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Ferkeltaxe
Wann wurde denn der Zugverkehr auf der Heidekraut-'Stammtrasse' zwischen Hertzstr. und früherem Bhf. Wilhelmsruh (inkl.) tatsächlich eingestellt? Meiner Kenntnis nach erst 1963, also ca. 2 Jahre nach den ersten Grenzzäunen dort, da ja alles im Osten gelegen war. Man verschärfte nur immer weiter das Grenzregieme und schloss dann eben auch dieses Stück Strecke mit Bhf. wegen der Lage im Grenzgebiet. Später wurde der Personenverkehr hier auch noch in Etappen von der DR weiter gen Norden zurückgezogen.
--> Weiß jemand Genaueres zum Einstellungszeitpunkt des Bhf. Wilhelmsruh der Heidekrautbahn und des Streckenstücks ab Hertzstr. zum Bhf.?
Der Autor Erich Preuß hat dazu recherchiert und das Ergebnis in seinem interessanten Buch " Die Niederbarnimer Eisenbahn - Auf Schienen ins Heidekraut" (1. Auflage 2001) dargelegt.
Die Niederbarnimer Eisenbahn AG wurde zum 1. Juli 1950 durch den Mehrheitseigner Groß Berlin, vertreten durch den Ostberliner Magistrat "in die Verwaltung und Nutznießung der Reichsbahn übernommen", wie es im Vertrag wörtlich heißt. Personal, Fahrzeuge und Anlagen gehörten danach zur DR. Zunächst für die Kunden (damals Reisende genannt) sehr positiv. Durch den S-Bahntarif bis Basdorf wurden Fahrkarten deutlich billiger. Die meisten Züge verkehrten über das Nordbahngleis bis zum Stettiner Bahnhof, was sich bei der BVG-Ost in einem erheblichen Rückgang der Fahrgastzahlen auf den parallelen Buslinien bemerkbar machte.
Allerdings währte die Freude nicht lange, denn 1952 schloss die DR die stark kriegsbeschädigten Kopfbahnhöfe. Danach endeten die Züge der Heidekrautbahn wieder in Wilhelmsruh. Immerhin richtete die DR 1953 direkt vor dem Werkstor von Bergmann Borsig einen zusätzlichen Haltepunkt ein, an dem zum Schichtwechsel die Züge stoppten.
Erst Wochen nach dem Mauerbau wurde der Personenverkehr zwischen Blankenfelde und Wilhelmsruh eingestellt,
ab dem 10. November 1961. Anlass waren Fluchtversuche über die ganz dicht zur Sektorengrenze gelegenen Gleisstrecke. Zunächst wurden die Fahrten über Karow und den Außenring (BAR) nach Lichtenberg geführt. Wegen der hohen Auslastung auf dem BAR legte die DR im Güterbahnhof Blankenburg am Verbindungsgleis zur ITF einen provisorischer Bahnsteig an, der ab 24.12.1961 genutzt wurde. Erst seit dem 3. Februar 1976 diente schließlich der S-Bahnsteig Karow als Heidekraut-Endbahnhof.
Zum Sommerfahrplan 1983 fielen auch die verbliebenen, aber kaum genutzten Zugfahrten zwischen Basdorf und Blankenfelde dem Rotstift zum Opfer. Die Strecke blieb jedoch als Anschlußgleis zum VEB Bergmann Borsig, später ABB, ADtranz und heute Stadler Pankow bis heute erhalten.
so long
Mario
1 mal bearbeitet. Zuletzt am 22.03.2026 02:32 von der weiße bim.