Aus einer Schriftlichen Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg (Die Linke) ergibt sich die Entwicklung der Fahrgastzahlen der BVG im Jahr 2020.

Zur Aussagekraft dieser Zahlen teilt die BVG mit:

„Die Zählungen der Fahrgäste werden mit einem Automatischen Fahrgastzählsystem
(AFZS) durchgeführt, mit dem ein Teil der Fahrzeugflotte ausgerüstet ist. Um einen
Überblick über die Auslastung der Fahrzeuge zu bekommen, werden die Fahrzeuge mit Zähleinrichtungen möglichst flächendeckend eingesetzt.
Dies ermöglicht jedoch keine linienscharfe Darstellung der Auslastung. Auswertungen erfolgen seit Beginn der Pandemie auf Basis von Rohdaten, u. a., um Auswertungen schneller generieren zu können. Eine Hochrechnung der Zähldaten ist dadurch auf vielen Linien nicht möglich."


Für 2020 werden 728,5 Mio. Fahrgäste (Vorjahr 1.125,5 Mio.) angegeben. Der Rückgang um 35,3% ist wohl der schwerste Einbruch seit 1945. Ein Vergleich mit der "S-Bahnzahl" ist noch nicht möglich, deren Zahl kommt später.

Für die Betriebsteile meldet die BVG folgende Zahlen:
U-Bahn: 371,9 Mio. (Vorjahr 596 Mio., - 37,6%)
Tram: 138,7 Mio. (208 Mio., - 33,3%)
Bus: 307,4 Mio. (465 Mio., - 33,9%)

Quartalsbezogen sah es insgesamt so aus:
I/2020: 247,6 Mio.
II/2020: 121,8 Mio.
III/2020: 187,2 Mio.
iV/2020: 171,9 Mio.
Se. 2020: 728,5 Mio.

Während die Betriebsteilsbeförderungszahlen im 2. Quartal wohl - der Gesamtentwicklung entsprechend - um jeweils etwa 51% vermindert wurden, wurden ab dem 3. Quartal 2020 deutlich unterscheidbare Zahlen zwischen U-Bahn, Tram und Bus gemeldet: Im dritten Quartal eine im Vergleich zu Tram und Bus weniger positive Entwicklung bei der U-Bahn, im vierten Quartal dann eine deutlich stabilere Entwicklung im "Hoch- und Untergrundbereich".

Anscheinend werden die BVG-Zahlen seit dem 3. Quartal 2020 belastbarer, eine gute Nachricht für "Zahlenfreunde" wie mich. Hoffen wir auf ein besseres Jahr 2021, auch für die BVG.

Hier noch ein Link zur Schriftlichen Anfrage: [pardok.parlament-berlin.de]


Einen schönen Sonntag wünscht Euch
Marienfelde



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 21.02.2021 07:50 von Marienfelde.
Ich denke, hier sollten aber auch besondere Effekte, die mit Corona indirekt zusammenhängen, berücksichtigt werden.
Zum Einen gab es bei der BVG während des ersten Corona-Lockdowns massive Reduzierungen bei Bus und Bahn, hier wäre es gar nicht mehr möglich gewesen, die Fahrgastzahlen aus Vor-Corona-Zeiten auch nur annähernd zu erreichen. Hinzu kommt, daß auch diverse Geschäfte geschlossen waren, somit auch hier ein Einbruch der Fahrgastzahlen bereits zu erwarten war. Inwiefern zur damaligen Lockdownzeit tatsächlich bereits Home-Office-Arbeitsplätze geschaffen waren, entzieht sich meiner Kenntnis, ich vermute aber, daß hier eher der Anteil der Kurzarbeit (prozentual sicherlich auch mit einem hohen Anteil an 0-Stunden-Arbeitszeit) den weitaus größeren Effekt auf die Fahrgastzahlen haben dürfte, während die Umstellung auf Home-Office wohl gering ausgefallen sein dürfte.
Überraschend finde ich allerdings, daß die Fahrgastzahlen im 4. Quartal 2020 einen nur relativ leichten Einbruch verzeichnen. Da bin ich mal gespannt, welche Effekte dahinterstehen. Vor allem, wenn man bedenkt, daß die Schulen im 4. Quartal keinen Regelbetrieb mehr anbieten konnten (zumindest in einem erheblichen Zeitraum dieses Quartals), hätte ich einen stärkeren Rückgang bei den Fahrgastzahlen erwartet, immerhin dürfte der Anteil der Schüler, die Bus und Bahn nutzten, auch wieder deutlich geringer ausgefallen sein.

Dennis
Im Vierten Quartal lief doch alles bis kurz vor Weihnachten alles ganz normal. Hin und wieder war mal ne Klasse in Quarantäne, aber sonst? Läden waren offen, Büros sind immer ich offen. Lediglich das Wochenend-/Abend- und Nachtleben war eingeschränkt.
Zitat
PassusDuriusculus
Im Vierten Quartal lief doch alles bis kurz vor Weihnachten alles ganz normal. Hin und wieder war mal ne Klasse in Quarantäne, aber sonst? Läden waren offen, Büros sind immer ich offen. Lediglich das Wochenend-/Abend- und Nachtleben war eingeschränkt.
Bei uns in der Firma war fast das gesamte vierte Quartal Einzelbelegung angeordnet, mit Wechselmodell zwischen mehreren Mitarbeitern. Da sind die Fahrgastzahlen deutlich gesunken, wenn jeder Zweite im Home-Office war. Außerdem sind wir fast nie zu Kunden rausgefahren, sondern haben immer Videokonferenzen abgehalten.
Außerdem waren zum Beispiel die Unis zu und keine Touristen in der Stadt. Normal war da also auch im 4. Quartal nichts.
Ich bezog mich auf drstars Post, warum es im IV. Quartal ähnlich wie im III Quartal war.
Insgesamt ist die Fahrgastzahl um ziemlich genau 1/3 zurückgegangen. Es gab in diesem Krisenjahr auch Zeiten, wo nur etwa 1/4 bis 1/3 der sonst üblichen Fahrgäste den ÖPNV nutzten. Es sind durchschnittlich immerhin noch etwa 2/3 der üblichen Fahrgäste mit Bus und Bahn gefahren. Aus diesem Grund finde ich den Rückgang insgesamt nicht sehr hoch.
Man muss auch bedenken, dass viele Strecken vor Corona überfüllt waren. Ich denke an die U2, U5 sowie die M5 und M6. Aber auch die Stadtbahn zwischen Alexanderplatz und Friedrichstr.. sowie viele weitere Strecken.
Für die BVG/S-Bahn ist das betriebswirtschaftlich zwar negativ aber für die Fahrgäste nun ein angenehmeres Fahren möglich.
In dem anderen Forum (ich glaube, "drehscheibe online" oder so ähnlich) wurde die Frage nach der scheinbar schlechteren Entwicklung des Bereichs U-Bahn gestellt.

Meine Einschätzung dazu:

"(...) Die von der BVG vor der Pandemie verbreiteten Zahlen waren nicht ganz richtig. Durch den auf falsche Ausgangszahlen zurückzuführenden "Basiseffekt" scheint der Einbruch bei der U-Bahn größer gewesen zu sein, als im Oberflächenverkehr.

Ich versuche, diese These am Beispiel der "neuen", Mitte Dezember 2014 teilweise (mit der M 10) und im August 2015 voll eröffneten Hauptbahnhofstrecke der Berliner Straßenbahn zu verdeutlichen: Nach einiger Zeit wurde über bis zu 40.000 Fahrgäste auf dieser Strecke berichtet. Auf ein Jahr bezogen, ergäbe sich daraus eine jährliche Fahrgastzahl von vielleicht 12 Mio. (deutlicher Abschlag für schwächere Sommer- und Sonntage) - bei einer Gesamtfahrgastzahl um die 200 Mio. bei der Berliner Tram (vor der Pandemie).

Der daraus resultierende Fahrgastaufwuchs bei der Straßenbahn hat sich in den Zahlen der BVG seit 2014 niemals niedergeschlagen, sondern es wurde immer nur die Entwicklung der Gesamtfahrgastzahl auf die Bereiche heruntergebrochen ("alles" nahm z.B. um 3,49% zu - Entschuldigung, es gab natürlich Rundungsdifferenzen). Jetzt kommt der Schlaumeier und sagt: Es gab fast gar keinen Fahrgastzuwachs bei der Tram durch diese Strecke, sondern die Tramfahrgäste sind einfach nur einen Kilometer weiter zum Hauptbahnhof gefahren!

Dann müßte die durchschnittliche Reiseweite der Berliner Straßenbahnfahrgäste aber auf rund 3,15 Kilometer gewachsen sein - sie wird aber seit einer ganzen Reihe von Jahren unverändert mit etwa 3,09 Kilometern angegeben. Glaubt man den Zahlen der BVG vollständig, wurde die Straßenbahn z.B. im Jahr 2019 statistisch gesehen leerer, während U-Bahn und Busse immer voller wurden - so wird jeder Tramausbau zum statistischen Flop.

Eine andere Möglichkeit wäre eine schlechtere Entwicklung der Tramfahrgastzahlen im übrigen Netz, was von der BVG aber niemals behauptet wurde (eher im Gegenteil). Kurz: Die BVG-Zahlen bis einschließlich II/2020 stimmten sowieso nicht ganz, und ab III/2020 werden sie belastbarer."

Hier noch ein Link dazu: [www.drehscheibe-online.de]



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.2021 03:53 von Marienfelde.
Zitat
Mont Klamott
Man muss auch bedenken, dass viele Strecken vor Corona überfüllt waren. Ich denke an die U2, U5 sowie die M5 und M6.

Na ja, so voll ist es da im Regelfall(!) nun auch nicht. Überdies der beliebte Fehler statt von vollen Bahnen von überfüllten Strecken zu sprechen. Letztere sind nämlich noch weit von der Belastungsgrenze entfernt.

Zitat
Mont Klamott
Aber auch die Stadtbahn zwischen Alexanderplatz und Friedrichstr..

Ein Wunder, dass dieser Wahlkampf noch keine U-Bahnplanungen für diesen Abschnitt bereithält. [/Sarkasmus]

Zitat
Mont Klamott
sowie viele weitere Strecken.

Da bin ich neugierig.
Bei der Berliner S-Bahn waren die Einbrüche bei den Fahrgastzahlen etwas moderater. Sie gingen auf 334 Mio. (2019 waren es 485.2 Mio.) um "nur" 31,2% zurück. Bei den Personenkilometern wird für 2020 eine Zahl von 3.196 Mio. angegeben (im Jahr 2019 waren es 4.668,3 Mio. Pkm), was einem Rückgang von 31,5% entspricht.

Die Zahlen finden sich auf der Seite der S-Bahn Berlin GmbH.
Der Tatsache von jahrelangen chaotischen Zuständen auf M5, M6 +M8 stimme ich voll zu, zumal es Verstärker lange Zeit nicht gab.
Die U5 hat die Überfüllung den ständigen Sperrungen der S-Bahn zu verdanken (6 Wagen U-Bahn alle 5 Minuten können nun mal nicht 2 Vollzüge der S-Bahn ersetzen, begreifen tun das die Verantwortlichen bis heute nicht).

Und bitte nicht wieder damit kommen, es geht ja nicht anders.
Zitat
Nordender
Und bitte nicht wieder damit kommen, es geht ja nicht anders.

Wie soll es denn anders gehen?

x--x--x--x

Für mehr gelbe Farbe im Netzplan: die Farben der U4 und U7 tauschen!
Zitat
Nordender
Der Tatsache von jahrelangen chaotischen Zuständen auf M5, M6 +M8 stimme ich voll zu, zumal es Verstärker lange Zeit nicht gab.
Die U5 hat die Überfüllung den ständigen Sperrungen der S-Bahn zu verdanken (6 Wagen U-Bahn alle 5 Minuten können nun mal nicht 2 Vollzüge der S-Bahn ersetzen, begreifen tun das die Verantwortlichen bis heute nicht).

Und bitte nicht wieder damit kommen, es geht ja nicht anders.

Womit sollen sie denn sonst kommen? Geht es etwa doch anders?

*******
Bitte beachten Sie die aktuelle Landesverordnung zum Infektionsschutz!
Mit dem derzeitigen Wagenbestand sicher nicht.

Für Taktverdichtungen brauchst du mind. 6 Züge mehr. Aktuell fahren 20 (?) Umläufe U5.

Mit 26 Zügen kannst du Hönow-Hbf alle 6min fahren mit Verstärkern Kaulsdorf Nord-Alex wo dann alle 3min ein Zug käme.

Fährt man zw. Alex und Hbf nur alle 10min zu jeder Zeit müßten es 24 Umläufe sein.
Also ab Hönow alle 6/4, ab Kaulsdorf Nord 3/3/4.

...wenn ich mich nicht verrechnet habe ;-)
Zumindest sollten diese ewig langen Streckensperrungen bei der S-Bahn reduziert werden. Oder weiss jemand warum die immer länger und häufiger wurden? Die U5 als Ersatz zu bezeichnen ist ein Hohn ihrer selbst, wer mal in Wuhletal morgens mit dem Strausberger ankam weiss was ich meine.
Tschuldigt ich kanns mir nichtverkneifen: Man könnte doch die Verkehrströme entzerren... Die S25 bleibt beim Ast nach Stahnsdorf und die Geisterstadt wird absofort vom ICE erschlossen. Der hält dann ein Stück südlich von Lichterfelde Süd und durch die Länge des Zuges kann der Weg zum Zug für vielmehr künftige Bewohner der Geisterstadt realisiert werden, als durch so eine kleine Schnellbahn ;-ppp
Zitat
micha774
Mit dem derzeitigen Wagenbestand sicher nicht.

Für Taktverdichtungen brauchst du mind. 6 Züge mehr. Aktuell fahren 20 (?) Umläufe U5.

Mit 26 Zügen kannst du Hönow-Hbf alle 6min fahren mit Verstärkern Kaulsdorf Nord-Alex wo dann alle 3min ein Zug käme.

Fährt man zw. Alex und Hbf nur alle 10min zu jeder Zeit müßten es 24 Umläufe sein.
Also ab Hönow alle 6/4, ab Kaulsdorf Nord 3/3/4.

...wenn ich mich nicht verrechnet habe ;-)

Funktioniert allerdings am Alex genauso wenig, wie die feuchten U10-Träume in der SPD. Die Aufstellgleise Rathaus (unten) sind nur zum Abstellen von Zügen konzipiert. Für einen Kehrbetrieb im dichten Takt fehlt die Leistungsfähigkeit. Das mit Abstand größte Manko sind die fehlenden Weichen, um von einem Gleis auf das Andere zu kommen. Wer rechts runter fährt muss auch rechts wieder zurück kommen, wer links runter fährt, muss links wieder zurückkommen. Und da tritt dann das eher lösbare Manko auf: Die Leit- und Sicherungstechnik, die gerade erst neu installiert wurde, müsste angepasst werden. Das angedachte (halb-)automatische Fahren könnte da zumindest Abhilfe schaffen. Aber die fehlenden Weichen sind inbesondere für die U10 ein ziemlicher Genickbruch, denn Gleiswechsel vor Alex bedeutet, dass die Züge wechselseitig von beiden Bahnsteigen abfahren müssten.

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
U10?

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Für mehr gelbe Farbe im Netzplan: die Farben der U4 und U7 tauschen!
Zitat
Jay

Die Aufstellgleise Rathaus (unten) sind nur zum Abstellen von Zügen konzipiert. Für einen Kehrbetrieb im dichten Takt fehlt die Leistungsfähigkeit. Das mit Abstand größte Manko sind die fehlenden Weichen, um von einem Gleis auf das Andere zu kommen. Wer rechts runter fährt muss auch rechts wieder zurück kommen, wer links runter fährt, muss links wieder zurückkommen.

Wie läuft das denn bitte aktuell abends ab, wenn wg.Bauarbeiten ab 22 Uhr jeder zweite Zug am Alex endet bei der U5?

Die 19min Kehrzeit reichen aus?
Wie Jay schon schrieb, es geht um die Taktdichte. Abends geht das problemlos.

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