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Sammelthread: Verkehrspolitik in Berlin II (ab 01/21)
geschrieben von B-V 3313 
Zitat
VvJ-Ente
Wenn beispielsweise die Mitarbeiter der Charité Parkplätze fordern, weil die Anbindung mit dem ÖPNV schlecht und in Wochenendnächten nicht vorhanden ist, dann erwarte ich vom Vortänzer der IGEB zumindest einen Vorschlag, mit welcher Buslinie man das ändern könnte.

Manchmal hilft auch ein Blick in Fahrinfo, dass die Aussage der IGEB und des Charité-Personals zur Nichterreichbarkeit mit dem ÖPNV nicht mal faktenbasiert ist:

Es gibt auch in den Wochenendnächten ein Nachtangebot der Linie 147 zum Schichtwechsel. Der 147er fährt in den Wochenendnächten ab ca. 5.30 Uhr halbstündlich vom Leopoldplatz bzw. Unter den Linden / Friedrichstraße zur Charité. Damit gibt es für Klinikpersonal zu Schichtwechselzeiten ein direktes Busangebot unter anderem von der Stadtbahn, der Nord-Süd-Bahn, der nördlichen Ringbahn, der U5, der U6 und der U9 und den Regionalzügen am Hbf zur Charité.
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Nemo
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Jay


Auch wenn ich mich wiederhole: Das Thema wurde stets und ständig in ALLEN entsprechenden Runden angesprochen. Es stößt schlichtweg auf taube Ohren, wie man ja auch hier sieht: "Lauf doch die 500 Meter zur Notaufnahme", ist ja im Prinzip auch deine Aussage. Wenn ich ne Bänderdehnung oder ähnliche Verletzungen im Bein/Fuß habe, dann macht das Laufen nicht wirklich Spaß. Damit fährt man schon mal in die Notaufnahme, braucht aber noch keinen Rettungswagen. Da ist es dann schon ziemlich bescheiden, wenn zwar 50 Meter entfernt eine Haltestelle ist, die aber nicht bedient wird. Und nebenbei sei in diesem Kontext darauf hingewiesen, dass es noch immer nicht gelungen ist die Haltestelle Philippstr. auch für die Fahrtrichtung Hauptbahnhof einzurichten.

Nunja, ich bin zwar auch der Meinung, dass die Anbindung des Charité zu verbessern ist, aber zur Notaufnahme würde ich dann glaube ich das Taxi nehmen.


Etwas anders war das schon dargestellt: Die Mitarbeiter der Coronastationen forderten Parkplätze, damit sie im ÖPNV niemand anstecken.
Und dann kam man noch auf die glorreiche Idee die Busbedienung umzustellen.
Reaktion von Fr. Günther: Fahrrad fahren bei Wind und Wetter, nach der 12 Stunden-Schicht.
Pünktliche Busse in der Kantstr. sind ihr auch nicht besonders wichtig...
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Christian Linow
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M48er
Ein Fahrgastverband sollte daher zu Recht die Kombination Rad+ÖPNV nur als eine (freiwillige) Ergänzung zu einem notwendigen Vollangebot des ÖPNV benennen und ein ÖPNV-Vollangebot einfordern, welches auch gut ohne Fahrrad-Zubringer nutzbar ist.

Im Prinzip wäre auch das ein Ausspielen zweier Verkehrsmittel innerhalb des Umweltverbunds, wodurch ein Kannibalisieren des ÖPNVs im Zweifel nur noch stärker vorangetrieben wird.

Gerade das Fahrrad als Zubringerfunktion würde ich nicht als klassische Kannibalisierung des ÖPNV sehen, zumindest nicht in finanzieller Hinsicht, weil ja letztlich doch eine Fahrkarte genutzt wird. Eventuell dadurch bedingte Einnahmeausfälle spielen allenfalls in wenigen Fällen eine Rolle, z.B. wenn mit dem Fahrrad die Stadtgrenze überquert wird und dadurch nur ein AB- statt eines ABC-Tickets benötigt wird.

Um das Beispiel Waldesruh von neulich aufzugreifen: wenn jemand mit dem Rad zum S-Bahnhof Hirschgarten und von dort mit der S3 in die Stadt fährt, ist das doch auch für die Finanzierung des 108ers besser, als wenn die gleiche Person direkt mit dem Auto in die Stadt fährt.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.04.2021 11:44 von def.
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def
Ja, wirklich. Denn wenn Straßenfahrzeuge in zehn, zwanzig Jahren nur noch in Asien und den USA gebaut werden sollten und Europa ein einziges Detroit mit ein bisschen Versailles- und Sisi-Kitsch ist, haben wir auch nichts gewonnen. Vor diesem Hintergrund halte ich Großversuche auf Grund der gewonnenen Erfahrungen (wie Einsätze in Großstädten) für sinnvoll. Deshalb müssen sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe aber vollständig vom Bund oder der EU finanziert werden und nicht aus lokalen Töpfen, erst recht nicht aus ÖPNV-Geldern. Natürlich muss, damit der Großversuch wirklich sinnvoll ist, eine wissenschaftliche Begleitung erfolgen.

Die Gefahr sehe ich bei Nutzfahrzeugen (und damit auch Bussen) nicht ganz so erheblich. Wir haben zwar vor einigen Jahren eine zunehmende Konzentration der Anbieter erlebt, aber es sind nach wie vor mehr als ausreichend europäische (und amerikanische) Firmen vorhanden und sie sind sogar weitestgehend konstant in ihrem Firmenverbund geblieben. Die meisten von diesen Anbietern bieten auch Elektrofahrzeuge an.

Da sehe ich bei Schienenfahrzeugen eher ein Problem auf uns zukommen. Genauso wie mit der Akkutechnologie, aber das betrifft bei Weitem mehr als Busse und spräche eher dafür, nicht nur auf Batteriebusse zu setzen, da man dann die Abhängigkeit trotz industriepolitischer Förderung der Fahrzeuge verstärkt.

Zitat
def
China schreitet mit einer Staatswirtschaft in riesigen Schritten Richtung Weltmacht, und in Europa glauben wir immer noch, der Markt allein regele das schon. "Der Markt" regelt im Zweifelsfall die totale Abhängigkeit von der größten totalitäten Diktatur der Welt. Ich finde diese Vorstellung eher gruselig.

"Der Markt" hat auch schon geregelt, wo die innovativsten Computerkonzerne entstanden sind und wirkten - Europa war es nicht, und es macht auch keinerlei Anstalten, aufzuholen (während China es eben gelungen ist, siehe Alibaba & Co).

Das ist vor allem ein sicherheitspolitisches Problem, leider kein rein industriepolitisches mehr. Dass die Bundesregierung hier kein Konzept hat, ist tragisch und leider in der Konsequenz schon faktisch. Denn die (fragwürdig maßgebende) deutsche Automobilindustrie ist bereits hochgradig abhängig vom chinesischen Markt und das ist wohl kaum umkehrbar, auch mit Innovationen nicht. Dass der Volkswagen-Konzern ohne direkten wirtschaftlichen Hintergrund den Kotau gegenüber Peking leistet und eine Fertigung in Xinjiang errichtet hat, ist die Spitze dieser Abhängigkeit, aber das interessiert hier eben praktisch niemanden.

Zitat
def
Das ist immer die Gefahr bei Subventionen - die aber durch Ausschreibungen schonmal verringert wird. Außerdem scheint mir das Problem doch im konkreten Fall weniger bei den Beschaffungs- als viel mehr bei den Betriebskosten zu liegen.

Nun, wenn ein EE der BVG rund 600.000 Euro kostet und ein GE über 900.000 Euro, kann man das schon hinterfragen, wenn für einen vergleichbaren Hybridbus (12m), der auch zur CO2-Reduzierung beiträgt, nur 300.000 Euro aufgerufen werden.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.04.2021 11:42 von hvhasel.
Zitat
Nemo
Nunja, ich bin zwar auch der Meinung, dass die Anbindung des Charité zu verbessern ist, aber zur Notaufnahme würde ich dann glaube ich das Taxi nehmen.

Das Geld sollte man sich doch von der Krankenkasse erstatten lassen können?
Zitat
def

Gerade das Fahrrad als Zubringerfunktion würde ich nicht als klassische Kannibalisierung des ÖPNV sehen, zumindest nicht in finanzieller Hinsicht, weil ja letztlich doch eine Fahrkarte genutzt wird. Eventuell dadurch bedingte Einnahmeausfälle spielen allenfalls in wenigen Fällen eine Rolle, z.B. wenn mit dem Fahrrad die Stadtgrenze überquert wird und dadurch nur ein AB- statt eines ABC-Tickets benötigt wird.

Um das Beispiel Waldesruh von neulich aufzugreifen: wenn jemand mit dem Rad zum S-Bahnhof Hirschgarten und von dort mit der S3 in die Stadt fährt, ist das doch auch für die Finanzierung des 108ers besser, als wenn die gleiche Person direkt mit dem Auto in die Stadt fährt.

Nein, als Zubringer- oder Querverkehr, wo es keine adäquaten ÖPNV-Angebote gibt, kannibalisiert das Fahrrad auf keinen Fall und muss eher noch verstärkt werden. Keine Frage!

Was ich meine, ist, dass man, wenn man das Fahrrad nicht als vollwertiges Verkehrsmittel des Umweltverbundes berücksichtigt, Kannibalisierungseffekte schürt. Konkretes Beispiel: Das Überangebot des Bike-Sharings innerhalb des ÖPNV-technisch weitestgehend gut und dicht erschlossenen S-Bahnrings schöpft gerade bei Kurstreckenfahrern Potenziale des ÖPNV ab. Dort aber, wo Bike-Sharing damit punkten könnte, beispielsweise als Zubringer vom „autoarmen“ Quartier in Johannisthal zu den S-Bahnhöfen in Adlershof bzw. Schöneweide, dort fehlt es.
In so einer Situation würde ich nicht auf das nur möglicherweise Vorhandensein eines Leihrades setzen. Entweder, diese Sorge ist da oder es stehen so viele herum, dass es wieder lästig wird (wie heute mit den Elektrorollern im Zentrum). Für so Wege reicht doch ein einfaches, eigenes Rad.

~ Erstmal hinsetzen und ein schönes Lutschbonbon essen ~
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Philipp Borchert
In so einer Situation würde ich nicht auf das nur möglicherweise Vorhandensein eines Leihrades setzen. Entweder, diese Sorge ist da oder es stehen so viele herum, dass es wieder lästig wird (wie heute mit den Elektrorollern im Zentrum). Für so Wege reicht doch ein einfaches, eigenes Rad.

Und genau durch diese Herangehensweise beraubt man sich jedweder Optionen zugunsten des ÖPNV. Nicht jeder schafft sich ein eigenes Rad für diese Zwecke an, sondern nimmt dann als Anwohner u. U. gleich das Auto. Besuch hat ohnehin keines an den S-Bahnhöfen abgestellt, ebenso wenig wie Arbeitende der Kita und schon gleich gar nicht Mitarbeiter*innen in der benachbarten Wista.
Zitat
Christian Linow
Zitat
Philipp Borchert
In so einer Situation würde ich nicht auf das nur möglicherweise Vorhandensein eines Leihrades setzen. Entweder, diese Sorge ist da oder es stehen so viele herum, dass es wieder lästig wird (wie heute mit den Elektrorollern im Zentrum). Für so Wege reicht doch ein einfaches, eigenes Rad.

Und genau durch diese Herangehensweise beraubt man sich jedweder Optionen zugunsten des ÖPNV. Nicht jeder schafft sich ein eigenes Rad für diese Zwecke an, sondern nimmt dann als Anwohner u. U. gleich das Auto. Besuch hat ohnehin keines an den S-Bahnhöfen abgestellt, ebenso wenig wie Arbeitende der Kita und schon gleich gar nicht Mitarbeiter*innen in der benachbarten Wista.

Für einen Kiezerschließungsbus ist ein Fahrrad hinsichtlich der Geschwindigkeit ein starker Herausforderer.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
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M48er
Es gibt auch in den Wochenendnächten ein Nachtangebot der Linie 147 zum Schichtwechsel. Der 147er fährt in den Wochenendnächten ab ca. 5.30 Uhr halbstündlich vom Leopoldplatz bzw. Unter den Linden / Friedrichstraße zur Charité. Damit gibt es für Klinikpersonal zu Schichtwechselzeiten ein direktes Busangebot unter anderem von der Stadtbahn, der Nord-Süd-Bahn, der nördlichen Ringbahn, der U5, der U6 und der U9 und den Regionalzügen am Hbf zur Charité.

Du bist aber auch ein wenig weltfremd. Wenn um 6.00 Uhr die Dienstübergabe beginnt, dann hilft ein Bus mit der Abfahrt gegen 5.30 Uhr nicht. Oder soll sich das Personal etwa schon im Bus umziehen?

x--x--x--x

Für mehr gelbe Farbe im Netzplan: die Farben der U4 und U7 tauschen!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.04.2021 15:16 von B-V 3313.
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Christian Linow
Und was ist abseits des Wochenendnachtverkehrs? Wie kommen da die Mitarbeiter*innen zu ihrer Schicht?

Da wird wohl das normale Tagesnetz genommen werden. Hätteste aber auch von selbst drauf kommen können.

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Christian Linow
Abgesehen davon, dass sich die Reisezeiten auch im Wochenendnachtverkehr mitunter verlängern und Schichtdienst ohnehin eine stärkere Belastung gegenüber regelmäßigen und regulären Arbeitszeiten darstellt?

Manche Reisezeiten verlängern sich, manche verkürzen sich dank der Schnellbahn sogar. Wie soll man dem Abhilfe schaffen?

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Für mehr gelbe Farbe im Netzplan: die Farben der U4 und U7 tauschen!
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M48er
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VvJ-Ente
Wenn beispielsweise die Mitarbeiter der Charité Parkplätze fordern, weil die Anbindung mit dem ÖPNV schlecht und in Wochenendnächten nicht vorhanden ist, dann erwarte ich vom Vortänzer der IGEB zumindest einen Vorschlag, mit welcher Buslinie man das ändern könnte.

Manchmal hilft auch ein Blick in Fahrinfo, dass die Aussage der IGEB und des Charité-Personals zur Nichterreichbarkeit mit dem ÖPNV nicht mal faktenbasiert ist:

Es gibt auch in den Wochenendnächten ein Nachtangebot der Linie 147 zum Schichtwechsel. Der 147er fährt in den Wochenendnächten ab ca. 5.30 Uhr halbstündlich vom Leopoldplatz bzw. Unter den Linden / Friedrichstraße zur Charité. Damit gibt es für Klinikpersonal zu Schichtwechselzeiten ein direktes Busangebot unter anderem von der Stadtbahn, der Nord-Süd-Bahn, der nördlichen Ringbahn, der U5, der U6 und der U9 und den Regionalzügen am Hbf zur Charité.

Sonntags ist der erste 147er aus Mitte um 5:35 Uhr an der Charité, der erste Bus aus dem Wedding um 5:45 Uhr. Von der Haltestelle zur Arbeitsstelle laufen, Arbeitskleidung anlegen (soll auf dem Weg zur Arbeit NICHT getragen werden), Hände gründlich desinfizieren, um 6:00 Uhr dienstbereit sein. Das halte ich mit dem ersten Bus für sportlich, mit dem zweiten für unmöglich...
@M48, tut mir leid, wenn's gerade Deinen Beitrag erwischt, aber an irgendeiner Stelle muss ich meinen Beitrag einhängen und da fiel mir ein Satz auf, was so ähnlich auch im Wieseke-Interview anklang.

Generell erstmal: ich halte den Wieseke-Text für ausgesprochen unausgegoren.

Er spricht einige wichtige und richtige Dinge an. Natürlich kann die Verkehrswende nur mit einem deutlich verbesserten ÖPNV gelingen. Natürlich hat sich in den letzten Jahren in Berlin in dieser Hinsicht viel zu wenig getan; natürlich könnte man gerade von einer Partei, die sich "grün" nennt in dieser Hinsicht deutlich mehr erwarten. Das kann und das sollte man m.E. deutlich kritisieren.

Und so kann man - bei oberflächlicher Betrachtung - das Wieseke-Interview gut finden.

Aber schon die Überschrift (die ja ein Wieseke-Zitat ist) "die jetzige Verkehrspolitik ist ÖPNV-feindlich" halte ich für reine Polemik. Es geht mit der ÖPNV-Verbesserung inakzeptabel langsam voran, das ja, aber "ÖPNV-feindlich"? Sorry.

Was ich in den letzten Jahren (gerade von konservativer Seite) bis zum Erbrechen gehört habe, sind billige, dumme Klischees über die Verkehrspolitik des Senats:
- man wolle den Autofahrern das Autofahren verbieten
- man wolle ausschließlich auf Straßenbahnen statt auf Schnellbahnen setzen
- man wolle alles nur per Fahrrad erledigen.

Und das letzte Klischee greift Wieseke trefflich auf: "2016 war ihr Versprechen: Wir lösen alle Probleme mit dem Fahrrad" - wo bitte soll Frau Günther (was man auch immer von ihr halten mag) so einen Quatsch erzählt haben?

Und dann sind wir bei Deinem Zitat:

Zitat
M48er
Ich kann vielen der von Herrn Wieseke geäußerten Kritikpunkte nur zustimmen, gerade auch an der momentanen politischen Bevorzugung des Radverkehrs gegenüber dem ÖPNV.

Ähm, öhm, sorry, welche politische Bevorzugung des Radverkehrs gibt es denn bitte? Natürlich ist verbal in Sonntagsreden immer wieder vom Radverkehr die Rede. Aber unterm Strich ist das Fortschritt, was konkret gemacht wurde, auch recht gering. Wirkt nur in den Medien so groß, weil von jedem neuen Pop-up-Radweg groß erzählt wird. Es ist beim Radverkehr nicht viel besser gelaufen als beim ÖPNV. Mag sein, dass es ein paar mehr Maßnahmen gab, aber das liegt in der Natur der Sache. Natürlich ist ein Radweg leichter zu bauen als eine Straßenbahnstrecke.

Aber, wie auch immer unterm Strich geht es beim Radverkehr vergleichbar langsam voran wie beim ÖPNV. Und selbst, wenn es anders wäre, was wäre daran schlimm?

Verkehrswende braucht (für den Personenverkehr) drei Säulen:
- Verbesserungen für den ÖPNV
- Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr (kann man auch als getrennte Punkte betrachten)
- Push-Faktoren zur Reduzierung des MIV.

Es hängt alles natürlich irgendwie zusammen, aber dennoch sind es im wesentlichen unabhängige Sachen. Wenn sich eine Säule eine Zeitlang schneller entwickelt, wäre es trotzdem ein Fortschritt. Natürlich könnte man (wenn der Radverkehr sich wirklich verbessert hätte) völlig zu Recht fordern, dass mehr für ÖPNV getan wird (oder umgekehrt), aber Radverkehrsförderung ist doch nicht gegen ÖPNV-Förderung (und umgekehrt)


Zitat

Die IGEB hat als Fahrgastverband nämlich auch die Fahrgäste zu vertreten, für die die Kombination Rad+ÖPNV z.B. wegen einer Behinderung keine Alternative darstellt

Ja natürlich. Die Forderung nach Förderung des ÖPNV ist der Job eines Fahrgastverbands. Und nicht Schwadronieren "als Nichtnutzer" über den Radverkehr wie in dem Interview.

Zitat

Ein Fahrgastverband sollte daher zu Recht die Kombination Rad+ÖPNV nur als eine (freiwillige) Ergänzung zu einem notwendigen Vollangebot des ÖPNV benennen und ein ÖPNV-Vollangebot einfordern,

Ja natürlich. Aber wer will denn bitte schön ein ÖPNV-Vollangebot abschaffen?

Und zum Ende dreht Wieseke im Interview völlig ab: "Stattdessen haben sich die Grünen beim Fahrrad-Volksentscheid von Heinrich Strößenreuther kapern lassen" - was hat Strößenreuther mit der Senatspolitik zu tun? Gegen den könnte man ja getrost so einiges haben, verstehe ich durchaus, aber was tut das zur Sache?
Als Mitglied beider Vereine weiß ich: IGEB wie ADFC sind den jahrzehntelangen Marsch durch die Instanzen gewohnt. Beim Volksentscheid sind sie von Changing Cities (was nicht nur die Person H.S. ist/war!) ziemlich in die Defensive gedrängt worden. Das kann man ärgerlich finden, aber warum dauernd alte Wunde lecken? Vielleicht gäbe es ja Ideen, das Thema ÖPNV mehr "sexy" zu machen?

Und die Idee mit den reichen City-Radfahrenden, die sich von den Vorstädtern bedienen lassen, ist nun völlig grotesk. Übrigens käme das Bedienpersonal auch gut in die Innenstadt. Die Radialen funktionieren ganz gut.
Noch ein Gedanke zur Kombination ÖPNV+Fahrrad: wenn ich an mein eigenes Umfeld denke, haben eigentlich alle, die das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel betrachten, zusätzlich eine Zeitkarte für den ÖPNV; umgedreht hat kaum ein/e Autobesitzer/in in meinem Umfeld eine. Die erste Gruppe ist bei der Wahl ihres aktuellen Verkehrsmittels relativ flexibel (Fahrrad, Fußweg, ÖPNV, Fahrrad oder Fußweg+ÖPNV, vereinzelt Carsharing/Mietwagen), die letzte Gruppe steigt automatisch ins Auto, wenn ein Weg ansteht, und sei er noch so kurz, und sei der ÖPNV noch so viel schneller.

Ja, ich weiß nicht, wie repräsentativ mein Umfeld ist, und natürlich kann es auch sein, dass mir die Fälle, die meine These bestätigen, eher auffallen - aber zugleich halte ich es für nicht unplausibel. Insofern halte ich es weiterhin für grundverkehrt, die Verkehrsträger im Umweltverbund gegeneinander auszuspielen, zumal die meisten Berliner Straßen eigentlich breit genug sind, damit das nicht notwendig ist.
Global Fisch und def, danke für die ausgewogenen sachlichen Beiträge.
Zitat
def
wenn ich an mein eigenes Umfeld denke, haben eigentlich alle, die das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel betrachten, zusätzlich eine Zeitkarte für den ÖPNV; umgedreht hat kaum ein/e Autobesitzer/in in meinem Umfeld eine. Die erste Gruppe ist bei der Wahl ihres aktuellen Verkehrsmittels relativ flexibel (Fahrrad, Fußweg, ÖPNV, Fahrrad oder Fußweg+ÖPNV, vereinzelt Carsharing/Mietwagen), die letzte Gruppe steigt automatisch ins Auto, wenn ein Weg ansteht, und sei er noch so kurz, und sei der ÖPNV noch so viel schneller.

Bei mir ist es anders: die Allermeisten aus dem Umfeld betrachten das Fahrrad als **ein** alltägliches Verkehrsmittel, sie nutzen es für kleinere Wege oder Ausflüge, nutzen häufig den ÖPNV und ab und zu das Auto. Der Anteil aus dem Umfeld, der das Fahrrad fast ausschließlich fährt (und dann aber auch im wesentlichen auf den ÖPNV verzichtet) oder der ausschließlich Auto fährt und selten auf den ÖPNV zurückgreift, ist gering.
Ich persönlich würde meine persönlichen innerstädtischen Fahrten mit dem PKW auf vielleicht ein Prozent der Gesamtstrecke oder weniger verorten.

Mit besten Grüßen

phönix
Zitat
Global Fisch
Ähm, öhm, sorry, welche politische Bevorzugung des Radverkehrs gibt es denn bitte?

Ob man es nun als politisch bezeichnen möchte, weiß ich nicht, aber die Possen in der Kantstraße und an der Endstelle vom 300er in der Tamara-Danz-Straße zeigen, dass bei manchen Verbesserungen für den Radverkehr der ÖPNV außen vorgelassen wurde.

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B-V 3313
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Global Fisch
Ähm, öhm, sorry, welche politische Bevorzugung des Radverkehrs gibt es denn bitte?

Ob man es nun als politisch bezeichnen möchte, weiß ich nicht, aber die Possen in der Kantstraße und an der Endstelle vom 300er in der Tamara-Danz-Straße zeigen, dass bei manchen Verbesserungen für den Radverkehr der ÖPNV außen vorgelassen wurde.

In der Tamara-Danz-Straße? Da war nicht der Radweg das Problem für den ÖV, sondern die massenhaften Falschparker auf dem eigentlich sowieso zu schmalen Radweg. Man hat also an beides nicht gedacht.

Edit: Die Falschparker waren breiter als der Radweg, also war kein Platz mehr für den Bus...

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.04.2021 17:25 von Nemo.
Zitat
Nemo
In der Tamara-Danz-Straße? Da war nicht der Radweg das Problem für den ÖV, sondern die massenhaften Falschparker auf dem eigentlich sowieso zu schmalen Radweg. Man hat also an beides nicht gedacht.

https://www.bahninfo-forum.de/read.php?9,625202,642359#msg-642359

Das ist also für dich keine Posse? Diese Poller in der Endhaltestelle sind für dich dann was?

Also 2019 war es für dich noch eine Posse:
https://www.bahninfo-forum.de/read.php?9,625202,641602#msg-641602
;-)

x--x--x--x

Für mehr gelbe Farbe im Netzplan: die Farben der U4 und U7 tauschen!



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.04.2021 18:00 von B-V 3313.
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B-V 3313
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Global Fisch
Ähm, öhm, sorry, welche politische Bevorzugung des Radverkehrs gibt es denn bitte?

Ob man es nun als politisch bezeichnen möchte, weiß ich nicht, aber die Possen in der Kantstraße und an der Endstelle vom 300er in der Tamara-Danz-Straße zeigen, dass bei manchen Verbesserungen für den Radverkehr der ÖPNV außen vorgelassen wurde.

Selbst wenn das richtig wäre (man beachte den Konjunktiv, außer mir sind noch eine Menge andere Leute der Meinung, dass die Ursachen für Stau und Behinderung der Busse ganz woanders liegen), gleichen diese Einzelfälle bei weitem nicht die hunderte von Nebenstraßen aus, wo der Radverkehr wegen Feigheit/Ignoranz der örtlichen Behörden massiv von der Blechlawine behindert wird. Eigentlich 3 Fahrspuren, davon 2 als kostenloser Privatparkplatz missbraucht (egal, ob Innenstadt oder Einfamilienhaussiedlung mit großen Grundstücken), parallel in 1-2 Häuserblöcken Entfernung eine Hauptstraße, auf der die lästigen Radfahrer bestenfalls auf Hochbord-Radwege verbannt sind, und trotzdem ist es eine Rücksichtslosigkeit, wenn nicht sogar eine Beleidigung, wenn der Radler nicht unverzüglich der nahenden Penisprothese Platz macht. Unvorstellbar, dass ein motorisierter König der Straße 30-60 Sekunden warten müsste.

Willkürliche Auswahl, wo man das Treiben täglich mühelos beobachten kann:
Adlershof, Friedlander Str.
Charlottenburg, Schillerstr. (teilweise Schritttempo)
Friedenau, Handjerystr. (ausgewiesene Radroute)
Köpenick, Hämmerlingstr. (ausgewiesene Radroute)
Kreuzberg, Dieffenbachstr. (ausgewiesene Radroute, Schritttempo)
Mitte, Linienstr. (Fahrradstraße, ausgewiesene Radroute)
Neukölln, Rungiusstr. (ausgewiesene Radroute)
Schöneberg, Fritz-Elsas-Str. (ausgewiesene Radroute, teilweise Schritttempo)
Treptow, Karpfenteichstr.
Wilmersdorf, Prinzregentenstr. (ausgewiesene Radroute, teilweise Schritttempo)
tbc...
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