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Fahrrad als Alternative im Havelland
geschrieben von Havelländer 
Zitat
Nemo
Im Havelland sind die Wege länger als in Berlin und ÖPNV ist als Alternative unbekannt, zumindest im westlichen Teil.

Der westliche Teil des Havellandes ist so dünn besiedelt, da lohnt einfach kein dichtes ÖPNV Angebot und als Straßenbahn schon mal gar nicht.
Trotzdem wird auf dem Land viel Rad gefahren, wenn es sich anbietet. Hier ist der Umgang mit den Verkehrsmitteln etwas entspannter und unverkrampfter als in gewissen Bezirken und Kiezen im Berliner Innenstadtbereich, wo eine kleine Öko-Klientel den Aufstand probt.
Es gibt durchaus gute ÖPNV Angebote und die werden auch genutzt aber es lohnt sich nur ab einer bestimmten Nachfrage, siehe die Regionalzüge nach Berlin rein, die Mo-Fr sehr oft überfüllt sind. Wenn man günstig zu einer Bushaltestelle wohnt, dann ist auch dieser eine Alternative im Havelland aber nicht wenn ich 20min hin laufen muß während ich mit dem Auto für die ganze Strecke nur 20min benötige.
Die neue Elektromobilität ist eine Alternative wenn sich unser lahmarschiger und vorschriftengeiler Staat endlich mal entscheiden könnte.
Ein elektrisches Golfcart oder ein Sagway oder auch die neuen Stehroller mit E-Motor wären für viele Wege brauchbar, zumal wir fast alle eine Garage oder einen Verschlag haben wo die Fahrzeuge sicher und an einer Steckdose angeschlossen verwahrt werden können.

Ich käme niemals auf die Idee Samstag früh mit dem Auto die 800m zum Bäcker zu fahren oder zum Kumpel drei Querstraßen weiter. Allerdings gibt es dann Samstags bei 2°C und Nieselregen keine frische Schrippen sondern aufgebackene aus dem Tiefkühler.
Allerdings kommen wir auch nicht auf die Idee mit 2 Fahrrädern und Anhängern 7km pro Strecke zum Havelpark zu radeln um den Wocheneinkauf zu erledigen. Das machen nur irgendwelche Dödel aus der Stadt mit Öko-Tick, die glauben mit der Immobilien Ruine ein Schnäppchen gemacht zu haben. Dafür nutzen wir den (in deinen Augen bestimmt übermotorisierten) PKW, was besonders für TK Produkte besser ist.
Ebenso ist es keine Alternative mit dem ÖPNV von Falkensee nach Dallgow, Wustermark, Velten, Niederneuendorf oder Ketzin ins Restaurant zu fahren um sich dort mit Freunden zu treffen, selbst wenn es teilweise theoretisch möglich wäre.
Klar bei ~23°C und leichter Briese radeln wir auch schon mal zu Karls Erdbeerhof nach Elstal und ich bin auch schon mal mit dem Rad zur Arbeit nach Berlin gefahren aber das bleiben Ausnahmen mit Fun-Faktor, ebenso wenn ich im Sommer mit dem Fahrrad durch die Berliner Innenstadt radle nachdem mich der RE zu einem Bahnhof gebracht hat.
(Ich gebe mal meinen Senf dazu, der von der Thematik ggf. abweichen kann)
Immerhin wird es ja im Westen theoretisch deutliche Verbesserungen beim ÖPNV geben, ausgelöst durch lauten Protest der Jugend, theoretisch weil Personalmangel.
Meine Erfahrung ist Folgende: Wenn ein gutes ÖPNV Angebot in der Nähe vorhanden ist, wird es auch genutzt und da reicht es oft auch schon aus, wenn der Bus wie eine Regionalbahn regelmäßig fährt und optimalerweise auch beworben wird (Plusbus). Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie die Strecke X Y auch mit einem Bus zurücklegen können, weil der ländliche Raum eben einen in der Fläche schlechten Ruf hat.
Als Beispiel für gute Buslinien im Havelland gibt es die Linien 614 (Potsdam - Ketzin - Gutenpaaren, bin hier oft erstaunt wie voll der Bus ist), 651 (Falkensee - Schönwalde - Hennigsdorf), 676 (Rathenow - Premnitz - Gapel, quasi Feinerschließung der Region an der RB51) und 684 (Rathenow - Großderschau - Neustadt(Dosse). Theoretisch kommt bald der 642 (Wustermark - Ketzin), 661 (Nauen - B5 - Friesack), 671 (Spandau - Paaren im Glien) und 680 (Nauen - Rathenow) hinzu.
Was mir generell auffällt, vor allem im Raum der Linie 684, ist die gute Infrastruktur, die auch angenommen wird. So gibt es an vielen Haltestellen Fahrradständer, welche aus den umliegenden Dörfern angefahren werden, zudem eine entsprechend sichere Wegführung in umliegende Dörfer.
Wenn ich weiß dass die Haltestelle X-Dorf, Abzweig eben entsprechend ausgestattet ist, dann traue ich eher auf den Drahtesel zum Bus, als wenn es eine einfache Haltestelle im Grünen ist, ohne irgendwas aber an einer Bundesstraße, dann fahre ich doch lieber gleich mit dem PKW. Für das Busunternehmen hat eine gute Infrastruktur den Vorteil, dass die Buslinien direkt fahren können, ohne jedes Dorf direkt anzufahren.
Was die großflächige ÖPNV Erschließung betrifft: Rufbusse haben ein großes Potenzial. Allerdings muss man diesen so flexibel wie möglich gestalten. Aus dem Raum Wittenberg, Bonn und auch Schweden kenne ich Rufbusse, die man A tlw. bis 30 Minuten vor Abfahrt bestellen kann, B auch per E-Mail oder App bestellen kann, C fast rund um die Uhr bestellen kann und D die mit dem restlichen ÖPNV abgestimmt sind.
Beispiel Rufbus Nuthe-Urstromtal (Teltow-Fläming): An Sich eine feine Sache, man kann täglich jeden Ort in der Ecke von 06:00 - 23:30 erreichen. Problem: Man muss den bis 90 min vor Abfahrt bestellen (in anderen Regionen gar 120 min) und die Rufbuszentrale ist nur von 05:00 - spätestens 16:00 und nicht am Wochenende erreichbar.
Als ich wegen einem kaputten Knie auf Krücken unterwegs war und einen Freund besuchen wollte, hab ich den Rufbus der Linie 709 (Ludwigsfelde - Löwenbruch) benutzt. Die Fahrerin des Taxiunternehmens meinte, dass der Bus fast nie bestellt wird, weil die Linie nur 5x am Tag und auch nur bis 16:30 fährt, auf den Regio grottenschlecht abgestimmt ist (ich durfte knapp 20 Minuten warten) und viele die 90 Min Vorlauf auch abschrecken.
Klar, man kann das Auto nie komplett ersetzen, aber man kann mit einem guten ÖPNV Angebot mehr Leute zum Umsteigen bewegen bzw. dazu bewegen mehr Wege damit zurückzulegen und zugleich einen Faktor schaffen, der den ländlichen Raum attraktiver macht. Viele Leute wollen ja gerne auf dem Dorf leben, aber wenn es schlecht erreichbar ist und auch sonst in der Umgebung nix ist, sind halt viele abgeschreckt.
Zitat
Marc1
So gibt es an vielen Haltestellen Fahrradständer,
... und hier am Bahnhof Falkensee:

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In Falkensee ist ja auch ein Fahrrad notwendig, um den Umsteigeweg von den Bussen zu den Zügen nach Berlin in einer akzeptablen Zeit zu schaffen.

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Zitat
Philipp Borchert
In Falkensee ist ja auch ein Fahrrad notwendig, um den Umsteigeweg von den Bussen zu den Zügen nach Berlin in einer akzeptablen Zeit zu schaffen.

Dies Fahrradparkhaus ist allerdings auch auf der Nordseite ... Siehe Open Street Map

Es fehlt am Bahnhof eine Unterführung auf der Höhe der Bushaltestellen (das Oval links oben), wo im unten anhängenden Ausschnitt aus der Open Street Map eine rote gestrichtelte Linie sichtbar ist.

Ansonsten muß man bis ans Ende des Bahnsteigs laufen und durch die Fußgängerunterführung in Verlängerung der Bahnhofstraße die Gleise unterqueren; kann dann aber nicht sofort auf den Bahnsteig Richtung Berlin, sondern muß bis zur Mitte des überdachten Bereichs vorlaufen.

Eine Fußgängerunterführung auf Höhe der Bushaltestellen würde diesen Umweg vermeiden.

Die Poststraße am rechten Bildrand ist dann die Unterführung für Kraftfahrzeuge.

Nachtrag: Linienpläne von Havelbus kann man hier runterladen.

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1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.2019 20:29 von L.Willms.


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