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Barrierefreier ÖPNV in Berlin
geschrieben von der weiße bim 
Und weiter geht's:

Wieder stehen die Pläne für drei zu errichtende Aufzuganlagen online zur Verfügung. Diesmal geht es um die Bahnhöfe Möckernbrücke (oben), Grenzallee und Heinrich-Heine-Straße.
Weil das unglaublich viel Material ist, habe ich mir nur den letzteren angeschaut. Unter Wegfall von Parkplätzen wird die Fahrbahn südlich der Köpenicker Straße aufgeweitet und eine Mittelinsel mit durchgehendem Aufzugschacht bis auf den Bahnsteig geschaffen. Im selben Projekt sollen auch die Treppeneinhausungen erneuert werden.
Interessant sind auch die nicht weiter verfolgten Alternativeinbauorte, inklusive einem Aufzug am südlichen Bahnsteigende. Auch die verworfenen Varianten sind in den Plänen dargestellt und erläutert. Nachdem sich ja um den nördlichen Nachbarbahnhof eine so lebhafte Diskussion entsponnen hat, sind die Pläne für den ein oder anderen wohl durchaus interessant.

Mit André hatte ich neulich die Diskussion, warum die Neubau-Bahnhöfe alle so exzessiv mit Entrauchungsklappen ausgestattet werden, was beim Bestand anscheinend niemand zu interessieren scheint. Wieder was gelernt: auch beim Bestand wird ein Entrauchungsnachweis fällig, dieser ist im Fall Heinrich-Heine-Straße auch einsehbar. Spannend zu lesen, mit was für komplexen Modellen (fast drei Millionen Berechnungspunkte) und simplen Annahmen (die Konzentration von toxischen Gasen ist, solange die optische Rauchdichte unter einem kritischen Wert bleibt, stets ungefährlich, also wird nur auf die nötige Sichtweite berechnet) dort gerechnet wird.
Wenns wen beruhigt: rausgekommen ist, dass Bahnsteig und Vorhallen selbst im ungünstigsten Fall, wenn ein Zug mit sich an entzünden befindenden Wagen im vorherigen Bahnhof abfährt und dann in Heinrich-Heine-Straße zum stehen kommt, für mindestens 8 Minuten mit einer mindestens 2 m hohen raucharmen Schicht belegt, so dass alle Insassen aus eigener Kraft flüchten können. Die geforderten 8 Minuten kommen aus einer anderen Berechnung der BVG und geben die Evakuierungszeit bei voll besetztem Bahnhof an.
Hier die Übersicht, wahrscheinlich wieder nur wenige Wochen geschaltet:
https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/politik_planung/planfeststellungen/de/oepnv/bekanntmachung_heinrich_heine_strasse.shtml
Hier exemplarisch die Pläne für Heinrich-Heine-Straße:
https://www.uvp-verbund.de/trefferanzeige?docuuid=732973E7-F984-493A-98CD-FBF8F34609AA

Die anderen findet Ihr bei Interesse schon selbst ;)



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.01.2019 19:23 von schallundrausch.
Zitat
schallundrausch
Im selben Projekt sollen auch die Treppeneinhausungen erneuert werden.

Die ja in Berlin recht einmalig sein dürften - sowohl was den Baustil betrifft als auch die Errichtungszeit. Hoffenlich bleibt das erkennbar.

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Zitat
schallundrausch
Und weiter geht's:
Wieder stehen die Pläne für drei zu errichtende Aufzuganlagen online zur Verfügung. Diesmal geht es um die Bahnhöfe Möckernbrücke (oben), Grenzallee und Heinrich-Heine-Straße.

Man beachte, dass die von der zuständigen Senatsverwaltung hier veröffentlichten Dokumente nur ein ganz kleiner Teil des Papierkriegs sind, der bei jedem Bauvorhaben an landeseigener Infrastruktur zu führen und zu gewinnen ist. Allein die Zeitdauer von der Antragstellung der BVG-Bauabteilung zur Plangenehmigung bis zur Bekanntmachung des Bescheides ist schon beeindruckend. Im Falle des Aufzugs im Bahnhof Grenzallee vom 27. Februar bis zum 21. November 2018. Ein bei Antragstellung gezeugtes Kind wäre eher auf der Welt gewesen als der Bescheid vom Amt im Briefkasten ...
Und erst nach Genehmigung darf die Ausführungsplanung zur Ausschreibung der Bauleistungen beginnen.

Im Falle des Bahnhofs Möckernbrücke betrifft der erteilte Bescheid auch nur den Bahnsteig 1 in Richtung Gleisdreieck. Für den Bahnsteig 2 und den unterirdischen Bahnsteig der U7 laufen gesonderte Verfahren.

so long

Mario
Für das Verfahren und den Bau der Aufzüge bleiben nicht mehr viel Zeit, da in drei Jahren nach EU-Norm alle U-Bahnhöfe barrierefrei sein müssen.
Zitat
Henning
Für das Verfahren und den Bau der Aufzüge bleiben nicht mehr viel Zeit, da in drei Jahren nach EU-Norm alle U-Bahnhöfe barrierefrei sein müssen.

Nein, müssen sie nicht. Man muss nur einen Plan haben, bis wann sie barrierefrei sind.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Gilt die Regelung inzwischen nicht mehr, dass ab dem 01.01.2022 der ÖPNV in der EU bis auf wenige begründbaren Ausnahmen komplett barrierefrei sein müssen?
Zitat
Henning
Gilt die Regelung inzwischen nicht mehr, dass ab dem 01.01.2022 der ÖPNV in der EU bis auf wenige begründbaren Ausnahmen komplett barrierefrei sein müssen?

Nein, eine solche Regelung gibt es überhaupt nicht! Das Thema hatten wir hier schon mehrfach - wann verschwindet diese Legende endlich aus den Köpfen? Das Datum steht einzig im deutschen Personenbeförderungsgesetz (PBefG) und gilt damit auch nur für den ÖPNV und nicht für die Eisenbahn, da im Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) ein solches Datum fehlt.

Grundlage ist auch keine EU-Verordnung, sondern die UN Behindertenrechtskonvention, die Deutschland ratifiziert hat.

Wie Nemo schon festgestellt hat, sind Ausnahmen möglich. Eine entsprechende Regelung muss über den Nahverkehrsplan erfolgen.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Zitat
Philipp Borchert
Zitat
schallundrausch
Im selben Projekt sollen auch die Treppeneinhausungen erneuert werden.

Die ja in Berlin recht einmalig sein dürften - sowohl was den Baustil betrifft als auch die Errichtungszeit. Hoffenlich bleibt das erkennbar.

Nein, die Eingangsgebäude werden komplett ersetzt. Ich kann allerdings nicht behaupten, dass ich das schade finde.
Die Einhausungen wurden 1990 schnell und mehr provisorisch zurechtgezimmert. Einen Stil kann ich da kaum erkennen, eher wurde zusammengeschweißt, was gerade noch auf dem Hof rum lag. Allein die Verkleidung mit Plexiglas, das schnell blind wurde, spricht Bände.
Die eigentlichen Zugangsbauwerke bestehen heute noch immer aus den Kellermauern der dort einst stehenden Wohnbauten. Denn alle Abgänge befanden sich ursprünglich in Bestandsbauten, in deren Keller nachträglich die Gänge und Treppen eingefügt wurden. Nur der Nordöstliche Ausgang zum 'Sage'Club ist davon noch übrig, die anderen müssen aber ähnlich ausgesehen haben.
Übrigens rührt daher auch der etwas spitze Winkel zwischen den beiden südlichen Treppen. Der beträgt etwas weniger als 90 Grad. Die Treppen mündeten in zwei Fronten des Eckhauses Neander-/Ecke Schmidstraße. Neue Jakob- und Schmidstraße trafen sich mal zu einer Kreuzung. Durch die DDR-Wohnriegel und die kleine Grünfläche dazwischen wurden sie abgetrennt, an den Treppen kann man aber bis heute noch die ehemaligen Fassadenfluchten ablesen. Bald nicht mehr, denn zumindest eine Treppe wird ein wenig verbreitert.
Hier ein Rendering vom neuen Eingang:


Das war mir alles übrigens auch vollkommen neu. Steht alles im Erläuterungsbericht, den ich nur zur Lektüre empfehlen kann, sind auch ein paar historische Pläne drin.
Der erste neue ÖPNV-Aufzug dieses Jahres wurde letzten Freitag auf dem U-Bahnhof Adenauerplatz in Betrieb genommen. Endlich kommt man auch von der U7 barrierefrei auf den Kudamm und wieder runter.

so long

Mario
Zwischenzeitlich wurde der Aufzug zum U-Bhf. Friedrich-Wilhelm-Platz in Betrieb genommen (das genaue Datum weiß ich nicht). Er befindet sich in der Mitte der Bundesallee in Höhe der Niedstraße. Der Aufzug ist über "Fußgängerampeln" von der Niedstraße bzw. vom Friedrich-Wilhelm-Platz (mit einem sehr breiten asphaltierten Weg zur Wilhelmshöher Straße) zu erreichen.

Der ohnehin "zugerichtete" Platz ist dadurch nicht gerade hübscher geworden - meine Freude über den neuen Aufzug ist etwas getrübt,

Marienfelde.
Zitat
Marienfelde
Zwischenzeitlich wurde der Aufzug zum U-Bhf. Friedrich-Wilhelm-Platz in Betrieb genommen (das genaue Datum weiß ich nicht). Er befindet sich in der Mitte der Bundesallee in Höhe der Niedstraße. Der Aufzug ist über "Fußgängerampeln" von der Niedstraße bzw. vom Friedrich-Wilhelm-Platz (mit einem sehr breiten asphaltierten Weg zur Wilhelmshöher Straße) zu erreichen.

Der ohnehin "zugerichtete" Platz ist dadurch nicht gerade hübscher geworden - meine Freude über den neuen Aufzug ist etwas getrübt,

Marienfelde.

Auch ich ertappe mich dabei, wie ich ständig meine Denke wieder auf den Prüfstein stellen muss. Man neigt einfach dazu, die letzte Änderung als wesentlich hinzunehmen, und die vorletzte, egal, wie lang die her ist, als gegeben vorauszusetzen.

Der autobahnmäßige Ausbau der Bundesallee in den 70ern hat den Friedlich-Wilhelm-Platz zerstört (den Bundesplatz noch viel schlimmer). Das jetzt wenigstens ein bisschen fußgängergerechte Infrastruktur hinzugefügt wird, ist durchweg positiv. Man sollte das allenfalls zum Anlass nehmen um zu überlegen, ob man die ganze Platzaufteilung nicht auf eine stadtverträgliches Maß zurechtstutzen könnte.

Dieselbe Haltung stößt mir jedes Mal bitter auf, wenn in der Presse die Rede davon ist, dass für einen neuen Radweg oder eine Busspur oder eine Straßenbahnstrecke Bäume fallen müssten. In der Regel ist das kausal falsch, nicht die nötigen neuen Räume verursachen Baumfällungen, sondern der Unwille, diese wichtigen und notwendigen Räume von den vorhandenen MIV-Flächen abzuzweigen.
Zurück zum Thema: Schönleinstraße steht jetzt endlich auf den Programm. Glücklicherweise gibt es bei den Vorkriegsbahnhöfen keinen Dissens bezüglich der der Denkmalwürdigkeit und der entsprechenden Erhaltung. Mit dem U Schönleinstraße wir nun einer der zwei versifftesten und heruntergekommenste

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/verkehr/nach-historischem-vorbild-bahnhof-schoenleinstrasse-wird-saniert-und-bekommt-aufzug-32096552n Verkehststationen der Stadt endlich in Angriff genommen. Ich hoffe die Weinmeisterstraße folgt dann bald.
Zitat
Marienfelde
Zwischenzeitlich wurde der Aufzug zum U-Bhf. Friedrich-Wilhelm-Platz in Betrieb genommen (das genaue Datum weiß ich nicht). Er befindet sich in der Mitte der Bundesallee in Höhe der Niedstraße. Der Aufzug ist über "Fußgängerampeln" von der Niedstraße bzw. vom Friedrich-Wilhelm-Platz (mit einem sehr breiten asphaltierten Weg zur Wilhelmshöher Straße) zu erreichen.

Der ohnehin "zugerichtete" Platz ist dadurch nicht gerade hübscher geworden - meine Freude über den neuen Aufzug ist etwas getrübt,

Marienfelde.

Nachträglich gebaute Aufzüge machen in aller Regel den Ort nicht schöner.
Zitat
Marienfelde
Zwischenzeitlich wurde der Aufzug zum U-Bhf. Friedrich-Wilhelm-Platz in Betrieb genommen (das genaue Datum weiß ich nicht). Er befindet sich in der Mitte der Bundesallee in Höhe der Niedstraße. Der Aufzug ist über "Fußgängerampeln" von der Niedstraße bzw. vom Friedrich-Wilhelm-Platz (mit einem sehr breiten asphaltierten Weg zur Wilhelmshöher Straße) zu erreichen.

Der ohnehin "zugerichtete" Platz ist dadurch nicht gerade hübscher geworden - meine Freude über den neuen Aufzug ist etwas getrübt,

Marienfelde.

Hierzu passend auch die

Zitat
BVG Pressemitteilung
Pressemitteilung



Berlin, 25. Februar 2019



Machen wir den Friedrich-Wilhelm drunter



Der U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz ist seit dem heutigen Montag, 25. Februar 2019, stufenlos erreichbar. Am Vormittag ging in der Station der Linie U9 der neue Aufzug in Betrieb. Er verbindet die Straßenebene (Mittelinsel) mit der Bahnsteigebene. Neben dem Aufzug wurde im Bahnhof auch ein taktiles Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte installiert.



Der barrierefreie Ausbau kostete rund 1,7 Millionen Euro. Parallel dazu lief und läuft die Grundsanierung des Bahnhofs. Diese Arbeiten dauern noch an. Neben den Fliesen werden dabei die Decken und Hintergleiswände sowie die Ausgänge erneuert. Die Ausgänge in Richtung Friedrich-Wilhelm-Platz sind für diese Arbeiten aktuell geschlossen. Sie sollen im Frühjahr 2019 wieder eröffnet werden.



Mit der Inbetriebnahme des neuen Aufzugs sind nun insgesamt 127 Berliner U-Bahnhöfe stufenlos erreichbar. 119 Stationen haben Aufzüge, acht weitere verfügen über Rampen.

Foto: Bleck & Söhne

Beste Grüße
Harald Tschirner


@ Harald Tschirner: Vielen Dank für die Komplettierung. Wer sich einen Eindruck über das frühere Aussehen des Friedrich-Wilhelm-Platzes verschaffen will, wird zum Beispiel hier fündig: [www.friedenau-aktuell.de]

Hier haben die Stadtbildzerstörer wirklich ganze Arbeit geleistet,

Marienfelde.
Zitat
Marienfelde
@ Harald Tschirner: Vielen Dank für die Komplettierung. Wer sich einen Eindruck über das frühere Aussehen des Friedrich-Wilhelm-Platzes verschaffen will, wird zum Beispiel hier fündig: [www.friedenau-aktuell.de]

Hier haben die Stadtbildzerstörer wirklich ganze Arbeit geleistet,

Marienfelde.

Leider nur zu wahr! Und nicht nur hier, z. B. nicht weit entfernt am Innsbrucker Platz sehr ähnlich. :-(

Beste Grüße
Harald Tschirner
Ja. Furchtbar. Dieser Aufzug versperrt die Sicht auf ganze 10 Häuser der Umgebung. Nur Stahl und Glas, kein Stein. Wer hat sich das nur ausgedacht? Kann nur jemand aus der Hölle sein...
Man man man. Was für ein Blödsinn sich teilweise hier ausgedacht wird, nur um einen Aufzug schlecht zu reden. Denkt mal an die Leute, die darauf angewiesen sind!!!

LG

Im Untergrund liegen Tunnel ;-)
Zitat
Untergrundratte
Ja. Furchtbar. Dieser Aufzug versperrt die Sicht auf ganze 10 Häuser der Umgebung. Nur Stahl und Glas, kein Stein. Wer hat sich das nur ausgedacht? Kann nur jemand aus der Hölle sein...
Man man man. Was für ein Blödsinn sich teilweise hier ausgedacht wird, nur um einen Aufzug schlecht zu reden. Denkt mal an die Leute, die darauf angewiesen sind!!!

Du hast uns gründlich mißverstanden. Nicht der Aufzug ist das Problem, sondern die sehr autofixierte Verkehrspolitik (hoffentlich) vergangener Jahrzehnte, die ursprünglich sehr schöne Platzsituationen (Friedrich-Wilhelm-Platz, Innsbrucker Platz, Bundesplatz usw.) zerstört hat. Der Hinweis darauf war mir wichtig, die an sich erfreuliche Fertigstellung des Aufzugs zum U-Bhf. Friedrich-Wilhelm-Platz lediglich der Anlaß der Kritik. Etwas besser weggekommen ist z.B. der benachbarte Viktoria-Luise-Platz.

Nochmals der Hinweis auf den obigen Link, auf den dortigen Bildern läßt sich die Situation vor dem autogerechten Umbau (nebst Beseitigung der Straßenbahn) jedenfalls erahnen.
Zitat
Untergrundratte
Ja. Furchtbar. Dieser Aufzug versperrt die Sicht auf ganze 10 Häuser der Umgebung. Nur Stahl und Glas, kein Stein.

Außerdem sieht das ganze Ensemble, also der Aufzug, die Verkehrsinsel und die Blindenleitstreifen irgendwie schief aus. Daß das noch niemand bemerkt hat! Haben wir es am Ende gar noch mit einer neuen Attraktion, dem schiefen Fahrstuhl von Friedenau zu tun?


Es fährt keinmal am Tag ein Bus und das in beide Richtungen.
Mir ist der schiefe Fahrstuhl auf dem Bild sofort aufgefallen. Das ist doch keine besondere Attraktion.
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