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Sammelthread: Verkehrspolitik in Berlin
geschrieben von Arnd Hellinger 
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Lehrter Bahnhof
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TomB
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Lehrter Bahnhof
Weil vor allem arme Menschen aus der EU und Nicht-EU zugezogen sind und die Anzahl der Deutschen in Berlin sogar gesunken ist, steigt natürlich der Modal Split des ÖPNV. [www.tagesspiegel.de]

Hast du ein Beleg für deine These (Kausalität)?
Ich suche gerade den Tagesspiegel-Artikel.

Bevor du weiter in dies Richtung ... argumentierst:
Wir warten noch auf die Quelle.
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T6
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Lehrter Bahnhof
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TomB
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Lehrter Bahnhof
Weil vor allem arme Menschen aus der EU und Nicht-EU zugezogen sind und die Anzahl der Deutschen in Berlin sogar gesunken ist, steigt natürlich der Modal Split des ÖPNV. [www.tagesspiegel.de]

Hast du ein Beleg für deine These (Kausalität)?
Ich suche gerade den Tagesspiegel-Artikel.

Bevor du weiter in dies Richtung ... argumentierst:
Wir warten noch auf die Quelle.

Es gibt den schönen Spruch "3er BMW kann man leasen, Umweltkarten nicht." Von daher bezweifle ich, dass er beim Tagesspiegel etwas findet. Vielleicht bei der BLÖD...
Zitat
Lehrter Bahnhof
Wie sieht es denn mit den absoluten Werten aus? Wie gesagt, ich bleibe dabei: Wenn viele arme Menschen in die Stadt ziehen, die ein Sozialticket erhalten, etc., steigt natürlich der Anteil des ÖPNV, weil die Leute sich kein Auto leisten können.

Bei nur noch leicht steigenden absoluten Pkw-Zahlen und deutlich rückläufigen MIV-Anteilen am Modal Split vermute ich einen leichten absoluten Rückgang der Personenkilometerleistungen des MIV. "Direkte" Zahlen dazu habe ich für Berlin allerdings noch nie gesehen.

Dein Argument mit dem Zuzug vieler armer Menschen mag im "Fluchtjahr 2015" zutreffen, aber auch in "normaleren" Jahren? Der Zuzug armer Menschen ist doch zum Beispiel durch die Anzahl preiswerter Wohnungen in Berlin, die jedenfalls bis 2018 nicht gewachsen sein dürfte, begrenzt. Ich wüßte auch nichts über rasant steigende Zahlen bei den Sozialtickets.

Vielleicht findest Du ja etwas, was Deine These stützt? Unabhängig davon: Der Anteil des ÖV ist mit rund 27% im Jahr 2018 im Vergleich mit dem Jahr 2013 gleich geblieben. Er hätte doch auch auf 28% steigen können.
Beispiel hier:

>>Auf die finanziellen Risiken für Berlin, die immer deutlicher werden, weisen folgende Zahlen hin: Von 2017 bis 2021 steigen die Kosten für das Landespersonal um 28 Prozent, die konsumtiven Sachausgaben wachsen um 21 Prozent. Die Steuereinnahmen (einschließlich Länderfinanzausgleich) erhöhen sich im selben Zeitraum aber nur um 19,5 Prozent. Ein ausgeglichener Haushalt ist so auf Dauer nicht realisierbar.
Rot-Rot-Grün macht geltend, dass der harte Sparkurs des vergangenen Jahrzehnts in allen öffentlichen Bereichen einschließlich der Berliner Verwaltung schwere Schäden hinterlassen habe, die repariert werden müssten, damit die Stadt wieder richtig funktioniert. Außerdem müsse die öffentliche Daseinsvorsorge mit dem Wachstum der Bevölkerung mithalten, entsprechend stiegen die Ausgaben im Landeshaushalt.<<
[www.tagesspiegel.de]

>>Auch die Sozialausgaben wachsen in den nächsten zwei Jahren kräftig. Zu Buche schlagen beispielsweise das kostenlose Schulessen, das Schülerticket zum Nulltarif und der gebührenfreie Hort. Teuer wird auch die gesetzlich neu geregelte Jugendförderung, die Ausgaben für Kitas, Hilfen zur Erziehung und viele andere Sozialtransfers steigen weiter an. So werden für die Kitabetreuung im nächsten Landeshaushalt fast 2,1 Milliarden Euro eingeplant, für die Erziehungshilfen 620 Millionen Euro.
Ein großer Kostenfaktor ist das Bevölkerungswachstum, das in Berlin doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt. Mehr Kinder, Schüler und Studierende, bessere Verkehrswege und der öffentliche Personennahverkehr, aber auch eine größere Landesverwaltung erfordern höhere Investitionen und Sachausgaben. Zwar wachsen mit der Bevölkerung auch die Steuereinnahmen, aber nicht im selben Maße. <<
[www.tagesspiegel.de]


Das Bevölkerungswachstum kostet Berlin mehr, als es bringt! Die Berliner bezahlen also die Bevölkerungszunahme. Deswegen ziehen immer mehr weg. [www.tagesspiegel.de]
[www.welt.de]

______________________

Nicht-dynamische Signatur



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.03.2020 15:08 von Lehrter Bahnhof.
Und das hat jetzt was mit Flüchtlingen oder finanzschwachen Zugezogenen zu tun?

x--x--x--x

Ein fester Standpunkt ist immer wichtig - besonders in Kurven und beim Bremsen. Bitte gut festhalten!
Es ziehen halt viele Gutverdiener in den Speckgürtel, Grundstücke für Einfamilienhäuser
gibt's ja nicht wirklich :)

Und mehr Kinder und mehr Studenten sind auch eine tolle Sache. Investitionen in Kinder
und Bildung zahlen sich immer aus.
Zitat
Lehrter Bahnhof
Beispiel hier:

>>Auf die finanziellen Risiken für Berlin, die immer deutlicher werden, weisen folgende Zahlen hin: Von 2017 bis 2021 steigen die Kosten für das Landespersonal um 28 Prozent, die konsumtiven Sachausgaben wachsen um 21 Prozent. Die Steuereinnahmen (einschließlich Länderfinanzausgleich) erhöhen sich im selben Zeitraum aber nur um 19,5 Prozent. Ein ausgeglichener Haushalt ist so auf Dauer nicht realisierbar.
Rot-Rot-Grün macht geltend, dass der harte Sparkurs des vergangenen Jahrzehnts in allen öffentlichen Bereichen einschließlich der Berliner Verwaltung schwere Schäden hinterlassen habe, die repariert werden müssten, damit die Stadt wieder richtig funktioniert. Außerdem müsse die öffentliche Daseinsvorsorge mit dem Wachstum der Bevölkerung mithalten, entsprechend stiegen die Ausgaben im Landeshaushalt.<<
[www.tagesspiegel.de]

(...)

Das Bevölkerungswachstum kostet Berlin mehr, als es bringt! Die Berliner bezahlen also die Bevölkerungszunahme. Deswegen ziehen immer mehr weg. [www.tagesspiegel.de]
[www.welt.de]

Zunächst vielen Dank für die Links, ich verstehe jetzt eher, was Du meinst. Beim ersten Artikel scheint es mir aber eher um die allgemeine Berliner Haushaltspolitik zu gehen, über die man im Detail sicherlich streiten kann, ja sogar streiten muß.

Eines möchte ich aber zu bedenken geben: Das Land Berlin hat sich seit 2001 zu einem tarifpolitischen "Schlußlicht" entwickelt, sodaß die jetzt deutlich verbesserten Besoldungen und selbstverständlich auch die "Tarifrunde" bei der BVG dringend geboten waren - ansonsten würde ein Teil der (hier ausgebildeten) Beschäftigten dem Land "weglaufen". Dadurch ergibt sich ein wieder steigender konsumtiver Anteil im Landeshaushalt, eine sinnvolle Alternative dazu kann ich nicht erkennen.

Der zweite Artikel ist wohl aus dem Jahr 2011, also recht alt. Ob die damaligen Aussagen noch richtig sind, vermag ich nicht einzuschätzen.

Inhaltlich passend und lesenswert finde ich den Artikel auf welt.de (ganz ausnahmsweise ein Lob des Springer-Konzerns). In dem Haus im Marienfelder Norden, in dem ich wohne, hat sich gerade eine dreiköpfige Familie in Richtung gemietetes Haus in Falkensee verabschiedet, während die bisher vermietete Wohnung (in einfacher Wohnlage) bei immobilienscout für günstige 199.000 € zum Verkauf angeboten wird.

Ich glaube, der Staat muß eigene Fehler korrigieren und durch den Neubau vieler preiswerter öffentlicher Wohnbauten sowie rigorose Eingriffe in den nicht mehr funktionierenden Wohnungsmarkt versuchen, zu veränderten Entwicklungen im Wohnungssektor zu gelangen. Das Land Berlin bemüht sich ja, diesen Weg zu gehen.

Vielleicht führt die sich "dank" covid 19 abzeichnende Krise ja unter anderem zu einer deutlichen Korrektur der Berliner Immobilienpreise um z.B. 30 bis 40% - dann hätte sie immerhin wenigstens einen positiven Effekt.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 15.03.2020 07:12 von Marienfelde.
Zitat
TomB
[www.morgenpost.de]

Studie Verkehrsmittelart 2018 im Vergleich zu 2013:
MIV-Nutzung sinkt von 30 auf 26 % der Wege, im Vekehr nur innerhalb Berlins von 28 auf 24 %.
(...)
Leider keine Angaben für pkm (wurde wohl nicht erfragt).

Peter Neumann von der "Berliner Zeitung" berichtete unter der Überschrift "Berlin ist keine Autostadt" in der Ausgabe vom 14./15. März 2020 (S. 14) von einem auf 41% (2013 noch 45%) gesunkenen Anteil des MIV an den Personenkilometerleistungen, während der Anteil des ÖV mit 42% unverändert blieb. Auch gleich blieben die "Laufleistungen" mit 5% (bei einem Modal-Split-Anteil von 30 bzw. 31%), während der Radfahreranteil an den Personenkilometern von 8 auf 12% zunahm.

Einen Link dazu habe ich aber nicht finden können.
Zitat
Marienfelde

Peter Neumann von der "Berliner Zeitung" berichtete unter der Überschrift "Berlin ist keine Autostadt" in der Ausgabe vom 14./15. März 2020 (S. 14) von einem auf 41% (2013 noch 45%) gesunkenen Anteil des MIV an den Personenkilometerleistungen, während der Anteil des ÖV mit 42% unverändert blieb. Auch gleich blieben die "Laufleistungen" mit 5% (bei einem Modal-Split-Anteil von 30 bzw. 31%), während der Radfahreranteil an den Personenkilometern von 8 auf 12% zunahm.

Einen Link dazu habe ich aber nicht finden können.

Berliner Zeitung

(Schwer zu finden, die Überschrift ist anders als im Print).
Zitat
Global Fisch
Zitat
Marienfelde

Peter Neumann von der "Berliner Zeitung" berichtete unter der Überschrift "Berlin ist keine Autostadt" in der Ausgabe vom 14./15. März 2020 (S. 14) von einem auf 41% (2013 noch 45%) gesunkenen Anteil des MIV an den Personenkilometerleistungen, während der Anteil des ÖV mit 42% unverändert blieb. Auch gleich blieben die "Laufleistungen" mit 5% (bei einem Modal-Split-Anteil von 30 bzw. 31%), während der Radfahreranteil an den Personenkilometern von 8 auf 12% zunahm.

Einen Link dazu habe ich aber nicht finden können.

Berliner Zeitung

(Schwer zu finden, die Überschrift ist anders als im Print).

Und hier der Link zur Originalquelle. Man beachte auch die Tabellen etc. rechts zum Download:
[www.berlin.de]

Die Pressemitteilung dazu gibt es hier:
[www.berlin.de]

Ingolf
Zitat
Ingolf
Und hier der Link zur Originalquelle. Man beachte auch die Tabellen etc. rechts zum Download:

Unter den Downloadlinks gibt es auch noch einen Link zur TU Dresden, die die Untersuchung durchgeführt hat. Unter diesem Link können u.a. bundesweite Ergebnisse sowie ein Methodenbericht heruntergeladen werden, der auch den Fragebogen enthält.
Basierend auf dem "Mobilitätssteckbrief für Berlin" noch eine andere Betrachtung dazu:

Anzahl der Wege je Berliner/in pro Tag: 3,5,

mittlere Länge eines Weges: 5,9 km,
* mittlere Länge eines Fußwegs: 1 km,
* mittlere Länge eines Radwegs: 4 km,
* mittlere Länge einer Autofahrt: 9 km,
* mittlere Länge einer Fahrt mit dem ÖV: 9 km.
(*: abgeleitete und gerundete Schätzwerte)

Dadurch ergibt sich bei einem Fußgängeranteil an allen Wegen von 30% ein Anteil von lediglich 5% bei den Pkm,
bei einem Radwegeanteil von 18% an allen Wegen ein Anteil von 12% bei den Pkm,
bei einem ÖV-Anteil von 27% an allen Wegen ein Anteil von 42% bei den Pkm
und bei einem MIV-Anteil von 26% an allen Wegen ein Anteil von 41% bei den Pkm.

Im Durchschnitt verhalten sich alle Berliner/innen bei der Verkehrsmittelwahl also durchaus rational: Sehr kurze Wege werden oft gelaufen, Wege bis etwa 5 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt und längere Wege entweder mit dem ÖV oder dem MIV zurückgelegt, wobei in Berlin das Verhältnis zwischen den beiden letzteren Verkehrsarten aus ÖV-Sicht schon recht gut ist.

In der Perspektive sollte eine deutliche Dominanz des ÖV im Laufe dieses Jahrzehnts erreichbar sein: Irgendwann kommen neue S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnstrecken, hoffentlich auch wieder Doppeldeckerbusse, bessere Regionalbahnangebote, außerdem mehr Parkraumbewirtschaftung - ich glaube, wir können ganz zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Hier noch einmal der Link zum "Berliner Mobilitätssteckbrief": [www.berlin.de]

Noch einen schönen Montag wünscht Euch
Marienfelde
Zitat aus dem Presseportal des Landes Berlin:

Corona-Krise: Senatsverwaltung finanziert bis 19. April kostenlose Ausleihe


Um die Berlinerinnen und Berliner (sowie Gäste der Stadt) möglichst mobil zu halten, stellt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz die ersten 30 Minuten Ausleihzeit für Berlins Nextbike-Leihräder vorübergehend kostenfrei.

Die Regelung gilt von Dienstag, den 17.03.2020, bis vorerst zum 19.04.2020 (Ende der Osterferien). „Wir wollen den Menschen möglichst viele Optionen bieten, gesund mobil zu bleiben“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther.

Damit stellt Berlin zusätzliche öffentlich finanzierte Alternativen zum ÖPNV oder zum Auto zur Verfügung, insbesondere auch um Ansteckungsgefahren durch eine größere Verteilung der Mobilität zu reduzieren. Die Nutzerinnen und Nutzer sind zugleich aufgerufen, beim Gebrauch der Räder die empfohlenen Hygieneregeln einzuhalten.

Nutzerinnen und Nutzer können die Nextbike-Räder ab Dienstag einmalig oder auch mehrfach am Tag für eine kostenlose halbe Stunde ausleihen – einfach per App. Die Nutzenden werden dafür allerdings gebeten, die Räder möglichst an den Stationen abzustellen, um sie besser verfügbar zu halten. Flexibles Abstellen außerhalb einer Nextbike-Station wird ansonsten, wie bisher, mit 50 Cent berechnet, um den höheren Betriebsaufwand zu finanzieren.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 16.03.2020 18:57 von pinkpanterkai.
Zitat
Marienfelde

Inhaltlich passend und lesenswert finde ich den Artikel auf welt.de (ganz ausnahmsweise ein Lob des Springer-Konzerns). In dem Haus im Marienfelder Norden, in dem ich wohne, hat sich gerade eine dreiköpfige Familie in Richtung gemietetes Haus in Falkensee verabschiedet, während die bisher vermietete Wohnung (in einfacher Wohnlage) bei immobilienscout für günstige 199.000 € zum Verkauf angeboten wird.

Ich glaube, der Staat muß eigene Fehler korrigieren und durch den Neubau vieler preiswerter öffentlicher Wohnbauten sowie rigorose Eingriffe in den nicht mehr funktionierenden Wohnungsmarkt versuchen, zu veränderten Entwicklungen im Wohnungssektor zu gelangen. Das Land Berlin bemüht sich ja, diesen Weg zu gehen.

Ich stimme Dir - wie fast immer - in den Grundsätzen zu. Wir brauchen eine stärkere Regulierung des Wohnungsmarktes einerseits durch (noch) stärkere Reglementierung der Mietpreise und andererseits durch vermehrten Neubau idealerweise in kommunaler Trägerschaft.

Mit dem Beispiel von Deiner Nachbarsfamilie habe ich aber ein Problem. Ich habe viele von diesen Fällen selber im Bekanntenkreis, Leute, die vor 10 Jahren ihren Uniabschluss gemacht haben, ganz gut verdienen und denen trotzdem die Innenstadtmiete über den Kopf wächst, und die deswegen geneigt sind, ins Umland zu ziehen oder das schon getan haben.
Das Argument ist immer dasselbe: "Die Tilgung für den Kredit draußen ist geringer als die Miete drinnen. Und nach 20 Jahren gehört mir die Bude."

Das ist verständlich, einleuchtend, falsch und unsozial. Um's mal ganz hart auszudrücken.
Vergessen wird regelmäßig bei der Betrachtung, dass die etwas geringeren Wohnkosten durch vielfach höhere Mobilitätskosten aufgefressen werden. Damit lügen sich Stadtflüchtlinge wie Deine Nachbarn regelmäßig in die Tasche. Meist wird das eigene Auto, das nun zwingend nötig ist, nicht mit berechnet, weil es eh schon da ist, der evtl. nötige Zweitwagen wird eher als Benefit angesehen (endlich kann man sich den leisten), und die enorm gestiegenen Fahrkosten werden zum teil von der Pendlerpauschale gedeckt.
Und da kommen wir schon zum zweiten und viel größeren Problem, ein Großteil der durch Stadtflucht zusätzlich und unnötigerweise verursachten Mobilitätskosten werden nicht von den Verursachern getragen, sondern der Gesellschaft aufgebürdet. Noch mehr, es wird verlangt und davon ausgegangen, dass die Gesellschaft diese tragen müsse. Das erste passiert recht automatisch durch die genannte Pendlerpauschale, das zweite durch die nicht vorhandene Bereitschaft, für Straßenbenutzung, innerstädtischen Parkraum, ja stellenweise noch nichtmal für die eine zusätzliche Bahnstation im C-Bereich zusätzlich Geld zu bezahlen.

Zusätzlich machen die durch Stadtflucht entstehenden Siedlungsstrukturen (sehr dichte aber kleinteilige Bebauung mit Einfamilienhäusern) eine sinnvolle Erschließung mit ÖV quasi unmöglich. Viel zu eng, , zu wenig konzentriert und trotzdem zu wenig Aufkommen. Keine sinnvolle Linienführung, kein ökonomischer Betrieb möglich. Für die Zersiedelung und die durch sie geschaffene Strukturen gibt es im Englischen einen schönen Begriff, der die Scheußlichkeit der Siedlungen lautmalerisch umschreibt: Sprawl.

Dieselben Leute, die sich über zu hohe Innenstadtmieten beschweren und dann in das Umland ziehen, sind auch die, die sich über
- schlechte Nahversorgung (Läden, Schulen)
- unzureichende ÖV-Angebote ("da muss man ja zum Brötchenholen mit dem Auto fahren")
- hohe ÖV-Preise (C-Tarif)
- magelnde Parkplätze in Bahnhofsnähe
- mangelnde Parkplätze im Zielgebiet (Arbeitsort, Innenstadt)
- Stau
- Bauarbeiten
- Verknappung von Parkraum in der Innenstadt
- Verknappung von MIVflächen durch Radwegausbau ("30km kann ich ja nicht mit dem Rad pendeln!")
aufregen. Und gleichzeitig Ansprüche erheben, die Innenstadtbewohner sollten mit ihren Steuermitteln diese Probleme für sie lösen. Ich habe dafür keinerlei Verständnis und erst recht kein Mitleid.

Übrigens (nicht zutreffend für Deinen Nachbarn, denn die wohnen ja auch in Falkensee anscheinend zu Miete) wem es nur um das Wohneigentum geht: ich verteufele ja niemanden, der Eigentum bildet und in eine selbst genutzte Eigentumswohnung investiert. Ich lese das
Zitat

bei immobilienscout für günstige 199.000 € zum Verkauf angeboten
ironisch, aber - bei einer dreiköpfigen Familie geh ich jetzt mal so um die 80 qm aus - finde ich 200k Euro, als rund 2.500 Euro/qm jetzt tatsächlich nicht überteuert. Ich weiß nicht, wie hoch die Miete zuletzt war, aber Immobilienkredite sind derzeit so billig, ich habe mehrere Angebot gefunden (20 Jahre Laufzeit), die das mit einer monatlichen Tilgung von unter 800 Euro finanzieren. Vielleicht hätte unsere fiktive Beispielfamilie auch einfach mal den Vermieter fragen sollen, ob sie nicht einfach die Wohnung kaufen könnte.
Wow. Danke für den Beitrag! :)
Zitat
schallundrausch
Und da kommen wir schon zum zweiten und viel größeren Problem, ein Großteil der durch Stadtflucht zusätzlich und unnötigerweise verursachten Mobilitätskosten werden nicht von den Verursachern getragen, sondern der Gesellschaft aufgebürdet. Noch mehr, es wird verlangt und davon ausgegangen, dass die Gesellschaft diese tragen müsse. Das erste passiert recht automatisch durch die genannte Pendlerpauschale, das zweite durch die nicht vorhandene Bereitschaft, für Straßenbenutzung, innerstädtischen Parkraum, ja stellenweise noch nichtmal für die eine zusätzliche Bahnstation im C-Bereich zusätzlich Geld zu bezahlen.

Mit dieser Begründung müsste man ebenso kostendeckende Preise für Regionalverkehrsleistungen und sogar den C-Bereich bedienenden S-Bahn-Fahrleistungen fordern. Dann würde es keine Überfüllungen und Engpässe im Schienenverkehr mehr geben.
Und noch weniger Motive für die Zersiedelung der Landschaft.

so long

Mario
Sagt mal, von welcher Stadtflucht redet ihr?

Die Einwohnerzahlen Berlin und nahes Umland wachsen seit Jahren stetig, aber zBsp. in der Uckermark sagt sich Fuchs und Igel Gute Nacht und ganze Dörfer drohen dort auszusterben.
leer

Mit besten Grüßen

phönix



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 18.03.2020 00:51 von phönix.
Zitat
schallundrausch
Vergessen wird regelmäßig bei der Betrachtung, dass die etwas geringeren Wohnkosten durch vielfach höhere Mobilitätskosten aufgefressen werden. Damit lügen sich Stadtflüchtlinge wie Deine Nachbarn regelmäßig in die Tasche. Meist wird das eigene Auto, das nun zwingend nötig ist, nicht mit berechnet, weil es eh schon da ist, der evtl. nötige Zweitwagen wird eher als Benefit angesehen (endlich kann man sich den leisten), und die enorm gestiegenen Fahrkosten werden zum teil von der Pendlerpauschale gedeckt.
Und da kommen wir schon zum zweiten und viel größeren Problem, ein Großteil der durch Stadtflucht zusätzlich und unnötigerweise verursachten Mobilitätskosten werden nicht von den Verursachern getragen, sondern der Gesellschaft aufgebürdet. Noch mehr, es wird verlangt und davon ausgegangen, dass die Gesellschaft diese tragen müsse. Das erste passiert recht automatisch durch die genannte Pendlerpauschale, das zweite durch die nicht vorhandene Bereitschaft, für Straßenbenutzung, innerstädtischen Parkraum, ja stellenweise noch nichtmal für die eine zusätzliche Bahnstation im C-Bereich zusätzlich Geld zu bezahlen.

Das ist alles richtig. Aber ich habe noch keine Lösung für das Problem gefunden, dass
- einerseits weltweit mindestens in den letzten 20 Jahren der Zuzug in die großen Städte oder in deren Außenbereiche zunimmt
- andererseits frühere City-Bewohner immer wieder daran interessiert sind, ein etwas ruhigeres Leben außerhalb der Großstadt führen zu wollen, ohne auf die Vorzüge der Großstadt mit guter Erreichbarkeit zu verzichten.
Und Berlin ist nur ein Spiegel dieser beiden Tendenzen.
Die Verschaffung von Freizügigkeit für die Bevölkerung mit dem Recht, den Wohnort nach eigenem Wunsch zu wählen (für jeden EU Bürger nach Belieben entweder in der City Berlins oder im nahen Umland) beißt sich zwangsläufig damit, vorausschauende und ökologische sowie nachhaltige Städtebau- und Verkehrspolitik anzubieten.
Wo ist die Lösung? Industrieansiedlungspolitik in den weiter von den großen Städten entfernten Regionen? Mit Sicherheit sehr wichtig, aber selbst das klappt nur begrenzt, wie gerade das Beispiel Tesla gezeigt hat, denn ohne die Nachbarschaft Berlins wäre das Unternehmen kaum nach Grünheide gegangen.

Mit besten Grüßen

phönix
Zitat
Barnimer
Sagt mal, von welcher Stadtflucht redet ihr?

Die Einwohnerzahlen Berlin und nahes Umland wachsen seit Jahren stetig, aber zBsp. in der Uckermark sagt sich Fuchs und Igel Gute Nacht und ganze Dörfer drohen dort auszusterben.

Wir reden von den Orten in der "ersten Reihe" oder "Speckgürtel", nicht von der "zweiten Reihe" und schon gar nicht von der Uckermark.
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