Willkommen! Einloggen Ein neues Profil erzeugen

erweitert
Landtagswahl Brandenburg und ÖPNV
geschrieben von Arnd Hellinger 
Zitat
DerMichael

Das ganze Problem mit der Braunkohle wurde aber über Jahrzehnte verschlafen und das fällt denen jetzt auf die Füße. Und wenn es irgendwann so heiß hier wird, dass die Kraftwerke nicht mehr gekühlt werden können, weil die Spree (oder was da fließt) komplett trocken gefallen ist, dann hat sich das Kraftwerk spätestens dann erledigt. Und dann?

So weit denken die meisten Menschen nicht. Es gibt einfach viel zuviele Kurzdenker.

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
Zitat
T6Jagdpilot
Zitat
schallundrausch
Zitat
Marienfelde
Zitat
phönix
Zitat
Marienfelde
Daher habe ich mir das Wahlprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen einmal angesehen. Dort finden sich auf den Seiten 25 - 32 Aussagen zum Bereich "Mobilität".
Am Schluß des Abschnitts wird das "Projekt: Trendwende für die Öffis" vorgestellt

Davon lesen sich 90% wie die Sendung "Wünsch Dir was". Die Erwartungen/Wünsche werden leider sehr schnell an der Finanzierbarkeit und an fehlenden Planungskapazitäten scheitern. Wenn ich mir allein das Gezerre um den zwingend notwendigen Ausbau Bahnhof KW und den weiteren Ausbau Zweigleisigkeit Richtung Cottbus und die dafür aufgerufenen hohen Millionenbeträge anschaue, wird kein großer Optimismus sichtbar. Brandenburg ist eigentlich schon ganz ordentlich erschlossen, wo einigermaßen Bedarf ist, ich hoffe aber immer noch auf kleine Fortschritte...

Ich glaube, ganz so pessimistisch muß man nicht sein. Das gesamte politische und gesellschaftliche Umfeld ist ja immer in Bewegung. Ein einfaches "weiter so" würde auch immer schwieriger und teurer werden (es "kostet" auch Stimmen und vor allem Mandate) - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muß man eigentlich nur den Wetterbericht hören.

Gerade weil es sich in unserem Bereich umweltpolitisch um eher "weiche Maßnahmen" handelt ("harte Maßnahmen" wären z.B. die rasche Unterbindung energieintensiver Produktionen, die zeitnahe Abschaltung von Kohlekraftwerken, das Verbot bestimmter Antriebstechniken im Verkehr, eine Einschränkung des Flugverkehrs, drastische Eingriffe in die Tierhaltung usw.), ist ihre teilweise Umsetzung nicht so unwahrscheinlich.

Denjenigen, die eigentlich nichts ändern wollen, erscheinen zweite Gleise, Landesbusnetze usw. womöglich als ein Ausweg, um die eigentlich seit langem erforderlichen staatlichen Eingriffe in die kapitalistische Produktionsweise entweder zu vermeiden oder doch möglichst lange hinauszuzögern.

Na halt dich mal fest - die 'harten' Maßnahmen sind alles andere als unrealistisch. Zum einen spüren die Grünen Rückenwind und gehen recht selbstbewusst in die Sondierungen, was Kohleausstieg angeht. Zum anderen hat sich die Kohleregion mit ihrem seltsamen Wahlverhalten - ganz platt gesprochen - selbst abgehängt und kann sich nicht darauf berufen, in der nächsten Regierung halbwegs repräsentiert zu sein. Und jenseits alles Politischen gab es - fast unbemerkt von der Öffentlichkeit - am Sonntag den Kohleausstieg im Kleinen. Der komplette Tagebau Jänschwalde (6.000 Hektar Land) wurde stillgelegt. Nicht wegen den Grünen, nicht wegen Fridays For Future, nicht, weil Greta zu besuch war, oder die Landesregierung ein Konzept entwickelt hatte... nein, einfach weil der Betreiber LEAG zu doof war, die Genehmigung zu verlängern.
So einfach kann das gehen mit der Energiewende. Oh, in wievielen Häusern in Cottbus und Berlin sind diese Woche die Lichter ausgegangen?

Die Kohlekumpel sind jetzt natürlich zu recht sauer. Nur leider zu unrecht auf die Deutsche Umwelthilfe, die mal wieder nichts anderes tut, als geltendes Recht einzuklagen, und nicht auf den Arbeitgeber, der einfach schlurfig meinte, Dokumente nachreichen zu können, wo es verbindliche Fristen gibt.

Was mich am meisten schockiert hat? Am Tagebau hängen lt. Presseberichten 700 Arbeitsplätze. Siebenhundert. Auf einer Mondkraterlandschaft, die ungefähr 6 mal 10 km groß ist. Nimm die Fläche von Mahrzahn-Hellersdorf, stell dir die Menschendichte von Finnland darauf vor und die Bildaufnahmen von Apollo 11. Dann bist du in Jänschwalde.

Das kann nur deswegen signifikant sein, weil es sonst in der Gegend absolut nichts anderes gibt als Sand und Kohle, anders kann ich mir das nicht vorstellen. In absoluten Zahlen kann ich dem keine große Bedeutung beimessen. Der Kaufhof am Ostbahnhof hatte mehr Angestellte. Wenn man ins Verhältnis setzt, dass im Nachgang zum torpedierten EEG allein 20.000 Stellen in der Windenergie abgebaut wurden (von einer komplett zerstörten Solarindustrie mal ganz zu schweigen), dann fällt es mir schwer nachzuvollziehen, welcher Wert jedem einzelnen Kohlejob beigemessen wird.

..

Sind ja "nur" 700 Arbeitspläte..in einer strukturschwachen Region..( "Peanuts", wie Bankchefs gerne sagen)..wenn das dauerhaft wird, sind es nicht nur diese 700,
da fallen im Nachgang ganz schnell weitere weg, auch wenn es mangels Bäckern etc kaum noch Verkäuferinnenarbeitsplätze usw.gibt,aber eben halt nicht nur solche..
das hat die Region nach der Wende in heftigeren Größenordnungen durch, das sitzt da noch tief.Und das schürt auch Zorn gegen " die da oben". Hats in der KKW Branche übrigens auch.
Ja und Licht ist in Berlin und umzu keins ausgegangen, das können noch !! andere Kraftwerke mit auffangen,
wie gesagt noch... wenn die auch so schlampert oder per Kohleausstieg an die Wand geklatscht werden,
dann ist ganz schnell zappenduster mit den achso tollen erneuerbaren Energien ohne Speichermöglichkeit.
Tja und nun überlegt mal warum die Solarindustrie in D den Bach runter ist..genau mit den billigen Chinamodulen können deutsche Industriearbeitsplätze nicht mehr mithalten!
Und irgendwann muss auch mal Schluß damit sein, das letzte Feld und den letzten Wald mit den Vögelschreddern zuzustellen.
Die kann man in die ausgekohlten Flächen stellen, so diese überhaupt tragfähigen Boden haben, aber nicht in besiedelte Gebiete.

T6JP

Ich schätze deine Berliner Schnauze, Deinen Humor und Deine manchmal harten Worte. Gerade bedienst Du aber mehrere Narrative der Rechtspopulisten: Kausalumkehr, Opfermythos, Unterdrückungsphantasien, Wortverdrehungen und Unwahrheiten, dass ich hin und her gerissen bin. Wollen wir einen ernsthaften politischen Diskurs führen? Oder soll ich das einfach als aufgeregtes Geblubber abtun? Sag Du mir, was sollen wir machen?
Zitat
schallundrausch
Sag Du mir, was sollen wir machen?

Vor allem wollen wir hier (auch) richtig zitieren; der Ordnung halber und um den Überblick zu bewahren.


Es fährt keinmal am Tag ein Bus und das in beide Richtungen.
Zitat
DerMichael
Zitat
T6Jagdpilot
Sind ja "nur" 700 Arbeitspläte..in einer strukturschwachen Region..( "Peanuts", wie Bankchefs gerne sagen)..wenn das dauerhaft wird, sind es nicht nur diese 700,
da fallen im Nachgang ganz schnell weitere weg, auch wenn es mangels Bäckern etc kaum noch Verkäuferinnenarbeitsplätze usw.gibt,aber eben halt nicht nur solche..

T6JP

Das stimmt ja alles. Aber das Problem ist doch jetzt nicht, dass die 700 Arbeitspätze jetzt wegfallen (was aber immer noch die Leag verschlampt hat!), sondern dass da in naher Zukunft gar keine Kohle mehr übrig ist, die weggebaggert werden kann. In 5 Jahren wäre da doch eh Schluss gewesen. Irgendwann ist da nunmal Schluss, da Kohle so schnell nicht nachwächst.

Das ganze Problem mit der Braunkohle wurde aber über Jahrzehnte verschlafen und das fällt denen jetzt auf die Füße. Und wenn es irgendwann so heiß hier wird, dass die Kraftwerke nicht mehr gekühlt werden können, weil die Spree (oder was da fließt) komplett trocken gefallen ist, dann hat sich das Kraftwerk spätestens dann erledigt. Und dann?

Jetzt erleben wir ( wieder?) wie man mit planlosen vorgehen einen Wirtschaftszweig in einer Region blitzschnell lahmlegen kann.
Nebst nachfolgenden Problemen wie eben angesprochen...bis man in CB,HY Spremberg oder sonstwo auch nur alternative Arbeitsplätze bieten gehen,
wandern wieder 10 000de ab?

Und was wenn der nächste Sommer wieder so verregnet ist wie der vor drei Jahren..?
Kühlwasser auf einmal wieder da, aber Kraftwerk trotzdem stillgelegt, weil wiederanfahren gar nicht mehr lohnt, Jobs trotzdem weg?
Wenn es hart auf hart kommt, dann importieren wir halt Steinkohlen oder KKW Strom aus PL oder sonstwo her.
Selbst Kohlekonzerne aus CZ holen sich Blumenerde der nicht grade brennstarken und salzhaltigen Flöze aus Profen bei Leipzig,
die Transportwege sind wohl der geringste Teil der Förderkosten, das Netz ist ja vorhanden, wird nur in den Gruben angepasst.

T6JP
Zitat
T6Jagdpilot
Jetzt erleben wir ( wieder?) wie man mit planlosen vorgehen einen Wirtschaftszweig in einer Region blitzschnell lahmlegen kann.

Dieses "man" ist aber in diesem Fall ein privater Konzern, der es nicht hinbekommen hat, eine rechtssichere Verlängerung des Betriebs auf die Reihe zu bekommen. Was machen dessen Juristen eigentlich beruflich?

Zitat
T6Jagdpilot
Nebst nachfolgenden Problemen wie eben angesprochen...bis man in CB,HY Spremberg oder sonstwo auch nur alternative Arbeitsplätze bieten gehen,
wandern wieder 10 000de ab?

Aber das steht doch alles seit Jahrzehnten fest - genau genommen sogar schon zu DDR-Zeiten, denn das Kohle endlich ist, ist ja keine Erkenntnis der Nachwendezeit. Da wurde der eigentliche Fehler gemacht, in der posthum von vielen hochgelobten DDR - man hat die Wirtschaft einer ganzen Region auf einem endlichen Rohstoff aufgebaut. Nicht nur Energiegewinnung, auch das ganze Drumherum.

Es ist ja seit der Wende auch schon viel geschehen, um diese Abhängigkeit von einem Wirtschaftszweig etwas zu mildern. Man denke z.B. an die Gründung der (zwischenzeitlich fusionierten) BTU und der Hochschule Lausitz, die wesentlich breiter aufgestellt sind/waren als ihre Vorgängerhochschulen. Das Hauptproblem ist noch immer, dass viele Studierende zum Studium in die Lausitz kommen, das Wochenende in Berlin verbringen (wenn sie nicht eh von da pendeln) und nach dem Studium wieder abhauen. Die Frage ist doch: wie kann man das Wissen, das hier generiert wird, auch für die Region nutzen?

Was sicher extrem kontraproduktiv ist: in Massen eine rechtsradikale Partei zu wählen. Das wirkt abschreckend auf die, die man anlocken möchte.
Zitat
schallundrausch
Ich schätze deine Berliner Schnauze, Deinen Humor und Deine manchmal harten Worte. Gerade bedienst Du aber mehrere Narrative der Rechtspopulisten: Kausalumkehr, Opfermythos, Unterdrückungsphantasien, Wortverdrehungen und Unwahrheiten [...] Sag Du mir, was sollen wir machen?

Was die Rechtspopulisten gerne verschweigen, sind handfeste Lösungen wie man es besser machen kann. Außer alles so zu lassen wie es ist. Sicher sind viele Menschen in der sturkturschwachen Region ängstlich, wenn jahrzehntelange vertraute Strukturen wegbrechen sollen. Aber erstens ist es ein Prozess, der sich über zwanzig-dreißig Jahre zieht, zweitens bedeutet Strukturwandel auch Neues zu schaffen und drittens schweißt ein Strukturwandel die Betroffenen stärker zusammen. Dazu empfiehlt sich ein Blick ans andere Ende der Republik in das Ruhrgebiet, wo letztes Jahr mit Prosper-Haniel die letzte Zeche ihren Betrieb einstellte und ein 40 Jahre andauernder Strukturwandel weg von der Steinkohle hin zu einem neuen Image stattfand. Ich möchte jedem, der an Erkenntnisgewinn interessiert ist, diesen DSO-Beitrag ans Herz legen. Er beschreibt den vier Jahrzehnte andauernden Prozess sehr anschaulich: [www.drehscheibe-online.de] Daraus ein paar money-quotes:

"Das Problem: Das gesamte Ruhrgebiet war kohleabhängig. Selbst wenn man mit Importkohle weiter Eisen verhüttet, Strom erzeugt und Kohlechemieprodukte gewonnen hätte, wäre ein gutes Drittel der Gesamtarbeitsplätze in der Region weggefallen."

"Vor diesem Hintergrund hat irgend ein sehr kluger Kopf die Idee gehabt, den Kohleausstieg auf 25 bis 30 Jahre zu strecken. [...] So begannen die Bergbaufirmen, sich zusammenzuschließen, schleichend oder offen, aber begrenzt Personal abzubauen. Man könnte hier von einer Art Kartell sprechen, wobei hier nicht die Gewinnmaximierung der Teilnehmer, sondern die Verlustminimierung der Gesellschaft das Ziel war."

"Die Städte versuchten, die Arbeitsplätze durch andere Arbeitsplätze zu ersetzen. Dabei konkurrierte man meist um Großunternehmen, die auf einen Schlag eine vierstellige Zahl Leute einstellen konnten. Mittelstand und kleine Unternehmen wurden dabei weitgehend übersehen: [...] Nur einige wenige Städte hatten den Mittelstand erkannt. Essen als traditionelle Verwaltungsstadt im Ruhrgebiet war dabei, ebenso Oberhausen und in kleinerem Rahmen Mülheim. Die anderen Städte kamen viel später auf diesen Trichter."

"Oberhausen ging einen anderen Weg als die meisten Städte. Auf einem alten Hüttengelände entstand das CentrO, Deutschlands größtes Einkaufszentrum. Daran angelehnt eine große Freizeitmeile mit Yachthafen, Multifunktionsarena, Freizeitpark, (ehemals) Schau-Modellbahn, Spaßbad und vielem mehr."

"Parallel zu dieser Entwicklung begann man im Ruhrgebiet, den Tourismus aufzubauen. Ein Radwegenetz wurde begonnen, viele Umweltsünden beseitigt, vieles der alten Industriekultur, die für den Ruhri einfach normal war, wurde von Ortsfremden entdeckt und als schützenswert betrachtet."

"Die Schwerindustrie brauchte eine Menge Arbeiter der "stark aber dumm"-Klasse, die heute kaum noch eingesetzt werden. Schulbildung hatte hier traditionell eher einen geringen Wert 'Machse irgend einen Abschluss, die Lehre auffe Zeche krisse immer' [...] Entsprechend haben einige Städte unter den Sozialausgaben zu knabbern. [...] Die Sache mit der fehlenden Schulbildung hat sich längst erledigt. Der Anteil an Abiturienten ist im Pott genauso hoch, wie im Rest von NRW."

"Dennoch bleibt viel zu tun: viele Straßen und Gebäude, ja ganze Stadtviertel strahlen noch die Hoffnungslosigkeit der späten 1980er aus. Das ließe sich relativ leicht ändern, ohne dass die Mieten steigen. Das Netz des ÖPNV ist extrem zersplittert, [...] Sinnvoll wäre es, den gesamten Stadtbahn- und Busverkehr in eine gemeinsame Hand zu geben, [...] und [zum Beispiel] unterhalb der S-Bahn ein Netz ausbildet, das Stadtteilzentren miteinander, mit den Bahnhöfen, Gewerbegebieten und den Innenstädten verbindet. Platz ist meist vorhanden, an manchen Stellen gibt es ungenutzte Zechenbahntrassen, allein der politische Wille fehlt."

"Neben der Industriekultur, Abraumhalden als Naherholungsgebieten, einigen Altlasten, über die man nicht schweigen sollte, hat uns der Kohleabbau aber noch etwas hinterlassen: Ewigkeitskosten. [...] So hat sich das gesamte Ruhrgebiet gesenkt [...]. Diese Senkung hat zur Folge, dass große Teile des Ruhrgebietes unter dem Grundwasserspiegel liegen und buchstäblich zur Seenplatte würden, würde man nicht ständig das Grundwasser abpumpen. [...] Ein weiteres Problem ist das Grubenwasser. Auch unter Tage sickert Wasser in die stillgelegten Bergwerke. Das wäre an sich kein Problem, gäbe es da unten nicht auch Umweltgifte, [...]. Trinkwasser? Das liegt doch viel weiter oben? Ja, aber wenn die Gruben voll laufen, besteht die Gefahr, dass es zum Kontakt beider Wasserkörper kommt. Deswegen werden auch die Gruben permanent leer gepumpt."

Und die wohl wichtigste Aussage:
"Komm mal vorbei, such dir ein hübsches Hotel, nimm dir einen Reiseführer der Metropole Ruhr, fahr zu den Punkten der Route Industriekultur, sieh dich um, sprich mit den Ruhries. Die wenigsten beißen, selbst wenn sie auf der A 40 im Stau stehen."

Viele Grüße
Florian Schulz

--
Dieser Beitrag endet hier. Sie können noch bis zum nächsten Beitrag mitlesen.
Zitat
schallundrausch
Ich schätze deine Berliner Schnauze, Deinen Humor und Deine manchmal harten Worte. Gerade bedienst Du aber mehrere Narrative der Rechtspopulisten: Kausalumkehr, Opfermythos, Unterdrückungsphantasien, Wortverdrehungen und Unwahrheiten, dass ich hin und her gerissen bin. Wollen wir einen ernsthaften politischen Diskurs führen? Oder soll ich das einfach als aufgeregtes Geblubber abtun? Sag Du mir, was sollen wir machen?


Auf jeden Fall eins..die Politik muss nicht ewig salbadern was sie irgendwann an Alternativen machen will, sondern jetzt dieser Region schnell und brauchbar investieren,
Arbeit für das "gemeine Volk" vor Ort schaffen und nicht irgendwelche Institute oder Behörden, wo blos Leute von anderswo in die Pampa umziehen müssen
und nicht wollen,wie seinerzeit nach Wünsdorf etc.

Und selbst wenn ich mit meine Worten die Worte der "Populisten" bediene: So denkt das Volk, und vor allem da-nochmal so einen Einbruch wie nach der Wende und die Gegend ist dunkelblau....
Das ist kein Geblubber, das ist meine reale Sicht auf die Dinge, auch wenn es manchen wehtut. Hab Freunde in HY, die reden und denken nicht anders.
Denen ist der eigne Job in der Gegend realer und wichtiger als Gretas Gesülz bzw. das Gelaber von KGE, Habeck oder Baerbock.

T6JP
Zitat
Florian Schulz
Zitat
schallundrausch
Ich schätze deine Berliner Schnauze, Deinen Humor und Deine manchmal harten Worte. Gerade bedienst Du aber mehrere Narrative der Rechtspopulisten: Kausalumkehr, Opfermythos, Unterdrückungsphantasien, Wortverdrehungen und Unwahrheiten [...] Sag Du mir, was sollen wir machen?

Was die Rechtspopulisten gerne verschweigen, sind handfeste Lösungen wie man es besser machen kann. Außer alles so zu lassen wie es ist. Sicher sind viele Menschen in der sturkturschwachen Region ängstlich, wenn jahrzehntelange vertraute Strukturen wegbrechen sollen. Aber erstens ist es ein Prozess, der sich über zwanzig-dreißig Jahre zieht, zweitens bedeutet Strukturwandel auch Neues zu schaffen und drittens schweißt ein Strukturwandel die Betroffenen stärker zusammen. Dazu empfiehlt sich ein Blick ans andere Ende der Republik in das Ruhrgebiet, wo letztes Jahr mit Prosper-Haniel die letzte Zeche ihren Betrieb einstellte und ein 40 Jahre andauernder Strukturwandel weg von der Steinkohle hin zu einem neuen Image stattfand. Ich möchte jedem, der an Erkenntnisgewinn interessiert ist, diesen DSO-Beitrag ans Herz legen. Er beschreibt den vier Jahrzehnte andauernden Prozess sehr anschaulich: [www.drehscheibe-online.de] Daraus ein paar money-quotes:

"Das Problem: Das gesamte Ruhrgebiet war kohleabhängig. Selbst wenn man mit Importkohle weiter Eisen verhüttet, Strom erzeugt und Kohlechemieprodukte gewonnen hätte, wäre ein gutes Drittel der Gesamtarbeitsplätze in der Region weggefallen."

"Vor diesem Hintergrund hat irgend ein sehr kluger Kopf die Idee gehabt, den Kohleausstieg auf 25 bis 30 Jahre zu strecken. [...] So begannen die Bergbaufirmen, sich zusammenzuschließen, schleichend oder offen, aber begrenzt Personal abzubauen. Man könnte hier von einer Art Kartell sprechen, wobei hier nicht die Gewinnmaximierung der Teilnehmer, sondern die Verlustminimierung der Gesellschaft das Ziel war."

"Die Städte versuchten, die Arbeitsplätze durch andere Arbeitsplätze zu ersetzen. Dabei konkurrierte man meist um Großunternehmen, die auf einen Schlag eine vierstellige Zahl Leute einstellen konnten. Mittelstand und kleine Unternehmen wurden dabei weitgehend übersehen: [...] Nur einige wenige Städte hatten den Mittelstand erkannt. Essen als traditionelle Verwaltungsstadt im Ruhrgebiet war dabei, ebenso Oberhausen und in kleinerem Rahmen Mülheim. Die anderen Städte kamen viel später auf diesen Trichter."

"Oberhausen ging einen anderen Weg als die meisten Städte. Auf einem alten Hüttengelände entstand das CentrO, Deutschlands größtes Einkaufszentrum. Daran angelehnt eine große Freizeitmeile mit Yachthafen, Multifunktionsarena, Freizeitpark, (ehemals) Schau-Modellbahn, Spaßbad und vielem mehr."

"Parallel zu dieser Entwicklung begann man im Ruhrgebiet, den Tourismus aufzubauen. Ein Radwegenetz wurde begonnen, viele Umweltsünden beseitigt, vieles der alten Industriekultur, die für den Ruhri einfach normal war, wurde von Ortsfremden entdeckt und als schützenswert betrachtet."

"Die Schwerindustrie brauchte eine Menge Arbeiter der "stark aber dumm"-Klasse, die heute kaum noch eingesetzt werden. Schulbildung hatte hier traditionell eher einen geringen Wert 'Machse irgend einen Abschluss, die Lehre auffe Zeche krisse immer' [...] Entsprechend haben einige Städte unter den Sozialausgaben zu knabbern. [...] Die Sache mit der fehlenden Schulbildung hat sich längst erledigt. Der Anteil an Abiturienten ist im Pott genauso hoch, wie im Rest von NRW."

"Dennoch bleibt viel zu tun: viele Straßen und Gebäude, ja ganze Stadtviertel strahlen noch die Hoffnungslosigkeit der späten 1980er aus. Das ließe sich relativ leicht ändern, ohne dass die Mieten steigen. Das Netz des ÖPNV ist extrem zersplittert, [...] Sinnvoll wäre es, den gesamten Stadtbahn- und Busverkehr in eine gemeinsame Hand zu geben, [...] und [zum Beispiel] unterhalb der S-Bahn ein Netz ausbildet, das Stadtteilzentren miteinander, mit den Bahnhöfen, Gewerbegebieten und den Innenstädten verbindet. Platz ist meist vorhanden, an manchen Stellen gibt es ungenutzte Zechenbahntrassen, allein der politische Wille fehlt."

"Neben der Industriekultur, Abraumhalden als Naherholungsgebieten, einigen Altlasten, über die man nicht schweigen sollte, hat uns der Kohleabbau aber noch etwas hinterlassen: Ewigkeitskosten. [...] So hat sich das gesamte Ruhrgebiet gesenkt [...]. Diese Senkung hat zur Folge, dass große Teile des Ruhrgebietes unter dem Grundwasserspiegel liegen und buchstäblich zur Seenplatte würden, würde man nicht ständig das Grundwasser abpumpen. [...] Ein weiteres Problem ist das Grubenwasser. Auch unter Tage sickert Wasser in die stillgelegten Bergwerke. Das wäre an sich kein Problem, gäbe es da unten nicht auch Umweltgifte, [...]. Trinkwasser? Das liegt doch viel weiter oben? Ja, aber wenn die Gruben voll laufen, besteht die Gefahr, dass es zum Kontakt beider Wasserkörper kommt. Deswegen werden auch die Gruben permanent leer gepumpt."

Und die wohl wichtigste Aussage:
"Komm mal vorbei, such dir ein hübsches Hotel, nimm dir einen Reiseführer der Metropole Ruhr, fahr zu den Punkten der Route Industriekultur, sieh dich um, sprich mit den Ruhries. Die wenigsten beißen, selbst wenn sie auf der A 40 im Stau stehen."

Viele Grüße
Florian Schulz

Eine probate schnelle Lösung hat man nicht, das Thema hat man überall lange vor sich hergeschoben.
Nun wird man mit erschrecken feststellen, der millionenteure Strukturwandel wie im Bergbau West muss jetzt nochmal in BRB Und Sachsen erfolgen, vor dem Hintergrund einer anbahnenden Konjunkturflaute...statt also Abwrackpämie für Autos wie in eine Wirtschaft investieren, die faktisch nicht vorhanden ist in der Lausitz, ausser ein paar begrünten Tagebaulöchern, die u.U. nichtmal auf festen Boden bestehen...?
Wenn wie in DSO beschrieben..dauert dieser Prozess auch nochmal so lange, ist die Lausitz am Ende...meine Meinung

T6JP
Zitat
T6Jagdpilot
Auf jeden Fall eins..die Politik muss nicht ewig salbadern was sie irgendwann an Alternativen machen will, sondern jetzt dieser Region schnell und brauchbar investieren,
Arbeit für das "gemeine Volk" vor Ort schaffen und nicht irgendwelche Institute oder Behörden, wo blos Leute von anderswo in die Pampa umziehen müssen
und nicht wollen,wie seinerzeit nach Wünsdorf etc.

Und selbst wenn ich mit meine Worten die Worte der "Populisten" bediene: So denkt das Volk, und vor allem da-nochmal so einen Einbruch wie nach der Wende und die Gegend ist dunkelblau....
Das ist kein Geblubber, das ist meine reale Sicht auf die Dinge, auch wenn es manchen wehtut. Hab Freunde in HY, die reden und denken nicht anders.
Denen ist der eigne Job in der Gegend realer und wichtiger als Gretas Gesülz bzw. das Gelaber von KGE, Habeck oder Baerbock.

Das zeigt das Problem ganz gut: vor 30 Jahren wollten alle die D-Mark, aber welches Wirtschaftssystem daran hängt, ist auch nach drei Jahrzehnte noch nicht in den Köpfen angekommen. Es ist nicht mehr so, dass der Staat in Massen Arbeitsplätze schafft, indem er Industriebetriebe ansiedelt. Er kann die Rahmenbedingungen schaffen und Firmen unterstützen, viel mehr aber nicht.

Das ist eben das System, für das sich am 18. März 1990 die meisten DDR-Bürger entschieden haben. Daran ist keine Schwedin schuld, die über zehn Jahre danach geboren wurde, und auch nicht Habeck oder Baerbock.
Zitat
T6Jagdpilot
Wenn wie in DSO beschrieben..dauert dieser Prozess auch nochmal so lange, ist die Lausitz am Ende...meine Meinung

Angesichts der dortigen politischen Stimmung wäre das weder fürs Klima noch für Deutschland die schlechteste Option...
Zitat
T6Jagdpilot
Eine probate schnelle Lösung hat man nicht, das Thema hat man überall lange vor sich hergeschoben.
Nun wird man mit erschrecken feststellen, der millionenteure Strukturwandel wie im Bergbau West muss jetzt nochmal in BRB Und Sachsen erfolgen, vor dem Hintergrund einer anbahnenden Konjunkturflaute...statt also Abwrackpämie für Autos wie in eine Wirtschaft investieren, die faktisch nicht vorhanden ist in der Lausitz, ausser ein paar begrünten Tagebaulöchern, die u.U. nichtmal auf festen Boden bestehen...?
Wenn wie in DSO beschrieben..dauert dieser Prozess auch nochmal so lange, ist die Lausitz am Ende...meine Meinung

T6JP

Ja, Ende mit der Kohleförderung, nicht aber mit der Lausitz. Das ist die Quintessenz aus dem Beitrag. Interessant wie man den echt langen Beitrag innerhalb von 10 Minuten lesen, reflektieren und trotzdem zu gegenteiliger Meinung kommen kann.

Viele Grüße
Florian Schulz

--
Dieser Beitrag endet hier. Sie können noch bis zum nächsten Beitrag mitlesen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 03.09.2019 20:44 von Florian Schulz.
Zitat
def
Zitat
T6Jagdpilot
Auf jeden Fall eins..die Politik muss nicht ewig salbadern was sie irgendwann an Alternativen machen will, sondern jetzt dieser Region schnell und brauchbar investieren,
Arbeit für das "gemeine Volk" vor Ort schaffen und nicht irgendwelche Institute oder Behörden, wo blos Leute von anderswo in die Pampa umziehen müssen
und nicht wollen,wie seinerzeit nach Wünsdorf etc.

Und selbst wenn ich mit meine Worten die Worte der "Populisten" bediene: So denkt das Volk, und vor allem da-nochmal so einen Einbruch wie nach der Wende und die Gegend ist dunkelblau....
Das ist kein Geblubber, das ist meine reale Sicht auf die Dinge, auch wenn es manchen wehtut. Hab Freunde in HY, die reden und denken nicht anders.
Denen ist der eigne Job in der Gegend realer und wichtiger als Gretas Gesülz bzw. das Gelaber von KGE, Habeck oder Baerbock.

Das zeigt das Problem ganz gut: vor 30 Jahren wollten alle die D-Mark, aber welches Wirtschaftssystem daran hängt, ist auch nach drei Jahrzehnte noch nicht in den Köpfen angekommen. Es ist nicht mehr so, dass der Staat in Massen Arbeitsplätze schafft, indem er Industriebetriebe ansiedelt. Er kann die Rahmenbedingungen schaffen und Firmen unterstützen, viel mehr aber nicht.

Das ist eben das System, für das sich am 18. März 1990 die meisten DDR-Bürger entschieden haben. Daran ist keine Schwedin schuld, die über zehn Jahre danach geboren wurde, und auch nicht Habeck oder Baerbock.

Vor 30 Jahren war es aber noch die "soziale Marktwirtschaft" die man mit "Wohlstand für alle"suggerierte und die erstmal eine Weile dafür sorgte,
das der Umbruch nicht noch schlimmer ausfiel, wie er nur wenige Jahre später und jetzt immer noch wahrgenommen wird.
In einer der Sendungen, die das immer wieder im Nachhinein beleuchten, kam ein "Wessi" zu Wort der sagte...
"es ging nicht darum das System BRD zu reformieren, sondern in Ostdeutschland einzuführen...*alles klar*.
Man sah es ja an einem ganz banalem Beispiel..grüner Pfeil..das klappt bis heute nicht.

Inzwischen haben wir aber nicht mehr die soziale Markwirtschaft wie damals, die ist vom ungebremsten und globalisierten Kapitalismus abgelöst.
Das ist auch im Westen nicht anders, der vorher die soziale Marktwirtschaft hatte und sie immer wieder wählte.
Also trotz Parteispenden+Schmiergeld würde Total11 nicht nochmal eine Raffienrie bauen, nahmhafte Konzerne werden auch mit Millonenaufwand schwer zu bewegen sein,
Industriearbeitsplätze in die strukturschwachen Regionen zu bringen.
Callcenterjobs werden jetzt schon in die Türkei etc verlegt, Digitalisierung nutzt nichts ohne Absatzmärkte in der Region die Kaufkraft schafft.
Da gab es nach der Wende übrigens einen Politiker, der angesichts Massen von Arbeitslosen in dieser Gegend laut fragte"will sich denn hier keiner selbstständig machen??"
( nur um seine Statistik der Arbeitslosen zu drücken??)
..nein wollte keiner, wie denn wenn ringsrum nur noch Arbeitslose ohne Kaufkraft sind, die dann der Arbeit hinterherzogen-> nach Westen!!
Jetzt ist es auf einmal der Klimawandel, der die Regionen wieder entvölkern wird??
Oder ist es die Ohnmacht der Regierenden, das man mit kurzfristigen ABMaßnahmen wie damals keine Region halbwegs mehr retten kann?
Vom gegenseitigen Haareschneiden überleben Spremberg und co auch nicht.
Wenn Politiker einen Führungsanspruch gegenüber dem Wahlvolk erheben, das müssen sie auch liefern, nicht nur Wahlversprechen machen, egal welche Partei.

T6JP
Zitat
Florian Schulz
Zitat
T6Jagdpilot
Eine probate schnelle Lösung hat man nicht, das Thema hat man überall lange vor sich hergeschoben.
Nun wird man mit erschrecken feststellen, der millionenteure Strukturwandel wie im Bergbau West muss jetzt nochmal in BRB Und Sachsen erfolgen, vor dem Hintergrund einer anbahnenden Konjunkturflaute...statt also Abwrackpämie für Autos wie in eine Wirtschaft investieren, die faktisch nicht vorhanden ist in der Lausitz, ausser ein paar begrünten Tagebaulöchern, die u.U. nichtmal auf festen Boden bestehen...?
Wenn wie in DSO beschrieben..dauert dieser Prozess auch nochmal so lange, ist die Lausitz am Ende...meine Meinung

T6JP

Ja, Ende mit der Kohleförderung, nicht aber mit der Lausitz. Das ist die Quintessenz aus dem Beitrag. Interessant wie man den echt langen Beitrag innerhalb von 10 Minuten lesen, reflektieren und trotzdem zu gegenteiliger Meinung kommen kann.

Viele Grüße
Florian Schulz

Das kommt daher das ich den DSO Beitrag damals schon gelesen hatte und mit den Freunden aus HY diskutiert hatte.
Und die Quintessenz daraus war: Solange wie im Ruhrpott darf das hier nicht dauern, dann sind die letzten guten Leute weg hier, nur noch die Alten da, wie in MC Pomm...

T6JP
Zitat
T6Jagdpilot
Das kommt daher das ich den DSO Beitrag damals schon gelesen hatte und mit den Freunden aus HY diskutiert hatte.
Und die Quintessenz daraus war: Solange wie im Ruhrpott darf das hier nicht dauern, dann sind die letzten guten Leute weg hier, nur noch die Alten da, wie in MC Pomm...

Also über Nacht?

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Zitat
def
Zitat
T6Jagdpilot
Wenn wie in DSO beschrieben..dauert dieser Prozess auch nochmal so lange, ist die Lausitz am Ende...meine Meinung

Angesichts der dortigen politischen Stimmung wäre das weder fürs Klima noch für Deutschland die schlechteste Option...

Das wäre eine Meinung, die Du in der Gegend besser nicht öffentlich bekunden solltest.


Wahrscheinlich denken die Leute in der Lausitz das selbe bei Gegenden wie Kreuzhain,Zehlendorf oder Blankenese.

T6JP
Zitat
T6Jagdpilot
Das wäre eine Meinung, die Du in der Gegend besser nicht öffentlich bekunden solltest.

Sonst kommt Alex oder was?

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Zitat
T6Jagdpilot
Solange wie im Ruhrpott darf das hier nicht dauern, dann sind die letzten guten Leute weg hier, nur noch die Alten da, wie in MC Pomm...

Wenn der Prozess lange dauert, sind die Alten noch da? Ist das nicht genau andersherum? :-)

Viele Grüße
Florian Schulz

--
Dieser Beitrag endet hier. Sie können noch bis zum nächsten Beitrag mitlesen.
Ich denke nicht, dass man das Ruhrgebiet mit der Lausitz vergleichen kann, selbst wenn man bedenkt, dass im Ruhrgebiet vermutlich 10 - 100 mal so viele Arbeitsplätze in der Kohle verloren gegangen sind. Zum einen hat NRW so viele Einwohner, wie die ganzen neuen Bundesländer zusammen, zum anderen gab und gibt es neben der Kohle in NRW noch etwas anderes: Stahl. Während also in der Lausitz die Kohle nur verheizt wird, wurde die Steinkohle in NRW für die Stahlgewinnung und -weiterverarbeitung genutzt. Zusätzlich kam die chemische Industrie dazu. Und die metallverarbeitende Industrie zieht sich großflächig über das Bergische Land und Sauerland bis ins Siegerland. An jedem Bach findet sich da ein metallverarbeitender Betrieb der händeringend Zerspanungsmechaniker und Werkzeugmacher sucht.

Vergleicht man aber z.B. das Saarland, was ebenso Stahl und Kohle verarbeitete, ist dort weder von der Kohle noch von der Stahlverarbeitung viel übrig geblieben. Dafür ist das Saarland bemüht, neue Dienstleistungen und vor allem länderübergreifende Entwicklungen in der Saar-Lor-Lux Region zu etablieren. Die Innenstadt Saarbrückens ist lebendig und die Leute sind weltoffen. Die Franzosen kommen zum Arbeiten und Feiern nach Saarbrücken und viele Saarbrücker sind nach Frankreich gezogen, da sie dort weniger Steuern zahlen müssen, während sie weiter in Saarbrücken arbeiten.

Im 5x so großen Dresden hört man dagegen nur von Hutbürgern und Pegida.

Wenn ich jetzt die Wahl hätte, wo würde ich wohl lieber hingehen?

Dazu kommt noch folgendes:
Ich kenne ein paar Mädchen, die in kleinen Städten im Osten wohnen und sich darüber beschweren, dass die Jungs nur kiffen, saufen und grölen. Und sie so schnell es geht nach Berlin wollen, weil sie da keine Lust drauf haben. Es ist also nicht so, dass "die Ausländer" (inkl. Westdeutsche) ihnen die Mädchen wegnehmen, sie treiben sie mit ihrem Nationalstolz weg. Was die Übriggebliebenen natürlich noch mehr frustriert.

Es ist wie so oft: Der Status quo muss erhalten bleiben, Änderungen sind eine Gefahr und werden nicht toleriert. Es muss etwas passieren, aber es darf sich nichts ändern. Eine Gesellschaft, die aber nicht bereit ist, sich weiterzuentwickeln und anzupassen, ist dem Untergang geweiht.

Die ostdeutschen Länder haben ein Problem und das schon seit dem 30jährigen Krieg: sie sind einfach viel zu dünn besiedelt. Die Wege zwischen den einzelnen Dörfern sind zu weit. Die Dörfer sind zu arm. Und in der Mitte ist das große schwarze Loch Berlin, das alles Kreative und den Wohlstand zwischen Ostsee und Erzgebirge aufsaugt.

Und weil diese Stadt alles aufsaugt, muss die Lausitz und die anderen Reviere von dieser Stadt aus gerettet werden. Das kann Tourismus sein (falls sich die Touristen dort wohlfühlen), das können Pendler sein, die dann aus der Lausitz schnell nach Berlin pendeln können, wie andere aus Berlin auch nach Wolfsburg pendeln oder das können Handwerker sein, die dann in den Regionen bleiben und von dem Geld leben können, welches die Pendler in Berlin verdienen. Darum habe ich ja schon gesagt: die hohen Mieten in Berlin können die Rettung für die Städte an der Peripherie werden. Wenn man schnell nach Berlin kommt und dort sein Geld verdienen kann, während man in der Peripherie wohnt, kann das eine Möglichkeit sein, das Land am Leben zu erhalten. Bleibt Berlin billig, saugt es noch stärker.

Sicher ist es tragisch, dass der Osten nach der Wende so ausgelaugt wurde. Und verständlich, wenn die Menschen jetzt frustriert sind, weil ihnen schon wieder etwas genommen wird. Das wird demnächst in Bergheim und Garzweiler genauso passieren. In den rheinischen Kohlerevieren geht demnächst auch das Licht aus. Dann wird sich auch langfristig Siemens' Kraftwerkssparte erledigt haben. Die Turbinen- und Generatorenentwicklung, die Kohlezerstäuber und die Kraftwerksleittechnik wird sich dann auf die GuD-Kraftwerke beschränken (die um ein vielfaches effektiver als die Braunkohlekraftwerke sind).
Ich denke aber nicht, dass die Kumpel am Niederrhein dann AfD wählen, sondern sich eben um andere Jobs kümmern werden.
Zitat
T6Jagdpilot

Vor 30 Jahren war es aber noch die "soziale Marktwirtschaft" die man mit "Wohlstand für alle"suggerierte und die erstmal eine Weile dafür sorgte,
das der Umbruch nicht noch schlimmer ausfiel, wie er nur wenige Jahre später und jetzt immer noch wahrgenommen wird.
In einer der Sendungen, die das immer wieder im Nachhinein beleuchten, kam ein "Wessi" zu Wort der sagte...
"es ging nicht darum das System BRD zu reformieren, sondern in Ostdeutschland einzuführen...*alles klar*.
Man sah es ja an einem ganz banalem Beispiel..grüner Pfeil..das klappt bis heute nicht.

Inzwischen haben wir aber nicht mehr die soziale Markwirtschaft wie damals, die ist vom ungebremsten und globalisierten Kapitalismus abgelöst.
Das ist auch im Westen nicht anders, der vorher die soziale Marktwirtschaft hatte und sie immer wieder wählte.
Also trotz Parteispenden+Schmiergeld würde Total11 nicht nochmal eine Raffienrie bauen, nahmhafte Konzerne werden auch mit Millonenaufwand schwer zu bewegen sein,
Industriearbeitsplätze in die strukturschwachen Regionen zu bringen.
Callcenterjobs werden jetzt schon in die Türkei etc verlegt, Digitalisierung nutzt nichts ohne Absatzmärkte in der Region die Kaufkraft schafft.
Da gab es nach der Wende übrigens einen Politiker, der angesichts Massen von Arbeitslosen in dieser Gegend laut fragte"will sich denn hier keiner selbstständig machen??"
( nur um seine Statistik der Arbeitslosen zu drücken??)
..nein wollte keiner, wie denn wenn ringsrum nur noch Arbeitslose ohne Kaufkraft sind, die dann der Arbeit hinterherzogen-> nach Westen!!
Jetzt ist es auf einmal der Klimawandel, der die Regionen wieder entvölkern wird??
Oder ist es die Ohnmacht der Regierenden, das man mit kurzfristigen ABMaßnahmen wie damals keine Region halbwegs mehr retten kann?
Vom gegenseitigen Haareschneiden überleben Spremberg und co auch nicht.
Wenn Politiker einen Führungsanspruch gegenüber dem Wahlvolk erheben, das müssen sie auch liefern, nicht nur Wahlversprechen machen, egal welche Partei.

T6JP

Das stimmt: die soziale Marktwirtschaft hat im Westen nur so lange funktioniert, so lange der sozialistische Gegenpol im Osten vorhanden war. Vlt um den Kapitalismus nicht ganz so gefährlich aussehen zu lassen. Als der Sozialismus dann "endlich" zusammengebrochen war, gab es für die Marktwirtschaft keinen Grund mehr sozial zu sein. Danach wurde mit dem Neoliberalismus mit der sozialen Marktwirtschaft aufgeräumt. Und damit auch gleich komplett mit allem was ein Land so zusammenhalten soll: Der schlanke Staat, bei dem der Einzelne für sich selbst zu sorgen hat, braucht keine Gemeinschaft mehr. Ohne Gemeinschaft braucht es aber auch keinen Staat mehr. Und irgendwann kam dann der Spruch, dass dem grundgesetzlichen Ziel der gleichen Lebensverhältnisse im Land nicht mehr entsprochen werden kann.

Was sollte man also mit der Lausitz anstellen? Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Während "die Ossis" damals vom Farbfernseher träumten, haben sie heute jeder drei Flachbildschirme für einen Bruchteil des Preises in der Wohnung. Niemand investiert mehr, da wir nur noch Ersatzinvestitionen tätigen. Die großen Industrien und Fertigungsanlangen sind längst nach Fernost exportiert (warum regen sich die Leute eigentlich so wegen der Lieferketten nach England wegen dem Brexit auf?) und jede neue Innovation rationalisiert weiter. Wenn die Digitalisierung so durchschlagen sollte, wie angekündigt, wird es demnächst auch in anderen Branchen schlecht aussehen. Wenn alles ins Internet verlagert ist und alles bei Alibaba gekauft werden kann, braucht man hier eigentlich gar nichts mehr.

Und wenn das Geld irgenwann bei ein paar wenigen konzentriert ist, muss man sich noch über andere Tauschmittel einig werden.
Zitat
T6Jagdpilot
Wenn es hart auf hart kommt, dann importieren wir halt Steinkohlen oder KKW Strom aus PL oder sonstwo her.

In Polen ist der Kohleausstieg in vollem Gange. Nicht das er beschlossen worden wäre, aber die Kohleforderung lohnt sich nicht mehr, die australische Importkohle ist günstiger.
Sorry, in diesem Forum dürfen nur registrierte Benutzer schreiben.

Hier klicken, um sich einzuloggen