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Sind barrierefreie Bahnhöfe wirklich barrierefrei?
geschrieben von Flexist 
Hatte gerade mal ein interessantes Gespräch, als es wieder mal um Kurzzüge ging oder "bitte nicht einsteigen". Viele Menschen ignorieren das ja aus Standard, aber was ist mit Sehbeeinträchtigten und Analphabeten? Die werden ja dann doch irgendwie nicht informiert. Kurzzüge sind ja auch so schon, trotz häufiger Ankündigung, eine "unvorhersehbare Überraschung". Aber außer bei der DB werden in der Regel ja nicht mal ausfallende Züge akkustisch mitgeteilt. Also sind die Bahnsteige vielleicht barrierefrei, aber jeglicher Bahnhof an sich nicht zu 100 Prozent.



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.01.2023 15:53 von Flexist.
Danke für das Aufbringen des Themas - leider wird im allgemeinen Sprachgebrauch "barrierefrei" auf "für Rollstuhlfahrer:innen geeignet" reduziert. Da kann man nicht oft genug daran erinnern, dass damit z.B. auch die Bedürfnisse von Blinden, Sehschwachen und Gehörlosen gemeint sind. Insofern sind übrigens zu leise oder ganz ausfallende Stationsansagen nicht nur lästig, sondern ein Mangel bei der Barrierefreiheit.
Zitat
def
Danke für das Aufbringen des Themas - leider wird im allgemeinen Sprachgebrauch "barrierefrei" auf "für Rollstuhlfahrer:innen geeignet" reduziert.

Und selbst das halte ich bei einigen Stationen für nicht gegeben, wenn sie nämlich nur in eine Richtung einen barrierefreien Zugang bieten und die andere Seite der Bahn nur mit erheblichem Umweg und/oder Schwierigkeiten von diesem Zugang aus erreichbar ist. Als Beispiel fallen mir Johannisthal (wird behoben), aber auch Kaulsdorf und jüngst entdeckt Mahlow ein.

Für Blinde gibt es auf einigen Stationen Hinweise auf den Handläufen - aber eben nur auf einigen. Umfassend ist das noch nicht umgesetzt.

Für Analphabeten oder fremdsprachige Leute könnten die symbolischen Hinweise da sein.

Was mich auch immer noch wundert ist, dass unsere Straßenland-Öffis noch keine Ansagen haben bezüglich Linie und Ziel. Gleichwohl darüber schon oft zu lesen war. Wurden da andere Maßnahmen umgesetzt oder gab es Vorbehalte?

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BITTE AUF KEINEN FALL EINFACH BÄUME ANZÜNDEN!
Zitat
Philipp Borchert
Was mich auch immer noch wundert ist, dass unsere Straßenland-Öffis noch keine Ansagen haben bezüglich Linie und Ziel. Gleichwohl darüber schon oft zu lesen war. Wurden da andere Maßnahmen umgesetzt oder gab es Vorbehalte?

Als die Flexitys eingeführt wurden, wurde das doch eine Zeit lang im Innenraum an jeder Haltestelle durchgesagt, oder? Bei Außenansagen gibt es hier natürlich gewisse Zielkonflikte zu anderen Nutzungen in der Stadt, v.a. Wohnen. Hier wäre es wahrscheinlich sinnvoll, sie nur anlassbezogen durchzuführen, entweder durch eine automatische Ansage, die durch den Fahrer oder die Fahrerin ausgelöst wird, oder durch ihn/sie selbst (ich hatte mal in einer österreichischen Zeitung gelesen, dass z.B. Straßenbahnfahrer:innen in Wien angehalten sind, Linie und Fahrziel über die Außenlautsprecher durchzusagen, wenn ein Mensch mit den drei Punkten an der Haltestelle steht); eine andere Möglichkeit wäre eine Fernbedienung wie in Dresden, durch die die Betroffenen selbst die Ansage auslösen können, und ggf. auch eine Wiederholung der Stationsansage während der Fahrt (wenn die nicht sowieso mehrfach erfolgt, der Trend geht ja aktuell ein wenig in die Richtung).
Zitat
def
Zitat
Philipp Borchert
Was mich auch immer noch wundert ist, dass unsere Straßenland-Öffis noch keine Ansagen haben bezüglich Linie und Ziel. Gleichwohl darüber schon oft zu lesen war. Wurden da andere Maßnahmen umgesetzt oder gab es Vorbehalte?

Als die Flexitys eingeführt wurden, wurde das doch eine Zeit lang im Innenraum an jeder Haltestelle durchgesagt, oder? Bei Außenansagen gibt es hier natürlich gewisse Zielkonflikte zu anderen Nutzungen in der Stadt, v.a. Wohnen. Hier wäre es wahrscheinlich sinnvoll, sie nur anlassbezogen durchzuführen, entweder durch eine automatische Ansage, die durch den Fahrer oder die Fahrerin ausgelöst wird, oder durch ihn/sie selbst (ich hatte mal in einer österreichischen Zeitung gelesen, dass z.B. Straßenbahnfahrer:innen in Wien angehalten sind, Linie und Fahrziel über die Außenlautsprecher durchzusagen, wenn ein Mensch mit den drei Punkten an der Haltestelle steht); eine andere Möglichkeit wäre eine Fernbedienung wie in Dresden, durch die die Betroffenen selbst die Ansage auslösen können, und ggf. auch eine Wiederholung der Stationsansage während der Fahrt (wenn die nicht sowieso mehrfach erfolgt, der Trend geht ja aktuell ein wenig in die Richtung).

Das wird hier in Berlin genauso in der Fahrschule gelehrt und auch umgesetzt, sofern so eine Person durch das Fahrpersonal bei Einfahrt in die Haltestelle erkannt wird.
Zitat
tramfahrer
Das wird hier in Berlin genauso in der Fahrschule gelehrt und auch umgesetzt, sofern so eine Person durch das Fahrpersonal bei Einfahrt in die Haltestelle erkannt wird.

Leider outen sich nicht mehr viele Betroffene wegen ihrer Behinderung, wohl aus Angst zum leichten Opfer von Straftätern zu werden.

so long

Mario
Zitat
def
... - leider wird im allgemeinen Sprachgebrauch "barrierefrei" auf "für Rollstuhlfahrer:innen geeignet" reduziert. ...

Diesen Eindruck hatte ich auch schon bei der einen oder anderen Diskussionen hier im Forum ...

Als die Flexitys neu vorgestellt wurden, gab es zwei große Erleichterungen für Sehbehinderte. Zum Einen wurden im Fahrzeug an jeder Station (ähnlich wie bei der S-Bahn) auch das Fahrtziel angesagt. Zum anderen wurden die Innenraumanzeigen abwechselnd auch im Dunkelmodus angezeigt (ich liebe die Innenraum anzeigen der 483/484). Warum hat man das au8fgegebenh?

Dass sich Anwohner von nächtlichen Stationsansagen an Bus- oder Straßenbahnhaltestellen genervt fühlen, kann ich nachvollziehen. Ein Sounddesign, dass diese nur im Stationsbereich zu hören sind, ist schwierig. Mit Fahrzeug-Außenlautsprechern ließe sich das aber realisieren, glaube ich. An der Straßenbahnhaltestelle Weißer See gab es mal einen Knopf, bei dessen Drücken Liniennummer und Ziel der nächsten Bahn angesagt wurden. Bin extra mal hingefahren, um es auszuprobieren. Die Ansagen waren aber so leise, dass sie von jedem vorbeifahrenden Auto übertönt wurden. Und es fahren dort ständig Autos vorbei. Keine Ahnung, ob es den Knopf noch gibt - so war er jedenfalls völlig unbrauchbar.

Das letzte, was ich von der BVG zu dieser Problematik gehört habe, war die Entwicklung einer entsprechenden Handyapp. Das ist für Blinde, die absolut auf die Nutzung solcher Hilfsmittel angewiesen und darauf eingespielt sind, sicher eine Hilfe. Viele Menschen haben aber noch genug Sehvermögen, um ihren Alltag ohne solch spezielle Hilfen bewältigen zu könne. Derartige Apps benötigen sie normalerweise nicht, kennen sie nicht oder sind wegen der somit fehlenden Übung und des eingeschränkten Sehvermögens nicht in der Lage, diese zu nutzen. Wenn diese Fahrgäste Fahrtzielanzeiger von Bussen und Bahnen oder Stationsschilder der passierten Haltestellen nicht mehr erkennen können, sind akustische Ansagen die einzige Hilfe.

Gruß
Micha

Gibt es da heute keine Lösung sowas über das Schlauphon zu machen?

Gruß Nemo
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Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Micha
An der Straßenbahnhaltestelle Weißer See gab es mal einen Knopf, bei dessen Drücken Liniennummer und Ziel der nächsten Bahn angesagt wurden. Bin extra mal hingefahren, um es auszuprobieren. Die Ansagen waren aber so leise, dass sie von jedem vorbeifahrenden Auto übertönt wurden. Und es fahren dort ständig Autos vorbei.
Anderenorts hatte ich mal den Eindruck, dass die Lautstärke so einer Ansage von der Umgebungslautstärke abhängig war: Ich hatte mir extra eine ruhiger gelegene Haltestelle ausgesucht, um den „Unsinn“ mal aufzunehmen. Dann aber aber doch ein Auto vorbei und es kam mir vor, als ob die Ansage lauter wurde.

Natürlich war die Ansage an sich kein Unsinn, aber die Art und Weise, wie der Umleitungshinweis vorgelesen wurde, war dann doch eher kurios und missverständlich.

Linie ein Olvenstedt - kleiner als größer als - Leipziger Chausse u IKEA - kleiner als größer als - Alter Markt-Linie vier - Olvenstedt - kleiner als größer als - Sudenburg u Cracau. Kleiner als größer als Alter Markt…
Bei solchen Sachen MUSS man sich einfach was einfallen lassen, wie das sowohl optisch als auch akustisch sinnvoll wirkt. Kann denn niemand programmieren, dass die Zeichenkombination "<>" als ein bestimmtes Wort angesagt wird?

Ich kenne das von Chats, die vorgelesen werden. "Größer als drei" wird dann oft angesagt, was im Grunde einfach ein "Herzchen" ( <3 ) bedeuten soll.

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Zitat
Philipp Borchert
Ich kenne das von Chats, die vorgelesen werden. "Größer als drei" wird dann oft angesagt, was im Grunde einfach ein "Herzchen" ( <3 ) bedeuten soll.

Größer als drei wäre allerdings >3 - Kein schönes Herzchen.
Zitat
Flexist
Hatte gerade mal ein interessantes Gespräch, als es wieder mal um Kurzzüge ging oder "bitte nicht einsteigen". Viele Menschen ignorieren das ja aus Standard, aber was ist mit Sehbeeinträchtigten und Analphabeten? Die werden ja dann doch irgendwie nicht informiert. Kurzzüge sind ja auch so schon, trotz häufiger Ankündigung, eine "unvorhersehbare Überraschung". Aber außer bei der DB werden in der Regel ja nicht mal ausfallende Züge akkustisch mitgeteilt. Also sind die Bahnsteige vielleicht barrierefrei, aber jeglicher Bahnhof an sich nicht zu 100 Prozent.

Was sollte deiner Meinung nach ein Bahnhof, der mindestens einen Aufzug hat, nicht zu 100 % barrierefrei sein?
Zitat
Henning
Was sollte deiner Meinung nach ein Bahnhof, der mindestens einen Aufzug hat, nicht zu 100 % barrierefrei sein?

Nicht nur irgend jemandes Meinung nach sondern nach offiziellen Definitionen des DIN gilt: "Barrierefreiheit ist die Eigenschaft eines Produktes, das von möglichst allen Menschen in jedem Alter mit unterschiedlichen Fähigkeiten weitgehend gleichberechtigt und ohne Assistenz bestimmungsgemäß benutzt werden kann. (Barrierefrei ist nicht allein mit hindernisfrei im physikalischen Sinne gleichzusetzen (siehe auch DIN 33942), sondern bedeutet auch zugänglich, erreichbar und nutzbar.)"
Zitat
Henning
Zitat
Flexist
Hatte gerade mal ein interessantes Gespräch, als es wieder mal um Kurzzüge ging oder "bitte nicht einsteigen". Viele Menschen ignorieren das ja aus Standard, aber was ist mit Sehbeeinträchtigten und Analphabeten? Die werden ja dann doch irgendwie nicht informiert. Kurzzüge sind ja auch so schon, trotz häufiger Ankündigung, eine "unvorhersehbare Überraschung". Aber außer bei der DB werden in der Regel ja nicht mal ausfallende Züge akkustisch mitgeteilt. Also sind die Bahnsteige vielleicht barrierefrei, aber jeglicher Bahnhof an sich nicht zu 100 Prozent.

Warum sollte deiner Meinung nach ein Bahnhof, der mindestens einen Aufzug hat, nicht zu 100 % barrierefrei sein?

Weil es außer Gehbehinderung bzw. Gehunfähigkeit noch viele andere "Beeinträchtigungen der Mobilität gibt, die es den Betroffenen ähnlich unmöglich machen oder erschweren, öffentliche Verkehrsmittel in allgemein üblicher Weise zu benutzen. Die "Kunst" besteht nun darin, bei der Konzeption von Bahnhöfen, Fahrzeugen, Infosystemen etc. die teilweise gegensätzlichen Anforderungen all dieser Menschen einigermaßen zu erfüllen.

Dazu gehört z. B. auch, das 49-€-Ticket und andere Ticket-Grundangebote nicht nur digital, sondern auch klassisch als Papier- oder Plastikkarte zum Erwerb an Automaten oder in Kunden-/Reisezentren verfügbar zu machen...

Viele Grüße
Arnd
Zitat
Arnd Hellinger
Zitat
Henning
Zitat
Flexist
Hatte gerade mal ein interessantes Gespräch, als es wieder mal um Kurzzüge ging oder "bitte nicht einsteigen". Viele Menschen ignorieren das ja aus Standard, aber was ist mit Sehbeeinträchtigten und Analphabeten? Die werden ja dann doch irgendwie nicht informiert. Kurzzüge sind ja auch so schon, trotz häufiger Ankündigung, eine "unvorhersehbare Überraschung". Aber außer bei der DB werden in der Regel ja nicht mal ausfallende Züge akkustisch mitgeteilt. Also sind die Bahnsteige vielleicht barrierefrei, aber jeglicher Bahnhof an sich nicht zu 100 Prozent.

Warum sollte deiner Meinung nach ein Bahnhof, der mindestens einen Aufzug hat, nicht zu 100 % barrierefrei sein?

Weil es außer Gehbehinderung bzw. Gehunfähigkeit noch viele andere "Beeinträchtigungen der Mobilität gibt, die es den Betroffenen ähnlich unmöglich machen oder erschweren, öffentliche Verkehrsmittel in allgemein üblicher Weise zu benutzen. Die "Kunst" besteht nun darin, bei der Konzeption von Bahnhöfen, Fahrzeugen, Infosystemen etc. die teilweise gegensätzlichen Anforderungen all dieser Menschen einigermaßen zu erfüllen.

Dazu gehört z. B. auch, das 49-€-Ticket und andere Ticket-Grundangebote nicht nur digital, sondern auch klassisch als Papier- oder Plastikkarte zum Erwerb an Automaten oder in Kunden-/Reisezentren verfügbar zu machen...

Mir ist neu, dass barrierefrei so definiert ist.
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