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[BRB] Linie 2 aufgrund von Brückenschäden eingestellt
geschrieben von Philipp Borchert 
Ab morgen, Betriebsbeginn, wird die Straßenbahnlinie 2 der VBBr eingestellt. Der Grund dafür ist die kurzfristig anberaumte Vollsperrung der "Brücke des 20. Jahrestages", die auch für den übrigen Fahrzeugverkehr nicht mehr befahren werden darf. Die 2 befährt das relativ komplexe Bauwerk an der Haltestelle "Bahnhof Altstadt".

Zunächst wird es einen SEV auf der westseitigen Magdeburger Landstraße geben, der über die (ebenfalls unter Beobachtung stehende) Quenzbrücke hoch zum Waldcafé Görden fahren, dort besteht die Umsteigemöglichkeit zur Straßenbahnlinie 1.

[www.vbbr.de]

Ich bin gespannt, wie das weitere Konzept aussieht. So wie es aussieht, wird das Ganze auf einen kompletten Neubau hinaus laufen, mit allem was dazu gehört und den entsprechenden Zeiträumen.

Es MUSS ein Hobby sein - leisten kann ich mir das nicht... :)
Hallo zusammen!

Zitat
Philipp Borchert
Ich bin gespannt, wie das weitere Konzept aussieht. So wie es aussieht, wird das Ganze auf einen kompletten Neubau hinaus laufen, mit allem was dazu gehört und den entsprechenden Zeiträumen.

Davon würde ich ausgehen. Damals war es üblich, die Spannstähle direkt einzubetonieren. Man nahm unter anderem an, dass die alkalischen Eigenschaften des Betons eine Korrosion wirksam verhindern. Man hatte aber die Rißbildung im Beton und andere Phänomene nicht ausreichend berücksichtigt oder schlicht nicht gekannt. Die umfangreiche Verwendung von Auftausalz ("Streusalz") war damals auch noch nicht üblich.

Durch diese Bauweise sind die betreffenden Brücken nicht sanierbar. Das betrifft ja auch die Elsenbrücke und die Salvador-Allende-Brücke in Berlin. Bei letzterer hatte man glücklicherweise schon eine Weile vor der kurzfristig erforderlichen Sperrung mit der Neuplanung begonnen.

Bei heutigen Spannbetonbrücken baut man auch interne Spannglieder so ein, dass man sie nachträglich austauschen kann. Dazu werden sie in Hüllrohren verlegt. Da eine Brücke je nach Querschnitt viele Dutzend Spannglieder haben kann, kann man sie nach und nach einzeln austauschen, solange die Brücke nicht schon kurz vor dem Einsturz steht und es auf jedes einzelne ankommt.


Risse und Anrisse in den Spanngliedern werden übrigens von außen durch die magnetisch arbeitende Spanndrahtbruchortung festgestellt. So können Ingenieure die verbleibende Tragfähigkeit ermitteln.


Ein interessanter Fall ist übrigens die Salzbachtalbrücke im Zuge der Autobahn A66 im Stadtgebiet von Wiesbaden. Diese 1963 erbaute Spannbeton-Hohlkastenbrücke mit ebenfalls einbetonierten Spanngliedern wurde 2007 und 2010 durch externe Spannglieder unter dem Hohlkasten ergänzt, was sehr kurios aussieht. Man kann sich die Unterseite der Brücke auf einer Bahnfahrt von Mainz nach Wiesbaden ansehen. Hier ist ebenfalls ein Neubau in der Planung, die Brücke ist trotz dieser Verstärkung so marode, dass sie ebenfalls kurzfristig gesperrt werden könnte.

Viele Grüße
Manuel
Zitat
manuelberlin
Hallo zusammen!

Zitat
Philipp Borchert
Ich bin gespannt, wie das weitere Konzept aussieht. So wie es aussieht, wird das Ganze auf einen kompletten Neubau hinaus laufen, mit allem was dazu gehört und den entsprechenden Zeiträumen.

Davon würde ich ausgehen. Damals war es üblich, die Spannstähle direkt einzubetonieren. Man nahm unter anderem an, dass die alkalischen Eigenschaften des Betons eine Korrosion wirksam verhindern. Man hatte aber die Rißbildung im Beton und andere Phänomene nicht ausreichend berücksichtigt oder schlicht nicht gekannt. Die umfangreiche Verwendung von Auftausalz ("Streusalz") war damals auch noch nicht üblich.

Durch diese Bauweise sind die betreffenden Brücken nicht sanierbar. Das betrifft ja auch die Elsenbrücke und die Salvador-Allende-Brücke in Berlin. Bei letzterer hatte man glücklicherweise schon eine Weile vor der kurzfristig erforderlichen Sperrung mit der Neuplanung begonnen.

Bei heutigen Spannbetonbrücken baut man auch interne Spannglieder so ein, dass man sie nachträglich austauschen kann. Dazu werden sie in Hüllrohren verlegt. Da eine Brücke je nach Querschnitt viele Dutzend Spannglieder haben kann, kann man sie nach und nach einzeln austauschen, solange die Brücke nicht schon kurz vor dem Einsturz steht und es auf jedes einzelne ankommt.


Risse und Anrisse in den Spanngliedern werden übrigens von außen durch die magnetisch arbeitende Spanndrahtbruchortung festgestellt. So können Ingenieure die verbleibende Tragfähigkeit ermitteln.


Ein interessanter Fall ist übrigens die Salzbachtalbrücke im Zuge der Autobahn A66 im Stadtgebiet von Wiesbaden. Diese 1963 erbaute Spannbeton-Hohlkastenbrücke mit ebenfalls einbetonierten Spanngliedern wurde 2007 und 2010 durch externe Spannglieder unter dem Hohlkasten ergänzt, was sehr kurios aussieht. Man kann sich die Unterseite der Brücke auf einer Bahnfahrt von Mainz nach Wiesbaden ansehen. Hier ist ebenfalls ein Neubau in der Planung, die Brücke ist trotz dieser Verstärkung so marode, dass sie ebenfalls kurzfristig gesperrt werden könnte.

Viele Grüße
Manuel

Danke für die Ausführungen. Was man nicht bei Bahninfo alles lernt, ich gehe jeden Abend ein wenig schlauer ins Bett! :D
Zitat
Philipp Borchert
Ab morgen, Betriebsbeginn, wird die Straßenbahnlinie 2 der VBBr eingestellt. Der Grund dafür ist die kurzfristig anberaumte Vollsperrung der "Brücke des 20. Jahrestages", die auch für den übrigen Fahrzeugverkehr nicht mehr befahren werden darf. Die 2 befährt das relativ komplexe Bauwerk an der Haltestelle "Bahnhof Altstadt".

Zunächst wird es einen SEV auf der westseitigen Magdeburger Landstraße geben, der über die (ebenfalls unter Beobachtung stehende) Quenzbrücke hoch zum Waldcafé Görden fahren, dort besteht die Umsteigemöglichkeit zur Straßenbahnlinie 1.

[www.vbbr.de]

Ich bin gespannt, wie das weitere Konzept aussieht. So wie es aussieht, wird das Ganze auf einen kompletten Neubau hinaus laufen, mit allem was dazu gehört und den entsprechenden Zeiträumen.

Das erinnert ja an die südliche Hochstraßensperrung in Ludwigshafen seit 22.08.2019 für den Autoverkehr.
www.rnv-online.de

Und seit 25.11.2019 ist ja dann nun auch noch zusätzlich der ÖPNV betroffen, mit weitreichenden Umleitungen in Ludwigshafen & Mannheim.
www.rnv-online.de

Gleisplan Ludwigshafen & Mannheim seit 27.11.2019 incl. den aktuellen Umleitungen.
Gleisplan mit Umleitungen in Lu'hafen & Mannheim
Hallo zusammen!

Zitat
schallundrausch
Danke für die Ausführungen. Was man nicht bei Bahninfo alles lernt, ich gehe jeden Abend ein wenig schlauer ins Bett! :D

:D

Falls das von mir genannte Beispiel Salzbachtalbrücke jemand näher interessiert: Hier sind ein paar Fotos: wiesbadenaktuell.de

Auf dem dritten Bild der Galerie ist die Unterseite der Brücke sehr gut zu erkennen. Man sieht gut die zur Verstärkung vor ein paar Jahren angebrachten externen Spannglieder (zwei mal zwei pro Feld und Überbau). Vor rund einem Jahr wurden an einer Brückenhälfte zusätzlich Stahlstützen angebracht, um diese weiter zu stabilisieren (links im Bild). Dabei sind ärgerlicherweise Pannen passiert, Spannglieder wurden dabei angebohrt. Die im Bild rechte Brückenhälfte bekommt die Stahlstützen nicht mehr, sie wird jetzt abgerissen und neu gebaut. Solange muss die linke Hälfte möglichst noch halten, dann wird auch sie ersetzt. Insbesondere wenn man das vor Ort mit eigenen Augen sieht, wirkt das schon ziemlich abenteuerlich.

Viele Grüße
Manuel
Zitat
Philipp Borchert
Ab morgen, Betriebsbeginn, wird die Straßenbahnlinie 2 der VBBr eingestellt. Der Grund dafür ist die kurzfristig anberaumte Vollsperrung der "Brücke des 20. Jahrestages", die auch für den übrigen Fahrzeugverkehr nicht mehr befahren werden darf. Die 2 befährt das relativ komplexe Bauwerk an der Haltestelle "Bahnhof Altstadt".

Zunächst wird es einen SEV auf der westseitigen Magdeburger Landstraße geben, der über die (ebenfalls unter Beobachtung stehende) Quenzbrücke hoch zum Waldcafé Görden fahren, dort besteht die Umsteigemöglichkeit zur Straßenbahnlinie 1.

[www.vbbr.de]

Ich bin gespannt, wie das weitere Konzept aussieht. So wie es aussieht, wird das Ganze auf einen kompletten Neubau hinaus laufen, mit allem was dazu gehört und den entsprechenden Zeiträumen.

Hier noch kurz etwas zur Geschichte der Brücke:

Sie wurde 1968 als "Brücke des 20. Jahrestages der DDR" errichtet und ersetzte eine ebenerdige Querung der Eisenbahnstrecke Brandenburg - Rathenow der früheren Brandenburgischen Städtebahn. Den zuvor vorhandenen Bahnübergang benutzten auch die Straßenbahnlinien 2 und 3, die einen starken Verkehr zum Stahlwerk aufwiesen und durch geschlossene Schranken (der Güterverkehr war damals erheblich intensiver als heute) oft am planmäßigen Betrieb gehindert wurden und die Arbeiter verspätet zur Schicht oder nach Hause kamen.

Während die Brücke errichtet wurde und die Magdeburger Landstraße in diesem Bereich nicht zur Verfügung stand, fuhren die beiden Linien statt zur Quenzbrücke ab Fouquéstraße im Zuge der Linien 1 und 4, aber ohne Halt an den Unterwegshaltestellen, zur Schleife am Waldcafé Görden. Hier bestand unmittelbar Anschluss an einen intensiven SEV mit Omnibussen, der über die Quenzbrücke zur Friedrich-Engels-Straße geführt wurde und damit den wichtigen Berufsverkehr zum Stahlwerk sicher stellte.

Und so ähnlich ist das Ersatzkonzept auch heute fast wieder, auch wenn das Verkehrsaufkommen zur Quenzbrücke und dem Stahlwerk erheblich unter dem von 1968 liegt und die Linie 1 als Zubringer zum SEV wohl völlig ausreicht.

Die marode Brücke trägt m.W. heute keinen offiziellen Namen mehr. Bemerkenswert ist, dass der VBBr im Internet von der "Brücke des 20.Jahrestages..." spricht!;-)

Beste Grüße
Harald Tschirner



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 06.12.2019 23:53 von Harald Tschirner.
Zitat
Harald Tschirner
Bemerkenswert ist, dass der VBBr im Internet von der "Brücke des 20.Jahrestages..." spricht!;-)

Ich kenne auch genug Brandenburger, die heute noch Treffen auf dem Puschkinplatz ausmachen. ;-)
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