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rbb-Berlintrend zum Thema Nahverkehr
geschrieben von schallundrausch 
Zitat
Global Fisch
Der Sinn der Stammbahn besteht darin, eine zweite Verbindung von Potsdam/ggf. Wetzlarer Bahn in den inneren Stadtbereich von Berlin zu haben,
a) primär weil die Stadtbahn an ihrer Kapazitätsgrenze ist. (Selbst mit paar Zügen mehr nach Ausbau Signaltechnik wäre bald die nächste Grenze erreicht)
b) sekundär, um auch eine schnelle Verbindung in andere Teile Berlins zu bekommen.

Auch wenn DB Netz die Stadtbahn inzwischen für überlastet erklärt hat, fuhren da schon deutlich mehr Züge und es ist ein offenes Geheimnis, dass DB Fernverkehr eher früher als später die letzten Züge in den Tunnel verlegen will. Einer der Knackpunkte ist u.a. das Wenden der Verstärker in Friedrichstr - und bevor wir eine neue Strecke bauen, die dann auch ordentlich bestellten Verkehr will, verlängern wir diese Züge lieber erstmal bis zu einem betrieblich sinnvollen Endbahnhof. Und dann haben wir noch nichts an den Zuglängen getan - da gibt es deutlich einfachere und schnellere Varianten als den Wiederaufbau der Stammbahn.

Und ja, gewiss ist Berlin polyzentrisch und es wird auch noch eine stärkere Verlagerung von Arbeitsplätzen geben, aber wie hoch ist denn der Bedarf von Potsdam (und auch weiter draußen) nach Steglitz? Richtung Potsdamer Platz kann man von der Wetzlarer Bahn sehr gut - und für HVZ-Verstärker auch noch aus Richtung Brandenburg-Werder erträglich - über die Anhalter Bahn fahren. Nach Eröffnung der Dresdner Bahn sind dort auch wieder Kapazitäten frei und gleichzeitig wäre auch noch Südkreuz angebunden. Und die Relation Wannsee - Gesundbrunnen könnte auch heute schon schneller betrieben werden, wenn gewollt.
Die ganze Geschichte in Kohlhasenbrück/Griebnitzsee geht durchaus ohne kreuzungsfreie Ausfädelungen. Der Bahnhof Griebnitzsee müsste nochmals umgebaut werden und könnte so aussehen:



So viel Verkehr wird es nicht geben, als daß das dort zu ernsten Trassenkonflikten führt.

Womit ich nicht einverstanden bin ist die erwähnte politische Eindämmung von Pendlerverkehr. Wie will man das erreichen? Sollen alle, die im Speckgürtel und dahinter im Eigenheim wohnen nicht mehr in Berlin arbeiten dürfen?
Was ist mit den Siemens-Rentnern, müssen die dann wegziehen damit sie keinen wertvollen Wohnraum in Spandau und Charlottenburg blockieren? Soll der Professor nicht mehr in seiner Zehlendorfer Villa wohnen dürfen, weil er in der Wista arbeitet?
Die Zeiten wo Mitarbeiter um die Arbeitsstelle gehortet wurden (wie einst im Wedding und anderen Innenstadt-Ghettos) sind zum Glück vorbei und sowas möchte ich nicht zurück haben und auf Wohnraumzuteilung a la DDR kann ich auch sehr gut verzichten.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 29.11.2018 17:30 von Havelländer.
Auch in deinem Beispiel kreuzt doch wieder alles niveaugleich? Sorry, aber ich finde das einfach nicht zukunftsorientiert - aber am Ende ist es mir auch ein Stück weit egal inzwischen.

Und was das Thema "Pendeln" angeht: Ich glaube, viele sitzen hier dem Trugschluss auf, dass die Menschen gerne aus der Stadt rausziehen. Da wird es immer eine Menge geben, gewiss, aber momentan reden wir von Verdrängung: Leute können sich bestimmte Bezirke Innerhalb des Rings nicht mehr leisten und ziehen deshalb außerhalb des Rings, wo sie langsam aber sicher Leute nach noch weiter draußen verdrängen. Und da könnte politisch gegengesteuert werden, wenn man nur wollte.
Zitat
eiterfugel
Auch in deinem Beispiel kreuzt doch wieder alles niveaugleich? Sorry, aber ich finde das einfach nicht zukunftsorientiert - aber am Ende ist es mir auch ein Stück weit egal inzwischen.

Das stört doch nicht weiter. Der Abzweig Kohlhasenbrück ist heute schon niveaugleich und völlig problemlos. Eine starke Zunahme an Nahverkehr auf der Wetzlarer Bahn neben dem RE7 ist kaum zu erwarten.
Die Magdeburger Bahn über Potsdam hat demnächst den RE1 im 20min Takt und die RB nach Friedrichstraße und diese könnte dann über die Stammbahn Richtung Hbf gehen.
Da wäre der kreuzungsfreie Ausbau nur rausgeworfenes Geld und verkompliziert mit seinen unterschiedlichen Höhenlagen nur die Bahnsteiganlage in Griebnitzsee.
Wir reden hier immerhin über kurze Züge mit recht starker Beschleunigung. Der Güterverkehr wird weiter abnehmen und sich seine Wege über den besser geeigneten Außenring suchen.

Zitat
eiterfugel
Und was das Thema "Pendeln" angeht: Ich glaube, viele sitzen hier dem Trugschluss auf, dass die Menschen gerne aus der Stadt rausziehen. Da wird es immer eine Menge geben, gewiss, aber momentan reden wir von Verdrängung: Leute können sich bestimmte Bezirke Innerhalb des Rings nicht mehr leisten und ziehen deshalb außerhalb des Rings, wo sie langsam aber sicher Leute nach noch weiter draußen verdrängen. Und da könnte politisch gegengesteuert werden, wenn man nur wollte.

Die im Eigenheim sind definitiv freiwillig rausgezogen und das dürfte im Speckgürtel die Mehrheit darstellen. Ich habe gar keinen Bedarf mehr nach einer Stadtwohnung in der Mietskaserne oder im sanierten Altbau. Die Verdrängten sind ja meistens Rentner oder Minderbeschäftigte ohne weiteren täglichen Pendelbedarf.
Zitat
Global Fisch
Aus meiner Steglitzer Partikularinteressensicht: ich vermisse Direktverbindungen vom Rathaus in südwestliche Wilmersdorf (also irgendwie in den Bereich Fehrbelliner Platz)
Bei dem Punkt kann ich dir weiterhelfen: Diese Direktverbindung in Form des 86ers, vormals Straßenbahnlinie 44, wurde mit der Begründung es wäre Parallelverkehr zur U7/U9 über Berliner Straße eingestellt.
Zitat
Havelländer
Die im Eigenheim sind definitiv freiwillig rausgezogen und das dürfte im Speckgürtel die Mehrheit darstellen. Ich habe gar keinen Bedarf mehr nach einer Stadtwohnung in der Mietskaserne oder im sanierten Altbau. Die Verdrängten sind ja meistens Rentner oder Minderbeschäftigte ohne weiteren täglichen Pendelbedarf.

Also, ich sehe auch viele verdrängte Familien, die dann halt das "beste daraus machen" und dann nach Falkensee etc. ziehen - aber eben auch, weil einige Stadtrandbezirke zweifelhafte Rufe haben.

Ansonsten freue ich mich, dass das für dich so ist - ich hätte kürzlich das Haus meiner Oma im Speckgürtel übernehmen können und dachte nur: Nie im Leben!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 29.11.2018 19:37 von eiterfugel.
Zitat
Havelländer
Die Verdrängten sind ja meistens Rentner oder Minderbeschäftigte ohne weiteren täglichen Pendelbedarf.

Und die vielen Menschen, deren Arbeit und gesellschaftlicher Beitrag nicht ausreichend finanziell gewertschätzt wird.


Sonst bezogen auf Griebnitzsee/Kohlhasenbrück bezogen stimme ich dir voll zu
Zitat
eiterfugel
Also, ich sehe auch viele verdrängte Familien, die dann halt das "beste daraus machen" und dann nach Falkensee etc. ziehen - aber eben auch, weil einige Stadtrandbezirke zweifelhafte Rufe haben.

Klar sind hier viele Familien, besonders mit kleinen Kindern und auf manch Baustelle läuft die Frau noch mit dickem Bauch rum. Ich habe noch keinen getroffen welcher die Entscheidung rauszuziehen bereut hätte. Ja das Pendeln nervt schon ein wenig aber ob ich nun über die B5/Heerstraße fahre oder im überfüllten Regionalzug sitze macht keinen Unterschied zu überfüllten Stadtautobahn oder vollen ÖPNV in dem ich in der Stadt womöglich auch eine Stunde verbringe.
Das Entscheidende ist das was danach und am Wochenende kommt und die Schulsituation ist in Brandenburg teilweise sehr viel besser als in Berlin. In Falkensee oder Dallgow gibt es keine Schule mit 80% und mehr Migrantenanteil. Sowas zieht weit mehr als der Späti in der Stadtstraße.

Zitat
eiterfugel
Ansonsten freue ich mich, dass das für dich so ist - ich hätte kürzlich das Haus meiner Oma im Speckgürtel übernehmen können und dachte nur: Nie im Leben!

Verstehe ich, ein altes Haus, womöglich noch ein Sanierungsfall, hätte ich auch nicht haben wollen.
Wie gesagt, mich zieht absolut nichts mehr nach Berlin. Wir sind regelmäßig in Spandau im Kino oder im Brauhaus und mit Auto kommt man auch Abends gut wieder weg. ÖPNV ginge sicherlich auch aber mal ehrlich 15min vom Brauhaus nach Spandau Bahnhof laufen und dann trotzdem in Finkenkrug am Bahnhof stranden ist auch keine Option.
Zitat
Havelländer
In Falkensee oder Dallgow gibt es keine Schule mit 80% und mehr Migrantenanteil. Sowas zieht weit mehr als der Späti in der Stadtstraße.

Es gibt einige Schulen in Berlin, an denen der Anteil bei weit über 80% liegt und die mehr Bewerbungen als Plätze aufweisen. Beispielhaft genannt seien hier die John-F.-Kennedy- oder die Nelson-Mandela-Schule. Oder meintest du mit "Migrantenanteil" etwas anderes?

Zitat
Havelländer
Ich habe noch keinen getroffen welcher die Entscheidung rauszuziehen bereut hätte.

Ich habe dich auch noch nie getroffen und dennoch wohnst du gerne im Speckgürtel. Ich kenne persönlich niemanden, der das gerne macht. Und nun? Heben sich die Beweise auf und deine Katze wohnt sowohl in Berlin als auch in Brandenburg, so lange man die Haustür nicht öffnet?
Zitat
samm
Zitat
Havelländer
In Falkensee oder Dallgow gibt es keine Schule mit 80% und mehr Migrantenanteil. Sowas zieht weit mehr als der Späti in der Stadtstraße.

Es gibt einige Schulen in Berlin, an denen der Anteil bei weit über 80% liegt und die mehr Bewerbungen als Plätze aufweisen. Beispielhaft genannt seien hier die John-F.-Kennedy- oder die Nelson-Mandela-Schule. Oder meintest du mit "Migrantenanteil" etwas anderes?

Ja natürlich meine ich mit "Migrantenanteil" was anderes, bleiben wir mal realistisch!


Zitat
samm
Zitat
Havelländer
Ich habe noch keinen getroffen welcher die Entscheidung rauszuziehen bereut hätte.

Ich habe dich auch noch nie getroffen und dennoch wohnst du gerne im Speckgürtel. Ich kenne persönlich niemanden, der das gerne macht. Und nun? Heben sich die Beweise auf und deine Katze wohnt sowohl in Berlin als auch in Brandenburg, so lange man die Haustür nicht öffnet?

Ich meinte damit meine Nachbarn, Arbeitskollegen und andere Menschen die man so trifft hier "draußen". Meine Arbeitskollegen die noch in Berlin wohnen sind nur am meckern, besonders die aus der Innenstadt, das alles immer schlechter wird.
Zitat
Havelländer
Zitat
samm
Zitat
Havelländer
In Falkensee oder Dallgow gibt es keine Schule mit 80% und mehr Migrantenanteil. Sowas zieht weit mehr als der Späti in der Stadtstraße.

Es gibt einige Schulen in Berlin, an denen der Anteil bei weit über 80% liegt und die mehr Bewerbungen als Plätze aufweisen. Beispielhaft genannt seien hier die John-F.-Kennedy- oder die Nelson-Mandela-Schule. Oder meintest du mit "Migrantenanteil" etwas anderes?

Ja natürlich meine ich mit "Migrantenanteil" was anderes, bleiben wir mal realistisch!

Und zwar? :-)

Zitat
Havelländer
Zitat
samm
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Havelländer
Ich habe noch keinen getroffen welcher die Entscheidung rauszuziehen bereut hätte.

Ich habe dich auch noch nie getroffen und dennoch wohnst du gerne im Speckgürtel. Ich kenne persönlich niemanden, der das gerne macht. Und nun? Heben sich die Beweise auf und deine Katze wohnt sowohl in Berlin als auch in Brandenburg, so lange man die Haustür nicht öffnet?

Ich meinte damit meine Nachbarn, Arbeitskollegen und andere Menschen die man so trifft hier "draußen". Meine Arbeitskollegen die noch in Berlin wohnen sind nur am meckern, besonders die aus der Innenstadt, das alles immer schlechter wird.

Wir drehen uns im Kreis. Jetzt kommen wir weg von Schrödingers Katze hin zur Katze mit dem Buttertoast auf dem Rücken ...
Zitat
Marienfelde
Ich frage mich immer öfter, ob unser Land die Bezeichnung "Demokratie" überhaupt noch verdient, ob sie nicht in weiten Teilen zu einer reinen "Formaldemokratie" verkommen ist, in der sich rein zufällig in erster Linie die Interessen irgendwelcher Konzerne (Banken, Versicherungen, Autokonzerne, Atomkonzerne, Deutsche Wohnen, ...) durchsetzen.

Dass die Atomkonzerne ihre Interessen in letzter Zeit ausreichend berücksichtigt sehen, wage ich mal zu bezweifeln, aber dass sich ein gewisser Verdruss nach der dritten Neuauflage der GroKo einstellt, kann ich ja nachvollziehen.

Zitat


Zum bezahlbaren Wohnraum: Der kurzfristige Lösungsansatz ist ja bekannt,

Richtig. Man müsste die Verordnungen, insbesondere die zur Energieeinsparung, so reformieren, dass überhaupt wieder Quadratmeterpreise von unter 10 Euro beim Neubau angeboten werden können.
Dann müsste die Verwaltung auf Trab gebracht werden, Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden und am Ende macht man sich dann noch Gedanken, wie man mehr junge Familien zum Eigenheim am Stadtrand verhilft.

Zitat

die Entwicklung der Mieten muß unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Das Mittel der Wahl ist ein Bundesmietengesetz, eine zeitgemäße Neuauflage des Reichsmietengesetzes vom 24. März 1922, in dem Mietern die Möglichkeit eingeräumt wurde, die "frei" vereinbarte Miete nach dem Einzug durch einseitige Erklärung auf die sogenannte "Friedensmiete" (Stand 1. Juli 1914) zu senken.

Es erscheint mir ratsam, sich am seit 1949 geltenden Recht zu orientieren.

Weiterhin könnte es vom Grundsatz her hilfreich sein, auf das Organisieren von Volksentscheiden zu verzichten, die die Bebauung riesiger Brachflächen in Innenstadtlage mit Wohnungen unmöglich machen.



Nic



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.11.2018 00:52 von Nicolas Jost.
Zitat
Nicolas Jost
Zitat

Zum bezahlbaren Wohnraum: Der kurzfristige Lösungsansatz ist ja bekannt,

Richtig. Man müsste die Verordnungen, insbesondere die zur Energieeinsparung, so reformieren, dass überhaupt wieder Quadratmeterpreise von unter 10 Euro beim Neubau angeboten werden können.

Jein. Ja, es stimmt, dass immer höhere Anforderungen an Neubauten die Kosten dafür in die Höhe treiben, ebenso übrigens die Nebenkosten im Immobilienverkauf, die in Berlin bei ca. 12-13 % liegen. Dennoch ist es reichlich naiv anzunehmen, dass nach Umsetzung dieser Maßnahmen auch die Preise für den Endverbraucher sinken. Denn der Preis wird bekanntlich in einer Marktwirtschaft nicht nur durch die Kosten, sondern auch durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Und solange die sonstigen Umstände so bleiben wie sie sind (steigende Bevölkerungszahl, Niedrigszinspolitik etc.), führen solche Maßnahme allenfalls zu höheren Renditen, aber nicht sinkenden Preisen für Wohnungssuchende.

Der Markt ist folglich völlig ungeeignet, günstigen Wohnraum zu schaffen.

Zitat

Dann müsste die Verwaltung auf Trab gebracht werden, Genehmigungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden und am Ende macht man sich dann noch Gedanken, wie man mehr junge Familien zum Eigenheim am Stadtrand verhilft.

Wieso müsste man das? Komisch - die Forderung nach mehr staatlichem Wohnungsbau und einer gewissen Lenkung der Stadtentwicklung ist für Dich sofort Kommunismus, aber der Staat soll sich gefälligst darum kümmern, den nicht unbedingt Ärmsten der Armen die unökologischste Form des Wohnens zu finanzieren?

Worauf wir uns einigen können: dass der Staat Menschen bei der Eigentumsbildung hilft. Auch und gerade in Innenstadtbereichen. Allerdings bräuchte es hier auch Regelungen, damit nicht mittel- und langfristig wieder abertausende Wohnungen über den Umweg der privaten Eigentumsbildung bei unseriösen Unternehmen wie Deutsche Wohnen landen. Hier wäre m.E. ein staatliches Vorkaufsrecht für staatlich geförderte Wohnungen ein sinnvoller Ansatz, der auch künftige Generationen bei der Schaffung von Eigentum unterstützt. (Wenn ich hier etwas vereinfachend "staatlich" schreibe, lege ich mich noch nicht auf eine Verwaltungsebene fest, auf der das geschehen soll.)



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.11.2018 08:00 von def.
Zitat
Havelländer
Womit ich nicht einverstanden bin ist die erwähnte politische Eindämmung von Pendlerverkehr. Wie will man das erreichen? Sollen alle, die im Speckgürtel und dahinter im Eigenheim wohnen nicht mehr in Berlin arbeiten dürfen?
Was ist mit den Siemens-Rentnern, müssen die dann wegziehen damit sie keinen wertvollen Wohnraum in Spandau und Charlottenburg blockieren? Soll der Professor nicht mehr in seiner Zehlendorfer Villa wohnen dürfen, weil er in der Wista arbeitet?
Die Zeiten wo Mitarbeiter um die Arbeitsstelle gehortet wurden (wie einst im Wedding und anderen Innenstadt-Ghettos) sind zum Glück vorbei und sowas möchte ich nicht zurück haben und auf Wohnraumzuteilung a la DDR kann ich auch sehr gut verzichten.

Nein. Denn "Eindämmung des Pendlerverkehrs" bzw. das Leitbild "Stadt der kurzen Wege" bedeutet nicht, dass den Leuten gesagt wird, was sie zu tun haben, sondern

1. bei der Stadt- und Regionalentwicklung darauf hinzuarbeiten, dass möglichst viele (ungleich alle) Menschen möglichst kurze (ungleich null Meter lange) Wege zur Arbeit, aber auch zu anderen Zielen haben, und das sich die verbleibenden Wege auf möglichst viele Korridore in verschiedene Richtungen verteilen.

2. Fehlanreize der derzeitigen Politik abzubauen.

Zu 1.

Natürlich ist es nicht möglich, dass jeder im eigenen Stadtquartier arbeitet. Das ergibt sich schon aus einer einfachen Betrachtung: wenn die beiden Partner einer Beziehung in verschiedenen Branchen arbeiten, die sich an verschiedenen Orten konzentrieren, wird mindestens einer eben pendeln müssen. Es gilt aber zu verhindern, dass sie beide lange Wege haben müssen (und das womöglich auch in die gleiche Richtung), weil es arbeitsplatznäher keinen bezahlbaren Wohnraum gibt. Wenn sie wiederum freiwillig diese langen Wege auf sich nehmen, sollte man zumindest in Frage stellen, dass sie dafür vom Staat unterstützt werden. Und das führt

Zu 2.

Es ist ein schwerwiegender Fehler, dass man Pendeln (mittels Pendlerpauschale) staatlich fördert, arbeitsplatznahes Wohnen hingegen nicht. Genau genommen halte ich es sogar in umwelt-, sozial- und sogar gesundheitspolitischer Hinsicht für eine absolute Idotie. Man Ansatz wäre ein radikal anderer: der vollständige Verzicht auf die Pendlerpauschale und die Nutzung der eingesparten Gelder für ein staatliches Wohnungsbau- und Eigentumsförderungsprogramm. Und wenn Geld übrig bleibt (wir reden immerhin von 5 Mrd. EUR pro Jahr), kann auch noch Geld in Schulen oder den öffentlichen Verkehr investiert werden.

Auch hier, um es weiter zu betonen: wer gern "in der Natur" (also oft genug zwischen Gewerbegebiet und Autobahn unter einer Hochspannungsleitung) leben möchte, soll dies gern tun. Aber es sollte - über eine für alle gleiche Eigentumsförderung hinaus - nicht auch noch dauerhaft finanziell unterstützt werden.



5 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.11.2018 06:35 von def.
Zitat
Nicolas Jost
Zitat

die Entwicklung der Mieten muß unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Das Mittel der Wahl ist ein Bundesmietengesetz, eine zeitgemäße Neuauflage des Reichsmietengesetzes vom 24. März 1922, in dem Mietern die Möglichkeit eingeräumt wurde, die "frei" vereinbarte Miete nach dem Einzug durch einseitige Erklärung auf die sogenannte "Friedensmiete" (Stand 1. Juli 1914) zu senken.

Es erscheint mir ratsam, sich am seit 1949 geltenden Recht zu orientieren.

(...)
Nic

Nur kurz zur Rechtslage in Westdeutschland und in den Westsektoren Groß-Berlins im Jahre 1949:
[de.wikipedia.org])

1949 gab es selbstverständlich eine staatliche Kontrolle der Mieten in beiden Teilen Deutschlands. In den 1950er Jahren wurden "Neubauten" (also nach der "Währungsreform" 1948 gebaute Wohnungen) "im Westen" davon ausgenommen. Erst mit dem "Lücke-Gesetz" im Jahr 1960 wurde die Mietpreisbindung für Altbauten ab 1963/64 aufgehoben - wobei es aber zahlreiche Ausnahmen in westdeutschen Großstädten gab. In Berlin (West) galt die Mietpreisbindung für Altbauten sogar noch bis etwa 1988.

Änderung: Ein "Eingabefehler korrigiert ("mit" statt "mir").



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.11.2018 10:06 von Marienfelde.
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eiterfugel
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Global Fisch
Der Sinn der Stammbahn besteht darin, eine zweite Verbindung von Potsdam/ggf. Wetzlarer Bahn in den inneren Stadtbereich von Berlin zu haben,
a) primär weil die Stadtbahn an ihrer Kapazitätsgrenze ist. (Selbst mit paar Zügen mehr nach Ausbau Signaltechnik wäre bald die nächste Grenze erreicht)
b) sekundär, um auch eine schnelle Verbindung in andere Teile Berlins zu bekommen.

Auch wenn DB Netz die Stadtbahn inzwischen für überlastet erklärt hat, fuhren da schon deutlich mehr Züge und es ist ein offenes Geheimnis, dass DB Fernverkehr eher früher als später die letzten Züge in den Tunnel verlegen will. Einer der Knackpunkte ist u.a. das Wenden der Verstärker in Friedrichstr -

Ein Stück weit bin ich hier bei Dir. Ich würde das "überlastet" angesichts dessen, dass da schon mal mehr Züge fuhren (und nach dem 1998er Desaster eine Zeitlang auch einigermaßen stabil) nicht ganz so kategorisch sehen; auch könnten Trassenfresser (Züge, die nur zu bestimmten Tageszeiten fahren und damit Takttrassen für andere Züge blockieren) runter. Aber bedenke bitte: die Stadtbahn nimmt aus Richtung Westen den Verkehr von vier Hauptstrecken (Hamburger Bahn, Lehrter Bahn, Potsdam, Wetzlarer Bahn auf). Wenn Du also vier Züge pro Stunde und Richtung mehr draufkriegst, macht das jeweils einen Zug pro Stunde in jede der vier Richtungen.

Und noch eins: von den drei anderen Strecken (Hamburger, Lehrter, Wetzlarer) wird es garantiert weit mehr Züge zur Stadtbahn geben, als mal aus Potsdam zur Stammbahn fahren werden. Mit anderen Worten: es wird immer eher die Stadtbahn an ihrer Kapazitätsgrenze geraten als Potsdam-Griebnitzsee.


Zitat
eiterfugel
Auch in deinem Beispiel kreuzt doch wieder alles niveaugleich? Sorry, aber ich finde das einfach nicht zukunftsorientiert

Nein, die Kreuzung Wetzlarer Bahn/Stammbahn-Potsdam ist ja natürlich nicht niveaugleich. Was niveaugleich ist, sind die vier Verzweigungen. Und das reicht auch völlig aus.

"Zukunftsorientiert" heißt ja nicht gigantische und auf lange Sicht überflüssig Infrastruktur hinzu klotzen. Über Potsdam wird nie nennenwerter Fernverkehr fahren (vielleicht einer pro Stunde nach Magdeburg), für den weitreichenden FV wäre das in allen Relationen aber gerade zeitlich ein deutlicher Umweg.

Wo man m.E. deutlich in die Infrastruktur investieren sollte, wären Anhalter und Hamburger Bahn, wo der starke Mischbetrieb aus Fern- und Regionalverkehr problematisch ist.



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.11.2018 18:04 von Global Fisch.
Zitat
def
Nein. Denn "Eindämmung des Pendlerverkehrs" bzw. das Leitbild "Stadt der kurzen Wege" bedeutet nicht, dass den Leuten gesagt wird, was sie zu tun haben, sondern

1. bei der Stadt- und Regionalentwicklung darauf hinzuarbeiten, dass möglichst viele (ungleich alle) Menschen möglichst kurze (ungleich null Meter lange) Wege zur Arbeit, aber auch zu anderen Zielen haben, und das sich die verbleibenden Wege auf möglichst viele Korridore in verschiedene Richtungen verteilen.

2. Fehlanreize der derzeitigen Politik abzubauen.

Zu 1.

Natürlich ist es nicht möglich, dass jeder im eigenen Stadtquartier arbeitet. Das ergibt sich schon aus einer einfachen Betrachtung: wenn die beiden Partner einer Beziehung in verschiedenen Branchen arbeiten, die sich an verschiedenen Orten konzentrieren, wird mindestens einer eben pendeln müssen. Es gilt aber zu verhindern, dass sie beide lange Wege haben müssen (und das womöglich auch in die gleiche Richtung), weil es arbeitsplatznäher keinen bezahlbaren Wohnraum gibt. Wenn sie wiederum freiwillig diese langen Wege auf sich nehmen, sollte man zumindest in Frage stellen, dass sie dafür vom Staat unterstützt werden. Und das führt

Zu 2.

Es ist ein schwerwiegender Fehler, dass man Pendeln (mittels Pendlerpauschale) staatlich fördert, arbeitsplatznahes Wohnen hingegen nicht. Genau genommen halte ich es sogar in umwelt-, sozial- und sogar gesundheitspolitischer Hinsicht für eine absolute Idotie. Man Ansatz wäre ein radikal anderer: der vollständige Verzicht auf die Pendlerpauschale und die Nutzung der eingesparten Gelder für ein staatliches Wohnungsbau- und Eigentumsförderungsprogramm. Und wenn Geld übrig bleibt (wir reden immerhin von 5 Mrd. EUR pro Jahr), kann auch noch Geld in Schulen oder den öffentlichen Verkehr investiert werden.

Auch hier, um es weiter zu betonen: wer gern "in der Natur" (also oft genug zwischen Gewerbegebiet und Autobahn unter einer Hochspannungsleitung) leben möchte, soll dies gern tun. Aber es sollte - über eine für alle gleiche Eigentumsförderung hinaus - nicht auch noch dauerhaft finanziell unterstützt werden.

Genau so ist es. Es geht nicht darum, irgendjemanden irgendetwas vorzuschreiben, im Gegenteil. Eine Verbesserung öffentlicher Verkehrsmittel dürfte im Interesse fast Aller sein, eine restriktivere Handhabung begrenzten öffentlichen Raums für Individualinteressen v.a. im innerstädtischen Bereich dürfte ebenfalls einer Mehrheit zu Gute kommen. Bestenfalls durch eine gesteigerte Urbanität und daraus folgenden qualitativ und quantitativ höheren Bevölkerungsdichte.

Aber müssen die weitgreifende Bodenversiegelung und die vermeidbaren Pendlerströme noch gefördert werden? Es ist mehrfach belegt, dass Pendeln, gleich mit welchem Verkehrsmittel, sogar potenziert der Gesundheit und dem sozialen Umfeld abträglich ist, je länger der Weg ist. Zu dieser Thematik kann ich nur Claas Tatjes "Fahrtenbuch des Wahnsinns" empfehlen. Trotzdem ist das natürlich ein rein individuelles Risiko, welches, wenn man Umfagen glaubt, immer weniger Betroffene bereit sind, zu tragen [z.B. Spiegel Online]. Diesen gilt es ein alternatives Angebot zu bieten.
Zitat
schallundrausch
(mir gefällt übrigens gerade sehr die Debattenkultur hier)

Kann ich nur zustimmen. So macht der Austausch doch Spaß und man wird auch mal animiert, aus einem anderen Blickwinkel zu denken. :-)



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.11.2018 23:36 von Railroader.
Zitat
hvhasel

Genau so ist es. Es geht nicht darum, irgendjemanden irgendetwas vorzuschreiben, im Gegenteil. Eine Verbesserung öffentlicher Verkehrsmittel dürfte im Interesse fast Aller sein, eine restriktivere Handhabung begrenzten öffentlichen Raums für Individualinteressen v.a. im innerstädtischen Bereich dürfte ebenfalls einer Mehrheit zu Gute kommen.

Beim ersten Teil gehe ich d'accord, der andere Part erscheint mir nicht durchdacht. Gewerbe würde dadurch aus der Stadt in die Gewerbeparks ins Umland getrieben, die verbliebenen Einzelhändler haben schon genug mit dem Online-Handel zu kämpfen.

Zitat

Bestenfalls durch eine gesteigerte Urbanität und daraus folgenden qualitativ und quantitativ höheren Bevölkerungsdichte.


Qualitativ und quantitativ höhere Bevölkerungsdichte? Was kann ich mir darunter vorstellen?

Zitat

Aber müssen die weitgreifende Bodenversiegelung und die vermeidbaren Pendlerströme noch gefördert werden?

Ohne Bodenversiegelung wird man dem Wohnungsengpass wohl kaum Herr werden können.
Was die innerstädtische Versiegelung angeht, muss man ja auch mal ganz ehrlich sagen, dass das, was wir hier städtebaulich in Berlin vorfinden, nicht der Normalzustand für eine mitteleuropäische Millionenstadt ist, sondern die Folgen des Zweiten Weltkriegs und im Ostteil des anschließenden Leitbilds des sozialistischen Städtebaus sind.
Eine Verdichtung der innerstädtischen Bebauung korrigiert das in homöopathischen Dosen.
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