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Stuttgart 21
geschrieben von Alexander Lehmann 
Zitat
Lopi2000
Naja, im Grundsatz hat er damit ja auch recht. Die Verfahren sind offenbar ordnungsgemäß seit 15 Jahren gelaufen und - warum auch immer - kam man zu dem Ergebnis, dass man nun an sich bauen könnte und dürfte. Die Proteste kommen tatsächlich reichlich spät, da die parlamentarischen Weichenstellungen schon lange her sind und man seitdem eher in Detailplanungen war.

In Hannover gibt es das Projekt Zehn Siebzehn. Dabei geht es darum, eine Straßenbahnlinie/bzw. Stadtbahnlinie, die schon seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Innenstadt führt, barrierefrei auszubauen. Die Liniennummern der aktuell dort verkehrenden Straßenbahnen sind die Nummern 10 und 17, daher der Name Projekt Zehn Siebzehn.

Vor rund 50 Jahren beschloss der Rat der Stadt, in Hannover die U-Bahn zu bauen. Es ist zwar niemals eine richtige U-Bahn geworden, weil schnell klar war, dass das viel zu teuer wäre, eine richtige U-Bahn zu bauen, aber man machte das vermeintlich beste daraus und baute innerstädtisch einige Tunnelstrecken für die Straßenbahn, die man später in Stadtbahn umbenannte, um auf den Straßen mehr Platz zu schaffen für Autoverkehr. Stuttgart hat in dieser Hinsicht ganz ähnlich gehandelt. Auch für die Strecke, auf der heute die Linien 10 und 17 in Hannover verkehren, war damals als Option vorgesehen, zu einem späteren Zeitpunkt einmal einen Tunnel zu bauen.

Heute gibt es von einer so genannten Bürgerinitiative Proteste gegen den barrierefreien Ausbau der Linien 10 und 17, weil sie befürchten, dass damit die Option Tunnelbau auf den St. Nimmerleinstag verschoben wird. Außerdem wird von der Lokalpresse immer wieder negativ über den barrierefreien Ausbau der Linien 10 und 17 berichtet, denn die Proteste gegen Projekt Zehn Siebzehn gehen auch aus von den hannoverschen Einzelhändlern und dem ADAC und der übrigen Autolobby. Die hätten nämlich gerne mehr Platz für mehr Autoverkehr. Und die Presse ist auf einen gute Beziehung zu diesen wichtigen Werbekunden Einzelhandel und Autoindustrie angewiesen. Folglich kriegen die ihre "Hofberichterstattung".

Kurioserweise - und deshalb schreibe ich hier - wurde der Oberirdische Ausbau der Stadtbahnlinien 10 und 17 bereits mit Stuttgart 21 verglichen. Obwohl es in Hannover doch bei Projekt zehn Siebzehn gar nicht darum geht, einen Tunnel zu bauen wie in Stuttgart. Wenn man den Argumenten der Kritiker folgte, dann richtet sich deren Kritik viel mehr dagegen, dass in Hannover nun kein Tunnel gebaut wird für die Stadtbahnlinien 10 und 17, bzw. der Bau auf später verschoben wird.

Und - das ist der andere Grund warum ich hier schriebe - die Planungen sind 50 Jahre alt. In Stuttgart, darauf weisen Sie, Lopi2000, hin, werden ÖPNV und ÖPFV-Pläne gegen den Protest der Bevölkerung umgesetzt, mit der Begründung, das sei alles schon seit über 15 Jahren geplant. In Hannover gibt es Proteste aus der Bevölkerung, weil eine vor 50 Jahren angedachte Option nicht umgesetzt wird. Wofür es übrigens gute Gründe gibt, denn schließlich sind seitdem 50 Jahre ins Land gegangen, in denen sich einiges grundlegend geändert hat, insbesondere in der Einstellung gegenüber dem Autoverkehr, der heute viel problematischer gesehen wird als vor 50 Jahren.

Und das ist der dritte Grund, warum ich hier schreibe: Ist es in Stuttgart nicht auch so, dass insbesondere die Autolobby dahinter her ist, dass die Gleise und der Bahnhof von der Oberfläche verschwinden, damit mehr Platz ist für Autoverkehr?



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.03.2015 17:45 von Jules.


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