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Werbe- und Marketingbudget BVG
geschrieben von Lehrter Bahnhof 
Zitat
Nicolas Jost


Und die positive Image erzeugt man dadurch, dass auf dem überfüllten Bus in großen Lettern "Einer geht noch! Einer geht noch rein!" geschrieben steht?
Das mag man vielleicht glauben, wenn man sich in der PR-Branche zu Hause fühlt, aber in der richtigen Welt empfinden die meisten das wohl eher als Verhöhnung.



Gruß
Nic

Oder zum 13. August auf einem M29er im Duktus Walther Ulbrichts: "Niemand hat die Absicht zu spät zu kommen!"...

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Nicolas Jost
Zitat
Beförderungsfall Nr. 8821
Zurück zur Kampagne der BVG: Hier kommt neben den direkten Effekten auf den Fahrkartenverkauft auch noch die Markenwahrnehmung (Branding, Image) hinzu. Letztgenannte Effekte lassen sich nur indirekt messen, sind aber auch wichtig und förderlich für den Unternehmenserfolg. Wenn die BVG in den Köpfen der Menschen durch Werbung ein positives Image erzeugt, dann nehmen sie an anderer Stelle auch eventuell eher in Kauf, dass der Bus überfüllt oder die U-Bahn zu spät kommt.

Und die positive Image erzeugt man dadurch, dass auf dem überfüllten Bus in großen Lettern "Einer geht noch! Einer geht noch rein!" geschrieben steht?
Das mag man vielleicht glauben, wenn man sich in der PR-Branche zu Hause fühlt, aber in der richtigen Welt empfinden die meisten das wohl eher als Verhöhnung.

Die richtige Welt hat einfach keine Ahnung von Marketing. :)

Aber Du schneidest ein Thema an, das mich besonders an der derzeitigen Öffentlichkeitspolitik der BVG stört: Missstände werden entweder bis zur dreisten Lüge hin geleugnet ("Es gibt keinen Fahrermangel bei der Straßenbahn") oder "lustig"-ironisch zur Seite gewischt. Ein ehrliches "Ja, wir haben ein Problem, und so möchten wir es lösen", gefolgt von einer glaubwürdigen Strategie*, würde ich persönlich für positiver halten. Und sicher nicht nur ich.

______
* Trotz eklatanten Fahrermangels in Tarifverhandlungen überhaupt anzubieten, die Arbeitsbedingungen weiter zu verschlechtern, ist sicher keine glaubwürdige Strategie.
Gesellschaftlich betrachtet sind vielleicht nicht nur die Fahrerlöhne zu niedrig, sonder zusätzlich einfach auch die Einkommen von anderen Berufen (z.B in der Marketing-Branche ;) ) zu hoch...
Zitat
PassusDuriusculus
Gesellschaftlich betrachtet sind vielleicht nicht nur die Fahrerlöhne zu niedrig, sonder zusätzlich einfach auch die Einkommen von anderen Berufen (z.B in der Marketing-Branche ;) ) zu hoch...

Ich würde fast sagen, dass der gesellschaftliche Sinn einer Aufgabe und der zu erwartende Lohn dafür leider ziemlich antiproportional zueinander stehen. Meines Erachtens auch eine Folge falscher Kennwerte: wenn man gesellschaftlichen Wohlstand in erster Linie in BIP und BIP-Wachstum misst, kommt halt sowas raus. (Meines Erachtens spricht nichts dagegen, BIP und BIP-Wachstum als einen Indikator unter vielen zu betrachten. Derzeit haben beide Werte aber eher einen so hohen Stellenwert, dass es für Umwelt und Gesellschaft schädlich ist.)
Zitat
PassusDuriusculus
Gesellschaftlich betrachtet sind vielleicht nicht nur die Fahrerlöhne zu niedrig, sonder zusätzlich einfach auch die Einkommen von anderen Berufen (z.B in der Marketing-Branche ;) ) zu hoch...

Kein Wunder das heute kaum einer noch in der Verkehrsbranche arbeiten, sondern lieber studieren und "irgendwas mit Medien" machen will...

T6JP
Die nächste Marketing-Aktion ist schon am Start: die erste Ausgabe des neuen Magazins „Berlin lieben“, das die BVG anlässlich ihres 90. Geburtstags herausgibt. Redaktionell umgesetzt und gestaltet wurde das Magazin vom Verlag GCM Go City Media GmbH (Tip, Zitty).

[unternehmen.bvg.de]

Das Magazin wird jedoch nicht verschenkt, sondern kostet eine (hoffentlich kostendeckende?) Schutzgebühr von 3,90 €.

so long

Mario


Zitat
def
Ich habe noch keins geleitet und habe dies auch nicht vor. Weil ich meine Grenzen kenne. Das unterschiedet mich von Nikutta, wenn man sich mal die Bilanz ihres ersten Jahrzehnts anschaut...

Ziemlich großkotzig für ein "def" ... motzen ist natürlich einfacher und das unterscheidet einen bedeutungslosen "def" von einer Frau Nikutta!
Zitat
Mario
(...) die erste Ausgabe des neuen Magazins „Berlin lieben“ (...)

Sieht aus wie tief aus den 1990ern...

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Zitat
Philipp Borchert
Zitat
Mario
(...) die erste Ausgabe des neuen Magazins „Berlin lieben“ (...)

Sieht aus wie tief aus den 1990ern...

Die sind doch eh wieder in, wenn man sich so manchen Hipster anschaut. Sieht zwar genauso besch...eiden aus wie damals, aber es ist ja eh ironisch gemeint.
Zitat
Philipp Borchert
Nein, aber Berlin besteht auch nicht nur aus in ärmlichen Verhältnissen lebenden, auf den ÖPNV essentiell angewiesenen Leuten. Daher wüsste ich gern wieso Du grundsätzlich infrage stellst, dass es potenzielle Nutzer gibt, die durch eine gute Fahrgastinformation und eben auch Marketing zum ÖPNV geholt werden. Vielleicht nicht aus der Überzeugung heraus, dass alles bei der BVG fantastisch ist - das steht in der Regel auch nirgends, aber aus der Information über das Angebot heraus. An einem DAISY-Anzeiger kann man stets sehen, was der ÖPNV an der Haltestelle bereit hält - und die bringt sich nun mal viel mehr in die Gedanken als ein schnöder Fahrplan, der erst gelesen werden muss. Die Apps bieten einen sehr viel einfacheren Zugang zu vielen Informationen als es ein gekauftes Fahrplanbuch je tun konnte.

Über den Umfang der Wirkung lässt sich sicherlich streiten, aber diesen Gedanken pauschal auf diese Weise...

Zitat
GraphXBerlin
Sorry, das ist völlig Quatsch was Du schreibst.

...in Abrede zu stellen halte ich für falsch. Aber Du hast Dich dafür ja auch gleich entschuldigt.
Ich wollte nicht unbedingt nur die Geringverdiener darstellen sondern einfach die meiner Meinung nach die Berufspendler (+Schüler und Studenten) die sicherlich über die Hälfte ausmachen und keine Wahl haben bzw. sich kein Auto haben (sont würden sie es vermutlich lieber nutzen)

Zitat

Angesichts deutlich in der Stadt präsenter Daisy-Anzeiger bei Bus und Straßenbahn und dem hohen Verbreitungsgrad der Apps wird die Entscheidung, ob der ÖPNV als Verkehrsmittel in Betracht kommt, durchaus auch nach Konsultation der Fahrgastinformation getroffen.
Ich störe mich einfach an dieser subjektiven Aussage da ich mir sicher bin, dass Fahrgastinformation doch nicht größtenteils dafür verantwortlich sein kann ob jemand den ÖPNV benutzt.

Zitat

Die Zeiten, als ausschließlich Wahlfreie den ÖPNV genutzt haben dürften zumindest in Berlin lange vorbei sein.
Bei diesem Satz bin ich einfach nur sprachlos. Natürlich hat der Großteil der Fahrgäste keine Wahl. Warum wohl sind die Verlehrsmittel so voll bzw. überfüllt. Ganz sicher nicht nur weil Fahrzeuge fehlen oder ausfallen.

Der einzige Grund weshalb z.B. ich den ÖPNV nutze ist weil ich kein Auto und im Moment kein Fahrrad für annehmbare distanzen habe und ein Jobticket besitze. Ich habe aber Kollegen die von meiner Firma das Jobticket erhalten und trotzdem Auto fahren.

Dies alles hat aber dennoch doch rein gar nicht mit etwaigen Fahrgastinformationen zu tun. Warum auch...?
Zitat
GraphXBerlin
Zitat
Philipp
Die Zeiten, als ausschließlich Wahlfreie den ÖPNV genutzt haben dürften zumindest in Berlin lange vorbei sein.
Bei diesem Satz bin ich einfach nur sprachlos.

Macht er mich auch, da war ich in Gedanken anderswo. Natürlich wollte ich sagen, dass der ÖPNV schon lange nicht mehr nur Fahrgäste ohne Alternative hat.

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Zitat
def
Man es auch in Deinem Beitrag, sicher Deinerseits unbewusst: Heilpraktiker hier, andere Mediziner da (ich würde das "andere" weglassen).

Tatsächlich habe ich mit dieser Formulierung gehadert, weil es mir persönlich schwerfällt, einen Heilpraktiker als Mediziner zu bezeichnen. Ich habe deshalb auch vor dem Absenden des vorgestrigen Beitrags in den Weiten des WWW geschaut und festgestellt, dass es wohl in der Tat so ist, dass man unter diesem Obergriff die Schulmedizin und alternative Heilpraktiken definiert. Es gibt sogar die Berufsbezeichnung des medizinischen Heilpraktikers. Von daher war die Formulierung ganz bewusst gewählt, bin aber darüber erst genau so gestolpert wie du.

Zitat
def
Heilpraktiker (zumindest diejenigen, die auf Homöopathie setzen [Homöopathie ungleich Naturheilkunde]) gehen dabei lustigerweise ähnlich vor wie die Marketinglobby. Weist man die einen drauf hin, dass es keine evidenzbasierten Beweise für die Wirksamkeit von Zuckerkügelchen gibt, entgegnen sie, dass wissenschaftliche Methodiken (Doppelblindstudien) einfach nicht in der Lage wären, die Wirksamkeit zu erfassen. Und die anderen erfinden eigene Kennzahlen, wenn die wirklichen Kennzahlen nicht die Notwendigkeit der eigenen Arbeit hergeben.

Mir ging es ja auch eher darum, die Argumente nicht von vorn herein auszuschließen, weil man dahingehend eine gefestigte Meinung hat. Ich würde es mir dennoch antun und dann wahrscheinlich zu dem gleichen Schluss kommen wie du, dass mir die Argumente zu "dünn" sind und keine Grundlage haben. Zumindest, was die Homöopathie betrifft. Ob Akupunktur oder eine Therapie mit Tieren bei gewissen Beschwerden nicht sinnvoller sein kann als täglich 800mg Chemie, steht dann aber noch auf einem anderen Blatt. Von daher würde ich Heilpraktiker nicht gänzlich als unseriös bezeichnen, im Nachhinein hast du es ja aber selbst hauptsächlich auf die homöopathischen Behandlungen begrenzt. (Viel schlimmer ist, dass die meisten Krankenkassen Homöopathie auch noch bezahlen. ;-) )

Zitat
def
die These der Interviewten war, dass ein Grundproblem der heutigen Gesellschaft sei, dass offensichtliche Fakten zu bloßen Meinungen erklärt werden, die gleichberechtigt mit allen anderen Meinungen wären, und seien sie noch so hanebüchen. Das Problem dabei sei, dass es die Fakten dabei entwerte und noch so dumme Meinungen erheblich aufwerte. Und ja, das ist was dran. Die Frage ist, wie man mit diesen beiden Polen umgeht.

Da stimme ich dir auch zu. Unwiderlegbare Fakten haben mit Meinung nichts zu tun. Wenn ich sage, der User def schreibt bei Bahninfo, dann ist das ein Fakt, da kann man nicht anderer Meinung sein. Das Problem ist aus meiner Sicht eher, dass kommunizierte (vermeintliche) Fakten oft anders interpretiert oder (oft mehr schlecht als recht) widerlegt werden, gerade was Statistiken betrifft. Dass zB die S-Bahn Berlin zuletzt mit 98,x Prozent pünktlich war ist erstmal offiziell ein Fakt. Wenn ich das aber so kommuniziere, habe ich den Shitsorm auf meiner Seite. Zurecht kommen da Einwände nach den Kriterien der Erhebung etc. Warum sollte das an anderer Stelle anders sein? Worauf bezog sich der Artikel des "Standard"? Lass mich raten: Klima?

Klar, wenn du mir belegen kannst, dass Marketing überhaupt nichts bringt, werde ich doch nicht behaupten, dass es wichtig ist. Solange wie du es nicht kannst, bleibt es aber auch nur eine These, die gleichgestellt mit der ist, dass es unverzichtbar sei. Du hast ja durchaus gute Argumente, die hat die Gegenseite aber auch. Hier fehlen einfach konkrete Zahlen.

Zitat
def
Naja, was bliebe Dir sonst übrig, wenn Du als Tourist in einer Metropole mit achtstelliger Einwohnerzahl bist, als den ÖPNV zu benutzen?

Naja, ich hatte zB in China eine teilgeführte Reise. Wir waren nur 2 Personen und hatten keinen Bock auf so eine Gruppenreise, bei der man in Bussen durchs Land gekarrt wird. Also 3 Stunden am Tag mit persönlichem Begleiter, der Rest individuell. Ich musste Überzeugungsarbeit bei der Buchung in der Agentur leisten, damit wir eben nicht wegen jedem Blödsinn von einem Fahrer mit dem Auto überall hingefahren werden, sondern einfach die U-Bahn nehmen. Das fand die Dame in der Agentur jedenfalls sehr ungewöhnlich. Würde in einer deutschen Zeitung stehen, dass die Metro in Peking nur ne halbe Stunde in die Innenstadt braucht und alles sehr touristenfreundlich ausgelegt ist, würden sich vielleicht einige Urlauber überlegen, ob sie dann wirklich ne Stunde auf ihren Shuttlebus am Flughafen warten wollen, der dann nochmal ne Stunde in die Stadt braucht.

Mir fehlen hier einfach Zahlen: Wie viele Neukunden konnte man gewinnen? Wie viele Leute haben das Abo bei der S-Bahn aufgrund der Kampagne gekündigt und bei der BVG abgeschlossen? Wie steigert sie die Zufriedenheit der Kunden? Ohne diese Zahlen kann ich es einfach nicht bewerten.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.03.2019 03:00 von Railroader.
Vergleicht mal die Berliner Werbekampagne von Uber mit der Kampagne der BVG.

Was fällt auf?

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Nicht-dynamische Signatur
Zitat
Lehrter Bahnhof
Vergleicht mal die Berliner Werbekampagne von Uber mit der Kampagne der BVG.

Was fällt auf?
Uber hat hier eine Werbekampagne?

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Den Vergleichsmaßstab ändern [www.sueddeutsche.de] ;P

LG


// follow [www.instagram.com] //
Zitat
def
Ich habe noch keins geleitet und habe dies auch nicht vor.

Und ich bin seit über zehn Jahren in der Geschäftsführung und davor war ich eine Ebene darunter. So ein ganz klein wenig kenne ich mich da also aus.

Ich möchte jetzt nicht jeden Deiner Kommentare direkt zitieren, daher kommt jetzt einfach Freitext.

Marketing ist ganz und gar kein Voodoo, sondern die Mechaniken sind empirisch belegt und decken sich auch mit Erkenntnissen der Psychologie.

Am Besten nachweisen lässt sich der Marketing-Erfolg bei reinen Online-Geschäftsmodellen, weil man dort zum Einen an jeder Stelle des Funnels genaue Daten hat. Funnel heißt eigentlich nur "Trichter" und sieht auch so aus. Oben stehen beispielsweise die Anzahl der Ansichten einer Online-Anzeigen, und dann geht es trichterförmig runter über Anzahl der Klicks auf diese Anzeigen bis runter zur Anzahl der tatsächlich getätigten Käufe. Je nach Geschäftsmodell kann der Funnel aber natürlich auch anders aussehen. Aber egal, wie er aussieht, in allen Fällen lässt sich damit recht genau planen. Denn man kann ableiten, wie viele Leute man ansprechen muss, um eine entsprechende Anzahl der Käufe zu erreichen. Damit lassen sich dann vernünftige Ziele für jede Stufe des Funnels festlegen.
Normalerweise kombiniert man das dann mit sog. A/B-Tests. Dabei werden dann bspw. Besuchern unterschiedliche Anzeigen oder auch Varianten der Website/des Onlineshops anzeiget und man kann dann vergleichen, was besser funktioniert (A oder B, daher der Name). Hier kann man dann auch wirklich genau sagen, wie viel Umsatz eine bestimmte Kampagne gebracht hat und Kampagnen miteinander vergleichen. Man kann sogar genau nachweisen, wie viel mehr oder weniger Umsatz ein roter "Kaufen"-Knopf gegenüber einem grünen Knopf bringt.

Aber auch bei klassischen Geschäftsmodellen kann man durchaus Dinge analysieren. Da muss man sich dann aber mit weniger Daten begnügen bzw. oftmals indirekt aus anderen Daten ableiten. McDonald's kann aber trotzdem relativ genau prognostizieren, wie viel Umsatz eine geplante Filiale an Standort X machen wird. Und viele Handelsketten haben Systeme, wo man in 3D durch ihre Filialen gehen kann und dank Anbindung an die Warenwirtschaftssysteme direkt sieht, wo die Verkaufsschlager und Ladenhüter stehen.

Und wenn man wirklich eine dünne Datenlage hat, dann kann man im Extremfalls sogar ein sog. Generic Benchmarking (nicht Benchmarketing) mit anderen Unternehmen machen. Sprich: Man vergleicht auf den ersten Blick grundverschiedene Dinge, etwa die Beförderungsleistung einer Rolltreppe mit der Beförderungsleistung einer Produktionsstraße (Am Rande: Eine Rolltreppe kann mehr Menschen transportieren, wenn wir 'rechts stehen, links gehen' abschaffen würden)

Generell ist Marketing zahlengetrieben. Marketingkampagnen hingegen werden eher von Menschen entworfen, die Kommunikation, (Kommunikations-/Medien-/)Design, Germanistik oder ähnliches studiert haben.

Zurück zum Management: Man braucht Kennzahlen, um etwas zu steuern. Daher haben Flugzeuge ja auch so viele Instrumente (gut, neuerdings nur noch wenige Monitore). Und hier sieht man auch wieder: Eigentlich geht es beim Flugzeug darum, von A nach B zu kommen. Man muss aber dediziert wissen, ob die Höhe, Geschwindigkeit und Kurs stimmen, damit man etwas korrigieren kann. Und stimmt die Geschwindigkeit nicht, ist es auch interessant zu wissen, ob der Motor noch vernünftig läuft. Daher gibt es auch Instrumente für den Öldruck und die Temperatur usw.
Genauso läuft es auch in Unternehmen ab. Das große Ziel wird definiert und dann wird das Ebene für Ebene heruntergebrochen. Hört sich nach Planwirtschaft an, ist es aber ganz und gar nicht. Diese Methode hat sich schon länger in großen und kleinen Unternehmen bewährt.
Je größer das Unternehmen ist, desto schwieriger wird es auch, den direkten Erfolg einer Maßnahme anhand des Gesamtziels zu messen. Oftmals wäre diese Analyse viel zu teuer - und bringt auch keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn gegenüber einer gut definierten Kennzahl auf einer unteren Ebene. Und in vielen Fällen ist es auch gänzlich unmöglich, genau zu beziffern, was eine einzelne Maßnahme letztendlich monetär bewirkt hat.
Das gilt für alles von Marketing bis Kundendienst, von dem Betrieb einer Fertigungsstraße bis hin zur Kantine.

Was ich mit meinen paar Jahren Lebenserfahrung aber sagen kann: Es lohnt sich immer über den Tellerrand zu blicken. Vielfach ähneln sich grundverschiedene Dinge. Ein Flugzeug zu fliegen hat viel mit Führung eines Unternehmens zu tun. Darum beschäftige ich mich auch mit vielen Dingen und genau deswegen schaue ich auch mal hier im Forum vorbei.

PS: Ich bin technischer Leiter bei uns im Unternehmen, hab also im Tagesgeschäft nur am Rande etwas mit der Marketingabteilung zu tun.
Zitat
Beförderungsfall Nr. 8821
Zurück zum Management: Man braucht Kennzahlen, um etwas zu steuern. Daher haben Flugzeuge ja auch so viele Instrumente (gut, neuerdings nur noch wenige Monitore). Und hier sieht man auch wieder: Eigentlich geht es beim Flugzeug darum, von A nach B zu kommen. Man muss aber dediziert wissen, ob die Höhe, Geschwindigkeit und Kurs stimmen, damit man etwas korrigieren kann. Und stimmt die Geschwindigkeit nicht, ist es auch interessant zu wissen, ob der Motor noch vernünftig läuft. Daher gibt es auch Instrumente für den Öldruck und die Temperatur usw.

Richtig. Die Kennzahlen, die die BVG für als Erfolgsmessung ihres Marketings nimmt, sind aber die Seitenzahl des Bordmagazins oder die Anzahl der Kleidungsstücke, die der Passagier auf Platz 8E trägt. Klickzahlen oder eine Berichterstattung in der New York Times sagen eben nichts über den Erfolg einer Marketingkampagne aus. Denn weder das eine noch das andere führt für sich genommen zwangsläufig zu mehr Fahrgästen (= mehr Einnahmen) oder mehr Bewerbungen, die helfen könnten, den Personalmangel zu beheben. Sonst wären eben Terroranschläge oder Unfälle mit vielen Verletzten und Toten ein gutes Marketinginstrument.

Und selbst, wenn man Klickzahlen als einen schnell ermittelbaren Kennwert akzeptiert: nach mittlerweile mehreren Jahren darf man schon verlangen, einmal die Auswirkungen der Marketingkampagne zu untersuchen. Also zu schauen, ob das Flugzeug gelandet ist, und das in der richtigen Stadt. Interessanterweise scheint man noch nicht einmal eine Methodik zu haben, die Erfolg oder Misserfolg ermittelt. Stattdessen führt man steigende Fahrgastzahlen in einer wachsenden Stadt (wobei das Wachstum auch noch in Milieus vonstatten geht, die überproportional viel ÖPNV nutzen) mit wachsenden Touristenzahlen ausschließlich auf die Marketingkampagne zurück. Das ist hochgradig unseriös.

Zitat
Beförderungsfall Nr. 8821
Je größer das Unternehmen ist, desto schwieriger wird es auch, den direkten Erfolg einer Maßnahme anhand des Gesamtziels zu messen. Oftmals wäre diese Analyse viel zu teuer - und bringt auch keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn gegenüber einer gut definierten Kennzahl auf einer unteren Ebene. Und in vielen Fällen ist es auch gänzlich unmöglich, genau zu beziffern, was eine einzelne Maßnahme letztendlich monetär bewirkt hat.

Das klingt ehrlich gesagt eher wie eine Ausrede, um sich keiner Evaluation unterziehen zu müssen. Und im konkreten Fall wäre es noch nicht einmal so extrem aufwändig, eine realistischere Zahl über Erfolg oder Misserfolg der Kampagne zu erhalten. Man muss nur aus den steigenden Fahrgastzahlen mehrere Effekte herausrechnen:

- Entwicklung der Einwohnerzahl
- Entwicklung der Touristenzahl, z.B. durch Ankünfte (auch kein vollständiger Wert, da er Airbnb nicht vollständig erfasst)
- Entwicklung der Einpendlerzahl (Auspendler nicht, weil die schon in der Einwohnerzahl erfasst sind)
- Entwicklung der Anzahl/Dauer von Veranstaltungen, die viel Verkehr generieren (Sportveranstaltungen, Konzerte, Messen)
- Entwicklung der Fahrgastzahl in anderen deutschen Städten einerseits und vergleichbaren Städten im Ausland andererseits (um allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen zu berücksichtigen)
- die Angebotsverbesserungen der letzten Jahre sollten auch in einer Form berücksichtigt werden; hier liegen aber sicher Erfahrungswerte vor, welche Form der Angebotsverbesserung zu welchen Fahrgastzahlensteigerungen führt

Sicher ist der Wert, der übrig bleibt, auch nicht perfekt, und sicher kann man über die zu berücksichtigenden Indikatoren und deren Gewichtung diskutieren. Aber der Wert viel näher an der Wahrheit als das Sich-auf-die-Schulter-klopfen der BVG, das eben all diese Effekte vollkommen ausblendet und die Steigerung der Fahrgastzahlen allein auf die Marketingkampagne zurückführt.

Interessant wäre ein ähnliches Vorgehen auch bei der Personalsuche. Wie hat sich der Anzahl der Bewerbungen in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Verkehrsbetrieben entwickelt? (Hier wäre gerade die Relation wichtig, weil man der BVG-Kampagne ja nicht den demographischen Wandel anlasten kann.) So am Rande: lesen diejenigen, die man erreichen möchte, eigentlich die New York Times? Genau hier sehe ich ein weiteres Problem, das ich mit der Öffentlichkeitsarbeit habe: natürlich ist es für die BVG kostenlos, wenn die NYT über eine sowieso erfolgende Kampagne berichtet. Die Gefahr ist aber, dass man künftige Kampagnen auf möglichst große internationale Aufmerksamkeit und nicht auf die Zielgruppe ausrichtet. Und in Punkto Personalsuche eine viele größere Gefahr, die auch schon eingetreten ist: man meint, der Personalmangel sei mit ein bisschen Marketing zu beheben und nicht mit wesentlich besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen. Man stellt also den falschen Hebel.

Zitat
Beförderungsfall Nr. 8821
Was ich mit meinen paar Jahren Lebenserfahrung aber sagen kann: Es lohnt sich immer über den Tellerrand zu blicken. Vielfach ähneln sich grundverschiedene Dinge. Ein Flugzeug zu fliegen hat viel mit Führung eines Unternehmens zu tun. Darum beschäftige ich mich auch mit vielen Dingen und genau deswegen schaue ich auch mal hier im Forum vorbei.

Dazu gehört aber auch, eingefahrene Denkmuster in Frage zu stellen.

Edit:

Ein weiteres Problem besteht für mich in der Glaubwürdigkeit der aktuell wichtigsten Kennzahlen des BVG-Marketings, Klicks und Follower. Google mal "Follower kaufen", Du wirst erstmal Anzeigen sehen wie "Kaufe echte Follower ab 0,95 Euro", "Echte Instagram Follower - 0,01 Euro/ Follower", "Instagram Follower kaufen - 100 Follower ab 0,45 Euro". Ähnlich sieht es bei "Facebook Freunde kaufen" aus ("Deutsche Facebook Likes kaufen ab 0,015 €/Like"). Und diverse rechtsradikale Twitterbots in Massen haben ja schon mehrmals Schlagzeilen gemacht.

Ich möchte der BVG nicht unterstellen, mit solchen Methoden zu arbeiten, aber sie sprechen eben gegen die Glaubwürdigkeit solcher Kennzahlen im Allgemeinen.

Also, zusammenfassend: das BVG-Marketing misst seinen Erfolg mit sehr einfach zu manipulierenden und deshalb generell unglaubwürdigen Kennzahlen. Das führt natürlich zwangsläufig dahin, dass man das weitere Marketing auf diese Kennzahlen hin optimiert. Der ursprüngliche Zweck der Öffentlichkeitsarbeit (bzw. der, den sie aus meiner Sicht haben sollte) geht verloren:

1. Steigerung des ÖPNV-Anteils am Modal Split (eigentlich noch besser geeignet als die bloße absolute Zahlen wie Einnahmen und Fahrgastzahlen)
2. Personalakquise
3. Verbesserung des Images des ÖPNV

Mir scheint, als würde durch die aktuelle Marketingstrategie der Blick von den wirklichen Problemen weggelenkt: Warum nutzen Menschen den ÖPNV nicht? Da fallen mir Dinge wie Taktdichten, Tür-zu-Tür-Fahrzeiten oder gerade in den Abendstunden bei empfindlicheren Gemütern das subjektive Sicherheitsgefühl in den Abendstunden ein. Warum gibt es eklatanten Personalmangel? Vielleicht weil sich zu wenige bewerben. Vor allem aber, weil die, die sich bewerben und beginnen schnell wieder weg sind. Die Lösung dessen ist aber kein launiger Marketingspruch, sondern bessere Arbeitsbedingungen. Stattdessen gab (gibt?) es während der laufenden Tarifverhandlungen ernsthaft, die Ruhezeit zwischen zwei Schichten auf das gesetzliche Mindestmaß zu kürzen.



3 mal bearbeitet. Zuletzt am 03.04.2019 08:25 von def.
Dann brauchen wir ja nur noch die Farbe der BVG-App verändern und schon werden deutlich mehr Tickets gekauft. [Ironie]


Der Unterschied ist doch:

Irgendwelche Güter, die verkauft werden, sind ja nicht immer zwingend notwendig für die Gesellschaft und die Individuen. Da kommt man dan an eine verschwommene Grenze zwischen individuellen Bedürfnissen und Luxusgütern. Entsprechend dient Marketing dazu Leuten einzureden, dass sie etwas brauchen, was sie bis jetzt noch nicht haben. Und man kann dann z.B. ganz viele Hosen kaufen und in den Schrank hängen.

Und hier ist meine Ansicht: Unnötige Güter müssen werde produziert, noch verbraucht und auch nicht entsorgt werden.

Für eine Fahrgastfahrt hat man i. d. R. ein Ticket. Nur weil einem das Unternehmen gefällt kauft man für sich nicht zwei Einzelfahrten, oder fährt vor/nach der Arbeit o.ä. noch eine Stadtrundfahrt um die BVG noch mehe zu nutzen. Im Zweifelsfall ist die Person eh schon im Besitz des Abos.
Nun gibt es die Kundenakquise. Im ÖPNv sind das im Prinzip MIVler und evtl. Fahrradfahrende, die nicht den ÖPNV nutzen. Da kann man mit Marketing versuchen Leute zum Umsteigen zu bewegen. Dazu braucht es aber vor allem die Push-Faktoren (teurere Parkplätze, Beteiligung der MIVler an den Kosten) und die Pull-Faktoren (längere Züge, dichtere Takte, dichteres Netz aus schnellen und Feinerschließungsverkehrsmitteln)

Marketing sollte dann also vorallem die Pullfaktoren promoten, so wie die S-Bahn ihr Qualitätsprogramm Plus oder wie das heißt vermarktet.
Für unterhaltsame Sprüche gibt es Kabarettisten, Schauspieler u. a. Künstler
Wer sich in der BVG- (oder VBB-)APP eine Verbindung raussucht wird entweder genau ein Ticket kaufen, oder bereits eins besitzen. Wer auf youtube, Netflix daddelt oder an Werbeplakaten der BVG vorbeiläuft, wird sich dann nicht in den BVG-Onlineshop begeben und ein 100er-Pack-Tickets ins Haus liefern lassen.
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