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Bahnsteighöhen
geschrieben von Bahnfahrer83 
Bahnsteighöhen
23.02.2013 13:13
Hi,

immer wieder liest man hier über unterschiedliche Bahnsteighöhen. Wie kommt es eigentlich dazu, also warum hat man sich nicht irgendwann auf eine einheitliche Höhe für S-Bahnen und normale Züge geeinigt?


Gruß,
Bahnfahrer83
Hallo allseits,

Das hatte man eigentlich: Während für allgemeine Züge zunächst alle Höhen bis 76cm vorgesehen waren, hatte man für die S-Bahnen in in BRD von der Berliner S-Bahn das dort seit der Elektrisierung (heute würde wir Elektrifizierung sagen) vorgesehene Maß 96cm über Sok und für die Fahrzeuge 1m Fußbodenhöhe übernommen, da dass damals ebenerdigen Einstieg ermöglichte, was gerade dem regen Fahrgastwechsel natürlich sehr beschleunigt, dies war dann auch unter der Bundesbahn gültig, alle später entstandenen S-Bahnen wurden zunächst mal auf diese Höhe hin geplant. Sucht man also von der Bundesbahn entwickelte S-Bahnfahrzeuge wird man immer auf den 1m Fußbodenhöhe stoßen, selbst wenn die Bahnsteighöhe im Einsatzgebiet noch nicht alle auf Sollmaß gebracht waren.

"Schuld" an dem Durcheinnader von heute ist die DDR, provokativ gesagt. In der DDR gab es nur eine S-Bahn, die jenen West-Sandart erfüllt hat, und daran war die DDR noch unschuldig, da sie natürlich bei der Berliner S-Bahn die Höhen nicht eingeführt, sondern nur übernommen hat. Alles andere, was bei denen als S-Bahn fuhr, hätte man mit "West-Augen" gar nicht als S-Bahn erkannt (143er mit paar Dostos und Bahnsteighöhen, was halt grad da war, auch mal 23cm oder 55cm). Als dann die Vereinigung der beiden Bahnen anstand, konnte man natürlich nicht einfach sagen: "Also das was ihr da an Vortortstrecken habt, is ja schön und gut, aber S-Bahn is was anderes" sondern hat einfach den Standart West aufgeweicht. Daraufhin entstanden dann auch in den alten Bundesländern Systeme, die nichts mehr mit dem Bundesbahn-Standart gemeinsam hatten (z.B. S-Bahn Hannover).

Und außerdem ist ja kein Geld da. Die konsequente Anwendung des West-Standart erfordert, das die S-Bahn die Gleise weitgehend für sich hat - nicht unbedingt wegen der Zugfolge (zwischen 20 Minuten Mindestzugfolge passt locker was rein), sondern weil die 96er Bahnsteige das Standart-Lichtraumprofil einschränken, und deswegen nicht alle Fahrzeuge dran vorbei passen. Am 76er Bahnsteig hingegen geht noch alles. Deswegen war der frühere Kompromis, dort wo nicht gleich eigene Gleise gebaut werden konnten, zunächst 76er zu verwenden, auf S-Bahn-exclusiven-Strecken gleich die Zielhöhe 96. So kommt es, das selbst bei den etablierten richtigen S-Bahnnetzen zum Teil die Höhen net stimmen (außer Berlin/ Hamburg). Und dann kam die Aufweichung des Standart, und damit die Frage: Ja warum denn überhaupt noch eigene Gleise, wenn man einfach die Höhe der "S-Bahn" umdefiniert, Fahrzeuge mit anderer Einstiegshöhe bestellt (inzwischen war Niederflurigkeit auch Fahrzeugseitg realiserbar), und dann einfach irgendetwas "S-Bahn" nennen kann.

Und genau das ist in Nürnberg passiert. Das Netz wurde zunächst unter Gesichtspunkten des DB-West Standart gebaut und war - mit Ausnahme Laumamholz - folglich auf 96er Standart. Auf der S1 ging das, weil Gz die andere Pegnitzseite nehmen konnten, auf S2 und ehemaliger S3 unterbanden die eigenen Gleise Einschränkungen. Hätte man das alte Zielnetz behalten (S1 Erlangen - Lauf, S2 Altdorf - Roth, und später noch S-Bahn Neustadt) hätte man den Standart wohl halten können. Aber dann wollte man schnell viel haben, und das, wenn möglich, ohne viel bauen zu müssen (Die Bahnsteigsanierungen/ Erhöhungen hätte man eh irgendwann machen müssen, um die auf zeitgemäßen Stand zu bringen, das zähle ich nicht zu Maßnahmen, die nur wegen einer "S-Bahn" erfolgen), und entwickelte die Idee, nun auch bei uns Züge fahren zu lassen, die nicht auf S-Bahninfrastruktur angewiesen sind. Deswegen musste die S1 ihren S-Bahnstandart verlieren (hochschottern der Gleise auf 76 über Sok, sodass auf der S1 nun keine Einschränungen des Lichtrraumprofils mehr vorliegt), die S2 (+ex-S3) hat man als einzige im Bundesbahnstandart belassen. Und so kommt es, das wir heute nurmehr eine S-Bahnlinie, und 3 Strecken des Nachfolgeprodukts der S-Bahn haben - Strecken die sich S-Bahn nennen aber nicht über den Ausbaustandart einer S-Bahn verfügen (müssen).

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Einfach nur, weil man kann: Neue U21 Gebersdorf - Wolfsfelden



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.02.2013 14:44 von Daniel Vielberth.
Re: Bahnsteighöhen
23.02.2013 18:44
Die erklärung geht auch noch einfacher und kürzer. Es war zu der Zeit als der 420 entstand technisch schlicht und einfach noch nicht so ohne weiteres möglich ein Fahrzeug mit 76 cm Einstiegs- und Fußbodenhöhe zu Entwickeln. Daher wurde der 420 mit 96cm konstruiert. Die S-Bahnnetze die dann entstanden und mit 420 gefahren wurden richteten die Bahnsteighöhe dann natürlich auf die Fahrzeuge aus.

Inzwischen da niederflurfahrzeuge Stand der Technik ist kann man aber auch am 76 cm Bahnsteig stufenlosen Einstieg anbieten.
Re: Bahnsteighöhen
23.02.2013 18:50
Lieber Daniel, zur daseinsberechtigung der "S-Bahn" gehört aber nicht nur die Bahnsteighöhen.
Viel mehr zählen da, dichter Takt, einheitliche Fahrzeuge, eigene Strecke, Streckenführung durch dicht besiedeltes Gebiet etc.
Und die Punkte sind bei S1 Ost und S2 Tatsache! Auch wenn die S1 Ost mit Et442 verkehrt und S2 x-Wagen.
Das ist eben nur übergangsweise bis 2017 eh alles nochmal Einheitlich ausgeschrieben wird.
Und wenn die S1 Nord komplett auf eigener Trasse fährt ist das auch eine vollwertige S-Bahn meiner Meinung!

Nach deiner These müsste dann München ebenfalls kein echtes S-Bahn System sein, da es dort auch noch 76er und 96er Bahnsteige sowie Mischbetrieb auf S-Bahn Strecken gibt!

Also finde ich das Argument "Höhe der Bahnsteige" nicht zwingend maßgebend.
S-Bahn schön und gut, aber wie ist es dann mit der Rangaubahn? Zirndorf ist der Bahnsteig zu hoch und Fürth zu niedrig.

Okay, Gleis 7 in Fürth ist einfach uralt, aber wieso ist dann Zirndorf (auch nicht brandneu) höher als die neuen (Kneippallee, Westvorstadt, Dambach, Weiherhof usw.)?
Re: Bahnsteighöhen
23.02.2013 19:48
Weil es eigentlich mal gedacht war, dass in Zirndorf iwann mal S-Bahnen halten sollen.
Daher wurde beim letzten Umbau ZDF eben ein hoher Bahnsteig gebaut.
> Lieber Daniel, zur daseinsberechtigung der "S-Bahn" gehört aber nicht nur die Bahnsteighöhen.

Richtig, aber die andern Aspekte gehören nicht in das Thema, weil die Frage nach den Bahnsteighöhen war.


noch zur R11-Frage

Kneippallee müsste eigentlich auch 96er Bahnsteig haben, erst die späteren Bahnsteig wurden dann auf 55 über Sok getrimmt.

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Einfach nur, weil man kann: Neue U21 Gebersdorf - Wolfsfelden
Jetzt bin ich fast schon wieder so verwirrt wie vorher.

Woher kommen jetzt die 55 cm? Ich denke es gibt nur 96 und 76 cm?
Re: Bahnsteighöhen
24.02.2013 11:35
Zitat
Daniel Vielberth
noch zur R11-Frage

Kneippallee müsste eigentlich auch 96er Bahnsteig haben, erst die späteren Bahnsteig wurden dann auf 55 über Sok getrimmt.

96 cm Bahnsteig und planmäßig haltender 648? Des glab i ned!
nvf
Re: Bahnsteighöhen
24.02.2013 11:40
Zitat
marco2206
Zitat
Daniel Vielberth
noch zur R11-Frage

Kneippallee müsste eigentlich auch 96er Bahnsteig haben, erst die späteren Bahnsteig wurden dann auf 55 über Sok getrimmt.

96 cm Bahnsteig und planmäßig haltender 648? Des glab i ned!

I a ned.
Der hat 76 cm.

Gruß,
Wolfgang
[www.nahverkehr-franken.de]
Re: Bahnsteighöhen
24.02.2013 15:13
Tja, Daniel bringt es auf den Punkt!
Re: Bahnsteighöhen
24.02.2013 15:56
Zitat
Marktkauf
Tja, Daniel bringt es auf den Punkt!

Was denn genau ? Für mich war das viel Gerede aber ohne konkret auf den Punkt zu kommen.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.02.2013 15:58 von marco2206.
Re: Bahnsteighöhen
24.02.2013 16:12
Daniel hat doch alles geschrieben!!!!
Re: Bahnsteighöhen
24.02.2013 18:33
Zitat
Marktkauf
Daniel hat doch alles geschrieben!!!!

Daniel hat erst einmal viel geschrieben.

Schade dass es nicht so viele Pratchett-Zitate zu multiplen Ausrufezeichen gibt, wie man hier im Forum bräuchte.
an Bahnfahrer 83

> Woher kommen jetzt die 55 cm? Ich denke es gibt nur 96 und 76 cm?

Ähm unter zuhilfenahme eines Eigenzitats: "Während für allgemeine Züge zunächst alle Höhen bis 76cm vorgesehen waren" und dem Verweis auf die hier im Forum schon mal verlinke Bahnsteighöhenzielsetzung der BEG [beg.bahnland-bayern.de] dürfte sich das Aufklären. Kurzum, es kann JEDE Bahnsteighöhe bis 76 geben, und darüber mit Einreinkungen der Befahrbarkeit auch.

Ziel ist es aber mittlerweile, auf Nebenstrecken einheitlich auf 55er Bahnsteige zu kommen, weil die meisten niederflurigen Dieseltriebwagen Fußbodenhöhe 60 über Sok haben, und 76er für den Rest außer S-Bahn München. Weil auch heute existieren durchaus noch Bahnhöf mit 23cm Bahnsteigen oder sogar nur 11cm (eiegntlich gar nicht mehr so zulässig, aber baulich dort nicht umbaubar. Um Zweiflern zuvor zu kommen, die 11cm habe ich selber nachgemessen, dazu habe ich einen Besenstiel auf den betreffenen Bahnsteig gelegt, und vom Besenstil bis Schienenkopf gemessen!)

Aber seit es diese obige Zielsetzung nun gibt, wird eben bei Sanierungen dieser Standart umgesetzt. Zirndorf und Zirndorf Kneippallee dürften aber, wenn ich da jetzt grade die richtige Seite erwischt hab, 1977 umgebaut worden sein, als noch 614er und (fernzukünftig) x-Wagen + 141er das maß der Dinge waren. Übrigens die S-Bahnidee datiert zurück auf das Jahr 1973 - interessant, dass erst 14 Jahre später überhaupt mal eine S-Bahn und dann ganz wo anders fuhr...

Gruß D. Vielberth
[www.gleistreff.de]
Einfach nur, weil man kann: Neue U21 Gebersdorf - Wolfsfelden
Re: Bahnsteighöhen
25.02.2013 19:22
Hallo,

kurz zur Frage als Antwort der § 13 Abs. 1 EBO:
Bei Neubauten oder umfassenden Umbauten von Personenbahnsteigen sollen in der Regel die Bahnsteigkanten auf eine Höhe von 0,76 m über Schienenoberkante gelegt werden; Höhen von unter 0,38 m und über 0,96 m sind unzulässig. Bahnsteige, an denen ausschließlich Stadtschnellbahnen halten, sollen auf eine Höhe von 0,96 m über Schienenoberkante gelegt werden. In Gleisbogen ist auf die Überhöhung Rücksicht zu nehmen.

In der Praxis wird auch gerne 0,55 m im Regionalverkehr verwendet, um einen komfortablen Einstieg in Fahrzeuge wie z. B. den RS1 (BR 650) oder den Desiro (BR 642) sicher zu stellen.

Zur S-Bahn:

Die vorgestellten Kriterien der Reichsbahn sind uralt und sollten sicher nicht als Grundlage für heutige Bewertungen genutzt werden. Zumal die technische Entwicklung seitdem einiges geändert hat. Beim Begriff "S-Bahn" handelt es sich schlichtweg nur noch um eine Marketingbezeichnung, z. B. die Ortenau S-Bahn um Offenburg, die trinationale Regio-S-Bahn Basel oder die Zweisystem-Stadtbahn um Karlsruhe.

Im Endeffekt stellt sich ganz einfach die Frage: Wie viele Fahrgäste werden das Angebot nutzen und wie teuer wird die oder jene Planungsvariante. Würde man sich an die Kriterien aus den 1920er Jahren halten, würde bis heute noch keine S-Bahn nach Neumarkt oder Ansbach fahren. Der Fahrgast erwartet einfach moderne Fahrzeuge, die ihn schnell, zuverlässig und sicher von A nach B bringen. Wenn man das Kind „S-Bahn“ nennt, ist es genau so gut, wie jeder andere Begriff.

LG
Konsti
Re: Bahnsteighöhen
26.02.2013 08:47
Lange Zeit gab es bei Niederflurfahrzeugen nur eine Einstiegshöhe von entweder 55 cm ODER 76 cm. Ich finde, langfristig sollten alle Bahnsteige 76 cm hoch gebaut werden. Schließlich gibt es jetzt Fahrzeuge wie den 442er, der zwar eine Einstiegshöhe von 76 cm, zusätzlich aber auf 55 cm über SO eine zusätzliche Trittstufe hat.
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