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Anfang 2019 Warnstreiks bei der BVG?
geschrieben von Tradibahner 
Als wenn der Fahrgast nicht schon genug zu leiden hat: [amp.berliner-zeitung.de]

MfG Holger



Hoch lebe die Meinungs- und Pressefreiheit!



Etwas Säbelrasseln gehört doch zur üblichen Prozedur unmittelbar vor Tarifverhandlungen. Da die VKA/Senatsseite, Aufsichtsräte und Vorstandsriege sich gegenseitig in Liebesbekundungen gegenüber Kunden und Personal überbieten, werden sie die auf dem Verhandlungstisch liegenden, berechtigten Forderungen zum größten Teil akzeptieren, so dass niemand ernsthafte Sorgen um seine Beförderung oder Angst vor stressigen Streiktagen haben muss.

so long

Mario
Zitat
der weiße bim
Etwas Säbelrasseln gehört doch zur üblichen Prozedur unmittelbar vor Tarifverhandlungen. Da die VKA/Senatsseite, Aufsichtsräte und Vorstandsriege sich gegenseitig in Liebesbekundungen gegenüber Kunden und Personal überbieten, werden sie die auf dem Verhandlungstisch liegenden, berechtigten Forderungen zum größten Teil akzeptieren, so dass niemand ernsthafte Sorgen um seine Beförderung oder Angst vor stressigen Streiktagen haben muss.

Witz komm raus...

Zur üblichen Verdi-Folklore gehören auch sogenannte "Warnstreiks", die man "zur Demonstration der Entschlossenheit" gerne VOR einer Verhandlungsrunde durchführt. Und im vorauseilenden Gehorsam stellt die BVG dann üblicherweise auch schon mal vorher den Betrieb komplett ein und lässt sich die Betriebshöfe blockieren, obwohl die Gerichte längst geklärt haben, dass diese Form des Streiks nicht geduldet werden muss.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Ja - ver.di läßt die Folklore sein und akzeptiert das sicher üppige Angebot des Kommunalen Arbeitheberverbands. Aus Sicht des KAV Berlin ein guter Vorschlag,

meint Marienfelde.
Bei den Verdi-Forderungen kann ich nichts finden, was direkt und vor allem kurzfristig der Betriebssituation und damit den Fahrgästen zugute kommt. Arbeitszeitverkürzungen und Erstattung von Gewerkschaftsbeiträgen ist reine Klientel-Politik und Macht-Sicherung.

Andererseits, wegen mir soll der Chaos-Laden ruhig streiken. Führt wenigstens dazu, dass man belastbar weiß, dass nichts fährt, und nicht tagtäglich im guten Glauben zur Haltestelle dackelt, um dann mit unangekündigter Nicht-Leistung abgestraft zu werden. Am Montag habe ich meinen Reiseversuch mit der U6 aufgrund mehrerer Ausfälle abgebrochen (!), der anschließende Bus fiel "natürlich" auch aus. Heute vormittag dann 25 Minuten auf einen 125er Bus gewartet, am Beginn der Linie. Einer ist ganz ausgefallen, der nächste mit +10 losgefahren.

Die Verkehrswende in Berlin scheitert zu allererst am Unvermögen der BVG.

André
Zitat
andre_de
Bei den Verdi-Forderungen kann ich nichts finden, was direkt und vor allem kurzfristig der Betriebssituation und damit den Fahrgästen zugute kommt.

Was sollte das zum Beispiel sein?
Zitat
Railroader
Zitat
andre_de
Bei den Verdi-Forderungen kann ich nichts finden, was direkt und vor allem kurzfristig der Betriebssituation und damit den Fahrgästen zugute kommt.

Was sollte das zum Beispiel sein?

Wie hier bereits vielfach diskutiert: Unbefristete Einstellung, Attraktivitätssteigerung für Azubis, verträglichere Einsatz- und Pausenplanung, ...
Zitat
andre_de
Zitat
Railroader
Zitat
andre_de
Bei den Verdi-Forderungen kann ich nichts finden, was direkt und vor allem kurzfristig der Betriebssituation und damit den Fahrgästen zugute kommt.

Was sollte das zum Beispiel sein?

Wie hier bereits vielfach diskutiert: Unbefristete Einstellung, Attraktivitätssteigerung für Azubis, verträglichere Einsatz- und Pausenplanung, ...

...weil diese Themen evtl. in anderen Verhandlungen auf anderer Ebene bearbeitet werden? Schließlich geht es bei Deiner - ja durchaus nicht unberechtigten - Wunschliste ja auch um haushaltsrelevante Dinge, denen der Eigentümer (in unser Aller Vertretung) ebenfalls zustimmen müsste.

Und ja, selbstverständlich betreibt eine Gewerkschaft "Klientel-Politik" für ihre Mitglieder - dafür wurde sie gegründet...

Viele Grüße
Arnd
Zitat
Arnd Hellinger
...weil diese Themen evtl. in anderen Verhandlungen auf anderer Ebene bearbeitet werden? Schließlich geht es bei Deiner - ja durchaus nicht unberechtigten - Wunschliste ja auch um haushaltsrelevante Dinge, denen der Eigentümer (in unser Aller Vertretung) ebenfalls zustimmen müsste.

Verstehe ich jetzt gerade nicht. Wieso sollten die genannten Punkte denn auf anderen Ebenen diskutiert werden, anstatt in Tarifverhandlungen? Und haushaltsrelevant ist ohnehin fast alles, was in Tarifverhandlungen besprochen wird, auch die im Artikel genannten Maßnahmen (dort sogar konkret in Euro bepreist). Da verstehe ich Deine Einschränkung jetzt auch nicht so recht.

Zitat
Arnd Hellinger
Und ja, selbstverständlich betreibt eine Gewerkschaft "Klientel-Politik" für ihre Mitglieder - dafür wurde sie gegründet...

Grundsätzlich selbstverständlich. Real dann aber insbesondere in großen Unternehmen (spreche aus eigener Erfahrung) ist die Haus-und-Hof-Gewerkschaft zumeist eine Vertretung der langjährigen (alten) Mitarbeiter, dort vorwiegend Besitzstandswahrung und Sicherung von Ansprüchen und Vergünstigungen, von denen später eingestellte nur träumen können. Das - auch tariflich - wahre Unrecht passiert jedoch nicht in dieser Klientel, sondern bei denen, die noch nicht so lange dabei sind, jünger usw. Und die lassen sich dann nachvollziehbarer Weise von diesen überalterten Gewerkschaftsstrukturen immer weniger überzeugen, ebenso wenig von deren Betriebsrats- und Aufsichtsratsvertreter-Listen. Profitieren tut von dieser Gewerkschaftspolitik vor allem die Arbeitgeberseite, da sie die Arbeitnehmer untereinander ausspielen kann.

Viele Grüße
André
Zitat
andre_de
Andererseits, wegen mir soll der Chaos-Laden ruhig streiken. Führt wenigstens dazu, dass man belastbar weiß, dass nichts fährt, und nicht tagtäglich im guten Glauben zur Haltestelle dackelt, um dann mit unangekündigter Nicht-Leistung abgestraft zu werden. Am Montag habe ich meinen Reiseversuch mit der U6 aufgrund mehrerer Ausfälle abgebrochen (!), der anschließende Bus fiel "natürlich" auch aus. Heute vormittag dann 25 Minuten auf einen 125er Bus gewartet, am Beginn der Linie. Einer ist ganz ausgefallen, der nächste mit +10 losgefahren.

Die Verkehrswende in Berlin scheitert zu allererst am Unvermögen der BVG.

André

Das Problem bei 08/15-Streiks ist, dass diejenigen, die über die Höhe der Gehälter, Arbeitszeit, usw. entscheiden, überhaupt nicht vom Streik betroffen sind. Und da frage ich mich schon, ob man da nicht mal kreativer rangehen kann. Z.B. in dem alles pünktlich fährt, aber die Fahrscheinverkäufer hinter dem Lenkrad streiken, und zusätzlich an Hotspots dummerweise auch die Automaten blockiert sind. Da steht dann doch tatsächlich am Flughafen Tegel der verdi-Infotisch ausgerechnet vor den Fahrkarten-Automaten und keiner kommt ran. Ups...^^

Oder man setzt die Warnstreiks punktuell. Da stehen dann die wenigen streikenden Busse so *hust* unglücklich, dass ein gewisses Wohngebiet in Biesdorf, die Holzmarktstr. oder die Niederkirchnerstr. mit protzigen Dienstwagen unerreichbar sind, wenn man keine kilometerlangen Fußmärsche veranstalten möchte.

Oder der Streik findet in den Abendstunden statt, wo weniger Fahrgäste betroffen sind, die BVG aber aufgrund verpasster Anschlüsse Garantiescheine in größerer Menge ausgeben muss und die Busse eventuell nicht mehr in die Betriebshöfe einrücken können.
Zitat
Tradibahner
Als wenn der Fahrgast nicht schon genug zu leiden hat

Naja, im S-Bahnthread hast du öfter geschrieben, die S-Bahner sollten sich mal alle zusammentun und für bessere Zustände streiken. Da war sogar die Rede von wildem Streik. Die Forderung konnte ich jedoch zum jeweiligen Zeitpunkt nicht nachvollziehen.

Ein Streik kommt immer ungelegen, ansonsten ist er nutzlos. Man könnte ja auch fragen, warum die ohnehin schon strapazierten BVG/BT-Kollegen ausgerechnet jetzt auch noch auf ihr Streikrecht verzichten sollten. Mitarbeiter im Fahrdienst sind ja nicht die Bediensteten der Fahrgäste, im Sinne von "dem Fahrgast verpflichtet sein", sondern ganz normale Arbeitnehmer mit Rechten und Pflichten gegenüber ihrem Arbeitgeber, dem VU. Und als solche haben sie eben auch Rechte, die jeder andere Angestellte im Büro oder am Fließband auch hat. Das Streikrecht ist schon wichtig.

@VvJ-Ente: Soweit mir bekannt, ist vieles nicht zulässig und ich finde auch zurecht. Dazu zählt zum Beispiel, Teile der Arbeit zu bestreiken, in dem man als Busfahrer beispielsweise keine Fahrkarten mehr verkauft. Wenn der seinen Dienst ausführt und somit auch sein Gehalt bekommt, muss er auch seine Arbeit ordentlich machen. Ebenso das Blockieren, Sabotieren oder Hindern von irgendwas oder irgendwen. Das kann dann auch nach hinten losgehen. Ich weiß, dass es da beim DB-Streik richtig Ärger gab, nachdem Lokführer des Fernverkehrs da Züge über Weichen geparkt haben und so ne Sachen. Die Gewerkschaft selbst hat daraufhin klare Verhaltensregeln rausgegeben.
Sagen wir mal so.
Bei dem bisherigen Angebot mit den vielen Ausfällen kommt das Personal noch gut weg bei den Fahrgästen, wenn man das auf den Bahnhöfen so hört und in diversen Foren liest. Diese "Sympathie" würde damit verloren gehen und wer will keine Unterstützung für seine Forderungen?
Zitat
andre_de
(...)
Real dann aber insbesondere in großen Unternehmen (spreche aus eigener Erfahrung) ist die Haus-und-Hof-Gewerkschaft zumeist eine Vertretung der langjährigen (alten) Mitarbeiter, dort vorwiegend Besitzstandswahrung und Sicherung von Ansprüchen und Vergünstigungen, von denen später eingestellte nur träumen können. Das - auch tariflich - wahre Unrecht passiert jedoch nicht in dieser Klientel, sondern bei denen, die noch nicht so lange dabei sind, jünger usw. Und die lassen sich dann nachvollziehbarer Weise von diesen überalterten Gewerkschaftsstrukturen immer weniger überzeugen, ebenso wenig von deren Betriebsrats- und Aufsichtsratsvertreter-Listen. Profitieren tut von dieser Gewerkschaftspolitik vor allem die Arbeitgeberseite, da sie die Arbeitnehmer untereinander ausspielen kann.

Viele Grüße
André

Im Grunde stehen hier Ursache und Wirkung Kopf. Seit vielen Jahrzehnten wird nicht nur in unserem Land eine Politik betrieben, mit der die Gewerkschaften mehr oder weniger systematisch in die Defensive gedrängt werden. Die Schutzfunktion für die älteren Kolleginnen und Kollegen war unter diesen Bedingungen noch wahrnehmbar, während die Gestaltungsfunktion der Gewerkschaften auf der Strecke blieb - eine fortlaufende Erosion der eigenen Handlungsbedingungen.

Befristete Arbeitsverträge, Scheinselbständigkeit, "Leiharbeit" als Druckmittel gegen Stammbelegschaften, öffentliche Ausschreibungen, in denen kleine Betriebe, die nach deutschem Recht Tariflöhne und Sozialversicherungsbeiträge zahlen, sich nicht zu beteiligen brauchen, Konzerne, die nirgends auf der Welt angemessene Ertragsteuern zahlen und dergleichen mehr.

Die Gewerkschaften stehen dieser Entwicklung mehr oder weniger ohnmächtig gegenüber. 40 Mio. abhängig Beschäftigte, von denen etwa 6 Mio. in einer Einzelgewerkschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes organisiert sind - diese Zahlen sagen schon etwas aus.

Der Protest gegen die eigene Ohnmacht geht dann meist nach rechts, Brexit, Front National, AFD usw. sind hier nur drei Stichworte. Was nun?

Jede Veränderung beginnt ja mit einem ersten kleinen Schritt. In eine Gewerkschaft eintreten, Fragen stellen, mitmachen - diesen ersten kleinen Schritt darf hierzulande jeder abhängig Beschäftigte machen. Das ist alles andere als selbstverständlich - auch und gerade nicht in unserem Land.

Also dann, einen schönen Donnerstag wünscht Euch
Marienfelde
@Marienfelde: Deine Allgemeinplätze gehen aber an der Situation in der Verkehrsbranche vorbei. Warum soll ich in eine Gewerkschaft eintreten, der es in erster Linie darum geht die eigenen Prfünde zu sichern oder die aus Trotz 2 Wochen streiken lässt, um dann das unveränderte Angebot zu unterschreiben?

Die zwei großen Platzhirsche der Branche (Verdi, EVG) sind in ihrer Selbstherrlichkeit kaum zu überbieten und wenn die EVG gegen die Senatsideen zur S-Bahn-Ausschreibung hetzt, dann etwa nicht, weil es sachlich begründet wäre, sondern weil bei Wechsel vom Wartung/Instandhaltung zum Fahrzeug-Hersteller dann plötzlich mit der IG Metall eine andere Gewerkschaft zuständig ist.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Zitat
VvJ-Ente
Das Problem bei 08/15-Streiks ist, dass diejenigen, die über die Höhe der Gehälter, Arbeitszeit, usw. entscheiden, überhaupt nicht vom Streik betroffen sind. Und da frage ich mich schon, ob man da nicht mal kreativer rangehen kann. Z.B. in dem alles pünktlich fährt, aber die Fahrscheinverkäufer hinter dem Lenkrad streiken, und zusätzlich an Hotspots dummerweise auch die Automaten blockiert sind. Da steht dann doch tatsächlich am Flughafen Tegel der verdi-Infotisch ausgerechnet vor den Fahrkarten-Automaten und keiner kommt ran. Ups...^^

Oder man setzt die Warnstreiks punktuell. Da stehen dann die wenigen streikenden Busse so *hust* unglücklich, dass ein gewisses Wohngebiet in Biesdorf, die Holzmarktstr. oder die Niederkirchnerstr. mit protzigen Dienstwagen unerreichbar sind, wenn man keine kilometerlangen Fußmärsche veranstalten möchte.

Oder der Streik findet in den Abendstunden statt, wo weniger Fahrgäste betroffen sind, die BVG aber aufgrund verpasster Anschlüsse Garantiescheine in größerer Menge ausgeben muss und die Busse eventuell nicht mehr in die Betriebshöfe einrücken können.

Du verstehst perfekt wie man Sozialneid rausstellt und sich unbeliebt macht mit hirnlosen Aktionen.
Zitat
Jay
@Marienfelde: Deine Allgemeinplätze gehen aber an der Situation in der Verkehrsbranche vorbei. Warum soll ich in eine Gewerkschaft eintreten, der es in erster Linie darum geht die eigenen Prfünde zu sichern oder die aus Trotz 2 Wochen streiken lässt, um dann das unveränderte Angebot zu unterschreiben?

Die zwei großen Platzhirsche der Branche (Verdi, EVG) sind in ihrer Selbstherrlichkeit kaum zu überbieten und wenn die EVG gegen die Senatsideen zur S-Bahn-Ausschreibung hetzt, dann etwa nicht, weil es sachlich begründet wäre, sondern weil bei Wechsel vom Wartung/Instandhaltung zum Fahrzeug-Hersteller dann plötzlich mit der IG Metall eine andere Gewerkschaft zuständig ist.

BT, sachgrundlose Befristungen, Busse, deren Kennzeichen nicht mit "B-V" beginnen - alles kein Thema? Na, dann ist ja alles schick.
Zitat
micha774
Sagen wir mal so.
Bei dem bisherigen Angebot mit den vielen Ausfällen kommt das Personal noch gut weg bei den Fahrgästen, wenn man das auf den Bahnhöfen so hört und in diversen Foren liest. Diese "Sympathie" würde damit verloren gehen und wer will keine Unterstützung für seine Forderungen?

Die Sympathie geht bei einem Streik in Deutschland immer dann flöten, wenn der Kunde länger selbst betroffen ist. Sicher gebe ich dir recht, dass hier nun der Eindruck entstehen könnte, man möchte jetzt die Fahrgäste auch noch von Seiten des Fahrpersonals weiter quälen. Jeder Mensch, der halbwegs intelligent ist und unsere Gesetze wichtig und richtig findet wird aber nach einer anfänglichen Wut auch zu dem Schluss kommen, dass es eben auch einfach das Recht der Angestellten ist und das zu einer Demokratie gehört. Wenn man Daseinsvorsorge fordert und Streiks unterbinden will, muss man das Fahrperonal halt verbeamten. Das wollen aber die Regierung und die Bevölkerung auch nicht. Das Fahrpersonal kann doch für die Krise nichts und wie lange sollten die ihre Rechte zum Wohle der Firma, für deren Unzulänglichkeiten sie überhaupt nichts können, einschränken?

Ausschlaggebend ist aber auch die Gewerkschaft. Wir hatten damals mit Schell einen tollen Mann in der GDL, der auch viele Fahrgäste mit ins Boot holen konnte und Augenmaß hatte. Das kann man vom Weselsky nicht sagen, der will mit dem Kopf durch die Wand. Ich bin mit ihm recht unzufrieden, eben weil mir oft die Verhältnismäßigkeit fehlt.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 07.12.2018 01:28 von Railroader.
Zitat
Jay
und wenn die EVG gegen die Senatsideen zur S-Bahn-Ausschreibung hetzt, dann etwa nicht, weil es sachlich begründet wäre, sondern weil bei Wechsel vom Wartung/Instandhaltung zum Fahrzeug-Hersteller dann plötzlich mit der IG Metall eine andere Gewerkschaft zuständig ist.

Beides trifft doch zu. Natürlich "hetzt" (wie ich dieses Wort mittlerweile für jegliche Kritik an irgendwas hasse) die EVG gegen dieses Ausschreibeverfahren, weil sie Angst hat, Mitglieder zu verlieren, ebenso hat sie aber auch Argumente dagegen vorgebracht, die durchaus schlüssig sind. Man sollte schon von beiden Seiten auch mal etwas über den Tellerrand schauen. Die S-Bahn hat funktioniert, im Ganzen, mit Geschäftsführern, die von der Materie Ahnung hatten. Gescheitert ist es, als irgendwelche BWLer das Sagen hatten und man Leute von der Basis (Ruppert, der sich weigerte, diesen Kurs mitzugehen) abgesägt hat. Man dümpelt hier mit irgendwelchen Experimenten rum, die anderswo auf der Welt schon gescheitert sind, als sich die Frage zu stellen: "Wie hat es damals funktioniert und wie kommen wir da ansatzweise wieder hin?"

Heute wird im Bezug auf Leute, die sich alte Zustände zurückwünschen, immer im negativen Sinne propagiert: "Ewig gestrig". Ich wünschte mir, dass wir bei der S-Bahn vergangene Zustände hätten. Neuschlaue Leute erfinden hier ein System neu, was ewig funktioniert hat und scheitern nun daran. Und das hat einfach andere Gründe als nur den Betreiber. Hier haben Politik, also Eigentümer der Bahn und Betreiber einfach schlichtweg über Jahrzehnte versagt.



5 mal bearbeitet. Zuletzt am 07.12.2018 10:37 von Railroader.
Gut gesagt @Railroader :)
Zitat
Railroader
Zitat
Jay
und wenn die EVG gegen die Senatsideen zur S-Bahn-Ausschreibung hetzt, dann etwa nicht, weil es sachlich begründet wäre, sondern weil bei Wechsel vom Wartung/Instandhaltung zum Fahrzeug-Hersteller dann plötzlich mit der IG Metall eine andere Gewerkschaft zuständig ist.

Beides trifft doch zu. Natürlich "hetzt" (wie ich dieses Wort mittlerweile für jegliche Kritik an irgendwas hasse) die EVG gegen dieses Ausschreibeverfahren, weil sie Angst hat, Mitglieder zu verlieren, ebenso hat sie aber auch Argumente dagegen vorgebracht, die durchaus schlüssig sind. Man sollte schon von beiden Seiten auch mal etwas über den Tellerrand schauen. Die S-Bahn hat funktioniert, im Ganzen, mit Geschäftsführern, die von der Materie Ahnung hatten. Gescheitert ist es, als irgendwelche BWLer das Sagen hatten und man Leute von der Basis (Ruppert, der sich weigerte, diesen Kurs mitzugehen) abgesägt hat. Man dümpelt hier mit irgendwelchen Experimenten rum, die anderswo auf der Welt schon gescheitert sind, als sich die Frage zu stellen: "Wie hat es damals funktioniert und wie kommen wir da ansatzweise wieder hin?"

Heute wird im Bezug auf Leute, die sich alte Zustände zurückwünschen, immer im negativen Sinne propagiert: "Ewig gestrig". Ich wünschte mir, dass wir bei der S-Bahn vergangene Zustände hätten. Neuschlaue Leute erfinden hier ein System neu, was ewig funktioniert hat und scheitern nun daran. Und das hat einfach andere Gründe als nur den Betreiber. Hier haben Politik, also Eigentümer der Bahn und Betreiber einfach schlichtweg über Jahrzehnte versagt.

Das Problem hat nicht nur die S-Bahn. Die Rotstift-Mentalität ging etwa zur Jahrtausendwende so massiv los, als BWL plötzlich als heiliger Studiengang gesehen wurde und dann der Markt mit BWLern überschwemmt wurde. Die Unternehmen haben sofort zugegriffen, in der Erwartung einer Prozeßoptimierung. Wohlweislich übersehend, daß das so gar nicht die Paradedisziplin von BWlern ist - die setzen grundsätzlich erstmal überall den Rotstift an. Trifft es Bereiche des Managements, wird zurückgerudert und dieser Teil der Rotstiftorgie fällt dem Rotstift zum Opfer, findet also nicht statt. Alles andere wurde über Jahre durchgewunken. Das war und ist auch in der privaten Wirtschaft inzwischen leider Standard.
In Bezug auf die S-Bahn, aber auch dem DB-Konzern insgesamt muß man allerdings sagen, daß hier die Politik kläglich versagt hat. Man hat schlicht übersehen oder wollte es womöglich auch gar nicht zur Kenntnis nehmen, daß der ÖPNV, und die S-Bahn ist Teil davon, dem Allgemeinwohl dient. Den gleichen Fehler hat man in Bezug auf die Lokführer gemacht, heute sieht man ja, wohin das geführt hat.
Das eigentliche Problem ist, daß ein Kurswechsel nunmehr Jahre braucht, der Schaden, der da angerichtet wurde, ist derart immens, daß er erst in etlichen Jahren bei gewolltem politischen Umdenken behoben werden kann. Da paßt dann auch die Kritik des Bundesrechnungshofs in Bezug auf mangelnde Qualitätssicherung bei den Ausgaben für die DB-Infrastruktur wunderbar ins Bild, die ich gerade heute in der Presse gelesen habe.
Der Berliner Senat hat doch mit der BVG im Prinzip genauso den Karren voll gegen die Wand gefahren, der Personal- und Fahrzeugmangel kommt ja nicht von ungefähr. Da haben Leute aus der Politik einfach mal die grundfalschen Entscheidungen getroffen, und ein wirkliches Umdenken ist nach wie vor nicht erkennbar. Da wird an den Symptomen herumgedoktert, aber kein Politiker ist gewillt, die Handlungen auf politischer Ebene der letzten 15 Jahre mal als eklatante Fehlentscheidungen zu brandmarken und ein Umdenken anzustoßen.

Dennis
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