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Sammelthread: Verkehrspolitik in Berlin II (ab 01/21)
geschrieben von B-V 3313 
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def
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Jay
Von den 300 "Ersties" hatten sich die Reihen nach dem 1. Semester aber schon sehr deutlich gelichtet, insbesondere, weil die Mathematik (vor allem Analysis) hammerhart ist und wenn eine Klausur von deutlich mehr als 50% bestanden wurde, da galt sie als "zu einfach". In Mechanik war es nicht ganz so drastisch, aber auch da lag die Quote üblicherweise bei 60-70%. In den Grundlagenfächern wird gnadenlos ausgesiebt.

Ist das nach Deiner Einschätzung eigentlich die sinnvolle oder die zynische Art von Aussieben? Also sind die Prüfungsinhalte wirklich absolut notwendig, um in den gängigen Berufsfelder der Branche arbeiten zu können, oder geht es nur darum, möglichst viele rauszuhauen - und somit vielleicht auch Studierende, die in bestimmten Feldern der Branche ziemlich talentiert wären?

Sowohl als auch. Ein wenig Sieben ist zweifelsohne sinnvoll, gerade weil man als Ingenieur auch ein grundlegendes Verständnis für physikalische Prozesse, Mathematik und Mechanik haben sollte. Die Art der Prüfung war aber unnötig hart und das hat mir auch fast das Genick gebrochen und u.a. durch notwendige Wiederholungsprüfungen für eine Verlängerung des Studiums gesorgt. Im Nachhinein betrachtet, wäre für mich vermutlich der Weg über das Fach Stadt- und Regionalplanung (mit Schwerpunkt Verkehrswesen) sinnvoller gewesen. Auf der anderen Seite darf ich mich Diplom-Ingenieur nennen und bin da auch schon ein wenig Stolz drauf, dass ich das durchgestanden habe! Denn während das Grundstudium ziemlich holperig war, hat mir das Hauptstudium über weite Strecken großen Spaß gemacht.

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Latschenkiefer
Ich sehe ich etwas optimistischer. In Brandenburg wird bei i2030 aktuell für einige Vorortstrecken sehr viel Dampf bei der DB Netz gemacht (z.B. Planungen vorfinanziert). Natürlich wird nicht alles zu 100% umgesetzt werden, aber ich denke schon dass das ein oder andere in nicht allzu ferner Zukunft gebaut wird. Einiges kann man ja auch ohne Berliner Beteiligung durchziehen. Auf Berliner Stadtgebiet sehe ich allerdings ziemlich schwarz.

auf welche Projekte bezieht Du dich da ? Meinst Du Machbarkeitsstudien oder konkrete Planungen ?
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Jim Knopf vom Niederrhein
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Latschenkiefer
Ich sehe ich etwas optimistischer. In Brandenburg wird bei i2030 aktuell für einige Vorortstrecken sehr viel Dampf bei der DB Netz gemacht (z.B. Planungen vorfinanziert). Natürlich wird nicht alles zu 100% umgesetzt werden, aber ich denke schon dass das ein oder andere in nicht allzu ferner Zukunft gebaut wird. Einiges kann man ja auch ohne Berliner Beteiligung durchziehen. Auf Berliner Stadtgebiet sehe ich allerdings ziemlich schwarz.

auf welche Projekte bezieht Du dich da ? Meinst Du Machbarkeitsstudien oder konkrete Planungen ?

Ich weiß von zwei Strecken (Hamburger Bahn und Kremmener Bahn), wo aktuell eine Entwurfsplanung ausgeschrieben ist. Entwurfsplanung ist schon ziemlich konkret und mündet meist über kurz oder lang in ein Planrechtsverfahren, sofern die Finanzierung gesichert ist.
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def
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Jay
Von den 300 "Ersties" hatten sich die Reihen nach dem 1. Semester aber schon sehr deutlich gelichtet, insbesondere, weil die Mathematik (vor allem Analysis) hammerhart ist und wenn eine Klausur von deutlich mehr als 50% bestanden wurde, da galt sie als "zu einfach". In Mechanik war es nicht ganz so drastisch, aber auch da lag die Quote üblicherweise bei 60-70%. In den Grundlagenfächern wird gnadenlos ausgesiebt.

Ist das nach Deiner Einschätzung eigentlich die sinnvolle oder die zynische Art von Aussieben? Also sind die Prüfungsinhalte wirklich absolut notwendig, um in den gängigen Berufsfelder der Branche arbeiten zu können, oder geht es nur darum, möglichst viele rauszuhauen - und somit vielleicht auch Studierende, die in bestimmten Feldern der Branche ziemlich talentiert wären?

Ein Aussieben an sich ist möglicherweise richtig, aber der Aussiebansatz ist doch der völlig falsche.

Auch ich habe diesen Studiemgang mit Diplom absolviert. Das Grundstudium hätte auch mir beinahe das Genick gebrochen: Im Grundstudium (also dern ersten 2 bis 3 Jahren) muss ich DIfferentialgleichungen lösen, die Kräfte an einem Balken berechnen, technische Zeichungen von Getrieben erstellen, das Eisenkohlenstoffdiagramm beherrschen und son Kram. Für nen Konstruktionsingenieur sicher alls wichtig. Für Leute die Planung und Betrieb weiterstudieren völlig irrelevant.

Die Fächer im Hauptstudium, also in der zweiten Hälfte des Studiums, sind dann die endlich mal wirklich was mit Verkehr zu tun haben. Diese waren dagegen so simpel, dass sie wahrscheinlich jeder hier im Forum (auch oihne Grundstudium!) mindestens bestehen würde. Da ist mir kein einziger Durchfaller bekannt. Na gut, Herrn Professor Mnich muss man erzählen wie geil die Magnetschwebebahn ist und wie störanfällig und unbedeutend der Eisenbahnverkehr, aber sonst ;-)

Dafür hatte ich im Fach "Betrieb von Straßenverkehranlagen" gelernt, dass Bevorrichtigung von ÖPNV auch nur relativ zu planen ist, nämlich in Abhängigkeit der Behinderung des MIV und dassAmpelprogramme natürlich auch so geplant werden können, dass Fußgänger auf der Mittelinsel versauern dürfen. Dann braucht man sich nicht wundern wenn die Ampeln dann auch so laufen. Das wird auch kein neues Fußgesetz von SenUVK verhindern. Die politischen Würdenträger werden die Phasenzwischenzeiten nicht nochmal nachrechnen.

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2 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.02.2021 15:16 von Logital.
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Latschenkiefer
Trotzdem kann jeder ein Studium nach seinem Gusto aufnehmen.

...wenn es freie Studienplätze für die gewünschte Fachrichtung und damit die Finanzierung dieser Studienplätze über staatliche Gelder gibt. NC als Zulassungsbeschränkung kennst Du ja auch. Also nur begrenzt freie Wahl.

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Latschenkiefer
Bei Dir hörte es sich so an wie "Philosophie studieren ist nicht mehr, jetzt werden alle Ingenieur".

Das würde sicher die persönlichen Fähigkeiten mancher Studenten überfordern. Und sinnvoll sind geisteswissenschaftliche Studien ohne Zweifel - stellt sich bloß die Frage, ob wir die (auch finanzielle) Betonung der geisteswissenschaftlichen Richtungen (die letzlich zu finanziellen Lasten der praktischen/naturwissenschaftlichen Studien gehen) beibehalten wollen.
Off topic: Einen interessanten Ausblick dazu bietet dieser Artikel der NZZ
[www.nzz.ch]
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Logital
Ein Aussieben an sich ist möglicherweise richtig, aber der Aussiebansatz ist doch der völlig falsche.

Genau darum ging es mir. Aussieben kann sinnvoll sein (wobei man schon fragen könnte, wieso man nicht eher ansetzt), und die Studierenden dazu zu zwingen, auch links und rechts des "Studienkerns" Fächer zu belegen, ist auf jeden Fall wichtig (niemand hat etwas von Fachidioten).

Was nicht geht: die "abseitigen" Fächer zum Aussieben zu benutzen - nicht nur aus menschlicher Sicht, sondern auch, weil man damit viel Potential verschenkt; und weil es einfach strunzdumm ist, gesellschaftliche Potentiale zu verschenken, damit ein paar Professor/innen ihr Ego ausleben können. Wenn die ernsthaft stolz auf hohe Durchfallerquoten sind, sagt das auch viel über das deutsche Hochschulsystem aus (was wiederum nicht als Plädoyer für hinterhergeworfene Prüfungen und Abschlüsse missverstanden werden sollte).

Ich hatte in meinem Studium mehr Glück. Sicher hatte ich auch so manches Fach, dass nicht nur ich, sondern alle Kommiliton:innen, zu denen ich noch Kontakt habe, niemals brauchen werde/n (und das ist wie gesagt völlig in Ordnung, das ist eben der Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung) - aber keines davon wurde zum Aussieben missbraucht.
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Latschenkiefer
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Jim Knopf vom Niederrhein
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Latschenkiefer
Ich sehe ich etwas optimistischer. In Brandenburg wird bei i2030 aktuell für einige Vorortstrecken sehr viel Dampf bei der DB Netz gemacht (z.B. Planungen vorfinanziert). Natürlich wird nicht alles zu 100% umgesetzt werden, aber ich denke schon dass das ein oder andere in nicht allzu ferner Zukunft gebaut wird. Einiges kann man ja auch ohne Berliner Beteiligung durchziehen. Auf Berliner Stadtgebiet sehe ich allerdings ziemlich schwarz.

auf welche Projekte bezieht Du dich da ? Meinst Du Machbarkeitsstudien oder konkrete Planungen ?

Ich weiß von zwei Strecken (Hamburger Bahn und Kremmener Bahn), wo aktuell eine Entwurfsplanung ausgeschrieben ist. Entwurfsplanung ist schon ziemlich konkret und mündet meist über kurz oder lang in ein Planrechtsverfahren, sofern die Finanzierung gesichert ist.

Entwurfsplanung bei diesen Strecken kann nicht sein.
Die Stufen sind: Grundlagenermittlung - Vorplanung - Entwurfsplanung - Genehmigungsplanung - Ausführungsplanung - Ausschreibung - Bau - Betriebseröffnung (so stehts auch bei i2030). All das dauert bei "mittleren" Verkehrsprojekten in Deutschland +/- 10 Jahre. (z.B. Verlängerung S-/U-Bahn)
Konkret: die Hamburger Bahn wird jetzt als Vorplanung gestartet. Dazu käme max. die Siemensbahn, bei der ebenfalls die Grundlagenermittlung gestartet wurde. Ansonsten: eher nichts. Evtl. wird es bis 2030 noch ein paar zusätzliche Weichenverbindungen (Hbf, Ostkreuz, Treptower Park) geben oder die ein oder andere Erweiterung von Abstellanlagen, vielleicht auch noch ein Ausbau der Unterwerke. Das wär´s dann aber auch schon bei der S-Bahn bis 2030.
Ich hab bis heute immer noch nichts Konkretes über die ominösen "35 Punkte S-Bahn" gelesen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.02.2021 15:50 von Jim Knopf vom Niederrhein.
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Jay
Auf der anderen Seite darf ich mich Diplom-Ingenieur nennen und bin da auch schon ein wenig Stolz drauf, dass ich das durchgestanden habe!

Kannst Du auch stolz drauf sein, den nimmt Dir keiner mehr! Du weißt ja: "Dem Ingenööör ist nichts zu schwööör" :-)
@Logital: In einem Punkt muss ich dir wehement widersprechen. Differenzialgleichungen sind für Planungsingenieure durchaus relevant (Stichwort Oberleitung) und auch das Eisen-Kohlenstoff-Diagramm und die Grundkenntnisse, die in Werkstofftechnik verliehen wurde, finde ich für jemanden, der Gleisanlagen plant, nicht verkehrt. Für Schema F-Rechnungen nach Bundesimmissionsschutzverordnung ist die höhere Mathematik auf Uni-Level zwar sicher nicht notwendig, aber auch nicht verkehrt, um mögliche Fehler im Rechenweg zu erkennen.

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Jim Knopf vom Niederrhein
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Latschenkiefer
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Jim Knopf vom Niederrhein
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Latschenkiefer
Ich sehe ich etwas optimistischer. In Brandenburg wird bei i2030 aktuell für einige Vorortstrecken sehr viel Dampf bei der DB Netz gemacht (z.B. Planungen vorfinanziert). Natürlich wird nicht alles zu 100% umgesetzt werden, aber ich denke schon dass das ein oder andere in nicht allzu ferner Zukunft gebaut wird. Einiges kann man ja auch ohne Berliner Beteiligung durchziehen. Auf Berliner Stadtgebiet sehe ich allerdings ziemlich schwarz.

auf welche Projekte bezieht Du dich da ? Meinst Du Machbarkeitsstudien oder konkrete Planungen ?

Ich weiß von zwei Strecken (Hamburger Bahn und Kremmener Bahn), wo aktuell eine Entwurfsplanung ausgeschrieben ist. Entwurfsplanung ist schon ziemlich konkret und mündet meist über kurz oder lang in ein Planrechtsverfahren, sofern die Finanzierung gesichert ist.

Entwurfsplanung bei diesen Strecken kann nicht sein.
Die Stufen sind: Grundlagenermittlung - Vorplanung - Entwurfsplanung - Genehmigungsplanung - Ausführungsplanung - Ausschreibung - Bau - Betriebseröffnung (so stehts auch bei i2030). All das dauert bei "mittleren" Verkehrsprojekten in Deutschland +/- 10 Jahre. (z.B. Verlängerung S-/U-Bahn)

Ihr habt beide Recht. Die Reihenfolge stimmt, aktuell wurden aber einige i2030-Projekte BIS ZUR Entwurfs- oder Genehmigungsplanung ausgeschrieben, d.h. mehrere der Phasen zusammenhängend.

Viele Grüße
André
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phönix
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Latschenkiefer
Trotzdem kann jeder ein Studium nach seinem Gusto aufnehmen.

...wenn es freie Studienplätze für die gewünschte Fachrichtung und damit die Finanzierung dieser Studienplätze über staatliche Gelder gibt. NC als Zulassungsbeschränkung kennst Du ja auch. Also nur begrenzt freie Wahl.

Trotzdem ist Latschenkiefers Aussage nicht falsch - ggf. muss man eben räumlich und/oder zeitlich (Wartesemester) flexibel sein.

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phönix
Und sinnvoll sind geisteswissenschaftliche Studien ohne Zweifel - stellt sich bloß die Frage, ob wir die (auch finanzielle) Betonung der geisteswissenschaftlichen Richtungen (die letzlich zu finanziellen Lasten der praktischen/naturwissenschaftlichen Studien gehen) beibehalten wollen.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll...

Zum einen ist das vermeintliche Duell "geisteswissenschaftlich" vs. "praktisch/naturwissenschaftlich" einfach Unsinn:

1. Es gibt viele Berufsfelder, die beides gleichermaßen beinhalten. Ein automatisches Übersetzungsprogramm hätten z.B. Informatiker wohl ohne die Hilfe von Sprachwissenschaftler/innen und Dolmetscher/innen kaum hinbekommen.

2. Ist ein Germanistik-Absolvent, der Deutschlehrer wird und Siebenjährigen das Schreiben beibringt, weniger praktisch tätig als eine theoretische Physikerin, die abseitige Probleme untersucht? Deren Arbeit möchte ich damit nicht kleinreden, zumal sie ja dabei Dinge entdecken kann, die praktische Auswirkungen haben - das zeigt viel mehr, wie problematisch der Begriff "praktisch" überhaupt ist.

Was dabei rauskommt, wenn achso qualifizierte Ingenieure über Gestaltung entscheiden, sehen wir übrigens an so ziemlich allen neu- und umgebauten DB-Stationen der letzten zehn Jahre, außer wenn der Denkmalschutz das schlimmste verhindern konnte. Vielleicht wäre auch von seiten der klassischen Naturwissenschaftler/innen manchmal etwas mehr Demut angebracht, wenn sie über die Leistungen anderer urteilen.

Zum anderen HAT Deutschland einen hohen Anteil von MINT-Studienanfänger/innen:

Zitat
Heise
In Deutschland entscheiden sich die meisten Anfänger im Hochschulbereich für ein Fach in den Feldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Mit einem Anteil von 40 Prozent im Jahr 2017 bei den Bachelor und gleichwertigen beruflichen Programmen nimmt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich den Spitzenplatz ein.

Edit: Die Quelle, auf die sich Heise bezieht, als [sehr große] pdf - siehe S. 240. Die Länder stehen auf Deutsch da, sind aber offensichtlich nach ihren englischen Namen alphabetisch sortiert (daher steht Österreich an zweiter Stelle und Deutschland zwischen Frankreich und Griechenland).

Und nicht nur das, Deutschland hat unter Hochschulabsolvent/innen ebenfalls einen hohen Anteil an MINT-Absolvent/innen:

Zitat
Heise
Demnach haben 35 Prozent der Bürger mit Hochschulbildung einen MINT-Abschluss, im Schnitt der betrachteten Staaten sind es 25 Prozent.



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.02.2021 16:18 von def.
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andre_de
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Jim Knopf vom Niederrhein
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Latschenkiefer
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Jim Knopf vom Niederrhein
Zitat
Latschenkiefer
Ich sehe ich etwas optimistischer. In Brandenburg wird bei i2030 aktuell für einige Vorortstrecken sehr viel Dampf bei der DB Netz gemacht (z.B. Planungen vorfinanziert). Natürlich wird nicht alles zu 100% umgesetzt werden, aber ich denke schon dass das ein oder andere in nicht allzu ferner Zukunft gebaut wird. Einiges kann man ja auch ohne Berliner Beteiligung durchziehen. Auf Berliner Stadtgebiet sehe ich allerdings ziemlich schwarz.

auf welche Projekte bezieht Du dich da ? Meinst Du Machbarkeitsstudien oder konkrete Planungen ?

Ich weiß von zwei Strecken (Hamburger Bahn und Kremmener Bahn), wo aktuell eine Entwurfsplanung ausgeschrieben ist. Entwurfsplanung ist schon ziemlich konkret und mündet meist über kurz oder lang in ein Planrechtsverfahren, sofern die Finanzierung gesichert ist.

Entwurfsplanung bei diesen Strecken kann nicht sein.
Die Stufen sind: Grundlagenermittlung - Vorplanung - Entwurfsplanung - Genehmigungsplanung - Ausführungsplanung - Ausschreibung - Bau - Betriebseröffnung (so stehts auch bei i2030). All das dauert bei "mittleren" Verkehrsprojekten in Deutschland +/- 10 Jahre. (z.B. Verlängerung S-/U-Bahn)

Ihr habt beide Recht. Die Reihenfolge stimmt, aktuell wurden aber einige i2030-Projekte BIS ZUR Entwurfs- oder Genehmigungsplanung ausgeschrieben, d.h. mehrere der Phasen zusammenhängend.

Viele Grüße
André

o.k., aber das heißt ja nur, daß Grundlagenermittlung und Vorplanung zusammengefasst wurden. D.h. es gibt dann erst mal einen ganzen Sack voll Alternativen / Varianten, die geprüft und beurteilt werden müssen (Aufwand / Nutzen). Es danach wird´s ja konkreter mit der Planung.
Welche Projekte innerhalb i2030 sollen das denn sein ?
Zitat
Jim Knopf vom Niederrhein
o.k., aber das heißt ja nur, daß Grundlagenermittlung und Vorplanung zusammengefasst wurden.

Nein, "bis zur Genehmigungsplanung" meint natürlich bis einschließlich Genehmigungsplanung (sonst macht es ja keinen Sinn).

Zitat
Jim Knopf vom Niederrhein
Welche Projekte innerhalb i2030 sollen das denn sein ?

Mindestens:
- Kremmener Bahn: [mil.brandenburg.de]
- Siemensbahn: siehe Wikipedia
- Dresdener Bahn (Rangsdorf): siehe Wikipedia
- RE1-Bahnsteigverlängerung: [www.vbb.de]
- Heidekrautbahn: [ted.europa.eu]

Die zusammenfassende Beauftragung mehrerer Planungsphasen ist also offenbar inzwischen eher der Regel- als der Ausnahmefall.

Viele Grüße
André



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.02.2021 17:15 von andre_de.
Zitat
andre_de
Die zusammenfassende Beauftragung mehrerer Planungsphasen ist also offenbar inzwischen eher der Regel- als der Ausnahmefall.

Das ist ja auch höchst sinnvoll, denn ein Anbieterwechsel im laufenden Bauvorhaben führt mindestens zu Verzögerungen im Bauverlauf.
S-Bf Warschauer Brücke ist da nur ein (leider sehr extremes) Beispiel.

so long

Mario
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andre_de
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Jay
Auf der anderen Seite darf ich mich Diplom-Ingenieur nennen und bin da auch schon ein wenig Stolz drauf, dass ich das durchgestanden habe!

Kannst Du auch stolz drauf sein, den nimmt Dir keiner mehr! Du weißt ja: "Dem Ingenööör ist nichts zu schwööör" :-)

In der Schreibweise ist es ja bekanntlich von der Disney-Übersetzerin Erika Fuchs bekannt geworden. Im Original stammt es aber
nicht von ihr, sondern von Heinrich Seidel, übrigens wie die Rostockern Erika Fuchs aus Mecklenburg stammend, aus einem Dorf
mit dem schönen Namen Perlin. Das liegt bei Schwerin.

Ingenieurlied

Seidels bekanntestes Werk nennt sich Leberecht Hühnchen, daneben hat er auch einige plattdeutsche Werk gefasst.
Was ihn aber hier on ontopic macht: er war wirklich Ingenieur. Von ihm stammte die Halle des Anhalter Bahnhofs und er wirkte auch an den Yorck-Brücken mit.
.
Zitat
andre_de
Zitat
Jim Knopf vom Niederrhein
o.k., aber das heißt ja nur, daß Grundlagenermittlung und Vorplanung zusammengefasst wurden.

Nein, "bis zur Genehmigungsplanung" meint natürlich bis einschließlich Genehmigungsplanung (sonst macht es ja keinen Sinn).

Zitat
Jim Knopf vom Niederrhein
Welche Projekte innerhalb i2030 sollen das denn sein ?

Mindestens:
- Kremmener Bahn: [mil.brandenburg.de]
- Siemensbahn: siehe Wikipedia
- Dresdener Bahn (Rangsdorf): siehe Wikipedia
- RE1-Bahnsteigverlängerung: [www.vbb.de]
- Heidekrautbahn: [ted.europa.eu]

Die zusammenfassende Beauftragung mehrerer Planungsphasen ist also offenbar inzwischen eher der Regel- als der Ausnahmefall.

Viele Grüße
André

o.k. ich meinte allerdings speziell S-Bahn. Da seh ich im Internet nur:
- Spandau - Nauen (Vorplanung 4-Gleisigkeit oberirdisch + Machbarkeitsstudie Tunnel Spandau bis 2023)
=> m.E. ein Projekt, daß bis zum Baubeginn so um die 10-12 Jahre dauern wird
- Siemensbahn 1. BA (bis Gartenfeld)
- Siemensbahn 2. BA (Gartenfeld - Hakenfelde) / (Vorplanung + Genehmigungsplanung bis 2025), bei positivem Kosten-/Nutzenverhältnis (was ich bezweifle wegen Tunnellösungen)
=> m.E. ebenfalls ein Projekt, daß bis zum Baubeginn so um die 10-12 Jahre dauern wird

Bis auf Siemensbahn 1. BA alles Projekte nach dem Motto "der große Wurf". Und was folgt ist: warten, versprechen, nichts tun, warten, versprechen, liegen lassen usw. usw., anstatt mal mit "kleineren" Maßnahmen (1-gleisigkeiten im vorhandenen Netz beseitigen, 3. Bahnsteigkanten bei div. Ringbahn-Bahnhöfen bauen usw.) zu starten.
Also: S-bahnmäßig ruhig zurücklehnen und sich demnächst als Weihnachtsgeschenk über 2 km neuer S-Bahn mit einem Interimsbahnhöflein nach Jahrzehnten freuen......
Zitat
Jim Knopf vom Niederrhein
Machbarkeitsstudie

Ich glaube, zwischenzeitlich eine Allergie gegen dieses Wort ausgebildet zu haben.
Mit den Geldern, die bislang in derlei Studien versenkt worden sind, hätte man, meinem Gefühl nach, ein komplett neues Schienennetz errichten können - machbar ist vieles und wo ein Wille ist, findet sich meistens auch ein Weg, da braucht man keine Studie, die nur Zeit und Geld verschlingt.


Bitte sprechen Sie während der Fahrt mit dem Busfahrer/der Busfahrerin - er/sie hat sonst niemanden.
Zitat
Global Fisch
Zitat
andre_de
Zitat
Jay
Auf der anderen Seite darf ich mich Diplom-Ingenieur nennen und bin da auch schon ein wenig Stolz drauf, dass ich das durchgestanden habe!

Kannst Du auch stolz drauf sein, den nimmt Dir keiner mehr! Du weißt ja: "Dem Ingenööör ist nichts zu schwööör" :-)

In der Schreibweise ist es ja bekanntlich von der Disney-Übersetzerin Erika Fuchs bekannt geworden. Im Original stammt es aber
nicht von ihr, sondern von Heinrich Seidel, übrigens wie die Rostockern Erika Fuchs aus Mecklenburg stammend, aus einem Dorf
mit dem schönen Namen Perlin. Das liegt bei Schwerin.

Ingenieurlied

Seidels bekanntestes Werk nennt sich Leberecht Hühnchen, daneben hat er auch einige plattdeutsche Werk gefasst.
Was ihn aber hier on ontopic macht: er war wirklich Ingenieur. Von ihm stammte die Halle des Anhalter Bahnhofs und er wirkte auch an den Yorck-Brücken mit.
.

Vielen Dank für den amüsanten Ausflug :-) Und Herr Seidel war dann also eindeutig ein Guter :-)
Zitat
Alter Köpenicker
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Jim Knopf vom Niederrhein
Machbarkeitsstudie

Ich glaube, zwischenzeitlich eine Allergie gegen dieses Wort ausgebildet zu haben.
Mit den Geldern, die bislang in derlei Studien versenkt worden sind, hätte man, meinem Gefühl nach, ein komplett neues Schienennetz errichten können - machbar ist vieles und wo ein Wille ist, findet sich meistens auch ein Weg, da braucht man keine Studie, die nur Zeit und Geld verschlingt.

Stimme voll zu. Um die oben beschriebenen Themen (also Wunschzettel i2030 und Ingenieurausbildung) mal auf einen Punkt zusammen zubringen: ich glaube, daß es in der Politik viel zu viele Möchtegern-Verkehrspolitiker gibt. Techniker müssen her !
Zitat
Jim Knopf vom Niederrhein
Stimme voll zu. Um die oben beschriebenen Themen (also Wunschzettel i2030 und Ingenieurausbildung) mal auf einen Punkt zusammen zubringen: ich glaube, daß es in der Politik viel zu viele Möchtegern-Verkehrspolitiker gibt. Techniker müssen her !

Es gibt Techniker, die die Ideen der Politik prüfen, dies können sie auch gern tun. Aber Politiker sollten dann doch besser halbwegs einen Querschnitt der Gesellschaft repräsentieren und gesellschaftlich zielführende Ideen produzieren und verfolgen, denn die Ergebnisse einer technikergeprägten Verkehrspolitik in Form der autogerechten Stadt baden wir noch lange aus.

Was die Ingenieursausbildung angeht: da könnte man zum einen die Tarifverträge mal marktgerecht anpassen, um als Arbeitgeber weiterhin Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben oder man muss halt an nicht-tarifgebundene Tochtergesellschaften outsourcen, die dann marktgerechte Gehälter zahlen. Mit Infravelo und Grün Berlin ist das ja z.B. schon gelungen.
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