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Deutsche Großstädte ohne städtischen Schienenverkehr
geschrieben von Marienfelde 
Es gibt etwa 80 Großstädte in unserem Land - davon haben 31 (ausschließlich westdeutsche) Städte keine städtische Bahn (also keine U-Bahn, Schwebebahn, Stadtbahn/Straßenbahn).

Hier mal ein Link zum dso-Forum für "interessierte Kreise": [www.drehscheibe-online.de]

Einen schönen Tag wünscht Euch
Marienfelde
Zitat
Marienfelde
davon haben 31 (ausschließlich westdeutsche) Städte keine städtische Bahn .

Oh, ich wusste gar nicht, dass Kiel in Westdeutschland liegt. Für mich war es bisher immer eher Norddeutschland. Danke für diese wichtige Information!

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Tscheynsch hier vor Ju-Tu wis Sörvis tu Exebischn-Raunds änd Olümpick-Staydium
Hat Bremerhaven nicht die Regio-S-Bahn von Bremen?
Ja! Wobei die Regio-S-Bahn eher ein Etikettenschwindel ist. Früher fuhren (in der gleichen Frequenz) Nahverkehrs- bzw. StadtExpress-Züge.

Marienfelde geht es allerdings um städtische Schienenverkehrsmittel.
Zitat
LariFari
Oh, ich wusste gar nicht, dass Kiel in Westdeutschland liegt. Für mich war es bisher immer eher Norddeutschland. Danke für diese wichtige Information!

Da der Hintergrund vor allem die Stillegungswelle von Straßenbahnen in den 1960/70er-Jahren in der damaligen Bundesrepublik ist, zu der es in der damaligen DDR nicht in diesem Umfang kam, ist hier eine historisch politische Differenzierung sinnvoller als eine geografische, insofern finde ich Westdeutschland hier durchaus angemessen.
Zitat
Lopi2000
Zitat
LariFari
Oh, ich wusste gar nicht, dass Kiel in Westdeutschland liegt. Für mich war es bisher immer eher Norddeutschland. Danke für diese wichtige Information!

Da der Hintergrund vor allem die Stillegungswelle von Straßenbahnen in den 1960/70er-Jahren in der damaligen Bundesrepublik ist, zu der es in der damaligen DDR nicht in diesem Umfang kam, ist hier eine historisch politische Differenzierung sinnvoller als eine geografische, insofern finde ich Westdeutschland hier durchaus angemessen.

Kiel war m.E. sogar Nachzügler. Ungefähr zu der Zeit, als man die dortige Straßenbahn noch stillgelegt hat, dürfte man in Frankreich schon mit den Planungen für ganz neue Straßenbahnnetze begonnen haben.
Zitat
def
Kiel war m.E. sogar Nachzügler. Ungefähr zu der Zeit, als man die dortige Straßenbahn noch stillgelegt hat, dürfte man in Frankreich schon mit den Planungen für ganz neue Straßenbahnnetze begonnen haben.

Zumindest, was die finale Stillegung angeht, war das so, ja. Dem Zeitgeist folgend wurde allerdings schon in der 2. Hälfte der 1960er-Jahre ein Großteil des Netzes stillgelegt. Nur eine Linie hielt bis 1985 durch.
In Bremerhaven wurde die vorletzte Strecke 1964 (Linie 3 nach Wulsdorf) stillgelegt. Die letzte wesentliche Neubaustrecke wurde 1927 eröffnet (wobei es noch eine weitere Planung im Zuge der heutigen Stresemannstraße gab, die wegen des 2. WK nicht umgesetzt wurde). Alle großen Neubaugebiete der Nachkriegszeit wurden daher gar nicht erschlossen, bzw. waren nur durch Umsteigen erreichbar. In Kiel dürfte es ähnlich gelaufen sein.

Der Fahrzeugpark war durchweg modern, allerdings gerade so ausreichend. Wenn eines der zuletzt nur 8 Fahrzeuge ausfiel, gab es SEV mit einem Gelenkbus. Abends und am Sonntag fuhren zuletzt generell nur Busse. Nach der Stilllegung gingen die restlichen Hansa-Wagen übrigens nach Bremen (wo man baugleiche Wagen beschafft hatte), die dann noch ca. 20 Jahre dort liefen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.06.2018 15:20 von Latschenkiefer.
Ziel dieser Liste ist natürlich, die sehr große Zahl deutscher Großstädte ohne "kommunale Schienen" wenigstens etwas mehr ins Bewußtsein der "Schienenfreunde" zu rücken.

1. Die Abgrenzung in "West" und Ost" ist natürlich politisch gemeint. Die Entwicklungen in "Alt-BRD" und "Ex-DDR" sind ja auch deutlich unterscheidbar - ironischerweise liegt die ehemalige DDR vorn. Wer mag, kann ja spaßhalber mal die Streckenkilometer aller "ostdeutschen" Betriebe ermitteln, und sie mit den Streckenkilometern aller französischen Betriebe vergleichen - in Frankreich gab es ja eine beachtliche Renaissance von Tramsystemen.

2. Die meisten Einstellungen gab es in den 1950er (in 7 Städten) und 1960er (in 10 Städten) Jahren. In vier Städten brauchte nichts stillgelegt werden - es gab nie eine Straßenbahn (Wolfsburg, Erlangen, Salzgitter und Göttingen - hier verhinderte der Erste Weltkrieg die Aufnahme des zum Teil schon gebauten Betriebs), in zwei Städten kam man über eine Pferdebahn nicht hinaus (Oldenburg (Oldb) - 1888) sowie Ingolstadt (- 1921).

3. Verglichen mit Frankreich gab es in unserem Land kein derart massives "Straßenbahnsterben", auch nicht in Westdeutschland. Umgekehrt gab es in den letzten Jahrzehnten aber auch kaum Bewegung in Richtung "mehr Straßenbahnstädte".

Mir fallen lediglich drei Großstädte ein, in denen die Straßenbahn (Stadtbahn) zurückkehrte (Oberhausen 1996, Saarbrücken 1997 und zuletzt Heilbronn (2001).

Immerhin sieht es aktuell etwas besser aus. In Erlangen, Wiesbaden, Reutlingen, Kiel und Regensburg stehen die Chancen für die Wiedereinführung einer Straßenbahn/Stadtbahn ganz gut.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.06.2018 18:32 von Marienfelde.
Bei Erlangen fällt mir spontan noch der fast sichere, und dann an zwei Ratsstimmen gescheiterte Aufbau eines gigantischen kommunalen Hängebahnsystems. Das wirkt aus heutiger Sicht total absurd und utopisch, aber ich habe eine große Schwäche für diesen 60er-70er-Jahre-Futurismus.
Hier sind ein paar sehr coole Dokumente dazu: http://www.hedayati.eu/h-bahn/hbahn.htm
Das Ende der Geschichte: Man hat bis heute die Probleme nicht in den Griff bekommen, erstickt im Busverkehr, und wendet sich nun anscheinend wieder der ganz 'konservativen' Tram zu.
Die größte Stadt ohne kommunalen Schienenverkehr ist übrigens Wiesbaden. Seit 1955 verfügt die Landeshauptstadt von Hessen, die 275.000 Einwohner zählt,
nicht mehr über eine Straßenbahn. Aktuell laufen gerade wieder Planungen zur Wiedereinfühung. Der Busverkehr der dort abgewickelt wird ist gigantisch: Die Haltestelle „Kirchgasse“ wird zwischen 7 und 8 Uhr laut Fahrplan 80-mal angefahren. Das entspricht einen durchschnittlichen Abfahrtsfolge von 45 Sekunden. Diese Haltestelle ist ebenso wie die Haltestelle der Gegenrichtung, „Luisenplatz“, mit zwei hintereinander liegenden Bussteigen aufgebaut, die es den Bussen ermöglicht, innerhalb der Haltestelle zu überholen.

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Logital bei Twitter.
Zitat
Logital
Die größte Stadt ohne kommunalen Schienenverkehr ist übrigens Wiesbaden. Seit 1955 verfügt die Landeshauptstadt von Hessen, die 275.000 Einwohner zählt,
nicht mehr über eine Straßenbahn. Aktuell laufen gerade wieder Planungen zur Wiedereinfühung. Der Busverkehr der dort abgewickelt wird ist gigantisch: Die Haltestelle „Kirchgasse“ wird zwischen 7 und 8 Uhr laut Fahrplan 80-mal angefahren. Das entspricht einen durchschnittlichen Abfahrtsfolge von 45 Sekunden. Diese Haltestelle ist ebenso wie die Haltestelle der Gegenrichtung, „Luisenplatz“, mit zwei hintereinander liegenden Bussteigen aufgebaut, die es den Bussen ermöglicht, innerhalb der Haltestelle zu überholen.

Was ist mit Münster? hat so weit ich weiß über 300.000 Einwohner.
Zitat
RathausSpandau
Zitat
Logital
Die größte Stadt ohne kommunalen Schienenverkehr ist übrigens Wiesbaden. Seit 1955 verfügt die Landeshauptstadt von Hessen, die 275.000 Einwohner zählt,
nicht mehr über eine Straßenbahn. Aktuell laufen gerade wieder Planungen zur Wiedereinfühung. Der Busverkehr der dort abgewickelt wird ist gigantisch: Die Haltestelle „Kirchgasse“ wird zwischen 7 und 8 Uhr laut Fahrplan 80-mal angefahren. Das entspricht einen durchschnittlichen Abfahrtsfolge von 45 Sekunden. Diese Haltestelle ist ebenso wie die Haltestelle der Gegenrichtung, „Luisenplatz“, mit zwei hintereinander liegenden Bussteigen aufgebaut, die es den Bussen ermöglicht, innerhalb der Haltestelle zu überholen.

Was ist mit Münster? hat so weit ich weiß über 300.000 Einwohner.

Richtig, siehe [de.wikipedia.org]ünster

Das Kopieren von Adressen funktioniert jetzt so gut wie nie mehr richtig.
Zitat
Henning
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RathausSpandau
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Logital
Die größte Stadt ohne kommunalen Schienenverkehr ist übrigens Wiesbaden. Seit 1955 verfügt die Landeshauptstadt von Hessen, die 275.000 Einwohner zählt,
nicht mehr über eine Straßenbahn. Aktuell laufen gerade wieder Planungen zur Wiedereinfühung. Der Busverkehr der dort abgewickelt wird ist gigantisch: Die Haltestelle „Kirchgasse“ wird zwischen 7 und 8 Uhr laut Fahrplan 80-mal angefahren. Das entspricht einen durchschnittlichen Abfahrtsfolge von 45 Sekunden. Diese Haltestelle ist ebenso wie die Haltestelle der Gegenrichtung, „Luisenplatz“, mit zwei hintereinander liegenden Bussteigen aufgebaut, die es den Bussen ermöglicht, innerhalb der Haltestelle zu überholen.

Was ist mit Münster? hat so weit ich weiß über 300.000 Einwohner.

Richtig, siehe [de.wikipedia.org]ünster

Das Kopieren von Adressen funktioniert jetzt so gut wie nie mehr richtig.

Ja, in meiner Liste ist auch Münster vor Wiesbaden der fragwürdige Sieger: [www.drehscheibe-online.de]

Dort gibt es leider auch keine S-Bahn, der Regionalverkehr der Bahn spielt für Münster selbst auch eine sehr marginale Rolle. Hohe Fahrradanteile, aber der Anteil des ÖV ist für so eine Stadt (nach deutschen Maßstäben) mit 10% verdammt niedrig. Hier besteht "eigentlich" Handlungsbedarf.

P.S.: Irgendein Link zu Wikipedia klappte bei mir vor kurzem auch nicht mehr. Demnach befand sich der Fehler ausnahmsweise einmal nicht vor dem Bildschirm?
Zitat
RathausSpandau
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Logital
Die größte Stadt ohne kommunalen Schienenverkehr ist übrigens Wiesbaden. Seit 1955 verfügt die Landeshauptstadt von Hessen, die 275.000 Einwohner zählt,
nicht mehr über eine Straßenbahn. Aktuell laufen gerade wieder Planungen zur Wiedereinfühung. Der Busverkehr der dort abgewickelt wird ist gigantisch: Die Haltestelle „Kirchgasse“ wird zwischen 7 und 8 Uhr laut Fahrplan 80-mal angefahren. Das entspricht einen durchschnittlichen Abfahrtsfolge von 45 Sekunden. Diese Haltestelle ist ebenso wie die Haltestelle der Gegenrichtung, „Luisenplatz“, mit zwei hintereinander liegenden Bussteigen aufgebaut, die es den Bussen ermöglicht, innerhalb der Haltestelle zu überholen.

Was ist mit Münster? hat so weit ich weiß über 300.000 Einwohner.

Stimmt, danke für die den Hinweis.

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Logital bei Twitter.
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Latschenkiefer
In Bremerhaven wurde die vorletzte Strecke 1964 (Linie 3 nach Wulsdorf) stillgelegt. Die letzte wesentliche Neubaustrecke wurde 1927 eröffnet (wobei es noch eine weitere Planung im Zuge der heutigen Stresemannstraße gab, die wegen des 2. WK nicht umgesetzt wurde). Alle großen Neubaugebiete der Nachkriegszeit wurden daher gar nicht erschlossen, bzw. waren nur durch Umsteigen erreichbar. In Kiel dürfte es ähnlich gelaufen sein.

Der Fahrzeugpark war durchweg modern, allerdings gerade so ausreichend. Wenn eines der zuletzt nur 8 Fahrzeuge ausfiel, gab es SEV mit einem Gelenkbus. Abends und am Sonntag fuhren zuletzt generell nur Busse. Nach der Stilllegung gingen die restlichen Hansa-Wagen übrigens nach Bremen (wo man baugleiche Wagen beschafft hatte), die dann noch ca. 20 Jahre dort liefen.

Schön, das Bremerhaven hier erwähnt wird, die Hansa - Gelenkwagen gehören bis heute zu den Straßenbahnen, die ich am meisten mag.

Noch ein paar Anmerkungen: In der Tat war die Linie 3 die vorletzte Linie, das Teilstück nach Wulsdorf wurde aber bereits 1960 eingestellt, weil man die Brücke über die Bahnanlagen zu den Fischerreihäfen erneuerte und sich den Einbau der Schienen "sparen" wollte. Sie fuhr dann nur noch zwischen dem Hbf und dem Bahnhof Lehe. 1964 wurde die Linie 3 dann komplett eingestellt und durch Busse ersetzt.

Die ab den 1950iger Jahren gebauten Großraumwagen und auch die in Bremen ab 1959 gebauten Hansa - Gelenkwagen hat Bremerhaven nicht beschafft und somit nicht nur nicht die Neubaugebiete angeschlossen, sondern es auch versäumt, aus der Bremerhavener Straßenbahn ein leistungsfähiges fassungsstarkes Verkehrsmittel zu machen. Was mir nicht ganz einleuchtet ist die Tatsache, das man für die letzte Straßenbahnlinie 2 vom Hbf zur Stadtgrenze Langen dann noch einmal Fahrzeuge anschaffte - 3 gebrauchte "Offenbacher Großraumwagen 1967, und 5 fabrikneue Hansa - Gelenkzüge 1968) Folgerichtig wäre eigentlich eine Einstellung der Straßenbahn bereits Mitte der 1960iger Jahre gewesen - oder deren Modernisierung und Ausbau.

Da man die letzten Altbauzüge 1977 ausmusterte, reichten die 8 Züge für den Planbetrieb nicht mehr aus, so dass ab 1978 auch tagsüber 2 Gelenkbusse im Plan mitliefen. In den Abendstunden, samstag ab ca 14 Uhr und Sonn- und Feiertags fuhr dann die Buslinie 1 von Debstedt bis nach Günhöfe, eines der Neubaugebiete, das keinen Straßenbahnanschluß mehr bekam, obwohl Bremerhaven Mitte der 1960 iger Jahre fast 150 000 Einwohner zählte.

Es war ein Sterben auf Raten, allerdings waren Wagen und Anlagen meines Erachtens nach so weit in Schuss, das ordentlich gefahren werden konnte und das teilweise recht rasant.

Die bei der Straßenbahn unterlassene Modernisierung wurde beim Busverkehr fortgesetzt, erst Anfang der 1990iger Jahre verfügte der Verkehrsbetrieb über eine ausreichende Zahl moderner und bequemer Busse.

Die Hansa - Züge liefen dann noch bis 1998 - also noch 15 Jahre in Bremen - kamen dann nach Timisoara in Rumänien. In diesem Jahr wären sie 50 Jahre alt geworden, 2010 habe ich noch einige von ihnen in Timisoara erleben können.
In Wiesbaen plant man die Wiedereinführung jetzt wohl konkret bis 2022, guckst Du:

[de.wikipedia.org]
Zitat
Marienfelde
Dort gibt es leider auch keine S-Bahn, der Regionalverkehr der Bahn spielt für Münster selbst auch eine sehr marginale Rolle. Hohe Fahrradanteile, aber der Anteil des ÖV ist für so eine Stadt (nach deutschen Maßstäben) mit 10% verdammt niedrig. Hier besteht "eigentlich" Handlungsbedarf.
Wer in Münster relativ zentrumsnah wohnt, ist mit dem Rad praktisch überall in maximal 15min. Daher greift man eigentlich in Münster primär zum Rad. Weiter draußen sind die Stadtteile eher mit vorgelagerten Kleinstädten zu vergleichen, so dass hier das Auto als Verkehrsmittel funktioniert.

Nichtsdestotrotz fehlt natürlich eine Straßenbahn/Stadtbahn in Münster, gerade weil die Stadt wächst wie verrückt.
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