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Berliner Zeitung: Bedroht mehr Wettbewerb im Fernverkehr den VBB-Regionalverkehr?
geschrieben von Arnd Hellinger 
Zitat
Florian Schulz
Wegen fehlender Kapazitäten kann die Antwort doch nicht sein, ganze Zuggattungen einzustampfen, sondern die Trassenkapazitäten auszubauen. Insbesondere Überholgleise, Blockabstände und Dispogleise. Fernverkehr ersetzt keinen Regionalverkehr und S-Bahnen sind kein Ersatz für Mittel- und Langstreckenverkehre. Schon gar nicht so weit außerhalb der Ballungsräume.
Wir reden hier teilweise über Regionen, wo eine Schrumpfung der Bevölkerungszahl um 25 Prozent prognostiziert wird.
Im Osten ist gerade ein massiver zweiter Geburtenknick (den ersten gab es ja nach der Wende, dazu viel Abwanderung) am laufen. Man sieht das an Kitas mit massivem Kindermangel, ebenso an stark schrumpfender Erwerbstätigkeit und auch an Bevölkerungsschwund. Eine gute Zusammenfassung gibt dieser Artikel: [iab-forum.de]
Die Probleme sind in den berlinfernen Regionen noch viel größer als im Speckgürtel.

Vor diesem Hintergrund ist schon die Frage, wo man ÖPNV richtig in Brandenburg ausbaut. Und da hat für mich der unmittelbare Speckgürtel Priorität.

Zitat
Florian Schulz
Brandenburger Leben fördert man nicht, indem man Bahnhöfe vom Regionalverkehr abschneidet weil Ballungsraumverkehr wichtiger zu sein scheint. Das befeuert die Land-Stadt-Wanderung und zurück bleiben die blauen Depressiven. Die Landbevölkerung stört das massive Metropoldenken übrigens immens schon seit der DDR. Ich kann mich gut an die Diskussionen meiner Verwandten erinnern, dass "ihr Berliner immer alles bekommt".
Gebt denen nur einen 30-Minuten-Takt mit dem RE nach Berlin und dann wählen die nicht die AfD. Das wird nicht funktionieren. Das gibt nur viele leere Züge, aber keine anderen Wahlergebnisse.
Die RE-Projekte sind übrigens nicht nur Segen für die Regionen. Sie helfen teilweise auch bei der Abwanderung. Schau Dir mal an, wieviele Professoren der Viadrina in Berlin leben. Solche Menschen fehlen auch dem demokratischen Gemeinwesen vor Ort, wenn sie nur Einpendler sind.

Zitat
Florian Schulz
Wenn man denn unbedingt auf den Hauptkorridoren den Regionalverkehr ausdünnen will zugunsten anderer Zugkategorien, sollte man meines Erachtens auch darüber nachdenken, querverbindende Nebenbahnen auszubauen oder wieder auferstehen zu lassen. Dass sich so viel Regionalverkehr auf die wenigen Hauptkorridore konzentriert, hängt nämlich auch an der mangelhaften Flächenerschließung.
Bisher hat man auf den Hauptachsen im Regionalverkehr viel raufgelegt in Brandenburg. Ich prognostiziere aber einige sehr schmerzhafte Entwicklungen angesichts Demographie und Haushaltsengpässen.
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PassusDuriusculus
Zitat
Lopi2000
Zitat
PassusDuriusculus
Ja wunderbar. Und dann fällt bei ner Störung der ICE aus und im nachfolgenden Privatzug kann man dann nicht mitfahren und vice versa. Bei der nächsten Streckensperrung Hamburg-Berlin fahren dann nicht wie im Regelfahrplan 2 ICEs + 1 Italo pro Stunde, sondern Abwechselnd je alle 2 Stunden ein ICE ODER ein Italo und man kommt somit nur noch alle 2 Stunden, statt alle 30 Minuten nach HH.
Und die BahnCard 100-Besitzer brauchen dann noch zwei weitere BahnCards, weil neue Quatsch-Fernzüge den ICE verdrängen?

Für solche Zwecke gibt es ja die Fahrgastrechteregelungen, die grundsätzlich anbieterübergreifend gelten. Dabei müsste man ggf. noch einige Hürden senken, um dies fahrgastfreundlicher zu organisieren.

Was? Ich darf in einen Flixtrain einsteigen, wenn ein ICE ausfällt? Das würde ich gerne irgendwo schriftlich sehen.
Was? Ich darf mit einem DB-Ticket einen Flixtrain nutzen wenn Bauarbeiten sind und deswegen die ICEs viel seltener als sonst fahren, weil nur eine stündliche Trasse für Fernverkehr übrig bleibt und diese sich auf den Wettbewerbern aufgeteilt werden muss?

Meinen Bahn Bonus Status verliere ich dann auch, weil ich seltener DB fahre, weil irgendwelche privaten die DB verdrängen?

Ich halte das für Bullshit.
Internationale Verbindungen, die wenige Male am Tag verkehren, können ja meinetwegen privatisiert sein. Aber sowas wie Berlin<>Leipzig, Berlin<>Wolfsburg oder Berlin<>Hamburg doch nicht.


Wenn es ein einheitliches Ticketsystem gibt (denkt die EU da nicht gerade für internationale Fahrten drüber nach?), wo alle Unternehmen sich gegenseitig anerkennen (wie in Verkehrsverbünden) meinetwegen. Aber bei unserer deutschen Politik und unseren deutschen Wählern wird sowas nicht kommen und es wird einfach nur Grütze.

Sehe ich auch so. Zwischen Paris und Barcelona gibt es 2-3 Züge am Tag und 40 Flüge. Warum fängt man nicht da an?
Zitat
M48er
Wir reden hier teilweise über Regionen, wo eine Schrumpfung der Bevölkerungszahl um 25 Prozent prognostiziert wird.
Im Osten ist gerade ein massiver zweiter Geburtenknick (den ersten gab es ja nach der Wende, dazu viel Abwanderung) am laufen. Man sieht das an Kitas mit massivem Kindermangel, ebenso an stark schrumpfender Erwerbstätigkeit und auch an Bevölkerungsschwund.

Allerdings besteht die Gesellschaft nicht nur aus (fehlenden) Kindern, sondern gegenwärtig bildet sich ein Überhang an alten Menschen, die roundabout noch 20 Jahre vor sich haben. Zum einen aufgrund der immer längeren Lebenserwartung und zum anderen weil die Boomer-Generation in Rente geht. Diese wiederum ziehen in ihren Endphasen tendenziell seltener aus ihren Siedlungen weg und werden auch noch im Alltag zunehmend immobiler. Denen nun zu sagen, dass vor ihrer Haustür kein Regio mehr hält weil Berlin wichtiger ist, halte ich gesellschaftspolitisch für das falsche Signal.


Zitat
M48er
Zitat
Florian Schulz
Brandenburger Leben fördert man nicht, indem man Bahnhöfe vom Regionalverkehr abschneidet weil Ballungsraumverkehr wichtiger zu sein scheint. Das befeuert die Land-Stadt-Wanderung und zurück bleiben die blauen Depressiven. Die Landbevölkerung stört das massive Metropoldenken übrigens immens schon seit der DDR. Ich kann mich gut an die Diskussionen meiner Verwandten erinnern, dass "ihr Berliner immer alles bekommt".
Gebt denen nur einen 30-Minuten-Takt mit dem RE nach Berlin und dann wählen die nicht die AfD. Das wird nicht funktionieren. Das gibt nur viele leere Züge, aber keine anderen Wahlergebnisse.

Das hat niemand so behauptet. Allerdings gibt es einen Zusammenhang zwischen jahrelang vernachlässigter Infrastruktur im Ländlichen Raum und den Aufstieg der Rechten dort. Nun hat man in den letzten 5-10 Jahren es geschafft, Kapazitäten im Regionalverkehr wieder auszuweiten, das groß angelegte Planungsprojekt i2030 ins Leben gerufen, diverse Linienänderungen im VBB-Netz umgesetzt zugunsten der Stärkung der Hauptkorridore als auch neue Querverbindungen und nun soll das alles wieder infrage gestellt werden? Langfrist-Denken sieht anders aus. Es kann eigentlich nicht sein, dass Daseinsvorsorge eine Konjunkturfrage oder Legislaturfrage ist.


Zitat
M48er
Die RE-Projekte sind übrigens nicht nur Segen für die Regionen. Sie helfen teilweise auch bei der Abwanderung. Schau Dir mal an, wieviele Professoren der Viadrina in Berlin leben. Solche Menschen fehlen auch dem demokratischen Gemeinwesen vor Ort, wenn sie nur Einpendler sind.

Der Anteil an Professoren der Viadrina an der Gesamtnachfrage im ländlichen Raum ist unwesentlich, sodass solche anekdotische Evidenz nicht weiterhilft. Richtig ist, dass attraktive Verkehrsverbindungen ins Umland die Reiseweiten fördern. Daraus kann man meines Erachtens aber nicht schließen, Regionalverkehr abzubestellen damit die Leute nicht mehr in Städte kleiner als 15 000 Einwonher fahren. Es hat ja einen Grund, warum in den letzten Jahren die Regionalverkehrskapazitäten immer weiter ausgebaut wurden. Unter anderem weil auch das Umweltbewusstsein gestiegen ist, sowie Urlaub in der Region attraktiver geworden ist.


Zitat
M48er
Bisher hat man auf den Hauptachsen im Regionalverkehr viel raufgelegt in Brandenburg. Ich prognostiziere aber einige sehr schmerzhafte Entwicklungen angesichts Demographie und Haushaltsengpässen.

..denen man durch Bundeszuschüsse entgegen wirken kann. Dazu bedarf es aber eine Ausweitung der Regionalisierungsmittel, Förderprogramme zum Ausbau der Schienenkapazitäten sowie Umschichtung klimaschädlicher Subventionen weg vom MIV und rein in den Umweltverbund. Einer der grundlegenden politischen Fehler ist es meines Erachtens, immer so zu tun als wenn die Aufgaben der Daseinsvorsorge allein bei den Ländern liegt. Gerade im Regionalverkehr sollte man jedoch auch den Bund stärker in die Verantwortung nehmen, da er dank Zugriff auf den großen Steuertopf allokativ sehr mächtig ist. Gerade beim D-Ticket sieht man wie sich der Bund versucht, sich der Verantwortung zu entziehen. Wohlgemerkt bei einem Konzept das der Bund überhaupt erst geschaffen hat.

Zitat
M48er
Gebt denen nur einen 30-Minuten-Takt mit dem RE nach Berlin und dann wählen die nicht die AfD. Das wird nicht funktionieren. Das gibt nur viele leere Züge, aber keine anderen Wahlergebnisse.

Nochmal zu diesem Absatz. Eine Taktverdichtung auf 30min führt nicht zwingend zu leeren Zügen. Im Gegenteil, liegt bei 30min eine Schwelle wo die Nachfrage wieder ansteigt. Je weniger ein Mensch seinen Alltag an den Öffi-Takten bemessen muss, desto attraktiver wird deren Nutzung. Demzufolge ändert sich prinzipbedingt die Nachfrage. Man kann Taktausweitungen nicht unter der Prämisse bewerten, dass die Nachfrage statisch ist. Das verleitet zu Fehlannahmen. Einfach gesagt: Bei 20min Wartezeit ist man eher bestrebt auf den nächsten Zug zu warten als bei 50min Wartezeit.





2 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.06.2026 13:40 von Florian Schulz.
Bzgl. Anerkennung von Fahrkarten: Wenn Flix weiterhin und vielleicht auch Italo das Credo vertritt: Zutritt nur mit Sitzplatz nützt die Anerkennung nix, wenn die nächsten 3 h alle Züge und Plätze ausgebucht sind. Dann muss der nächste, fahrende ICE wieder als Lumpensammler her, auch für Flix- und Italo-Kunden. Das kann es ja auch nicht sein.
Zitat
TomB
Bzgl. Anerkennung von Fahrkarten: Wenn Flix weiterhin und vielleicht auch Italo das Credo vertritt: Zutritt nur mit Sitzplatz nützt die Anerkennung nix, wenn die nächsten 3 h alle Züge und Plätze ausgebucht sind. Dann muss der nächste, fahrende ICE wieder als Lumpensammler her, auch für Flix- und Italo-Kunden. Das kann es ja auch nicht sein.

Ja und nein. Wenn andere EVU das als Qualitätsmerkmal bewerben und so verkaufen, fände ich es auch schwierig, sie dann zur Überbuchung als Ersatz für andere ausfallende Züge zu zwingen. Zumal die DB ja auch Züge räumen lässt, nur halt erst bei einem deutlich größeren "Füllstand".

In einem idealen anbieterübergreifenden Buchungs- und Umbuchungsportal sollte so etwas halbwegs automatisch funktionieren: Bei einem Ausfall käme dann eine Pushnachricht per App / Mail usw. mit einem oder mehreren Umbuchungsvorschlägen, die entsprechende Sitzplatzumbuchungen oder -neureservierungen mit umfasst. Wie man es bei Flexpreisen lösen kann, wäre entsprechend zu klären. Offenbar arbeitet die Mehrzahl der Anbieter momentan mit Reservierungspflicht und Zugbindungen, während für die Mehrzahl der Fahrten wohl die DB-Flexpreise ohne Reservierungspflicht und/oder Zugbindungen zur Anwendung kommen.
Zitat
TomB
Bzgl. Anerkennung von Fahrkarten: Wenn Flix weiterhin und vielleicht auch Italo das Credo vertritt: Zutritt nur mit Sitzplatz nützt die Anerkennung nix, wenn die nächsten 3 h alle Züge und Plätze ausgebucht sind. Dann muss der nächste, fahrende ICE wieder als Lumpensammler her, auch für Flix- und Italo-Kunden. Das kann es ja auch nicht sein.

Darf man denn tatsächlich nicht mehr einsteigen oder ist kein Sitzplatz garantiert? Bei der Westbahn letzteres, und es gibt sogar für Stehplätze im Türraum QR-Codes zum Einchecken.

Apropos Westbahn: auf der österreichischen Weststrecke ergänzen sich Westbahn und ÖBB sehr gut. Für beide gelten auch das bundesweite und regionale Klimatickets, so dass Pendler:innen spontan den nächstbesten Zug nehmen können.

Allerdings hat man halt auch die Infrastruktur dafür. Und ein Klimaticket, das auch im Fernverkehr verschiedener Anbieter gilt. (Die Westbahn bekommt m.E. einfach pro Fahrt mit dem Klimaticket Geld vom Bund, weshalb sie auch bei der Fahrkartenkontrolle sehr hinterher sind.)

Mit etwas Interesse in der Politik könnte man ja die BC100 nach dem Vorbild des Klimatickets in ein "Deutschland-Ticket Plus" umgestalten, das auch im Fernverkehr gilt, und zwar nicht nur in dem der DB. Warum sollten private EVU daran kein Interesse haben? Auch die Westbahn macht das in Österreich ja nicht aus Großzügigkeit, sondern weil sie damit Geld verdienen.

Zitat
Florian Schulz
Wegen fehlender Kapazitäten kann die Antwort doch nicht sein, ganze Zuggattungen einzustampfen, sondern die Trassenkapazitäten auszubauen. Insbesondere Überholgleise, Blockabstände und Dispogleise.

Tja, Deutschland halt: wenn Straßen voll sind, soll gefälligst das Straßennetz ausgebaut werden, obwohl in den meisten Autos 80 Prozent der Sitzplätze nicht besetzt sind. Ist Eisenbahn-Infrastruktur überlastet, soll die Zahl der Züge sinken, selbst wenn die voll sind.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.06.2026 18:45 von def.
Also wegen überbelegter Trassen (hier auf der Stadtbahn) braucht man sich aber in Sachen Fernbahn vs. VBB auch nicht beklagen wenn man ganz stur die RB23 zwischen Zoo und Ostbahnhof pendeln lässt "weil's ja bestellt ist".
In 2 Wochen wird der gesamte Fern und Regionalverkehr auf der Stadtbahn ohnehin unterbrochen und die S-Bahn muss die Mehrbelastung zusätzlich aufnehmen, da hätte man die RB23 zur Stabilisierung jetzt schon raus nehmen können. Immerhin steht der Zug vor der Rückfahrt gute 20 Minuten zum Kehren am Gleis.

--
Neues vom Ostkreuz im Ostkreuzblog



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.06.2026 21:41 von Stefan Metze.


Auf der Strecke Nürnberg > München hab ich in letzter Zeit öfter erlebt, dass zwei ICE laut Fahrplan zur selben Minute Richtung München abfahren und laut Fahrplan im Abstand von 4 Minuten München erreichen. Hat den Zweck und Vorteil, der pünktlichere Zug fährt als erstes ab...

Das ließe sich natürlich auch mit Italo und ICE umsetzen. Allerdings funktioniert das dann im exemplarischen Fall nicht, da sind ja schon 2 ICEs verplant, da wird dann kein 3. Zug zwischen passen



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.06.2026 22:20 von PassusDuriusculus.
Zitat
Florian Schulz
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M48er
Wir reden hier teilweise über Regionen, wo eine Schrumpfung der Bevölkerungszahl um 25 Prozent prognostiziert wird.
Im Osten ist gerade ein massiver zweiter Geburtenknick (den ersten gab es ja nach der Wende, dazu viel Abwanderung) am laufen. Man sieht das an Kitas mit massivem Kindermangel, ebenso an stark schrumpfender Erwerbstätigkeit und auch an Bevölkerungsschwund.

Allerdings besteht die Gesellschaft nicht nur aus (fehlenden) Kindern, sondern gegenwärtig bildet sich ein Überhang an alten Menschen, die roundabout noch 20 Jahre vor sich haben. Zum einen aufgrund der immer längeren Lebenserwartung und zum anderen weil die Boomer-Generation in Rente geht. Diese wiederum ziehen in ihren Endphasen tendenziell seltener aus ihren Siedlungen weg und werden auch noch im Alltag zunehmend immobiler. Denen nun zu sagen, dass vor ihrer Haustür kein Regio mehr hält weil Berlin wichtiger ist, halte ich gesellschaftspolitisch für das falsche Signal.


Zitat
M48er
Zitat
Florian Schulz
Brandenburger Leben fördert man nicht, indem man Bahnhöfe vom Regionalverkehr abschneidet weil Ballungsraumverkehr wichtiger zu sein scheint. Das befeuert die Land-Stadt-Wanderung und zurück bleiben die blauen Depressiven. Die Landbevölkerung stört das massive Metropoldenken übrigens immens schon seit der DDR. Ich kann mich gut an die Diskussionen meiner Verwandten erinnern, dass "ihr Berliner immer alles bekommt".
Gebt denen nur einen 30-Minuten-Takt mit dem RE nach Berlin und dann wählen die nicht die AfD. Das wird nicht funktionieren. Das gibt nur viele leere Züge, aber keine anderen Wahlergebnisse.

Das hat niemand so behauptet. Allerdings gibt es einen Zusammenhang zwischen jahrelang vernachlässigter Infrastruktur im Ländlichen Raum und den Aufstieg der Rechten dort. Nun hat man in den letzten 5-10 Jahren es geschafft, Kapazitäten im Regionalverkehr wieder auszuweiten, das groß angelegte Planungsprojekt i2030 ins Leben gerufen, diverse Linienänderungen im VBB-Netz umgesetzt zugunsten der Stärkung der Hauptkorridore als auch neue Querverbindungen und nun soll das alles wieder infrage gestellt werden? Langfrist-Denken sieht anders aus. Es kann eigentlich nicht sein, dass Daseinsvorsorge eine Konjunkturfrage oder Legislaturfrage ist.


Zitat
M48er
Die RE-Projekte sind übrigens nicht nur Segen für die Regionen. Sie helfen teilweise auch bei der Abwanderung. Schau Dir mal an, wieviele Professoren der Viadrina in Berlin leben. Solche Menschen fehlen auch dem demokratischen Gemeinwesen vor Ort, wenn sie nur Einpendler sind.

Der Anteil an Professoren der Viadrina an der Gesamtnachfrage im ländlichen Raum ist unwesentlich, sodass solche anekdotische Evidenz nicht weiterhilft. Richtig ist, dass attraktive Verkehrsverbindungen ins Umland die Reiseweiten fördern. Daraus kann man meines Erachtens aber nicht schließen, Regionalverkehr abzubestellen damit die Leute nicht mehr in Städte kleiner als 15 000 Einwonher fahren. Es hat ja einen Grund, warum in den letzten Jahren die Regionalverkehrskapazitäten immer weiter ausgebaut wurden. Unter anderem weil auch das Umweltbewusstsein gestiegen ist, sowie Urlaub in der Region attraktiver geworden ist.


Zitat
M48er
Bisher hat man auf den Hauptachsen im Regionalverkehr viel raufgelegt in Brandenburg. Ich prognostiziere aber einige sehr schmerzhafte Entwicklungen angesichts Demographie und Haushaltsengpässen.

..denen man durch Bundeszuschüsse entgegen wirken kann. Dazu bedarf es aber eine Ausweitung der Regionalisierungsmittel, Förderprogramme zum Ausbau der Schienenkapazitäten sowie Umschichtung klimaschädlicher Subventionen weg vom MIV und rein in den Umweltverbund. Einer der grundlegenden politischen Fehler ist es meines Erachtens, immer so zu tun als wenn die Aufgaben der Daseinsvorsorge allein bei den Ländern liegt. Gerade im Regionalverkehr sollte man jedoch auch den Bund stärker in die Verantwortung nehmen, da er dank Zugriff auf den großen Steuertopf allokativ sehr mächtig ist. Gerade beim D-Ticket sieht man wie sich der Bund versucht, sich der Verantwortung zu entziehen. Wohlgemerkt bei einem Konzept das der Bund überhaupt erst geschaffen hat.

Die Mittel für die Bahn aus dem Sondervermögen sind in 2025 nicht voll "abgeflossen". Geld wäre da, wenn man schnell genug bauen könnte.

Btw, die ganze headline ist ein Sturm im Wasserglas. Da wird so getan, als ob ein zusätzlicher Konkurrent mit 1-2 Fahrten pro Stunden das System lahmlegt und für Stillstand sorgt. Das ist leider typisch D, bloß keine Veränderung. Würde man konsequent ECTS aufbauen, die Langsamfahrstellen beseitigen und moderne Software einsetzen, wäre auf den bestehenden Gleisen vermutlich noch mehr möglich.

Neben der Altersstruktur ändert sich auch die Arbeitswelt. Wenn ein signifikanter Anteil Home-Office gearbeitet werden kann, ist ggf. ein längerer Pendlerweg an wenigen Tagen pro Woche akzeptabel. Das sorgt dann für Zuzug nach Brandenburg. Signifikant verstärkt durch das teilweise deutlich geringere Mietniveau und den Fakt, dass man z.B. in Prenzlau relativ problemlos eine bezahlbare Wohnung finden kann, regelmäßiges Einkommen vorausgesetzt.
Zitat
PassusDuriusculus

Das ließe sich natürlich auch mit Italo und ICE umsetzen. Allerdings funktioniert das dann im exemplarischen Fall nicht, da sind ja schon 2 ICEs verplant, da wird dann kein 3. Zug zwischen passen

Es ist jedenfalls immer trassensparsamer, wenn man alle gleich schnellen Züge in einer Stunde jeweils hintereinander fahren lassen würde. Ein dritter Schnellzug direkt hinter oder vor den beiden wäre also sinnvoller als ihn eine halbe Stunde versetzt fahren zu lassen.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Nemo
Es ist jedenfalls immer trassensparsamer, wenn man alle gleich schnellen Züge in einer Stunde jeweils hintereinander fahren lassen würde. Ein dritter Schnellzug direkt hinter oder vor den beiden wäre also sinnvoller als ihn eine halbe Stunde versetzt fahren zu lassen.

Ja, auf den meisten Strecken im Fernverkehr dürfte es auch nicht erforderlich sein, die im Beispiel drei Fernzüge pro Stunde zu einem 20-min-Takt aufzuteilen. Schwierig ist allerdings die Frage, wie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten umgegangen werden kann.

Diese kommen ja aus den unterschiedlichsten Gründen zustande, wobei die aktuellen Trends eher eine Annäherung der Geschwindigkeiten hoffen lassen, so dass dieses Modell dann praktikabel sein könnte:
1. Springt die DB immer weniger auf politische Forderungen aus Mittelstädten an, die unbedingt ICE-Systemhalt werden wollen.
2. Beschaffen sich die privaten Konkurrenten zunehmend Züge, die schnell fahren können, statt mit älterem Zugmaterial Interregios zu reanimieren.

Das mag für die Mittelstädte ungünstig sein, aber für Bahnnetz als Ganzes könnte es so leichter werden.
Zitat
Lopi2000
Zitat
Nemo
Es ist jedenfalls immer trassensparsamer, wenn man alle gleich schnellen Züge in einer Stunde jeweils hintereinander fahren lassen würde. Ein dritter Schnellzug direkt hinter oder vor den beiden wäre also sinnvoller als ihn eine halbe Stunde versetzt fahren zu lassen.

Ja, auf den meisten Strecken im Fernverkehr dürfte es auch nicht erforderlich sein, die im Beispiel drei Fernzüge pro Stunde zu einem 20-min-Takt aufzuteilen. Schwierig ist allerdings die Frage, wie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten umgegangen werden kann.

Man muss die Züge von schnell nach langsam sortieren. Und dann kommt die Unpünktlichkeit ins Spiel und macht alle derartigen Überlegungen zu nichte. Im Grunde ist die Unpünktlichkeit das Problem.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Mittelstädte wie Brandenburg, Potsdam, Wannsee und Zoo. Das nervt mich gewaltig.
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