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Sammelthread: Verkehrspolitik in Berlin II (ab 01/21)
geschrieben von B-V 3313 
Zitat
Nordender
Die Alternativlosigkeit wirst Du spüren wenn Du um 04:00 Uhr anfängst zu arbeiten (nicht jeden Tag, aber an solchen Tagen nutze ich keinen ÖPNV). Natürlich höre ich dann ich soll den Job wechseln aber das ist in meinem Alter nicht so leicht machbar. Und aus der Gruppe der genannten begünstigten anerkannten Schichtdienstler falle ich leider raus, obwohl ich die Arbeitszeiten nachweisen kann.

Nur wieviele Leute betrifft das und warum soll ich wegen der anderen Leute mit Auto ständig im ÖV und auf dem Fahrrad behindert werden? Mit den Leuten, die um 4.00 Ur ankommen bekommt man um 13.00 Uhr die Straßen auch nicht voll.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.05.2022 21:57 von Nemo.
Zitat
Nordender
Die Alternativlosigkeit wirst Du spüren wenn Du um 04:00 Uhr anfängst zu arbeiten (nicht jeden Tag, aber an solchen Tagen nutze ich keinen ÖPNV).Natürlich höre ich dann ich soll den Job wechseln aber das ist in meinem Alter nicht so leicht machbar.

Das verlangt niemand. Ich kenne die Interviewten und ihre individuellen Lebensbedürfnisse nicht. Die O-Töne wirkten aber nicht nach Schichtarbeiter/-innen. Trotzdem mögen auch sie im Einzelfall sinnvollerweise ein Auto in der Stadt nutzen. Kann ich nicht beurteilen. Aber wir wissen statistisch, dass viele eben nicht zwingend ein eigenes Auto in der Innenstadt (hier Bsp. Friedenau) besitzen müssen, wenn sie direkt vor der Tür Bahn- und etlichen Buslinien haben. Es kann in einer voller werdenden Stadt einfach nicht jeder ein Auto besitzen (und die meisten in Berlin besitzen auch keins). Ich bin fest davon überzeugt, viele können oder wollen es sich einfach nicht vorstellen, ohne Auto zu leben - obwohl es für sie durchaus möglich wäre.

Und, ohne zu wissen, was Du beruflich machst (BVG? es geht mich freilich nichts an ;) ): wer um 4 morgens anfängt zu arbeiten, hat allein dafür meinen Respekt! Und es sind wohl immer Leute, "die den Laden hierzulande am Laufen halten." Sonst müssten sie i.d.R. nicht so früh raus.
Es geht nicht darum, den Menschen das Leben schwer zu machen, sondern dort, wo es sinnvoll ist bzw. nur kleiner Änderungen im Alltag bedarf, die Mobilität anzupassen. Nicht als Selbstzweck, sondern weil der Zustand von Klima und Stadt dies schlicht erfordert. Und ganz ehrlich: Die meisten Staus sind nicht morgens um vier ;)



Zitat
Nordender
Und aus der Gruppe der genannten begünstigten anerkannten Schichtdienstler falle ich leider raus, obwohl ich die Arbeitszeiten nachweisen kann.

Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde von der Politik auch genau an Menschen wie Dich gedacht - vollkommen zurecht. Schau mal hier das Zitat aus der heutigen, oben verlinkten Pressemitteilung:
Zitat

Für alle anderen Schichtarbeitenden bleibt wie bisher die Möglichkeit, einen individuellen Antrag auf Parkgebührenerlass mit Nachweis der eigenen Arbeitszeiten zu stellen.
Zitat
Nemo
Zitat
Nordender
Die Alternativlosigkeit wirst Du spüren wenn Du um 04:00 Uhr anfängst zu arbeiten (nicht jeden Tag, aber an solchen Tagen nutze ich keinen ÖPNV). Natürlich höre ich dann ich soll den Job wechseln aber das ist in meinem Alter nicht so leicht machbar. Und aus der Gruppe der genannten begünstigten anerkannten Schichtdienstler falle ich leider raus, obwohl ich die Arbeitszeiten nachweisen kann.

Nur wieviele Leute betrifft das und warum soll ich wegen der anderen Leute mit Auto ständig im ÖV und auf dem Fahrrad behindert werden? Mit den Leuten, die um 4.00 Ur ankommen bekommt man um 13.00 Uhr die Straßen auch nicht voll.

Doch. Die haben dann gerade Feierabend. ;-)
Zitat
Nordender
Die Alternativlosigkeit wirst Du spüren wenn Du um 04:00 Uhr anfängst zu arbeiten (nicht jeden Tag, aber an solchen Tagen nutze ich keinen ÖPNV). Natürlich höre ich dann ich soll den Job wechseln aber das ist in meinem Alter nicht so leicht machbar. Und aus der Gruppe der genannten begünstigten anerkannten Schichtdienstler falle ich leider raus, obwohl ich die Arbeitszeiten nachweisen kann.

Gerade Schichtbeginn um 4 Uhr ist für mich ein guter Grund den ÖPNV zu nutzen, da findet man nämlich immer einen Sitzplatz und es sind keine nervigen Jugendlichen unterwegs, zumindest nicht so viele wie morgens und Nachmittags. Wichtig ist natürlich, dass Start und Ziel ans Nachtnetz angeschlossen sind, bei mir ist das der Fall.

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Zitat
Stichbahn
Es kann in einer voller werdenden Stadt einfach nicht jeder ein Auto besitzen

... vor allem nicht ein immer größeres. Das führt ja das Schichtarbeitenden-Argument völlig ad absurdum, als käme man mit Auto, das 50 cm kürzer, 20 cm schmaler und womöglich ein paar hundert Kilo leichter ist, nicht zum Schichtbeginn um 4 Uhr früh. Insofern wäre es m.E. sinnvoll, für größere Autos die Anwohner:innenparkgebühren noch deutlicher zu erhöhen. Die bedenkliche Entwicklung der immer größer werdenden Autos zeigt auch die Selbstverständlichkeit, mit der Straßenraum als Eigentum des MIV betrachtet wird.

Und selbst nach der jetzigen Erhöhung sind die Gebühren doch ein Witz. Wir sprechen von 10 Euro pro Monat, 30 Cent pro Tag - dafür, dass man Privateigentum im öffentlichen Raum lagern darf. Wenn ich zu Hause keinen Platz für einen Kühlschrank habe, darf ich den ja auch nicht einfach auf die Straße stellen.

Zitat
Stichbahn
Ich bin fest davon überzeugt, viele können oder wollen es sich einfach nicht vorstellen, ohne Auto zu leben - obwohl es für sie durchaus möglich wäre.

Ich auch. Das sieht man m.E. auch daran, wie sehr ständig Lastentransporte, Urlaubsreisen, Schichtarbeitende oder Gehbehinderte als Vorwand benützt werden, um den heutigen Umfang des MIV als gottgegeben und unvermeidbar darzustellen (@Nordender: nicht gegen Dich persönlich, es geht um das Allgemeine). Mein Gott, würden nur diese Leute Auto fahren, hätten wir doch gar kein Problem. Stattdessen sitzt doch dann, wenn innerstädtische Straßen besonders voll sind, meist genau eine mittelalte und einigermaßen gesunde und fitte Person im (mit jedem Neukauf immer größer werdenden) Auto, um sich und eine Tasche zur Arbeit zu kutschieren. Ich habe den Eindruck, als müsste es die ganzen Staus eigentlich um 3:30 nachts geben und nicht um 7:00 Uhr früh, so viele Schichtarbeitende, wie es angeblich gibt.

Deshalb hilft es auch nichts, "nur" die Alternativen zu verbessern (auch wenn es natürlich Voraussetzung ist, in peripheren Gegenden und/oder nachts mehr als im innerstädtischen Bereich und/oder tagsüber), denn es geht darum, Gewohnheiten zu brechen - und dafür reichen Pull-Maßnahmen nicht aus, es braucht auch Push-Maßnahmen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.05.2022 08:04 von def.
Ich hätte ehrlich gesagt auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Leute sagen, sie fühlen sich im eigenen Auto wohler, finden es bequemer, und möchten weder Fahrrad noch ÖPNV nutzen. Das Problem ist, mit welcher Selbstverständlichkeit von anderen Verkehrsteilnehmern erwartet wird, sich dem MIV unterzuordnen. Wenn man in bestimmte Bahnen im Berufsverkehr kaum noch reinkommt (von einem bequemen Sitzplatz gar nicht erst zu reden), wird mit den Schultern gezuckt und darauf verwiesen, dass mit der Infrastruktur und den vorhandenen Zügen (und auch Bussen) nicht mehr zu machen ist. Sitzen dagegen Autofahrer in den Stoßzeiten eine halbe Stunde länger als um 4 Uhr morgens alleine in ihren Karossen, werden Radfahrer auf die Busspur oder den Gehweg gezwungen, bevor man eine Parkspur antastet, und die für die Bahn nicht vorhandenen Milliarden werden für den Bau einer neuen MIV-Schneise durch Naturschutzgebiete, Laubenkolonien und Wohnstraßen ausgegeben...
Zitat
VvJ-Ente
Ich hätte ehrlich gesagt auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Leute sagen, sie fühlen sich im eigenen Auto wohler, finden es bequemer, und möchten weder Fahrrad noch ÖPNV nutzen. Das Problem ist, mit welcher Selbstverständlichkeit von anderen Verkehrsteilnehmern erwartet wird, sich dem MIV unterzuordnen. Wenn man in bestimmte Bahnen im Berufsverkehr kaum noch reinkommt (von einem bequemen Sitzplatz gar nicht erst zu reden), wird mit den Schultern gezuckt und darauf verwiesen, dass mit der Infrastruktur und den vorhandenen Zügen (und auch Bussen) nicht mehr zu machen ist. Sitzen dagegen Autofahrer in den Stoßzeiten eine halbe Stunde länger als um 4 Uhr morgens alleine in ihren Karossen, werden Radfahrer auf die Busspur oder den Gehweg gezwungen, bevor man eine Parkspur antastet, und die für die Bahn nicht vorhandenen Milliarden werden für den Bau einer neuen MIV-Schneise durch Naturschutzgebiete, Laubenkolonien und Wohnstraßen ausgegeben...

Genau das! Insbesondere der Satz, denn ich fett markiert hab, trifft den Kern. Die Bevorzugung des Privatautos ist so dermaßen in der Köpfen verankert, dass die Benachteilung anderer Verkehrsteilnehmer gar nicht wahrgenommen wird und jeder Versuch, hier auch nur ein klein wenig mehr Gerechtigkeit herzustellen, mündet in der Unterstellung, das Auto solle benachteiligt werden.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Zitat
Jay
Die Bevorzugung des Privatautos ist so dermaßen in der Köpfen verankert, dass die Benachteilung anderer Verkehrsteilnehmer gar nicht wahrgenommen wird und jeder Versuch, hier auch nur ein klein wenig mehr Gerechtigkeit herzustellen, mündet in der Unterstellung, das Auto solle benachteiligt werden.

Ich wäre froh, wenn wir so weit wären. In einer typischen verkehrspolitischen Debatte heißt es eher "DIE WOLLEN UNS DAS AUTOFAHREN VERBIETEN!!1!". Mit der Unterstellung, das Auto solle benachteiligt werden, könnte ich ganz gut leben, zumal es ja in meinem Fall keine wäre - natürlich soll das Auto benachteiligt werden, und zwar aus den gleichen Gründen, aus denen es Sinn hätte, wenn ungesunde Lebensmittel teurer wären.

Aber "benachteiligen" ist halt nicht verbieten.
Zitat
def
Zitat
Jay
Die Bevorzugung des Privatautos ist so dermaßen in der Köpfen verankert, dass die Benachteilung anderer Verkehrsteilnehmer gar nicht wahrgenommen wird und jeder Versuch, hier auch nur ein klein wenig mehr Gerechtigkeit herzustellen, mündet in der Unterstellung, das Auto solle benachteiligt werden.

Ich wäre froh, wenn wir so weit wären. In einer typischen verkehrspolitischen Debatte heißt es eher "DIE WOLLEN UNS DAS AUTOFAHREN VERBIETEN!!1!". Mit der Unterstellung, das Auto solle benachteiligt werden, könnte ich ganz gut leben, zumal es ja in meinem Fall keine wäre - natürlich soll das Auto benachteiligt werden, und zwar aus den gleichen Gründen, aus denen es Sinn hätte, wenn ungesunde Lebensmittel teurer wären.

Aber "benachteiligen" ist halt nicht verbieten.

Das ganze Problem bei der Diskussion ist, sie wird einfach immer nur Schwarz-Weiß geführt. Und das führt bekanntlich nicht sonderlich weit.

Natürlich kann man in Berlin - insbesondere innerhalb des S-Bahn Ringes sehr gut Alternativen zum Auto finden und den Menschen mit sanften Zwang in Form finanzieller Sanktionen den Umstieg schmackhaft machen. Aber Leute, seien wir ehrlich, dass ist nicht das Resultat der Verkehrspolitik des aktuellen Senats, sondern da können wir uns bei den Generationen der letzten 100 Jahre bedanken, die U-Bahnen und S-Bahnen gebaut haben. Wirklich neue ÖPNV Infrastruktur hat dieser Senat bisher kaum hingestellt.

Das ist der eine Teil der Wahrheit.

Der andere Teil der Wahrheit ist, dass es Gebiete gibt, und da muss man nicht sonderlich weit gucken, da fährt bestenfalls ein Schulbus. Am Wochenende fährt da überhaupt kein Bus. Von S- oder U-Bahnen wollen wir gar nicht erst träumen. Auch diese Menschen haben ein berechtigtes Verkehrsbedürfnis. Das kann man nicht total wegwischen. Da werden Wohngebiete de facto ohne ÖPNV Anschluss geplant und dann stellt man nach Einzug schnell noch eine Bus-Linie alle 20 Minuten hin, damit es nicht auffällt. Sind da jetzt die Menschen dran schuld, die - von Wohnungsnot in Berlin dorthin getrieben - sich am Ende doch ein Auto zulegen, damit sie zur Arbeit kommen?

Die ganze Diskussion von Umverteilung der Verkehrsflächen würde sehr viel mehr Akzeptanz gewinnen, wenn man nicht das Gefühl hätte, dass es eine Politik primär für die Innenstadt ist. Warum investiert man nicht massiv in neue S- und U-Bahnen? Dann würde doch der Anreiz, sich vom Auto zu trennen, massiv steigen für jene Menschen, die wirklich weite Arbeitswege haben? Man stelle sich mal vor, man würde die Landsberger Alle aufreißen und dort eine U-Bahn bauen...

Aktuell ist mir die Diskussion viel zu viel "die einen gegen die anderen". Am Ende leben wir aber alle zusammen in Berlin, die jungen wie die alten, die Fahrrad- wie die Autofahren, die Leute die laufen genauso wie jene, die gern ÖPNV fahren.
Zitat
Balu der Bär


Der andere Teil der Wahrheit ist, dass es Gebiete gibt, und da muss man nicht sonderlich weit gucken, da fährt bestenfalls ein Schulbus..

Ja, aber diese Gebiete liegen außerhalb von Berlin!

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
@Balu der Bär:
Danke für den Beitrag und den guten Versuch, weiterhin die Lage differenziert zu betrachten. Finde das ganz richtig. Allerdings finde ich auch, dass hier im Forum das Auto nicht an sich verteufelt wird, sondern die Masse und die unreflektierte Selbstverständlichkeit seines Gebrauchs und des Rumstehens im öffentlichen Raum.

Nur ein Aspekt: Natürlich ist das Auto für jemanden, der in einem brandenburgischen Dorf wohnt und zur Arbeit nach Berlin pendelt, u.U. ohne Alternative. Das bezweifelt wohl kaum jemand. Aber die Stadt selbst steht doch voll mit Autos: Es gibt nachts in den Wohngebieten keine freie Stellfläche mehr am Straßenrand. Häufig wird deshalb illegal geparkt: auf Gehwegen, in Feuerwehrzufahrten, auf Grünflächen, Baumscheiben, Bushaltestellen, Kreuzungen, ... es hat sich so eingebürgert und wird toleriert. (Meines Erachtens eine falsche Rücksichtnahme.)

Jedenfalls gibt es viele und immer mehr Autos in Berlin. Und das sind alles Menschen, die a) Schichtarbeiter sind, b) körperlich eingeschränkt, aber fahrfähig sind, c) in einem abgelegenen brandenburgischen Dorf arbeiten (und raus pendeln), d) ständig Zementsäcke vom Baumarkt abholen müssen, e) ...? Ich kann es schier nicht glauben.

Für die allermeisten Autobesitzer in meinem Umfeld ist das alles auch definitiv nicht zutreffend. Das Auto scheint hier einfach bequem, es ist ohnehin schon immer da, macht der Gewohnheit. Für manche einfach alltägliches Gefährt zur Arbeit.* Ab und an muss ein Wasser-/Bierkasten transportiert werden. Und dann ist das Auto natürlich da für Ausflüge und Urlaube. Für manche ist der Kofferraum auch einfach nur ein weiterer Keller, Hängeboden, o.ä. (= Stauraum).

*Als Fahrzeit wird immer die idealtypische herangezogen: "Ohne Stau brauche ich nur 20 Minuten von Tür zu Tür." Real sind's dann häufig täglich 30, 40 Minuten je Richtung. Für wenige Kilometer. Es wird sich morgens früher als nötig aus dem Bett gequält, weil auf dem Firmengelände nur ein paar Parkplätze zur Verfügung stehen. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Usw. Das ist häufig total irrational.
Nach all dem Stress stellt man fest: Oh, ich muss mich mehr bewegen. Und fährt mit dem Auto zum Fitnesscenter. Statt dessen könnte man natürlich die täglichen Wege (wenigstens teilweise) mit körperlicher Bewegung zurücklegen. Das dauert natürlich für sich betrachtet ein paar Minuten länger, spart aber im Endeffekt viel Zeit/Geld für Benzin (vielleicht sogar das Auto an sich) und das Fitnessstudio. Und nein, es geht nicht um den Bauarbeiter und Handwerker auf Montage, sondern in erster Linie bspw. um die Hunderttausenden Büroangestellten.
Zitat
Balu der Bär
[...]Das ganze Problem bei der Diskussion ist, sie wird einfach immer nur Schwarz-Weiß geführt. Und das führt bekanntlich nicht sonderlich weit.[...]

Das ist sicher ein Teil des Problems. Und nach diesem Satz tust du eigentlich genau das, was du hier kritisierst, inklusive der üblichen Vorurteile. Übersitzt: Nur S+U-Bahn sind ÖPNV. Genau das ist eben Teil jener Wahrnehmungsstörung, die oben bezüglich des Autos angeschnitten habe.

Natürlich haben wir dank unserer Vorväter ein tolles S+U-Bahnnetz. Wo kommen da diese verdammten Minderwertigkeitskomplexe her, dass wir ständig neue U-Bahnen bauen müssten, wenn der Schuh doch derzeit an ganz anderen Stellen drückt?

Auch das "Innenstadt!1!11!" hält einer näheren Betrachtung kaum Stand. Man gucke sich nur mal an, wo in den letzten Jahren überall Taktverdichtungen stattgefunden haben. Überraschung: Meist im B-Bereich!

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
Vor allem ist der Verweis auf neue S- und U-Bahnstrecken als Voraussetzung für den Rückbau von Straßen ziemlich lächerlich, solange selbst auf direkt neben oder über Schnellbahnstrecken verlaufenden Hauptstraßen jede einzelne Fahrspur sakrosankt ist: B96A, Frankfurter Allee/ Karl-Marx-Allee, Müllerstraße, AVUS, Tempelhofer Damm (im Grunde kann man den Mariendorfer Damm auch mit hineinnehmen, liegt er doch im Einzugsgebiet der S2), die A100 in ihrer Gesamtheit (inklusiver in Bau befindlicher und geplanter Verlängerungen), Bundesallee, Brandenburgische Straße/ Lewishamstraße, um nur einige zu nennen.

Allein der Umstand, dass unmittelbar parallel zur Ringbahn die A100 sogar weiter verlängert wird, straft die ganzen "Erst muss es Schnellbahnen geben, dann kann man an Straßenrückbau denken!" Lügen.

Und abgesehen davon, dass es ebenso dämlich ist, rumzuschmollen und die ÖV-Nutzung zu verweigern, solange nicht jedes Einfamilienhaus seine eigene U-Bahn-Station hat (und selbst dann werden viele Menschen viele Ausreden finden, wieso das Auto auf ausnahmslos allen Wegen alternativlos ist), gibt es ja auch noch die Kombinationen Auto+ÖPNV und Rad+ÖPNV. Aber wenn man dann doch durchgehend Auto fährt, sollte man zumindest mal mit dieser unerträglichen Erwartungshaltung aufhören, dass sich gefälligst alle anderen danach zu richten haben und der Straßenraum allein dem Auto gehört, während alle anderen gnädig geduldete Gäste sind.
Zitat
def
[...] gibt es ja auch noch die Kombinationen Auto+ÖPNV und Rad+ÖPNV. [...]

Wobei die Kombination "Auto+ÖPNV" finanziell wirklich häufig nicht gerade attraktiv ist. Wer aus dem Speckgürtel (werk)täglich in die Berliner Innenstadt will, muss zusätzlich zu den fixen Autokosten noch eine Monats-/Jahreskarte kaufen, also ~750€ bzw. ~1000€* jährlich berappen. Das muss auch erstmal spritmäßig für die Strecken innerhalb Berlins verfahren werden, damit es sich rechnet. Dazu Umsteigezeiten, ggf. Parkplatzsuche am Umsteigebahnhof in Berlin B oder C und den Zwang das Auto genau dort wieder nach der Arbeit einsammeln zu müssen, statt von der Arbeit über X in Berlin (Einkauf, Freunde, Freizeit) nach Hause zu fahren.



* Werte deutlich gerundet, ja ich weiß.
Zitat
Stichbahn
@Balu der Bär:
Danke für den Beitrag und den guten Versuch, weiterhin die Lage differenziert zu betrachten. Finde das ganz richtig..

Ich bin oft deiner Meinung, hier bin ichs nicht. Ich finde den fraglichen Beitrag überhaupt nicht differenziert (ein Beitrag wird nicht dadurch differenziert, nur weil in ihm mal von "der einen" und "der anderen" "Seite der Wahrheit" die Rede ist). Ich fand ihn ein geradezu klassisches Beispiel für die klischeebehaftete Reflexargumentation, die sich überhaupt nicht mit dem auseinandersetzt, was die Gegenseite schreibt. Sondern sich einfach nur an fiktiven Klischees abarbeitet.

Zitat
Balu der Bär
Zitat
def
Zitat
Jay
Die Bevorzugung des Privatautos ist so dermaßen in der Köpfen verankert, dass die Benachteilung anderer Verkehrsteilnehmer gar nicht wahrgenommen wird und jeder Versuch, hier auch nur ein klein wenig mehr Gerechtigkeit herzustellen, mündet in der Unterstellung, das Auto solle benachteiligt werden.

Ich wäre froh, wenn wir so weit wären. In einer typischen verkehrspolitischen Debatte heißt es eher "DIE WOLLEN UNS DAS AUTOFAHREN VERBIETEN!!1!". Mit der Unterstellung, das Auto solle benachteiligt werden, könnte ich ganz gut leben, zumal es ja in meinem Fall keine wäre - natürlich soll das Auto benachteiligt werden, und zwar aus den gleichen Gründen, aus denen es Sinn hätte, wenn ungesunde Lebensmittel teurer wären.

Aber "benachteiligen" ist halt nicht verbieten.

Das ganze Problem bei der Diskussion ist, sie wird einfach immer nur Schwarz-Weiß geführt. Und das führt bekanntlich nicht sonderlich weit.

Natürlich kann man in Berlin - insbesondere innerhalb des S-Bahn Ringes sehr gut Alternativen zum Auto finden...
.

Ich kann eben nicht erkennen, dass Jay oder def hier "nur Schwarz-Weiß argumentiert hätten! Man muss nicht ihrer Meinung sein, aber man könnte sich auch mit genau ihrer Meinung auseinandersetzen.

Ist übrigens lustig, dass genau diese Passage aus dem Beitrag von def zitiert wurde. Sie wird hier m.E. sehr eindrucksvoll bestätigt.

Und dann kommen (weiter mit den Klischees) natürlich allbekannten Beispiele von Leuten, die unbestritten auf ihr Auto angewiesen ist, und denen man doch nicht das Autofahren verbieten kann! Diesmal ist es mal nicht der Alkoholiker, der jeden Tag einen Bierkasten transportieren muss. Auch nicht die Oma mit dem vom Gatten geerbten Mercedes, die Auto fahren muss, weil sie sich wegen beginnender Demenz nicht im ÖPNV zurechtfindet. Auch nicht der Kleingärtner, dem immer wieder die Latten am Zaun abhanden kommen, weswegen er zweimal die Woche zum Baumarkt muss. (Den hatten wir neulich grad im TVO-Thread.) Auch nicht die Schichtarbeiterin (der Rührseligkeit halber am besten im systemrelevanten Beruf wie Krankenschwester) nachts um 4 (auf die hatten sich ja die Vorredner im Thread bezogen). Diesmal müssen die aus der brandenburgischen Pampa "da fährt bestenfalls ein Schulbus. Am Wochenende fährt da überhaupt kein Bus." Ja, mei. Klar, müssen die Auto fahren. Aber für all' diese Gruppen zusammen ist genug Platz auf Berlins Straßen. Es geht um den Rest.

Anders gesagt: dass es Leute gibt, die wirklich unbedingt auf ihr Auto angewiesen sind, stellt *niemand* in Frage. Und ich finde es nervig und banal, immer wieder gegen gegenteilige Unterstellungen zu argumentieren.

Zitat

Für manche ist der Kofferraum auch einfach nur ein weiterer Keller, Hängeboden, o.ä. (= Stauraum).

Ich erzählte bestimmt schon mal von einem Ex-Kollegen um die Jahrtausendwende. Auto wurde zweimal im Jahr für Fahrten zu den Eltern nach Westdeutschland auds Dorf genutzt. Ansonsten war es Kohlelager (4. Stock, Ofenheizung, kein Keller).

Zitat

Und fährt mit dem Auto zum Fitnesscenter.

Hatten wir neulich auch grade (beim weggefallenen Bus in der Friedenstraße). Aufs Auto angewiesen, weil man seine Klamotten fürs Fitnessstudio ja nicht mit dem Lastenrad transportieren könne.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 13.05.2022 18:35 von Global Fisch.
Zitat
def
Vor allem ist der Verweis auf neue S- und U-Bahnstrecken als Voraussetzung für den Rückbau von Straßen ziemlich lächerlich, solange selbst auf direkt neben oder über Schnellbahnstrecken verlaufenden Hauptstraßen jede einzelne Fahrspur sakrosankt ist: B96A, Frankfurter Allee/ Karl-Marx-Allee, Müllerstraße, AVUS, Tempelhofer Damm (im Grunde kann man den Mariendorfer Damm auch mit hineinnehmen, liegt er doch im Einzugsgebiet der S2), die A100 in ihrer Gesamtheit (inklusiver in Bau befindlicher und geplanter Verlängerungen), Bundesallee, Brandenburgische Straße/ Lewishamstraße, um nur einige zu nennen.

Anders gesagt: die Forderung: bevor man Push-Faktoren gegen das Auto starten könne, müssen erstmal für ÖPNV, Rad- und Fußverkehr diverse Pull-Faktoren kommen, ist kompletter Pullshit. Man kann nicht Berlin komplett flächendeckend mit Schnellbahnen erschließen. Und ernsthafte Pull-Faktoren für Rad- und Oberflächen-ÖPNV (vielleicht bis auf Taktverdichtungen und bis auf etwas Kosmetik hier und dort) lassen sich nicht realisieren, ohne dem armen Auto Platz wegzunehmen.
Zitat
Stichbahn
Zitat
def
[...] gibt es ja auch noch die Kombinationen Auto+ÖPNV und Rad+ÖPNV. [...]

Wobei die Kombination "Auto+ÖPNV" finanziell wirklich häufig nicht gerade attraktiv ist. Wer aus dem Speckgürtel (werk)täglich in die Berliner Innenstadt will, muss zusätzlich zu den fixen Autokosten noch eine Monats-/Jahreskarte kaufen, also ~750€ bzw. ~1000€* jährlich berappen. Das muss auch erstmal spritmäßig für die Strecken innerhalb Berlins verfahren werden, damit es sich rechnet. Dazu Umsteigezeiten, ggf. Parkplatzsuche am Umsteigebahnhof in Berlin B oder C und den Zwang das Auto genau dort wieder nach der Arbeit einsammeln zu müssen, statt von der Arbeit über X in Berlin (Einkauf, Freunde, Freizeit) nach Hause zu fahren.



* Werte deutlich gerundet, ja ich weiß.

Ob es 750 oder 1000€ sind, ist schon fast zweitrangig. Weil dieser Kostenblock ist noch nicht das Problem.
Immer mehr Leute müssen außerhalb von Berlin wohnen, weil sie hier in der Stadt zwar Arbeit, aber keine bezahlbare Wohnung finden. Wir brauchen diese Leute aber, damit sie hier für uns in Berlin ihre Jobs verrichten und damit auch Steuern generieren. Und die meisten kaufen sich das Auto, weil in ihren Dörfern / Wohnsiedlungen wirklich nur noch Wohnungen, aber sonst nix mehr ist, teilweise nicht mal mehr ein Supermarkt. Und nicht jeder ist fitte 25 und macht seinen Einkauf mit dem Fahrrad oder lässt ihn sich von einem Lieferdienst liefern (liefern die überhaupt nach "jwd"?)

Die Leute müssen einfach eine realistische Chance haben, hier in Berlin bezahlbaren Wohnraum zu finden. Solange wir aber in der Innenstadt jede Menge neuer Büroflächen hochziehen und das Angebot an Wohnraum nicht ähnlich zulegt, wird sich unser Problem nur weiter verschärfen. Irgendwo müssen die Leute wohnen.

Natürlich könnte man auch zynisch behaupten, wenn die Leute hier in Berlin von ihrem fixem Einkommen anteilig immer mehr für die Miete ausgeben müssen, dann können sie sich irgendwann kein Auto mehr leisten. Diese Art der Problemlösung ist allerdings in Berlin auch nicht gerade populär. Insofern müsste def eigentlich ein großer Fan von Miethaien sein ;) (Achtung, das ist Ironie, bitte auch als solche identifizieren)
Du darfst meinetwegen jeden Tag mit deinem Auto von jwd nach Berlin fahren. Nur so lange die Ostbahn eingleisig ist und mit Triebwagen befahren wird, die Kremmener Bahn über Falkensee umgeleitet werden muss, man unfähig ist, Bahnsteige so zu verlängern, dass Züge im Berufsverkehr mit angemessener Kapazität fahren können, auf der Ringbahn immer noch keine Vollzüge im 5-Minuten-Takt fahren, und auf der U5 regelmäßig Kurzzüge die Kundschaft vergraulen, hör auf über Stau zu jammern und Ausbau von Straßen zu fordern...
Zitat
Global Fisch
Anders gesagt: dass es Leute gibt, die wirklich unbedingt auf ihr Auto angewiesen sind, stellt *niemand* in Frage. Und ich finde es nervig und banal, immer wieder gegen gegenteilige Unterstellungen zu argumentieren.

Könnte man bei Gelegenheit mal irgendeinen Radiosender hacken (am besten einen, der von "Flitzerblitzern" spricht, also Raserei zum "Flitzen" verharmlost) und eine Stunde lang gebetsmühlenartig verkünden: "Die allerwenigsten möchten das Autofahren verbieten. Hört auf, mit Unterstellungen zu arbeiten. Die Straßen um 07:30 Uhr sind nicht wegen Handwerker:innen, Gehbehinderten, Schichtarbeitenden und dem Transportieren von Einbauschränken so voll. Hört auf, die Ausnahmen zur Regel zu erklären. Hört einfach auf mit dem Blödsinn und stellt Euch einer inhaltlichen Debatte."

(Edit: Nein, ich rufe natürlich nicht wirklich dazu auf, einen Radiosender zu hacken.)

Zitat
Global Fisch
Zitat

Und fährt mit dem Auto zum Fitnesscenter.

Hatten wir neulich auch grade (beim weggefallenen Bus in der Friedenstraße). Aufs Auto angewiesen, weil man seine Klamotten fürs Fitnessstudio ja nicht mit dem Lastenrad transportieren könne.

Und ich habe mich bei der Diskussion schon gefragt, was einige eigentlich mit ins Fitnesscenter nehmen, was nicht mit einem alltagstauglich hergerichteten Standard-Fahrrad transportiert werden könnte - sprich: einem Fahrrad mit Korb, Tasche oder zumindest Gepäckträger. Nehmen die die Geräte selbst mit? Einen Baucontainer mit eigener Dusche?

Besonders absurd wird es natürlich, wenn man dann im Fitnesscenter Rad fährt...



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.05.2022 22:22 von def.
Zitat
Balu der Bär
Ob es 750 oder 1000€ sind, ist schon fast zweitrangig. Weil dieser Kostenblock ist noch nicht das Problem.
Immer mehr Leute müssen außerhalb von Berlin wohnen, weil sie hier in der Stadt zwar Arbeit, aber keine bezahlbare Wohnung finden. Wir brauchen diese Leute aber, damit sie hier für uns in Berlin ihre Jobs verrichten und damit auch Steuern generieren. Und die meisten kaufen sich das Auto, weil in ihren Dörfern / Wohnsiedlungen wirklich nur noch Wohnungen, aber sonst nix mehr ist, teilweise nicht mal mehr ein Supermarkt. Und nicht jeder ist fitte 25 und macht seinen Einkauf mit dem Fahrrad oder lässt ihn sich von einem Lieferdienst liefern (liefern die überhaupt nach "jwd"?)

Die Leute müssen einfach eine realistische Chance haben, hier in Berlin bezahlbaren Wohnraum zu finden. Solange wir aber in der Innenstadt jede Menge neuer Büroflächen hochziehen und das Angebot an Wohnraum nicht ähnlich zulegt, wird sich unser Problem nur weiter verschärfen. Irgendwo müssen die Leute wohnen.

Natürlich könnte man auch zynisch behaupten, wenn die Leute hier in Berlin von ihrem fixem Einkommen anteilig immer mehr für die Miete ausgeben müssen, dann können sie sich irgendwann kein Auto mehr leisten. Diese Art der Problemlösung ist allerdings in Berlin auch nicht gerade populär. Insofern müsste def eigentlich ein großer Fan von Miethaien sein ;) (Achtung, das ist Ironie, bitte auch als solche identifizieren)

Auch wenn die Entwicklung der Wohnkosten natürlich ein Problem ist: Du möchtest uns doch jetzt nicht ernsthaft erzählen, dass die Ärmsten der Armen in schlecht erschlossene Einfamilienhausgebiete am A**** der Welt verdrängt werden? Die wirklich Armen können sich doch gar kein Auto leisten, und haben bei steigenden Wohnkosten noch nicht mal die Chance, das Auto wegzusparen (und: je ärmer ein Viertel, desto weniger Autos sind gemeldet). Eher ist es, wie so häufig bei benachteiligten Gruppen, folgendes: als Vorwand, um eigene Forderungen durchzusetzen, sind sie gut genug, im Alltag dann aber doch eher egal, wenn man nicht sogar ansonsten auf sie herabblickt. (Das Prinzip können ganz Rechte auch ganz gut, wenn sie sich plötzlich für die Rechte von Frauen und Homosexuellen interessieren, aber nur, um gegen "die Muslime" [alle] zu hetzen.)

Garniert wird das Ganze durch die übliche autozentrierte Denkweise: weil das Auto auf einigen Wegen alternativlos ist, ist es auf allen Wegen (auf ganzer Länge) alternativlos. Ja, mein Gott, wenn Du am A**** der Welt lebst und selbst für den Lebensmitteleinkauf Auto fahren musst, ist das halt so. Das erklärt nicht, wieso Du 10-15 km neben irgendwelchen häufig bedienten Schnellbahnlinien mit dem Auto ins Zentrum fahren musst. (Nein, um es nochmals zu betonen: es geht nicht darum, das zu verbieten. Es geht um die Anspruchshaltung, dass einem dafür auch noch der rote Teppich ausgerollt gehört und alle anderen zu kuschen haben.)

Witzig (manchmal auch ziemlich nervig) ist allerdings, dass diese dumme One-for-All-Mentalität in der verkehrspolitischen Debatte auch auf andere Verkehrsträger übertragen wird: "Bei Eis fährst Du aber nicht Fahrrad!", "Wie möchtest Du denn eine Waschmaschine mit dem Bus transportieren?!" und so ein Blödsinn. Ja, mein Gott, kein Radfahrer und keine Öffi-Nutzerin sagen, dass das die Lösung für ALLE Wege ist, ein durchschnittlich intelligenter Mensch dürfte mit etwas Willen in der Lage sein, je nach Situation zu entscheiden. Eigentlich gibt es nur einen Verkehrsträger, dessen Lobbyisten und Nutzende zu einem großen Teil davon ausgehen, er sei für alle Wege die beste Lösung: das Auto. Und dann entstehen so absurde Situationen, dass völlig gesunde Menschen bei schönstem Wetter für einen Weg von 1,5 km zwei Tonnen Metall & Kunststoffe transportieren, um drei Dinge im etwas größeren Supermarkt einzukaufen. (Kein Klischee, habe ich in meinem Umfeld tatsächlich.)

In den Untiefen des Netzes gibt es auch ein Video, das diese Haltung ganz gut karikiert (ich finde es leider nicht mehr): mit einem Unkrautbrenner wird ein Toast "getoastet". Dann ein paar ähnliche Dinge, und am Ende stellt eine Person eine Packung Milch in ein riesiges Auto, während eine Stimme sagt, dass die One-for-All-Lösung nicht immer die beste ist.

Apropos "riesiges Auto": Selbst der Umstand, dass einige auf ihr Auto angewiesen sind, erklärt nicht, dass die immer größer werden müssen - konnte man Ende der 90er mit einem Golf V keine Einkäufe nach Hause fahren oder um 4 Uhr morgens die Schicht antreten? Auch bezeichnend, wie Du nicht darauf eingehst...



4 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.05.2022 07:39 von def.
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