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BVG-Krise in Zahlen
geschrieben von andre_de 
Zitat
B-V 3313
Beim Bus gibt es ein Fahrzeugproblem. Ständig werden Doppeldecker abgestellt und die fehlen dann.

Am 10.01. waren aktuell 104 Wagen, die eig. auf Indira-Gandhi-Str. stationiert sind an andere Höfe verliehen. Mit der Konsequenz, das der Hof seine eigenen Leistungen nicht mehr vollumfänglich abdecken konnte. Aus Verzweiflung werden 12m Autos auf den M41 und TXL gesetzt.

Die Kollegen die gestern mit 2294 (Citaro LE) auf dem TXL Dienst hatten, waren definitiv nicht zu beneiden.

Dafür haben gestern Kollegen von Cicero Dienste für Müllerstr. gefahren. Musste selber einem Kollegen bei Wagenübergabe erstmal erklären, wie der Scania mit den Türen etc. zu bedienen ist, weil er diesen Bustyp noch nie gefahren hat. Sehr hinderlich war dabei, das er so gut wie kein Wort verstanden hat. Das beruhte aber leider auch auf Gegenseitigkeit.

Fahrer bei der BT - Berlin Transport
Instagram: sunsetofberlin
Re: BVG-Krise in Zahlen
12.01.2019 08:42
Die Ausfallzahlen zeigen doch sehr deutlich, wie runtergewirtschaftet die BVG mittlerweile ist. Und verantwortlich ist dafür vornehmlich der Vorstand, also Frau Dr. Nikutta, Herr Haenecke und Herr Schulte sowie die in den letzten Jahren gefeuerten bzw. vom aktuellen Vorstand neu eingestellten Bereichsleiter. Aber auch die in der BVG traditionell sehr starken Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften sollten sich fragen lassen, welchen Anteil sie gerade am "Gegen die Wand-Fahren"-Kurs haben.

Die Ursachen für die Krise sind m.E. offensichtlich. Frau Dr. Nikutta räumt selber ein, dass bei den vielen repräsentativen Aufgaben nicht genug Zeit für den Betriebsvorstand hat (vielleicht hätte man da lieber mal die ein oder andere Grüßonkel-Tätigkeit wegfallen lassen, als darauf zu verzichten, das Unternehmen im Kerngeschäft ordentlich zu managen). Herr Haenecke interessiert sich sowieso nicht für den ÖV und träumt nur von BerlKönigen, Mobilitätshubs und On-Demand-Ridesharing-Projekten. Und Herr Schulte hat als Personalvorstand immer höhrere Krankenstände, Arbeitsunfähigkeitsquoten etc. zu verantworten.

Es ist erschrecken, wenn man sieht, was in der BVG momentan alles fehlt und woher die Ausfälle herkommen:

Bei der U-Bahn fehlt es an genügend fahrbereiten Zügen (unterlassene Investitionen der Spar-Jahre sowie aktuell fehlender Rahmenvertrag für Neubeschaffungen), an ausreichenden infrastrukturellen Werkstattkapazitäten (selbst wenn jetzt neue Züge da wären, wäre die Werkstatt Britz überfordert, alle Fahrzeuge der U6 bis U9 alleine zu unterhalten), an genügend Werkstattmitarbeitern (es ist kein Personalaufbau erfolgt trotz Mehrleistungen, steigendem Fahrzeugalter und absehbarer Waisentunnelschließung). Zudem fehlt auch noch Fahrpersonal, es gab ja trotz der Leistungsreduzierungen auf der U7 und der Fahrzeugausfälle öfter mal Personalausfälle.

Bei der Straßenbahn fehlen "nur" die Fahrer. Das führt dann dazu, dass von unseren Steuergeldern neu gekaufte Züge zu dutzenden auf dem Betriebshof rumstehen, während wir Fahrgäste uns in überfüllten Bahnen aneinanderkuscheln.

Beim Bus fehlen auch die Fahrer (vielleicht nicht rechnerisch, aber faktisch, wenn der Krankenstand längerfristig außergewöhnlich hoch ist) sowie eine ausreichende Anzahl großer Busse (altersbedingt insbesondere die Doppeldecker).

Und was plant unsere Politik: Einen neuen 15-jährigen Exklusivvertrag für die runtergewirtschaftete BVG.
Zitat
andre_de

Eine pauschale Verurteilung der Mitarbeiter war nicht meine Absicht und nicht meine Aussage. Ich habe mich lediglich gegen die aus meiner Sicht unzulässige Separierung gestellt "Das Unternehmen liefert schlecht ab, trotzdem machen die Mitarbeiter einen guten Job". Das ist von außen (Kundensicht) betrachtet einfach Unsinn, und es trägt kaum zur Lösungsfindung bei, wenn man sich aus Mitarbeitersicht selbst die Welt schönredet.

Da geht es nicht ums Schönreden, sondern darum, diejenigen, die noch mehr tun als sie müssten, ständig auf Frei kommen, nie krank sind und einen guten Job abliefern, nicht auch noch zu vergraulen, in dem man den Leuten dann noch an den Knopf knallt, dass sie ja eine miserable Leistung abliefern. Das hören sie von der Kundschaft schon zur Genüge, was wiederum für die Mitarbeiter dann nicht verständlich ist, weil sie in den meisten Fällen nichts für können. Von daher tut sich ein Unternehmen ganz gut daran, sich hinter seine Mitarbeiter zu stellen und sie auch mal öffentlichkeitswirksam zu loben. Mit Problemfällen wird man dann doch hoffentlich auch Personalgespräche führen.
Eine Kolumne im Tagesspiegel greift mit gelungener Ironie die BVG-Krise auf:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/martenstein-ueber-die-bvg-nichtfahrmetropole-berlin/23859212.html

Zitat

Berlin ist eine funktionierende Nichtfahrmetropole, ein Magnet für Nichtfahrer. Natürlich kann manches noch besser nicht laufen. 2019 werden wir unsere Busse noch weniger Kilometer fahren lassen.

Wie sagt man so schön: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen ;-)

Viele Grüße
André
def
Re: BVG-Krise in Zahlen
13.01.2019 21:28
Zitat
Railroader
Zitat
andre_de

Eine pauschale Verurteilung der Mitarbeiter war nicht meine Absicht und nicht meine Aussage. Ich habe mich lediglich gegen die aus meiner Sicht unzulässige Separierung gestellt "Das Unternehmen liefert schlecht ab, trotzdem machen die Mitarbeiter einen guten Job". Das ist von außen (Kundensicht) betrachtet einfach Unsinn, und es trägt kaum zur Lösungsfindung bei, wenn man sich aus Mitarbeitersicht selbst die Welt schönredet.

Da geht es nicht ums Schönreden, sondern darum, diejenigen, die noch mehr tun als sie müssten, ständig auf Frei kommen, nie krank sind und einen guten Job abliefern, nicht auch noch zu vergraulen, in dem man den Leuten dann noch an den Knopf knallt, dass sie ja eine miserable Leistung abliefern. Das hören sie von der Kundschaft schon zur Genüge, was wiederum für die Mitarbeiter dann nicht verständlich ist, weil sie in den meisten Fällen nichts für können. Von daher tut sich ein Unternehmen ganz gut daran, sich hinter seine Mitarbeiter zu stellen und sie auch mal öffentlichkeitswirksam zu loben. Mit Problemfällen wird man dann doch hoffentlich auch Personalgespräche führen.

Ich fand die Ausgangsformulierung (schlechte Leistung des Unternehmens ist Summe der Mitarbeiter) von Andre auch sehr gewagt - weil ich davon ausgehe, dass wir quasi keinen funktionierenden Nahverkehr mehr in Berlin hätten, wenn die Basis (Werkstattmitarbeiter und Fahrer bzw. andere im Fahrdienst Beschäftigte) schlicht Dienst nach Vorschrift machte und z.B. auf Überstunden konsequent verzichtete.

Der Fisch stinkt vom Kopf her. Für die regierende sPD war es einst sicher bequem, sich eine rückgratlose Abnickerin ins Haus zu holen, die sich lieber um superdupertollkreatives fännzie Hipstermarketing als um funktionierenden Nahverkehr kümmert. Für den Berliner Nahverkehr war das fatal, und es wird noch mindestens ein halbes Jahrzehnt dauern, bis man die Folgen einigermaßen im Griff hat. Nach bald einem Jahrzehnt an der Spitze kann sich Miss Management ('tschuldigung, der Schenkelklopfer lag einfach zu nahe) auch m.E. nicht mehr auf frühere Fehlentscheidungen berufen, es wäre genug Zeit gewesen, sie zu korrigieren.

Umso enttäuschter bin ich, dass auch die Grünen, doch angeblich an gutem ÖPNV interessiert, an Frau N. festhalten. Denn eine Verbesserung erwarte ich nicht, wenn sie noch nicht einmal zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme in der Lage ist, siehe das eingangs dankenswerterweise von André verlinkte Dokument.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.01.2019 21:30 von def.
Großer Lacher, def.

Obwohl ich bei weitem nicht mit allem übereinstimme - ich bin ja bekennender Fan der BVG-Kampagne und Würmschenmustersneakers - was mir am meisten fehlt, ist ein wenig Demut in der Chefetage und vor allem bei dieser Pressesprecherin. Ich habe keine Sachargumente gegen sie, aber ich mag sie nicht.

Buchner hat es tatsächlich drauf, nach innen auf Besserung hinzuwirken, und nach außen trotzdem die Defizite ehrlich zu kommunizieren. Da ist die S-Bahn wirklich um Längen besser als die BVG.
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