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Landtagswahl Brandenburg und ÖPNV
geschrieben von Arnd Hellinger 
Wie es derzeit aussieht, wird die künftige Landesregierung von Brandenburg ja von SPD und Grünen getragen werden - fraglich ist wohl nur noch, ob CDU oder Linke mit ins Boot kommen.

Aber welche Auswirkungen wird die Regierungsbildung auf den VBB haben? Welche für i2030 angedachte Ausbauten von S- und Regionalbahn werden in welchem Zeitraum realisiert? Wird es auf de S-Bahn-Linien im Tarifgebiet C Taktverdichtungen geben und der Tarifbereich B ausgeweitet? Wird es außerhalb des Tarifbereichs C Reaktivierungen bei der Regionalbahn geben und ggf. welche? Wird es eine teilweise Landesfinanzierung für Straßenbahn-Neufahrzeuge und -Infrastruktur sowie "übrigen ÖPNV" in Brandenburg geben? Welche einheitlichen Erschließungsstandards wird es für ländliche Räume außerhalb des Tarifbereichs C ohne Schienenanbindung geben...?

Viele Grüße
Arnd
Also i2030 wird glaube ich einfach weiter laufen, gerade wenn die SPD sowqs raushaut wie: Der Wähler will Stabilität und habe deshalb wieder SPD die meisten Stimmen gegeben (Auch wenn aus der Gesamtheit aller Wahlberechtigten grob überschlagen gerade mal 16 % SPD wählten)

Bei anderen Themen, wie ÖPNV-Qualität im ländlichen Raum, wird es wahrscheinlich ... hmmm ... spannend bleiben unabhängig von der Regierungsbildung
Zitat
Arnd Hellinger
Wie es derzeit aussieht, wird die künftige Landesregierung von Brandenburg ja von SPD und Grünen getragen werden - fraglich ist wohl nur noch, ob CDU oder Linke mit ins Boot kommen.

Aber welche Auswirkungen wird die Regierungsbildung auf den VBB haben? Welche für i2030 angedachte Ausbauten von S- und Regionalbahn werden in welchem Zeitraum realisiert? Wird es auf de S-Bahn-Linien im Tarifgebiet C Taktverdichtungen geben und der Tarifbereich B ausgeweitet? Wird es außerhalb des Tarifbereichs C Reaktivierungen bei der Regionalbahn geben und ggf. welche? Wird es eine teilweise Landesfinanzierung für Straßenbahn-Neufahrzeuge und -Infrastruktur sowie "übrigen ÖPNV" in Brandenburg geben? Welche einheitlichen Erschließungsstandards wird es für ländliche Räume außerhalb des Tarifbereichs C ohne Schienenanbindung geben...?

Ja, SPD und Grüne sind wohl "gesetzt", weil Dreierkonstellationen wie SPD-CDU-BVB bzw. SPD-CDU-Linke wohl ausscheiden dürften.

Daher habe ich mir das Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen einmal angesehen. Dort finden sich auf den Seiten 25 - 32 Aussagen zum Bereich "Mobilität".

Am Schluß des Abschnitts wird das "Projekt: Trendwende für die Öffis" vorgestellt:

"Wir wollen einen gemeinsamen Nahverkehrsplan mit Berlin, damit die Mobilitätspolitik nicht an den Landesgrenzen endet. Die vom Bund bereitgestellten Regionalisierungsmittel wollen wir stufenweise komplett für den Schienenverkehr einsetzen und damit deutlich mehr Züge bestellen.

Wichtige Querverbindungen zwischen den Bahnlinien wollen wir durch ein Netz landesbedeutsamer Buslinien schaffen. Wir wollen Regionalbahnen an allen Bahnhalten halten lassen, während Regionalexpresse die größeren Halte schneller verbinden. Wir wollen die neue Zugart „Metropolexpress“ einführen, die das Umland schnell an das Berliner Zentrum anbindet.

Wir wollen auf allen Strecken zwischen 5 und 22 Uhr mindestens einen Einstundentakt an Wochentagen durch Regionalverkehr und landesbedeutsame Busse und eine weitere Verbindung um Mitternacht. Für die S-Bahn in Brandenburg ist der Zehnminutentakt unser Ziel. Infrastrukturengpässe und nötige Erweiterungen wollen wir mit dem Ziel eines integralen Taktfahrplans (Brandenburgtakt bzw. Deutschlandtakt) zügig angehen.

Durch die Elektrifizierung der Strecken, technologieoffene eigenelektrische Antriebe der Fahrzeuge sowie die Versorgung durch 100 Prozent erneuerbare Energien wollen wir die Emissionen des ÖPNV deutlich senken. In den Zügen und den landesbedeutsamen Buslinien wollen wir kostenloses W-LAN etablieren.

Wir wollen langfristig sehr günstige Monats- und Jahrestickets (365 Euro-Ticket) anbieten sowie Schüler*innen, Studierende und Auszubildende kostenlos fahren lassen. Als ersten Schritt wollen wir ein 365 Euro-Ticket für Schüler*innen und Auszubildende einführen. Die Tarifzonengrenzen wollen wir kritisch überprüfen und mit Regionen der angrenzenden Bundesländer gemeinsame Tarifgebiete entwickeln.

Damit wollen wir den VBB erweitern und einem deutschlandweiten Tarifsystem (Deutschlandtarif) näher kommen.

Für den Klimaschutz und die Lebensqualität ist eine flächendeckende, gute Radinfrastruktur unverzichtbar."

Ich beschränke mich auf dieses unser Thema unmittelbar betreffende Zitat und lasse die Aussagen zum Radverkehr und zum BER bewußt weg. Allerdings habe ich den Gesamtabschnitt zur Mobilität (S. 25 - 32) interessiert durchgelesen, also abschließend noch ein Link für alle Interessierten: [gruene-brandenburg.de]

Einen schönen Montag wünscht Euch
Marienfelde
Rot-rot-grün bedeutet Stillstand, wie man ja in Berlin sehen kann. In der Zeit wurde nicht 1 km neue Strassenbahnstrecke geschaffen. Auch kriegt es Brandenburg und Berlin nicht auf die Reihe, sich über die S-Bahn-Verlängerungen wie vor dem Mauerbau zu einigen.
Stattdessen gibt es nur Maßregelungen, Parkplätze zu begrenzen, eine Citymaut einzuführen usw..
Die Straßen Berlins sind runtergewirtschaftet, Frankfurter Allee, Landsberger Allee, Stralauer Allee und viele mehr.
Zitat
Mont Klamott
Rot-rot-grün bedeutet Stillstand, wie man ja in Berlin sehen kann. In der Zeit wurde nicht 1 km neue Strassenbahnstrecke geschaffen. Auch kriegt es Brandenburg und Berlin nicht auf die Reihe, sich über die S-Bahn-Verlängerungen wie vor dem Mauerbau zu einigen.
Stattdessen gibt es nur Maßregelungen, Parkplätze zu begrenzen, eine Citymaut einzuführen usw..
Die Straßen Berlins sind runtergewirtschaftet, Frankfurter Allee, Landsberger Allee, Stralauer Allee und viele mehr.

Nun, ich bin mir sicher, dass jede andere Regierung noch weniger geschafft hätte. Eigentlich geht es hier aber um Brandenburg. Da sind die Parteien anders.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
Mont Klamott
Rot-rot-grün bedeutet Stillstand, wie man ja in Berlin sehen kann. In der Zeit wurde nicht 1 km neue Strassenbahnstrecke geschaffen. Auch kriegt es Brandenburg und Berlin nicht auf die Reihe, sich über die S-Bahn-Verlängerungen wie vor dem Mauerbau zu einigen.
Stattdessen gibt es nur Maßregelungen, Parkplätze zu begrenzen, eine Citymaut einzuführen usw..
Die Straßen Berlins sind runtergewirtschaftet, Frankfurter Allee, Landsberger Allee, Stralauer Allee und viele mehr.

... weil ja auch seit Mauerbau rot-rot-grün regiert. Unter einer CDU-FDP-(AfD)-Regierung wären bestimmt noch Milliarden mehr in den Ausbau geflossen
*facepalm*

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Tscheynsch hier vor Ju-Tu wis Sörvis tu Exebischn-Raunds änd Olümpick-Staydium
Lieber Arnd. Auch wenn ich als Antwort wieder erhalten werde, dass ich den Thread ja ignorieren könnte, was soll Deine Frage?
Es ist eine Wahl gelaufen und und Du fragst was die Parteien mit dem ÖPNV vorhaben. Das ist komplett in die Glaskugel geschaut und die ersten Antworten zeigen nur politisches Bashing und Mutmaßungen. Was erwartest Du jetzt für Antworten?
Wenn, dann haben doch die Parteien vorher ihre "Wahlversprechen" abgegeben. Da kann man doch nicht fragen was nun passieren könnte.
Meistens wird nicht eintreten was versprochen wurde oder man muß abwarten was umzusetzen ist. Andernfallls finde ich Deine Fragestellung schon irgendwie konfus.
Zitat
Marienfelde
Daher habe ich mir das Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen einmal angesehen. Dort finden sich auf den Seiten 25 - 32 Aussagen zum Bereich "Mobilität".
Am Schluß des Abschnitts wird das "Projekt: Trendwende für die Öffis" vorgestellt

Davon lesen sich 90% wie die Sendung "Wünsch Dir was". Die Erwartungen/Wünsche werden leider sehr schnell an der Finanzierbarkeit und an fehlenden Planungskapazitäten scheitern. Wenn ich mir allein das Gezerre um den zwingend notwendigen Ausbau Bahnhof KW und den weiteren Ausbau Zweigleisigkeit Richtung Cottbus und die dafür aufgerufenen hohen Millionenbeträge anschaue, wird kein großer Optimismus sichtbar. Brandenburg ist eigentlich schon ganz ordentlich erschlossen, wo einigermaßen Bedarf ist, ich hoffe aber immer noch auf kleine Fortschritte...

Mit besten Grüßen

phönix



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.09.2019 23:03 von phönix.
Zitat
GraphXBerlin
Wenn, dann haben doch die Parteien vorher ihre "Wahlversprechen" abgegeben. Da kann man doch nicht fragen was nun passieren könnte.

Nu, man könnte spekulieren, was aus den Wahlversprechen bei den verschiedenen Koalitionsmöglichkeiten wird. Aber das ist auch nur Spekulation.


heute mal keine sig
Zitat
phönix
Zitat
Marienfelde
Daher habe ich mir das Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen einmal angesehen. Dort finden sich auf den Seiten 25 - 32 Aussagen zum Bereich "Mobilität".
Am Schluß des Abschnitts wird das "Projekt: Trendwende für die Öffis" vorgestellt

Davon lesen sich 90% wie die Sendung "Wünsch Dir was". Die Erwartungen/Wünsche werden leider sehr schnell an der Finanzierbarkeit und an fehlenden Planungskapazitäten scheitern. Wenn ich mir allein das Gezerre um den zwingend notwendigen Ausbau Bahnhof KW und den weiteren Ausbau Zweigleisigkeit Richtung Cottbus und die dafür aufgerufenen hohen Millionenbeträge anschaue, wird kein großer Optimismus sichtbar. Brandenburg ist eigentlich schon ganz ordentlich erschlossen, wo einigermaßen Bedarf ist, ich hoffe aber immer noch auf kleine Fortschritte...

Ich glaube, ganz so pessimistisch muß man nicht sein. Das gesamte politische und gesellschaftliche Umfeld ist ja immer in Bewegung. Ein einfaches "weiter so" würde auch immer schwieriger und teurer werden (es "kostet" auch Stimmen und vor allem Mandate) - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muß man eigentlich nur den Wetterbericht hören.

Gerade weil es sich in unserem Bereich umweltpolitisch um eher "weiche Maßnahmen" handelt ("harte Maßnahmen" wären z.B. die rasche Unterbindung energieintensiver Produktionen, die zeitnahe Abschaltung von Kohlekraftwerken, das Verbot bestimmter Antriebstechniken im Verkehr, eine Einschränkung des Flugverkehrs, drastische Eingriffe in die Tierhaltung usw.), ist ihre teilweise Umsetzung nicht so unwahrscheinlich.

Denjenigen, die eigentlich nichts ändern wollen, erscheinen zweite Gleise, Landesbusnetze usw. womöglich als ein Ausweg, um die eigentlich seit langem erforderlichen staatlichen Eingriffe in die kapitalistische Produktionsweise entweder zu vermeiden oder doch möglichst lange hinauszuzögern.
Zitat
Marienfelde
Ich glaube, ganz so pessimistisch muß man nicht sein. Das gesamte politische und gesellschaftliche Umfeld ist ja immer in Bewegung. Ein einfaches "weiter so" würde auch immer schwieriger und teurer werden (es "kostet" auch Stimmen und vor allem Mandate) - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muß man eigentlich nur den Wetterbericht hören.

Gerade weil es sich in unserem Bereich umweltpolitisch um eher "weiche Maßnahmen" handelt ("harte Maßnahmen" wären z.B. die rasche Unterbindung energieintensiver Produktionen, die zeitnahe Abschaltung von Kohlekraftwerken, das Verbot bestimmter Antriebstechniken im Verkehr, eine Einschränkung des Flugverkehrs, drastische Eingriffe in die Tierhaltung usw.), ist ihre teilweise Umsetzung nicht so unwahrscheinlich.

Denjenigen, die eigentlich nichts ändern wollen, erscheinen zweite Gleise, Landesbusnetze usw. womöglich als ein Ausweg, um die eigentlich seit langem erforderlichen staatlichen Eingriffe in die kapitalistische Produktionsweise entweder zu vermeiden oder doch möglichst lange hinauszuzögern.

Ja, ich denke auch, dass es die nächsten Jahre etwas besser werden könnte, aus mehreren Gründen:

- Selbst in der Bundespolitik scheint ja langsam anzukommen, dass bloße (kurzfristige) Gewinne als alleinige Zielvorgabe und eine knapp kalkulierte/ geplante Infrastruktur nicht im Sinne eines attraktiven Bahnverkehrs sind. Ob das tatsächlich Folgen hat, werden wir in 5-10 Jahren sehen, aber allein zu dieser Erkenntnis war es ja schon ein weiter Weg.

- Es ist tatsächlich gesellschaftlich einiges im Fluss. Plötzlich sehen es Bürgermeister als Nachteil an, nicht an den Bahnverkehr angebunden zu sein und fordern die Wiederinbetriebnahme "ihrer" Bahn, plötzlich wird das Abgehängt-Sein vom ÖPNV als ein Grund für die "AfD"-Ergebnisse gehandelt. Von "Fridays for Future" ganz zu schweigen.

- Und wie Du selbst schreibst: gegen bestimmte Maßnahmen werden selbst die autofreundlichsten Parteien nicht sein, zumindest solange es keine Einschränkungen für Autofahrer gibt.
Zitat
phönix

Davon lesen sich 90% wie die Sendung "Wünsch Dir was". Die Erwartungen/Wünsche werden leider sehr schnell an der Finanzierbarkeit und an fehlenden Planungskapazitäten scheitern. Wenn ich mir allein das Gezerre um den zwingend notwendigen Ausbau Bahnhof KW und den weiteren Ausbau Zweigleisigkeit Richtung Cottbus und die dafür aufgerufenen hohen Millionenbeträge anschaue, wird kein großer Optimismus sichtbar. Brandenburg ist eigentlich schon ganz ordentlich erschlossen, wo einigermaßen Bedarf ist, ich hoffe aber immer noch auf kleine Fortschritte...

Alexander Kaczmarek hat auf dem i2030 Sprechtag darüber geredet. Er meinte, früher war es ein Problem an Geld zu kommen. Mittlerweile hat er das Gefühl, dass da immer was geht. Was in der Tat mittlerweile ein Problem ist, sind tatsächlich die Planungs- und vor allem Baukapazitäten. Deshalb geht man die Planungen für die ganzen Strecken jetzt an, damit man etwas "in der Schublade hat", wenn plötzlich irgendwo Geld regnet. Wie z.B. jetzt auch bei den Strukturwandelförderungen für die Lausitz, bei der jetzt plötzlich alles per Gesetzt einen NKF > 1 hat, also Geld und "Wirtschaftlichkeit" keine Rolle spielt.
Und zu KW wurde gesagt, dass jetzt erst einmal eine kleine Lösung umgesetzt werden muss, damit der ausgeschriebene Fahrplan umgesetzt werden kann, mit der Strukturwandelförderung aber ein Komplettumbau geplant werden kann, der den Knoten KW auflösen soll.

Die nächsten Jahre könnten in der Tat bzgl. ÖP(N/F)V sehr interessant werden.
Zitat
Marienfelde
Zitat
phönix
Zitat
Marienfelde
Daher habe ich mir das Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen einmal angesehen. Dort finden sich auf den Seiten 25 - 32 Aussagen zum Bereich "Mobilität".
Am Schluß des Abschnitts wird das "Projekt: Trendwende für die Öffis" vorgestellt

Davon lesen sich 90% wie die Sendung "Wünsch Dir was". Die Erwartungen/Wünsche werden leider sehr schnell an der Finanzierbarkeit und an fehlenden Planungskapazitäten scheitern. Wenn ich mir allein das Gezerre um den zwingend notwendigen Ausbau Bahnhof KW und den weiteren Ausbau Zweigleisigkeit Richtung Cottbus und die dafür aufgerufenen hohen Millionenbeträge anschaue, wird kein großer Optimismus sichtbar. Brandenburg ist eigentlich schon ganz ordentlich erschlossen, wo einigermaßen Bedarf ist, ich hoffe aber immer noch auf kleine Fortschritte...

Ich glaube, ganz so pessimistisch muß man nicht sein. Das gesamte politische und gesellschaftliche Umfeld ist ja immer in Bewegung. Ein einfaches "weiter so" würde auch immer schwieriger und teurer werden (es "kostet" auch Stimmen und vor allem Mandate) - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muß man eigentlich nur den Wetterbericht hören.

Gerade weil es sich in unserem Bereich umweltpolitisch um eher "weiche Maßnahmen" handelt ("harte Maßnahmen" wären z.B. die rasche Unterbindung energieintensiver Produktionen, die zeitnahe Abschaltung von Kohlekraftwerken, das Verbot bestimmter Antriebstechniken im Verkehr, eine Einschränkung des Flugverkehrs, drastische Eingriffe in die Tierhaltung usw.), ist ihre teilweise Umsetzung nicht so unwahrscheinlich.

Denjenigen, die eigentlich nichts ändern wollen, erscheinen zweite Gleise, Landesbusnetze usw. womöglich als ein Ausweg, um die eigentlich seit langem erforderlichen staatlichen Eingriffe in die kapitalistische Produktionsweise entweder zu vermeiden oder doch möglichst lange hinauszuzögern.

Na halt dich mal fest - die 'harten' Maßnahmen sind alles andere als unrealistisch. Zum einen spüren die Grünen Rückenwind und gehen recht selbstbewusst in die Sondierungen, was Kohleausstieg angeht. Zum anderen hat sich die Kohleregion mit ihrem seltsamen Wahlverhalten - ganz platt gesprochen - selbst abgehängt und kann sich nicht darauf berufen, in der nächsten Regierung halbwegs repräsentiert zu sein. Und jenseits alles Politischen gab es - fast unbemerkt von der Öffentlichkeit - am Sonntag den Kohleausstieg im Kleinen. Der komplette Tagebau Jänschwalde (6.000 Hektar Land) wurde stillgelegt. Nicht wegen den Grünen, nicht wegen Fridays For Future, nicht, weil Greta zu besuch war, oder die Landesregierung ein Konzept entwickelt hatte... nein, einfach weil der Betreiber LEAG zu doof war, die Genehmigung zu verlängern.
So einfach kann das gehen mit der Energiewende. Oh, in wievielen Häusern in Cottbus und Berlin sind diese Woche die Lichter ausgegangen?

Die Kohlekumpel sind jetzt natürlich zu recht sauer. Nur leider zu unrecht auf die Deutsche Umwelthilfe, die mal wieder nichts anderes tut, als geltendes Recht einzuklagen, und nicht auf den Arbeitgeber, der einfach schlurfig meinte, Dokumente nachreichen zu können, wo es verbindliche Fristen gibt.

Was mich am meisten schockiert hat? Am Tagebau hängen lt. Presseberichten 700 Arbeitsplätze. Siebenhundert. Auf einer Mondkraterlandschaft, die ungefähr 6 mal 10 km groß ist. Nimm die Fläche von Mahrzahn-Hellersdorf, stell dir die Menschendichte von Finnland darauf vor und die Bildaufnahmen von Apollo 11. Dann bist du in Jänschwalde.

Das kann nur deswegen signifikant sein, weil es sonst in der Gegend absolut nichts anderes gibt als Sand und Kohle, anders kann ich mir das nicht vorstellen. In absoluten Zahlen kann ich dem keine große Bedeutung beimessen. Der Kaufhof am Ostbahnhof hatte mehr Angestellte. Wenn man ins Verhältnis setzt, dass im Nachgang zum torpedierten EEG allein 20.000 Stellen in der Windenergie abgebaut wurden (von einer komplett zerstörten Solarindustrie mal ganz zu schweigen), dann fällt es mir schwer nachzuvollziehen, welcher Wert jedem einzelnen Kohlejob beigemessen wird.







Und es ist ja nicht längst so, als ob alle Menschen in den Braunkohlerevieren davon überzeugt sind, dass das so weitergehen soll:

Schafft die #Enteignungsparagraphen für die Braunkohle ab!

Das irrige bei Jänschwalde ist wohl, dass in 2023 da wohl eh keine Kohle mehr ist. Aber vlt. sorgt die AfD ja für Nachschub ;-)
Zitat
schallundrausch
Der komplette Tagebau Jänschwalde (6.000 Hektar Land) wurde stillgelegt. Nicht wegen den Grünen, nicht wegen Fridays For Future, nicht, weil Greta zu besuch war, oder die Landesregierung ein Konzept entwickelt hatte... nein, einfach weil der Betreiber LEAG zu doof war, die Genehmigung zu verlängern.

Das schlimme ist, dass genau das viele nicht verstehen, weil "die da oben" eh für alles verantwortlich sind. Da gibt es dann keine Gewaltenteilung (also unabhängige Gerichte, die keinen Weisungen der Regierung unterworfen sind), da gibt es keine freie Wirtschaft, alles ist von Berlin aus gelenkt. So wie man es in Staatsbürgerkunde wahrscheinlich gelernt hat. Wie es in der taz so schön formuliert ist (hier in Bezug auf Sachsen):

Zitat
taz
Mein Opa glaubt tatsächlich daran, dass Angela Merkel von Berlin aus das Angebot im Lidl-Markt bestimmen kann. Und wenn ihm das nicht gefällt, dann macht er die da oben verantwortlich.

Zitat
schallundrausch
Oh, in wievielen Häusern in Cottbus und Berlin sind diese Woche die Lichter ausgegangen?

Warte mal, bis sie wieder Strom haben und davon berichten können. :D



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 03.09.2019 16:53 von def.
Zitat
schallundrausch
Oh, in wievielen Häusern in Cottbus und Berlin sind diese Woche die Lichter ausgegangen?

Das ist aktuell kein Problem. Ältere Kohlekraftwerke mit einem schlechteren Wirkungsgrad haben die Funktion des relativ modernen Kraftwerks in Jänschwalde übernommen und es ist immer noch genug Reserve da, denn die Kapazität aller Kohlekraftwerke (inclusive Jänschwalde) wird aktuell nur zu ca. 30 % ausgenutzt. Anders sieht es ab November aus, wenn die Fotovoltaik für vier Monate kaum noch einen nennenswerten Beitrag in den Spitzenlastzeiten leistet...

Mit besten Grüßen

phönix
Zitat
schallundrausch
Zitat
Marienfelde
Zitat
phönix
Zitat
Marienfelde
Daher habe ich mir das Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen einmal angesehen. Dort finden sich auf den Seiten 25 - 32 Aussagen zum Bereich "Mobilität".
Am Schluß des Abschnitts wird das "Projekt: Trendwende für die Öffis" vorgestellt

Davon lesen sich 90% wie die Sendung "Wünsch Dir was". Die Erwartungen/Wünsche werden leider sehr schnell an der Finanzierbarkeit und an fehlenden Planungskapazitäten scheitern. Wenn ich mir allein das Gezerre um den zwingend notwendigen Ausbau Bahnhof KW und den weiteren Ausbau Zweigleisigkeit Richtung Cottbus und die dafür aufgerufenen hohen Millionenbeträge anschaue, wird kein großer Optimismus sichtbar. Brandenburg ist eigentlich schon ganz ordentlich erschlossen, wo einigermaßen Bedarf ist, ich hoffe aber immer noch auf kleine Fortschritte...

Ich glaube, ganz so pessimistisch muß man nicht sein. Das gesamte politische und gesellschaftliche Umfeld ist ja immer in Bewegung. Ein einfaches "weiter so" würde auch immer schwieriger und teurer werden (es "kostet" auch Stimmen und vor allem Mandate) - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muß man eigentlich nur den Wetterbericht hören.

Gerade weil es sich in unserem Bereich umweltpolitisch um eher "weiche Maßnahmen" handelt ("harte Maßnahmen" wären z.B. die rasche Unterbindung energieintensiver Produktionen, die zeitnahe Abschaltung von Kohlekraftwerken, das Verbot bestimmter Antriebstechniken im Verkehr, eine Einschränkung des Flugverkehrs, drastische Eingriffe in die Tierhaltung usw.), ist ihre teilweise Umsetzung nicht so unwahrscheinlich.

Denjenigen, die eigentlich nichts ändern wollen, erscheinen zweite Gleise, Landesbusnetze usw. womöglich als ein Ausweg, um die eigentlich seit langem erforderlichen staatlichen Eingriffe in die kapitalistische Produktionsweise entweder zu vermeiden oder doch möglichst lange hinauszuzögern.

Na halt dich mal fest - die 'harten' Maßnahmen sind alles andere als unrealistisch. Zum einen spüren die Grünen Rückenwind und gehen recht selbstbewusst in die Sondierungen, was Kohleausstieg angeht. Zum anderen hat sich die Kohleregion mit ihrem seltsamen Wahlverhalten - ganz platt gesprochen - selbst abgehängt und kann sich nicht darauf berufen, in der nächsten Regierung halbwegs repräsentiert zu sein. Und jenseits alles Politischen gab es - fast unbemerkt von der Öffentlichkeit - am Sonntag den Kohleausstieg im Kleinen. Der komplette Tagebau Jänschwalde (6.000 Hektar Land) wurde stillgelegt. Nicht wegen den Grünen, nicht wegen Fridays For Future, nicht, weil Greta zu besuch war, oder die Landesregierung ein Konzept entwickelt hatte... nein, einfach weil der Betreiber LEAG zu doof war, die Genehmigung zu verlängern.
So einfach kann das gehen mit der Energiewende. Oh, in wievielen Häusern in Cottbus und Berlin sind diese Woche die Lichter ausgegangen?

Die Kohlekumpel sind jetzt natürlich zu recht sauer. Nur leider zu unrecht auf die Deutsche Umwelthilfe, die mal wieder nichts anderes tut, als geltendes Recht einzuklagen, und nicht auf den Arbeitgeber, der einfach schlurfig meinte, Dokumente nachreichen zu können, wo es verbindliche Fristen gibt.

Was mich am meisten schockiert hat? Am Tagebau hängen lt. Presseberichten 700 Arbeitsplätze. Siebenhundert. Auf einer Mondkraterlandschaft, die ungefähr 6 mal 10 km groß ist. Nimm die Fläche von Mahrzahn-Hellersdorf, stell dir die Menschendichte von Finnland darauf vor und die Bildaufnahmen von Apollo 11. Dann bist du in Jänschwalde.

Das kann nur deswegen signifikant sein, weil es sonst in der Gegend absolut nichts anderes gibt als Sand und Kohle, anders kann ich mir das nicht vorstellen. In absoluten Zahlen kann ich dem keine große Bedeutung beimessen. Der Kaufhof am Ostbahnhof hatte mehr Angestellte. Wenn man ins Verhältnis setzt, dass im Nachgang zum torpedierten EEG allein 20.000 Stellen in der Windenergie abgebaut wurden (von einer komplett zerstörten Solarindustrie mal ganz zu schweigen), dann fällt es mir schwer nachzuvollziehen, welcher Wert jedem einzelnen Kohlejob beigemessen wird.

..

Sind ja "nur" 700 Arbeitspläte..in einer strukturschwachen Region..( "Peanuts", wie Bankchefs gerne sagen)..wenn das dauerhaft wird, sind es nicht nur diese 700,
da fallen im Nachgang ganz schnell weitere weg, auch wenn es mangels Bäckern etc kaum noch Verkäuferinnenarbeitsplätze usw.gibt,aber eben halt nicht nur solche..
das hat die Region nach der Wende in heftigeren Größenordnungen durch, das sitzt da noch tief.Und das schürt auch Zorn gegen " die da oben". Hats in der KKW Branche übrigens auch.
Ja und Licht ist in Berlin und umzu keins ausgegangen, das können noch !! andere Kraftwerke mit auffangen,
wie gesagt noch... wenn die auch so schlampert oder per Kohleausstieg an die Wand geklatscht werden,
dann ist ganz schnell zappenduster mit den achso tollen erneuerbaren Energien ohne Speichermöglichkeit.
Tja und nun überlegt mal warum die Solarindustrie in D den Bach runter ist..genau mit den billigen Chinamodulen können deutsche Industriearbeitsplätze nicht mehr mithalten!
Und irgendwann muss auch mal Schluß damit sein, das letzte Feld und den letzten Wald mit den Vögelschreddern zuzustellen.
Die kann man in die ausgekohlten Flächen stellen, so diese überhaupt tragfähigen Boden haben, aber nicht in besiedelte Gebiete.

T6JP
@def: LOL

@Micha

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Einerseits bin ich energie- und umweltpolitisch für einen sofortigen Kohleausstieg, andererseits finde ich die ganze Anlage, Technik und Landschaft unglaublich faszinierend. Und ich sehe da gar keine Widerspruch, man sollte da unbedingt nochmal hin und sich das anschauen, solange das noch geht, die bieten auch tolle geführte Touren an!

Konkret war ich mit einer sehr ausgedehnten und informativen Tour der Werksbahn dort, @GlobalFish hatte das organisiert. Der Leider des Eisenbahnbetriebs war mit an Bord und hat sehr viel über die Hintergründe erzählt.
Die Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg mit den angeschlossenen Tagebauen Welzow, Jänschwalde, Nochten und Reichwalde funktionieren im Verbund. Dazwischen liegen fast 400 km Gleise der nichtöffentlichen Werksbahn. Zum Teil fahren die dort mit 1000-Tonnen-Zügen im 10-Minuten-Takt, Kohle hin, Asche zurück. Die Planungen des Betreibers gehen bis 2040, so lange ist der Betrieb sichergestellt und möglich. Es wird tatsächlich immer aufwändiger, die Kraftwerke zu versorgen, da das größte, Jänschwalde (6 Blöcke à 500 MW) immer mehr von den südlicheren Tagebauen, z.T. 50 km weit entfernt, versorgt werden muss, da der Vorrat vor der Haustür als erster erschöpft sein wird. Schon jetzt werden absurde Mengen Kohle im Revier hin- und her gekarrt, weil die Kraftwerke auf die konkrete Qualität vor der Haustür konstruiert wurden. Da die Qualität sich aber mit zunehmendem Abbau ständig ändert - tiefere Flöze sind einfach anders beschaffen, als die oberen, die man in den 80er Jahren abgebaut hat - muss ständig bessere (oder auch schlechtere) Kohle aus den anderen Tagebauen beigemischt werden, damit die Verbrennung gut funktioniert.

Deswegen war das natürlich polemische Übertreibung von mir, nur weil der Tagebau Jänschwalde stillliegt, heißt das nicht, dass das Kraftwerk runtergefahren werden muss. Nur die Männer vom Zentralen Eisenbahnbetrieb müssen halt noch mehr Kohle verschieben, als eh schon.

Will sagen, das System funktioniert und wird auch noch 20 Jahre funktionieren können. Es wird halt jedes Jahr aufwändiger. Und neben der abnehmenden Wirtschaftlichkeit stellt sich jederzeit die Frage nach der industrie-, umwelt-, energie-, arbeitsmarkt- und strukturpolitischen Sinnhaftigkeit.
Zitat
T6Jagdpilot
Sind ja "nur" 700 Arbeitspläte..in einer strukturschwachen Region..( "Peanuts", wie Bankchefs gerne sagen)..wenn das dauerhaft wird, sind es nicht nur diese 700,
da fallen im Nachgang ganz schnell weitere weg, auch wenn es mangels Bäckern etc kaum noch Verkäuferinnenarbeitsplätze usw.gibt,aber eben halt nicht nur solche..

T6JP

Das stimmt ja alles. Aber das Problem ist doch jetzt nicht, dass die 700 Arbeitspätze jetzt wegfallen (was aber immer noch die Leag verschlampt hat!), sondern dass da in naher Zukunft gar keine Kohle mehr übrig ist, die weggebaggert werden kann. In 5 Jahren wäre da doch eh Schluss gewesen. Irgendwann ist da nunmal Schluss, da Kohle so schnell nicht nachwächst.

Das ganze Problem mit der Braunkohle wurde aber über Jahrzehnte verschlafen und das fällt denen jetzt auf die Füße. Und wenn es irgendwann so heiß hier wird, dass die Kraftwerke nicht mehr gekühlt werden können, weil die Spree (oder was da fließt) komplett trocken gefallen ist, dann hat sich das Kraftwerk spätestens dann erledigt. Und dann?
Zitat
schallundrausch
Und neben der abnehmenden Wirtschaftlichkeit stellt sich jederzeit die Frage nach der industrie-, umwelt-, energie-, arbeitsmarkt- und strukturpolitischen Sinnhaftigkeit.

Zitat
DerMichael
Das ganze Problem mit der Braunkohle wurde aber über Jahrzehnte verschlafen und das fällt denen jetzt auf die Füße.

nicht denen, sondern uns allen. Denn wir verbrauchen viel zu viel Energie und sind nicht zu erheblichen Einsparungen bereit. Andererseits haben wir es seit den ersten Anfängen der großindustriellen regenerativen Energiegewinnung in den 1970er Jahren nicht geschafft, regenerative Energie in ausreichender Menge bereitzustellen und zu speichern. Die Zeit berichtete dazu letztens: [www.zeit.de]

Mit besten Grüßen

phönix
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