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Wie sähen ÖPNV und Radverkehr aus wenn Berlin von "radikalen Autohassern" regiert würde?
geschrieben von Nukebro 
Es wird ja immer wieder vorgeworfen, es gäbe in Berlin "radikale Autohasser" und die würden "ideologische" Politik machen. Aber wie sähe der ÖPNV und der Radverkehr aus wenn wirklich "radikale Autohasser" an der Macht wären? Würde die A100 zur Spielstraße? Würde die U-Bahn auf 500 km Länge ausgebaut? Oder würde Berlin aussterben weil niemand mehr dort leben wollen würde, wie es immer heißt?

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Selbstverständlich sollten wir mehr Schienen bauen!
Was würde passieren:

Verkehr:
Regios eher keine Änderungen, die nicht auch so kämen
S-Bahnen konsequente Zweigleisigkeit im Stadtgebiet, mehr Kehrgleise und Abstellanlagen. Neue Strecke Schönefeld/Grünau <> Wuhlheide <> Springpfuhl <> Wartenberg <> Karower Kreuz <> Betriebswerkstatt Bucher Str. im 10 Minuten-Takt (Mo-Fr), 20 Minuten-Takt (WE)

bis Mahlsdorf & Zehlendorf täglich im 5-Minuten-Takt

bis Frohnau & Buch & Friedrichshagen im 5-Minuten-Takt (Mo-Fr ganztags)

HVZ-Verstärker im 5-Minuten-Takt bis Ahrensfelde

7/6/7-Minuten-Takt nach Schönefeld und zum BER

10-Minuten-Takt nach Hennigsdorf (HVZ), Tegel und Siemensstadt (täglich)

ETCS auf der Stadtbahn mit 2/3-Minuten-Takt (HVZ) sonst 7 Zuggruppen (alle 2/3/2/3/2/3/5 Minuten)
Ähnlich auf Ringbahn und im Nord-Süd-Tunnel

U-Bahn:
3/4/3-Minuten-Takte auf allen Linien Montag-Freitag ganztags und Samstag nachmittag.
Kleine Verlängerungen (U1 Adenauerplatz, U2 Pankow, U3 Mexikoplatz)

Straßenbahn:
200km mehr Straßenbahn
Straßenbahnen, die endlich schnell durch die Stadt kommen, da die Bevorzugung des Autos endet
(Fast) alle Straßenbahnstrecken täglich bis 20 Uhr mindestens im 10 Minuten-Takt

Bus:
(Fast) alle Metrobuskorridore sind zu Straßenbahnstrecken geworden. Busse übernehmen neu Kiezverkehre, neue tangentiale Querverbindungen, gesonderte Expressverbindungen, die nur zu bestimmten Zeiten gebraucht werden (Berufspendelverstärker, Studentenverkehre,.Veranstaltungsverkehre, Ersatzverkehre, etc.)

Fahrradverkehr verdoppelt, dank geräumiger Fahrradinfrastruktur, RTWs und Polizei kommen dadurch viel schneller zu ihren Einsätzen --> bessere Gesundheitsversorgung, mehr Sicherheit

Autoverkehr reduziert sich auf die unbedingt nötige Hälfte vom heutigen Verkehr. Stau reduziert sich allerdings nur geringfügig aber immerhin dank max. eine KfZ-Spur auf Hauptstraßen, dafür getrennte Abbiegespuren vor Kreuzungen.
Auf Nebenstr. lernen die Leute wieder Miteinander und Autofahrere akzeptieren, dass da Fahrräder unterwegs sind.
Dadurch mehr Grün, bessere Luft, bessere Soundkulisse (man hört Menschen, nicht Autos).also im Durchschnitt weniger Lärmbelastung.




Alternativszenario (Wir sparen, weil es kein Geld mehr gibt)
Es wird nichts sinnvolles in die Richtung gemacht. Autofahren wird nur noch was für Reichere, weil wir als Gesellschaft nicht ewig den Autofahrern alles in den Rachen werfen können, gleichzeitig wird aber auch im Umweltverbund wenig getan, sodass Fahrrad unattraktiv ist, weil man überall auch den anderen Radlern im Weg ist und die Busse und Bahnen sind voll, schleichen über eine veraltete autogerechte Infrastruktur.



Realität: Irgendwo dazwischen
Wahrscheinlich wie Paris oder Kopenhagen.
Zitat
Nukebro
Es wird ja immer wieder vorgeworfen, es gäbe in Berlin "radikale Autohasser" und die würden "ideologische" Politik machen. Aber wie sähe der ÖPNV und der Radverkehr aus wenn wirklich "radikale Autohasser" an der Macht wären? Würde die A100 zur Spielstraße? Würde die U-Bahn auf 500 km Länge ausgebaut? Oder würde Berlin aussterben weil niemand mehr dort leben wollen würde, wie es immer heißt?

Es gibt sicher radikale Autohasser. Wieviel mögen das sein? 2, 3, 5 Prozent der Bevölkerung?
Egal, Berlin würde ganz sicher nicht von denen regiert werden.

Was es gibt, sind polemische Aufschreie. Wenn mal paar hundert Meter Radweg gebaut werden, wenn mal auf ein paar Straßen Tempo 30 eingeführt wird oder (noch schlimmer) ein Poller gesetzt wird (alles, was in zivilisierten Städten mittlerweile längst Usus ist), wird rumgebrüllt, es seien "radikale Autohasser" am Werk, die nur ihre "ideologische Politik" machen wollen.

Übrigens: es gibt Leute, die meinen, es gäbe keine dummen Fragen. Ich bin mir sicher, dass das nicht stimmt.
Eigentlich wird die Politik in Berlin von Nichautofetischisten-Hassern gemacht und Hass ist selten eine gute Basis für Entscheidungen.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Nukebro
Es wird ja immer wieder vorgeworfen, es gäbe in Berlin "radikale Autohasser" und die würden "ideologische" Politik machen.

"Radikale Autohasser" und "ideologische Politik" sind Kampfbegriffe Rechtskonservativer Stammtischpropagandisten.

Zum einen: Jede, ja, wirklich jede, Politik ist menschliches Handeln, das auf dem Gedankengut der machthabenden Politiker und ihrer Interessengruppen beruht. Dieses Gedankengut beinhaltet neben taktischen und strategischen Überlegungen immer auch grundlegende weltanschauliche Überzeugungen dieser Politiker und Gruppen. Also ihrer Ideologie, egal ob diese nun auf Wissenschaft, Religion oder purem Egoismus beruht. Auch wenn man es uns gerne verschweigen möchte oder lieber "allgemeinen Werte" nennt.

Zum Anderen: Es gibt Fußgänger, Nutzer des ÖPNV, Autofahrer und Radfahrer. Studien belegen seit vielen Jahren, dass diese vier Gruppen in der von mir genannten Reihenfolge für die Anzahl der in Berlin zurückgelegten Wege relevant sind. Die aktuelle Aufteilung des Straßenraumes sowie der für diese Verkehrsgruppen von der Politik bereitgestellten Finanzen entsprechen dem nicht und damit auch nicht den Bedürfnissen vieler Berliner. Sind wirklich Menschen, die das erkennen, darauf hinweisen und versuchen, die Situation zu verbessern, "radikale Autohasser"?

Gruß
Micha




1 mal bearbeitet. Zuletzt am 10.01.2026 02:29 von Micha.
Ich denke, die wenigsten Leute sind das. Wenn ich als selbst ein Auto Nutzender (und sogar Besitzender) es nicht in Ordnung finde, dass sich ein überwiegender Teil an verkehrspolitischen Entscheidungen ausgerechnet am Pkw orientiert und möchte, dass anderen Mobilitätsformen endlich auch der nötige Raum gegeben oder sie wenigstens beim Verteilen dieses sehr endlichen Guts adäquat bedacht werden, sehe ich mich noch lange nicht als Autohasser.

~~~~~~
Für mehr Ümläüte!
Die letzten beiden Antworten unterschreibe ich sofort.
Wer mit Begriffen wie „linker Ideologie“ und „Autohassern“ um die Ecke kommt, hat überhaupt kein Interesse an einer Diskussion, sondern fordert für sich die Deutungshoheit.

Das sind Totschlagargumente.
Dazu noch das "Die wollen uns das Autofahren verbieten!", wenn man irgendwo mal 30 fahren oder auf Hauptstraßen bleiben soll statt durchs Wohngebiet zu fahren. (Wobei der aktuelle Volksentscheid da völlig kontraproduktiv ist.)
Zitat
Micha
Es gibt Fußgänger, Nutzer des ÖPNV, Autofahrer und Radfahrer. Studien belegen seit vielen Jahren, dass diese vier Gruppen in der von mir genannten Reihenfolge für die Anzahl der in Berlin zurückgelegten Wege relevant sind.

Also ich bin in allen vier Gruppen Mitglied und möchte meine private Entscheidung für jeden Weg allein treffen.
Selbst das grüne Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wird nun bei der Aufhebung von Parkplätzen und einem neuen Fahrradweg in einer Wohnstraße ausgebremst - eine breite Mehrheit der anderen Fraktionen und einzelner Abgeordneter stimmt in der BVV dagegen.
Insofern wird das Votum des gemeinen Stimmvolks zum Entscheid sicherlich aufschlussreich, falls überhaupt im Frühjahr genug Leute dafür unterschreiben. Die TAZ beschreibt das Verfahren.

so long

Mario
Von einer Extremposition zu einer anderen ist immer eine schlechte Idee. Insofern ist das Begehren IMHO Quatsch.
Also wird es auch durchfallen. Daraus dann jedoch abzuleiten, dass alle weiter brumm brumm wollen, ist jedoch auch falsch.

Ich meine, mal gelesen zu haben, dass ca. 1/3 der Bewohner Berlins nicht wählen dürfen (Kinder, nicht wahlberechtigte Ausländer, etc.). Insofern sind gar nicht alle Positionen in den BVV und im Parlament vertreten.
Zitat
TomB
Von einer Extremposition zu einer anderen ist immer eine schlechte Idee. Insofern ist das Begehren IMHO Quatsch.
Also wird es auch durchfallen. Daraus dann jedoch abzuleiten, dass alle weiter brumm brumm wollen, ist jedoch auch falsch.

Genau letzteres ist das Problem. Ein idiotisches Volksbegehren, das die Idee einer autofreien Stadt als Spinnerei darstellt. Die Städte, die erfolgreich den Autoverkehr reduziert haben, haben das alle im Rahmen eines längeren Prozesses mit Ausbau des Umweltverbunds und Reduktion des MIV durch Entfernung von Fahrspuren und Parkplätzen und Verteuerung des Parkraums geschafft. So ein Verwaltungsmonster wie hier vorgesehen hat niemand gemacht. Man hat das auch nicht wie in den Hirnen der Autofahrer auf ausschließlich freiwilliger Basis durch Verbesserung des Umweltverbunds geschafft. Letzteres wird ja durch die Autolobby aber sowieso verhindert, da man ja keinerlei Verschlechterung für den MIV wollte und wenn man ÖV oder Radinfrastruktur haben will, dann muss man den Platz irgendwoher nehmen.

Ich hätte weder einen Radentscheid oder diesen Volksentscheid an den Start gebracht, wir bräuchten ein Volksentscheid "Umweltverbund", worin der Zwang definiert wird, den ÖV-, Rad- und Fußverkehr vorrangig auszubauen. Das steht allerdings so im Mobilitätsgesetz, passieren tut das aber nicht. Man kann die Politik scheinbar nicht dazu zwingen, Dinge zu tun, die sie nicht tun will. Da hilft nur wählen.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.2026 00:18 von Nemo.
Zitat
Nemo
Zitat
TomB
Von einer Extremposition zu einer anderen ist immer eine schlechte Idee. Insofern ist das Begehren IMHO Quatsch.
Also wird es auch durchfallen. Daraus dann jedoch abzuleiten, dass alle weiter brumm brumm wollen, ist jedoch auch falsch.

Genau letzteres ist das Problem. Ein idiotisches Volksbegehren, das die Idee einer autofreien Stadt als Spinnerei darstellt.

Richtig. Denn das Problem ist: NATÜRLICH werden Stettner & Co genau das aus dem scheiternden Volksbegehren ableiten.
Zitat
Nemo
(...)
Ich hätte weder einen Radentscheid oder diesen Volksentscheid an den Start gebracht, wir bräuchten ein Volksentscheid "Umweltverbund", worin der Zwang definiert wird, den ÖV-, Rad- und Fußverkehr vorrangig auszubauen. Das steht allerdings so im Mobilitätsgesetz, passieren tut das aber nicht. Man kann die Politik scheinbar nicht dazu zwingen, Dinge zu tun, die sie nicht tun will. Da hilft nur wählen.

Erkenne den Widerspruch,

Marienfelde.
Zitat
Micha

"Radikale Autohasser" und "ideologische Politik" sind Kampfbegriffe Rechtskonservativer Stammtischpropagandisten.


Micha

...und welche Vokabeln benutzen linksradikale Bowlverzehrer?
Also wenn ich richtig genervt bin, sage ich schon mal "Autof*cker". Denn bei manchen Argumenten muss man von einer Triebsteuerung ausgehen. Aber ich mag diese Bowls nicht, das meiste darin ist mir zu exotisch.

~~~~~~
Für mehr Ümläüte!
Zitat
angus_67
Zitat
Micha

"Radikale Autohasser" und "ideologische Politik" sind Kampfbegriffe Rechtskonservativer Stammtischpropagandisten.


Micha

...und welche Vokabeln benutzen linksradikale Bowlverzehrer?

Bowlverzehrer würde ich jetzt eher dem linksliberalen Spektrum zuordnen. Als echter Linksradikaler hat man meistens nicht genug Geld für diese überteuerte Art des Lunchs.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Nemo
Ich hätte weder einen Radentscheid oder diesen Volksentscheid an den Start gebracht, wir bräuchten ein Volksentscheid "Umweltverbund", worin der Zwang definiert wird, den ÖV-, Rad- und Fußverkehr vorrangig auszubauen. Das steht allerdings so im Mobilitätsgesetz, passieren tut das aber nicht. Man kann die Politik scheinbar nicht dazu zwingen, Dinge zu tun, die sie nicht tun will. Da hilft nur wählen.

Am besten wir machen diesen Volksentscheid gleichzeitig mit dem Volksentscheid zur besseren Finanzierung der schulischen und vorschulischen Bildung, mit dem Volksentscheid zur besseren finanziellen Förderung von mehr Sozialwohnungen, mit dem Volksentscheid zur besseren finanziellen Förderung inklusiver Verhältnisse und mit dem Volksentscheid zur besseren finanziellen Ausstattung der Sicherheitsbehörden.
Kein Gesetz - und mag es auch noch so sinnvoll gedacht sein - kann das Abgeordnetenhaus zwingen, nicht vorhandenes Geld auszugeben.
Apropos wählen: Die nächste Berliner Regierung egal welcher Couleur wird schon noch ihren finanziellen Spaß haben, wenn die ganzen Wahlversprechen nicht erfüllt werden können, weil kein Geld da ist.
Zitat
phönix
Die nächste Berliner Regierung egal welcher Couleur wird schon noch ihren finanziellen Spaß haben, wenn die ganzen Wahlversprechen nicht erfüllt werden können, weil kein Geld da ist.

Nunja, sowas wie eine mindestens kostendeckende Parkraumbewirtschaftung müsste man ja gerade wegen der Haushaltsnotlage umsetzen und ein Verzicht auf weiteren U-Bahnausbau würde auch Geld einsparen, ebenso wie ein Verzicht auf die TVO. Der Straßenbahnausbau wäre da verhältnismäßig günstig zu haben und ÖPNV-freundlichere Ampelschaltungen würden eine Menge Geld sparen, weil man für die gleiche Leistung weniger Fahrzeuge und Personal bräuchte.

Es liegt also eigentlich nicht am Geld, dass man nichts macht, um den Autoverkehr zu reduzieren.

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Nemo
Nunja, sowas wie eine mindestens kostendeckende Parkraumbewirtschaftung müsste man ja gerade wegen der Haushaltsnotlage umsetzen und ein Verzicht auf weiteren U-Bahnausbau würde auch Geld einsparen, ebenso wie ein Verzicht auf die TVO.

Hast Du mal nachgeschaut, wie viele Gelder im Doppelhaushalt 26/27 für U-Bahnausbau + TVO eingestellt sind? (Falls nein: es schadet nichts, mal selber sich ein urteil zu bilden) Und hast du mal überschlagen, wie viele Gelder durch tatsächlich sinnvolle kostendeckende Parkraumbewirtschaftung eingenommen werden können? Und wie hoch dagegen das jährliche Defizit ab 2026 ist?
[www.rbb24.de]
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