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Hochbahnsteige auf der Limmerstraße - Chancen und Möglichkeiten für Hannovers kultigste Flaniermeile!
geschrieben von Jules 
Na, da hat der Herr Gardemin ja mal wieder eine tolle Idee. Und wie stellt er sich das mit den Ausgleichsflächen dann vor? Das Café oder der Imbiss, die jetzt ihren Außensitzplätze im Bereich der dann zu bauenende Hochbahnsteige haben, bekommen ihre Ausgleichfläche dann im neuen Teil einer erweiterten Fußgängerzone??? Anlieferung des Kaffees oder des Dönertellers dann mit der Linie 10 vom Café-Standort zur neuen Außensitzfläche? Eine wundervolle Idee, die den ÖPNV auf der Limma weiter stärken wird.... ach, Herr Gardemin.

Übrigens: Besser eine Rampe und ein Treppenaufgang als gar kein HBS! Ein Umweg bis zum nächsten HBS wäre noch weniger barierefrei.
Man schaue sich mal den HBS Allerweg an. Dort wurde damals die Rampe auch auf die Seite des Zugangs zum damaligen Krankenhaus Siloah gelegt, am anderen Aufgang befindet sich leider nur eine Treppe. Heute, wo sich das Klinikum an der Stadionbrücke befindet, ist die Hauptlastrichtung des HBS Allerweg der Abgang am Allerweg. Und dort ist leider keine Rampe. Hat sich bei der Region bisher auch niemand dafür interessiert, das vielleicht mal zu überarbeiten.
Dass es bei der Haltestelle Allerweg (früher Krankenhaus Siloah) nur an einem Ende eine Rampe gibt, ist auch deshalb ärgerlich, weil sich diese Rampe für die Fahrgäste, die in den 100/200er umsteigen wollen, am falschen Ende befindet. Andererseits steigen dort auch viele Besucher des Schützenplatzes aus und für die wiederum ist es angenehm, dass sich die Rampe an der Schützenplatz-zugewandten Seite befindet. Die Krankenhausbesucher wiederum steigen jetzt vermutlich überwiegend an der Haltestelle Stadionbrücke aus und da gibt es eine Rampe zum Krankenhausneubau hin. Aber leider nur an dieser einen Seite. Die Gesamtsituation dort an der Haltestelle Stadtdionbrücke ist aber auch so, dass die andere Seite nicht attraktiv als Abgang ist, weil es keine gesicherte Querungsmöglichkeit über die Ritter-Brüning-Straße gibt.
[www.google.de]

Auf der Limmerstraße sehe ich das ganz anders, da sollten an beiden Enden der Hochbahnsteige Rampen gebaut werden.

Das mit dem Flächen-Ausgleich funktioniert im besten Fall so, dass ein Café umzieht. Wenn die Fußgängerzone erst mal verlängert ist, dann wird es auch im neuen Teil sehr schnell viele neue Kunden geben, die die alten ersetzen werden, denen dann möglicherweise der Weg zu weit geworden ist.

Auch die HAZ vom 8.3.2019 berichtet über die Verlängerung der Fußgängerzone Limmerstraße:
"Die Bezirksratsfraktion in Linden-Limmer sucht nach einem Flächenausgleich für den an der Offensteinstraße geplanten Hochbahnsteig – und schlägt vor, den Verkehr weiträumig umzuleiten" [www.haz.de]



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.03.2019 18:22 von Jules.
Hier mal eine Animation, die zeigen soll, dass durch die Verlegung der Wartehäuschen auf den Hochbahnsteig Raum neben dem Hochbahnsteig frei wird. Auf dem 1. Bild ist das Wartehäuschen noch drin, auf dem 2. ist es dann wegretuschiert. Die Animation ist technisch nicht einwandfrei, aber sie zeigt, dass auch Entlastungseffekte durch den Hochbahnsteigbau einreten, weil die Fahrgäste der Stadtbahn dann oben auf dem Hochbahnsteig auf die Bahn warten werden.


Ich bin bei den km - Angaben nicht so sehr bewandert, deswegen lasse ich es mal aber als ich 1996 nach Hannover kam, wurde gerade die letzte "richtige" Straßenbahnlinie 16 stillgelegt, die damals nur noch zwischen dem Klagesmarkt und der Schleife Kleefeld, Nackenberg fuhr. Wenn ich mich recht erinnere, kam damals eine rege Diskussion in Gang, ob es sich nicht noch lohnen würde, ein zweites Niederflurnetz aufzubauen. Wie gesagt ich habe die km nicht im Kopf aber damals waren neben der Linie 10 auch noch die Linie 9, sowie weite Teile der 3/7 komplett Hochbahnsteigfrei - bzw es gab nur sehr wenige - , so daß man vermutlich gut 30 km auf einen Schlag hätte niederflurig betreiben können. Das wurde aber wegen angeblich zu hoher Kosten abgelehnt. Dabei hätte man die Chance gehabt, die Linien 9 und 10 nach Beseitigung der damals schon vorhandenen Hochbahnsteige niederflurig zu betreiben. Der Zoo wäre weiterhin direkt per Straßenbahn erreichbar gewesen und auch die Strecke Hbf - Aegi hätte erhalten bleiben können. Rechnet man pro Hochbahnsteig 3 Millionen Euro - keine Ahnung, was die wirklich kosten - so kommt da schon ein hübsches Sümmchen zusammen, ob die Niederflurvariante da wirklich so viel teurer geworden wäre, möchte ich bezweifeln.

Die Hochbahnsteige in der Limmerstraße sollten doch eigentlich nicht das Problem sein, wie hier schon angesprochen haben es andere Städte auch gelöst.


Was ich wirklich katastrophal finde, ist die neue Linienführung der 10 und die Vorgabe von 50 Meterbahnsteigen. Hier verbaut man sich die Möglichkeit, später einmal längere Züge einsetzen zu können. Wenn hier also der Platz nicht reicht hätte man wirklich lieber vor dem Steintor in einen Tunnel abtauchen sollen. Ich bin sonst auch nicht für Tunnel aber hier wäre es sinnvoll gewesen.
Zitat
Hansawagen
Hier verbaut man sich die Möglichkeit, später einmal längere Züge einsetzen zu können. Wenn hier also der Platz nicht reicht, hätte man wirklich lieber vor dem Steintor in einen Tunnel abtauchen sollen. Ich bin sonst auch nicht für Tunnel aber hier wäre es sinnvoll gewesen.
Hallo Hansawagen,
es hätte ja nichts genutzt, wenn man vor dem Steintor in den Untergrund abgetaucht wäre, denn die 70m langen Hochbahnsteige auf der Limmerstraße hätte man ja trotzdem errichten müssen. Und die passen dort vermutlich wirklich nicht in die Straße. Auch die 45 m langen Hochbahnsteige werden von vielen als unmögliche Zumutung empfunden. Die halte ich jedoch für unvermeidbar. Und ich halte es für möglich, diese so zu gestalten, dass sie die Limmerstraße und den Limmerstraßenflair nicht zerstören, wie viele befürchten. Bei 70 m langen Hochbahnsteigen wäre das sicher noch einmal deutlich schwerer, das vernünftig umzusetzen. Es sind drei kurze (45m) Bahnsteige in der Limmerstraße zu errichten. Wenn die jeder 70 m lang wären, dann sind das insgesamt 75 Meter mehr, also quasi wie ein vierter Hochbahnsteig.
Spannend finde ich, dass Sie davon berichten, dass Sie selbst in Hannover lebten, als die alte Zoostrecke abgebaut wurde. Wie wurde das denn damals von den Menschen empfunden, die davon betroffen waren? Ich kann mich auch noch an eine Fahrt mit der richtigen Straßenbahn zum Zoo erinnern, allerdings fuhr ich damals dort nur sehr sehr selten.

Sie schreiben ja auch, dass Sie die Niederflurbahn bevorzugen. Die Hochbahnsteige, die jetzt gebaut werden, die können alle in ca. 15 - 20 Jahren zu Niederflurbahnsteigen zurückgebaut werden, wenn diese Idee sich dann durchsetzt. Das große Missverständnis ist nach meiner Einschätzung, dass viele meinen mit der Einführung einer Niederflurbahn wäre es überflüssig, Bahnsteige zu bauen. Aber auch eine Niederflurbahn ist auf Bahnsteige angewiesen, um barrierefrei zu sein. Da die Niederflurbahnsteige kürzere Rampen haben, kann man sogar dann (nach einem Umbau von Hochbahnsteigen zu Niederflurbahnsteigen) den Einsatz längerer Züge erwägen.



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 17.03.2019 09:09 von Jules.
Hier eine Zeichnung vom geplanten Hochbahnsteig Küchengarten auf Grundlage der openstreetmap-Karte. ( [www.openstreetmap.de] )
Für das Einzeichnen des Hochbahnsteiges habe ich auf Angaben aus der Zeichnung zurückgegriffen, die in LINDEN punkt-linden.de im November 2017 veröffentlicht wurde. [punkt-linden.de]
Die dunkelgrauen Flächen am Rand der Hochbahnsteige sind die Haltestellenfläche der jetzigen Haltestelle Küchengarten, so wie sie bei openstreetmap.de eingezeichnet ist.
In dem zweiten Bild habe ich die alten Haltestellenflächen entfernt.


Hallo Jules,

ja sie haben recht, an die restliche oberirdische Strecke hatte ich gar nicht gedacht.....da hätte der D-Tunnel wirklich auch nichts genutzt. Also hätte man wohl noch einen weiteren Tunnel für die Limmerstraße gebraucht.

Ich kam im Juni 1996 der Arbeit wegen nach Hannover. Ja, wie war die Stimmung? Die 16 war da eigentlich nur noch ein Schatten ihrer selbst, fuhr mit solo - DüWaggelenkwagen im 15 - Minutentakt und war eigentlich nicht mehr wirklich voll. Das meiste spielte sich noch so zwischen Steintor und Zoo ab, es war ja die direkte Strecke zum Zoo und auf dem Weg dorthin war ja auch noch die Musikhochschule am Emmichplatz.

Die Einstellung wurde den Fahrgästen mit einer Taktverdichtung der Stadtbahnlinien versüßt, die nun im Berufsverkehr im 7-8 Minutentakt fuhren. Ich wohnte damals in der Nähe vom Herrenhäuser Markt, damals noch "Münterstr." genannt und da fuhr dann alle 3 Minuten eine Bahn, fand ich auch klasse.

Proteste gab es nicht, wie gesagt, die letzte Straßenbahn war eigentlich nahezu bedeutungslos. Es fuhren dann halt die Busse der Linie 128 und 134. Ab 1997 redete sowieso alles nur noch von der EXPO 2000 und der Zoo war ja nun über die Clausewitzstr. an das Stadtbahnnetz angebunden. Dabei wechselten sich die Linien 6 und 11 mehrmals ab oder war es der Nordast, wo man mehrfach die Linien tauschte - ich weiss es auch schon nicht mehr.

Abgebaut wurde die Strecke sowieso erst einmal nicht, es gab noch regelmässig Sonderfahrten mit den Museumswagen auf der alten 16, glaub einmal im Monat oder so. Da bin ich auch noch öfter mitgefahren. Irgendwann war dann schon die Schleife am Klagesmarkt abgehängt und die Züge wendeten dann am Goetheplatz.

1998 / 99 wurde dann die Zoostrecke durch Ausbau der Weichen abgehängt, die Schienen blieben aber noch einige Jahre liegen.

Ich erinnere mich auch, das es noch bei meinem Rückzug nach Berlin 2003 noch recht wenig Hochbahnsteige gab, das wurde erst ab dieser Zeit massiver angegangen.

Im Gegensatz zu Stuttgart hat Hannover erst sehr spät begonnen, massiv Hochbahnsteige zu bauen. So wurde beispielsweise die Strecke nach Stöcken im Jahre 1985 auf Stadtbahnbetrieb - damals Linie 1 und 2 - umgestellt und die Bahnsteige aber nur als Niedrigbahnsteige ausgeführt. Es gab auf der Strecke keinen einzigen Hochbahnsteig ausser an den Tunnelstationen! Stuttgart hat da gleich immer Fakten geschaffen und bei Umstellung auf Stadtbahn konsequent Hochbahnsteige errichtet.

Liebe Grüße
"Die heute im Betrieb befindlichen Straßenbahnen aus den frühen 1980er Jahren sind 2015 technisch abgeschrieben. Wegen des technischen Fortschritts und um die Bahnen besser in das HANNOVERANER Straßenbild zu integrieren, kombiniert mit möglichen Verlängerungen nach HEMMINGEN und zu anderen Zielen, beabsichtigt die ÜSTRA die heutigen Bahnen durch Niederflurbahnen zu ersetzen, was etwa 2020 geschehen soll.
Im Jahr 2007 war eine Bahn aus Mülhausen zu Besuch in HANNOVER. Diese Citadis-Bahn sollte für den autofreien Sonntag werben. Außerdem wurde so eine Niederflurbahn der Öffentlichkeit vorgestellt."
ACHTUNG DIE GROSS GESCHRIEBENEN WÖRTER SIND ABSICHTLICH VERÄNDERT GEGENÜBER DEM ORIGINALZITAT!

Hier ist (leider?) nicht von der Stadtbahn Hannover die Rede, sondern an Stelle von HANNOVER usw. steht Utrecht. In Utrecht beabsichtigt man also ab 2020 auf Niederflurbetrieb umzustellen. Quelle: wikiwand.com [www.wikiwand.com]
Hier das Originalzitat: Die heute im Betrieb befindlichen Straßenbahnen aus den frühen 1980er Jahren sind 2015 technisch abgeschrieben. Wegen des technischen Fortschritts und um die Bahnen besser in das Utrechter Straßenbild zu integrieren, kombiniert mit möglichen Verlängerungen nach de Uithof und zu anderen Zielen, beabsichtigt die BRU die heutigen Bahnen durch Niederflurbahnen zu ersetzen, was etwa 2020 geschehen soll.

Im Jahr 2007 war eine Bahn aus Mülhausen zu Besuch in Utrecht. Diese Citadis-Bahn sollte für den autofreien Sonntag werben. Außerdem wurde so eine Niederflurbahn der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es ist schon ärgerlich, das es anderen Stadtbahnbetreibern anscheinend möglich ist, auf Niederflur umzustellen, während in Hannover diese Perspektive (bislang?) ausgeschlossen wird.

Leider war ich noch nie in Utrecht und ich weiß nicht, ob es dort auch Hochbahnsteige in engen Straßenlagen gibt und wie die sich dort bewährt haben. Der geplante Systemwechsel in Utrecht von Hochflur auf Niederflur spricht jedoch eher dafür, dass man in Utrecht die Hochbahnsteige kritisch sieht.

Kurios: Derzeit fahren in Utrecht Verstärkerbahnen der Wiener Linien. Die alten Wiener Hochflurstraßenbahnwagen wurden im Türbereich so umgebaut, dass sie an den Hochbahnsteigen halten können. "Bevor die Straßenbahn in Utrecht voll eingesetzt werden konnte, mussten die Wagen noch umgebaut werden. In Rotterdam wurden die drei Stufen zur Tür verkürzt, in Amsterdam erhielten die Wagen eine frische Lackierung. Darauf kamen dann eine niederländische Beschriftung und wieder das originale Logo der Wiener Linien. Im Dezember 2009 trat die Wiener Straßenbahn in Utrecht ihren Dienst an. "Der überwiegende Teil der Reaktionen der Passagier ist positiv", ..." Quelle: Wiener Zeitung vom 5.11.12 [www.wienerzeitung.at]

Wer weiß, falls es in Hannover mal zu einem Engpass kommen sollte, dann könnten ja vielleicht hier die alten Wiener Straßenbahnwagen eingesetzt werden, die für Utrecht auf Hochnahnsteig-Betrieb umgebaut wurden?

Vielen Dank, Hansawagen, für die Schilderung vom Ende der Zoostrecke. Ich vermute, dass es heute mehr Widerspruch gegen den Abbau der oberirdischen Straßenbahnstrecke gegeben hätte.
Wie geht denn Utrecht mit vorhandenen Tunnelstationen um und wie stellst Du Dir dann den Umbau der 18 Tunnelstationen in Hannover vor?
Zitat
TWhanno
Wie geht denn Utrecht mit vorhandenen Tunnelstationen um und wie stellst Du Dir dann den Umbau der 18 Tunnelstationen in Hannover vor?

Zunächst wäre mal zu klären, wie hoch die Bahnsteigkante sein soll. Mal angenommen es sollen Fahrzeuge mit 30cm hoher Einstiegskante zum Einsatz kommen, dann könnten die Gleise in den Tunnelstationen um 50cm höher gelegt werden und es müssten Stadtbahnen zum Einsatz kommen, die 50 cm niedriger sind als die heutigen Fahrzeuge.
Zitat
Jules
Zitat
TWhanno
Wie geht denn Utrecht mit vorhandenen Tunnelstationen um und wie stellst Du Dir dann den Umbau der 18 Tunnelstationen in Hannover vor?

Zunächst wäre mal zu klären, wie hoch die Bahnsteigkante sein soll. Mal angenommen es sollen Fahrzeuge mit 30cm hoher Einstiegskante zum Einsatz kommen, dann könnten die Gleise in den Tunnelstationen um 50cm höher gelegt werden und es müssten Stadtbahnen zum Einsatz kommen, die 50 cm niedriger sind als die heutigen Fahrzeuge.

Ich habe mal auf urbanRail.net (sind auch einige Bilder dort) und Wikipedia gespickt:

* keine Tunnelstationen
* eine Strecke auf eigenem Bahnkörper, die jetzt erweitert werden soll.

Das kann man mit Hannover nur bedingt vergleichen.

BTW: eine vierspurige Straße ist normal, Die Raschplatz-Hochstraße eben mal da, die Aegi-Hochstraße Kult, aber die Hochbahnsteige die teuflischen Zwillingsbrüder der Berliner Mauer? Ich komm da nicht mehr mit.



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.03.2019 07:05 von laufer.
Zitat
laufer
BTW: eine vierspurige Straße ist normal, Die Raschplatz-Hochstraße eben mal da, die Aegi-Hochstraße Kult, aber die Hochbahnsteige die teuflischen Zwillingsbrüder der Berliner Mauer? Ich komm da nicht mehr mit.

Ende der 90er-Jahre wurde die Aegi-Hochstraße (ENDLICH!) abgerissen. Einerseits hatte der Zahn der Zeit schon mächtig an dem hässlichen Konstrukt genagt, das ursprünglich nur als provisorische Brücke für die Zeit während des U-Bahn-Baus gebaut wurde. Andererseits hatte die Nord-LB für den Bau ihres großen Glas-Hochhauses am Friedrichswall direkt neben dem Rathaus es zur Bedingung gemacht, dass die Aegi-Hochstraße wegkommt. Die hätte nämlich die Sicht auf das Bauwerk erheblich eingeschränkt. Das wog dann letztlich schwerer als der eigentliche Grund: Dieses abscheuliche Bauwerk wurde von immer mehr Menschen als das empfunden, was es eigentlich immer schon war, nämlich hochgradig abscheulich und Stadtbild-verschandelnd.
Allerdings sahen das die Autofahrer stets ganz anders. Und wie das bei Autofahrer-Themen häufig der Fall ist, ließen es sich bestimmte Parteien nicht entgtehen, den schon lange überfälligen Abriss der Aegi-Hochstraße zur Stimmungsmache zu missbrauchen. Da gab es Politiker, die wollten zur Beweis der Stabilität auf einem Elefanten über die Hochstraße reiten, von der schon längst riesige Rost-Fladen herunterfielen, so dass an bestimmten Stellen unter der Hochstraße Flächen gesperrt wurden.
Dass diese Bau-Schande überhaupt so lange Bestand hatte, ist ein Beleg dafür, dass in Hannover sehr lange ein Zeitgeist vorherrschte, der die Autofahrerei über alles lobte und der jede der damit verbundenen Einschränkungen für alle Bürger, besonders für die Nicht-Autofahrenden, als Lapalie abgetan hat.

Letztlich sind ja auch die Hochbahnsteige ein solches Unding, dass der Automania der Hannoveraner geschuldet ist. Wenn man sich die ursprünglichen U-Bahn-Baupläne mal anschaut, dann wird schnell klar, dass sehr viel mehr und längere unterirdische Strecken gebaut werden sollten, als dann tatsächlich entstanden. Schließlich konkurrierte Hannover um den Titel Autofahrerfreundlichste Stadt Deutschlands ganz vorne mit. Siehe auch "Das Wunder von Hannover" Spiegel vom 3.6.59: "Wenn sie (die Bauarbeiten) fertig sind, können die Autofahrer aus Richtung Ruhrgebiet - was kaum in einer anderen deutschen Stadt möglich ist - unbehindert durch Kreuzungen oder Ampeln mit unbeschränkter Geschwindigkeit bis zum Stadtkern preschen; über einen Verkehrskreisel werden sie dann auf den doppelbahnigen Innenstadtring geschleust, auf dem sie ihr Ziel in der City ansteuern." [www.spiegel.de] Solch kühnen Autofahrerplänen war die Straßenbahn natürlich ein Graus, die musste dafür unter die Erde verbannt werden, damit sie den kühnen Autofahrer-Phantastereien nicht im Wege ist.

An barrierefreie Bahnsteige dachte damals fast niemand. Viele U-Bahnstationen wurden deshalb auch zunächst gar nicht barrierefrei gebaut. (keine Aufzüge zum Teil nicht mal Rolltreppen) Und die Stadtbahnen bekamen die heute noch auf einigen Strecken unverzichtbaren "Klapptrittstufen". Oberirdische U-Bahn-Stationen mit ebenerdigem Zugang sollte es - so war es ursprünglich geplant - nur weit außerhalb der Innenstadt geben. Die U-Bahn-Strecken sollte komplett getrennt vom übrigen Verkehr gebaut werden, inklusive zahlreichen Unterführungen, Überführungen und natürlich vielen Kilometern Tunnelstrecken. Meines Erachtens gab es in Hannover bei vielen Entscheidungsträgern ein sehr starres und dogmatisches Festhalten an den genannten Prinzipien, so dass die auf der Hand liegende Änderung zu einem Niederflur-Stadtbahn-System systematisch verschleppt wurde. Inzwischen dürfte es den meisten Entscheidungsträgern klar sein, dass statt der ursprünglich mal erhofften U-Bahn-Stationen oberirdische Hochbahnsteige gebaut weden müssen. (Auch wenn die CDU mal wieder so tut, als sei eine U-Bahn unter der Limmertraße das mittel der Wahl.)

Trotzdem würde ich nicht so weit gehen, den Hochbahnsteig als "teuflichen Zwillingsbruder der Berliner Mauer" zu bezeichnen. Ich hatte ja weiter oben schon beschrieben, dass ein Umbau der Tunnelstationen durch Höherlegen der Gleise vielleicht eine Möglichkeit darstellt, den Umbau auf Niederflur zu bewerkstelligen. Dann könnte der von dir so bezeichnete "teufliche Zwillingsbruder der Berliner Mauer" auf ein Maß zurecht gestutzt werden, der weniger als heute eine sichtbare Barriere darstellt.

Bis dahin (und das kann durchaus noch zwei bis drei Jahrzehnte dauern) sind allerdings Hochbahnsteige das Mittel der Wahl, um Barrierefreiheit herzustellen. Und wenn wir alle verbal mal ein bisschen abrüsten und die ohnehin grenzwertigen teuflichen Zwillingsbrüder-Vergleiche mal stecken lassen, dann sollte es auch auf der Limmerstraße gelingen (und an der Haltestelle Nieschlagstraße und an der Haltestelle Lindener Marktplatz...) städtebaulich anspruchsvolle Hochbahnsteige zu errichten.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 26.03.2019 11:08 von Jules.
Vergleich:
Die TW3000-Hochflurfahrzeuge haben eine Fahrzeughähe von 3,75 Meter. [de.wikipedia.org]
Im Vergleich dazu haben die Niederflurfahrzeuge der Saarbahn in Saarbrücken lediglich eine Fahrzeughöhe von 3,36 Meter. [de.wikipedia.org]

Das ist jetzt noch nicht ein halber Meter niedriger, aber immerhin 39 cm niedriger. Und die Saarbrückener Fahrzeuge sind wie der TW 3000 ebenfalls 2,65 m breit und können ebenfalls zu 75 m langen Zügen zusammengestellt werden. Daran kann man sehen, es gibt Niederflur-Stadtbahnfahrzeuge, die deutlich niedriger sind als die TW3000-Hochflurfahrzeuge in Hannover. Von dieser Seite aus betrachtet sollte es möglich sein, in Hannover vorhandene Tunnel-Haltestellen durch Höherlegen der Gleise für Niederflurbahnen gangbar zu machen, so dass einmal eines Tages ganz Hannover auf Niederflurbahn-Stadtbahnbetrieb umgestellt werden kann. Wenn das auch vermutlich sehr viel aufwendiger ist, als in Utrecht, wo es keine Tunnelstrecken gibt. (Wie "laufer" herausgefunden hat.)

Trotzdem muss es natürlich in Hannover jetzt erst mal darum gehen, die noch nicht mit Hochbahnsteigen ausgestatten Haltestellen entsprechend nachzurüsten.
An diesem Bild einer Niederflurbahn-Haltestelle der Saarbahn in Saarbrücken kann man übrigens sehen, dass auch ein Niederflurbahnsteig ein Sichthindernis sein kann. Nämlich dann, wenn er wie im vorliegenden Fall mit einem hohen Geländer ausgestattet wird. Und das Geländer mit getrübten Glasflächen getaltet ist, so dass man mehr schlecht als recht hindurchschauen kann. Und eine physiche Barriere ist ein solches Geländer in einem noch höheren Maße als ein Hochbahnsteig in Mittellage, so wie für die Limmerstraße in Hannover vorgesehen.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 26.03.2019 12:12 von Jules.


Zitat
Jules
Trotzdem muss es natürlich in Hannover jetzt erst mal darum gehen, die noch nicht mit Hochbahnsteigen ausgestatte[en]n Haltestellen entsprechend nachzurüsten.

full ACK

Ich habe bis 1987 in Hannover gewohnt und die in rotem Klinker gebauten Hochbahnsteige in Empelde und Roderbruch nie als störend, sondern als zu Hannover und zur Corporate Identity der Üstra passend empfunden.

Die BUSStops fand ich genial und hatte mir immer gewünscht, auch Stadtbahnstationen so auszustatten.


Zitat
Jules
An diesem Bild [...] kann man übrigens sehen, dass auch ein Niederflurbahnsteig ein Sichthindernis sein kann. Nämlich dann, wenn er wie im vorliegenden Fall mit einem hohen Geländer ausgestattet wird. Und eine physiche Barriere ist ein solches Geländer in einem noch höheren Maße als ein Hochbahnsteig in Mittellage, so wie für die Limmerstraße in Hannover vorgesehen.

Wo ist das Problem?

Manchmal ist ein großer Platz eben nicht eine Freifläche, sondern eine Leere.

Eine Station soll eben nicht die Straßenseiten miteinander verbinden, sondern den Wartenden Schutz gegen die Elemente (Dächer), aber auch gegen den Straßenverkehr mit einem Geländer, einer Glasscheibe, aber auch mit roten Klinkerwänden, geben. Das ist doch gut! Wenn man Sie aufgrund ihrer Farbe und auffälligen Form gleich als Bahnstation erkennt, umso besser!

Die Mittelbahnsteige mögen manchmal ihre Vorteile haben. An der Benno-Ohnesorg-Brücke (für mich immer Schwarzer Bär) ist mir das zu eng, zu hügelig und zu zugig. Ich weiß nicht, wie ich (als verhinderter Stadtbahnbauer und -planer) das hier gelöst hätte. Evtl. mit noch einer Fahrspur weniger oder indem ich die Stadtbahn irgendwie durch die Blumenauer Str und dann durch's Ihmezentrum gejagt hätte.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 26.03.2019 14:36 von laufer.
Zitat
laufer
Zitat
Jules
Trotzdem muss es natürlich in Hannover jetzt erst mal darum gehen, die noch nicht mit Hochbahnsteigen ausgestatte[en]n Haltestellen entsprechend nachzurüsten.

full ACK

Ich habe bis 1987 in Hannover gewohnt und die in rotem Klinker gebauten Hochbahnsteige in Empelde und Roderbruch nie als störend, sondern als zu Hannover und zur Corporate Identity der Üstra passend empfunden.

Sowohl am Küchengarten als auch in Höhe Edeka, wo der zweite Hochbahnsteig in der Fußgängerzone Limmertraße entstehen soll, gibt es in den Seitenräumen der Gleistrasse eine rote Ziegelsteinpflasterung. Vielleicht sollte die auch als Belag für die Rampen und den Hochbahnsteig gewählt werden. Auf dem Hochbahnsteig Nackenberg habe ich das gesehen. Hier ein Foto von der Limmerstraße und ein weiteres vom Hochbahnsteig Nackenberg:


Das Thema ist durch - kann die Feuerwehr noch den Bau der Hochbahnsteige ausbremsen?

So könnte man diesen HAZ-Artikel vom 12.5.19 zusammenfassen: "Bau der Hochbahnsteige auf der Limmerstraße beginnt im Sommer 2021"
[www.haz.de]
Darin heißt es, dass 2021 mit dem Bau des Hochbahnsteiges in der Nähe des Lindener Freizeitheimes begonnen werde. Und zu den beiden Hochbahnsteigen in der Fußgängerzone sagt Infra-Geschäftsführer Christian Weske: "Weitaus komplexer sind die Vorbereitungen für die beiden anderen Bahnsteige, die in der Fußgängerzone vorgesehen sind – dort ist ein Baustart erst im Sommer 2022 möglich. Weske machte deutlich, dass es bis dahin nur noch um die Detailplanung geht. Die Entscheidung für die drei Standorte sei unumstößlich: „Das Thema ist durch.“ "

Das heißt jedoch nicht, dass das Thema auch hier im Forum "durch" sein muss. Dieser Themenstrang kann nun vor allem der Dokumentation des Baugeschehens und zur Diskussion der Detailplanung dienen.

Und dann wird in dem HAZ-Artikel ja auch noch auf die Feuerwehr hingewiesen: "Hochbahnsteige dürften die Rettungseinsätze nicht behindern. Um die Lage in der Limmerstraße hinreichend zu beurteilen, fehlten noch die Grundlagen."
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