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Busfahrer durchsucht Fundsache und fährt nicht weiter
geschrieben von Achterbahn 
Heute geschah folgendes auf der Linie 36: An der Haltestelle Sieberlingstraße stieg eine Gruppe mit mehreren Erwachsenen und drei Kindern zu. Sie hatten etliche Koffer dabei und wollten offenbar zum Bahnhof oder zum Flughafen. An der Haltestelle Parkstraße rief der Fahrer ihnen zu: "Hier können Sie zur Linie 286 nach Othmarschen umsteigen." Daraufhin stiegen die Leute schnell aus und vergaßen in der Hektik einen Koffer. Das wurde im Bus aber erst an der nächsten oder übernächsten Haltestelle bemerkt.

Nun hätte wahrscheinlich die Möglichkeit bestanden, die Leute in dem anderen Bus zu erreichen, um einen Übergabeort zu vereinbaren, am besten bei S Reeperbahn. Statt dessen fing der Busfahrer an, den Koffer zu durchsuchen. Er öffnete mehrere Taschen und Beutel, stieß dabei auf mindestens einen Ausweis und auf einen größeren Geldbetrag. Das dauerte zehn Minuten. Dann fuhr er endlich weiter und hielt Rücksprache mit der Leitstelle, was ich akustisch nicht verstehen konnte. An der Haltestelle Rathaus Altona teilte der Fahrer mit, daß er vorläufig nicht weiterfahren könne, weil er das Geld zählen müsse. Inzwischen war der nachfolgende 36 gekommen, so daß die Fahrgäste in den Bus umsteigen konnten.

Ich verstehe den ganzen Vorgang nicht. Wieso durchsucht der Busfahrer eine Fundsache, statt weiterzufahren und - in diesem speziellen Fall - eine Übergabe zu versuchen? Kann es sein, daß er überhaupt nur deshalb das Geld zählen sollte, weil er vorher den Koffer schon durchsucht hatte? Aber was nützt das Zählen? Er versuchte, eine ältere Frau als Zeugin heranzuziehen, die dann aber doch lieber in den anderen Bus umstieg - so wie ich.

Kann man aufgrund dieser Beschreibung sagen, daß der Fahrer sich an geltende Bestimmungen gehalten hat, auch wenn das Verfahren seltsam erscheint?
Wenn Geldbeträge in eine Fundsache enthalten sind, kann es zu beweissicherungszwecken sinnvoll sein, das Geld im Bus durchzuzählen, damit der Vorgang auf der Videoüberwachung dokumentiert ist.
So kann dem Fahrer später nicht vorgeworfen werden, Geld unterschlagen zu haben, bzw. das angeblich Geld verschwunden sei.
Zitat
jor
Wenn Geldbeträge in eine Fundsache enthalten sind, kann es zu beweissicherungszwecken sinnvoll sein, das Geld im Bus durchzuzählen, damit der Vorgang auf der Videoüberwachung dokumentiert ist.
So kann dem Fahrer später nicht vorgeworfen werden, Geld unterschlagen zu haben, bzw. das angeblich Geld verschwunden sei.

Warum öffnet der Fahrer überhaupt eine Fundsache statt weiterzufahren? Wenn er den Koffer gar nicht anrührt und das dokumentiert wird, ist es bestimmt günstiger, als wenn er den Koffer durchwühlt und dabei auf Geld stößt.

Gibt es eine Vorschrift, nach der er den Koffer öffnen mußte?



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.06.2018 17:53 von Achterbahn.
Zitat
Achterbahn
Gibt es eine Vorschrift, nach der er den Koffer öffnen mußte?

Analog zu Flughäfen oder Bahnhöfen könnte man Gepäck ohne Besitzer als Gefahrgut werten. Aber auch in diesem Fall sollte der (im Bezug auf Bombenentschärfung) ungeschulte Fahrer lieber die Finger davon lassen...

Unabhängig davon erlebte ich heute - ebenfalls auf der 36 - eine ähnliche Situation. Ich war in einem Drogeriemarkt einkaufen und an der Haltestelle Wartenau wurde aufgrund der Verspätung ein Fahrzeugtausch durchgeführt und wir mussten schnell in ein anderes Fahrzeug umsteigen. Ich habe in dem Moment die Tüte Katzenstreu hinter mir vergessen, musste aber eh an der Maxstraße raus (wo ich an das Fehlen dann bemerkte). Zum Glück fuhr der Bus (als Leerfahrt) hinter unserem Bus und ich konnte den Fahrer irgendwie an der Ampel dazu bewegen, die Türen zu öffnen - es ist also nochmal alles gut gegangen.

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Mit freundlichen Grüßen

Roman Berlin | Der Hanseat
Zitat
Der Hanseat
Analog zu Flughäfen oder Bahnhöfen könnte man Gepäck ohne Besitzer als Gefahrgut werten. Aber auch in diesem Fall sollte der (im Bezug auf Bombenentschärfung) ungeschulte Fahrer lieber die Finger davon lassen...

Wohl wahr! - In diesem Fall gab es den besonderen Umstand, daß der Koffer nicht herrenlos war, sondern ganz offensichtlich von denen vergessen wurde, die gerade ausgestiegen waren. (Ich glaube, ein Kind hat ihn vergessen, nachdem es während der Fahrt den Platz gewechselt hatte.)

Die Leute waren offenbar Auswärtige auf der Heimreise. Mit etwas gutem Willen und raschem Handeln hätte man ihnen den Koffer vielleicht noch rechtzeitig zurückgeben können. Ich saß zu weit hinten und habe längere Zeit gar nicht begriffen, warum der Bus nicht weiterfuhr.
Zitat
Achterbahn
Zitat
Der Hanseat
Analog zu Flughäfen oder Bahnhöfen könnte man Gepäck ohne Besitzer als Gefahrgut werten. Aber auch in diesem Fall sollte der (im Bezug auf Bombenentschärfung) ungeschulte Fahrer lieber die Finger davon lassen...

Wohl wahr! - In diesem Fall gab es den besonderen Umstand, daß der Koffer nicht herrenlos war, sondern ganz offensichtlich von denen vergessen wurde, die gerade ausgestiegen waren. (Ich glaube, ein Kind hat ihn vergessen, nachdem es während der Fahrt den Platz gewechselt hatte.)

Ich denke mal, dass fast alle Koffer, die von der Polizei unter Absperrung des Gebietes geöffnet/gesprengt werden ganz offensichtlich von Reisenden vergessen wurden und nicht absichtlich dort liegen gelassen werden. Dennoch lieber auf Nummer Sicher gehen und den Koffer von der Polizei ansehen lassen. Sollen die entscheiden ob solch ein Koffer eine Gefährdung darstellt. Als Busfahrer hätte ich mich da eher geweigert den Koffer anzufassen oder zu öffnen.
Habe auch schon mal eine Reisetasche in der U-Bahn an den Fahrer gemeldet, weil diese im Fahrgastraum an der Wand zum Führerstand lag und auch auf direkte Frage in den Raum sich niemand für die Tasche angesprochen fühlte. Der Fahrer wollte sich drum kümmern, aber ob und was dann veranlasst wurde habe ich nicht mehr mitbekommen. Bin dann ausgestiegen. Musste zwar eh an der Station raus, hätte wohl aber auch das Fahrzeug verlassen wenn es nicht meine Endstation gewesen wäre. Da war der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gerade erst ein paar Wochen vergangen.

mfg fox

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"Ich bringe unseren Busfahrern noch sportlicheres Fahren bei"
Reza "Racer" F., Gruppenleiter Betriebsrennsport
Die Fundsache wird nicht nur wegen einer drohenden Gefahr(Bombe ect) durchsucht, sondern auch um der Leitstelle eventuell einen Namen (Ausweis/Monatskarte ect) mitteilen zu können.
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