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BVG-Krise in Zahlen
geschrieben von andre_de 
Zitat
B-V 3313
Beim Bus gibt es ein Fahrzeugproblem. Ständig werden Doppeldecker abgestellt und die fehlen dann.

Am 10.01. waren aktuell 104 Wagen, die eig. auf Indira-Gandhi-Str. stationiert sind an andere Höfe verliehen. Mit der Konsequenz, das der Hof seine eigenen Leistungen nicht mehr vollumfänglich abdecken konnte. Aus Verzweiflung werden 12m Autos auf den M41 und TXL gesetzt.

Die Kollegen die gestern mit 2294 (Citaro LE) auf dem TXL Dienst hatten, waren definitiv nicht zu beneiden.

Dafür haben gestern Kollegen von Cicero Dienste für Müllerstr. gefahren. Musste selber einem Kollegen bei Wagenübergabe erstmal erklären, wie der Scania mit den Türen etc. zu bedienen ist, weil er diesen Bustyp noch nie gefahren hat. Sehr hinderlich war dabei, das er so gut wie kein Wort verstanden hat. Das beruhte aber leider auch auf Gegenseitigkeit.

Fahrer bei der BT - Berlin Transport
Instagram: sunsetofberlin
Re: BVG-Krise in Zahlen
12.01.2019 08:42
Die Ausfallzahlen zeigen doch sehr deutlich, wie runtergewirtschaftet die BVG mittlerweile ist. Und verantwortlich ist dafür vornehmlich der Vorstand, also Frau Dr. Nikutta, Herr Haenecke und Herr Schulte sowie die in den letzten Jahren gefeuerten bzw. vom aktuellen Vorstand neu eingestellten Bereichsleiter. Aber auch die in der BVG traditionell sehr starken Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften sollten sich fragen lassen, welchen Anteil sie gerade am "Gegen die Wand-Fahren"-Kurs haben.

Die Ursachen für die Krise sind m.E. offensichtlich. Frau Dr. Nikutta räumt selber ein, dass bei den vielen repräsentativen Aufgaben nicht genug Zeit für den Betriebsvorstand hat (vielleicht hätte man da lieber mal die ein oder andere Grüßonkel-Tätigkeit wegfallen lassen, als darauf zu verzichten, das Unternehmen im Kerngeschäft ordentlich zu managen). Herr Haenecke interessiert sich sowieso nicht für den ÖV und träumt nur von BerlKönigen, Mobilitätshubs und On-Demand-Ridesharing-Projekten. Und Herr Schulte hat als Personalvorstand immer höhrere Krankenstände, Arbeitsunfähigkeitsquoten etc. zu verantworten.

Es ist erschrecken, wenn man sieht, was in der BVG momentan alles fehlt und woher die Ausfälle herkommen:

Bei der U-Bahn fehlt es an genügend fahrbereiten Zügen (unterlassene Investitionen der Spar-Jahre sowie aktuell fehlender Rahmenvertrag für Neubeschaffungen), an ausreichenden infrastrukturellen Werkstattkapazitäten (selbst wenn jetzt neue Züge da wären, wäre die Werkstatt Britz überfordert, alle Fahrzeuge der U6 bis U9 alleine zu unterhalten), an genügend Werkstattmitarbeitern (es ist kein Personalaufbau erfolgt trotz Mehrleistungen, steigendem Fahrzeugalter und absehbarer Waisentunnelschließung). Zudem fehlt auch noch Fahrpersonal, es gab ja trotz der Leistungsreduzierungen auf der U7 und der Fahrzeugausfälle öfter mal Personalausfälle.

Bei der Straßenbahn fehlen "nur" die Fahrer. Das führt dann dazu, dass von unseren Steuergeldern neu gekaufte Züge zu dutzenden auf dem Betriebshof rumstehen, während wir Fahrgäste uns in überfüllten Bahnen aneinanderkuscheln.

Beim Bus fehlen auch die Fahrer (vielleicht nicht rechnerisch, aber faktisch, wenn der Krankenstand längerfristig außergewöhnlich hoch ist) sowie eine ausreichende Anzahl großer Busse (altersbedingt insbesondere die Doppeldecker).

Und was plant unsere Politik: Einen neuen 15-jährigen Exklusivvertrag für die runtergewirtschaftete BVG.
Zitat
andre_de

Eine pauschale Verurteilung der Mitarbeiter war nicht meine Absicht und nicht meine Aussage. Ich habe mich lediglich gegen die aus meiner Sicht unzulässige Separierung gestellt "Das Unternehmen liefert schlecht ab, trotzdem machen die Mitarbeiter einen guten Job". Das ist von außen (Kundensicht) betrachtet einfach Unsinn, und es trägt kaum zur Lösungsfindung bei, wenn man sich aus Mitarbeitersicht selbst die Welt schönredet.

Da geht es nicht ums Schönreden, sondern darum, diejenigen, die noch mehr tun als sie müssten, ständig auf Frei kommen, nie krank sind und einen guten Job abliefern, nicht auch noch zu vergraulen, in dem man den Leuten dann noch an den Knopf knallt, dass sie ja eine miserable Leistung abliefern. Das hören sie von der Kundschaft schon zur Genüge, was wiederum für die Mitarbeiter dann nicht verständlich ist, weil sie in den meisten Fällen nichts für können. Von daher tut sich ein Unternehmen ganz gut daran, sich hinter seine Mitarbeiter zu stellen und sie auch mal öffentlichkeitswirksam zu loben. Mit Problemfällen wird man dann doch hoffentlich auch Personalgespräche führen.
Eine Kolumne im Tagesspiegel greift mit gelungener Ironie die BVG-Krise auf:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/martenstein-ueber-die-bvg-nichtfahrmetropole-berlin/23859212.html

Zitat

Berlin ist eine funktionierende Nichtfahrmetropole, ein Magnet für Nichtfahrer. Natürlich kann manches noch besser nicht laufen. 2019 werden wir unsere Busse noch weniger Kilometer fahren lassen.

Wie sagt man so schön: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen ;-)

Viele Grüße
André
def
Re: BVG-Krise in Zahlen
13.01.2019 21:28
Zitat
Railroader
Zitat
andre_de

Eine pauschale Verurteilung der Mitarbeiter war nicht meine Absicht und nicht meine Aussage. Ich habe mich lediglich gegen die aus meiner Sicht unzulässige Separierung gestellt "Das Unternehmen liefert schlecht ab, trotzdem machen die Mitarbeiter einen guten Job". Das ist von außen (Kundensicht) betrachtet einfach Unsinn, und es trägt kaum zur Lösungsfindung bei, wenn man sich aus Mitarbeitersicht selbst die Welt schönredet.

Da geht es nicht ums Schönreden, sondern darum, diejenigen, die noch mehr tun als sie müssten, ständig auf Frei kommen, nie krank sind und einen guten Job abliefern, nicht auch noch zu vergraulen, in dem man den Leuten dann noch an den Knopf knallt, dass sie ja eine miserable Leistung abliefern. Das hören sie von der Kundschaft schon zur Genüge, was wiederum für die Mitarbeiter dann nicht verständlich ist, weil sie in den meisten Fällen nichts für können. Von daher tut sich ein Unternehmen ganz gut daran, sich hinter seine Mitarbeiter zu stellen und sie auch mal öffentlichkeitswirksam zu loben. Mit Problemfällen wird man dann doch hoffentlich auch Personalgespräche führen.

Ich fand die Ausgangsformulierung (schlechte Leistung des Unternehmens ist Summe der Mitarbeiter) von Andre auch sehr gewagt - weil ich davon ausgehe, dass wir quasi keinen funktionierenden Nahverkehr mehr in Berlin hätten, wenn die Basis (Werkstattmitarbeiter und Fahrer bzw. andere im Fahrdienst Beschäftigte) schlicht Dienst nach Vorschrift machte und z.B. auf Überstunden konsequent verzichtete.

Der Fisch stinkt vom Kopf her. Für die regierende sPD war es einst sicher bequem, sich eine rückgratlose Abnickerin ins Haus zu holen, die sich lieber um superdupertollkreatives fännzie Hipstermarketing als um funktionierenden Nahverkehr kümmert. Für den Berliner Nahverkehr war das fatal, und es wird noch mindestens ein halbes Jahrzehnt dauern, bis man die Folgen einigermaßen im Griff hat. Nach bald einem Jahrzehnt an der Spitze kann sich Miss Management ('tschuldigung, der Schenkelklopfer lag einfach zu nahe) auch m.E. nicht mehr auf frühere Fehlentscheidungen berufen, es wäre genug Zeit gewesen, sie zu korrigieren.

Umso enttäuschter bin ich, dass auch die Grünen, doch angeblich an gutem ÖPNV interessiert, an Frau N. festhalten. Denn eine Verbesserung erwarte ich nicht, wenn sie noch nicht einmal zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme in der Lage ist, siehe das eingangs dankenswerterweise von André verlinkte Dokument.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.01.2019 21:30 von def.
Großer Lacher, def.

Obwohl ich bei weitem nicht mit allem übereinstimme - ich bin ja bekennender Fan der BVG-Kampagne und Würmschenmustersneakers - was mir am meisten fehlt, ist ein wenig Demut in der Chefetage und vor allem bei dieser Pressesprecherin. Ich habe keine Sachargumente gegen sie, aber ich mag sie nicht.

Buchner hat es tatsächlich drauf, nach innen auf Besserung hinzuwirken, und nach außen trotzdem die Defizite ehrlich zu kommunizieren. Da ist die S-Bahn wirklich um Längen besser als die BVG.
Ausfälle bei der Bimmel haben sich verfünffacht.
[www.rbb24.de]
Zitat
micha774
Ausfälle bei der Bimmel haben sich verfünffacht.
[www.rbb24.de]

Alles das tritt ein was wir seit Monaten, eigentlich seit Jahren im Forum diskutieren.
Unten an der Basis rumort es, die oben interessierts nicht, die Senatspositionen sind zwar neuerdings pro BVG,
im Endeffekt gucken die aber auch aufs Geld,denn der übrige öffentliche Dienst bläst auch zum Tarifkampf.
Seit den Abfindungs und Vorruhestandsregelungen zur Optimierung der BVG fehlt es an Personal,genau an denen die eigentlich am dringensten gebraucht werden.
Auch wenn es zwischendurch Phasen gab, wo alle Dienste und wenige Reserven bedient werden konnten,
folgten darauf Phasen, in denen die Ausfälle apokalyptisch wurden, 10 A4 Seiten an Bettellisten waren es vor drei Jahren in der Spitze.
An was liegt es das die Generation der älteren Fahrer bis zur Wende und den Jahren danach noch bis 65 am Fahrschalter saßen,
und heute die Zahl derjenigen, die mit Mitte 50 fahrdienstuntauglich werden, immer größer wird?
Nicht nur daran, das es Wohlstandskrankheiten sind, wie die Unternehmensspitze sich gern herausredet.
Es gab damals Dienste von 9h-aber mit 20min Wendezeit je Endstelle-bezahlt. Heute werden 50min Pause abgezogen...
Dienstmassen werden optimiert auf die letzte Minute,Ruhezeiten knappst gerechnet, ein Turnus von spät nach früh ist ungesund.
Aber das Turnusmodell der wochenweisen Schichtlagen schlachtete man zuerst.
Der Verdienst im verlinkten Beitrag ist schon ziemlich schöngerechnet für Jungfahrer, wer davon eine Familie ernähren muß ist im wahrste Sinne arm dran,
empfindet es eben nur als Job unter anderen, und wer was besseres findet-der geht.
Ich bin gespannt was die Tarifverhandlungen bringen, nochmal lässt sich die Basis mit einem Ergebnis wie 2008 nicht abspeisen.
Die Sparmaßnahmen der Wowereit-Senatszeit kommen jetzt in der ganzen Stadt als Bummerang zurück, nicht nur bei der BVG.
Brücken sind abgängig, die Bürgerämter berappeln sich mühsam, Stellen für Amtsärzte usw nicht zu besetzen, überall veraltete Technik, die Liste ist sehr erweiterbar.

T6JP
Zitat
T6Jagdpilot
An was liegt es das die Generation der älteren Fahrer bis zur Wende und den Jahren danach noch bis 65 am Fahrschalter saßen,
und heute die Zahl derjenigen, die mit Mitte 50 fahrdienstuntauglich werden, immer größer wird?
Nicht nur daran, das es Wohlstandskrankheiten sind, wie die Unternehmensspitze sich gern herausredet.

Die mangelnde Bewegung des Oberflächenpersonals ist ein Tribut der modernen Zeit. Viele Fahrer schaffen es ja nicht einmal mehr an der Endstelle durch den Wagen zu gehen und nach Fundsachen zu schauen. Früher musste z.B. an jeder Endstelle aufgestanden werden um die Beschilderung zu ändern. Das macht heute der Kollege Computer ganz alleine. Und da ließen sich noch etliche weitere Beispiele finden.

Zitat
T6Jagdpilot
Es gab damals Dienste von 9h-aber mit 20min Wendezeit je Endstelle-bezahlt. Heute werden 50min Pause abgezogen...
Dienstmassen werden optimiert auf die letzte Minute,Ruhezeiten knappst gerechnet, ein Turnus von spät nach früh ist ungesund.

Spät auf früh war früher der Standard. Bei einem Nachtdienst am Ende der Schichtwoche dann sogar mit Doppeldienst. Erst früh und dann abends wieder bis in die Nacht. Die bezahlten 20 Minuten müssen zu BVB-Zeiten gewesen sein, im Westen gab es eine Seite um oder über 20 Minuten und auf der anderen dafür nur vier-fünf Minuten. Die berühmte 1/6-Regelung eben. Die vier Minuten gab es sogar, wenn es danach Betriebsfahrt zurück ging. So gab es dann solche Kapriolen:

1992-93 rum nachmittags:
135E Rathaus Spandau > Gatower Straße E. Heerstraße
09 Minuten Fahrzeit mit Leuten
04 Minuten Wendezeit
08 Minuten Betriebsfahrt zurück
19 Minuten Pause

40 Minuten = 2 Umläufe

Zitat
T6Jagdpilot
Aber das Turnusmodell der wochenweisen Schichtlagen schlachtete man zuerst.

Das gibt es doch immer noch.

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 28.01.2019 11:02 von B-V 3313.
T6JP, an dem was du geschrieben hast siehst du auch was verdi wert ist.

Außerdem lese ich hier immer wieder das die Nikutta dafür nichts kann ;-)
Re: BVG-Krise in Zahlen
28.01.2019 12:50
Zitat
T6Jagdpilot
Heute werden 50min Pause abgezogen...
Dienstmassen werden optimiert auf die letzte Minute,Ruhezeiten knappst gerechnet, ein Turnus von spät nach früh ist ungesund.
Aber das Turnusmodell der wochenweisen Schichtlagen schlachtete man zuerst.
T6JP

Also ich habe mal (in der Uni, sic!) gelernt, dass es Wunsch der Fahrer sei von spät nach früh zu arbeiten. Idealerweise mit einem kurzen Frühdienst. So hätten man quasi vier Tage statt zwei Tage frei und könne Kurzurlaub auf der Datsche machen.

*******
Aufgrund von Verzögerungen im Schreibablauf kommt es bei einige Beiträgen zu Verspätungen und Ausfällen.
Zitat
Logital
Also ich habe mal (in der Uni, sic!) gelernt, dass es Wunsch der Fahrer sei von spät nach früh zu arbeiten. Idealerweise mit einem kurzen Frühdienst. So hätten man quasi vier Tage statt zwei Tage frei und könne Kurzurlaub auf der Datsche machen.

Völlig richtig.

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Zitat
B-V 3313
Zitat
T6Jagdpilot
An was liegt es das die Generation der älteren Fahrer bis zur Wende und den Jahren danach noch bis 65 am Fahrschalter saßen,
und heute die Zahl derjenigen, die mit Mitte 50 fahrdienstuntauglich werden, immer größer wird?
Nicht nur daran, das es Wohlstandskrankheiten sind, wie die Unternehmensspitze sich gern herausredet.

Die mangelnde Bewegung des Oberflächenpersonals ist ein Tribut der modernen Zeit. Viele Fahrer schaffen es ja nicht einmal mehr an der Endstelle durch den Wagen zu gehen und nach Fundsachen zu schauen. Früher musste z.B. an jeder Endstelle aufgestanden werden um die Beschilderung zu ändern. Das macht heute der Kollege Computer ganz alleine. Und da ließen sich noch etliche weitere Beispiele finden.

Zitat
T6Jagdpilot
Es gab damals Dienste von 9h-aber mit 20min Wendezeit je Endstelle-bezahlt. Heute werden 50min Pause abgezogen...
Dienstmassen werden optimiert auf die letzte Minute,Ruhezeiten knappst gerechnet, ein Turnus von spät nach früh ist ungesund.

Spät auf früh war früher der Standard. Bei einem Nachtdienst am Ende der Schichtwoche dann sogar mit Doppeldienst. Erst früh und dann abends wieder bis in die Nacht. Die bezahlten 20 Minuten müssen zu BVB-Zeiten gewesen sein, im Westen gab es eine Seite um oder über 20 Minuten und auf der anderen dafür nur vier-fünf Minuten. Die berühmte 1/6-Regelung eben. Die vier Minuten gab es sogar, wenn es danach Betriebsfahrt zurück ging. So gab es dann solche Kapriolen:

1992-93 rum nachmittags:
135E Rathaus Spandau > Gatower Straße E. Heerstraße
09 Minuten Fahrzeit mit Leuten
04 Minuten Wendezeit
08 Minuten Betriebsfahrt zurück
19 Minuten Pause

40 Minuten = 2 Umläufe

Zitat
T6Jagdpilot
Aber das Turnusmodell der wochenweisen Schichtlagen schlachtete man zuerst.

Das gibt es doch immer noch.

Bei Diensten mit 4 Min Wendezeit ist die Bewegung wohl eher die zum Klo und zurück, für alles andere würde z.B. ich keine Zeit aufwenden.
Genauso wie bei Verspätung. Früher war aber auch mehr Bewegung weil man nicht nur einen Joystick bewegen musste in der Bim.

Klar rede ich bei " von früher" von BVB Zeiten, anderes war mir bis zum 9.11. 89 nicht bekannt..
Bestes Beispiel dafür war die SL 16,86 oder 25, bei 84 oder 26 waren es um die 12 min.
bei der 88 hat meist der Stau in der Wilhelminenhofstr die Pause gefressen, dafür war es aber kein Tagesdienst.

Lt.Aushang zum neuen Turnusmodell bei der Bimmel wurde der z.B. PET Turnus gestrichen.
Und mit der Befürwortung des spät->früh Turnus sind die "Umfrageergebnisse" wohl genauso verschieden,
wie im Fred über die Verkehrspolitik in Sachen Parteienumfragen.
In meiner Rangierbude bewegen sich die Aussagen zu diesem Turnus eher zu..: blos weg damit.

T6JP
Zitat
micha774
Ausfälle bei der Bimmel haben sich verfünffacht.
[www.rbb24.de]

Ohne es schönreden zu wollen: auch nach der Verfünffachung ist der Anteil der Ausfälle an allen Fahrten noch halbwegs moderat. 700.000 ausgefallene von 20.700.000 bestellten Nutzkilometern bedeuten, dass 3 % aller bestellten Nutzkilometer ausgefallen sind. Dies entspricht eher der heutigen Differenz zwischen Verkehrsvertrag und gefahrener Strecke bei der S-Bahn als dem Stand auf dem Höhepunkt der S-Bahn-Krise, wie manche hier gern glauben wollen.

Interessant und bedenklich ist allerdings, dass es Ausfälle in derselben absoluten und etwas größeren relativen Größenordnung schon 2015 gab, in den Jahren 2016 und 2017 hatten diese sich aber wieder erheblich reduziert.
Re: BVG-Krise in Zahlen
28.01.2019 22:10
Zitat
Logital
Also ich habe mal (in der Uni, sic!) gelernt, dass es Wunsch der Fahrer sei von spät nach früh zu arbeiten. Idealerweise mit einem kurzen Frühdienst. So hätten man quasi vier Tage statt zwei Tage frei und könne Kurzurlaub auf der Datsche machen.

Man arbeitet zwar lieber von spät nach früh, aber das nur lieber als von früh nach spät. Geregelte Arbeitszeiten sind den meisten Arbeitnehmern lieber, und ich glaube nicht, dass das bei Busfahrern anders ist. Einige älteren Kollegen, die sich noch eine Datsche leisten können, aber ich denke jüngere Fahrer, ggf. mit Familie, wollen nicht jeden Tag neu auswürfeln, wer die Kinder wegbringt und abholt, ob die Großeltern Zeit haben und ob die Arbeitszeiten des Partners passen.

Das es eine Verdichtung bei der Arbeitsleistung gibt, dass kann man ja gar nicht bestreiten. Das ist natürlich in allen Berufen so, bei gestiegenen Anforderungen. Gepaart mit ständiger Kontaktaufnahme, ob man noch mehr arbeiten kann und noch aushelfen kann, erhöht das natürlich das Stresslevel spürbar. Früher ist es eher die Ausnahme gewesen, dass man angerufen wird, ob man noch hier oder da etwas extra fahren kann. Man wusste ja wenigstens, wenn man vom Hof gegangen ist Bescheid, wie der nächste Tag aussieht, und sicher auch deutlich genauer, wie die nächste Woche ablaufen wird.

Das man unter diesen Bedingungen in allen betroffenen Berufen auch mehr Arbeitsentgelt zahlen muss, liegt ja auf der Hand. Gleichzeitig will man aufgrund der gestiegenen Anforderungen am liebsten nur noch top-ausgebildetes Personal einsetzten, Qualifizierung im Betrieb kann man sich nicht leisten, das wären ja unproduktive Zeiten.

Unter dem Aspekt ist es natürlich doppelt schwierig, Personal zu finden. Wenn man nur noch die Besten nimmt, und ein Arbeitsentgelt zahlt, was vielleicht den Arbeitsbedingungen vor 30 Jahren noch entsprochen hat, wird die Auswahl eben eher eng. Und über die gestiegenen Lebenshaltungskosten am Ort der Leistungserstellung (Berlin) haben wir dann noch gar nicht gesprochen.
Zitat
Lopi2000
Zitat
micha774
Ausfälle bei der Bimmel haben sich verfünffacht.
[www.rbb24.de]

Ohne es schönreden zu wollen: auch nach der Verfünffachung ist der Anteil der Ausfälle an allen Fahrten noch halbwegs moderat. 700.000 ausgefallene von 20.700.000 bestellten Nutzkilometern bedeuten, dass 3 % aller bestellten Nutzkilometer ausgefallen sind. Dies entspricht eher der heutigen Differenz zwischen Verkehrsvertrag und gefahrener Strecke bei der S-Bahn als dem Stand auf dem Höhepunkt der S-Bahn-Krise, wie manche hier gern glauben wollen.

Ich traue diesen Zahlen noch nicht ganz, weil (zumindest aus dem Bauch raus) alleine die Komplettausfälle der E-Kurse der M5, M6 und M8 schon mehr ausmachen müssten, zusätzlich fielen und fallen aber auch Stammkurse aus. Wenn da mal nicht irgendein Rechentrick drin ist, die Ausfälle werden ja nicht nach ausgefallenen Umläufen berechnet, sondern nach der Formel "Ausfall ist, wenn an der Haltestelle innerhalb des Soll-Taktes nicht irgendeine Bahn vorbei kommt", mal flappsig formuliert.

Viele Grüße
André
Zitat
micha774
Ausfälle bei der Bimmel haben sich verfünffacht.
[www.rbb24.de]

Das Zitat ist etwas unscharf (um nicht zu sagen falsch). Die Rede ist von personalbedingten Ausfällen.

Die Morgenpost schreibt etwas ausführlicher darüber:
https://www.morgenpost.de/berlin/article216310233/Strassenbahnen-fallen-aus-weil-die-Fahrer-fehlen.html

Darin:
Zitat

Die personalbedingten Ausfälle bei der Berliner Straßenbahn haben sich innerhalb von nur zwei Jahren mehr als verfünffacht. Das zeigen interne Zahlen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die dem RBB vorliegen. Zugleich habe sich die Anzahl ausgefallener Kilometer bei der Straßenbahn innerhalb der letzten zehn Jahre fast verzehnfacht, heißt es weiter.

Bemerkenswert auch die folgende Aussage, die die zeigt, wie kaputt die interne Personalpolitik der BVG ist:
Zitat

Fast ein Viertel des Azubi-Jahrgangs 2018 habe die BVG verlassen, berichtet ein Straßenbahn-Fahrer dem RBB. Die meisten seien zur Berliner S-Bahn gewechselt, die 500 Euro netto mehr bezahle und familienfreundlichere Dienstzeiten anbiete.

Viele Grüße
André
def
Re: BVG-Krise in Zahlen
29.01.2019 08:45
Zitat
andre_de
Bemerkenswert auch die folgende Aussage, die die zeigt, wie kaputt die interne Personalpolitik der BVG ist:
Zitat

Fast ein Viertel des Azubi-Jahrgangs 2018 habe die BVG verlassen, berichtet ein Straßenbahn-Fahrer dem RBB. Die meisten seien zur Berliner S-Bahn gewechselt, die 500 Euro netto mehr bezahle und familienfreundlichere Dienstzeiten anbiete.

Da bleiben sie wenigstens innerhalb des Systems und der Region, besser als nichts.

Mal ganz doof gefragt: Ist es eigentlich verboten, sich an der S-Bahn zu orientieren, um die Mitarbeiter wenigstens zu halten?
Gäbe es also bei der S-Bahn mehr Ausfälle, wenn die BVG besser zahlen* würden?


*vereinfacht formuliert, besser: die Arbeitenden halten würde
Durchaus möglich. Wer jung ist und das geld braucht, geht dahin wo es ohne viel Trara geboten wird.
Haben viele der Handwerkerazubis auch gemacht, die schrauben jetzt beim Stadler..

T6JP
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