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[MoPo] U-Bahnhof Mohrenstr. soll umbenannt werden...
geschrieben von micha774 
Zitat
Florian Schulz
Was ist daran perfide? Sprache verändert sich. Worte kommen und gehen. Du schreibst ja auch nicht mehr wie Alfred Döblin. Und seine Sprache zu seinen Lebzeiten war auch eine andere als im Mittelalter.

Es steht jedem frei, altbackene Begriffe weiter zu verwenden. Jedoch sollte man aufhören, Sprache als etwas unveränderliches anzusehen. Das ist sie einfach nicht.

Zumal es gerade bei der Schrippe quatsch ist. Ich weigere mich aber ganz einfach das Aufback-Brötchen einer Konvektomaten-Kette mit einem Begriff zu ehren, mit dem ich frische Bäckerware verbinde. "Schrippe" muss man sich bei mir schon mit Qualität verdienen.

Pfannkuchen ist bei mir (wie Eierkuchen) weiterhin im normalen Sprachgebrauch und mit Freunden aus dem Westteil der Republik führe ich dazu auch gerne mal ein kleines sprachliches Geplänkel. Nein, als Berliner esse ich mich nicht selbst.

Sonnabend finde ich dem Sonntag zu ähnlich und hab für mich persönlich irgendwann entschieden lieber den Samstag zu nutzen. Keiner hat mich dazu gezwungen.

Und um den Bogen zur Mohrenstraße zu spannen: Ich persönlich habe kein Problem mit der Mohrenstraße und mag keine langen Straßennahmen. Dennoch ist die Umbenennung für mich in Ordnung. Die BVG wollte dem Ganzen ja eigentlich aus dem Weg gehen, indem sie den U-Bahnhof nach der Glinkastraße benennt. Dummerweise stellte sich dann heraus, dass auch hier eine "Vorbelastung" existiert und da weder die Wilhelmstraße noch der Ziethenplatz gewünscht war, bleibt eben nur noch die Anton-Wilhem-Amo-Straße übrig. "MoB Ost" wäre natürlich auch gegangen, aber üblicherweise benennt die BVG ja keine Haltestellen nach Einkaufszentren.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Habe mal unseren beiden nicht weißen lieben Kollegen gefragt, was die davon halten. Beide sagten, das der Bahnhofsname für sie nicht Rassistisch ist. Völliger Quatsch diese Umbenennung.

GLG.................Tramy1



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.08.2025 16:17 von Tramy1.
Und, würde es sie in ihrem Leben beeinträchtigen, wenn die Umbenennung durch ist? Oder wäre Dein Leben ein schlechteres?

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Für mehr Ümläüte!
Mich nervt viel mehr dieses ganze Ausschreiben von Vornamen. Was sollen diese ganzen
Karl-Theodor-Maria-Nikolaus-Johann-Jacob-Philipp-Franz-Joseph-Sylvester-Buhl-Freiherr-von-und-zu-Guttenberg-Straßen heutzutage?

Wenn ich an den Namen Frank denke, dann denk ich an Anne und bei Bismarck an Otto von. (random schlechte Beispiele, hängt euch bitte jetzt zB nicht an der Bismarckstraße auf, die auch gar keinen Vornamen drin hat. Danke.)

Solange es nciht zur Unterscheidung von mehreren Personen gleichen Nachnamens gilt, hätte ich gern kurze Straßennamen zurück.
Ich hab jetzt schon Probleme bei meiner Adresse, weil die typischen Formulare mit vorgegebenen Längen zu klein sind.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.08.2025 08:54 von Taari.
Freuen wir uns doch, dass wir keine "Bischöflich-Geistlicher-Rat-Josef-Zinnbauer-Straße" in Berlin haben.

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Ich hab nen Bus und meine Busfahrerin heißt Layla, sie fährt schöner, schneller, weiter.
Zitat
Jay
Und um den Bogen zur Mohrenstraße zu spannen: Ich persönlich habe kein Problem mit der Mohrenstraße und mag keine langen Straßennahmen. Dennoch ist die Umbenennung für mich in Ordnung. Die BVG wollte dem Ganzen ja eigentlich aus dem Weg gehen, indem sie den U-Bahnhof nach der Glinkastraße benennt. Dummerweise stellte sich dann heraus, dass auch hier eine "Vorbelastung" existiert und da weder die Wilhelmstraße noch der Ziethenplatz gewünscht war, bleibt eben nur noch die Anton-Wilhem-Amo-Straße übrig. "MoB Ost" wäre natürlich auch gegangen, aber üblicherweise benennt die BVG ja keine Haltestellen nach Einkaufszentren.

Das ist schade. Weil Mitte, Peking Ente (Seit 1999) Reichskanzlei 1870-1945 einen schönen historischen Touch hat und wäre auch ein passender Ersatz, finde ich.

ediT:

IsarSteve



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.08.2025 03:06 von IsarSteve.
Zitat
Florian Schulz
Was ist daran perfide?

Die Antwort auf diese Frage findest Du hinter dem Doppelpunkt in meiner Ausführung, auf die Du Dich offensichtlich beziehst.


Zitat
Florian Schulz
Sprache verändert sich. Worte kommen und gehen.

Ja, nur daß heutzutage oft einfach Begriffe aus einem anderen Dialekt übergestülpt werden und dadurch ein langweiliger Einheitsbrei entsteht. Da wird quasi über Nacht ein Schild ausgewechselt und zack, ist aus dem Pfannkuchen ein "Berliner Ballen" geworden. Das ist in meinen Augen keine Veränderung der Sprache, wie sie in der Vergangenheit stattgefunden hat. Diesen Prozeß stelle ich mir sehr viel langsamer und geschmeidiger vor und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie sich Leute ebenso schnell darauf einstellen können. Aber ich kann ja das Tempo ohnehin nicht so gut vertragen.


Zitat
Florian Schulz
Man sagt ja auch nicht mehr Oheim und Muhme sondern Onkel und Tante.

Ich verwende diese Begriffe gerne, hier besonders den Kegel. Auch Pfund und Zentner sowie Dutzend und Schock halte ich weiter am Leben.


Zitat
Florian Schulz
Es steht jedem frei, altbackene Begriffe weiter zu verwenden. Jedoch sollte man aufhören, Sprache als etwas unveränderliches anzusehen. Das ist sie einfach nicht.

Vielen Dank für das Zugeständnis. Von der Sache her hast Du natürlich Recht und ich sehe das grundsätzlich genauso. Nur sehe ich die plötzliche Verwendung anderer Begriffe nicht als Veränderung der Sprache an. Wenn Zugezogene ihre eigenen Vokabeln verwenden ist das ganz normal und logisch und wenn sich der mitgebrachte Begriff nach und nach durchsetzt, dann soll das meinetwegen auch so sein. Ich kann nur nicht nachvollziehen, wenn jemand, der zeitlebens Hackepeter gegessen hat, plötzlich und unverhofft nur noch Mett haben möchte, zumal das auch nicht viel appetitlicher klingt.


Das Gegenteil von pünktlich ist kariert.
Zitat
Alter Köpenicker
quasi über Nacht [...] plötzliche Verwendung anderer Begriffe [...] plötzlich und unverhofft [...]

Das ist in meinen Augen keine Veränderung der Sprache, wie sie in der Vergangenheit stattgefunden hat.

Also Diskussionen um Pfannkuchen und Berliner, Schrippe und Semmel habe ich schon in den 90ern geführt. Sicher, dass sich Begriffe plötzlich und unverhofft ändern? Veränderungen in der Sprache sind schon immer ein Prozess und kein Moment. Der Moment, in dem man zum ersten Mal eine alternative Bezeichnung für etwas hört, ist selten jener ab wann ein Wort Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch fand.

Begriffe sind wie Pflanzen, Viren oder Fortbewegungsmittel. Irgendwann erreicht eine Art die kritische Masse und setzt sich durch.


Zitat
Alter Köpenicker
Ja, nur daß heutzutage oft einfach Begriffe aus einem anderen Dialekt übergestülpt werden und dadurch ein langweiliger Einheitsbrei entsteht.

Ist das so? Ich sehe Worte aus anderen Sprach- und Kulturkreisen eher als Bereicherung. Ermöglich es mir, Dinge und Undinge präziser, plastischer und verständlicher zu benennen als es der heimische Wortschatz erlaubt. Wenn sich neue Worte durchsetzen, dann weil die alten nicht sehr resilient daherkamen. Sonst würden sie weiterverwendet werden. Andererseits gibt es auch zahlreiche Worte, die andere Kulturen in Ermangelung eigener präziser Worte von uns übernommen haben: Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen.

Oder wie es der Kabarettist Jochen Malmsheimer formulierte: "Bildet ein Wort das ab was der Sprecher auszudrücken zu wünschst, ist es gut und richtig und am Platz. Nicht wo einer herkommt ist entscheidend, sondern wo er bleibt und wo er hinwill. [...] So lange wie es im Deutschen Worte wie Flurwoche gibt, muss es auch Worte wie chillen geben." [youtube.com]


Zitat
Alter Köpenicker
Aber ich kann ja das Tempo ohnehin nicht so gut vertragen.

Das dürfte schon eher das Problem sein. Damit kämpfen viele Leute. Nur, nichts ist so beständig wie die Veränderung. Wobei ich mich frage, wie lange manche Menschen für Veränderungen brauchen, wenn sie 29 Jahre nach Einführung der Rechtschreibreform noch immer dass mit ß schreiben.
Zitat
Florian Schulz
Also Diskussionen um Pfannkuchen und Berliner, Schrippe und Semmel habe ich schon in den 90ern geführt. Sicher, dass sich Begriffe plötzlich und unverhofft ändern?

Ich denke auch nicht, dass dies plötzlich und unverhofft passiert. Zum einen liegt das am Zuzug von Menschen aus anderen Regionen, zum anderen am Strukturwandel bei den Bäckereien. Während der alteingessene Bäckermeister vor meiner Haustür neben Schrippen auch zahlreiche andere Produkte im Angebot hat, prägen zunehmend bundesweit aktive Bäckereiketten das Stadtbild, die natürlich wenig mit Regiolekten arbeiten und wenn stammen diese eher aus der Region des Hauptsitzes.
Ich will diese ganze Diskussion nicht lesen, deshalb die Frage: ist inzwischen bekannt, ob die BVG den U-Bahnhof Mohrenstraße umbenennen wird und wenn ja, wann und zu welchem Namen?
Zitat
Krumme Lanke
Ich will diese ganze Diskussion nicht lesen, deshalb die Frage: ist inzwischen bekannt, ob die BVG den U-Bahnhof Mohrenstraße umbenennen wird und wenn ja, wann und zu welchem Namen?

Ja, am 23.08.2025 und so, wie die Straße dann heißt, also nicht Wilhelmstraße oder ähnlich.

Jedoch soll zu diesem Datum nur die Beschriftung an den Bahnhöfen und in den Auskunftsmedien aktualisiert werden, Ansagen, Liniennetzpläne usw. bleiben bis zum Fahrplanwechsel gleich, was für einige Verwirrung sorgen dürfte. Ich frage mich hier aber: Warum ist das so? Wie kompliziert kann es sein, eine Station im Liniennetz zu ändern, oder das Ziel/die Haltestelle in den Daten für die Fahrgastinformation zu bearbeiten.
Okay Danke für die Antwort. Das ist tatsächlich umständlich. Warum erfolgt die Umbenennung nicht erst zum Fahrplanwechsel - ist das durch den allgemeinen Druck wegen des negativ konnotierten Begriffs geschuldet?
Zitat
Krumme Lanke
Okay Danke für die Antwort. Das ist tatsächlich umständlich. Warum erfolgt die Umbenennung nicht erst zum Fahrplanwechsel - ist das durch den allgemeinen Druck wegen des negativ konnotierten Begriffs geschuldet?

Wenn es den Straßennamen ab dem 23.8. nicht mehr gibt, wäre es ja auch irritierend, wenn der Bahnhofsname bestehen bliebe. Und da sich die Welt nicht allein nach den Fahrplanwechselterminen dreht und es schon mehr als genug Verzögerungen bei der Umbenennung gab, scheidet es wohl auch aus, die Straßenumbenennung auf den Fahrplanwechseltermin zu legen.
Zitat
Krumme Lanke
Okay Danke für die Antwort. Das ist tatsächlich umständlich. Warum erfolgt die Umbenennung nicht erst zum Fahrplanwechsel - ist das durch den allgemeinen Druck wegen des negativ konnotierten Begriffs geschuldet?

Die Umbenennung erfolgt auch erst zum Fahrplanwechsel.

Berliner Linienchronik (+ Stationierungen/Werbungen/...) 1858-2026
Zitat
Lopi2000
Wenn es den Straßennamen ab dem 23.8. nicht mehr gibt, wäre es ja auch irritierend, wenn der Bahnhofsname bestehen bliebe.

Ach, versuch mal in Bad Freienwalde irgendwo in der Nähe der Haltestelle Finanzamt deine Steuererklärung abzugeben.

Oder zur Elisabethstraße in Oranienburg zu fahren. Die entsprechende Haltestelle ist gut 7km Fußweg entfernt. Faierweise muss man zugeben, dass diese Haltestelle vollständig „Dameswalde, Elisabethstraße“ heißt und damit verschweigt, dass sie in der Stadt Oranienburg (aber nicht in der Tarifwabe) liegt. Die zum Namen der Haltestelle passende Straße wurde aber trotzdem schon vor ca. 20 Jahren umbenannt.
Zitat
Florian Schulz
Sicher, dass sich Begriffe plötzlich und unverhofft ändern?

So, wie ich es beschrieben habe, schon. Das Auswechseln eines Schildes nimmt ja jetzt nicht so viel Zeit in Anspruch und wenn jemand von einem Moment auf den anderen eine andere Vokabel für ein und dieselbe Sache verwendet, ist das schon "plötzlich" und unverhofft". Und genau dieser Prozeß ist es, den ich nicht nachvollziehen kann. Was geht wohl in den Köpfen solcher Menschen vor? Denken sie sich vielleicht: "Ja, ab jetzt werde ich Radler zum Potsdamer sagen"? Da muß man ja ganz schön aufpassen, nicht in alte Verhaltensweisen zurückzufallen, wenn man konsequent sein will. Allein das wäre mir schon zu aufregend, erst recht, wenn ich mir diese Umstellung bei mehreren Dingen antun würde, zumal es ja auch gar keinen vernünftigen Grund dafür gibt.


Zitat
Florian Schulz
Zitat
Alter Köpenicker
Ja, nur daß heutzutage oft einfach Begriffe aus einem anderen Dialekt übergestülpt werden und dadurch ein langweiliger Einheitsbrei entsteht.

Ist das so? Ich sehe Worte aus anderen Sprach- und Kulturkreisen eher als Bereicherung.

Ich wüßte nicht, inwiefern es eine Bereicherung darstellt, wenn deutschlandweit nur noch von Mett, Radler und Brötchen die Rede ist, während alle entsprechenden Regiolekte ausgestorben sind. Das ist das, was ich anprangere und nicht die Einführung neuer Begriffe per se.


Zitat
Florian Schulz
Ermöglich es mir, Dinge und Undinge präziser, plastischer und verständlicher zu benennen als es der heimische Wortschatz erlaubt.

Hier kann ich Dir vom Grundsatz her zustimmen, nur ist das bei den von mir angeführten Beispielen nicht der Fall. "Mett" beschreibt das Gehackte nicht präziser, als "Hackepeter", im Gegenteil.


Zitat
Florian Schulz
Wobei ich mich frage, wie lange manche Menschen für Veränderungen brauchen, wenn sie 29 Jahre nach Einführung der Rechtschreibreform noch immer dass mit ß schreiben.

Tja, das ist wohl eine Mischung aus Gewohnheit und Trotz. Ich mag das ß und finde, daß es den Unterschied zwischen den beiden Wortarten besser herausstellt. Daher sehe gar nicht ein, warum das geändert worden ist und auch so generell bin ich nicht jemand, der alle Scheiße mitmacht.


Das Gegenteil von pünktlich ist kariert.
Zitat
Alter Köpenicker

Tja, das ist wohl eine Mischung aus Gewohnheit und Trotz. Ich mag das ß und finde, daß es den Unterschied zwischen den beiden Wortarten besser herausstellt. Daher sehe gar nicht ein, warum das geändert worden ist und auch so generell bin ich nicht jemand, der alle Scheiße mitmacht.

Warum man das geändert hat? Weil im Deutschen Vokale vor Doppelkonsonanten kurz gesprochen werden. Da wir nicht daaaas sagen, muss hinter dem a ein Doppelkonsonant kommen. Ein ß ist eben nur ein einfacher Konsonant.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Ob nun ß, ss oder nur s ist eigentlich egal. Ausgesprochen wird es immer gleich kurz und mit einer kleinen Schärfe.
Zitat
Nemo
Zitat
Alter Köpenicker
Ich mag das ß und finde, daß es den Unterschied zwischen den beiden Wortarten besser herausstellt. Daher sehe gar nicht ein, warum das geändert worden ist

Warum man das geändert hat? Weil im Deutschen Vokale vor Doppelkonsonanten kurz gesprochen werden. Da wir nicht daaaas sagen, muss hinter dem a ein Doppelkonsonant kommen.

Aha, es existiert also neuerdings ein Unterschied in der Aussprache zwischen dem Artikel "das" und der Konjunktion "daß" bzw. "dass".


Zitat
Nemo
Ein ß ist eben nur ein einfacher Konsonant.

Das stimmt ja nicht. Es handelt sich um eine Ligatur aus einem langen und einem runden s (ſ+s=ß). Wir haben hier also zwei Konsonanten.


Das Gegenteil von pünktlich ist kariert.
Also auf den Berliner Straßenschildern ist der zweite "verbaute" Buchstabe eindeutig ein altmodisches z. Und folgerichtig wird das ß esszett genannt.
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