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Wiederaufbau der Siemensbahn
geschrieben von Trittbrettfahrer 
Ich finde es interessant, wie wenig Seitenblick die Autobahn GmbH da hat. Die Wiederinbetriebnahme der Bahn wird seit Jahren geplant und öffentlich diskutiert und außerdem ist die Bahnstrecke rein rechtlich an der Stelle sogar in Betrieb. Bei einem Planer sollten da doch eigentlich ein paar Alarmglocken läuten.

Oder ist man bei den Straßenplanern halt gewohnt, dass sich alle unterordnen und man daher machen kann, was man will?

Dass sich zwei Bundesunternehmungen vor Gericht wiedersehen dürfte ja wohl unwahrscheinlich sein. Also wird es eine Vermittlung oder ein Machtwort vom Bundesverkehrsminister als gemeinsamen Chef geben - oder?

Edit: Im Planfeststellungsantrag der Autobahnbrücke steht übrigens eine alternative Anbindung der Autobahnbaustelle drin - mit Hilfe einer weiteren provisorischen Spreequerung. Man könnte also vor Gericht nichtmal behaupten, dass es nicht anders geht, wird dann halt nur teurer. Vielleicht hatten die doch nicht so wenig Seitenblick, man versucht nur die billige Variante durchzukriegen.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



7 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.05.2025 14:02 von Nemo.
Ich würde die Siemensbahn zwar nicht als unentbehrlich bezeichnen, aber aus Prinzip allein sollten die Kosten der Verschiebung der Eröffnung komplett der Autobahn angerechnet werden. Es kommt ja oft genug vor, dass die niveaufreien Kreuzungen dieser beiden Verkehrswege allein der Eisenbahn angerechnet werden (sollen) oder dass man wohl wissentlich künftige Bahnstrecken mit Straßen durchquert, ohne eine Querung zu berücksichtigen, nur um dann beim Bahnbau alles der pöhsen Bahn anzulasten.
Zitat
Krumme Lanke
Ich würde die Siemensbahn zwar nicht als unentbehrlich bezeichnen, aber aus Prinzip allein sollten die Kosten der Verschiebung der Eröffnung komplett der Autobahn angerechnet werden. Es kommt ja oft genug vor, dass die niveaufreien Kreuzungen dieser beiden Verkehrswege allein der Eisenbahn angerechnet werden (sollen) oder dass man wohl wissentlich künftige Bahnstrecken mit Straßen durchquert, ohne eine Querung zu berücksichtigen, nur um dann beim Bahnbau alles der pöhsen Bahn anzulasten.

Nun ja. In einem Rechtsstaat ist alles juristisch geregelt, hier im "Eisenbahnkreuzungsgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. März 1971 (BGBl. I S. 337), das zuletzt durch Artikel 2 des Gesetzes vom 31. Mai 2021 (BGBl. I S. 1221) geändert worden ist".
Die Beteiligten an Kreuzungen haben sich daran zu halten.

Ob die Siemensbahn unentbehrlich ist, darüber kann man durchaus streiten. Sie wurde ja vom Siemens-Konzern errichtet, weil die (nicht in Siemensstadt wohnenden) Mitarbeiter mit der Leistungsfähigkeit und Störanfälligkeit der städtischen Straßenbahnverbindungen total unzufrieden waren. Fußwege von und zum Vorortbahnhof Siemensstadt-Fürstenbrunn an der Hamburger Bahn oder gar zum Ringbahnhof Jungfernheide waren zeitraubend und anstrengend. Die Stadt Berlin und ihre Hochbahngesellschaft kamen mit U-Bahnprojekten (wie auch heute üblich zunächst mit ausgiebigen wie fruchtlosen Diskussionen) über die Verlängerung der Zweigstrecke ab Charlottenburg, Wilhelmplatz nicht voran. Erst in den 60er/70er Jahren wurde die Sache spruchreif und mit finanzieller Bundeshilfe zügig umgesetzt.

Also investierte der aufblühende Großkonzern beizeiten selbst und betraute die Reichsbahn mit dem Betrieb. Schon die im Eröffnungsjahr der Siemensbahn ausbrechende Weltwirtschaftskrise, ausgelöst in den USA, sorgte für Probleme durch geringere als die erwarteten Fahrgastzahlen und Erlöse. Schon bald nach den Kriegszerstörungen und Wiederaufbau sank der Stern erneut durch Boykottaufrufe, die zu stark sinkender Nutzerzahl und steigender Unwirtschaftlichkeit führte. Die Einstellung 1980 war die Konsequenz. Nicht mehr lange, und die Strecke ist ebenso lang stillgelegt, wie sie in Betrieb war.

so long

Mario
Zitat
der weiße bim
Ob die Siemensbahn unentbehrlich ist, darüber kann man durchaus streiten.

"Unentbehrlich" ist ein großes Wort, aber die Fahrgastzahlen in der Weltwirtschaftskrise und während des S-Bahn-Boykotts herzunehmen, um die Strecke als eher sinnlos darzustellen, ist auch eher so naja.

Vor zehn Jahren wäre auch noch recht skeptisch gegenüber einer Wiederinbetriebnahme gewesen, inzwischen halte ich sie aber durchaus für sinnvoll - einfach wegen der Stadtentwicklung, die in diesem Bereich vorgesehen und zum Teil auch schon umgesetzt ist. Der Siemens-Campus ist das eine, aber auch Wohnbau ist bekanntlich hier durchaus ein Thema: Wohnungen für bis zu 7.400 Menschen auf der Insel Gartenfeld, 9.000 neue Wohnungen (also vielleicht für 15.000-20.000 Menschen) in der Wasserstadt Oberhavel, Wohnungsbau unmittelbar neben dem S-Bahnhof Gartenfeld. Dazu bietet die S-Bahn eine schnelle Verbindung Richtung Hauptbahnhof und City-Ost.

Ich bin mir sicher, dass sich weder S-Bahn noch U7 in der Siemensstadt über mangelnde Nutzung beklagen werden, genauso wenig wie zwischen Jungfernheide und Neukölln.

Die DB hat übrigens der Aussage widersprochen, dass die Siemensbahn erst erheblich später in Betrieb gehe. Sie hält an einem Eröffnungstermin 2029 fest. (These mit Blick auf die S15: Fertigstellung 2037, Eröffnung nach technischer Abnahme 2052.)

Bezeichnend auch die Nicht-Reaktion des Angebote-statt-Verbote-Senats auf die angedrohte Verzögerung: während man sich nicht entblödet, zu dritt (Regierender Bürgermeister, zwei Senatorinnen) bei einem Spatenstich für eine eher unbedeutende U-Bahn-Verlängerung aufzufahren, der keiner ist (zumindest nicht für die angekündigte Verlängerung), ruft eine angedrohte jahrelange Verzögerung bei einer S-Bahn-Strecke mit 3,5 mal so vielen Fahrgästen noch nicht mal Kritik hervor.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 17.05.2025 08:35 von def.
Zitat
def
Die DB hat übrigens der Aussage widersprochen, dass die Siemensbahn erst erheblich später in Betrieb gehe. Sie hält an einem Eröffnungstermin 2029 fest.

Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, wie man den Leuten gegenüber so offensiv unehrlich sein kann. Die winzige Strecke zum Hauptbahnhof, deren Endstation ja sowieso schon nur provisorischer Natur sein soll, ist nun bereits im vierten Jahr hinter der ursprünglich vorgesehenen Inbetriebnahme und derzeit ist - zumindest öffentlich - überhaupt nicht klar, wann denn nun die Eröffnung sein soll. Alle Bauwerke sind fertig gestellt, die Gleise liegen und wir warten, warum, wissen die meisten Leute gar nicht. Aber die Siemensbahn, an der bislang nicht auch nur ansatzweise aktiv gearbeitet wird und für die noch eine große Brücke komplett neu gebaut werden muss, die soll schon in viereinhalb Jahren fertig sein?

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Für mehr Ümläüte!
Fun Fact: der Bau der Siemensbahn wurde 1925, also vor ziemlich genau hundert Jahren, beschlossen. 1927 begann der Bau, 1929 wurde die Strecke eröffnet. Vor einem Jahrhundert hat man es, gar ohne CAD und heutige Bautechnik, geschafft, die Strecke innerhalb von vier Jahren zu planen und zu bauen. Ich fürchte, das schafft man heute nicht mehr...
Zitat
Krumme Lanke
ohne eine Querung zu berücksichtigen, nur um dann beim Bahnbau alles der pöhsen Bahn anzulasten.

Was bedeutet das denn nun in Hinblick auf den Wilhelmsruher Damm?

fragt Heidekraut
Zitat
Heidekraut
Zitat
Krumme Lanke
ohne eine Querung zu berücksichtigen, nur um dann beim Bahnbau alles der pöhsen Bahn anzulasten.

Was bedeutet das denn nun in Hinblick auf den Wilhelmsruher Damm?

fragt Heidekraut

Da gibt es doch bereits einen Bahnübergang - oder?

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Es gab mal Pläne für eine ...teure... grosszügige Unterführung, sogar tauglich für Doppeldecker.
Zitat
def
Fun Fact: der Bau der Siemensbahn wurde 1925, also vor ziemlich genau hundert Jahren, beschlossen. 1927 begann der Bau, 1929 wurde die Strecke eröffnet. Vor einem Jahrhundert hat man es, gar ohne CAD und heutige Bautechnik, geschafft, die Strecke innerhalb von vier Jahren zu planen und zu bauen. Ich fürchte, das schafft man heute nicht mehr...

...damals gab es aber auch nicht so viele Nimbys, Grashalmschützer, Vorschriften und Neunmalkluge
Zitat
def
Fun Fact: der Bau der Siemensbahn wurde 1925, also vor ziemlich genau hundert Jahren, beschlossen. 1927 begann der Bau, 1929 wurde die Strecke eröffnet. Vor einem Jahrhundert hat man es, gar ohne CAD und heutige Bautechnik, geschafft, die Strecke innerhalb von vier Jahren zu planen und zu bauen. Ich fürchte, das schafft man heute nicht mehr...

Hat man doch in dem Planungsvideo gesehen: Heute muss das erstmal zwei Jahre im BIM modelliert werden, da man danach mit der eigentlichen Planung am Bestand beginnen kann und gaaaanz viele Planungskollisionen sofort erkennen kann!

Wie man so eine Bahn mal ohne BIM bauen konnte, muss genauso mysteriös sein, wie der Bau der Pyramiden von Gizeh.
Zitat
Heidekraut
Zitat
Krumme Lanke
ohne eine Querung zu berücksichtigen, nur um dann beim Bahnbau alles der pöhsen Bahn anzulasten.

Was bedeutet das denn nun in Hinblick auf den Wilhelmsruher Damm?

fragt Heidekraut

Dass die Tram da niemals fahren wird. Jedenfalls nicht, solange die CDU, anstatt das „grüne Chaos“ in Berlin regiert.
Zitat
DerMichael
Zitat
def
Fun Fact: der Bau der Siemensbahn wurde 1925, also vor ziemlich genau hundert Jahren, beschlossen. 1927 begann der Bau, 1929 wurde die Strecke eröffnet. Vor einem Jahrhundert hat man es, gar ohne CAD und heutige Bautechnik, geschafft, die Strecke innerhalb von vier Jahren zu planen und zu bauen. Ich fürchte, das schafft man heute nicht mehr...

Hat man doch in dem Planungsvideo gesehen: Heute muss das erstmal zwei Jahre im BIM modelliert werden, da man danach mit der eigentlichen Planung am Bestand beginnen kann und gaaaanz viele Planungskollisionen sofort erkennen kann!

Wie man so eine Bahn mal ohne BIM bauen konnte, muss genauso mysteriös sein, wie der Bau der Pyramiden von Gizeh.

Hallo, ein Neubau wäre auch heute wesentlich schneller und vermutlich auch günstiger. Das liegt in der Natur der Dinge, dass keiner so richtig weiß, was an Materiallien wie verbaut wurde und wie die Struktur die 100 Jahre Standzeit so überstanden hat. Falls noch Pläne vom Bau vorliegen, ist nicht sicher, in wie weit diese dem Istbestand entsprechen, daher muss das gesamte Bauwerk zuerst Milimeter für Milimeter erfasst werden, um entscheiden zu können, was wo alles überarbeitet und verstärkt werden muss. Man bedenke, dass z.B. die Bahnsteige auf die heute übliche Höhe gebrachtwerden müssen, die Züge ein paar Tonnen zugelegt haben, Fahrstühle eingebaut werden und auch Laufstege entlang des gesamten Brückenbereches nachgerüstet werden mussen.

Mit freundlichen Grüßen

Theo
^ Kann man das heutzutage statistisch überhaupt noch nachträglich berechnen? Es gab mal ein Video von einem Type im Norden, der in Uralten Gemäuern Wolle produzieren wollte und vom Amt permanent Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt. Angeblich konnte für das uralte Gemäuer keine statische Analyse mehr gemacht werden, weil „Bruchstein“ im Dropdown-Menü des Statikprogramms nicht vorkommt.
Zitat
DerMichael
^ Kann man das heutzutage statistisch überhaupt noch nachträglich berechnen? Es gab mal ein Video von einem Type im Norden, der in Uralten Gemäuern Wolle produzieren wollte und vom Amt permanent Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt. Angeblich konnte für das uralte Gemäuer keine statische Analyse mehr gemacht werden, weil „Bruchstein“ im Dropdown-Menü des Statikprogramms nicht vorkommt.
Da die Statikprogramme speziell fürs Nachrechnen von alten Stahlbrücken geschrieben worden sind, können die das natürlich alles Berechnen, vorallem weil die Brücke eine industriell hergestellte Brücke ist, die eigentlich nur aus relativ gut berechenbaren Teilen und Werkstoffen besteht. Man muss heute nur feststellen, wie viel von der ursprünglichen Dicke noch nicht weggerostet ist.

Eine Mauer mit unregelmäßigen Steinen unterschiedlicher Qualität, die mit einem Mörtel zusammengehalten werden, dessen Qualität sich nach Laune des Maurermeisters, des Gesellen und der lokal damals vorhandenen Rohstoffe ändern kann, erscheint mir da wesentlich schwerer zu berechnen.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 18.05.2025 03:01 von Nemo.
Zitat
Philipp Borchert
Aber die Siemensbahn, an der bislang nicht auch nur ansatzweise aktiv gearbeitet wird und für die noch eine große Brücke komplett neu gebaut werden muss, die soll schon in viereinhalb Jahren fertig sein?

Das wird sehr viel mit Siemens selbst zu tun haben. Mit jeder Aussage zur Siemensbahn ist man sehr vorsichtig. Scheinbar ist die Wiederherstellung der Siemensbahn sehr eng verbunden mit den von Siemens finanzierten Umstrukturierungsplänen der Siemensstadt. Niemand möchte, dass Siemens eine Idee davon bekommt, unter den jetzigen wirtschaftlichen Bedingungen einen Rückzieher zu machen und dafür einfachhalber das Scheitern oder Verzögern der Siemensbahn zu nennen.
Das ganze hat hier den Anschein dass die Siemensbahn deswegen zur "Chefsache" von wem auch immer gemacht wurde.
Und die Verantwortlichen von Siemens haben keinen Plan davon, wie derzeit die Lage vor allem in Berlin ist? Die halten dieses Ziel doch nicht etwa für realistisch erreichbar?

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Für mehr Ümläüte!
Zitat
Philipp Borchert
Und die Verantwortlichen von Siemens haben keinen Plan davon, wie derzeit die Lage vor allem in Berlin ist? Die halten dieses Ziel doch nicht etwa für realistisch erreichbar?

Der Unterschied besteht darin, was man öffentlich kommuniziert und was man öffentlich ehrlich kommuniziert. Eine Art moderne Propaganda.
Deswegen wurde die Meldung vom BUND recht zügig dementiert.

Siemens kann so eine Millionen-Investition nicht einstampfen, wenn man sich auf offensichtliche, aber inoffizielle Meldungen stützt. Das ist für einen Konzern wie Siemens nicht denkbar.

[www.youtube.com]
Zitat
Philipp Borchert
Und die Verantwortlichen von Siemens haben keinen Plan davon, wie derzeit die Lage vor allem in Berlin ist? Die halten dieses Ziel doch nicht etwa für realistisch erreichbar?

Industrielle neigen dazu, weit in die Zukunft zu schauen, wenn sie investieren. Warum sollte jemand in ein möglicherweise AfD-geführtes Deutschland 2029/30 investieren wollen? Sie werden alle ihr Vermögen woanders hin verlagern. Derzeit sagen die Umfragen, dass das möglich ist. Die Auswirkungen, die das auf die Investitionen in Deutschland haben wird, sind enorm.

IsarSteve
Zitat
IsarSteve
Zitat
Philipp Borchert
Und die Verantwortlichen von Siemens haben keinen Plan davon, wie derzeit die Lage vor allem in Berlin ist? Die halten dieses Ziel doch nicht etwa für realistisch erreichbar?

Industrielle neigen dazu, weit in die Zukunft zu schauen, wenn sie investieren. Warum sollte jemand in ein möglicherweise AfD-geführtes Deutschland 2029/30 investieren wollen? Sie werden alle ihr Vermögen woanders hin verlagern. Derzeit sagen die Umfragen, dass das möglich ist. Die Auswirkungen, die das auf die Investitionen in Deutschland haben wird, sind enorm.

Nur wohin? Ins trumpistische Amerika?

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
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