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Bus und Bahn fahren in Zeiten von Corona
geschrieben von Jules 
Bus und Bahn fahren verstärkt die Grippegefahr - sagen die einen.
Wer regelmäßig Bus und Bahn fährt ist besser gegen Grippe geschützt - sagen die anderen.
"Wer Angst vor Erkältungen hat, sollte möglichst nicht Bahn fahren. Oder auch gerade, denn wer regelmäßig den ÖPNV nutzt, stärkt am Ende sogar sein Immunsystem." Quelle: "Bus und Bahn: Häufiges Fahren stärkt das Immunsystem" focus-online vom 6.10.2011
[www.focus.de]

Vermutlich spielen ganz andere Faktoren eine sehr viel ausschlaggebendere Rolle für die Gefahr an einer Grippe zu erkranken und auch dafür wie schwer der Krankheitsverlauf ist. Der allgemeine Gesundheitszustand und die körperliche Fitness etwa.

Gilt das auch für die akute Gefahr, die von dem neuen Corona-Virus SARS-CoV-2 ausgeht, der gerade zu einer Einschränkung des öffentlichen Lebens in einem Umfang beiträgt, für den mir kein Vergleich einfällt. Für den ÖPNV und das Verkehrsgeschehen insgesamt könnte man vielleicht diverse Stürme nennen. Aber das waren Tagesereignisse, oder Ereignisse, die nur wenige Tage andauerten.

Die aktuell getroffenen Vorbeugemaßnahmen übertreffen jedenfalls in ihrer Intensität das, was ich bisher erlebt habe. Generelle Schulschließungen und das Einstellen des Bundesligabetriebes etwa. Und auch im ÖPNV gelten seit gestern in Hannover (und vielen anderen Städten) Vorbeugemaßnahgmen, die ich so noch nicht erlebt habe.

Begründet werden diese Vorbeugemaßnahmen damit, dass die Ausbreitung des neuen Corona-Virus möglichst stark verzögert werden muss, um sicher zu stellen, dass nicht so viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken, so dass die angemessene medizinische Versorgung der Erkrankten nicht mehr möglich wäre.

Daher sind die Maßnahmen zu begrüßen und überhaupt ist die von der Bundesregierung ausgesprochene Empfehlung, die direkten sozialen Kontakte zu reduzieren, wirklich ernst zu nehmen.

Damit ist aber sicher nicht gemeint, dass sich alle komplett in ihre Wohnung zurückziehen sollen, die Fenster und Rolläden schließen und so lange auf Tauchstation gehen sollen, bis Entwarnung gegeben wird. Alleine schon die Aufrechterhaltung des Arbeitslebens ist unabdingbar damit verbunden, dass Fahrten zum Arbeitsplatz stattfinden. Und die nötigenfalls auch mit dem ÖPNV.

Sollte man einen Mundschutz tragen?
Dazu Prof. Dr. Petra Gastmeier, Leiterin am Institut für Hygiene an der Berliner Charité in einer sehr hörenswerten podcast-Reihe, die unter anderem auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums veröffentlicht ist:
Frage: "Brauche ich jetzt einen Mundschutz?
Antwort: "Zur Prophylaxe braucht man keinen Mund-Nasenschutz. Es hat sich gezeigt, dass ein Tragen eines Mund-Nasenschutzes nicht vorbeugend wirksam ist für den Erwerb der Coronavirus-Infektion. (...)"

Frage: "Helfen Desinfektionsmittel?"
Antwort: "Wenn man Kontakt hatte zu möglicherweise infizierten Patienten oder wenn man zum Beispiel in der U-Bahn die Griffstangen berührt hat, dann macht es Sinn – sofort, wenn man nach Hause kommt oder wenn man auf dem Arbeitsplatz angelangt ist – eine gründliche Händewaschung durchzuführen. Es macht keinen Sinn, unbedingt eine Händedesinfektion durchzuführen."
[www.bundesgesundheitsministerium.de]

Das Fahrpersonal, das den ganzen Tag direkten Kundenkontakt hat und außerdem durch den ihm übertragenen Fahrkartenverkauf gezwungen ist, mit den Kunden zu sprechen, wird jedoch derzeit zu Recht angeschirmt. Nicht nur deshalb damit das Fahrpersonal selbst nicht angesteckt wird. Vielmehr wird so auch verhindert, dass andere angesteckt werden, denn die Ansteckungsgefahr besteht bereits Tage bevor erste Symptome einer Erkrankung auftreten.

Die Üstra informiert auf ihrer Internetseite: "Kein Einstieg an der vorderen Tür der Busse - Der Ein- und Ausstieg in die Busse der ÜSTRA ist nur noch durch die hinteren Türen möglich. Zudem wird die erste Sitzreihe in den Fahrzeugen abgesperrt. In diesem Zuge wird der Fahrscheinverkauf beim Fahrpersonal ebenfalls eingestellt. Als Alternative können Fahrscheine an den Fahrkartenautomaten oder online über die GVH App gekauft werden."
Quelle: [www.uestra.de]

Nicht nur bei der Üstra, sondern auch beim Unternehmen Regiobus, das unter anderem drei Sprinter-Linien bedient, die bis in die Innenstadt führen, hat man entsprechende Vorbeugemaßnahmen getroffen. Siehe Foto:


Die Maßnahmen um das Fahrpersonal zu schützen sehen zwar grausam aus, sind aber letztlich doch vernünftig. Dass man die üblichen Hygieneregeln einhält, ist ebenso vernünftig.
Aber dass in der Region Hannover der ganze Fahrplan auf einen sehr dünnen Notfahrplan heruntergefahren wird, das ist Irrsinn! Man scheint davon auszugehen, dass ab Montag nicht nur die Schüler nicht fahren, sondern auch kaum noch jemand zur Arbeit fährt. Anders ist der generelle Viertelstundentakt auf den Stadtbahnen nicht zu erklären. Aber wie man es auch aus den Ferien kennt, wo zwar die Bahnen gekürzt werden, aber trotzdem der volle Fahrplan gefahren wird, werden die Bahnen voll sein.
Jetzt, bei einem Drittel weniger Fahrten, wird es sicher noch viel voller. Und das ist in Zeiten einer großen Ansteckungsgefahr absolut kontraproduktiv.
Es wird sicher nur noch kurze Zeit dauern, bis auch das öffentliche Leben in Deutschland noch weiter heruntergefahren wird. Das Verhalten der Deutschen ist einfach viel zu egoistisch, um auf freiwilliger Basis die Verbreitung einzudämmen. Leider!
Jetzt sieht es erst mal so aus, dass die Betroffenheit groß zu sein scheint und angeordnete Maßnahmen und dringende Empfehlungen auch tatsächlich befolgt werden.
Wenn jedoch TWhannos Bedenken zutreffen, und erstmal eine längere Phase der Vermeidung von sozialen Kontakten inklusive Bus- und Bahnnutzung stattgefunden hat, dann könnte das bedeuten, dass es eng wird in Bussen und Bahnen, wenn nämlich zunehmend mehr Menschen es für nicht mehr so wichtig halten, die empfohlenen Vorbeugemaßnahmen einzuhalten.
Ich finde aber auch, dass man erst mal darauf vertrauen sollte, dass die Menschen die dringend empfohlenen Maßnahmen auch einhalten.

Schließlich stellt sich die Frage der Fahrkartenkontrolle.
Ein Fahrkartenkontrolleur ist ein extrem gefährdetes mögliches Ansteckungsopfer.
Wenn Busfahrer wie beschrieben und im Foto zu sehen abgeschirmt werden, dann darf es auch keine Fahrkartenkontrollen mehr geben. Zumindest nicht in der bisherigen Form, in der Fahrkartenkontrolleure durch Busse und Bahnen gehen und sich die Fahrscheine vorzeigen lassen.
Damit werden nicht nur die Fahrkartenkontrolleure gefährdet, sondern auch die Fahrgäste! Denn ein Ansteckungsopfer wird, zumindest zunächst unbemerkt, zum Ansteckungsherd.

Wenn jedoch durch den Verzicht auf Fahrkartenkontrollen quasi Gratis-ÖPNV stattfindet, dann könnte das die Zahl der ÖPNV-Nutzer nach oben schnellen lassen. Ich vermute jedoch nicht, dass das passieren wird, auch dann nicht, wenn die Verkehrsunternehmen bis auf Weiteres auf Fahrkartenkontrollen verzichten.

Man wird in diesem Zusammenhang auch das Geschehen auf den Straßen im Auge behalten müssen. Es könnten sich leichtfertige Zeitgenossen veranlasst sehen, jetzt mal richtig Gas zu geben. Die Straßen sind ja ungewöhnlich leer. Aber ich glaube auch da wird überwiegend die Vernunft obsiegen.

Und hoffentlich auch über den Tag hinaus!
Zitat
Jules
Schließlich stellt sich die Frage der Fahrkartenkontrolle.
Ein Fahrkartenkontrolleur ist ein extrem gefährdetes mögliches Ansteckungsopfer.
Wenn Busfahrer wie beschrieben und im Foto zu sehen abgeschirmt werden, dann darf es auch keine Fahrkartenkontrollen mehr geben. Zumindest nicht in der bisherigen Form, in der Fahrkartenkontrolleure durch Busse und Bahnen gehen und sich die Fahrscheine vorzeigen lassen.

Das sehe ich allerdings auch so, wovor man die Fahrpersonale schützen möchte, dem sollte man die Kontrollpersonale nicht aussetzen. Alles andere würde eine verschiedene Wertvorstellungen der beiden Berufe/Berufsgruppen und Personale suggerieren. Allerdings, wie hier bereits zu lesen war, haben EVU ja bereits Zugbegleitpersonale angewiesen, nicht zu kontrollieren.
Selbst, wenn nicht mehr kontrolliert werden würde, würde so etwas kein Verkehrsbetrieb offiziell bekanntgeben!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.03.2020 12:10 von TWhanno.
Zitat
TWhanno
Selbst, wenn nicht mehr kontrolliert werden würde, würde so etwas kein Verkehrsbetrieb offiziell bekanntgeben!

Das steht ja auf einer anderen Seite. Behauptet habe ich auch nicht, dass so etwas 'offiziell bekanntgegeben wurde/wird'. Nur die Kontrollen an sich wären schwer begründ- und vertretbar.
"Berlin - Die Deutsche Bahn wird in den nächsten Tagen ihren Regionalverkehr deutlich einschränken. Damit reagiert das Unternehmen auf die geringe Zahl an Fahrgästen als Folge der Coronavirus-Krise, wie eine Sprecherin in Berlin sagt.
Die Zahl der Züge werde schrittweise an die sinkende Nachfrage angepasst. Ein «Notfahrplan» sei das nicht.
Außerdem kontrollieren die Zugbegleiter in den Regionalzügen bis auf weiteres die Fahrkarten nicht mehr. Dies geschehe zum Schutz von Fahrgästen und Mitarbeitern, sagte die Sprecherin." Quelle: Internetseite mittelhessen.de, 15.3. 2020
Bahn schränkt Regionalverkehr ein - Keine Ticket-Kontrolle
[www.mittelhessen.de]

Die Sprecherin der Deutschen Bahn gibt also offiziell bekannt, dass keine Kontrollen mehr durchgeführt werden. Aber das heißt ja nun wiederum auch nicht, dass deshalb jeder Bahn zum Nulltarif fahren darf.
Es ist meiner Meinung nach nicht gut dass Busse und Bahnen eingeschränkt werden - selbst wenn die Fahrgastzahlen sinken sollte der normale Fahrplan weitergefahren werden, weil halbleere Busse und Bahnen ja auch eine niedrigere Ansteckungsgefahr bedeuten. Wenn die Fahrgastzahlen sich halbieren, und nur noch das halbe Angebot gefahren wird, würde es weiter so voll wie immer sein...
Das ist schon in Ordnung, wenn die Angebote eingeschränkt werden.
Es soll ja auch niemand verleitet werden, unnötige Fahrten zu machen, weil plötzlich die Züge so schön leer sind.
Schade ist halt, dass man sich nicht mehr so ungezwungen unterhalten kann, wegen der Ansteckungsgefahr.
Allerdings sollten auch auf den Straßen Einschränkungen stattfinden.
Grundsätzlich nur noch max. Tempo 100 auf der Autobahn. (So wie jetzt in den Niederlanden.)
Und auf den Landstraßen und in den Städten ist das generelle Tempolimit zu reduzieren.
Dann entstehen weniger schwere Unfälle.
Auch das entlastet die Bettenkapazitäten in den Krankenhäusern!

Einschränkungen auch bei den Apotheken, Hannover, Montag, 17.3.2020:



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 17.03.2020 07:17 von Jules.


Weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens wurden für heute angekündigt:
NDR, 17.3.2020:
"Das öffentliche Leben in Hamburg wird weiter eingeschränkt. Nach Schulen, Kitas, Theatern und Museen schließen nun auch die meisten Geschäfte des Einzelhandels. Das kündigte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Montagabend in der Hansestadt an - unter Berufung auf neue Absprachen zwischen Bund und Ländern. Offenbar soll diese erweiterte Allgemeinverfügung bereits ab heute gelten."
[www.ndr.de]

"Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich."
Schabowskis berühmte Aussage zum Ende der Reisebeschränkungen der ehemaligen DDR ins Gegenteil verkehrt. Quelle: [de.wikipedia.org]

Andere Einschränkungen wurden bereits gestern, am Montag, 16.3.2020, durchgeführt:
"Alle norddeutschen Küstenländer sperren wegen der Ausbreitung des Coronavirus ab Montag ihre Inseln für Touristen.
Darauf haben sich die Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen verständigt, wie die Staatskanzlei in Schwerin mitteilte."
aus: Südwestpresse online, 16.3.2020, "Alle norddeutschen Inseln werden für Touristen gesperrt"
[www.swp.de]
"Am Sonntag, den 22. März 2020 haben Bund und Länder ein Kontaktverbot für mehr als zwei Personen beschlossen. Deshalb sind von morgen an Zusammenkünfte und Ansammlungen in der Öffentlichkeit von mehr als zwei Personen verboten. Ausgenommen ist die sogenannte Kernfamilie sowie Lebenspartner, zwingende berufliche Gründe und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Zunächst soll das Kontaktverbot für zwei Wochen gelten. Diese Maßnahme dient ebenfalls dazu, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen." Quelle: DelmeNews.de [delmenews.de]
Damit ist der ÖPNV neben Supermärkten und Apotheken sowie den Betrieben eine der ganz wenigen offiziellen Begegnungsstätten für mehr als zwei Personen. In Acht nehmen sollte man sich aber schon. Und nach meinen Erfahrungen funktioniert das ganz gut, dass die Menschen Abstand halten in den ÖPNV-Verkehrsmitteln, die zurzeit längst nicht so voll sind, trotz ausgedünntem Fahrplan, als in Nicht-Corona-Zeiten.
An den TW6000 Stadtbahnwagen in Hannover ist die vordere Tür im Bereich der Fahrerkabine schon seit Tagen geschlossen zum Schutz des Fahrers. Der Bereich unmittelbar hinter der Fahrerkabine ist mit einem Gitter abgesperrt.
Dass jetzt auch Friseure und Kosmetikstudios geschlossen werden, wird noch einmal dazu beitragen, dass Busse und Bahnen weniger häufig genutzt werden.


Die ÖPNV-Verkehrsmittel in Hannover fahren nur noch mit eingschränktem Angebot (siehe Foto).

Gleichzeitig sehe ich zunehmend mehr Menschen mit Gesichtsmasken.

Und noch weiß keiner, wie die Rückkehr zur Normalität aussehen wird.

Wird es möglicherweise eine längere Phase geben, in der die Menschen verpflichtet sind im ÖPNV eine Gesichtsmaskre zu tragen?
In Hannover habe ich schon häufiger, beonders zu Messezeiten Menschen aus Asien beobachtet, die eine Gesichtsmaske tragen.

Zur Zeit sind nach meiner Beobachtung die Bussen und Bahnen recht leer. Trotzdem werden auf vielen Strecken Dreiwagenzüge eingesetzt. Vermutlich um Platz zu schaffen.

Wenn jedoch eine Rückkehr zu mehr Normalität stattfindet und trotzdem noch sehr viel dafür getan werden muss, um eine schnelle Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, wird es dann eventuell zu einer Gesichtsmasken-Pflicht im ÖPNV kommen?

Hier ein Link zu einem Bild, das Altkanzler Gerhard Schröder mit seiner Frau zeigt, die aus Asien kommt. Dort ist das Tragen einer Gesichtsmaske stärker verbreitet als bei uns. (Zumindest bislang ist das noch so.)
[www.ndr.de]
Das bild stammt aus dieser NDR-Berichterstattung vom 27.3.2020:
[www.ndr.de]


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