50 und 100 Euro kosten (mir wäre eine solche Fahrkarte 100 Euro im Monat wert), für Schüler, AZUBIs, Studenten und Rentner und Hartz-4-Empfänger 20 Euro. Gleichzeitig muss das Netz ausgebaut werden, so dass zu volle Züge wie zu Pfingsten langfristig nicht mehr vorkommen. Insgesamt muss der öffentliche Verkehr stärker steuerfinanziert werden.

Die größte Herausforderung dürfte die Frage sein, was ein "gerechter Tarif" ist. Die Beispiele hier zeigen ja auch schon die beiden denkbaren tariflichen Extreme auf: die entfernungsabhängige Einzelfahrt würde viele gewachsene Tarifstrukturen über den Haufen werfen, die auch soziale Komponenten haben. In vielen Städten wurden Großsiedlungen der 1950er- bis 1980er-Jahre, die auch heute noch oft einen Großteil des preiswerteren Wohnraums ausmachen, eher in Richtung Stadtrand gebaut. Interpretiert man einen einheitlichen Fahrpreis pro km als "gerecht", nimmt man in Kauf, dass diese Menschen überproportional belastet werden.

Es gibt ja bereits entfernungsabhängige Tarife wie eezy.nrw, die zeigen, in welche Richtung dies tariflich gehen würde. Eine 18 km lange Fahrt aus den Berliner Großsiedlungen Heerstraße im Westen oder Hellersdorf im Osten zum Hauptbahnhof würde im eezy.Westfalen-Tarif mit 6,26 Euro mehr als das Doppelte des heutigen Preises kosten. Eine 3 km lange Fahrt nach Charlottenburg oder Prenzlauer Berg wäre dagegen mit 2,21 Euro um rund ein Drittel preiswerter. Besonders extrem wären die Unterschiede bei Durchmesserfahrten durch Hamburg oder Berlin: von Müggelheim nach Tegel oder von Bergedorf nach Rissen würden sich die Einzelfahrten verdreifachen.

Umgekehrt bedeutet ein bundesweit einheitlicher Preis für eine bundesweit gültige Zeitkarte zwar für viele Menschen ein attraktives Angebot, aber für viele andere auch eine erhebliche Mehrbelastung. Wer nur eine Monatskarte für den Stadtverkehr von Greifswald oder Senftenberg benötigt, zahlt mit einem 100€-Ticket auch ein Vielfaches des heutigen Preises.

Dennoch sind tarifliche Vereinfachungen und Vergünstigungen natürlich gut und sinnvoll. Ich will mit meinen Hinweisen nur darauf hinaus, dass es ziemlich schwierig wird, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.
Als Fahrgast ist mir ein Einheitstarif nicht so wichtig wie ein Einheitszugang. Ich will ohne Tarifkunde betreiben zu müssen an jedem Ort in Deutschland auf die gleiche Weise zu einem gültigen Einzelfahrschein kommen.

Wenn ich mehr will, Tageskarten, Mahrfachfahrten, Gruppen, was weiß ich, dann muss ich mich in den örtlichen Tarif hineindenken. Aber für eine einfache Fahrt von A nach B die ich sofort antrete, will ich einfach und sicher überall auf die gleiche Weise zum gültigen Fahrschein kommen.

Da braucht es keine komplizierten Verrechnungsplattformen, keine Vereinheitlichung der Tarifbemessungsgrundlagen, sondern nur eine einheitliche Menüführung durch die Automaten für den Standardfall.
Was natürlich ganz einfach wäre (auch und insbesondere für Touristen) wäre eine einheitliche Bezeichnung für beliebig viele Fahrten vom aktuellen Standort "in die Stadt", "in der Stadt" und "wieder hierher zurück" für sofortigen Fahrtantritt (entwertetes Ticket). Beispielsweise eine Taste mit S (wie Stadt) und der gewünschten Stadt bezeichnet, und das bundeseinheitlich. So dass es dem Touristen egal sein kann, ob er von Agathenburg nach Stade, von Feldafing nach München Hbf, von Königsbrunn nach Augsburg oder von Sarstedt nach Hannover möchte.

So fände sich in Agathenburg also z.B.
S: Stade
S: Buxtehude
S: Hamburg

Welcher Tarif dann dahintersteht und ob das Waben, Ringe, Kreise, Häuschen oder sonstwas ist, das obliegt den Verkehrsbetrieben, Hauptsache der Tourist sucht nicht stundenlang und kauft auf gut Glück eine Fahrkarte, die vielleicht viel zu teuer ist oder ihn zusätzliches Geld als Graufahrer kostet.

Wenn das dann noch einigermaßen gut bundesweit beworben wird ("Na Fiete? Heut mal mit dem Kutter in Grafing angekommen und kein Plan? S: München drücken, bezahlen, einsteigen." oder "Jo mei, mogst amol a Heimklatsch'n sehn? S: Hamburg drücken, bezahlen, einsteigen") sollten auch die Schlachtenbummler zur Bundesliga schnell zur richtigen Fahrkarte kommen.

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Gregor Jacobs
root@127.0.0.1 <-- Don't send mail or else!
Zitat
root
Welcher Tarif dann dahintersteht und ob das Waben, Ringe, Kreise, Häuschen oder sonstwas ist, das obliegt den Verkehrsbetrieben, Hauptsache der Tourist sucht nicht stundenlang und kauft auf gut Glück eine Fahrkarte, die vielleicht viel zu teuer ist oder ihn zusätzliches Geld als Graufahrer kostet.

Schon am Beispiel Agathenburg nach Hamburg zeigt sich, dass die nicht so einfach ist, wie es klingt. Wird dem Tarifunkundigen, der nur bis nach Harburg möchte, dann ein für ihn überteuertes Ticket bis in die Innenstadt verkauft? Ähnliche Fragen stellen sich z.B. von Erkner nach Berlin: reicht die Kurzstrecke oder ein Berlin BC-Ticket oder gibt es unter dieser Taste ein Ticket, das garantiert für ganz Berlin gilt? Eine komfortable Lösung, die auf komplzierte Zwischenfragen verzichtet, müsste wohl überteuerte Verkäufe in Kauf nehmen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.06.2022 23:50 von Lopi2000.
Ich halte das für verhältnismäßig einfach. In Agathenburg gebe ich am Automaten mein Ziel ein. Das lautet nicht Innenstadt (welche?), sondern Hamburg-Hauptbahnhof oder Hamburg-Harburg oder Stade oder Buxtehude (das gibt es wirklich!). Ist ja heute schon so. Nur muss die Menüführung deutschlandweit einheitlich sein. Immer Start beim selben Symbol für Sofortfahrt. Bei mehreren Routen müssen die Routen inklusive Press angezeigt werden. Dann Auswahl. Dann kaufen. Dann nix entwerten und sofort losfahren.

Etwas herausfordernder ist die Umsetzung, wenn verschiedene Anbieter die gleiche Strecke anbieten wie etwa Hamburg - Lübeck. Aber genau dann wird es wichtig, dass der Fahrgast unterstützt wird.
Zitat
Neu Wulmstorf
[...]. Aber genau dann wird es wichtig, dass der Fahrgast unterstützt wird.

Das war mein Punkt. Dem Kunden / Touristen (uns hier im Forum wohl nicht immer, aber ich rede von einem vom ÖPNV sowieso genervten Autofahrer, der aus irgendwelchen Gründen nun doch mal (vielleicht auf Grund wirklich guter Werbung) versucht, ohne Auto in die Stadt zu fahren) ist es egal, ob eine grüne, blaue, gelbe weiße oder sonst für eine Bahn fährt und ob die über Reiseweg A oder Reiseweg B fährt.

EIN (in Worten: 1) Tastendruck, Fahrkarte kaufen, losfahren und das gute Gewissen "Ich habe die Fahrkarte, mit der ich heute in 'die Stadt' fahren kann, dort mit Bus und Bahn die touristischen Ziele erkunden und wieder zu meiner Unterkunft zurück fahren kann".

Wie man das genau umsetzt, wie die eine Taste heißen soll und wie man so ein Projekt bewirbt, ist Verhandlungssache, aber es muss so einfach und einheitlich sein, dass das Argument "Bus und Bahn fahren und Fahrkarten dafür zu kaufen ist zu kompliziert" vom Tisch ist.

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Gregor Jacobs
root@127.0.0.1 <-- Don't send mail or else!
Es scheint sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass ÖPNV-Nutzung einfacher werden muss, https://www.golem.de:

"Mobilitäts-App für Deutschland geplant
Schluss mit Waben, Kreisen und Zonen: Das 9-Euro-Ticket zeigt, dass es auch ohne geht. Eine einheitliche Mobilitäts-App soll folgen."



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.06.2022 14:45 von Neu Wulmstorf.
Zitat
Wolf Tiefenseegang
Zitat
christian schmidt
So machen Ringe z.B. in Hamburg oder München viel Sinn, aber im Ruhrgebiet sind Waben viel sinnvoller. Gerade der VBB-Tarif zeigt sehr gut wie Städte und ländliche Gebiete in einem Verbund vereint

Ich bin kein Freund von Waben, weil dadurch die Flexibilität verloren geht, sein Ziel auf unterschiedlichen Wegen erreichen zu können bzw. weil ich aufwendig anhand von irgendwelchen Plänen von Gegenden, die ich nicht kenne, prüfen muss, ob ein anderer Weg, der mir von der Fahrplanauskunft für die Rückfahrt vorgeschlagen wird, nicht durch andere Waben führt.

[…]

Ich hatte mal in Schleswig-Holstein ein "tolles" Erlebnis. Ich machte mit meinem Kind von Hamburg aus einen Ausflug zum Freizeitpark Talk-Schau. Diesen Park erreicht man mit einer Buslinie, die sonntags nur im 2-Stunden-Takt verkehrt und die Bahnhöfe Schleswig und Süderbrarup verbindet, die auf unterschiedlichen Bahnstrecken liegen. Nun musste ich mich beim Kauf der nicht gerade billigen Tageskarte nach dem Schleswig-Holstein-Tarif für eine Route entscheiden. Für die Hinfahrt habe ich eine Verbindung über Schleswig herausgesucht, die Rückfahrt konnte ich erst planen, wenn wir uns im Freizeitpark ausgiebig vergnügt und die "Nase voll" hatten und nach Hause wollten. Da nun die Wartezeit auf dem Bus Richtung Süderbrarup aufgrund der Fahrplangestaltung zu diesem Zeitpunkt und damit auch die Gesamtreisezeit nach Hamburg deutlich kürzer war habe ich mich über diese fahrgastfeindlichen "Fesseln" sehr geärgert.

Wobei das kein Problem eines Wabentarifs an sich ist, sondern ein Problem der Ausgestaltung. Da möchte ich mal auf den VBB verweisen, bei dem für Einzelfahrscheine und Tageskarten ab einer Entfernung von 5 Waben grundsätzlich¹ die Luftlinie preisbestimmend ist. Ausnahme ist, wenn man zu sehr von der Luftlinie abweicht, sodass der Preis zu einem Unterwegshalt teuer wird als zum Ziel. Ist ja auch klar, sonst würden alle, die an dem Unterwegshalt rauswollen, bis zu dem anderen Ziel lösen und einen Teil verfallen lassen.

Beispiel: von Frankfurt (Oder) nach Berlin kann man mit der Eisenbahn prinzipell auf 3 Wegen fahren: über Fürstenwalde, über Königs Wusterhausen und über Eberswalde. Eine zeitlang waren alle 3 Verbindungen auch umsteigefrei, jetzt nur noch über Fürstenwalde. Aber dennoch wirft die Fahrplanauskunft für Fürstenwalde und Königs Wusterhausen den gleichen Preis aus, eben weil die Strecke über Königs Wusterhausen nicht so sehr weit von der Fürstenwalder Strecke entfernt ist.
Nur über Eberswalde wird es teurer, weil Frankfurt–Eberswalde teurer ist als Frankfurt–Berlin.

Oder ein anderes Beispiel: bei geschickter Wahl von Start- und Zielort kann man mit einer VBB-Tageskarte² für 18€ die komplette Runde aus RB12, RB63 und RB24 fahren, also Berlin–Löwenberg–Templin–Eberswalde–Berlin (zumindest solange die RB63 noch zwischen Joachimsthal und Templin Stadt fährt).

Nun steht das Heraussuchen der passenden Orte für Start und Ziel für das genaue Gegenteil eines einfachen Tarifs, aber es zeigt, dass ein Wabentarif nicht per se schlecht sein muss.

Das Gegenteil habe ich aber auch im MDV erlebt. Ich wollte von Leipzig nach Halle und habe am Automaten an der Straßenbahnhaltestelle in Leipzig das Ziel Halle ausgewählt. Die ausgegebene Fahrkarte hätte ich aber nur im Bus nutzen dürfen. Für die S-Bahn braucht man noch eine weitere Wabe (Schkeuditz bzw. Flughafen).


¹im juristischen Sinne, d.h. es gibt Ausnahmen
²Preisstufe: Regionaltarif über 45 bis 55 km
Zitat
Neu Wulmstorf
Es scheint sich langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass ÖPNV-Nutzung einfacher werden muss, https://www.golem.de:

"Mobilitäts-App für Deutschland geplant
Schluss mit Waben, Kreisen und Zonen: Das 9-Euro-Ticket zeigt, dass es auch ohne geht. Eine einheitliche Mobilitäts-App soll folgen."

Das hört sich gefährlich danach an, als solle es in Zukunft nicht mehr möglich sein, ohne Smartphone günstig den ÖPNV zu benutzen.
Und das geht gar nicht. Ein Bezahlsystem für den ÖPNV kann so gestaltet werden, dass man auch das Smartphone zum Bezahlen nutzen kann, aber es muss weiterhin möglich sein, genauso günstig mit konventionellen Bezahlsystemen zu bezahlen.
Keinesfalls darf der Kauf von Fahrkarten oder günstigen Fahrkarten nur für Smartphone-Nutzer möglich sein.

Drei Gründe:
1. Barrierefreiheit bedeutet auch, dass Menschen mit Behinderungen, den ÖPNV nutzen können. Es ist ja nun bei weitem nicht so, dass alle Menschen mit Behinderungen kostenlos den ÖPNV benutzen dürften. Bei bestimmten Behinderungsarten ist es schwer möglich, ein Smartphone gut zu bedienen.

2. Der Besitz und die einwandfreie Funktion eines Smartphones sind nicht immer gegeben. Und eine Bezahlfunktion hat längst auch nicht jeder Mensch auf seinem Smartphone integriert. Man kann auch ganz gut ohne Smartphone leben und es gibt gute Gründe, die Smartphone-Nutzung zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten.

3. Für manche Menschen ist die Finanzierung des Smartphones oder eine entsprechende Bezahlfunktion eine weitere Hürde.

Andererseits kann eine bundeseinheitliche "App" von Vorteil sein, um zum Beispiel aufgestellte Fahrkartenautomaten zu bedienen. Wenn man den Begriff "App" einmal so auffasst, dass damit auch die Bedienung von Fahrkartenautomaten gemeint ist. Leider ist es derzeit oft so, dass selbst innerhalb eines Tarifverbundes unterschiedliche Fahrkartenautomaten stehen, an denen nicht immer oder nicht alle Fahrkartenangebote gekauft werden können. Oder es gibt unterschiedlich gestaltete Menü-Führungen, die zu Verwirrungen führen.

Zum Beispiel hatte ich kürzlich an den S-Bahn-Automaten in Hannover festgestellt, dass ich keine günstigen Bahntickets kaufen kann, bei denen eine Zugbindung besteht. Grund war der Betreiberwechsel der S-Bahn. Der alte Betreiber war die Deutsche Bahn, da konnte man an allen Fahrkartenautomaten auf das DB-Angebot zugreifen. Jetzt geht das nur noch eingeschränkt, weil viele DB-Automaten abgebaut wurden und die Automaten des neuen Betreibers das DB-Angebot nur eingeschränkt anbieten.
Siehe Foto!

Erschreckend: Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn sagte dazu nur: Das sind nicht unsere Automaten, dafür bin ich nicht zuständig. Ich versuchte ihn dafür zu sensibilisieren, dass für solche Zuständigkeits-Petitessen die wenigsten ÖPNV-Nutzer viel Verständnis aufbringen und er sich wenigstens ein, "Ich werde mich drum kümmern und das Problem in meinem Betrieb ansprechen." abringen könne.


Zitat
Alter Köpenicker
Das ist in der Tat nicht schön, hätte aber beim Blick auf das Liniennetz vermieden werden können. Sich vor der Benutzung des ÖPNV im Vorfeld wenigstens ein bißchen zu informieren, kann einem nicht abgenommen werden.
Mit solchen Karten kann man sich übers Netz von Stadtschnellbahnen, die unabhängig vom Oberflächenverkehr fahren, informieren, aber schon bei Straßenbahnen wirds schwierig, und beim Busverkehr völlig aussichtslos.

Die Lösung ist eine adreßgenaue Abfrage am Fahrkartenautomat, oder auch ohne die dafür nötige Umrüstung, die Fahrt per DBnavigator am Händie (ggf mit Sat-ortung des Startpunktes) zu ermitteln und dann die Zielhaltestelle am Fahrkartenautomat einzugeben.


immer noch keine richtige sig
Zitat
Neu Wulmstorf
Und es ist ja keinesfalls so, dass in Berlin Fahrkarten immer entwertet werden müssen. Man muss sich in Berlin informieren, ob die gekaufte Fahrkarte sofort gültig ist oder noch entwertet werden muss. Meine Fahrkarte im Bus, vom Flughafen Tegel in die Innenstadt, galt sofort. Und später musste ich wissen, dass die Fahrkarte aus dem Automaten nicht sofort gültig ist. Nachvollziehnbar und kundenfreundlich ist das nicht.
Wenn man beim Einsteigen in den Bus die Fahrkarte kauft, ist es eigentlich unsinnig, die nochmal entwerten zu müssen.

Es sei denn, man kauft eine Streifenkarte o.ä., d.h ein Stück papier für mehrere Fahrten.


immer noch keine richtige sig
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