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rbb-Berlintrend zum Thema Nahverkehr
geschrieben von schallundrausch 
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def
Jein. Ja, es stimmt, dass immer höhere Anforderungen an Neubauten die Kosten dafür in die Höhe treiben, ebenso übrigens die Nebenkosten im Immobilienverkauf, die in Berlin bei ca. 12-13 % liegen. Dennoch ist es reichlich naiv anzunehmen, dass nach Umsetzung dieser Maßnahmen auch die Preise für den Endverbraucher sinken. Denn der Preis wird bekanntlich in einer Marktwirtschaft nicht nur durch die Kosten, sondern auch durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Und solange die sonstigen Umstände so bleiben wie sie sind (steigende Bevölkerungszahl, Niedrigszinspolitik etc.), führen solche Maßnahme allenfalls zu höheren Renditen, aber nicht sinkenden Preisen für Wohnungssuchende.

Da will ich gar nicht widersprechen. Die 90er sind vorbei, es gibt keinen Wohnungsleerstand mehr, unsanierte Altbauten mit Kohleofen haben Kultcharakter, aber dafür steht Berlin heute wirtschaftlich besser da als zu jener Zeit - und das geht (leider) auch damit einher, dass sich nicht mehr jeder jede Lage leisten kann.

Zitat

Der Markt ist folglich völlig ungeeignet, günstigen Wohnraum zu schaffen.

Angebot und Nachfrage. Berlin hat beim Angebot gepennt.

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Wieso müsste man das?

Weil - aus eigener Erfahrung - in Bezirken wie Kreuzberg die Verwaltung alles daran setzt, neue Wohnungen (und sei es der Ausbau eines Dachs im Altbau zur DG-Wohnung) zu verhindern.

Zitat

Komisch - die Forderung nach mehr staatlichem Wohnungsbau und einer gewissen Lenkung der Stadtentwicklung ist für Dich sofort Kommunismus, aber der Staat soll sich gefälligst darum kümmern, den nicht unbedingt Ärmsten der Armen die unökologischste Form des Wohnens zu finanzieren?


Ich hielte es für geboten, die Kosten des Immobilienerwerbs zu senken, um es Familien zu erleichtern, Eigentum zu erwerben, auch um langfristig Vermögen aufzubauen.

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Worauf wir uns einigen können: dass der Staat Menschen bei der Eigentumsbildung hilft. Auch und gerade in Innenstadtbereichen.

Das natürlich auch gerne. Aber bei einer wachsenden Stadt wird für Familien der Speckgürtel (the Suburbs, wie der Amerikaner sagt) doch zur naheliegenden Alternative. Und da kann man dann wirklich attraktive, schnelle Nahverkehrsverbindungen in die innere Stadt schaffen.

Gruß
Nic
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def
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Havelländer
Womit ich nicht einverstanden bin ist die erwähnte politische Eindämmung von Pendlerverkehr. Wie will man das erreichen? Sollen alle, die im Speckgürtel und dahinter im Eigenheim wohnen nicht mehr in Berlin arbeiten dürfen?
Was ist mit den Siemens-Rentnern, müssen die dann wegziehen damit sie keinen wertvollen Wohnraum in Spandau und Charlottenburg blockieren? Soll der Professor nicht mehr in seiner Zehlendorfer Villa wohnen dürfen, weil er in der Wista arbeitet?
Die Zeiten wo Mitarbeiter um die Arbeitsstelle gehortet wurden (wie einst im Wedding und anderen Innenstadt-Ghettos) sind zum Glück vorbei und sowas möchte ich nicht zurück haben und auf Wohnraumzuteilung a la DDR kann ich auch sehr gut verzichten.

Nein. Denn "Eindämmung des Pendlerverkehrs" bzw. das Leitbild "Stadt der kurzen Wege" bedeutet nicht, dass den Leuten gesagt wird, was sie zu tun haben, sondern

(...)
Zu 2.

Es ist ein schwerwiegender Fehler, dass man Pendeln (mittels Pendlerpauschale) staatlich fördert, arbeitsplatznahes Wohnen hingegen nicht. Genau genommen halte ich es sogar in umwelt-, sozial- und sogar gesundheitspolitischer Hinsicht für eine absolute Idotie. Man Ansatz wäre ein radikal anderer: der vollständige Verzicht auf die Pendlerpauschale und die Nutzung der eingesparten Gelder für ein staatliches Wohnungsbau- und Eigentumsförderungsprogramm.
(...)

Man kann die Entfernungspauschale aus den genannten Gründen kritisieren, ohne die "erste Meinung" für ganz falsch zu halten. Ein Verbot des Abzugs der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte als Werbungskosten oder Betriebsausgaben dürfte im deutschen Einkommensteuerrecht aber kaum möglich sein.

Der letzte diesbezügliche Versuch des Gesetzgebers, für Veranlagungszeiträume ab dem Jahr 2007 den Abzug einer Entfernungspauschale erst ab dem 21. Entfernungskilometer (!) "wie Werbungskosten" zuzulassen, endete, wie zu erwarten war, mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, mit dem diese Neuregelung im Einkommensteuergesetz 2007 für verfassungswidrig erklärt wurde.

Der Gesetzgeber hat daraufhin die bis 2006 gültige Rechtslage wiederhergestellt. Hier noch ein "Einstiegslink" für diejenigen, die sich für solche Niederungen des Einkommensteuerrechts interessieren: [de.wikipedia.org]

Einen schönen Sonnabend wünscht Euch
Marienfelde

Nachtrag: Hier noch eine "Direktverbindung" zur Erklärung des o.g. Urteils des BVG aus dem Jahr 2008: [de.wikipedia.org]



4 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.12.2018 11:34 von Marienfelde.
Zitat
Nicolas Jost
[...]
Ohne Bodenversiegelung wird man dem Wohnungsengpass wohl kaum Herr werden können.
Was die innerstädtische Versiegelung angeht, muss man ja auch mal ganz ehrlich sagen, dass das, was wir hier städtebaulich in Berlin vorfinden, nicht der Normalzustand für eine mitteleuropäische Millionenstadt ist, sondern die Folgen des Zweiten Weltkriegs und im Ostteil des anschließenden Leitbilds des sozialistischen Städtebaus sind.
[...]

Oha, da sind wieder die west-zentrierten Scheuklappen im Einsatz. Das Leitbild der "autogerechten Stadt" im Westteil mit dem Schleifen ganzer Häuserblocks für die Autobahn oder Abriss und Neubau der Randbebauung zur Verbreiterung einiger Hauptstraßen scheinst du ja bewusst zu verdrängen. Dass vor dem Hansaviertel andere Häuser im Tiergarten standen ist dir hoffentlich auch bewusst.

Leitbilder und die daraus folgende Umgestaltung von Stadtquartieren (inklusive Abriss) gab es auf beiden Seiten!

--- Signatur ---
Bitte beachten Sie beim Aussteigen die Lücke zwischen Bus und Bordsteinkante!
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Jay
Oha, da sind wieder die west-zentrierten Scheuklappen im Einsatz. Das Leitbild der "autogerechten Stadt" im Westteil mit dem Schleifen ganzer Häuserblocks für die Autobahn oder Abriss und Neubau der Randbebauung zur Verbreiterung einiger Hauptstraßen scheinst du ja bewusst zu verdrängen.

Ich hatte durch einen (ehemaligen) Foristen die Gelegenheit, mir den FNP 1965 in seiner ganzen Monströsität einmal anschauen zu dürfen.
Dass die Bürger damals verhindert haben, dass der Westteil der Stadt zu einem gigantischen Ludwigshafen wird, ist mir bekannt und ich bin froh darüber.

Zitat

Dass vor dem Hansaviertel andere Häuser im Tiergarten standen ist dir hoffentlich auch bewusst.

Das geschah aber im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung.

[/quote]
Leitbilder und die daraus folgende Umgestaltung von Stadtquartieren (inklusive Abriss) gab es auf beiden Seiten![/quote]

Selbstverständlich. Trotzdem sind der Alexanderplatz, die Leipziger Straße, die Landsberger Allee usw. tiefe Wunden, von denen sich so eine Stadt nicht mehr erholt.
Übrigens werden im Kreuzberger Bereich zur Zeit Analogien zwischen Autobahnbau und zukünftigen Straßenbahnbau gezogen...

Gruß Nemo
---

Eine Straßenbahn ist besser als keine U-Bahn!!
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Nicolas Jost
[
Selbstverständlich. Trotzdem sind der Alexanderplatz, die Leipziger Straße, die Landsberger Allee usw. tiefe Wunden, von denen sich so eine Stadt nicht mehr erholt.

Im Gegensatz zu solchen urbanen Glanzlichtern wie der Urania, der A100 namentlich im Bereich Kaiserdamm, dem Steglitzer Bahnhofsbereich, Breitenbachplatz, Kurt-Schumacher-Platz und drumrum...
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Nemo
Übrigens werden im Kreuzberger Bereich zur Zeit Analogien zwischen Autobahnbau und zukünftigen Straßenbahnbau gezogen...

Lass mich raten. Vom gewählten Parkrat dieser rechtsfreien Grünanlage?

Warum muss in 36 eigentlich immer so alles so anstrengend sein?
Zitat
Nicolas Jost
Lass mich raten. Vom gewählten Parkrat dieser rechtsfreien Grünanlage?

Warum muss in 36 eigentlich immer so alles so anstrengend sein?

Mit Verlaub, aber seine Meinung dürfte dir doch gar nicht so sehr entgegenstehen?
Zitat
eiterfugel
Mit Verlaub, aber seine Meinung dürfte dir doch gar nicht so sehr entgegenstehen?

Wie kommst su darauf?
Eine direkte Querverbindung von der Oberbaumbrücke zum Hermannplatz erscheint mir überfällig und ich bin mir sicher, die Verlängerung der M10 wird bei den Nutzerzahlen einschlagen wie eine Bombe.

Und was den Park angeht: Eine Straßenbahn, vielleicht sogar mit einer Haltestelle im Park, wäre der ganzen Situation doch nur zuträglich.
Zitat
Nicolas Jost

Qualitativ und quantitativ höhere Bevölkerungsdichte? Was kann ich mir darunter vorstellen?

Qualitativ, indem der gesamte Raum/Umfeld besser genutzt wird, bspw. Parks, öffentliche Einrichtungen und öffentlicher Aufenthaltsraum statt Parkplätzen oder Brachen. Aber eben auch der richtige Mix aus Wohnen, Gewerbe und Industrie. Erst das schafft die Voraussetzungen für den quantitativen Faktor.
Quantitativ, indem vereinzelt höher und verdichteter gebaut wird, wo es möglich und sinnvoll ist.
Zitat
Nicolas Jost
Die 90er sind vorbei, es gibt keinen Wohnungsleerstand mehr, unsanierte Altbauten mit Kohleofen haben Kultcharakter, aber dafür steht Berlin heute wirtschaftlich besser da als zu jener Zeit - und das geht (leider) auch damit einher, dass sich nicht mehr jeder jede Lage leisten kann.

Gibt es in Berlin noch Wohnungen nur mit Ofenheizung? Wenn ja, etwa wieviel Prozent?
Hier übrigens was zur steigenden Anzahl der Pendler. Hier ist auch ersichtlich, dass es eben nicht nur die Verkehrsunternehmen behaupten:

[www.berliner-zeitung.de]



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.12.2018 23:49 von Railroader.
Zitat
Henning

Gibt es in Berlin noch Wohnungen nur mit Ofenheizung? Wenn ja, etwa wieviel Prozent?

Ja die gibt es und gab es auch bei mir in der Siedlung noch bis vor Kurzem. Hier war die Deutsche Wohnen aber kräftig am Sanieren und hat den Mietzins dann entsprechend deutlich angehoben, so dass einige Mieter ausziehen mussten.

Eine Prozentzahl kann ich dir nicht nennen.
Zitat
Henning


Gibt es in Berlin noch Wohnungen nur mit Ofenheizung? Wenn ja, etwa wieviel Prozent?

Beim Mikrozensus 2014 kam man auf etwa 30.000 Ofenheizungen, davon 12.000 Kohleöfen im Stadtgebiet.


Quelle: Tagesspiegel, 21. März 2017
Zitat
Nicolas Jost
Die 90er sind vorbei, es gibt keinen Wohnungsleerstand mehr, ...Angebot und Nachfrage. Berlin hat beim Angebot gepennt.

Den Leerstand hatten wir noch viel länger: 2006 noch 156.000 Wohnungen Leerstand in Berlin! Trotz des damals mittlerweile erfolgten Abrisses von ca. 4.000 (?) Plattenbauwohnungen.
[www.welt.de]

Mit besten Grüßen

phönix



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 02.12.2018 12:00 von phönix.
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Nicolas Jost
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hvhasel

Genau so ist es. Es geht nicht darum, irgendjemanden irgendetwas vorzuschreiben, im Gegenteil. Eine Verbesserung öffentlicher Verkehrsmittel dürfte im Interesse fast Aller sein, eine restriktivere Handhabung begrenzten öffentlichen Raums für Individualinteressen v.a. im innerstädtischen Bereich dürfte ebenfalls einer Mehrheit zu Gute kommen.

Beim ersten Teil gehe ich d'accord, der andere Part erscheint mir nicht durchdacht. Gewerbe würde dadurch aus der Stadt in die Gewerbeparks ins Umland getrieben, die verbliebenen Einzelhändler haben schon genug mit dem Online-Handel zu kämpfen.

Ich weiß nicht, auf welchen Teil der Standardargumentation gegen MIV-Verlagerung aus Einkaufsstraßen Du hier ansprichst: Die Angst, die Kundenfrequenz würde sich stark verringern, wenn die Menschen nicht mehr mit dem Auto bis vor die Tür des Ladengeschäfts (oder zumindest bis in die Straßen fahren können, oder die die Kritik, dass durch gesperrte Straßen der Liefer- und Warenwirtschaftsverkehr zum erliegen kommt.
Das erste Argument wird regelmäßig von besorgten Ladeninhabern vorgebracht, aber regelmäßig widerlegt, sobald irgendwo mal eine Fußgängerzone eingerichtet wurde. Fußgänger kaufen, Radfahrer halten an, Autofahrer fahren durch. Jede Verkehrsberuhigung in einer Einkaufsstraße hat bisher zu einer deutlichen Steigerung der Publikumsfrequenz, des Umsatzes und des Werts der Handelsimmobilien geführt.
Das zweite Problem ist real aber rein organisatorischer Natur. Selbst in einer Fußgängerzone kann man mit 20-Tonnern liefern. Aussperren von MIV kann im Gegenteil dem Wirtschaftsverkehr (und dem Anwohnerverkehr) den Raum geben, den er nunmal braucht. Damit ich nicht so weit denken muss - Beispiel Gleimstraße. Die ist werktags in beide Richtungen voll mit Lastern in der 2. Reihe. Wenn es gut läuft, stehen die mit einigem Abstand versetzt. Es bleibt regelmäßig eine Fahrspur in Schlangenlinien für beide Richtungen. Der Kollaps ist real.
In der Altstadt Köpenick hat das Aussperren des MIV zwar die Pünktlichkeit des ÖPNV enorm verbessert,
Handel hat sich dort aber seitdem mühsam ernährt. Regelmäßig sind an den Gewerbeimmoblien "Zu vermieten" Schilder zu finden..
Und ab 18.00 sind die Bürgersteige oben....

T6JP
Zitat

Damit ich nicht so weit denken muss - Beispiel Gleimstraße. Die ist werktags in beide Richtungen voll mit Lastern in der 2. Reihe. Wenn es gut läuft, stehen die mit einigem Abstand versetzt. Es bleibt regelmäßig eine Fahrspur in Schlangenlinien für beide Richtungen. Der Kollaps ist real.

Da stellt sich mir die Frage was in einer langweiligen Wohnstraße ohne Gewerbe, was dermaßen viel LKW benötigen täte, so viele LKW machen?
Wurden die von anderswo verdrängt und stehen dort nur ihre Zeit ab, bis sie auf die Schönhauser vorrücken können?
Zitat
T6Jagdpilot
In der Altstadt Köpenick hat das Aussperren des MIV zwar die Pünktlichkeit des ÖPNV enorm verbessert,
Handel hat sich dort aber seitdem mühsam ernährt. Regelmäßig sind an den Gewerbeimmoblien "Zu vermieten" Schilder zu finden..
Und ab 18.00 sind die Bürgersteige oben....

T6JP

Ich kenne das Argument, vor allem auch aus der Altstadt Spandau. Hier gibt es aber eine Korrelation, keine Kausalität. Das Veröden der Innenstadt liegt an der Konkurrenz der Großmärkte auf der 'grünen' Wiese und dem Onlinehandel. Nicht aber an der schlechten Erreichbarkeit durch den MIV. Die von vielen geteilte Beobachtung: *Fußgängerzone > Autos weg > Kunden weg > Niedergang* ist einfach, einleuchtend und falsch. Richtig vielmehr ist, dass die erfolgte Attraktivierung und Aufwertung des Stadtraumes eine unabhängig davon stattfindende Verlagerung der Umsätze aus der Stadt raus nicht vollständig zu kompensieren in der Lage war. Die Altstädte Köpenick und Spandau wären selbstverständlich noch viel tiefer in der Krise, wenn sie von vielbefahrenen Autostraßen durchzogen würden.

Zwei Gegenbeispiele, wo funktionierende kommerzielle Zentren durch Aussperren von Autos noch stark aufgewertet und in ihrer Position gestärkt werden konnten (die Du beide kennen dürftest) sind die Mahü in Wien und die Altstadt von Bratislava.
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