Willkommen! Einloggen Ein neues Profil erzeugen

erweitert
[MoPo] U-Bahnhof Mohrenstr. soll umbenannt werden...
geschrieben von micha774 
Zitat
PassusDuriusculus
Vielleicht wäre es sinnvoller etwas an der negativen Belastung zu ändern.

Das sicherlich auch, ja. Hier geht es ja auch nur um eine eher kleine Geste auf dem gesamten Weg.

Ich finde ja ohnehin den Umstand, hier einen englischen Begriff zu verwenden (auch wenn mir der Weg der Debatte, der dazu geführt hat, bewusst ist) problematisch. Für mein Empfinden drückt das irgendwie aus: "Diese Person ist etwas, für das es in meiner Sprache keinen geeigneten Ausdruck gibt."

Dennoch zeigt die Debatte (auch hier im Forum um die Umbenennung), dass wir sicherlich noch einen weiteren Weg bis dahin zu gehen haben. Und solange die Mehrheitsgesellschaft von der Diskriminierung von Minderheiten profitiert oder sich auch nur umgewöhnen müsste, scheint dies eine ziemliche Herausforderung zu sein.
Ihr Lieben,

ich möchte kurz auf die Diskussion rund um die Mohrenstraße und die geplante Umbenennung eingehen, weil einige Punkte immer wieder auftauchen.

Zunächst einmal: Dass sich niemand persönlich „gestört“ fühlt, wie Tramy1 schreibt, ist kein Argument gegen die Problematik des Begriffs. Es geht hier nicht um individuelle Beleidigungen, sondern um die historische und gesellschaftliche Bedeutung des Wortes „Mohr“. Der Begriff ist über Jahrhunderte in rassistischen Kontexten verwendet worden, um Menschen afrikanischer Herkunft zu kategorisieren, zu exotisieren oder abzuwerten. Selbst wenn er früher, vielleicht aus Unwissenheit oder Höflichkeit, als „ehrend“ gemeint war, ist die Grundlage des Begriffs problematisch: Er benennt Menschen ausschließlich über ihre Hautfarbe und reduziert sie damit auf ein äußerliches Merkmal.

Beispiele wie „Mohrenkopf“ oder historische Produktnamen zeigen genau, wie der Begriff rassistische Stereotype transportiert hat. Es geht nicht darum, dass nun jede historische Bezeichnung sofort gestrichen werden muss, sondern dass ein Begriff, der von Grund auf problematisch ist, keine echte Wertschätzung ausdrücken kann. Niemand kann durch das Wort „Mohr“ wirklich geehrt werden, genauso wenig wie man mit „Kartoffel, Schwuli, Bierbauch, etc.“ oder einem anderen abwertenden Spitznamen eine Person respektvoll würdigen könnte.

Zur Vorstellung von Phönix, dass jemand die Bezeichnung als „freundliche Erinnerung“ sehen könnte: Auch das ändert nichts an der Tatsache, dass der Begriff selbst rassistisch konnotiert ist. Die Absicht hinter einer Benennung spielt keine Rolle, wenn der Name in der Praxis Diskriminierung reproduziert und Menschen ausschließt oder verletzt.

Die Umbenennung in Anton-Wilhelm-Amo-Straße ist daher nicht „übertrieben“ oder „unnötig“, sondern ein Schritt, der aus mehreren Gründen sinnvoll ist: Amo war ein herausragender afrikanischer Philosoph und Jurist im 18. Jahrhundert, dessen Lebensleistung in Deutschland bis heute kaum sichtbar gewürdigt wird. Ihm eine Straße zu widmen, setzt ein klares Zeichen für Respekt, Inklusion und historische Korrektheit, im Gegensatz zur bisherigen Bezeichnung, die niemals eine echte Würdigung war.

Kurz gesagt: Es geht nicht um eine persönliche Kränkung, sondern um die Entfernung eines Begriffs, der von Anfang an diskriminierend war. Es geht darum, dass öffentliche Räume heute Menschen aller Herkunft willkommen heißen und niemand durch die Sprache, die wir in unseren Straßen verwenden, herabgesetzt wird.

-----------
Tscheynsch hier vor Ju-Tu wis Sörvis tu Exebischn-Raunds änd Olümpick-Staydium



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.2025 08:55 von LariFari.
Zitat
LariFari
Ihr Lieben,

ich möchte kurz auf die Diskussion rund um die Mohrenstraße und die geplante Umbenennung eingehen, weil einige Punkte immer wieder auftauchen.

Zunächst einmal: Dass sich niemand persönlich „gestört“ fühlt, wie Tramy1 schreibt, ist kein Argument gegen die Problematik des Begriffs. Es geht hier nicht um individuelle Beleidigungen, sondern um die historische und gesellschaftliche Bedeutung des Wortes „Mohr“. Der Begriff ist über Jahrhunderte in rassistischen Kontexten verwendet worden, um Menschen afrikanischer Herkunft zu kategorisieren, zu exotisieren oder abzuwerten. Selbst wenn er früher, vielleicht aus Unwissenheit oder Höflichkeit, als „ehrend“ gemeint war, ist die Grundlage des Begriffs problematisch: Er benennt Menschen ausschließlich über ihre Hautfarbe und reduziert sie damit auf ein äußerliches Merkmal.

Beispiele wie „Mohrenkopf“ oder historische Produktnamen zeigen genau, wie der Begriff rassistische Stereotype transportiert hat. Es geht nicht darum, dass nun jede historische Bezeichnung sofort gestrichen werden muss, sondern dass ein Begriff, der von Grund auf problematisch ist, keine echte Wertschätzung ausdrücken kann. Niemand kann durch das Wort „Mohr“ wirklich geehrt werden, genauso wenig wie man mit „Kartoffel, Schwuli, Bierbauch, etc.“ oder einem anderen abwertenden Spitznamen eine Person respektvoll würdigen könnte.

Zur Vorstellung von Phönix, dass jemand die Bezeichnung als „freundliche Erinnerung“ sehen könnte: Auch das ändert nichts an der Tatsache, dass der Begriff selbst rassistisch konnotiert ist. Die Absicht hinter einer Benennung spielt keine Rolle, wenn der Name in der Praxis Diskriminierung reproduziert und Menschen ausschließt oder verletzt.

Die Umbenennung in Anton-Wilhelm-Amo-Straße ist daher nicht „übertrieben“ oder „unnötig“, sondern ein Schritt, der aus mehreren Gründen sinnvoll ist: Amo war ein herausragender afrikanischer Philosoph und Jurist im 18. Jahrhundert, dessen Lebensleistung in Deutschland bis heute kaum sichtbar gewürdigt wird. Ihm eine Straße zu widmen, setzt ein klares Zeichen für Respekt, Inklusion und historische Korrektheit, im Gegensatz zur bisherigen Bezeichnung, die niemals eine echte Würdigung war.

Kurz gesagt: Es geht nicht um eine persönliche Kränkung, sondern um die Entfernung eines Begriffs, der von Anfang an diskriminierend war. Es geht darum, dass öffentliche Räume heute Menschen aller Herkunft willkommen heißen und niemand durch die Sprache, die wir in unseren Straßen verwenden, herabgesetzt wird.

Und da bin ich anderer Meinung.
Mit Kartoffel-Schwuli kann ich mich sehr gut identifizieren, denn das trifft bei mir den Nagel auf den Kopf. Ich kann mich nun entscheiden, dass ich genervt davon bin oder mich lieber darüber freue. Letzteres erscheint mir deutlich angenehmer. In eine Kartoffel-Schwuli-Str. würde ich direkt sofort hinziehen, nur solange diese in Berlin liegt, ist der Andrang so groß und die Miete so hoch, dass ich vermutlich kaum Chancen hätte.

Zweitens: Würde die Straße in Amostraße umbenannt werden, wäre das eine geniale Lösung. Ich halte es allerdings für sehr problematisch, dass Anton-Wilhelm mit drinne steckt, denn mit diesem Namen ist der Herr sicherlich nicht auf die Welt gekommen, sondern dieser stellt vermutlich nur eine Art Zwangsassimilierung an die Kolonialisten dar.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.2025 09:19 von PassusDuriusculus.
Auweia, man sollte unterscheiden können zwischen einer scherzhaften Bezeichnung und einer abwertenden. Mohr war nie scherzhaft gemeint, sondern als Herabwürdigung und Abgrenzung zum europäischen Menschen. Und damit indirekt als Hochstilisierung des Europäers zur einzig intelligenten Rasse, denen alle Nicht-Europäer unterzuordnen sind. Es gab seinerzeit herrschende Kreise, die hatten ein Interesse diese Abwertungsmechanismen gesellschaftsfähig zu machen. Und das schafft man durch Normalisierung abwertender Begriffe und das Etablieren in der Alltagssprache. So dass niemand mehr sagen kann, Mohr wäre abwertend, schließlich benutzt den Begriff doch jeder. Mit der gleichen kruden Logik von der Scherzhaftigkeit hat man es auch geschafft, Frauen abzuwerten indem man sie Jahrhunderte als Weib, Mädel, Dienstmädchen (nicht -frau!) betitelt hat. Begriffe, die eindeutig abwertend gemeint sind.

Der Unterschied zur Diskriminierung ist, dass Mohr, Ne*er und andere Abwertungsmechanismen als Legitimation fungierten, fremde Länder kulturell und wirtschaftlich auszubeuten, die Menschen zu unterdrücken und europäische Gesellschaftsprinzipien aufzuzwingen bei gleichzeitiger Ignoranz lokaler Strukturen. Kurz: um Kolonialismus zu betreiben, ohne für die Praxis Kritik befürchten zu müssen. Denn Kritik hätte Begriffe vorausgesetzt, die durch die Normalisierung gerade getilgt wurden.

Heute wissen wir, dass Schwarz der neutralere Begriff ist, weil er sich besser eignet, die Menschen in Afrika zu beschreiben als es Mohr tat.
Zitat
485er-Liebhaber
überwiegend älter geprägt.

Hast du mich gerade alt genannt?!? Pass ja uff Freundchen...

Nee Spaß! 😁🍻
Zitat
Florian Schulz
Auweia, man sollte unterscheiden können zwischen einer scherzhaften Bezeichnung und einer abwertenden. Mohr war nie scherzhaft gemeint, sondern als Herabwürdigung und Abgrenzung zum europäischen Menschen.

Allerdings ist das Wort Mohr wesentlich älter als der Rassismus, den wir dem Wort vorwerfen. Bei den ganzen Mohren-Apotheken in Deutschland, ohne die, die in der Mohrenstraße ist, sieht man es z.B. deutlich, dass das Wort eben auch positive Assoziationen geweckt hatte.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.2025 11:39 von Nemo.
Zitat
485er-Liebhaber
Zitat
phönix
Stelle Dir mal vor, er sieht in dieser Straßenbenennung keinen höchstpersönlichen Angriff gegen sich, sondern eine Würdigung oder eine freundliche Erinnerung und freut sich darüber. Aber diese Vorstellung erscheint bei manchen Leuten nicht in das Weltbild zu passen.

In deines passt ja offensichtlich nicht mal, dass dieses Wort negativ belastet ist. Und das willst du dann als Würdigung verkaufen.
Woher weißt du denn, dass jemand so denken sollte?

Zu meinem Bekanntenkreis gehört ein schon viele Jahre in Berlin lebender Schwarzer, der der Variante der Entstehungsgeschichte des Straßennamens anhängt, dass die Straße nach den wahrscheinlich guten farbigen Hofmusikern am preußischen Hof benannt wurde. Und er amüsiert sich königlich über die lauten Empörten, die in der Verwendung des Namens einen persönlichen Angriff gegen sich selbst sehen.
Zur Entstehungsgeschichte des Straßennamens gibt es ja mindestens 3 häufig vertretene Theorien, die soweit ich weiß alle nur Vermutungen widergeben.
Lose Aufzählung von Leuten, die Mohrenstraße kritisch sehen:
Afrika-Rat Berlin-Brandenburg, Afrodeutsche und Vertreter von Organisationen wie der Internationalen Liga für Menschenrechte, der Initiative Schwarzer Menschen und kolonialkritische Gruppen wie der Verein Berlin Postkolonial oder das Netzwerk von über 100 entwicklungspolitischen Vereinen, Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER), und dem Bündnis Decolonize Mitte

Lose Aufzählung von Leuten, die Mohrenstraße als Würdigung sehen:
Mein schwarzer Bekannter





2 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.2025 12:10 von Florian Schulz.
Ich frage mich gerade, ob so ein Vollblut-Rassist wirklich gerne in einer Negerstraße, in einer Straße der Afrodeutschen oder einer Asylbewerberstraße wohnen möchte?

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.2025 12:08 von Nemo.
Zitat
Florian Schulz
Zitat
M48er
Zitat
Lopi2000
Na dann: Die Lesart, ob eine Aussage oder Bezeichnung rassistisch ist oder nicht, liegt nicht nur in der Perspektive der weißen Mehrheitsgesellschaft sondern vor allem in der Perspektive der Menschen, die durch diesen Rassismus betroffen sind.
Auch wenn dies gerne von den Betroffenen behauptet wird (nur wir sind betroffen und deswegen haben nur wir das zu definieren), so ist und bleibt dies falsch.

In einer demokratischen Gesellschaft entscheiden alle.
Nicht nur die Sehschwachen entscheiden, ob Brillen eine Krankenkassenleistung ist. Und auch nicht nur die Schüler und Lehrer machen allein Bildungspolitik, im Gegenteil, es gilt ja der gute alte Spruch bei CDU und SPD, dass Wahlen bei den Alten gewonnen werden, also haben diese auch dort sehr viel mitzuentscheiden.

Und auch beim Rassismusthema haben alle mit zureden. Historiker, Sprachforscher und andere Wissenschaftler können zum Beispiel, auch wenn sie weiss sind, sehr wertvolle Debattenbeiträge dazu abgeben, ob diese Straßenbenennung mit rassistischen Hintergrund erfolgte.

So ein Unsinn. Wir haben eine parlamentarische Demokratie. Da wählen wir Volksvertreter, die Interessen vertreten sollen, jedoch ihrem Gewissen verpflichtet sind. Der Bürger hat bei vielen Sachen ein Mitspracherecht, jedoch selten ein Entscheidungsrecht. Kassenleistungen werden per Gesetz beschlossen, Bildungspolitik ebenso. Kommt keine Mehrheit unter den Abgeordneten zustande, kann auch der Wähler an der Entscheidung nichts andern. Zumindest nicht so, wie es in einer direkten Demokratie möglich wäre.

Und dann sind viele Entscheidungen Aufgabe der Verwaltung. Hartz 4 kann man sich nicht selbst auszahlen. Einen Heil- und Kostenplan bewilligt nicht der Patient oder der Wähler.

Mitreden ist etwas anderes als mitentscheiden. Diskurs ist was anderes als Partizipation. Und Experten wie Historiker, Rassismusforscher, Ethnologen kommen in parlamentarischen Ausschüssen zu Wort wo dem Wähler gerade kein Rederecht eingeräumt wird.

Ich wüsste gerne, wo ich als Wähler entscheiden darf, dass dieser historisch unsägliche Straßenname endlich verschwindet.
So ein Unsinn! Natürlich kann ich als Bürger nicht direkt entscheiden, sondern in der parlamentarischen Demokratie nur über die Auswahl der Parteien. Und natürlich über Mitwirkung in den Parteien oder Einwirkung auf sie (Ansprechen der Abgeordneten) oder Einwirkung auf die öffentliche Diskussion.

Und genau das ist ja das Ziel einiger, nämlich alle Weißen aus dieser Diskussion auszuschließen (sind ja nicht Rassismus-Betroffene).

Und entscheiden kannst Du bei der Mohrenstraße letztlich nur als Wähler im Bezirk Mitte, indem Du Parteien wählst, die mehr oder weniger stark gegen (AfD, CDU) oder für (Grüne, Linke, SPD) die Straßenumbenennung sind.
Zitat
M48er
Und entscheiden kannst Du bei der Mohrenstraße letztlich nur als Wähler im Bezirk Mitte, indem Du Parteien wählst, die mehr oder weniger stark gegen (AfD, CDU) oder für (Grüne, Linke, SPD) die Straßenumbenennung sind.

Mit der Wahl habe ich aber nicht über die Umbenennung entschieden, sondern dass die gewählte Partei Teil der BVV werden soll.

Ich kann eine Partei wählen in der Hoffnung, sie auf auf Punkt 4711 ihres Wahlprogramms hin zu beeinflussen. Ich kann mit dem Kreuzchen nicht entscheiden, dass sie Punkt 4711 umsetzt.

Entscheidungen treffen die Volksvertreter in Form von Beschlüssen und Gesetzen. Ich als Wähler kann aber nicht selbst über Beschluss und Gesetz entscheiden. Wie sehr gewählte Parteien ihre Punkte bis zur tatsächlichen Entscheidung durchgesetzt bekommen, konnte man in der Ampelkoalition sehen wo die FDP zahlreiche Wahlversprechen der Grünen blockiert hat.

In einer Demokratie dürfen alle mitbestimmen, aber entscheiden tun die Obrigkeiten. Zumindest in einer repräsentativen Demokratie. Das ist meines Erachtens widersprüchlich zu "In einer demokratischen Gesellschaft entscheiden alle".

Viele glaubten vorletztes Jahr auch, dass sie mit ihrem Kreuzchen die innenstadtzentrierte grüne Verkehrspolitik zugunsten zu mehr Außenbezirks-Politik entschieden haben.


Zitat
M48er
Und genau das ist ja das Ziel einiger, nämlich alle Weißen aus dieser Diskussion auszuschließen (sind ja nicht Rassismus-Betroffene).

Nunja, schon dieser Fred hier zeigt, dass Weiße nun wirklich nicht ausgeschlossen werden, sondern sich lebhaft beteiligen. Alle Meinungen genießen die gleiche Aufmerksamkeit. Hier im Forum im Sinne von frei les- und kommentierbar. Aber nicht jede Meinung ist auch gleich viel wert. Zumindest solange der eigentliche Betroffenenkreis im Diskurs unterrepräsentiert ist. Jedenfalls dürften die Beiträge, die sich Pro-Umbenennung einsortieren lassen, kaum alle von PoC geschrieben worden sein.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.08.2025 15:31 von Florian Schulz.
Zitat
Lopi2000
Zitat
Nordender
Das ist ja echt heftig, da hätten sich damals im Osten auch ein Haufen Kneipen umbennen müssen, die behielten ihre Namen meistens bis zum Ende oder Besitzerwechsel. Die Apotheke gehört ja nicht dem Bezirk.

Lesen will gelernt sein: natürlich kann jemand die Meinung haben, dass ein Unternehmensname nicht mehr zeitgemäß ist und deshalb geändert werden muss. Aber solange es sich nicht um die Inhaber:in handeln, kann diese Person z.B. empfehlen, diesen antiquierten Unternehmensnamen in die individuellen Kaufentscheidungen einzubeziehen, aber eine zwangsweise Umbenennung wird es wohl kaum geben. Ich finde auch, dass die Apotheke sich einen neuen Namen geben sollte und würde deshalb i.d.R: darauf verzichten, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen.


Die Dimitroff-Klause hat nach Straßenumbennung trotz Ihrens Namens noch eine Weile durchgehalten, natürlich ist jetzt da keine Kneipe mehr. Aber sie ist mir noch ein Bergriff für Brötchen mit Hackepeter und Rotwurst zum Bier. In Umgebung Halle gabs vor ein paar Jahren auch noch die Erich-Weinert-Schänke, auch den alten Straßennamen überlebt.
Zitat
Nordender
Brötchen mit Hackepeter

Hackepeter wurde ja inzwischen auch umbenannt, vermutlich wegen der Diskriminierung eines Peters. Aber warum die Schrippen wohl einen anderen Namen bekommen haben?


Das Gegenteil von pünktlich ist kariert.
Verstehe nicht, warum man das Thema ins Lächerliche ziehen muss.
Zitat
LariFari
Es geht hier nicht um individuelle Beleidigungen, sondern um die historische und gesellschaftliche Bedeutung des Wortes „Mohr“. Der Begriff ist über Jahrhunderte in rassistischen Kontexten verwendet worden, um Menschen afrikanischer Herkunft zu kategorisieren, zu exotisieren oder abzuwerten. Selbst wenn er früher, vielleicht aus Unwissenheit oder Höflichkeit, als „ehrend“ gemeint war, ist die Grundlage des Begriffs problematisch: Er benennt Menschen ausschließlich über ihre Hautfarbe und reduziert sie damit auf ein äußerliches Merkmal.
...
Es geht darum, dass öffentliche Räume heute Menschen aller Herkunft willkommen heißen und niemand durch die Sprache, die wir in unseren Straßen verwenden, herabgesetzt wird.

Gut.

Zitat
Florian Schulz
Zitat
M48er
Und genau das ist ja das Ziel einiger, nämlich alle Weißen aus dieser Diskussion auszuschließen (sind ja nicht Rassismus-Betroffene).

Nunja, schon dieser Fred hier zeigt, dass Weiße nun wirklich nicht ausgeschlossen werden, sondern sich lebhaft beteiligen. ...

Und schon wieder werden Menschen ausschließlich über ihre Hautfarbe benannt. Auch eine Form von Alltags-Rassismus ...

so long

Mario
Zitat
marc-j
Verstehe nicht, warum man das Thema ins Lächerliche ziehen muss.

Weil man einerseits bei allem Ernst des Themas den Humor nicht verlieren darf und es andererseits alles andere als lächerlich ist, wenn immer mehr Regiolekte verloren gehen und eine Sprache damit ärmer wird.


Das Gegenteil von pünktlich ist kariert.
Zitat
Alter Köpenicker
Zitat
marc-j
Verstehe nicht, warum man das Thema ins Lächerliche ziehen muss.

Weil man einerseits bei allem Ernst des Themas den Humor nicht verlieren darf und es andererseits alles andere als lächerlich ist, wenn immer mehr Regiolekte verloren gehen und eine Sprache damit ärmer wird.

Und wer hat irgendwann die Abschaffung der Begriffe „Hackepeter“ und „Schrippe“ gefordert?
Zitat
marc-j
Und wer hat irgendwann die Abschaffung der Begriffe „Hackepeter“ und „Schrippe“ gefordert?

Das ist ja das Perfide daran: Es wurde einfach gemacht, so wie bei der Manteuffelstraße, dem Potsdamer, dem Sonnabend, dem Mostrich und dem Pfannkuchen.


Das Gegenteil von pünktlich ist kariert.
Wahrscheinlich sind Mohrrüben und Schwarzwurzeln auch bald auf dem Index. Wenn mal will findet man überall was, aber Kritik soll ja nirgendwo mehr sein.
Was ist daran perfide? Sprache verändert sich. Worte kommen und gehen. Du schreibst ja auch nicht mehr wie Alfred Döblin. Und seine Sprache zu seinen Lebzeiten war auch eine andere als im Mittelalter. Man sagt ja auch nicht mehr Oheim und Muhme sondern Onkel und Tante. Übrigens zwei Begriffe, die die Hugenotten mit hergebracht haben. Ausländer!! Drama Drama, Baby!

Es steht jedem frei, altbackene Begriffe weiter zu verwenden. Jedoch sollte man aufhören, Sprache als etwas unveränderliches anzusehen. Das ist sie einfach nicht.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.08.2025 09:28 von Florian Schulz.
Sorry, in diesem Forum dürfen nur registrierte Benutzer schreiben.

Hier klicken, um sich einzuloggen